Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Ostern fest im Blick

Bis zum Osterfest des Jahres 2012 scheint es noch eine ganze Weile Zeit zu sein. Schließlich bereiten wir uns derzeit gedanklich erst einmal auf das Weihnachtsfest vor. Und doch haben wir Ostern bereits fest im Blick, denn zu diesem Zeitpunkt soll – wie inzwischen traditionell in jedem Jahr – unser Jahresheft "Offene Kirchen" möglichst flächendeckend in Buchhandlungen, Tourismusbüros und Kirchen zum Verkauf angeboten werden. Die Vorbereitungen dafür laufen also bereits auf Hochtouren.

Die Auswahl der Artikel steht fest. Einige Autoren haben ihre Texte bereits geliefert, andere müssen noch mehrfach gemahnt werden. Wie immer gab es im Vorfeld Diskussionen innerhalb des Vorstands und der Redaktionsgruppe über den Inhalt. Bieten wir zu viel Kunstgeschichte? Wird ausreichend über das ehrenamtliche Engagement berichtet? Sind die Artikel in ihrer Gesamtheit regional ausgewogen? Sollten wir das Konzept unseres Heftes vielleicht sogar grundlegend ändern, immerhin geht die Anzahl der verkauften Exemplare seit einigen Jahren zurück?

Mehrere Texte müssen redaktionell bearbeitet, geglättet oder gekürzt werden. Den Autoren sollen diese Änderungen so nahegebracht werden, dass es nicht zu dauerhaften Missstimmungen kommt. Fotos sind noch zu besorgen, Bildrechte zu klären. Wo bekommen wir ein stimmiges Foto für die Titelseite her?

Für den Adressteil sind sämtliche Angaben jährlich neu auf ihre Aktualität zu prüfen. Dazu werden alle beteiligten Kirchengemeinden angeschrieben. Antwort kommt nur von einem kleinen Teil, der Rest muss telefonisch abgefragt und die Ergebnisse akribisch in eine Datenbank eingegeben werden.

Es gilt, genügend Annoncen einzuwerben, um die Herstellung des Heftes nicht zu einem Verlustgeschäft für den Förderkreis werden zu lassen. Geduldig wird erklärt, warum es für den potentiellen Anzeigenkunden lohnt, gerade in den "Offenen Kirchen" zu werben.

Etwa sechs Wochen vor dem Erscheinungsdatum erhalten die Mitarbeiterinnen der Agentur Verbum, die seit Jahren mit Geduld und bewundernswerter Kreativität das Layout der "Offenen Kirchen" gestalten, von der Redaktion einen winzigen USB-Stick, auf dem sämtliche Texte und Bilder sowie genaue "Regieanweisungen" zur Anordnung derselben gespeichert sind. Die fertig gestalteten Seiten werden als Vorabdrucke hin und her geschickt und mehrfach Korrektur gelesen, bis man sicher ist, dass alle Bildtexte richtig zugeordnet sind, dass auch jeder Buchstabendreher und jede falsche Interpunktion ausgemerzt sind. Umso ärgerlicher ist es, dann gleich beim ersten Durchblättern des endlich vorliegenden Heftes doch noch einen Druckfehler zu entdecken!

Parallel zum Herstellungsprozess läuft die Vorbereitung des Vertriebs. Bei fast fünfhundert Verkaufsstellen wird die Anzahl der gewünschten Hefte abgefragt. Fahrrouten für die ehrenamtlichen Auslieferer werden zusammengestellt, wieder verworfen und neu geschrieben. Generalstabsmäßig wird der Versand von etwa 1.500 Heften an Mitglieder, Spender und Sponsoren, Interessenten und Einzelbesteller geplant.

All dies geschieht ehrenamtlich!

Nachdem sich in den letzten Wochen vor dem Erscheinen Nervosität und Reizbarkeit bei der Redaktion bedenklich zugespitzt hatten, werden die "Offenen Kirchen" – wider Erwarten genau zum geplanten Datum – aus der Druckerei geliefert. Es dauert eine Weile, bis sich so viel Gelassenheit eingestellt hat, sich am Ergebnis zu freuen. Besonders freut es dann, Rückmeldungen von Ihnen, liebe Leser, zu bekommen. Lob ist erwünscht, aber auch Kritik wird benötigt, um es im kommenden Jahr noch besser machen zu können.

Die Auszeit für die Nach-Osterwoche ist bereits fest geplant. Sie wird für alle, die bei der Arbeit für das Heft viele Stunden und vor allem viele Nerven geopfert hatten, sicher wieder dringend nötig sein. Bis dahin jedoch ist noch viel zu tun.

Vorerst jedoch wünschen wir Ihnen ein frohes Weihnachtsfest!

Bernd Janowski

 
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Matthias Platzeck:

Ich wünsche unseren Dorfkirchen viel Aufmerksamkeit

Der brandenburgische Ministerpräsident übernahm die Schirmherrschaft über unsere Stiftung

Mit großer Freude hatten wir vor einiger Zeit berichten können, dass der Ministerpräsident des Landes Brandenburg die Schirmherrschaft über die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen übernimmt. Jetzt erreichte uns folgendes Schreiben:

 

Sehr geehrte Vereinsmitglieder, sehr geehrte Förderer, Bewahrer und Freunde brandenburgischer Dorfkirchen,

Theodor Fontane hielt sie mit feinem Gespür in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" fest: die Geschichten, die Menschen und den stillen Reiz der Mark Brandenburg. Er erzählte von Schlössern und Klöstern, Orten und Landschaften; zugleich aber beschrieb er den Zauber der kleinen Dinge. Für ihn waren dabei die zahlreichen Kirchen wichtige Landmarken; er empfahl ihren Besuch wegen ihrer sehenswerten Architektur und Ausstattung.

Dorfkirchen erzählen vom wechselnden Lauf der Zeiten, von ihren angestammten Gemeinden und von dem Neuen, das Einwanderer und Glaubensflüchtlinge mitbrachten. Kirchengebäude, aus Holz oder Feldsteinen errichtet, sind oft von schlichtem Äußeren und dennoch entfalten sie im Inneren eine bemerkenswerte Pracht. Manche von ihnen beherbergen wertvolle Malerei, Altar-Schnitzkunst, sehenswerte Figuren aus Holz oder Stein, kunstvoll gestaltete Fenster. In ihnen erklingt jahrhundertealte Kirchenmusik, oft sind allein schon die Orgeln oder die Glocken sehens- und hörenswert.

Brandenburg verfügt mit seinen rund 1.500 Dorfkirchen über einen Reichtum, dessen Bewahrung gleichzeitig auch ein Problem darstellt. Deshalb fördert das Land nach Möglichkeit. Aber das allein genügt nicht.

In den vergangenen Jahrhunderten gab es immer wieder beklagenswerte Ereignisse, die den Gotteshäusern sehr zusetzten. Erfreulicherweise nimmt in Brandenburg die Anziehungskraft brandenburgischer Sakralbauten zu, Einheimische und Touristen besuchen sie gern, gibt es vielerorts Initiativen und regionale Fördervereine, die sich für "ihre Kirchen" engagieren, verfallenen oder vergessenen Dorfkirchen neues Leben geben und diese wieder zu gesellschaftlichen Treffpunkten gestalten.

Kirchen gehören ins Dorf. Oft sind sie die letzten "öffentlichen Gebäude", die noch vor Ort verblieben sind. Als offene Räume laden sie zum Verweilen ein, ermöglichen Begegnungen und tragen zur Identifikation mit der eigenen Geschichte bei. Ehrenamtliche gestalten "ihre" Kirchen als Kulturstätten, über rein gottesdienstliche Zwecke hinaus. Ich denke an das Programm "Musikschulen öffnen Kirchen", Ausstellungen, Lesungen, Literaturwettbewerbe, Workshops, Kino, Theater…

Auch wenn es nicht leicht ist, kirchliches Leben und kirchliche Gebäude in den ländlichen Räumen zu erhalten, die Kirche im Dorf und am Heiligabend den Pfarrer auf der Kanzel – das möchte man schon haben. Und wenn man von unterwegs nach Hause heimkehrt und der ordentlich renovierte Kirchturm von ferne grüßt, dann ist das Heimat. Ein Dorf ganz ohne Kirche? Das geht nicht. Eine Kirche ganz ohne Menschen? Auch das geht nicht. Jemand muss sich kümmern, organisieren, am besten mit zupacken, wenn Not am Mann ist. Und das ist das Verdienst, das der "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" zukommt. Deshalb begrüße ich die Gründung der "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" und übernehme gern die Schirmherrschaft, damit uns diese kulturellen Glaubensstätten erhalten bleiben.

