Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Europas Dorfkirchen sollen weiterhin ihre Kultur prägende Kraft ausstrahlen

Ergebnisse der FRH-Konferenz - Anregungen auch für unsere Arbeit

Die zweite internationale Konferenz zur Bewahrung der Gottesdienststätten im ländlichen Europa, ausgerichtet vom Europäischen Verbund "Future for Religious Heritage (FRH)" (wir berichteten im Dezember), unterstrich, dass dem Erhalt des baulichen religiösen Erbes europaweit mehr Aufmerksamkeit zukommen müsse. Voraus gegangen war eine erste Umfrage, die FRH Anfang 2014 in Auftrag gegeben hatte. Sechstausend Personen über 18 Jahre aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, Niederlande, Polen und Schweden wurden befragt,
- welche Bedeutung sie dem baulichen religiösen Erbe für das europäische Kulturerbe insgesamt zumessen,
- welchen Stellenwert sie der Bewahrung dieses Erbes für ihre Gemeinden und Kommunen jetzt und in Zukunft zuordnen,
- welchen Stellenwert die Öffnung sakraler Gebäude für nicht-religiöse Zwecke in ihrem Kulturverständnis hat.

Die Ergebnisse waren sehr aufschlussreich:

Der europäische Verbund "Future for Religious Heritage" schlussfolgert daraus, dass vier von fünf Europäern meinen, sakrale Gebäude seien für das Gemeinschaftsleben von großer Bedeutung und sollten auch in erweiterter Form genutzt werden. Das zeigt, dass das abendländische Europa trotz säkularer Strömungen und vielfältiger kultureller und religiöser Einflüsse immer noch in enger emotionaler, geistlicher und kultureller Verbindung zu seinen überkommenen sakralen Bauten steht. Die Menschen Europas wünschen sich zudem, dass diese Häuser für beides bewahrt werden: für den Gottesdienst und auch für Ereignisse, die das Gemeinschaftsleben befördern. Sie wollen keine leeren Kirchenhüllen und schon gar nicht Kirchenabrisse. Sowohl Glaubensgemeinden als auch weltliche Gemeinden und Vereinigungen haben einen starken Bezug zu ihren Kirchen, Synagogen oder Moscheen. Allerdings ist der sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Bedeutung von Sakralbauten immer noch zu wenig Beachtung geschenkt worden.

Als potentiell zu nutzende Aktionsfelder wurden benannt:
a) Förderung von Handwerk, Kunsthandwerk und Gewerbe bei Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen alter Kirchen und Synagogen.
b) Nutzung der kulturellen Anziehungskraft sakraler Gebäude zur Beförderung des Kulturtourismus. Dies wird in Brandenburg mit Unterstützung des FAK bereits erfolgreich praktiziert.
c) Nutzung der Identifikationskraft sakraler Gebäude zur Gemeinschaftsbildung in einer Zeit mit zunehmend kulturell heterogenen Gemeinden.
d) Ausbau zu Begegnungsstätten zur Beförderung von Integration, Inklusion und Toleranz.
e) Nutzung sakraler Gebäude für lokale Kunst- und Kulturunternehmungen, wie wir es mit dem Projekt "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" bereits erprobt haben.

FRH-Präsident Olivier de Rohan-Chabot sagte abschließend: "Die sakralen Gebäude tragen die Geschichten und Bilder der vergangenen Generationen an die kommenden weiter. Deshalb muss unsere Generation die Herausforderung ihrer Bewahrung annehmen."

Dr. Uwe Otzen

 
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FAK erhielt Tourismuspreis des Landes Brandenburg

Erneut erfuhr der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg öffentliche Anerkennung seiner Arbeit: Am 6. März wurde er mit dem "Preis für Zivilcourage und Gemeinsinn" von der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH ausgezeichnet.

TMB-Geschäftsführer Dieter Hütte betonte anlässlich der Preisvergabe: "Damit möchten wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, Ihre Arbeit noch bekannter zu machen. In einem Jahr, in dem der Dom in Brandenburg an der Havel sein 850. Jubiläum feiert und wir bereits auf das große Reformationsjubiläum 2017 schauen, möchten wir mit dem Preis auch den Blick auf die vielen kleinen Kirchen lenken, die als Denkmäler, aber auch als Orte von Veranstaltungen wichtige Säulen im touristischen Angebot Brandenburgs sind." In der Begründung der Auszeichnung wird besonders die FAK-Aktion "Offene Kirchen" als Erfolgsmodell gewürdigt.

Die Verleihung ist mit einem Preisgeld von 1.500 Euro verbunden, das zweckgebunden für ein Projekt des Förderkreises Alte Kirche eingesetzt werden soll. Der FAK stockt diese Summe auf 2.000 Euro auf. Das Geld wird der Turmsanierung der Dorfkirche Seehausen zugutekommen. Das Gotteshaus ist eine der wenigen Fachwerkkirchen in der Uckermark.

Ein Erfolgsmodell

Aus der Begründung der Auszeichnung des FAK mit dem TMB-Sonderpreis:

Der Preis belohnt Menschen, die nach vorne sehen und nicht zusehen. Die mit Mut und Weitsicht etwas für die Gesellschaft unternehmen. Brandenburg ist ein Tourismusland mit Weitblick. Wir brauchen Menschen, die positiv auf unsere Gesellschaft wirken. Menschen mit Weitblick. Die mehr sehen als ihr eigenes Interesse. Und dafür weit gehen.

Seit seiner Gründung im Jahr 1990 setzt sich der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. für das kulturelle Erbe Brandenburgs ein. Er bemüht sich nicht nur um die Instandsetzung und die Restaurierung der Kirchen und ihrer Schätze, sondern auch um deren Öffnung für Besucher.

Die "Aktion offene Kirchen" ist ein Erfolgsmodell. In vielen, gerade kleineren Orten des Landes sind die Kirchentüren geöffnet, die Besucher finden Informationen zur Geschichte der Kirche oder Menschen schließen ,,ihre" Kirche auf und stellen sie bei einer kleinen Führung vor. Die sakralen Bauten sind darüber hinaus wichtige Veranstaltungsorte für Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen.

Der Förderkreis trägt damit in hohem Maße zur Belebung von Dörfern und Städten bei und leistet auf diese Weise auch einen wertvollen Beitrag für den Tourismus in Brandenburg.

 
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Festveranstaltung 25 Jahre Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg

Von großen Erfolgen, kleinen "Wundern" und Zuversicht

GRUPPENBILD MIT KIRCHE - Teilnehmer der Festveranstaltung vor der gastgebenden Französischen Kirche
Foto: Kurt Glöckler
 
Podiumsgespräch
Foto: Eva Gonda

"Wunder sind anstrengend." Pastorin Hildegard Rugenstein, die als Gastgeberin die Teilnehmer der Mitgliederversammlung und der anschließenden Festveranstaltung 25 Jahre FAK in der Französischen Kirche zu Potsdam begrüßte, würdigte mit diesen Worten unter anderem die eindrucksvollen Ergebnisse oft mühevollen Wirkens der vieler Ehrenamtlichen im Förderkreis.

