Die Dorfkirche von Hermersdorf (Märkisch-Oderland)

 
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Hermersdorf liegt nördlich der Stadt Müncheberg am Rande des Naturparks Märkische Schweiz. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahr 1288 in einer Lehnsurkunde der brandenburgischen Markgrafen. Erst ein Jahr zuvor – 1287 – war das Land Lebus, zu dem Hermersdorf gehört, endgültig in den Besitz der Askanier gelangt, nachdem das ursprünglich zu Schlesien gehörende Gebiet lange Zeit der Zankapfel verschiedener Territorialfürsten war.

Etwa aus der Zeit der Ersterwähnung stammt auch die Hermersdorfer Kirche, ein schlichter, flachgedeckter Feldsteinbau mit eingezogenem Chor. Der ebenfalls eingezogene Westturm, dessen Außenmauern im Gegensatz zum Kirchenschiff aus sehr unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk mit Backsteinblenden bestehen, entstand erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Der Innenraum des mittelalterlichen Baus war geprägt von einem geschnitzten Marienaltar, der jedoch bereits bei einem Umbau der Kirche 1836 einem einfachen Kanzelaltar weichen musste und an das Müncheberger Altertumsmuseum abgegeben wurde.

Im April 1945 liegt Hermersdorf in der Hauptlinie der Endkämpfe des Zweiten Weltkriegs. Viermal zieht die Front über den Ort hinweg, bevor er von der Roten Armee eingenommen wird. Siebzig Prozent der Gebäude sind zerstört oder schwer beschädigt; auch die Kirche ist ausgebrannt und wird erst von in den fünfziger Jahren wieder aufgebaut. Neu gestaltet wird in diesem Zusammenhang auch der Innenraum: Der seinerzeit renommierte Frankfurter Kunstmaler Rudolf Grunemann schuf vier Wandgemälde mit Episoden aus dem Leben des Apostels Petrus. Acht bleiverglaste Fenster mit christlichen Symbolen geben dem Raum Farbe und Licht. Ungewöhnlich ist das Altarbild, das ein Berliner Künstler namens Herrler aus Linoleum schuf. In schlichten, fast expressionistisch anmutenden Bildern sind vor einem goldenen Strahlenhintergrund die Geburt und die Taufe Christi sowie im Mittelfeld die Kreuzigung dargestellt.

Da der bauliche Zustand der Hermersdorfer Kirche sich nach den wohl eher provisorischen Instandsetzungsarbeiten der Nachkriegszeit zusehends verschlechtert hatte und die zahlenmäßig kleine Kirchengemeinde die Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes allein nicht mehr bewältigen konnte, gründete sich 2001 der Förderverein Dorf und Kirche Hermersdorf e.V., der 2002 zu den ersten Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen Startkapitals für Kirchenfördervereine gehörte. Seitdem konnten der Turm neu eingedeckt und der Glockenstuhl saniert werden, so dass seit 2011 wieder täglich um 12 Uhr und um 18 Uhr die 1620 von dem Spandauer Glockengießer Christian Heinze geschaffene Bronzeglocke im ganzen Dorf zu hören ist. Auch eine Sanierung von Dach und Dachstuhl des Kirchenschiffes wäre in absehbarer Zeit sehr zu wünschen, da die alten Betondachsteine schon äußerst schadhaft sind.

   
Petrus und Anna Selbdritt
© Förderverein Dorf und Kirche Hermersdorf e.V.

Von Anfang an jedoch sah sich der Hermersdorfer Verein nicht als reiner "Bauverein". Unter dem Motto "Die Kirche im Dorf lassen" finden neben den seltenen, aber regelmäßigen Gottesdiensten vielfältige Veranstaltungen in dem Gebäude statt. Durch Konzerte, Ausstellungen und Vorträge, Kino- und Theateraufführungen ist die Hermersdorfer Kirche zu einem soziokulturellen Zentrum des etwa 250 Einwohner zählenden Dorfes geworden.

Als nächstes möchte der Verein zwei besonders wertvolle Zeugnisse der Orts- und Kirchengeschichte zurück in die Hermersdorfer Kirche holen. Nachdem das Müncheberger Museum 1945 zerstört worden war, blieben von dem bereits erwähnten gotischen Schnitzaltar lediglich zwei Figuren erhalten: ein Petrus mit Buch und Schlüssel sowie eine Anna Selbdritt.

Die sehr qualitätsvoll gearbeiteten Skulpturen entstanden um 1520 in der "Werkstatt des Bernauer Altares", aus der neben weiteren hervorragenden Stücken auch ein Altar aus der Kirche des Nachbarortes Münchehofe stammt, der heute in einer Nebenkapelle, der sogenannten Sakristei, des Fürstenwalder Doms zu bewundern ist. Bis zum Beginn der neunziger Jahre standen die Schnitzfiguren in einem Versammlungsraum des Konsistoriums in der Berliner Neuen Grünstraße; zurzeit befinden sie sich in der Werkstatt einer Berliner Restauratorin. Im März soll über ein Restaurierungskonzept gesprochen werden. Und dann gilt es, die notwendigen Gelder aufzutreiben…

Weitere Informationen: Förderverein Dorf und Kirche Hermersdorf e.V.; Martin Schulze; Friedländer Str. 5; 15374 Müncheberg / OT Hermersdorf; Tel.: (03 34 32)7 16 53; E-Mail: ms.friedland@web.de

  
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