Die Dorfkirche von Dedelow (Uckermark)

Großbildansicht
Großbildansicht
Großbildansicht
Großbildansicht
Großbildansicht

Im Rahmen der - gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege getragenen - Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" rief der Förderkreis Alte Kirchen am Beginn der Adventszeit zu Spenden für die Restaurierung der Ausstattung der Dorfkirche im uckermarkischen Dedelow auf.

Bereits in ihrer äußeren Gestalt zählt die Dedelower Kirche zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Sakralbauten der Uckermark. Der eingezogene Chor, das Kirchenschiff und der schiffbreite, mächtige Westturm sind aus sauber geschichteten Feldsteinen sorgsam gemauert. Neuere Dendrodaten aus den bauzeitlich erhaltenen Dachstühlen von Chor und Turm verweisen auf eine Entstehungszeit des Gotteshauses um 1250. Malerisch liegt das Kirchengebäude auf einem Hügel nordwestlich der alten Dorfstraße inmitten des noch genutzten Friedhofes.

Überaus beeindruckend ist auch der Innenraum, in dem eine über Jahrhunderte gewachsene Ausstattung von seltener Vollständigkeit erhalten blieb und der in seiner bunten Vielfalt einen unerwarteten Kontrast zum trutzigen Außenbild darstellt.

Durch den spitz zulaufenden Triumphbogen blickt der Betrachter im Chorraum auf einen manieristischen Altaraufsatz, der um 1600 in einer Prenzlauer Werkstatt entstand und in dem ein Flügelretabel aus der Zeit um 1520 wiederverwendet wurde. Im Mittelschrein steht eine Mondsichelmadonna zwischen dem heiligen Sebastian und Johannes dem Täufer; weitere Heilige schmücken die Seitenflügel, während in der hinzugefügten Predella eine Darstellung des Abendmahls zu betrachten ist. Ebenfalls um 1600 und wohl in derselben Werkstatt entstanden Kanzel und Taufe. Wenige Jahrzehnte später wurde das mit emblematischen Bildern versehene Patronats- und Ältestengestühl geschaffen; das dekorativ bemalte Gemeindegestühl und die Patronatsloge kamen im 18. Jahrhundert hinzu. Die nur eingeschränkt spielbare zweimanualige Orgel schuf 1870 der Berliner Orgelbauer Albert Lang. Schließlich blieben im Turm zwei der ursprünglich drei mittelalterlichen Glocken erhalten, von denen die kleinere - mit Bildmedaillons verzierte - Glocke noch aus der Zeit um 1300 stammt.

Weitere Ausstattungsstücke, wie zum Beispiel ein großformatiges Gemälde mit dem Stammbaum der Patronatsfamilie von Klützow oder der Deckel der Taufe befinden sich stark beschädigt im Untergeschoss des Turmes. Doch auch das übrige Inventar weist bei genauerem Hinsehen erhebliche Schäden auf, die möglichst baldige Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten unbedingt notwendig erscheinen lassen. Der lokale "Uckermark Kurier" titelte mit Verweis auf unsere Spendenaktion kürzlich etwas salopp: "Von Dedelows Madonna ist der Lack ab." Und tatsächlich haben sich an dem mittelalterlichen Retabel die noch im Original vorhandenen Malschichten empfindlich gelockert; eine Festigung sollte möglichst rasch erfolgen. In den Füllungsfeldern der Kanzel befindliche ungewöhnliche und seltene, auf Papier gedruckte, Ornamentholzschnitte sind ebenfalls akut bedroht.

In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts sollte der Ort Dedelow zu einem "sozialistischen Musterdorf" werden. Entlang der Dorfstraße wurden moderne Wohnblöcke gebaut. Im Dorf entstand die größte Milchviehanlage der DDR. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich die Zahl der Einwohner auf über 1.000. Durch die sogenannte Wende jedoch fielen nach 1989 der größte Teil der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze fort, so dass der Ort gezwungen war, sich wieder einmal neu zu ordnen und zu erfinden. Neben den modernisierten Wohnblocks entstanden neue Eigenheime. Der ehemalige Gutspark wurde rekultiviert. Mittelpunkt des Dorfes ist und bleibt trotz aller gesellschaftlicher Veränderungen die Jahrhunderte alte Dorfkirche, die von einer aktiven Gemeinde regelmäßig genutzt wird.

Erste Spenden, die uns für die Erhaltung und Bewahrung des Dedelower Kircheninventars in den letzten Wochen erreichten, stimmen uns vorsichtig optimistisch. Weiterhin jedoch bitten wir Sie um Unterstützung für die Bewahrung eines einzigartigen Gesamtkunstwerkes!

Weitere Informationen: Pfarrer Klaus-Thomas Krispin; Dorfstr. 46; 17291 Prenzlau / OT Schönwerder; Tel.: (03 98 53) 6 47 08;
Mail: pfarramt-schoenwerder@kirche-uckermark.de

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto: 51 99 76 70 05; BLZ 100 900 00; Berliner Volksbank; Kennwort: Dedelow


  zurück