Die Ergebnisse, auf die der FAK 25 Jahre nach seiner Gründung zurückblicken kann, setzen sich aus vielen kleinen "Wundern" zusammen - dort, wo Ruinen wieder zu Kirchen wurden, wo sich Menschen zur Bewahrung dieser Zeugen unserer Geschichte zusammenfanden. Vielfach ging die Initiative dazu vom FAK aus, der die Fördervereine vor Ort nicht nur finanziell, sondern auch mit gutem Rat unterstützte.

Festredner fanden dafür viele anerkennende Worte, so Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Sabine Kunst, der Leiter des Stiftungsbüros der KiBa, Martin Ammon, und der Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, Prof. Dr. Franz Schopper. Aus der Arbeit vor Ort berichtete der Vorsitzende des Freundeskreises der Garreyer Kirche, Dr. Wolfgang Lubitzsch, und verband damit den Dank an den FAK für die Unterstützung.

Wie viele Kirchen braucht das Land? Diese Frage stand über dem Podiumsgespräch zwischen dem FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski, dem Landeskonservator Dr. Thomas Drachenberg und der Generalsuperintendentin Heilgard Asmus. "Wie viele Kirchen das Land braucht? Alle", sagte die Generalsuperintendentin, "aber die Kirche braucht nicht alle für Gottesdienste." Damit war dann auch schon der kritische Punkt benannt. Thomas Drachenberg verwies auf die schwierige Situation, die sich für die Denkmalpflege nach der Wende in den neuen Bundesländern auftat. Im Krieg und in DDR-Zeiten war bei der Erhaltung von Baudenkmalen, insbesondere sakraler Gebäude, vieles versäumt worden. Doch das bedeutete auch die Chance, mit den Erfahrungen, die man in den alten Bundesländern inzwischen gemacht hatte, aber unter Vermeidung auch einiger falscher Entwicklungen ganz neu anzufangen. Es sei wichtig, die Identität jedes Dorfes zu stärken, so Heilgard Asmus, und dazu gehöre das Kirchengebäude, das sich nicht nur für Gottesdienste öffne.

Wenn die alte Dorfkirche, heute vielfach einziger öffentlicher Raum vor Ort, zunehmend auch für andere Begegnungen wie Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt wird, dann sind oft Umgestaltungen des Kirchenraumes oder Anbauten notwendig. Was sagt der Landeskonservator dazu? Er verweist auf die notwendige Vereinbarkeit von Tradition und Innovation. Es sei immer eine Frage der Qualität. Im übrigen empfehle es sich, die gesamte Dorfgemeinschaft in die Pläne einzubeziehen. Er habe bei solchen Gelegenheiten schon mehrfach erlebt, dass die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war, und bei weitem nicht alle Besucher gehörten der Kirchengemeinde an. Und was tun bei drohendem Abriss oder Verkauf von Kirchen, was in Brandenburg bisher allerdings nur ganz vereinzelt geschah? Thomas Drachenberg riet, sich für solche Entscheidungen Zeit zu lassen und das Gebäude zunächst so zu sichern, dass ein Verfall langfristig ausgeschlossen ist. Auch Heilgard Asmus sprach sich für eine Verständigung auf Zeit aus, und wie sich diese Zeit weiter gestalten werde, wisse keiner. Schon in der Bibel seien Dürrezeiten beschrieben, die auf wunderbare Weise zu Ende gingen. Die 25 Jahre erfolgreicher Arbeit des FAK seien eine gute Grundlage, auch künftig zuversichtlich ans Werk zu gehen. "Rechnen wir weiter mit Wundern."

Wunder sind anstrengend, hatten wir ganz zu Anfang gehört. Aber das wird keinen davon abhalten, auch künftig kleine "Wunder" in brandenburgischen Dörfern zu vollbringen.

Der Französisch-Reformierten Gemeinde danken wir für die Gastfreundschaft und den drei jungen Künstlern Katharina Glös, Daniel Kurz und Lea Rahel Bader für den freundlichen musikalischen Rahmen.

Eva Gonda

Auf der Mitgliederversammlung notiert

Dem Verein gehen die Betätigungsfelder nicht aus

THEDA VON WEDEL ist Regionalbeauftragte für den Landkreis PM-Süd und berichtete u. a. über die geplante Sanierung der Kirche von Lühnsdorf
Foto: Eva Gonda

Aufgrund des Bahnstreiks gestaltete sich die Anreise für die Mitglieder des FAK diesmal zu einem regelrechten Hindernislauf. Dafür wurden sie allerdings mit erfreulichen Zahlen und Fakten aus dem Vereinsbericht entschädigt: Die finanzielle Basis ist solide, die Mitgliederzahl weiter gestiegen, neue Förderprojekte konnten begonnen, alte abgeschlossen werden.

Das machten nicht zuletzt die Berichte der Regionalbetreuer des Vereins deutlich. Konrad Mrusek, zuständig für den Landkreis Oberhavel, wies darauf hin, dass die Kirche von Meseberg saniert werden konnte. Sie führte neben dem aufwendig rekonstruierten Schloss, das als Gästehaus der Bundesregierung genutzt wird, jahrelang ein Schattendasein. Am 13. Juni wird das runderneuerte Gotteshaus nun mit einem Festakt der Öffentlichkeit übergeben.

Dass Wunder immer wieder geschehen und man niemals nie sagen sollte, unterstrich Regionalbetreuer Carsten Lange in seinem Vortrag über die Kirche von Hirschfelde (Landkreis Barnim), eine Ruine, die in den letzten Jahren vollständig aufgebaut und am 9. Mai wieder eingeweiht wurde (siehe dazu auch unseren ausführlichen Beitrag "Metamorphose einer Ruinierten").

Uwe Donath, Regionalbetreuer der Landkreise MOL und LOS, erzählte die spannende Geschichte der Kirche von Klein Muckrow bei Beeskow, deren Fundament abrutschte, woraufhin man sie anhob und unter ihr ein neues Fundament einbrachte. Nun steht das Gotteshaus wieder auf "sicheren Füßen". Man könnte die Aufzählung beliebig fortführen, wir wollen es bei diesen wenigen Beispielen bewenden lassen.

Dass trotz alledem noch viel zu tun bleibt, veranschaulichte der Vortrag von Regionalbetreuer Arnulf Kraft (Landkreis HVL). Er sprach über etliche mehr oder weniger sanierungsbedürftige Gotteshäuser. So über das von Hohennauen, wo 500.000 Euro vonnöten sind, um die Schäden zu beseitigen, oder die Gülper Kirche, die sich ebenfalls in schlechtem Zustand befindet. In ihrem Bestand sogar akut gefährdet sind die Kirchen von Wolsier und Landin, letztere ist bereits unbenutzbar. Hier hat sich inzwischen ein Förderverein gegründet; sollte er nicht erfolgreich sein, wird es die Kirche in 20 Jahren vielleicht nicht mehr geben.