Ich wünsche unseren Dorfkirchen viel Aufmerksamkeit, zahlreiche Förderer und engagierte Mitstreiter.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Matthias Platzeck

 
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Neues von unserer Stiftung

Über hundert neue Zustiftungen ließen das Kapitalvermögen weiter wachsen

Im vorigen Heft Alte Kirchen hatten wir darum gebeten, den weiteren Aufbau unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen zu unterstützen. Dieser Aufruf hat ein schönes Echo gefunden: Auf dem Stiftungskonto gingen seitdem mehr als hundert Zustiftungen ein. Dabei betrugen die höchsten Überweisungsbeträge 1.000 Euro, die niedrigsten fünf Euro.

Im Weiteren hat ein Förderkreis-Mitglied seinen 75. Geburtstag zum Anlass genommen, ebenfalls für die Stiftung zu werben. Auch diese Aktion ergab etliches neues Geld für die Stiftung. Und schließlich hat – nachdem wir dafür in der Mitgliederversammlung im Mai die satzungsgemäßen Voraussetzungen geschaffen hatten – erstmalig der Förderkreis Alte Kirchen selbst einen Betrag von 5.000 Euro in seine Stiftung einbringen können. Damit beträgt das Kapitalvermögen der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen derzeit genau 162.035,10 Euro, rund 20.000 Euro mehr als noch im Juli. Wir danken allen daran Beteiligten sehr herzlich für ihre Unterstützung.

Nun machen wir uns an die nächste Wegstrecke. In einigen Jahren möchten wir die Stiftung mit einem Kapitalstock von 250.000 Euro ausgestattet sehen, um aus den jährlichen Zinserträgen die Arbeit des FAK noch deutlicher fördern zu können. Es ist klar, dass das ein ambitioniertes Ziel ist, für das wir weiterhin die Aufmerksamkeit und die Hilfe unseres Freundeskreises brauchen.

An dieser Stelle sei nochmals betont: Zustiftungen auf das Konto der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen dienen letztlich dem gleichen Ziel wie Spenden auf das Spendenkonto des Förderkreises Alte Kirchen, also immer der Erhaltung und weiteren Nutzung unserer Kirchen. Der Unterschied: Während der FAK als gemeinnütziger Verein seine ihm anvertrauten Gelder jeweils "zeitnah" in Projekte umsetzen muss und kaum Rücklagen bilden darf, soll die Stiftung durch die Bildung eines unantastbaren Kapitalstocks eben das erleichtern.

Aktuell beschäftigt uns, dass wir die für dieses Jahr geplante Ausreichung des Stiftungsertrages 2010 nach Märkisch Wilmersdorf (Teltow-Fläming) noch nicht vollziehen konnten. Die Zuwendung war von uns unter der Voraussetzung zugesagt worden, dass die dortige Kirche saniert werden könne – mit erheblichen Mitteln aus dem Staat-Kirche-Vertrag. Diese Gelder sind nun nicht bewilligt worden, sodass auch wir hier kaum helfen können. Stattdessen werden wir recht bald 3.000 Euro an die Gemeinde Ahlsdorf (Elbe-Elster) überweisen. In der dortigen Kirche stehen umfangreiche Sanierungsarbeiten an. Wegen morscher Balken ist unlängst knapp vor dem Altar die Raumdecke eingestürzt. Eine Kostenschätzung liegt bereits vor.

Auf das Ergebnis der nächsten Aktion, mit der wir für die Stiftung werben wollen, sind wir schon jetzt gespannt: Wir werden etliche Potsdamer Rechtsanwälte anschreiben und um ihre Unterstützung für unsere Vorhaben bitten. Dabei können wir nun auch auf die Schirmherrschaft hinweisen, die Matthias Platzeck im Frühjahr für die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen übernommen hat.

Arnulf Kraft

 
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Feierliche Übergabe des Startkapitals 2011

Geschichten von Zuversicht und viel Fleiß mit der Kamera festgehalten

Niederlehmer Förderverein war ideenreicher Gastgeber

Auf der großen Leinwand neben dem Altar der Niederlehmer Kirche wechseln sich die Bilder ab: Da macht sich einer auf der Leiter hoch oben am verbretterten Kirchturm zu schaffen, Feldsteinmauerwerk wird untersucht, Orgelpfeifen stehen kreuz und quer, Schippe und Schubkarren zeugen von Bauarbeiten im Kircheninneren, ein großes Schild über der offenen Kirchentür lädt Vorübergehende freundlich ein und unterm Zelt vor dem Gotteshaus wird fröhlich gefeiert bei Kaffee und dem allseits beliebten "Kirchenkuchen". Die Gewinner des Startkapitals 2011 – die Fördervereine in Brüsenhagen (Prignitz), Gruhno (Elbe-Elster), Lübzow (Prignitz), Pessin (Havelland) und Steffenshagen (Prignitz) – erzählen mit diesen Bildern anlässlich der Preisverleihung anschaulich von ihrer Arbeit, ihren Plänen und ihren Erfolgen.

Es war ein Jubiläum: Zum zehnten Mal vergab in diesem Jahr der Förderkreis Alte Kirchen Startkapital-Preise an Vereine, die sich für die Erhaltung und Nutzung von Kirchengebäuden engagieren. Der Förderverein Evangelische Kirche Niederlehme (Dahme-Spreewald), der im vergangenen Jahr zu den Ausgezeichneten gehörte, hatte als Gastgeber diese originelle Fotoschau vorbereitet.

Das große Engagement der Menschen, die mit viel Elan und Optimismus in den örtlichen Fördervereinen wirken, fand hohe Anerkennung in den Grußworten von Knut Dommisch, dem Vorsitzenden des gastgebenden Vereins, von Pfarrer Gottfried Hülsen und Superintendentin Viola Kennert. Es sei wichtig, dass sich die Kirchengemeinden für die Erhaltung und Nutzung der Kirchengebäude Verbündete suchen, dass man die Verantwortung für das von unseren Vorfahren überkommene Erbe miteinander teile.

"Jedes Kirchengebäude steht für Christentum, selbst wenn es nicht mehr für Gottesdienste genutzt wird", sagte Dr. Hans Krag, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen, und verwies auf Beispiele dafür, dass auch hohe Vertreter von Staat und Kirche dem bürgerschaftlichen Engagement große Bedeutung beimessen. "Guter Wille und persönlicher Einsatz schaffen viel – jedoch geht es nicht ohne Geld. Geldmangel zwingt die Kirchenverwaltung, bei der Sanierung von Kirchengebäuden selektiv vorzugehen. Das ist verständlich, sollte aber so behutsam erfolgen, dass weder die Kirche im Dorf zu einem Schandfleck oder gar zu einer Ruine wird, noch die Menschen enttäuscht werden, die sich über Jahre hinweg selbstlos für ihr Kirchengebäude eingesetzt haben."

Bei einer Führung durch die Niederlehmer Kirche war den Gästen ganz lebendig vor Augen geführt worden, was in gemeinsamer Arbeit schon in kurzer Zeit erreicht werden konnte und welche großen Aufgaben noch bevorstehen. Dass sie mit jugendlichem Schwung angegangen werden, daran besteht kein Zweifel. Schließlich waren es zwei Zwanzigjährige, die den Anstoß zur Gründung des Fördervereins gaben, die mit viel Elan bei der Sache sind und auch an der Ausgestaltung der Veranstaltung ideenreich mitwirkten.

So ist vielen Niederlehmern zu danken für das schöne Fest: angefangen bei Ehrenfried Putzke für die musikalische Umrahmung an der original erhaltenen spätromantischen Dinse-Orgel von 1914 bis zu den vielen Fleißigen im Hintergrund, die für die freundliche Bewirtung der Gäste sorgten.

Im Vorfeld der Veranstaltung war die Möglichkeit angeboten worden, das neuerbaute Gemeindezentrum im nahegelegenen Senzig kennen zu lernen und ein kleines Konzert der besonderen Art in der Kreuzkirche von Königs Wusterhausen zu erleben. Kantorin Christina Scheetz stellte die im vergangenen Jahr eingeweihte Orgel vor. Es ist ein außergewöhnliches Instrument. Die Firma Ahrend aus Leer in Ostfriesland erbaute sie nach dem Vorbild des berühmten norddeutschen Orgelbaumeisters der Barockzeit Arp Schnitger. Christina Scheetz verstand es, all die Besonderheiten des Instruments eindrucksvoll zum Klingen zu bringen.

Eva Gonda
 

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Exkursion "Musikalisch durch die Prignitz"

Auch Kirchenorgeln haben ihre eigene bewegte Geschichte

Nachdem in den letzten Jahren insgesamt fünf Exkursionen "Musikalisch durch die Uckermark" geführt hatten, galt es diesmal, eine andere Landschaft mit ihren Kirchen und mit ihren Kirchenorgeln zu entdecken. Ziel der Fahrt Anfang Oktober war bei sonnigem Herbstwetter die Prignitz im Nordwesten des Landes Brandenburg.

