Die Dorfkirche von Steffenshagen (Prignitz)

 
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Nachdem der Heimatverein Steffenshagen im Jahr 2011 zu den Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen ausgeschriebenen "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine" gehörte, war der rührige Verein im September nun Gastgeber der diesjährigen Festveranstaltung zur feierlichen Preisübergabe. Dabei hatten die Steffenshagener keine Mühen gescheut, um den zahlreichen Gästen in dem nahe Pritzwalk gelegenen Prignitz-Dorf einen spannenden und ereignisreichen Tag zu bescheren. So gab es neben musikalischen und kulinarischen Leckerbissen auch eine Kremserfahrt zu Dorfkirchen in der Nachbarschaft mit fachkundiger kunstgeschichtlicher Begleitung. Den Reisesegen zum Abschluss der Veranstaltung sprach Pfarrer Gottfried Winter auf Plattdeutsch, bevor – ebenfalls auf platt – ein Chor das "Prignitz-Lied" vortrug.

In ihrer jetzigen Gestalt ist die Steffenshagener Kirche noch keine einhundert Jahre alt. Während eines Gewitters am 2. Juni 1917 schlug der Blitz in den Turm ein; die Kirche brannte bis auf die Umfassungsmauern aus, nur wenige Ausstattungsstücke wie das eiserne Kruzifix und die Altarleuchter konnten geborgen werden. Die Entwürfe für den Wiederaufbau lieferte der damalige Leiter des Kirchlichen Bauamtes Curt Steinberg, in dessen Händen auch die Bauleitung lag. Erstmalig erhielt die Kirche einen steinernen Turm, der – umschlossen von einem steilen Walmdach – das Kirchengebäude etwas gedrungen wirken lässt.

Für die Gestaltung des Innenraumes konnte der seinerzeit sehr bekannte Kirchenmaler Robert Sandfort gewonnen werden. In Steffenshagen entschied sich Sandfort für eine geradezu opulente neubarocke Formensprache mit dem distelähnlichen Akanthusblatt als immer wiederkehrendem Hauptmotiv. Das ohne die Verwendung von sonst üblichen Schablonen floral reich ausgemalte hölzerne Tonnengewölbe schwebt wie ein "schützendes Dach" über dem Kirchenraum. Ein hinter dem Kanzelaltar gemalter Vorhang nimmt die Pflanzenmotive in Form und Farbe ebenso auf wie die Brüstungsfelder der Empore und die Umrahmung des Orgelprospekts. In seiner unveränderten gestalterischen Geschlossenheit vermittelt der Innenraum der Steffenshagener Kirche ein seltenes Beispiel für den künstlerischen Zeitgeschmack der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen.

Leider sind jedoch inzwischen zahlreiche Bauschäden an der Steffenshagener Kirche nicht mehr zu übersehen. Im Jahr 2010 nahm deshalb der bereits seit längerem sehr aktive Heimatverein Steffenshagen die Erhaltung des immer seltener gottesdienstlich genutzten Kirchengebäudes neu in seine Satzung auf. Seitdem finden hier regelmäßig gut besuchte Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen und Vorträge statt. Mit Hilfe des bereits erwähnten "Startkapitals" war es möglich, ein erstes Schadensgutachten zu erstellen, das die Grundlage für notwendige Reparaturarbeiten bieten soll.

Gern möchten die Steffenshagener auch ihre Orgel wieder zum Klingen bringen. Das 1922 von der Potsdamer Firma Schuke als opus 100 geschaffene Instrument mit fünf Registern auf einem Manual und dem Pedal ist seit Jahrzehnten nicht mehr spielbar. Die billigste Variante für eine grundlegende Restaurierung kostet immerhin 40.000 Euro.

Die bereits erwähnte Festveranstaltung des Förderkreises Alte Kirchen in Steffenshagen hatte der Heimatverein im Übrigen mit einer anschließenden Gärten- und Höfenacht verbunden. Nach der Feier wurde das restaurierte Gefallenendenkmal eingeweiht. An zehn Stellen im Dorf gab es Angebote für Jung und Alt. Die Feuerwehr präsentierte sich. Für das leibliche Wohl war mit Spanferkel und dem für die Prignitz typischen Kohlgericht "Knieper" gesorgt. Und am nächsten Tag ging es auf der Festwiese weiter…

Wir als Gäste danken dem Heimatverein und allen Steffenshagenern für den gelungenen Tag. Mitnehmen konnten wir die Gewissheit, dass es bei so vielen fleißigen Helfern möglich sein wird, die Kirche im Dorf zu lassen.

Weitere Informationen: Heimatverein Steffenshagen e.V.; Margit Vogel; Dorfstr. 31; 16928 Pritzwalk / OT Steffenshagen; Tel.: (0 33 95) 31 06 78; Mail: vogelhaus31@t-online.de


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 07. September 2015: Gotteshaus wird eingehaust
Märkische Allgemeine vom 24. November 2015: Fußboden für Steffenshagener Kirche


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