Dem Verein und seinen Mitgliedern gehen also die Betätigungsfelder nicht aus. Zumal, wie die lebhafte Diskussion zeigte, sich stetig neue Baustellen auftun. Der Absatz der Jahreszeitschrift "Offene Kirchen", die als journalistisches Flaggschiff des Vereins angesehen wird, schwächelt. Die Anzahl jüngerer Mitglieder ebenfalls. Ein nachahmenswerter Vorschlag zur Werbung von Kindern und Jugendlichen kam vom Förderverein Klein Muckrow, der gemeinsam mit dem Kindergarten das Projekt "Wir malen unsere Kirche" veranstaltet, das auch mit einer Kirchenführung für die Kinder verbunden ist. Die entstehenden Zeichnungen werden mit großem Erfolg beim Dorffest versteigert. Vereinsmitglied Edmund Köhn machte einen interessanten Vorschlag, um die Kommunikation unter den FAK-Mitgliedern zu verbessern. Er regte an, dass sie sich zweimal jährlich in Berlin oder in ihren Regionen zu einem zwanglosen Erfahrungsaustausch treffen.

Sorgen bereiten nach wie vor zwar restaurierte, aber trotzdem weitgehend ungenutzte Kirchen. Was nützt ein schöner Bau, der ohne Leben ist? Ein sehr erfolgreiches Projekt ist die Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen", das vom Landesverband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg zusammen mit dem FAK veranstaltet wird. Aber das reicht noch nicht aus. Die Nutzungsfrage wird den FAK in den nächsten Jahren stark beschäftigen.

Trotzdem gibt es keinen Grund, sich im 26. Jahr des Bestehens des Vereins die Laune verderben zu lassen. Dafür hat er viel zu viel erreicht. Zudem: Die Kassenprüfer fanden nichts, was sie hätten beanstanden müssen. Und die Mitglieder entlasteten Vorstand und Geschäftsführung und ebneten damit den Weg für die weitere Arbeit. Für die nächsten 25 Jahre, hoffentlich!

Elke Kreischer

Mitgliederversammlung / Fakten aus dem Bericht des Vorstandes

Ergebnisse großen Engagements

Im vergangenen Jahr konnten wieder zahlreiche Sanierungs- und Restaurierungsprojekte finanziell unterstützt und durch Beratung gefördert werden. Dörfliches Leben wurde mit Aktionen wie Benefizkonzerten oder Exkursionen gestärkt. Dies war nur durch das hohe Engagement der aktiven Mitglieder, die Spendenbereitschaft unseres weiter gewachsenen Mitgliederkreises und die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Geschäftsführung und Regionalbetreuung möglich.

Mitgliederentwicklung

Heute zählt der FAK 593 Mitglieder, davon 426 persönliche Mitglieder, 129 Vereine, 29 Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise und 9 Firmen. Damit ist die Mitgliederzahl um knapp drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Finanzen

Im Jahr 2014 hat der FAK 183.460,16 Euro an Einnahmen verbuchen können - davon mehr als 66.000 Euro allgemeine und ca. 27.000 Euro projektbezogene Spenden. Insgesamt konnten 2014 fast 100.000 Euro an Projekthilfen ausgereicht werden, die größtenteils durch Kofinanzierungen die Einwerbung weiterer Fördermittel ermöglichten. Unsere 2008 gegründete Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen hat inzwischen ihr Kapitalvermögen von ursprünglich 58.500 Euro auf inzwischen 420.000 Euro erhöhen können.

Fördermaßnahmen

Mit Fördermitteln konnten im vergangenen Jahr unter anderem folgende Maßnahmen unterstützt werden: Dekontaminierung des Dachstuhls der St.-Briccius-Kirche in Bad Belzig (PM), Instandsetzung der Dorfkirche Brügge (PR), Bekämpfung des Hausschwamms und die Instandsetzung des Kirchturms in Buskow (OPR), Teilerneuerung der Elektroanlage in der Dorfkirche Ferchesar (HVL), Sanierung der Dorfkirche Gantikow (OPR), Instandsetzungsarbeiten am Turmaufsatz der Dorfkirche Garrey (PM), Sanierung der Dorfkirche Hirschfelde (BAR), Instandsetzung der Dachkonstruktion der Dorfkirche Klein Döbbern (SPN), Reparatur der Eingangstür der Dorfkirche Klein Muckrow (LOS), Sanierung des Turmes der Dorfkirche Kleinow (PR), Vorbereitungen für Sanierungsarbeiten am Dach und an der hölzernen Tonnendecke der Dorfkirche Langennaundorf (EE), Sanierung des Kirchenschiffdaches und des Westgiebels der Dorfkirche Lanz (PR), Turmsanierung der mittelalterlichen Backsteinkirche in Legde (PR), Turmsanierung der Dorfkirche Porep (PR), restauratorische Untersuchungen im Vorfeld der Wiederaufbauarbeiten am Schiff der Ruine der Dorfkirche Rogäsen (PM), Instandsetzung des barocken Turmaufsatzes und Restaurierung der Patronatsloge in der Dorfkirche Steinhöfel (LOS), Notsicherungsarbeiten am Schiff und am Glockenturm der Dorfkirche Taschenberg (UM), Instandsetzung der Dorfkirche Terpt (LDS), Turminstandsetzung der Dorfkirche Wismar (UM), Sanierung des Innenraumes der Dorfkirche Damelack (OPR), Restaurierung des Renaissance-Altarretabels in der Dorfkirche Frankenfelde (MOL) und weitere Restaurierung der Ausstattung der Dorfkirche Niebendorf (TF).

Rettung von Taufengeln

Aus zweckgebundenen Spendengeldern der Aktion "Menschen helfen Engeln" konnte im vergangenen Jahr die Restaurierung der Taufengel in Altwustrow (MOL), Dauer (UM), Freyenstein (PR) und Plänitz (OPR) finanziell unterstützt werden. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Aktion seit 2008 etwa 77.000 Euro für die Rettung barocker Taufengel ausgereicht.

Exkursionen

Auch im vergangenen Jahr bot der FAK seinen Mitgliedern und Unterstützern mehrere Busexkursionen an, die sich neben kunsthistorischen Führungen auch mit Fragen der Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung der Kirchengebäude beschäftigen.

Kunst und Kultur in Dorfkirchen

Das Projekt "Musikschulen öffnen Kirchen", das vom Landesverband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg zusammen mit dem FAK veranstaltet wird, hat 2014 mit 44 Konzerten dazu beigetragen, dass alte Kirchen in Brandenburg als Orte der Begegnung belebt und Kulturgüter erhalten werden können. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe konnten bisher mehr als 130.000 Euro für konkrete Projekte "erspielt" werden. Mit mehr als 60 Konzerten wird die Reihe 2015 fortgesetzt.