 
VIELE KOSTBARKEITEN birgt die Katharinenkirche in Lenzen, so hervorragend erhaltene mittelalterliche Wandmalereien und mit der Scholtze-Orgel das wohl schönste und klanglich wertvollste Instrument der Prignitz.
Foto: Wolfram Friedrich
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In Rühstädt hatten die Störche ihre zahlreichen Nester auf den Dächern der hübschen Backsteinhäuser schon verlassen und sich auf die Reise Richtung Süden gemacht. Aber auch ohne sie fasziniert den Besucher das Ortsbild mit dem Ensemble aus ehemaligem Herrenhaus und Dorfkirche. Vieles in der Kirche, vor allem zahlreiche Epitaphe, erinnert an die Zeit, als die später als Raubritter geschmähten Quitzows im Besitz des Dorfes waren. Aus dem frühen 15. Jahrhundert stammt auch der schöne Schnitzaltar, der im Mittelfeld eine Marienkrönung, flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus, zeigt.

Die Orgel in der Rühstädter Kirche schuf der berühmteste brandenburgische Orgelbauer Joachim Wagner drei Jahrhunderte nach der Raubritterzeit im Jahre 1738 als Stiftung des preußischen Staatsministers Friedrich Wilhelm von Grumbkow. Bis 2005 konnte das Instrument durch die Orgelbaufirma Joachim Stade restauriert werden. Dorothea Janowski und Dietrich Kollmannsperger stellten den Exkursionsteilnehmern die Wagner-Orgel mit all ihren barocken Klangmöglichkeiten vor und berichteten über die Geschichte des Instruments.

Stimmungsvoll präsentiert sich der Innenraum der Dorfkirche Lanz. Unter Mitwirkung des etwas verträumt dreinschauenden Taufengels wurde hier vermutlich der spätere Turnvater Friedrich Ludwig Jahn getauft, dessen Vater die Pfarrstelle in dem hübschen Rundlingsdorf innehatte.

Nur wenige Meter vom Elbdeich entfernt liegt die mittelalterliche Backsteinkirche des Marschhufendorfes Mödlich. Sorgfältig restauriert zieht sie viele Touristen an, die den Elbe-Radweg inzwischen zahlreich frequentieren. Bedeutendstes Ausstattungsstück der Mödlicher Kirche ist ein aus England stammender Altaraufsatz mit Alabasterreliefs, die die "Freuden der Jungfrau Maria" zeigen. Wie das wertvolle Stück den Weg in das eher abgelegene Dorf Mödlich nahm, wird wohl auf immer ungeklärt bleiben. Bei einer mit Kuchen reich gedeckten Kaffeetafel auf dem Kirchhof war Zeit für zahlreiche Spekulationen.

Letzte Station der Reise war Lenzen. Die dortige Katharinenkirche birgt neben vielen interessanten Ausstattungsstücken hervorragend erhaltene mittelalterliche Wandmalereien. Eine überaus interessante Geschichte hat die Lenzener Orgel: Gebaut wurde sie ursprünglich 1707/08 von dem berühmten norddeutschen Orgelbauer Arp Schnitger für die St.-Georgs-Kirche in Hamburg. Von dort wurde sie 1747 nach Lenzen verkauft, hier jedoch bereits vier Jahre später durch den Einsturz des Kirchturmes stark beschädigt. Unter Verwendung der noch brauchbaren Pfeifen des Instrumentes ist sie 1759 von dem in Neuruppin ansässigen Wagner-Schüler Gottlieb Scholtze neu erbaut worden und erhielt damals auch den wunderschönen barocken Prospekt. Die Lenzener Scholtze-Orgel mit 35 Registern in zwei Manualen und dem Pedal ist wohl das schönste und klanglich wertvollste Instrument der Prignitz. Der Organist Dietrich Kollmannsperger, der auch das Konzept für die erst 2007 abgeschlossene Restaurierung erarbeitet hatte, begeisterte durch ein grandios gespieltes Konzert, das ein würdiger Abschluss des Ausflugs war.

Auch musikalisch gibt es in unseren Dorfkirchen noch so mancherlei zu entdecken. Der Förderkreis Alte Kirchen sollte seine Entdeckungsreisen zu den Orgeln im Lande fortsetzen und dabei auch andere Regionen erkunden – so die einhellige Meinung der Exkursionsteilnehmer.

Robert Hacker

 
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Exkursion in das Berliner Urstromtal

Von einem hilfesuchenden Petrus und Jungfrauen mit Bärten

Geschichte und Geschichten wurden lebendig bei der Herbstexkursion in das Berliner Urstromtal. Jede der besuchten Kirchen hatte eine eigene zu erzählen.

     

Beeindruckend in seiner Monumentalität der Dom in Fürstenwalde (l. außen), schlicht dagegen die Demnitzer Dorfkirche (o.). Ein angemalter Bart verwandelte eine der Sieversdorfer Jungfrauen kurzerhand in einen Apostel (l.).
 

Zum Beispiel der Fürstenwalder Dom: Die ehemalige Bischofskirche des Bistums Lebus hat eine sehr lange, bewegte Geschichte, von der Superintendent i. R. Kuhn so lebendig zu berichten wusste, dass man gern noch länger geblieben wäre. Sehr interessant ist aber auch die jüngere Vergangenheit. Die eindrucksvolle spätgotische Hallenkirche war im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört worden. Beim Wiederaufbau, der bereits 1949 begann und 1995 vollendet wurde, fand man eine beispielhafte Lösung, die den heutigen Ansprüchen der Kirchengemeinde ebenso entspricht wie den Bedingungen einer würdigen Stätte für kulturelle und gesellschaftliche Begegnungen. Ein transparenter Einbau aus Stahl und Glas mindert nicht den großartigen Gesamteindruck der weiten Halle; die mächtigen Pfeiler, die einst das gotische Gewölbe trugen und heute unter der Flachdecke enden, erinnern bewusst an die Wunden, die der Krieg hier geschlagen hatte.

Ganz anders die kleine, anheimelnde Dorfkirche von Demnitz, ein spätgotischer Feldsteinbau. Die eindrucksvolle Ausstattung aus dem 16. Jahrhundert mit der wappengeschmückten Empore und dem Altar hat die Zeiten bis heute fast unbeschadet überstanden. Das scheint wie ein Wunder, liest man in den Tagebüchern von Pfarrer Claus Sperling, der seine Gemeinde durch die Drangsal der letzten Kriegstage und der ersten Monate nach Kriegsende begleitet hatte. Christel Simmat vom Heimatverein Demnitz führte die Gäste auch ins gegenüberliegende Pfarrhaus, das ein kleines Museum beherbergt. Es ist vor allem dem Wirken dieses mutigen Pfarrers der Bekennenden Kirche gewidmet, aber auch seinem künstlerischen Schaffen als Zeichner und Maler.

Auch zwei Altäre offenbarten bei näherer Betrachtung eigene Geschichten. Der in der Dorfkirche von Pieskow verblüfft sofort durch seinen ungewöhnlichen Altaraufsatz. Er besteht nicht aus einem geschlossenen Retabel, sondern die geschnitzten Figuren werden von einer Triumphbogenarchitektur überfangen, die Details umso plastischer hervortreten lässt.

Der Barockaltar, der sicher einmal für einen höheren Raum konzipiert war, trägt die Jahreszahl 1661, seine vielen ausdrucksstarken Figuren aber stammen offensichtlich aus unterschiedlichen Stilepochen. Pfarrerin Anemone Bekemeier stellte sie den Besuchern geradezu liebevoll vor und zeigte zugleich, dass dieser Altar mit seiner Symbolik selbst als eine Predigt verstanden werden kann. 2009 war der Altar gesichert und gereinigt worden, jetzt sollen die Einzelteile restauriert werden. Um die hohen Gesamtkosten aufbringen zu können, hatte man in Pieskow eine gute Idee: Paten werden gesucht, die für die unterschiedlichsten Details – Gemälde, Schriftfelder, Dekor oder Figuren – die Finanzierung übernehmen. Die Angebotsliste reicht von 30 Euro für eine kleine Rosette über 1.600 Euro für eine Figur wie die des Petrus bis zu 3.600 Euro für das Predellagemälde. Und wo sonst kann man schon Pate von Petrus werden?

Die Herkunft des spätgotischen Flügelaltars von Sieversdorf ist bekannt: Er stand einst in der Kirche eines Dorfes, das dem Tagebau weichen musste. Auch seine Teile kommen aus unterschiedlichen Zeit- und Stilepochen und manche erfuhren eine erstaunliche Verwandlung. Die zwölf Figuren in den Seitenflügeln stellten in katholischer Zeit Heilige dar (datiert um 1400/1425). Nach der Reformation schnitzte man die Jungfrauen unter ihnen kurzerhand ein wenig um und fügte ihnen Bärte an – fertig waren die Apostel. Aber auch viele andere bemerkenswerte Schätze birgt die kleine, etwa Anfang des 13. Jahrhunderts aus behauenen Granitquadern erbaute Kirche. Über ihre Geschichte und Herkunft wusste Silvia Scheffler viel zu berichten, und dass am Standort der bekannten Orgelwerkstatt Scheffler auch die kleine, aber feine Sauerorgel nicht zu kurz kam, dafür sorgte Christian Scheffler mit einer originellen Orgelführung. Ihre ganze Klangfülle durften die Besucher dann auch genießen bei einem kleinen Konzert, mit dem die Organistin Irene Staemmler erfreute. – Ein stimmungsvoller Ausklang eines schönen und erlebnisreichen Tages.

