Die Heiligen von Hermersdorf

Ein Förderverein kämpft für die Rückkehr historischer Altarfiguren in die Kirche

Von Kerstin Yvonne Lange

"Die Kirche bleibt im Dorf!", hieß es unter den Hermersdorfern schon vor 59 Jahren, als sie im April 1953 das Richtfest ihrer in den letzten Kriegstagen zerstörten Kikrche feierten. "Und die Altarfiguren auch!", sagen die engagierten Mitglieder des 2001 gegründeten Fördervereins "Dorf und Kirche Hermersdorf" undmeinen damit die beiden aus Lindenholz gearbeiteten Skulpturen der Heiligen Anna Selbdritt und des Heiligen Petrus, die zu einer achtteiligen Figurengruppe des Hermersdorfer Hochaltars gehörten, der um 1520 entstand. Sie wurden aber, kaum dass sie etwa 300 Jahre den Hermersdorfer Flügelaltar schmückten, im Jahre 1837 innerhalb der Umgestaltung des Innenbereiches der Kirche in das Müncheberger Altertumsmuseum gebracht und wurden als "die schönsten Denkmäler mittelalterlicher Schnitzkunst" tituliert.

Unangetastet blieben sie, bis 1945 die Zerstörungen des Krieges nur noch zwei Figuren des gotischen Schnitzaltars übrig ließ und die Heilige Anna Selbdritt und der Heilige Petrus bis zu Beginn der 90er Jahre in einem Versammlungsraum des Konsistoriums in der Neuen Grünstraße in Berlin ein Obdach fanden. Danach erhielten sie in den Händen von Restauratorin Katharina Geipel in Berlin nicht nur ein Dach über den Kopf, sondern eine gute Überlebenschance. Von nun an wurden sie fachgerecht aufgehoben und mit ersten Restaurierungsarbeiten versehen mit der Jahrtausendwende wieder in das Bewusstsein der Hermersdorfer gerückt.

Die Anstrengung der Mitglieder des Fördervereins um den Vorsitzenden Martin Schulze lohnt, denn diese etwa ein Meter hohen Figuren sind "von einem qualitativ hohen Niveau und wurden von einer "Werkstatt des Bernauer Altares gefertigt", so Peter Knüvener, Mitarbeiter im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam.

Der Hermersdorfer Förderverein übernahm nach Jahrzehnten des Ruhens den Staffelstab, gehörte 2002 zu den ersten Preisträgern, die das Startkapital für Kirchen-Fördervereine erhielten, ausgeschrieben vom Förderkreis Alte Kirchen. Damit konnte der bauliche Zustand der Kirche nach den provisorischen Instandsetzungsarbeiten der Nachkriegszeit erheblich verbessert, der Turm neu eingedeckt und ein neuer Glockenstuhl geschaffen werden.

Im März wurde die Hermersdorfer Kirche vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zur Dorfkirche des Monats ausgeschrieben, auch wegen des Ringens um diese zwei Figuren. Im März versammelten sich 16 Menschen in der ungeheizten Kirche, eben wegen dieser Figuren, die von den ursprünglich acht über die Jahrhunderte in unsere Lebenszeit hinein erhalten geblieben sind.

Es gilt eine Lösung zu finden, was mit den Figuren geschehen soll, bis über neue Fördermittel der Dachstuhl und das Tonnegewölbe saniert und der Innenraum der Hermersdorfer Kirche neu gestaltet werden, so dass die Heilige Anna Selbdritt und der Heilige Petrus wieder in ihre "Kinderstube" zurückkehren könnten.

Es keimt die Hoffnung, dass der Heilige Petrus in einigen Jahren in der Hermersdorfer Petrikirche stehend auf vier Wandgemälde und somit auf vier Episoden seines eigenen Lebens schauen kann und die Heilige Anna Selbdritt, die mit Maria und Jesus drei Generationen verkörpert, den Hermersdorfern deren tiefe Heimatverbundenheit zeigt.

Denn um mit den Worten Kurt Tucholskys auf das nächste konstruktive "Treffen der 16" Anfang Mai in der Müncheberger Kirche, dem vorübergehenden "Asyl" der beiden zu verweisen: "Es gibt etwas jenseits aller Politik und aus diesem Gefühl heraus lieben wir dieses Land."

Die Kirche vom 29. April 2012

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