Die Dorfkirche von Lübnitz (Potsdam-Mittelmark)

 
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Seit dem Erntedankfest im Jahre 2009 schmückt ein Bronzerelief das Eingangsportal der Dorfkirche von Lübnitz, das anlässlich des Abschlusses der Instandsetzungsarbeiten an der äußeren Hülle des Bauwerkes vom Künstler selbst enthüllt wurde. Professor Karl-Henning Seemann nannte sein Kunstwerk "Der Baum als Symbol der Schöpfung und ihrer Gefährdung". Stark in ihrem Bestand gefährdet war wenige Jahre zuvor auch die Lübnitzer Kirche.

Mit der Errichtung des aus Apsis, eingezogenem Chor, Kirchenschiff und westlichem Querriegel bestehenden Kirchengebäudes wurde vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts begonnen. Ein im Chorfenster verwendetes Stück Eichenholz wurde dendrochronologisch untersucht und dabei als Fälldatum des Baumes das Jahr 1208 ermittelt. Ein erster Geistlicher, "Heinrich, Pfarrer in Lübnitz", taucht in einer Urkunde des Jahres 1314 auf.

Die Granitsteinquader der Außenmauern sind zum größten Teil sauber behauen. Nur am Turm wurden unregelmäßiger bearbeitete Steine verwendet, was auf eine spätere Entstehung dieses Bauteils schließen lässt. Möglicherweise gleichzeitig mit dem Turm entstand auf der Nordseite des Chores ein Gruftanbau, der später als Sakristei genutzt wurde und heute ein kleines Museum beherbergt. Der Innenraum erhält mit der mehrfachen Staffelung durch Triumphbogen und Arkadenbogen der Apsis eine beeindruckende Tiefe. Bei Restaurierungsarbeiten wurden neben barocken Wandmalereien auch mittelalterliche Weihekreuze in der Apsis und an der Westseite des Kirchenschiffes freigelegt. Die um 1700 entstandene Kanzel enthält in den Feldern des Kanzelkorbes zwischen gedrehten Säulen Schnitzfiguren der vier Evangelisten. Die Patronatsloge auf der Nordempore wird durch gemalte Wappenschilde der Familie von Lochow geschmückt, die seit 1601 im Besitz des Dorfes Lübnitz war.

Dass die Lübnitzer Kirche heute in einem sehr guten baulichen Zustand ist und auch der Innenraum vorbildlich restauriert werden konnte, verdankt sie einem Nachfahren dieser ehemaligen Patronatsfamilie. Ein Zeitungsartikel, der den Verfall des Gebäudes in dramatischen Worten schilderte, veranlasste Anfang des Jahres 2007 Prof. Dr. Christian Bonte-Friedheim, Enkel der letzten Eigentümerin des Gutes Editha von Lochow, innerhalb seiner Familie erhebliche Geldmittel für die Instandsetzung zu sammeln. Zugleich bildete sich im Ort ein Freundeskreis, der die Arbeiten unterstützte und begleitete. Mehrfach beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen an den Kosten der notwendigen Sanierungsarbeiten.

Innerhalb von zwei und einem halben Jahr wurde die Außenhaut des Kirchengebäudes saniert. Schritt für Schritt folgten dann Restaurierungsarbeiten im Innenraum bis hin zur Freilegung großflächiger Wandmalereien des 17. Jahrhunderts. Das Gestühl und die Patronatsloge wurden saniert, die hölzerne Kirchendecke instandgesetzt und der vermauerte Zugang zum Anbau wieder geöffnet. Als letzte Schritte sind für dieses Jahr die Restaurierung der Kanzel und des Taufständers, die Freilegung der Malerien in der Patronatsloge und die Sanierung des Fußbodens im Kirchturm geplant. Zudem soll eine zweite Bronzeglocke, deren Original im 1. Weltkrieg eingeschmolzen wurde, neu gegossen werden. Der Glockenguss soll am 24. Juni, abends um 22 Uhr, auf der Burg Eisenhardt im nahe gelegenen Bad Belzig stattfinden.

Am Samstag, dem 24. September 2011 um 14 Uhr wird mit einem Festgottesdienst der endgültige Abschluss der Arbeiten an der Lübnitzer Dorfkirche gefeiert. Bereits am Vormittag dieses Tages soll die neu gegossene Glocke mit einem Pferdegespann vom Marktplatz in Bad Belzig nach Lübnitz gebracht werden.

Weitere Informationen: Freundeskreis zum Erhalt der Dorfkirche Lübnitz; Prof. Dr. Christian Bonte-Friedheim; E-Mail: cbontefrie@aol.com.


Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 22. September 2011: Glocke wird zum Ziel geführt
Märkische Allgemeine vom 26. September 2011: Krönung mit neuem Glockenklang
Märkische Allgemeine vom 24. November 2011: Klangvoller Abschluss
Märkische Oderzeitung vom 26. November 2011: Nikolausglocke eingekehrt
Mitteilungsblatt Dezember 2011: Nikolaus lädt Groß und Klein ein
Märkische Allgemeine vom 29. September 2015: In Lübnitz hängt der Kirchensegen schief


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