Text und Fotos: Eva Gonda

 

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Warum lassen sich Touristen von offenen Kirchentüren einladen?

Aus einem Zeitungsartikel von Joachim Göres

Kirche ja, Predigt nein – unter dieses Motto stellt Joachim Göres seinen kürzlich im Berliner Tagesspiegel erschienenen Artikel über "Kirchentourismus". Immer mehr Menschen begeben sich im Urlaub auf Pilgerwege, meditieren im Kloster oder gehen in eine Kirche, die wenigsten allerdings aus spirituellen Beweggründen.

Dabei bezieht sich Göres im wesentlichen auf den Theologieprofessor Dr. Rolf Hoburg, Fachhochschule Hannover, der vor Kurzem das Ergebnis einer Befragung von Kirchenbesuchern in offenen Kirchen außerhalb der Gottesdienste vorgelegt hat.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen auf ihren touristischen Wegen kirchliche Orte aufsuchen und hier eine "Kirche bei Gelegenheit" finden. Interessant ist dabei die Verbindung von Fahrradtourismus und einer "Wege-Stop"-Mentalität, die ähnlich wie beim Pilgern den Ort der Kirche als "Pausen"- und "Rekreationsort" nutzt, aber gleichzeitig die Kirche als touristischen Ort gezielt ansteuert.

Was interessiert Menschen an Kirchen? Wer geht überhaupt außerhalb des Gottesdienstes in eine Kirche und was macht er dort ? Es sind nicht, wie viele wohl vermuten, vor allem die alten Mütterchen, die eine Kirche aufsuchen. Ein Drittel aller Besucher sind unter 30, nur 14 Prozent älter als 60. Überwiegend kommen Touristen, für die der Besuch einer Kirche bei der Erkundung einer fremden Stadt einfach dazu gehört. Für die meisten sind Kirchen in erster Linie kulturhistorisch bedeutsame Gebäude. Nur jeder fünfte bezeichnet sie als Denkmäler des Glaubens und nennt als Motiv für die Besichtigung die eigene Frömmigkeit. Die Mehrheit fühlt sich der Kirche verbunden, knapp ein Drittel bezeichnet sich als religiös ohne Kontakt zu einer Gemeinde .

Hoburg hat auch danach gefragt, was sich die Touristen besonders gerne anschauen: Es sind vor allem der Altar, das Kreuz, die Orgel, der Engel, die Kirchenfenster und die Kanzel. Und die meisten bleiben zwischen einer viertel und einer halben Stunde. Die meisten Besucher sind von der Stille berührt, ein Drittel interessiert sich vor allem für Kirchenarchitektur und Kunstreichtum, 13 Prozent empfinden die besondere Atmosphäre und zwei Prozent stehen dem Ganzen eher fremd gegenüber.

"Wichtig ist ein Hinweis auf die geöffnete Tür der Kirche. Das Flanierverhalten ist auch bei Kirchenbesuchern ausgeprägt: Wer eine geöffnete Tür sieht, entscheidet sich spontan viel häufiger für einen Besuch als bei geschlossener Kirchentür", stellt Hoburg fest.

In seinem Artikel verweist Göres auch auf ähnlich gelagerten Ergebnisse einer Befragungsaktion der Universität Paderborn von 1.700 deutschen Reisenden. Danach besucht jeder zweite gerne Kirchen und Klöster. Knapp sechzig Prozent sprechen davon, dass sie dort eine "magische Atmosphäre" erleben. Auf der Suche nach religiösen und spirituellen Erfahrungen ist allerdings nur jeder Zwanzigste.

Und noch ein Punkt ist wichtig: Touristen wollen nicht "heimgeholt" werden in den Mutterschoß eines binnenkirchlichen Gemeindelebens, nicht missioniert werden.

Für die Kirche eine klare Aufforderung, ein Konzept des offenen Umganges mit Kirchentouristen zu entwickeln.

 

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Ganz plötzlich stürzte die Decke über dem Altar ein und offenbarte viele weitere Schäden

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

KIRCHE AHLSDORF

(Landkreis Elbe-Elster)
 

   

TRÜMMER direkt vor dem Altar. Jetzt klafft ein großes Loch in der Stuckdecke
Fotos: Martin Wehner, Hans Krag
 

Niemand ahnte etwas von dem unmittelbar bevorstehenden Drama, als man am 18. August in Ahlsdorf nach einer Besprechung auseinander ging. Man hatte sich mit der Sanierung der Kirche beschäftigt. Bald würden im Inneren Gerüste aufgestellt werden, um die Decke zu stützen. Zuvor aber sollte noch das Benefizkonzert im Rahmen der Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen" stattfinden – schließlich würde jeder Euro für die Sanierung gebraucht werden.

Die Natur war schneller: Am Nachmittag des 20. August stürzte ein Teil der Decke über dem Altar ein; die schweren Balken verfehlten das wertvolle Kunstwerk von 1624 um Haaresbreite. Nicht auszudenken, hätten sie das Orchester der Musikschule getroffen...

Über dem Altar klafft nun ein Loch, durch das man die Ziegel des undichten Daches sehen kann wie auch die verfaulten Balken auf der Mauerkrone. Weitere Deckenabstürze sind vorprogrammiert.

Das sehr gepflegte Angerdorf im Elbe-Elster-Kreis hat mit seinem um 1709 erbauten Schloss und dem dazugehörigen 15 Hektar großen Park sowie mit der Patronatskirche besondere Schätze. Die Kirche, ein Feldsteinsaalbau, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das schlichte Schiff hat einen fast schon zu hohen quadratischen Turm, barock verputzt und mit einer sechsseitigen Fachwerklaterne gekrönt. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Innere prächtig ausgebaut mit einer Teilempore, einer Stuckdecke und einer neuen Kanzel; der ältere Altar wurde in die Neugestaltung einbezogen. Zu bewundern sind heute noch einige wertvolle Epitaphe der ehemaligen Gutsherren.

Auf den plötzlichen Einsturz eines Teils der Decke und die dabei offenbar werdenden weiteren erheblichen Schäden reagierte der Förderkreis Alte Kirchen sofort. Aus den Erträgen unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen sagten wir 3.000 Euro für die Notsicherung zu. Ein weiterer Mäzen verdoppelte diesen Betrag mit seiner Spende. Die Gemeinde muss nun ihren Eigenkapitalanteil, der für das Projekt einer Gesamtsanierung vorgesehen war, einsetzen, und der Kirchenkreis gibt die restliche Summe dazu.

So konnte erst einmal "Erste Hilfe" geleistet werden, um das Loch in der Decke abzudichten und die notwendigen Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Alles in allem wird das rund 30.000 Euro kosten.. Es wäre aber fahrlässig, es dabei zu belassen. Da die teuren Gerüste nun einmal stehen, auch am Dach gearbeitet wird und die Kirche ohnehin gesperrt ist, sollte man die Notsicherung gleich auf die gesamte Decke und das Dach ausdehnen, um spätere Doppelausgaben zu vermeiden. Dadurch wächst das Kostenpaket auf 131.000 Euro an – und das ist zur Zeit finanziell noch nicht abgesichert. Wieder einmal ist bürgerschaftliches Engagement gefragt...

Dr. Hans Krag

Spendenkonto:
Förderkreis Alte Kirchen; Kto.: 51 99 76 70 05; BLZ 100 900 00; Berliner Volksbank; Kennwort: Ahlsdorf

 

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TELTOW (Potsdam-Mittelmark)

Zwei Glocken wurden heimgeschickt

Gemeindekirchenrat entschied Rückgabe an das polnische Dêbno

Es war eine besondere Feierstunde in der Teltower St.-Andreas-Kirche. Man nahm Abschied von zwei historischen Glocken, die auf die Heimreise gehen sollten – ins polnische Dêbno, das frühere Neudamm. So hatte es der Gemeindekirchenrat beschlossen.

Eigentlich hatten die beiden Bronzeglocken aus der Teltower Siedlungskirche das ausgediente stählerne Geläut der Andreaskirche ersetzen sollen. Beim näheren Betrachten der zahlreichen Inschriften aber entdeckte man, dass beide aus Neudamm stammen. Eine trägt die Jahreszahl 1669 und nennt Namen von Pfarrer, Küster und Kirchenältesten; die andere mit der Jahreszahl 1795 zeigt das Stadtwappen.

Die beiden Glocken aus der damals evangelischen Kirchengemeinde und aus dem Rathaus von Neudamm waren im Zweiten Weltkrieg als kriegswichtiges Material beschlagnahmt, aber nicht eingeschmolzen worden. Nach Kriegsende erhielten sie ihren Platz in der Teltower Siedlungskirche.

