Die Dorfkirche von Wismar (Uckermark)

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Das Dorf Wismar bildet den nördlichsten Zipfel des Landes Brandenburg und wird in fast allen Himmelsrichtungen vom Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern umschlossen. Den einzigen direkten Zugang ins Brandenburgische behindert in südöstlicher Richtung der Lauf eines Baches. Historisch gehörte das 1316 erstmals urkundlich erwähnte Dorf über Jahrhunderte zur Uckermark und bis zur Kreisgebietsreform 1952 zum Kreis Prenzlau. Nach der sogenannten Wende wurde es dem neu gegründeten pommerschen Kreis Pasewalk zugeschlagen, bevor sich die Wismarer - gemeinsam mit den Einwohnern einiger Nachbarorte - per Volksentscheid die geographische Rückkehr in die uckermärkische Alt-Heimat erkämpften.

Die zur Pommerschen Kirche (heute Nordkirche) gehörende Wismarer Dorfkirche ist im Kern ein rechteckiger Saalbau aus unregelmäßig behauenen Feldsteinen mit einem vorspringenden querrechteckigen Turm. Bei einem größeren Umbau im Jahr 1825 wurde der Charakter des Kirchengebäudes wesentlich verändert: Der Ostgiebel wurde neu aufgemauert, die Fenster vergrößert und an der Südseite entstand eine kleine Vorhalle. Der Kirchturm wurde - vielleicht an Stelle eines abgetragenen Vorgängers? - neu gebaut; über einem Zwischengeschoss aus Backstein erhebt sich ein "mit großer Holzverschwendung" (Inventar der Kunstdenkmäler des Kreises Prenzlau von 1921) errichteter Fachwerkaufsatz, der in eine offene Laterne mündet.

Den Innenraum dominiert ein äußerst qualitätsvoller, farbenprächtiger barocker Kanzelaltar, der allerdings erst seit wenigen Jahren den Wismarer Kirchenraum schmückt. Geschaffen wurde das mit reichen Verzierungen versehene Ausstattungsstück 1741 für die Fachwerkkirche im nicht weit entfernten, heute zu Mecklenburg-Vorpommern gehörenden, Dorf Schwarzensee, die 1964 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Der Kanzelaltar sollte nach Wismar kommen, dessen ursprünglicher Altar wohl ein Opfer des Holzwurmes geworden war. Aus heute nicht mehr so recht nachvollziehbaren Gründen wurde der Kanzelaltar an verschiedenen, zum Teil äußerst ungeeigneten Orten zwischengelagert und war den Unbilden der Witterung ausgesetzt. Auf Initiative des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege wurde er im Jahr 2000 endlich in der Wismarer Kirche aufgestellt und im Laufe mehrerer Jahre vorbildlich restauriert.

Ebenfalls erst seit Kurzem hängt links vom Kanzelaltar ein Taufengel, der allerdings zum ursprünglichen Inventar der Wismarer Kirche gehört. Im Jahr 1788 bezahlte die Kirchengemeinde für den Engel den stolzen Preis von vierzig Reichstalern. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der nicht mehr in die moderne Zeit passende Himmelsbote an das Uckermärkische Museum in Prenzlau abgegeben, kehrte jedoch in den 1960er Jahren in die Wismarer Kirche zurück und wurde über der Orgelempore aufgehängt. Auf ebendieser Empore lag der Taufengel dann viele Jahre nach einem Absturz, der ihm schwere Schäden zugefügt hatte. Im Rahmen der Aktion "Menschen helfen Engeln" konnte er restauriert und im Sommer 2010 im Rahmen eines Taufgottesdienstes wieder in Gebrauch genommen werden.

Mit dem neu aufgestellten Kanzelaltar und dem wieder hergestellten Taufengel bot der Innenraum der Wismarer Kirche nun wieder einen wunderschönen Anblick. Sorgen jedoch bereiteten schwere Bauschäden am Kirchengebäude selbst. Aber auch hier konnte inzwischen Abhilfe geschaffen werden. Im zu Ende gehenden Jahr 2014 war es möglich, erste Instandsetzungsmaßnahmen am Mauerwerk des Kirchenschiffes, speziell am Ostgiebel, auszuführen. Für 2015 ist - dank einer großzügigen Hilfe aus einem Sonderfonds des Bundeskulturministeriums - eine umfassende Sanierung des Kirchturms geplant. Für diesen Bauabschnitt stellt auch der Förderkreis Alte Kirchen, der bereits die Restaurierung des Kanzelaltars und des Taufengels finanziell unterstützte (s. u.a. Mitteilungsblatt September 2008), Fördermittel zur Verfügung.

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Strasburg; Pfarrer Manfred Hojczyk; Tel.: 039753-20258; Mail: strasburg@pek.de


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