Stärkung des Bürgerengagements

Mit der jährlichen Verleihung des Startkapitals von je 2.500 Euro an fünf neu gegründete Kirchenfördervereine zeichnet der FAK das Engagement von ehrenamtlichen Initiativen für die Bewahrung von Gottesdienststätten sowie angemessene Nutzungskonzepte aus. In diesem Berichtsjahr wurden folgende Fördervereine ausgezeichnet: Förderkreis Dorfkirche Falkenthal (OHV), Förderkreis Schinkelkirche Joachimsthal (BAR), Förderkreis Sabinenkirche Prenzlau (UM), Förderverein Kirchensanierung Reichenwalde (LOS), Förderverein Feldsteinkirche Wollenberg (MOL).

Ausblick

Auch in Zukunft wird es die wichtigste Aufgabe des FAK sein, die Erhaltung und Instandsetzung von Kirchengebäuden finanziell zu unterstützen. Zusätzlich zur Instandsetzung der Gebäudehüllen wird sich unser Augenmerk auch auf die Sicherung und Restaurierung wertvoller historischer Ausstattungstücke richten. Der FAK hält am Konzept der behutsamen Nutzungserweiterung fest und unterstützt kulturelle Aktivitäten sowie weitere angemessene Nutzungen, die dazu beitragen, Kirchen zu öffnen und sie über die Kerngemeinde hinaus weiteren Menschen zugänglich zu machen.

Seit seiner Gründung 1990 konnte der FAK mehr als 1,3 Millionen Euro an Zuschüssen für die Bewahrung von Kirchenbauten ausreichen. Dafür dankt der Vorstand allen Mitgliedern und Unterstützern herzlich.

 
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Aus Grußschreiben zum 25-jährigen Jubiläum des Förderkreises Alte Kirchen

Anlässlich des Jubiläums erreichten uns zahlreiche Gruß- und Glückwunschschreiben. Unter anderen meldeten sich auch örtliche Fördervereine zu Wort, die mit ihren Wünschen für weitere Erfolge vielfach ihren Dank für die Unterstützung ihrer Arbeit durch den Förderkreis Alte Kirchen zum Ausdruck bringen.

Hier Ausschnitte aus einigen der Schreiben, für die wir uns herzlich bedanken.

Mit Vorbildcharakter im Engagement für die Bewahrung brandenburgischer Kirchen

Thomas Begrich, Geschäftsführer der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmale in Deutschland (KiBa), gratulierte dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg herzlich zu seinem "stolzen Jubiläum".

Der Förderkreis habe Vorbildcharakter im Engagement um den Erhalt der Kirchen, so Thomas Begrich. Seit 25 Jahren fördere der FAK die Erhaltung und Instandsetzung von Kirchenbauten in Berlin und im Land Brandenburg. Insgesamt gebe es rund 1.400 Kirchen in dieser Region.

Die KiBa sei mit dem Förderkreis Alte Kirchen seit 2008 auch durch die gemeinsame Stiftung Brandenburgische Kirchen verbunden.

Längst erwachsen und erfolgreich

Der Förderkreis Alte Kirchen (Marburg) stand vor 25 Jahren Pate, als sich der FAK gründete, und war nicht nur in den Anfangsjahren ein sehr hilfreicher Wegbegleiter. "Herzliche Glückwünsche an den nun lange erwachsenen Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg", heißt es im Grußschreiben des Marburger Vereinsvorstandes. "Das ‚Kind? hat den ‚Vater? mit seinem Wachstum längst überholt. Der Marburger För-derkreis freut sich über den Erfolg des Berlin-Brandenburger Förderkreises bei der sehr gelungenen Arbeit zur Rettung und Instandsetzung vieler gefährdeten Kirchen im Land Brandenburg und ihrer Ausstattung."

In dem Schreiben wird auch erinnert an die Vorgeschichte der fruchtbaren Beziehungen. Der Marburger Verein hatte schon in den Achtzigerjahren Kontakte gepflegt zu Leitern kirchlicher Bauämter im Osten Deutschlands und hatte auch an den Berliner Gesprächen über neue Nutzungen für alte Kirchen in Berlin teilgenommen. Der Anregung zur Gründung eines Förderkreises Alte Kirchen nach der Wende, zunächst gedacht für den gesamten Osten Deutschlands, wurde aber erst praktisch in Berlin-Brandenburg mit der Gründung eines eigenen Vereins im Mai 1990 realisiert.

"Wir wünschen dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg weiterhin so gute Erfolge in seiner Arbeit für die Erhaltung und angemessene Nutzung der alten Dorfkirchen."

Stets ein offenes Ohr

"Seit 20 Jahren pflegen wir als Förderverein Wehrkirche Gollmitz eine gute Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Alte Kirchen. Wir fanden immer ein offenes Ohr - vor allem aber guten Rat, Vorschläge und Gedanken, die uns vor Ort in unserem Tun weiter gebracht haben. Wir wünschen ein Weiter-So in der Zusammenarbeit", schreibt Jürgen von Chamier, bis vor einem Jahr Vorsitzender des örtlichen Vereins, der es geschafft hat, die ruinöse Kirche wieder vorbildlich instand zu setzen. "Danke für die hervorragende Unterstützung. Der Förderkreis Alte Kirchen konnte in der Bevölkerung eine breite Akzeptanz erreichen, die es uns erleichtert, auf die Menschen zuzugehen mit der Bitte um Unterstützung."

Erfahrungen nutzen

Der Förderkreis Sanierung der Dorfkirche zu Lühnsdorf ist erst vor wenigen Wochen gegründet worden. Als Vorstellung seines Förderobjektes überreichte er beim Festakt zum 25. Jahrestag des Förderkreises Alte Kirchen ein gerahmtes Bild mit Ansichten des Lühnsdorfer Gotteshauses, das seit Jahren in seiner Bausubstanz gefährdet ist. Damit soll nun Schluss sein. Die Mitglieder des Lühnsdorfer Vereins, die künftig die Erfahrungen des FAK nutzen wollen, betonten im Glückwunsch ihre "Anerkennung dafür, dass sich der Verein ein so hohes Ziel gesetzt und vor allem umgesetzt hat".

Eine lange Geschichte

Eine Bilanz in Bildern hatte der Förderverein zur Rekonstruierung der Kirche Wulkow bei Trebnitz zum Festakt mitgebracht. Die Wulkower Kirche war eine der ersten, deren Sanierung der FAK förderte. Er stand auch Pate, als sich dort der Förderverein gründete, half bei den ersten Schritten mit Rat und auch mit finanziellen Mitteln. Inzwischen hat sich in Wulkow viel getan, wie die mit Stolz präsentierte Fotodokumentation belegt. "Wir gratulieren dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und bedanken uns für die bisher geleistete Unterstützung", steht darunter.