Die Rückgabe der Glocken solle ein Zeichen für Toleranz, Dialog und gegenseitige Achtung auch über Ländergrenzen hinweg setzen, erklärte die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Barbara Nieter. Die einmalige Situation, eine Rathausglocke aus der Zeit der dritten polnischen Teilung und eine Kirchenglocke aus der Zeit blutigster Glaubenskämpfe zurückzugeben an eine einst deutsche, heute polnische Stadt und an eine einst evangelische, heute katholische Kirche, könne für das Zusammenwachsen in Europa nur förderlich sein, sagte Barbara Nieter.

epd

 

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Verloren — aber nicht vergessen

Die Dorfkirche von Platkow

     
1923 1955 2008
Fotos und Archivbild (li.): Norbert Trebeß


Die Baugeschichte der Kirche von Platkow (Märkisch-Oderland) ist lang. 1836 begann der Neubau auf mittelalterlichen Gebäuderesten, 1856 wurde ein Turm angefügt, aber bereits 1877/1878 erfolgte ein kompletter Umbau im Rundbogenstil der Stülerschule. Bruchstücke einer Kanzel aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau kamen ins Schloss Gusow. Die zentrale Lage auf dem Dorfanger machte die Kirche zum weithin sichtbaren Mittelpunkt des Dorfes. Im Frühjahr 1945 wurden Turm und Dach stark beschädigt. Nach notdürftiger Behebung der schwersten Schäden fanden wieder Gottesdienste statt, aber der Verfall war mit damaligen Mitteln nicht zu stoppen. 1975 wurde die Kirche völlig abgerissen. Damit war Platkow seines Wahrzeichens beraubt. Ob der Abriss damals nötig war, ist jetzt nicht mehr endgültig zu beurteilen. Heute erinnern auf dem Anger kaum erkennbare Mauerreste an die ehemalige Dorfkirche von Platkow.

 

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Doppelte Freude im Oderland — zwei Kirchen feierten gleichzeitig

Im Landkreis Märkisch-Oderland konnten am letzten Oktobersonntag gleich zwei Kirchen wieder in Dienst genommen werden. In Prötzel und Neulietzegöricke feierten die Gemeinden mit vielen Gästen den erfolgreichen Abschluss umfangreicher Sanierungsarbeiten, zu deren Erfolg auch viele ehrenamtliche Helfer beigetragen haben.

Prötzel

Vom Senfkorn, aus dem eine große Pflanze wurde

 
Foto: R. Kolodziej

Das aufwändig restaurierte Gotteshaus ist heute wieder ein Schmuckstück und Blickfang für Einheimische und Touristen. Der Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Bau mit dem als Besonderheit an der Ostseite befindlichen Turm konnte all die Besucher kaum fassen.

In seiner Predigt dankte Generalsuperintendent Martin Herche für die finanzielle Hilfe von Europäischer Union und Bundesland Brandenburg sowie vieler weiterer Sponsoren. Auch der Förderkreis Alte Kirchen hatte sich an der Finanzierung beteiligt. Besonders würdigte Herche den persönlichen Einsatz von zunächst wenigen, dann von immer mehr Menschen, die sich dem Verfall und drohenden Abriss der Kirche entgegenstellten. Passend dazu predigte er über das Gleichnis vom Senfkorn (Markus 4), aus dem eine große Pflanze erwächst. Moderiert von Pfarrer Raik Fitzner wurden Grußworte vorgetragen. Sehr oft kam zum Ausdruck, dass viele Dorfbewohner mit einer Restaurierung der Schlosskirche nicht mehr gerechnet hatten, die Freude über den heutigen Tag sei deshalb um so größer. Die beauftragte Architektin Bettina Krassuski berichtete von den Schwierigkeiten bei den Sanierungsarbeiten. Zerstörungen gab es schließlich noch durch Vandalismus, weshalb sich die Fertigstellung verzögerte und zusätzliche Kosten entstanden. Auch jetzt sind nicht alle Arbeiten beendet, die Apsis bedarf noch der Restaurierung.

In dem hell ausgestatteten Innenraum mit der barocken Kanzel, dem schlichten Altar und der erneuerten Orgel können nun wieder vielfältige kirchliche Veranstaltungen stattfinden. Ein durch eine Treppe oder den Lift erreichbarer Gruppenraum erweitert die funktionalen Möglichkeiten. Die Kirche als Ort religiöser und soziokultureller Nutzung wird so für die Menschen wieder zum Zentrum des Dorfes.

Mit der restaurierten Schlosskirche hat auch das Erscheinungsbild des Ortes Prötzel gewonnen. So wird die Kirche sowohl für Bewohner als auch Gäste ein Anziehungspunkt sein.

Uwe Donath

Neulietzegöricke

Festlicher Auftakt: "Tut mir auf die schöne Pforte..."

 
Foto: R. Kolodziej

Jahrzehntelang war immerhin dafür gesorgt worden, dass die Kirche nicht einstürzte. Aber ihr Äußeres passte nicht zum schmucken Kolonistendorf im Oderbruch und wer den stimmigen Innenraum genießen wollte, durfte nicht über die Stahlseile stolpern, mit denen die Mauern gehalten wurden.

Nach Jahren des Planens und Geldbeschaffens begann im Mai 2010 die Komplettsanierung. Die Kirche verschwand hinter einem Gerüst und als der Putz, der außen das Fachwerk verdeckte, abgeschlagen war, wurde klar, dass die Kosten steigen werden. An dieser Stelle sprang auch der Förderkreis Alte Kirchen sehr schnell ein. Nachdem wir bereits Anfang 2010 den Bau mit 2.000 Euro unterstützt hatten, gaben wir noch im gleichen Jahr abermals 2.000 Euro dazu.

Es hat sich gelohnt: Der Besucher erfreut sich an dem großen Kanzelaltar, dem Holz der Balken, Säulen, Emporen, der Decke… Hieß es bisher abschätzig: "Man sieht, dass seit 1909 nichts getan wurde", heißt es jetzt stolz: "Die Ausmalung von 1909 wurde fachmännisch restauriert."

"Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein" – das Lied passte zum Anfang des Festgottesdienstes, den Superintendent Roland Kühne hielt. Wer nicht mindestens eine halbe Stunde vorher in der Kirche war, verpasste nicht nur eine interessante Fotopräsentation, er bekam auch keinen Sitzplatz mehr. Dass der Wiederaufbau auch hier nicht ohne Konflikte verlief, erwähnte Martin Herche in seiner Predigt.

Danach wurde in der Dorfgaststätte gefeiert. Es mussten viele Blumensträuße herangeschafft werden, um die wichtigsten Helfer ehren zu können.

Wolf-Rainer Marx

 

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LÜBNITZ (Bad Belzig – Potsdam-Mittelmark)

Nikolaus lädt Groß und Klein ein

Die alte Dorfkirche wurde von Grund auf restauriert

 
FESTLICHER EMFANG für die neue Glocke
Foto: Lydia Junghanß

Ein Festgottesdienst besonderer Art wurde im September in Lübnitz gefeiert, einem Ortsteil von Bad Belzig: Nach vier Jahren aufwändiger Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten konnte die Dorfkirche (Dorfkirche des Monats Mai 2011), eine der ältesten Feldsteinkirchen des Hohen Flämings, an die Kirchengemeinde und die Einwohner des Dorfes übergeben werden.

In vier Bauabschnitten war die Kirche außen komplett saniert und auch innen restauriert worden. Dabei wurden wertvolle barocke Wandmalereien entdeckt und freigelegt. Das alles wird nun durch eine kleine Ausstellung und Schautafeln dokumentiert.

Der beharrliche Förderer dieses umfangreichen Projekts war Prof. Dr. Christian Bonte-Friedheim aus Dachsberg im Südschwarzwald. Zusammen mit seiner Familie – Nachkommen der ehemaligen Gutsbesitzer von Lochow –, mit weiteren Freunden, dem Förderkreis Kirche Lübnitz und vielen Spendern und Geldgebern – auch der FAK hatte sich finanziell beteiligt – gelang es ihm, aus der schwer geschädigten, vom Kirchenkreis Lehnin-Belzig fast schon aufgegebenen Dorfkirche ein einzigartiges Schmuckstück zu schaffen. Die Lübnitzer sind stolz auf ihr wiedererstandenes Kleinod.

Nachdem die Kirche im Jahr 2009 bereits eine neue eichene Eingangstür mit einem wertvollen Bronzerelief von Prof. Karl-Henning Seemann aus Baden-Württemberg als Geschenk erhalten hatte, zog nun auch eine neue Glocke in den Kirchturm ein. Sie war eigens auf der nahen Burg Eisenhardt in Anwesenheit vieler Lübnitzer gegossen worden und wurde zum Festgottesdienst am 24. September zum ersten Mal geläutet. Das dürfte all denen, die dabei waren, unvergesslich bleiben.

