Die Dorfkirche von Dauer (Uckermark)

  
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Vor mehr als zwei Jahren wurde der barocke Turmaufsatz der Kirche in Dauer mit hölzerner Laterne und Helm abgenommen. Seitdem stand die Haube neben der Kirche und wurde – ebenso wie der hölzerne Turmschaft – sorgfältig instandgesetzt. Als am Donnerstag dem 19. Juli ein mächtiger Kran die 8,5 Tonnen schwere Haube wieder auf den Turm bringen wollte, gab es unerwartete Schwierigkeiten: Ein mächtiges Unwetter mit Sturmböen, Blitz und Donner, Regenschauern und Hagelkörnern zog über den nördlich von Prenzlau an der B 109 gelegenen Ort hinweg. Die meisten der zahlreichen Zuschauer harrten aus und wurden für ihre Geduld belohnt. Mit nur zweistündiger Verspätung wurde die Haube auf dem Turmschaft abgesetzt und befestigt.

Die Dorfkirche in Dauer entstand, wie die meisten uckermärkischen Kirchenbauten der Kolonisationszeit, im 13. Jahrhundert. Sie ist ein einfacher Rechtecksaal mit schiffbreitem Westturm aus sorgfältig behauenen Feldsteinquadern. Umfangreiche Reparaturarbeiten des 18. Jahrhunderts an der Westwand des Gebäudes erfolgten nach einem durch Blitzschlag verursachten Brand im Jahre 1779. Im Zuge dieser Instandsetzung erhielt die Kirche 1738 auch den backsteinernen Turmaufsatz; die bei dem Brand zerstörte hölzerne Laterne und der Turmhelm entstanden laut Inschrift in der Bekrönung 1785 neu.

Unter einer flachen Holzdecke weist der Innenraum eine schöne barocke Ausstattung auf, die um 1700 entstand. Der qualitätsvolle Altaraufsatz mit korinthischen Säulen und reicher Akanthusornamentik zeigt in der Mittelachse geschnitzte Reliefdarstellungen des Abendmahls, der Auferstehung und der Himmelfahrt. Flankiert werden diese Abbildungen durch die Evangelisten, von denen zwei gleichsam aus der seitlichen Ornamentik herauswachsen und zwei die Himmelfahrtdarstellung im Giebelfeld links und rechts einrahmen. Wappenschilde und Puttenköpfchen vervollständigen das Retabel.

Ebenso wie der Altaraufsatz wurde auch der in der Mitte des Raumes schwebende Taufengel von dem Stettiner Bildschnitzer Rosenberg geschaffen. In der rechten Hand hält er eine tiefe Muschelschale, während die linke ursprünglich vermutlich ein Spruchband oder einen Palmzweig trug. Reparaturen des 20. Jahrhunderts, die auch eine farbliche Neufassung mit sich brachten, haben dem Engel nicht unbedingt gut getan, so dass eine erneute Konservierung und Restaurierung angeraten wäre. Auch die hölzerne Kanzel sowie das Pastoren-, Patronats- und Gemeindegestühl entstand in der Zeit um 1700.

Die einmanualige Orgel des Stettiner Instrumentenbauers Barnim Grüneberg entstand 1872. Erstaunlicherweise ist die originale Substanz einschließlich der wertvollen Prospektpfeifen vollständig erhalten. Sowohl im Gottesdienst als auch für Konzerte wird die Orgel von der Gemeinde genutzt. Ältestes Ausstattungsstück ist eine um 1300 entstandene Bronzeglocke, die vermutlich im 18. Jahrhundert aus der Kirche im benachbarten Göritz nach Dauer kam.

Um dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten an dem Kirchengebäude in Gang zu bringen, gründete sich vor einigen Jahren der Förderverein Dorfkirche Dauer. Den derzeit laufenden ersten Bauabschnitt kann der Verein dabei als ersten Erfolg verbuchen. Bis zum September soll die komplette Sanierung des Kirchturms abgeschlossen sein. Ein Brand, bei dem ein großer Teil der historischen Hölzer des Turmschaftes vernichtet wurden, hatte die Reparaturarbeiten dabei um fast ein Jahr verzögert.

Mit dem Abschluss der laufenden Sanierung wird auch eine Turmuhr wieder nach allen vier Himmelsrichtungen die Zeit im Dorf anzeigen. Im Zuge der laufenden Arbeiten war ein hölzernes Zifferblatt gefunden worden, das aus der Zeit des barocken Turmneubaus von 1738 stammt und von späteren Generationen irgendwann als Treppenpodest im Turm verbaut worden war. In Anlehnung an diesen Fund entstand die Turmuhr neu. Die dafür nötige Summe von 8.000 Euro konnte durch den Förderverein bei Sammlungen im Dorf bereits aufgebracht werden.

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Dauer e.V.; Jens Putz; Prenzlauer Str. 25; 17291 Prenzlau / OT Dauer; Tel.: (03 98 51) 63 80 60; E-Mail: info@holzschutz-putz.de


Zum Weiterlesen:
Nordkurier vom 06. Oktober 2012: Die Kirche im Dorf gelassen
Nordkurier vom 12. Oktober 2012: Turm der „lackierten Eisdiele“ fertig


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