Eng verbunden

Das Ehepaar R. und J. Riebesel, einst Pfarrersleute in Selchow und in Strausberg, sind dem FAK von Anbeginn eng verbunden, waren bei Veranstaltungen und Exkursionen fast immer dabei. Inzwischen erlaubt ihre Gesundheit keine großen Unternehmungen mehr, aber der Kontakt zum FAK hält bis heute. In ihrem Grußschreiben zum FAK-Jubiläum bedauern beide, nicht beim Festakt dabei sein zu können. "Wir wünschen der Zusammenkunft gutes Gelingen und dem Förderkreis weiterhin viele Erfolge bei der Bewahrung der brandenburgischen Dorfkirchen."

 
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Die weiße Lilie, Feldsteinkirchen und eine Einladung zum Singen

Ein Wandertipp zu lohnenden Sehenswürdigkeiten ganz in der Nähe

Für Wanderfreunde zu Fuß oder per Fahrrad beginnt mit steigenden Temperaturen wieder die Suche nach lohnenden Ausflugszielen. Oft geht es in die Ferne, aber ganz in der Nähe laden Wege mit interessanten Sehenswürdigkeiten ein. Deshalb möchte ich einen Stab brechen für eine im östlichen Umland Berlins gelegene Rundtour, die sowohl mit dem Auto als auch gut mit der Regionalbahn zu erreichen ist.

Einst prägten die Zisterziensermönche des Klosters Zinna die Region südlich von Strausberg; ihnen gehörten sieben Dörfer, darunter Werder, Rehfelde, Garzau und Zinndorf. Für die Zisterzienser steht Maria im Mittelpunkt der Verehrung. Sie wird oft mit dem Symbol der weißen Lilie dargestellt. Die größere der beiden Glocken aus dem 16. Jahrhundert im Turm der Werderschen Kirche zeigt die Prägung von drei Lilien. Seit 2005, dem Themenjahr "1000 Jahre Christentum in Brandenburg", gibt es diesen Wanderweg im Zeichen der Lilie. Er beginnt am Bahnhof Rehfelde, wo man sich im Pavillon der Touristeninformation mit Prospekten und Karten versorgen kann und individuelle Erläuterungen über Sehenswürdigkeiten erhält.

 

Der Reiz dieser gut 18 Kilometer langen Rundtour besteht in der "Verbindung von ländlicher Idylle, Dorfromantik und der erhabenen Ausstrahlung alter Feldsteinarchitektur", so beschreibt es das Faltblatt, und dem kann man nur zustimmen. Auf seinem Weg erwarten den Besucher vier sehenswerte Feldsteinkirchen aus dem 13. Jahrhundert, dazu eine Feldsteinpyramide sowie zwei weitere Wanderwege. Zum einen ist dies der Jakobsweg, der von Werder bis Garzau einen kurzen gemeinsamen Verlauf mit dem Lilienweg nimmt (Foto Kirchsteig), und als weiteres der Liederweg, eine Idee des Rehfelder Sängerkreises. Auf einem zwölf Kilometer langen Wanderweg wurden in Rehfelde, Werder und Zinndorf 33 behauene Granite bzw. Feldsteine aufgestellt, die mit Liedertafeln deutscher (25) und polnischer (8) Volkslieder zum Singen anregen.

Die mit der Lilie gekennzeichnete Tour führt zunächst in Richtung Garzau, trifft bald auf den Jakobsweg und berührt dann die Feldsteinpyramide. Diese hatte der königlich preußische Generalleutnant, Topograf und Kartograf Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau 1784 in seinem Schlosspark errichten lassen. Seit ihrem Wiederaufbau in den Jahren 2001 bis 2010 gilt sie als größte Feldsteinpyramide Deutschlands.

Auf der weiteren Wanderung erreicht man zuerst die Kirche in Garzau mit einem Taufstein von 1553 und einem Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert. Das nächste Ziel ist Werder mit der Feldsteinkirche, danach folgen in Zinndorf eine prächtig ausgestattete Annen-Kirche mit einem figurenreichen Schnitzaltar und einer Anna selbdritt. Schließlich erreicht man die wehrhaft anmutende Kirche von Rehfelde-Dorf. Das Faltblatt enthält Adressen der Schlüsselverwalter, so können die Gotteshäuser auch innen besichtigt werden.

Die Feldsteinkirche in Werder ist das einzige der vier Gotteshäuser mit Liliendarstellungen auf einer der Glocken. Besonders interessant ist ihr äußeres Erscheinungsbild. Während Kirchenschiff und Apsis aus regelmäßig behauenen Feldsteinen gemauert sind, besteht der quadratische Turm aus unregelmäßigen Feldsteinen. Der aufmerksame Betrachter wird Ritzzeichnungen an mehreren Stellen entdecken: eine Eule, Reste einer Kreuzigungsszene (deutlich erkennbar eine Lanze), ein Kopf mit Narrenkappe. An der Ostseite des Turms wurde 2007 außerdem ein unter Segeln fahrendes Schiff entdeckt. Deutlich sind an den Außenwänden Vermauerungen von Türen und Fens-tern zu erkennen, die im Laufe der Jahrhunderte vorgenommen wurden. Im Fenstersturz des vermauerten Chorfensters über der Apsis fand man ein Eichenbrett, das auf das Jahr 1234 datiert wurde. Es könnte auf das Erbauungsjahr hinweisen, aber auch aus einer hölzernen Vorgängerkirche oder einem anderen Bauwerk stammen. Sachkundige Erläuterungen gab mir der freundliche Kirchenführer Herr Reichwald.

Das Kircheninnere mit einer spielbaren Orgel bietet einen schlichten, freundlichen Anblick. Eine Pokaltaufe aus Rüdersdorfer Kalkstein und zwei Altarleuchter (15./16. Jahrhundert) sind die Reste der alten Ausstattung. Alle zwei Wochen findet ein Gottesdienst statt.

Ein alter Friedhof umgibt die Kirche. Hier weist eine Buchsbaumbepflanzung in Gestalt einer Marienlilie auf das Symbol hin, dem dieser Weg seinen Namen verdankt (Bild oben).

Text und Fotos: Uwe Donath

 
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Oft ist detektivischer Spürsinn gefragt

Diplom-Restauratorin Marlies Genßler hat in vielen Brandenburger Kirchen ihre Spuren hinterlassen

MARLIES GENSSLER bei Restaurierungsarbeiten in der Dorfkirche von Neuenhagen
Foto: J. Genßler

Man sieht es ihr von außen nicht an, dass sich in ihrem Inneren vor ein paar Jahren aufgrund eines technischen Defekts eine Katastrophe ereignete: Der Kirchenraum der 1902 eingeweihten historistischen Dorfkirche von Neuenhagen (Landkreis Märkisch-Oderland) wurde Opfer eines Brandes. Zum Glück war die Versicherung bereit, die Kosten für die Instandsetzung zu übernehmen. Und so geben sich im Kirchenschiff seit Wochen Handwerker verschiedenster Couleur die Klinke in die Hand. Auch Restauratorin Marlies Genßler ist darunter.

