Die Dorfkirche von Schönebeck (Landkreis Prignitz)

Dorfkirche Schönebeck - Prignitz 
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Dorfkirche Schönebeck - Prignitz
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Lediglich etwa 120 Menschen leben in dem kleinen Dorf Schönebeck, gelegen direkt an der B 103 zwischen Pritzwalk und Kyritz. Trotz der schon immer recht geringen Einwohnerzahl kann der Ort auf zwei zumindest lokale Berühmtheiten verweisen, Vater und Sohn, beide Schriftsteller. Johann Christian Theodor Eckart (1828 1893) war hauptberuflich Vorsteher der Knabenerziehungsanstalt in Schönebeck und veröffentlichte neben anderen Büchern eine Schrift mit dem schönen Titel "Durch Glauben zum Frieden". Sein Sohn Rudolf Eckart (1861 1922) folgte ihm nicht nur im erzieherischen Amt, sondern war ebenfalls schriftstellerisch tätig. Aus seiner Feder stammt eine Familiengeschichte der Eckarts ebenso wie ein respektables "Handbuch zur Geschichte der plattdeutschen Literatur".

Die Schönebecker Kirche ist ein kleiner, schlichter Fachwerkbau mit eingezogenem quadratischem Turm. Zu Zeiten der Eckarts war die Ausfachung noch ziegelsichtig, wie eine alte Fotografie zeigt. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Gefache verputzt und mit heller Farbe gestrichen. Ein Vorgängerbau fiel vermutlich dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer, denn eine Inschrift auf einem Riegel der Südseite verweist "in erhabenen römischen Majuskeln" auf 1660 als Entstehungsjahr. Allerdings scheint nach neuesten Erkenntnissen diese Lesart fehlerhaft, denn eine vor wenigen Jahren angestellte dendrochronologische Untersuchung des Bauholzes ergab 1666 als Fälldatum des verwendeten Baumes. Wie dem auch sei die Schönebecker Kirche gehört damit zu den ältesten Fachwerkbauten der Prignitz.

Auch der Innenraum der Schönebecker Kirche ist eher schlicht. Ein barocker Kanzelaltar mit seitlichem Aufgang wurde bei einer Restaurierung in den Jahren 1958/59 entfernt und weitgehend zerstört. Lediglich der Kanzelkorb blieb erhalten und wird, im Altarraum stehend, heute als Lesepult verwendet. Im Zuge der damaligen Umbauten entstand auf der vergrößerten Orgelempore ein Raum für Christenlehre und Bibelstunden. In der DDR war es nicht mehr möglich, den Religionsunterricht in den Schulen durchzuführen, und die Schaffung eines separaten Raumes auf der Empore in der Schönebecker Kirche sollte Vorbildwirkung für die umliegenden Orte haben.

Derzeit ist das Kirchengebäude stark sanierungsbedürftig. 1959 wurden die Fundamente erhöht und die Schwellen in ein stark zementhaltiges Mörtelbett gelegt. Das führte zu einer permanenten Feuchtigkeitsbelastung und zu schweren Schädigungen der hölzernen Schwellenbalken. Inzwischen neigt sich die Kirche gefährlich nach Norden.

Seit einigen Jahren engagiert sich in dem Prignitzdorf eine "Initiativgruppe Dorfkirche" für das Gebäude. Auslöser war im Jahr 2005 eine Haussammlung, die in dem kleinen Ort die stolze Summe von 3.300 Euro erbrachte. Dann wurden Kaffee-Nachmittage organisiert, Dorffeste geplant und Konzerte veranstaltet. Nach und nach wurde der Kreis der Beteiligten und Interessierten immer größer. Die Initiativgruppe gehörte 2008 zu den Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen jährlich ausgeschriebenen "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine".

In diesem Jahr ist es nun voraussichtlich ab Mai möglich, mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen und diese auch abzuschließen. Im Rahmen des Staatskirchenvertrages beteiligt sich das Brandenburgische Kulturministerium wesentlich an der Finanzierung. Nötig ist jedoch ein Eigenanteil, der immer noch beträchtlich ist. In Schönebeck ist man sich jedoch einig, dass es zu schaffen ist, die notwendigen Gelder zu beschaffen.

Weitere Informationen: Initiativgruppe Dorfkirche Schönebeck; Frau Renate Schulz; Tel.: (0 33 95) 31 07 60

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