Die Dorfkirche von Falkenthal (Oberhavel)

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Solch einen Turm hat keine andere märkische Dorfkirche. Er ist nicht nur sehr hoch, weil er einen barocken Turmaufsatz aus Fachwerk hat, dieser Turm wirkt auch deshalb besonders imposant mit seiner wuchtigen Feldstein-Wand, weil diese so breit ist wie das Kirchenschiff. Luthers Lied von der festen Burg - hier trifft es zu. In Falkenthal im Löwenberger Land kann man sich lebhaft vorstellen, dass diese Dorfkirche in ihrer sechshundertjährigen Geschichte nicht nur ein Raum des Gebetes war, sondern gelegentlich auch als Schutzraum für die Bewohner diente.

Der Turm ist der Stolz der Gemeinde, doch gegenwärtig auch ein Grund zur Sorge. Das liegt nicht so sehr am fast hundert Jahre alten Efeu, den man wegen seines Gewichts zurückschneiden musste (und der Gärtner dabei offenbar nicht sehr glücklich schnitt). Sorgen bereitet der Turmaufsatz aus dem Jahre 1702, den oben eine Laterne krönt. Der gesamte obere Teil des Turmes muss saniert werden, das Holz ist mürbe und das Fachwerk bröckelt. Daher können auch nicht mehr alle drei Glocken gleichzeitig geläutet werden, die oben im Fachwerk hängen. Die Kosten für die Turm-Sanierung dürften sich auf etwa 350.000 Euro summieren. Vor einem Jahr wurde ein Förderverein gegründet, der das Geld beschaffen soll. Er organisiert Turmfeste, er sammelt Geld beim Erntedankfest und verkauft jetzt auch Falken-Thaler für zehn Euro das Stück. Doch es ist klar, dass die kleine Gemeinde das viele Geld nicht allein aufbringen kann es müssen auch andere helfen, Stiftungen und private Spender. Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung kann der Falkenthaler Turm weitere Jahrzehnte lang weit ins Havelland hinausschauen.

Die Turm-Reparatur ist nicht die erste Sanierung, die die Gemeinde vor finanzielle Probleme stellt. Vor sieben Jahren wurde das Dach neu gedeckt, was damals 150 000 Euro kostete. Auch im Inneren der Kirche hat man die Balkendecke ausgebessert und die Sitze erneuert. Nun kann man besser als früher den großen Taufengel aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts betrachten und auch das dreiteilige Altarbild, das man mit seiner romantisierenden Darstellung des auferstandenen Jesus und der Maria Magdalena eher in einer katholischen Kirche erwarten würde. Das Bild wurde im 19.Jahrundert vom Berliner Künstler Professor Lietzmann gemalt und von der Fürstin Marie zu Eulenburg-Hertefeld gestiftet, die damals im benachbarten Schloss Liebenberg wohnte. Zu den pittoresken Eigenheiten des Altaraufsatzes zählt, dass der Maler auf dem rechten Retabel hinter einem Sämann die Kirche von Falkenthal zeichnete - damals übrigens noch ohne Efeu am Turm.

Der rechteckige Feldsteinbau mit seinem imposanten Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert. Falkenthal selbst wurde erstmals 1270 erwähnt, und zwar in einem Schriftstück des Klosters Zehdenick. Im Mittelalter war das Dorf in der Nähe der "Schnellen Havel" ein wichtiger Knotenpunkt von Handelsstraßen, die von Mecklenburg und Pommern nach Berlin führten. Vermutlich fanden die Siedler, die im 13.Jahrhundert unter den Askaniern die landwirtschaftliche Kultivierung begannen, kein unbewohntes Land vor. Denn der Pfarrer Arnoldi, der Anfang des 18. Jahrhunderts für den barocken Turmaufsatz sorgte, schreibt von Urnen oder Totenköpfen, die man seinerzeit in der Gemarkung fand und die auf eine frühe slawische Besiedlung hindeuten. Falkenthal und auch Liebenberg fielen 1460 an den uckermärkischen Landvogt Hans von Bredow. Nach der Reformation gehörte es zur preußischen Krone. Im dreißigjährigen Krieg wurde Falkenthal - wie so viele andere Dörfer in der Uckermark - verwüstet und entvölkert (nur die Familie des Pfarrers soll überlebt haben). Einzig die Kirche überstand als massiver Bau diese Schreckenszeit und später so manche Feuersbrunst. Selbst ihre drei Glocken konnten die Falkenthaler durch die Unbill der Zeiten retten, was in Brandenburg angesichts der vielen früheren Kriege anderswo nur selten gelang.

Weitere Informationen:

Pfarramt Falkenthal, Breite Straße 38, 16775 Falkenthal, Telefon 033088/50218. Mail-Adresse: kirchengemeinde.falkenthal@web.de

Peter Hanschmann, Vorsitzender des Fördervereins, Birkenweg 7, 16775 Falkenthal. Telefon: 0162/6471725, Mail-Adresse: CPH1707@t-online.de



Zum Weiterlesen:
Märkische Oderzeitung vom 11. Juni 2014: Wenn der Turm aber nun schief ist
Der Förderkreis gehört zu den Preisträgern der Ausschreibung "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2014"
Märkische Onlinezeitung vom 22. August 2015: Förderverein veranstaltet Turmfest


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