Kirchensanierung

Einladung zum Feiern unterm neuen Dach

Thomas Berger

Hermersdorf Seit Jahren läuft in Etappen die Sanierung der Hermersdorfer Kirche. Jetzt ist das Dach an der Reihe. Bis zum übernächsten Wochenende, wenn „Dachfest“ gefeiert wird, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Prüfender Blick: Fördervereinschef Martin Schulze an der Hermersdorfer Kirche, wo derzeit mit letzten Arbeiten die Dachdecker am Werke sind.
© Foto: Thomas Berger

Eifrig sind die Handwerker zugange, legen vorletzte Hand an. Auf der hinteren, der Straße abgewandten Seite ist schon soweit alles fertig. Und auch vorn, für alle Vorbeifahrenden gut zu sehen, bedecken bis auf wenige Mini-Abschnitte, wie an den letzten zwei, drei Reihen am Anschluss zum Turm, schon die neuen rostroten Dachsteine fast die ganze Fläche. Was jetzt in der letzten Umsetzungsphase zügig und reibungslos über die Bühne geht, hat allerdings eine längere, hürdengespickte Vorgeschichte, wie Martin Schulze deutlich macht. Der Vorsitzende des rührigen Fördervereins Dorf und Kirche Hermersdorf verweist auf die ursprüngliche Planung, die eine Umsetzung des Vorhabens eigentlich schon 2015 vorsah. Zwei Jahre zuvor hatte der Verein mit dem Spendensammeln begonnen. Dann aber zog sich alles, bis es nun doch noch ein gutes Ende findet, über fünf Jahre hin.

Bereits in den früheren Etappen sind rund 56 000 Euro in die Dorfkirche des Müncheberger Ortsteils gesteckt worden. 2004 begann alles mit der Erneuerung der Einbauten im Turm. Die Treppen und sonstige Details zum Begehbarhalten auf den drei Etagen schlugen mit 5400 Euro zu Buche, die Neueindeckung des Turmdaches mit einigen Arbeiten an der Außenfassade im Folgejahr war mit Ausgaben von 37 000 Euro schon ein ziemlich großer Brocken. 2011 wurden 11 500 Euro für den neuen Glockenstuhl mit elektrischer Läutanlage fällig, in den Zwischenjahren davor waren auch noch diverse Arbeiten im Elektrobereich erfolgt.

Mit zunächst geschätzten 70 000 Euro wäre die Dacherneuerung über dem Kirchenschiff in jedem Fall schon um einiges teurer geworden als alle bisherigen Maßnahmen zusammen. Doch als es dann schließlich an die Ausschreibung ging, stand plötzlich anhand der eingegangenen Angebote eine nochmals weitaus größere Summe im Raum: Gut 103 000 Euro werden die Arbeiten auf dieser Basis nun kosten. Krisenmanagement war deshalb voriges Jahr gefragt, blickt Martin Schulze zurück. Und zeitweise schien es, als könne zunächst nur eine Teileindeckung erfolgen, weil halt erst einmal nicht mehr Mittel zur Verfügung stehen.

Einen neuen massiven Impuls für zusätzliche Anstrengungen bei allen Hauptbeteiligten löste dann die Nachricht der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung aus Hamburg aus, ihre Fördersumme auf 10 000 Euro zu verdoppeln. „Voraussetzung sei aber, dass wir das gesamte Dach schaffen.“ Also legten in ihren Zusagen auch die Kirchengemeinde Müncheberger Land mit ihrem Eigenanteil und der Förderverein von 15 000 auf 20 000 Euro zu. Mit diesen geballten Signalen, die erhöhte Herausforderung unbedingt meistern zu wollen, konnte auch der Kirchenkreis, der mit nunmehr 55 000 Euro den Löwenanteil trägt, zur Aufstockung bewegt werden. Mit im Boot sind zudem die Landeskirche und die Stadt Müncheberg. Im Juli wurde durch die Eberswalder Firma Gerüstbau Lindemann GmbH & Co. KG das Gerüst aufgestellt. Eine mehrwöchige Pause, bevor DBP Dachbau & Co. KG aus Prenzlau und BDP Baudenkmalpflege Prenzlau GmbH mit den eigentlichen Arbeiten der Neueindeckung loslegten, lag daran, dass der Architekt mit den Ausführenden nach der Aufnahme der alten Dachsteine den genauen Holzbedarf ermitteln musste, erklärt Schulze.

Der Vereinschef ist dankbar für ganz viele Spenden. Mit Alexander von Brünneck habe man schon seit Jahren einen privaten Förderer, der immer wieder nennenswerte Summen beisteuerte, so auch diesmal. Vieles seien aber einfach auch Kleinspenden, die zusammengerechnet halfen, den beachtlichen Betrag vereinsseitig aufzubringen.

Mit dem Dachfest am Sonnabend, 22. September, soll allen noch einmal ausdrücklich gedankt werden. Gefeiert wird in Form eines Empfangs mit Andacht, die Ringo Effenberger halten wird (am Beginn seiner beruflichen Laufbahn einmal Pfarrer in Müncheberger Land). Los geht es um 14 Uhr, auch mit Posaunenchor und Grußwort der Bürgermeisterin, anschließend besteht Gelegenheit, am Buffet noch das eine oder andere Gespräch zu führen. Die Gruppe Kiltyfanad spielt um 16 Uhr keltische Musik, um 18 Uhr tritt dann noch die Band Die Details um den Obersdorfer Torsten Berger und den Neu-Hermersdorfer Simon B. Veredon in Aktion.

Letztgenannter, der als Schauspieler, Hörbuchsprecher sowie Autor und Regisseur in der Filmbranche in Berlin arbeitet, gestaltet bereits eine Woche zuvor am kommenden Sonnabend, 15. September, eine besondere Lesung. Um 19 Uhr bringt er Texte der Essener zu Gehör. „Priester auf der Flucht vor Dschingis Khan brachten wohl im dritten Jahrhundert Ikonen und Manuskripte mit sich in die slawische Region, die sie vom Aramäischen übersetzten. Wie diese Texte von Palästina in ihre Hände gelangten, ist Archäologen noch unklar. Auffallend bei all diesen Texten, vermeintlich von den Essenern als Zeitgenossen Jesu von Nazareth aufgeschrieben, ist die Ausgewogenheit, in der Jesus die väterliche und weibliche Göttlichkeit erwähnt und Tiere als unsere Brüder und Schwestern bezeichnet, die man nicht töten sollte“, heißt es im Ankündigungstext. Über die angesprochenen Themen und die Gedanken der Anwesenden dazu soll im Anschluss noch innerhalb von insgesamt rund anderthalb Stunden an diesem Abend gesprochen werden.

MOZ.de vom 13. September 2018

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