Und noch eine gute Gabe: Die Lübnitzer Kirche wird nun auch einen Namen tragen: Nikolauskirche. Der legendäre Bischof Nikolaus von Myra (in Kleinasien, gestorben um 350 n. Chr.) soll nach dem Motto "Helfen - Teilen - Freude machen" gelebt und in seiner Gemeinde vor allem den Kindern gedient und sie beschützt haben. Die Nikolauslegenden haben die Lübnitzer dazu veranlasst, durch den Namen ihrer alten und zugleich neuen Kirche an diesen Menschen zu erinnern. Um das auch sinn"bild"lich zu zeigen, spendete Christian Bonte-Friedheim der Lübnitzer Gemeinde eine kostbare Nikolaus-Ikone, die im Kirchenschiff, an prominenter Stelle sicher verwahrt, zu bestaunen ist.

Der Förderkreis Alte Kirchen gratuliert den Menschen in Lübnitz zu ihrem wunderschön gelungenem Gesamtkunstwerk, das von nun an möglichst vielen Menschen und vor allem Kindern offen stehen soll. Er dankt dem Freundeskreis, der Kirchengemeinde, dem unermüdlichen guten Geist des Projektes Lydia Junghanß und nicht zuletzt dem Ehepaar Bonte-Friedheim für dieses großartige Geschenk.

Arnulf Kraft/Wolf-Dietrich Meyer-Rath

 

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GROSSRÄSCHEN (Oberspreewald-Lausitz)

Der Turmbau zu Dörrwalde

 

Von Problemen beim Turmbau weiß schon die Bibel zu berichten. Die Einwohner von Dörrwalde (Dorfkirche des Monats Mai 2010), einem Großräschener Ortsteil, haben zu diesem Thema auch einiges beizusteuern.

Dörrwalde liegt am Rand des Braunkohleabbaugebietes und war lange in Gefahr, abgebaggert zu werden. Aber schon die durch den Tagebau verursachte Grundwasserveränderung genügte, den Kirchturm 1974 einstürzen zu lassen. In der DDR gab es "natürlich" für derartige Schäden an einer Kirche keine Entschädigung; die Turmruine wurde abgetragen, und der Stumpf zu einer Eingangshalle umgebaut. Mit dem Turm ging auch der Stromanschluss verloren: kein Licht, kein Orgelspiel – Resignation.

Dann kam die Wende und mit ihr 1993 die Sicherheit, dass Dörrwalde nicht dem Bergbau geopfert wird. Optimismus regte sich, das Kirchenschiff wurde renoviert, und nun wollte man auch den Turm wiederhaben.

Daran war aber aus Kostengründen nicht zu denken, bis ein Angebot der Aktionsgruppe "Energieregion Niederlausitzer Seenland" kam, die Kirche für eine ILE-Förderung (Integrierte Ländliche Entwicklung) vorzuschlagen. Die Planung konnte beginnen.

Nun sollte man meinen, dass die beteiligten Institutionen (Denkmalpflege und Kirchliches Bauamt) das Vorhaben freudig unterstützen würden und so beraten, dass der genehmigte Finanz- und Zeitrahmen eingehalten werden konnte. Weit gefehlt. Zusatzforderungen wurden an die Bauausführung gestellt, die alle Restriktionen sprengen, die Gemeinde vor fast unlösbare Probleme stellen und die Verantwortlichen in die Verzweiflung treiben. Dazu auch noch das: Nach Abriss der Vorhalle – Baustopp: Die Feldsteinreste des alten Turmes sollten wieder als Fundament dienen, erwiesen sich jedoch als nicht mehr tragfähig. Im Winter 2010/11 stand Hochwasser in der Kirche. Danach musste der neue Putz wieder abgeschlagen werden, um die Wände trocken zu legen – Baustopp. Inzwischen stiegen Bau- und Materialkosten. Der Turm ist fast fertig, da heißt es, das Gerüst sei nicht sicher – Baustopp, und das bei bestem Bauwetter. Nun hofft man, dass wenigstens der Turm innen noch so weit fertig zu stellen ist, dass er den Orgelbalg aufnehmen und die Orgel zu Weihnachten gespielt werden kann. Von Weihnachtsglocken ganz zu schweigen.

Damit ist ein weiteres Problem angesprochen: Beim Turmeinsturz wurden die Glocken zu sehr beschädigt, nun braucht man neue. Glocken, Glockenstuhl und Läutewerk kosten 40.000,- Euro. Damit ist das Dorf bei aller Bereitschaft zur Selbsthilfe überfordert.

Inzwischen ist der eingerüstete 31 Meter hohe Turm schon von weitem sichtbar, das Dorf hat seine Visitenkarte wieder. Aber er bleibt stumm. Dörrwalde braucht Hilfe. Grund für Jahre voller Ärger, Kosten und oft enttäuschten Engagements ist die Braunkohle. Die für den Abbau Verantwortlichen mögen das überdenken.

Wenn Sie helfen wollen, überweisen Sie uns bitte Ihre Spende auf unser Konto mit dem Stichwort "Dörrwalde". Vielen Dank.

Hans Krag

 

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Groß Lüben (Prignitz)

Lob der Beharrlichkeit

Es ist schon sechs Jahre her, da gab es in unserer Mitgliederversammlung eine heftige Debatte: Der Förderverein Kirche Groß Lüben hatte sich für die Wiederherstellung der vom Sturm zerstörten Kirchturmspitze um ein FAK-Startgeld beworben. Die Jury war der Meinung, dass der Wiederaufbau eines nicht mehr existierenden Kirchturmes nichts mit Denkmalpflege zu tun habe – abgelehnt. Protest brachte nichts.

Nun hätte mancher das Handtuch geworfen. Nicht so Bernhard Behrens, der Vorsitzende des Groß Lübener Vereins. Der ließ sich nicht entmutigen, erhob überall seine Stimme und reckte den Arm wie ein aufstrebender Kirchturm in die Höhe, wo immer sich eine Chance bot, das Thema am Kochen zu halten. Da änderte es auch nichts, als im Vorjahr der Antrag auf einen Zuschuss aus dem Fonds für Ländliche Entwicklung an der Brandenburger Haushaltssperre scheiterte. Die Groß Lübener hatten inzwischen seit der Vereinsgründung 2003 mehr als 50 000 Euro an Spenden zusammengetragen, etwa 70 Benefiz-Veranstaltungen organisiert; Konzerte, Lesungen und Ausstellungen bereicherten zugleich das kulturelle Leben im Dorf. Dennoch reichte das Geld nicht für ihr Vorhaben.

Nun wird ihr Einsatz belohnt: Aus ILE-Mitteln wurden 103.000 Euro für die Wiedererrichtung der Kirchturmspitze bewilligt. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten beginnen und sich bis ins folgende Jahr hinziehen.

Pünktlich zum Dorfjubiläum 2014 wird der Turm dann wieder weithin sichtbares Wahrzeichen Groß Lübens sein – und ein deutlicher Fingerzeig dafür, dass Beharrlichkeit zum Ziel führt.

Eva Gonda

 

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Zum Tod von Jean Chanel

Er war uns Vordenker und Wegbegleiter

Am 13. Oktober 2011 verstarb Jean Chanel nach längerer Krankheit in seiner französischen Heimat nordöstlich Lyons. Chanel gilt nicht nur als Vordenker und Wegbereiter für den Förderkreis Alte Kirchen Marburg, sondern ebenso für den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, dessen Ehrenmitglied er war. Auch international engagierte sich Jean Chanel für die Belange des Denkmalschutzes. Er gehörte über mehrere Jahre dem Vorstand des europäischen Verbandes ECOVAST an, der sich um die Gestaltung des ländlichen Raumes in Europa kümmert.

Von 1957 bis 1998 an der Marburger Philipps-Universität als Lektor tätig, setzte er sich über Jahrzehnte vehement für die Erhaltung von hessischen Kulturgütern ein. Sein Engagement galt vor allem den zunehmend gefährdeten, aufgegebenen, leerstehenden Kirchen. Seine fast vollständig erhaltene Dokumentation an Negativen, Abzügen, Dias und Zeitungsausschnitten ist heute von großer Bedeutung. Vieles ist so bildlich erhalten, was inzwischen verloren ging.

Als ab 1969 große Teile der Altstadt Marburgs für eine Flächensanierung zur Disposition standen, gründete er zusammen mit anderen Marburger Bürgern die "Initiativgruppe Marburger Stadtbild". Der massive Protest und seine breite Öffentlichkeitswirkung trugen zu einem Umdenken bei der Altstadtsanierung Marburgs bei. Für seine Verdienste für das Land Hessen wurde Jean Chanel im Jahr 2000 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg verdankt Jean Chanel willkommene Unterstützung bei seiner Gründung vor 21 Jahren. Gemeinsam mit Angus Fowler konnte er den Start mit gutem Rat aus seinen reichen Erfahrungen begleiten. Wir werden uns seiner immer dankbar erinnern.

