Die Dorfkirche von Löhsten (Elbe-Elster)

Fotos: Hans KragGroßbildansicht

Das Angerdorf Löhsten (Landkreis Elbe-Elster) liegt an der Bundesstraße 87 und ist, von Sachsen kommend, der erste Ort hinter der brandenburgischen Landesgrenze. Im Südosten des breiten, ovalen Angers steht die hübsche Fachwerkkirche, ihr gegenüber einer der ältesten Gasthöfe der Region, ein imposanter zweistöckiger Fachwerkbau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts unter einem hohen Krüppelwalmdach.

Erstmalig taucht das Dorf "Lesne" 1251 in einer Urkunde auf; ausdrücklich erwähnt wird damals bereits eine Pfarrkirche im Ort, die den Heiligen Johannes und der Heiligen Barbara gewidmet war. Im Dreißigjährigen Krieg 1637 wird der Ort niedergebrannt. Auch die Kirche wird dabei ein Raub der Flammen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erfolgt auf Initiative des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. die Wiederbesiedlung der wüsten Feldmark. Eine damals entstandene, vermutlich provisorische, Fachwerkkirche wird 1777 durch den heutigen Kirchbau ersetzt.

Die Löhstener Kirche besitzt auf der Westseite eine kleine Eingangshalle und ist von einem quadratischen, ins Oktogon übergehenden Dachturm mit barocker Haube und Laterne bekrönt. Der schlichte, durch die großen rechteckigen Fenster hell wirkende Innenraum unter einer Putzdecke ist mit seiner schlichten, bauzeitlichen Ausstattung gut erhalten. Die Ostseite wird von einer Kanzelaltarwand mit seitlichen Durchgängen gebildet, die im 20. Jahrhundert eine neue Farbfassung erhielt. Den dreiseitigen Kanzelkorb flankieren schmale Akanthuswangen, die den einzigen Schmuck bilden. Auch die pokalförmige Taufe und das Gestühl stammen aus der Bauzeit der Kirche. Über drei Seitenwände des Kirchenschiffes zieht sich eine Hufeisenempore, auf der im Westen die kleine Orgel platziert ist.

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Diese Orgel möchte der Förderverein Kirche Löhsten e.V., der sich seit einigen Jahren für die Sanierung des Kirchengebäudes und seine Erhaltung engagiert, instand setzen lassen. Die kleine Orgel mit mechanischen Schleifladen und acht Registern im Manual und Pedal gibt in Bezug auf seine Entstehung noch Rätsel auf: Bisher ging man davon aus, dass das Instrument 1816 vom Orgelbauer Fläming aus Torgau gebaut wurde. Andere Quellen verweisen auf eine Herstellung durch die Firma Kaufmann in Dresden. Auf Nachfrage will sich auch Orgelbauer Mike Zuber aus Mixdorf, der ein Restaurierungskonzept erarbeitet hat, derzeit nicht endgültig festlegen: "Vielleicht finden sich im Laufe der Sanierungsarbeiten Hinweise, die eine endgültige Zuordnung zulassen."

Bereits im Ersten Weltkrieg mussten die Prospektpfeifen als "Kriegsopfer" abgeliefert werden, die später durch minderwertige Pfeifen ersetzt wurden. Heute ist sie nur noch sehr eingeschränkt spielbar. Einige Register lassen sich überhaupt nicht mehr bedienen, in anderen begleiten "Heuler" die musikalischen Darbietungen. Konzerte mussten bereits abgesagt werden, da sich Organisten weigerten, das Instrument zu spielen.

Durch umfangreiche Bauarbeiten am Kirchengebäude sind die Rücklagen der Gemeinde und des Fördervereins nahezu aufgebraucht. Deshalb wirbt Vereinsvorsitzender Bernhard Richter nun um Spenden: "Für die Gottesdienste sowie für Konzerte oder kirchliche Feiern, wie Hochzeiten, Kindtaufen und Konfirmationen ist für uns die Orgel von unschätzbarem Wert."

Weitere Informationen: Förderverein Kirche Löhsten e.V.; Bernhard Richter; An der Roten Lache 12; 04916 Herzberg / Elster; OT Löhsten; Tel.: 035363-265



Zum Weiterlesen:
Lausitzer Rundschau vom 18. Juli 2015: Finanzminister bringt 10 000 Euro für die Löhstener Orgel mit


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