Bei der Entfernung des Rußes von den Wänden wurde der weiße Leimfarbenanstrich abgetragen, unter dem die erhaltene Originalbemalung großflächig zutage trat. Man entschloss sich, sie zu rekonstruieren. So hat das Feuer am Ende doch auch noch etwas Gutes bewirkt: Es schenkt der Kirche ihr ursprüngliches farbenfrohes Aussehen zurück. Und - sorgt zudem dafür, dass Marlies Genßler in der winterlichen Saure-Gurken-Zeit, in der die Freiberuflerin normalerweise nicht in Kirchenräumen arbeiten kann, einen Auftrag erhielt. Denn, ein hochgeschätzter Luxus, die Versicherung bezahlt auch die Beheizung des Kircheninnenraums. Ohne sie wäre es im Winter zu kalt für Sanierungsmaßnahmen.

Marlies Genßler hat in Neuenhagen getan, was sie am liebsten tut: einen Befund erstellt, sprich: an verschiedenen Stellen Dekore freigelegt, eine Dokumentation des Befunds sowie eine virtuelle farbige Darstellung der fertigen Ausmalung erarbeitet, Schablonen angefertigt und angefangen, die Bemalung zu rekonstruieren.

Die Diplomrestauratorin, die bis 1989 an der Dresdner Kunsthochschule studierte und heute in Prötzel zu Hause ist, hat in vielen Brandenburger Kirchen gearbeitet, vor allem in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Ostprignitz, Uckermark und Barnim. Ihren ersten größeren Auftrag, an den sie sich natürlich besonders gut erinnert, erhielt sie in der Strausberger Marienkirche, wo sie gemeinsam mit Kollegen die Gewölbemalereien im Chor restaurierte.

In vielen evangelischen Kirchen ist die ursprüngliche farbige Ausmalung in den Sechziger- bzw. Siebzigerjahren mit "modischem" Weiß überstrichen worden, was inzwischen oft als deplatziert empfunden wird. Da es sich dabei zumeist um Latexanstriche handelt, die nicht mehr zu entfernen sind, muss in der Regel eine Rekonstruktion vorgenommen werden, die dem farbigen Original so nahe wie möglich kommen sollte. Zu ihrem Bedauern erhält Marlies Genßler solche Aufträge allerdings nicht so oft, wie sie es sich wünschen würde, denn es gibt von staatlichen und kirchlichen Stellen vor allem Gelder für die Hüllensanierung, seltener für die Innenausstattung. Ihr Beruf macht Marlies Genßler große Freude, vor allem deshalb, weil er so vielfältig ist, denn keine Kirche ist wie die andere. Bei ihnen handelt es sich durchweg um Unikate, noch dazu solche, bei denen man immer mal wieder Überraschungen erlebt. So geschehen in der Dorfkirche von Frankenfelde (Landkreis Märkisch-Oderland), wo die Restauratorin unvermutet auf ein Wandbild stieß. Hier hat sie übrigens auch den 1610 entstandenen wurmstichigen, bemalten hölzernen Altar restauriert, der sich in einem "erbarmungswürdigen Zustand" befand. Er stand nach der Begasung wochenlang in ihrem Atelier, bevor sie sich an die Arbeit machen konnte. Übrigens hat ein Sponsor über die Homepage unseres Vereins etwas über den Sanierungsbedarf dieser Kirche erfahren und daraufhin eine beträchtliche Summe dafür bereitgestellt, die über den FAK weitergeleitet wurde.

Ihre Arbeit habe, besonders bei der Klärung der Baugeschichte in alten Wohnhäusern, etwas Detektivisches, so die Restauratorin. So müssten oft zahlreiche Farbschichten analysiert, verglichen und in zeitlichen Zusammenhang gesetzt werden. Manchmal fänden sich Hinweise zu Datierungen unter Holzverkleidungen oder alten Leitungen.

Als besonders schön empfindet es Marlies Genßler, dass die Dorfbewohner sich oft sehr für ihre Arbeit vor Ort interessieren, ihr bei ihrer Tätigkeit zusehen, sie fragen und nicht selten auch ihre Hilfe anbieten. Das sei sehr motivierend, meint sie, und bestätige den Sinn ihrer Arbeit.

Elke Kreischer

 

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Wo der Dichter Gottfried Benn einst zu Hause war

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir
Ihre Spende für die

Dorfkirche Mansfeld

(Landkreis Prignitz)
 
DIE MANSFELDER KIRCHE wurde zuletzt 1931 repariert. Das Fachwerk des Kirchenschiffs und auch der freistehende Glockenstuhl sind heute im Bestand gefährdet.
Foto: Meyer-Rath

Das kleine Prignitz-Dorf Mansfeld nordwestlich von Pritzwalk hat auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches zu bieten. Trotzdem taucht der Name des Ortes in jeder besseren Literaturgeschichte auf - als Geburtsort des Dichters Gottfried Benn, der zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern des 20. Jahrhunderts zählt.

Gottfried Benn kam am 2. Mai 1886 in Mansfeld zur Welt als Sohn des protestantischen Pfarrers Gustav Benn und seiner Frau Caroline, einer Erzieherin aus der romanischen Schweiz. Bereits ein halbes Jahr später zog die Familie nach Sellin in der Neumark, wo der Vater eine neue Pfarrstelle erhielt. Am ehemaligen Pfarrhaus in Mansfeld, in dem bereits der Großvater Gottfried Benns wirkte, erinnert seit 2003 eine Gedenktafel an den nicht unumstrittenen Dichter.

Die Mansfelder Kirche, ein schlichter Fachwerksaal ohne Turm, entstand 1651, nachdem ein Vorgängerbau vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war. Beeindruckend in ihrer Geschlossenheit ist die schlichte Ausstattung aus der Bauzeit: Die Felder des Kanzelkorbes zeigen die vier Evangelisten mit ihren Attributen.

Gegenüber dem Eingang befindet sich die Patronatsloge der bekannten Adelsfamilie der Gans Edlen Herren zu Putlitz mit ornamental durchbrochener Schranke. Zwei Wappenschilde, die ursprünglich an der Empore befestigt waren, sind heute in der Kapelle des Schlosses im nahe gelegenen Wolfshagen zu besichtigen. Ein Inschriftgrabstein für Joachim zu Putlitz aus dem Jahr 1658 ist an der Wand neben dem stattlichen Patronatsgestühl befestigt.