 

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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November 2010 konnte der Förderkreis Alte Kirchen als neue Mitglieder begrüßen:

27 persönliche Mitglieder: Anika Basemann (Jüterbog); Marianne Brunner (Achern); Anna-Sara Buchheim (Am Mellensee); Lore Hellinge (Berlin); Johannes Herrmann (Frankfurt/Main); Thomas Heyn (Berlin); Paul Husser (Baden-Baden); Peter Keßler (Berlin); Uwe Klages (Berlin); Hans-Ulrich Kuhlisch (Berlin); Helga Leppert (Mönchengladbach); Klaus-Eberhard Müller (Berlin); Dieter Nicolaus (Berlin); Elmar Pieroth (Berlin); Hannelore Pieroth (Berlin); Elisabeth Raiser (Berlin); Konrad Raiser (Berlin); Angelika Reitmaier (Berlin); Annerose Sauer (Hennigsdorf); Wolf-Friedrich Spieth (Berlin); Karin-Chr. von Schmidt-Wendelburg (Berlin); Monika Thiedig (Berlin); Renate Thiedig (Berlin); Sibylle Trampisch (Zehdenick); Annette Wagner (Schönefeld); Dieter Wahl (Rottenburg); Angelika Wesenberg (Berlin); Gisela Wolf (Berlin)

9 Vereine: Evang. Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Berlin-Brandenburg e.V. (Brandenburg (Havel); Kirchbau- und Förderverein Buchow-Karpzow e.V. (Havel-land); Förderverein Kirche Casel (Spree-Neiße); Förderverein Kirche und Pfarrhaus Friesack e.V. (Havelland); Förderverein Kirche Pessin e.V. (Havelland); Kirchdach e.V. Förderkreis Dorfkirche Radewege (Potsdam-Mittelmark); Förderverein Dorfkirche Seehausen (Ucker-mark); Heimatverein Wolsier e.V. (Havelland); Verband der Kirchbauvereine Sachsen-Anhalt e.V. (Leipzig)

1 Kirchengemeinde: Ev. Kirchengemeinde Warnitz (Uckermark)

1 Firma: Jubal Musikproduktionen Horst Brauner (Berlin)

Damit zählt der FAK zur Zeit 520 eingetragene Mitglieder, davon 386 persönliche Mitglieder, 111 Vereine, 14 Kirchengemeinden und Kirchenkreise sowie 8 Firmen.

 

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Aus der Arbeit des Förderkreises

Regionalbetreuer gesucht

Nach einigen Monaten ehrenamtlicher Tätigkeit für den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat Ulrich Luig die Regionalbetreuung für den Landkreis Potsdam-Mittelmark niederlegt. Er begründete dies damit, dass ihm die Zeit fehle, sich intensiver in die von ihm durchweg positiv beurteilte Arbeit des Förderkreises einzubringen. Neben der Regionalbetreuung für den Landkreis Barnim ist damit auch die des Landkreises Potsdam-Mittelmark vakant. Wer hat Interesse und die Möglichkeit, den Förderkreis Alte Kirchen durch eine ehrenamtliche Tätigkeit als Regionalbetreuer zu unterstützen?

Einige Jahrgänge des Heftes "Offene Kirchen" sind noch zu haben

Immer wieder erreichen uns Anfragen, ob noch Exemplare unserer Hefte "Offene Kirchen" aus den Vorjahren erhältlich sind. Offenbar wollen viele Interessenten nicht vollständige Sammlungen der Broschüre komplettieren.

Noch verfügen wir über Ausgaben aller Jahrgänge und bieten sie auf Anforderung zum Sonderpreis von 2,- Euro an – so lange der Vorrat reicht. Von den Heften 2000 bis 2004 haben wir allerdings nur noch wenige Exemplare.

Bestellungen über die Geschäftsstelle des Förderkreises Alte Kirchen.

 

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KURZ NOTIERT

ZEESTOW (Havelland): Erste Autobahnkirche am Berliner Ring

Die erste Autobahnkirche am Berliner Ring entsteht in Zeestow bei Brieselang. Brandenburgs Kulturstaatssekretär übergab dafür einen Förderbescheid über rund 65.000 Euro für die Instandsetzung des Glockenturms an den evangelischen Kirchenkreis Falkensee. Die Kosten allein für diese Baumaßnahme liegen bei 210.000 Euro. Insgesamt wird die Sanierung der Kirche voraussichtlich 900.000 Euro kosten.

Die seit den Siebzigerjahren verfallene Kirche zwischen Nauen und Berlin soll nach ihrer Wiederherstellung ein "Ort der Ruhe und des Gebets" für Reisende am stark befahrenen Berliner Ring sein.

BERLIN: Rumänische Gemeinde baut neue Kirche

Zu einem Tag der Offenen Tür hatte die Rumänisch-orthodoxe Gemeinde Berlin auf die Baustelle ihrer künftigen Kirche in der Heerstraße 63 eingeladen. Seit 1940 nutzten die Rumänen die leerstehende Jerusalemkirche in der Lindenstraße, erwarben 2006 das jetzige Grundstück mit einem Einfamilienhaus, das liebevoll zur Kapelle gestaltet wurde, und legten im Frühjahr 2006 den Grundstein zu einer Kirche. Inzwischen ist die Krypta fertig, die Oberkirche mit 200 Plätzen schon weit fortgeschritten. Opferbereitschaft und große Eigenleistungen machen das möglich.

Der FAK überbrachte Pfarrer Mönchpriester Clement Lodroma Glück- und Segenswünsche für den voranschreitenden Kirchenbau und für das weitere Gemeindeleben. M. F.

HERZFELDE (Uckermark): Nach Jahrzehnten klingt wieder die Orgel

Seit Ende September kann in der Feldsteinkirche von Herzfelde wieder Orgelmusik zu Gottesdiensten und Konzerten erklingen.

Als letztes Inventarstück im Innenraum der Kirche ist das Instrument umfassend restauriert worden. Zuvor hatte unter anderem auch der wertvolle dreigeschossige Renaissancealtar vor dem Verfall gerettet und instand gesetzt werden können.

Bei der Feier in Herzfelde anlässlich der Wiedereinweihung der Orgel würdigte Kulturstaatssekretär Martin Gorholt die Kirchengemeinde und den Förderverein, die durch ihr beispielhaftes Engagement die Sanierung möglich gemacht hatten. Auch das Kulturministerium beteiligte sich an den Kosten.

Die Herzfelder Orgel war 1871 von dem Berliner Orgelbauer Albert Lang mit vier Registern im Manual und einem Subbass im Pedal gebaut worden. Nach Jahrzehnte langer Vernachlässigung und Vandalismus war von der Orgel nur noch ein Torso erhalten, bevor sie nun vorbildlich instand gesetzt werden konnte.

Neuer Ausbildungskurs für Kirchenführer

Für Menschen, die Besuchergruppen auf ihrer Entdeckungsreise durch die Kirche pädagogisch begleiten möchten, beginnt im Januar wieder ein Ausbildungskurs für Kirchenführer. Er umfasst 120 Unterrichtsstunden an 16 Kurstagen, zumeist samstags. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat des Bundesverbandes Kirchenpädagogik e. V..

Interessenten sollten sich bald anmelden, denn die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen beschränkt.

Anmeldung und nähere Informationen:
AKD (Amt für kirchliche Dienste), Frau Wittkopf, Goethestr. 26-30, 10625 Berlin, Tel.: 030 3191215 (Mo.-Fr. 10:00-12.00); E-Mail: b.wittkopf@akd-ekbo.de oder KiPae.donath@web.de

 

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WANDKALENDER für das kommende Jahr

Zeugen von Kriegsleid und neuem Leben

Wohl nirgendwo sonst als im Oderbruch zeugen heute noch so viele Kirchenruinen von Kriegsleid und Zerstörung. Diesem Thema widmeten sich Studenten der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) im Rahmen des Masterstudiengangs Schutz Europäischer Kulturgüter.

In Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ist dabei ein Wandkalender entstanden, der in eindrucksvollen Farbfotos das Schicksal von zwölf Dorfkirchen schildert: Zechin, Ortwig, Mallnow, Podelzig, Niederjesar, Wriezen, Dolgelin, Carzig (Bild), Altfriedland, Reitwein, Hohenjesar und Schönfließ. Es sind Bilder von Ruinen, vom teilweisen Wiederaufbau, von Zeichen neuen Lebens, das in manche alten Mauern wieder eingekehrt ist. Kurze Begleittexte informieren über die Geschichte der Kirchen. Ein Geleitwort schrieb Roland Kühne, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Oderbruch.

Die Erlöse aus dem Verkauf des Kalenders sollen ausschließlich dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu Gute kommen, der das Projekt begleitet und unterstützt hat.

