Die Dorfkirche von Langennaundorf (Elbe-Elster)

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Viele Autofahrer kennen die Langennaundorfer Kirche; ihr Fachwerkturm ist weithin sichtbar. Der Ort liegt am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Straßen: Die historische Fernstraße von Berlin nach Dresden (heute weitgehend identisch mit der B 101) schneidet sich hier mit einer der alten Salzstraßen, die von Halle an der Saale - einem Zentrum des mittelalterlichen Salzhandels in Europa - über Leipzig und Torgau weiter bis nach Breslau führte. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 1303 als "Nuwendorf". Um es von anderen Siedlungen ähnlichen Namens zu unterscheiden, bekam er spätestens im 17. Jahrhundert den Zusatz "Langen-".

Die Langennaundorfer Kirche, ein Bau des 14. Jahrhunderts, liegt inmitten des Friedhofs exponiert auf dem Anger und ist, da direkt an der Bundesstraße gelegen, selbst für Durchreisende gut wahrnehmbar. Das Kirchenschiff besteht aus unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk, als Füllmaterial fand Raseneisenstein Verwendung. Während der Saalbau auf der Nordseite über keinerlei Fensteröffnungen verfügt, wurden die Fenster auf der Süd- und Ostseite bei einem Umbau korbbogig vergrößert, der nach vorhandenen Bauinschriften 1715 "nach Plänen des Baumeisters Andreas Kröpper durch den Maurermeister Johann Rothe" vorgenommen wurde. Damals entstand auch der imposante Fachwerkturm, der über einem quadratischen Turmstumpf ein achteckiges Glockengeschoss trägt und von einer barocken Schweifhabe mit Laterne gekrönt ist.

Unerwartet eindrucksvoll ist der einheitliche barocke Innenraum, der seine Ausstattung ebenfalls bei der Umgestaltung von 1715 erhielt. Durch illusionistische gemalte Emporen mit Butzenscheiben und drapierten Vorhängen auf der Holztonnendecke wird der Raum optisch nach oben erweitert. Im Scheitelpunkt der Kirchendecke zeigen drei gerahmte Bildfelder eine Trinitätsdarstellung sowie Engelsdarstellungen. Das Altarretabel zeigt in der Mittelachse Gemälde des Abendmahls, der Kreuzigung und (seltsamerweise?) der Geburt Christi. Gerahmt wird der Altaraufsatz von gerahmten Säulen sowie in den seitlichen Wangen von Putten, die auf der linken Seite die Gesetzestafeln und auf der rechten Seite das Evangelium präsentieren. Zwei Posaunenengel und als Bekrönung ein triumphierender Auferstandener vervollständigen das Retabel. Auf der Kanzel, in deren Brüstungsfeldern die Evangelisten dargestellt sind, blieb eine vierfache Sanduhr erhalten, die den Prediger daran erinnerte, es mit der Dauer seiner Kanzelrede nicht zu übertreiben. Die einheitliche Gestaltung der übrigen Ausstattung - eine vorschwingende Orgelempore auf der Westseite, die Nordempore mit gemalten Bibelsprüchen, Gemeindegestühl und ein (in der Literatur als "Pfarrerstuhl" bezeichneter) evangelischer Beichtstuhl - trägt dazu bei, dem Raum ein geschlossenes, stimmungsvolles barockes Gepräge zu geben. An älterem Inventar sind zusätzlich ein kelchförmiger Taufstein des 15. Jahrhunderts und hinter dem Altar der Ritzgrabstein für einen 1514 verstorbenen Geistlichen erhalten.

Bei genauerem Hinsehen fällt dem begeisterten Betrachter jedoch auf, dass die Langennaundorfer Kirche dringend einer umfassenden Sanierung harrt. Die Bretter der hölzernen Tonnendecke, und mit ihnen die Malereien, sind durch eindringende Feuchtigkeit bereits stark geschädigt. Bevor hier jedoch an eine Restaurierung gedacht werden kann, müssen die Dachdeckung und die Dachkonstruktion instandgesetzt werden. Dies wiederum setzt voraus, dass - vor dem Abnehmen der alten Dachsteine - die Deckenkonstruktion wenigstens gesichert wird. Mit kleinen Schritten ist es hier also nicht getan; die Instandsetzungsarbeiten müssen gut aufeinander abgestimmt werden.

Zu den Gottesdiensten in Langennaundorf trifft sich regelmäßig eine treue, aktive Gemeinde. Die regelmäßig stattfindenden Konzerte sind gut besucht. Allein jedoch wird es der Kirchengemeinde Langennaundorf nicht möglich sein, die Kosten der Sanierung ihres Schatzkästleins zu finanzieren.

Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, eine der schönsten Dorfkirchen des Elbe-Elster-Kreises für die Zukunft zu erhalten!

Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Uebigau; Pfr. Ingolf Walther; Tel.: (03 53 65) 82 91; Mail: pfarramt.uebigau@t-online.de

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto. 51 99 76 70 05; BLZ 100 900 00; Kennwort: Langennaundorf



Zum Weiterlesen:
Mitteilungsblatt Dezember 2013: Ein Schatzkästlein steht im Regen
Lausitzer Rundschau vom 20. August 2015: Zum 300. Geburtstag gibt es was auf's Dach


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