Für Gottesdienste wird die Mansfelder Kirche nicht mehr genutzt. Der 2002 gegründete "Gottfried Benn Förderkreis Mansfeld e.V." hat im Kirchenraum eine sehenswerte Ausstellung zum Leben des Dichters eingerichtet und bemüht sich, den Raum mit kulturellen Veranstaltungen zu neuem Leben zu erwecken. Im April fand hier eine von der Stiftung Zukunft Berlin in Kooperation mit dem Förderkreis Alte Kirchen initiierte Lesung aus Werken Gottfried Benns statt.

Neben der Pflege der Erinnerung an das Leben des Dichters und der Nutzung des Kirchengebäudes als kultureller Veranstaltungsraum fühlt sich der Mansfelder Förderkreis auch dem Denkmalschutz und dem Erhalt des Kulturerbes verpflichtet. Im Jahr 1931 fanden letztmalig Reparaturen an der Kirche statt. Inzwischen ist die Verbretterung des Westgiebels morsch und das Fachwerk des Kirchenschiffes im Bestand gefährdet: Erneute Instandsetzungsmaßnahmen sind dringend notwendig.

Bei einem Ortstermin mit Vertretern des Förderkreises Alte Kirchen und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises wurde bereits vor Jahren festgestellt, dass auch der freistehende hölzerne Glockenstuhl vor dem Westgiebel der Kirche akut im Bestand gefährdet ist, da seine Schwellenbalken fast vollständig verfault sind. Trotz der vom Förderkreis Alte Kirchen initiierten Notsicherung darf die mittelalterliche Bronzeglocke, die inschriftlich "Maria und der heiligen Anna Selbdritt geweiht" ist, seitdem nicht mehr geläutet werden. Eine dringende Hilfe zur Instandsetzung von Kirche und Glockenstuhl ist notwendig. Daran würde sich auch der Förderkreis Alte Kirchen beteiligen.

Bernd Janowski
Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Weitere Informationen: Gottfried Benn Förderkreis Mansfeld e.V.; Christian Tanneberger; Tel.: 033981-80599;
E-Mail: GBennMansfeld@t-online.de

Spendenkonto: Fördererkreis Alte Kirchen, Kto. 3911390, BLZ 520 604 10, IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90; Ev. Bank,
Kennwort: Mansfeld

 

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Zwei Glocken gingen auf große Reise

Ein Geschenk an die Kirchengemeinde Jühnsdorf

REISEFERTIG - Abschied der beiden Glocken aus Rodewald.
Foto: Autor

Große Freude in der evangelischen Kirchengemeinde Blankenfelde-Jühnsdorf (Landkreis Teltow-Fläming): Wenn im nächsten Jahr die Restaurierung von Dach und Glockenstuhl der Jühnsdorfer Kirche abgeschlossen sein wird, dann soll auch der Klang neuer Glocken zu hören sein. Sie sind ein Geschenk der katholischen Gemeinde Rodewald im Landkreis Nienburg/Weser.

Die Rodewalder Kirche "Heilige Familie" wird nicht mehr genutzt. Nun werden ihre Glocken im weit entfernten Jühnsdorf zum Gottesdienst rufen. Weitere Ausstattungsstücke gehen an eine katholische Gemeinde in Polen.

Zur feierlichen Übergabe des Geschenks weilte eine Delegation aus Jühnsdorf in Rodewald und schickte die tonnenschwere Fracht auch sogleich auf die 300 Kilometer lange Reise. Bei den herzlichen Begegnungen beider Gemeinden wurde vereinbart, dass man die festliche Glockenweihe im kommenden Jahr in Jühnsdorf gemeinsam feiern will. - Gelebte Ökumene, die sicher noch weiter fortgeführt wird.

Joachim Killus

 

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Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor siebzig Jahren

Noch immer sind im Oderbruch vielerorts die furchtbaren Spuren des Zweiten Weltkriegs gegenwärtig. Hier tobten die letzten großen Schlachten, wurden Städte und Dörfer verwüstet. Viele Kirchen, zum Teil noch von der deutschen Wehrmacht gesprengt, sind bis heute Ruinen oder ganz aus dem Ortsbild verschwunden.

Die Kirche von Buschdorf

Heute zeugen nur noch Grundmauern im Unterholz von dem einstigen Gotteshaus

  
EINE ALTE POSTKARTE (mitte, Ausschnitt) erinnert an die ehemalige Kirche. Die Notkirche lädt noch heute zum Gottesdienst.

Die Kirche war 1862/64 als Klinkerbau auf einem achteckigen Sockel errichtet worden. Die Ausstattung war außergewöhnlich gut, bereits 1867 wurde eine Orgel der Firma Sauer eingeweiht. 1945 von der Wehrmacht gesprengt, in den Kämpfen zusätzlich beschädigt, standen nach Kriegsende nur noch die Umfassungsmauern, die 1965 bis auf die Grundmauern abgetragen wurden. In den schweren Nachkriegsjahren konnte sich die Gemeinde 1958 trotz allgemeinen Materialmangels eine kleine Notkirche bauen, unterstützt vom Sägewerk Siewert aus Zechin. Die gerettete Glocke aus dem Jahr 1864 hängt heute im freistehenden Glockenstuhl. In den Achtziger- und Neunzigerjahren wurde hier kein Gottesdienst mehr gefeiert. Erst 2007 kümmerten sich rührige Bürger um die Sanierung der ehemaligen Notkirche, und heute ruft die alte Glocke wieder die Gemeinde zusammen.

Text und Fotos: Norbert Trebeß

 

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85 Kirchen am Wegesrand in Wort und Bild vorgestellt

Pfarrer Thomas Zastrow sorgt dafür, dass die BUGA auch zu einem kirchlichen Ereignis wird

STILISIERTE KIRCHTURMSPITZEN aus Holz mit einem Kreuz darin weisen an verschiedenen Stellen darauf hin, dass hier die Kirche auf der BUGA präsent ist.
Foto: Thomas Zastrow

Pfarrer Thomas Zastrow ist außer Dienst gestellt und doch im Amt. Wie das geht? Nun, er hat am 31. Juli 2013 seiner Gemeinde in Ketzin (Landkreis Havelland) Ade gesagt und vom 1. August 2013 bis zum 31. Dezember 2015 eine neue, anspruchsvolle Aufgabe übernommen: Er wurde BUGA-Pfarrer.

Thomas Zastrow hat, wie er zugibt, manchmal "Entzugserscheinungen" nach seiner Gemeinde. Damit der Kontakt zu seinen Kirchenmitgliedern, zu denen er nach Beendigung seines Sondereinsatzes zurückkehren wird, nicht abreißt, macht er freiwillig wöchentlich zwei Gemeindebesuche.