Wandkalender 2012 "Kirchenruinen im Oderbruch" Format DIN A 3, 10,00 € plus Versandkosten. Zu beziehen über FAK-Geschäftsstelle

Märkische Engel als Wegbegleiter durchs Jahr

Anmutige Jugendstil-Engel schmücken eine Wand in der Blutkapelle des Klosters Stift zum Heiligengrabe. Hingebungsvoll blasen sie auf sogenannten Zinken, historischen Blasinstrumenten ohne Ventile.

Ihr Foto ziert das Titelbild des Kalenders "Märkische Engel", dessen Abbildungen Antje Leschonski für 2012 bereits zum sechsten Mal zusammengestellt hat.

Auf den Monatsblättern entdecken wir Taufengel aus den Kirchen in Groß Fredenwalde und Kaakstedt in der Uckermark, musizierende Himmelsboten aus Waltersdorf (Dahme-Spreewald) und Stülpe (Teltow-Fläming) sowie Puttenköpfe aus Burghagen und Klein Lüben in der Prignitz. Zu sehen sind jedoch auch Engel aus Berliner Kirchen, etwa aus dem Dom, der Marienkirche oder vom Parochialkirchhof.

Der wie immer gut gestaltete Kalender sei allen empfohlen, die noch nicht alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben.

Kalender "Märkische Engel" 2012; Wichern Verlag Berlin, ISBN 978-3-88981-319-0; 12,95 €

Junge Ortschronisten präsentieren ihre Dorfkirchen

Das Schüler– und Jugendprojekt wurde im Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel (Oder-Spree) geboren: "Schüler erzählen die Geschichte ihrer Heimat". Anliegen war es, junge Menschen anzuregen, sich mit der Geschichte ihrer Region zu beschäftigen und so die eigenen Wurzeln zu verstehen.

Als erstes Ergebnis dieses Projektes liegt jetzt ein Wandkalender vor, mit dem Jugendliche aus den zwölf Ortsteilen Steinhöfels ihre Kirchen vorstellen, denn die zumeist ältesten Bauten im Ort können viel vom spirituellen, kulturellen und sozialen Leben erzählen.

Der Großaufnahme jeder Kirche ist jeweils ein zweites Blatt beigefügt, das in einem ungewöhnlichen Layout Auskunft gibt über Geschichte und Bauweise, über Gebäudezustand, Erhaltung und Pflege, über die heutige Nutzung und über Bestrebungen zur weiteren Einbeziehung in das gesellschaftliche Leben vor Ort und in touristische Aktivitäten. Man findet Kontaktadressen, und am Schluss stellen sich die jungen Ortschronisten selbst mit Namen und Fotos vor.

Vielleicht kann dieser ungewöhnliche Kalender auch anderenorts Anregung für ähnliche Projekte sein.

Eva Gonda

Dorfkirchen – Geschichte, Gegenwart, Zukunft, Gemeinde Steinhöfel (Oder-Spree), 34 x 49 cm, 10,- €
Bestellung über: Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel e. V., Eberhard Hoppe; Tel.: 03361 32612, E-Mail: hope.fuerstenwalde@freenet.de oder Gemeindebüro Tel.: 033637 38137

Kulturkirchen in der Nachfolge der "Mutter aller Künste"

Vor langer Zeit galt die Kirche als "Mutter aller Künste". Bilder und Skulpturen, Gedichte und Lieder, Architektur und Musik entstanden zum Lobe Gottes. Inzwischen scheinen der Mutter die Kinder weitgehend weggelaufen zu sein. Seit geraumer Zeit ist jedoch ein interessanter Prozess zu beobachten, Kunst und Kirche wieder stärker zusammen zu bringen. Das erfordert neben Mut auch Sensibilität. Den akademischen Diskurs zum Thema führte im September in Berlin der vom Kulturbüro der EKD veranstaltete erste Kirchen-Kultur-Kongress, der die verschiedenen künstlerischen Sparten in Bezug auf ihr Verhältnis zu Religion und Kirche hinterfragte.

Immer öfter ist von Kulturkirchen die Rede. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Ist nicht jede, zumindest jede genutzte Kirche eine Kulturkirche? Sind nicht die Gottesdienste, Andachten und kirchlichen Feiern Teil unserer Kultur? Warum dann diese Abgrenzung durch den Terminus Kulturkirche? Manchmal drängt sich der Eindruck auf, dass, wenn eine Gemeinde mit ihrem Gotteshaus gar nichts mehr anfangen kann, sie dieses hurtig zur Kulturkirche erklärt in der Hoffnung, mit ein paar Konzerten und der einen oder anderen Ausstellung die Nutzungsfrage geklärt zu haben.

Dass Kulturkirchen mehr sein können als Kirchen, in denen so ganz nebenbei auch ein wenig musiziert, vorgelesen oder Theater gespielt wird, beweist ein Reiseführer, der gelungene Beispiele aus ganz Deutschland vorstellt. Wie nicht anders zu erwarten, überwiegen in dem Band Beispiele aus dem städtischen Bereich. Aus Brandenburg jedoch werden die Kirche am Weg in Dannenwalde (Oberhavel), die Kultur- und Kinderkirche in Eichstädt (Oberhavel) und die Dorfkirche Saxdorf (Elbe-Elster) mit dem zauberhaften Pfarrgarten und dem dortigen "Kunst- und Kultursommer" vorgestellt. Im Beitrag zu Dannenwalde wird Dr. Heinz Hoffmann, der Gründer des dortigen Fördervereins, zitiert, der bereits 1995 geschrieben hatte: "An diesem Ort soll gepredigt und erzählt, gespielt und getanzt, musiziert und ausgestellt, gegessen und getrunken, getauft, getraut und beerdigt werden." Besser lässt sich die Konzeption einer Kulturkirche wohl nicht beschreiben.

Vieles ist inzwischen fast zur Selbstverständlichkeit geworden, was vor wenigen Jahrzehnten noch fast unvorstellbar schien. Kino, Theater, Tanz, Kunstausstellungen und vieles mehr sind in Kirchenräumen nichts Außergewöhnliches mehr. Gelungen sind diese Experimente, wenn die Räume, in denen sie stattfinden, nicht ausschließlich als bloße Kulturhäuser wahrgenommen werden, sondern weiterhin als das, was sie von ihrer Bestimmung her sind und bleiben sollen: Gottesdiensträume einer lebendigen Gemeinde. Und wenn die Besucher durch die Beschäftigung mit dem Raum beginnen, weitgehend vergessene Bilder, Zeichen und Symbole christlicher, das heißt abendländischer Kultur neu zu entziffern, so ist dies ein durchaus erwünschter Nebeneffekt. Gerade in Regionen, in denen die meisten Kulturangebote der Kommunen und Landkreise inzwischen dem Rotstift zum Opfer gefallen sind, wird in zahlreichen Kirchengebäuden, zumeist durch ehrenamtliches Engagement und ohne finanzielle Förderung der öffentlichen Hand, eine kulturelle Grundversorgung angeboten, die nicht mehr wegzudenken ist. So beschreibt in dem vorliegenden Buch die Kunstbeauftragte der EKD Petra Bahr Kirchen "nicht als Hüllen einer kulturell bedeutenden Historie […], sondern als sozialer Körper."

Kunst und Religion haben gemeinsam, dass man sich von ihnen Antwort auf Fragen erhofft, auf die es rein rational keine eindeutigen Antworten gibt. Oder, wie es in dem besprochenen Buch heißt: "Die Künste sind die Form der Thematisierung der Welt, die der religiösen Thematisierung am nächsten kommt."

Bernd Janowski

Petra Bahr, Klaus-Martin Bresgott, Hannes Langbein: Kulturkirchen. Eine Reise durch Deutschland.
Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2012; 19,80 Euro; ISBN: 978-3-374-02906-8

Kirchen in Pastell

 

Die Bildbände, in denen der Berliner Zeichner und Schriftsteller Franz Ehmke märkische Kirchen mit ausdrucksstarken Pastellen und informativen Texten vorstellt, haben einen großen Freundskreis gefunden. Längst ist das erste der drei Bücher vergriffen, sodass sich der Verlag Bock & Kübler nun zu einer Nachauflage entschlossen hat: drei Bände, erweitert und nach Regionen geordnet. Der erste – Prignitz, Ruppiner Land, Uckermark – ist jetzt erschienen, zwei weitere werden folgen.

Die Pastelle zeichnete Franz Ehmke zwischen 1990 und 1998 und hat damit auch einen Zeitabschnitt dokumentiert. Manches Kirchlein wurde inzwischen restauriert und zeigt sich heute in neuem Gewand.

Die nächsten beiden Bände werden die Regionen Barnim, Oderbruch und Beeskow-Storkow beziehungsweise Niederlausitz, Fläming, Potsdam-Mittelmark und Havelland umfassen.

Eva Gonda

Franz Ehmke: Märkische Dorfkirchen - Prignitz, Ruppiner Land, Uckermark
Verlag Bock & Kübler, 96 Seiten, 74 Pastelle, 19,- €, ISBN 978-3-86155-122-5

 

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