Das dürfte ihm nicht leicht fallen, denn an Arbeit mangelt es ihm und seinen drei Teilzeitmitarbeitern im kirchlichen BUGA-Büro in Premnitz nicht. Zu den sichtbaren Arbeitsergebnissen zählt die Internet-Seite www.kirchenwege-havelland.de. Darauf werden alle 85 Kirchen in Text und Bild beschrieben, die sich am Wegesrand der fünf BUGA-Standorte Brandenburg, Premnitz, Rathenow, Stölln und Havelberg befinden. Und - wie man die insgesamt immerhin 550 Kilometer, die zwischen den Standorten liegen, am besten zu Fuß, per Rad, Auto oder Schiff zurücklegen kann. Diese Seite wird auch nach dem Ende der BUGA Bestand haben und somit einen nachhaltigen Beitrag zur touristisch-kirchlichen Erschließung des Havellandes leisten.

Daneben ist noch die Internetseite www.kirche-buga-2015.de bestückt worden, der die vielfältigen Veranstaltungen zu entnehmen sind, mit denen die evangelische und die katholische Kirche auf der BUGA präsent sind und für deren Organisation Thomas Zastrow "den Hut aufhat". Um mit den regelmäßigen Veranstaltungsformaten anzufangen: Täglich werden an allen fünf Standorten um 12.00 Uhr Mittagsandachten gehalten. In nüchternen Zahlen - 177 Tage sind zu bestreiten, mal fünf Standorte, das macht 885 Andachten. Dafür sind Pfarrer oder Gemeindemitglieder zu finden. Weil es ihnen möglicherweise an Zeit und Kraft fehlt, die Andachten vorzubereiten, hat Thomas Zastrow dies gemeinsam mit Dr. Ilsabe Seibt vom Amt für kirchliche Dienste vorsorglich selbst gemacht und gibt den Freiwilligen für jeden Tag einen Meditationstext an die Hand. Und nicht nur das. Auch ein Liedheft mit 40 Liedern hat er entwickelt, das bei den Gottesdiensten nutzbar ist.

Jeden Mittwochnachmittag findet die Bunte Gartenkirche statt. Dabei lassen Gemeinden und Einrichtungen kirchliches Leben auf der Bühne lebendig werden: Posaunen erschallen, Chöre erklingen, die Diakonie macht mit einem gewichtsbeschwerten "Alten-anzug" Gebrechlichkeit nachfühlbar. Ein Unterformat davon sind die "Gespräche auf der Gartenbank", zu denen Pfarrer Zastrow namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeladen hat. Zusagen liegen unter anderen von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, Bischof Markus Dröge, dem Künstler Gunther Emmerlich und dem Unternehmer Heinrich Deichmann vor.

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben." Dieses Lied des bekanntesten evangelischen Lieddichters Paul Gerhardt könnte er eigens aus Anlass der BUGA geschrieben haben. So erscheint es nur folgerichtig, dass ihm dort im Juli und September jeweils ein eigener Tag gewidmet wird, bei dem seiner mit dem Vortrag von biographischen Texten und vielen seiner Lieder gedacht wird.

Bereits jetzt gibt es eine große Nachfrage nach dem "Grünen Klassenzimmer" für Kinder und Jugendliche, für das die Kirche eine Menge Angebote beisteuert: Von der Orgelentdeckungsreise, dem Kinderbibeltag bis zur Spurensuche bei Dombaumeistern gibt es viel zu erfahren. "Alle Angebote sind in einem Buch zusammengefasst, das zahlreichen Bildungsträgern zugegangen ist, jetzt brauchen sie sie nur noch zu buchen", so Thomas Zastrow.

Das klingt so leicht und locker und ist doch alles mit großem organisatorischen Aufwand verbunden. Da kann man eigentlich nur noch "gutes Gelingen!" wünschen.

Elke Kreischer

 

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In Hirschfelde auf dem Barnim wurde dieser Tage tüchtig gefeiert. Und das mit gutem Recht. Denn jahrzehntelanges Mühen war endlich von Erfolg gekrönt. Mut hatte es gekostet und Durchhaltevermögen. Zu DDR-Zeiten in den Weg gelegte Steine waren wegzuräumen und staatlich verordnete Hindernisse geschickt zu umgehen. Viel Beharrlichkeit gehörte auch später dazu, aus einer Ruine mit provisorischer Notkirche wieder die stattliche Dorfkirche Hirschfelde erstehen zu lassen. Unterstützung hatte sich der örtliche Förderverein auch beim FAK und seiner Stiftung geholt. In Hirschfelde finden all unsere Spender eine ganz plausible Antwort auf die Frage:

Wo ist unser Geld geblieben?

Metamorphose einer Ruinierten

 
 

Als vor siebzig Jahren die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs zu Ende gingen, war das Dorf Hirschfelde fast ausgelöscht. Verkohlte Dachsparren, aufgewühlte Straßen, zerborstene Geschütze - und mittendrin hatte die mittelalterliche Dorfkirche das Kriegsende fast unversehrt überstanden. Eine feste Burg.

Wenig später war sie eine Ruine.

Ein übereifriger Bürgermeister hatte das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert zum Abriss freigegeben. Das Dach wurde abgetragen, Balken und Bibersteine halfen nur bedingt beim Bau von Neubauernhäusern, Scheunen und Ställen. Für das allen Wetterunbilden ausgesetzte Kirchenschiff aber war es das Aus. Die gesamte kostbare Ausstattung verschwand, Bäume und Sträucher eroberten das Terrain.

Für einen Wiederaufbau gab es keine Genehmigung. Gewiefte DDR-Bürger wussten das Verbot zu umgehen, überdachten den Chorraum und bauten ihn in den Siebzigerjahren zur Notkirche aus. Auch der beschädigte Turm wurde gesichert. Manche heikle Situation wird es für sie damals gegeben haben.

Nach der Wende taten sich neue Möglichkeiten auf. Aber nun die gesamte Kirche wieder herrichten? Das schien dann doch vermessen. Der 2001 gegründete Förderverein für die Hirschfelder Dorfkirche hatte den Mut.

Vereinsvorsitzender Hans-Jürgen Albrecht erzählt von den schweren Anfängen, als erst einmal mancher Zweifler vor Ort davon zu überzeugen war, dass dieses Vorhaben gelingen könnte. Dann halfen viele, Breschen in den Urwald aus Gestrüpp zu schlagen und Berge von Schutt auszuräumen. Vor allem aber musste Geld aufgetrieben werden, Fördermittel beantragt, Sponsoren gewonnen werden. Der Förderkreis Alte Kirchen war sofort dabei, publizierte die Aktion, sammelte Spenden. Die ersten Zinseinnahmen aus unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gingen nach Hirschfelde.

Nach anstrengenden Jahren konnte nun also gefeiert werden. Mit berechtigtem Stolz präsentierten die Hirschfelder ihr wiedererstandenes Gotteshaus, das nun auch ein Treffpunkt für alle Einwohner und Gäste des Ortes sein will. Nur wenige, bewusst belassene Spuren an den wuchtigen Außenmauern erzählen von einstigen Wunden. Hinter der schmalen Pforte zum wieder gewonnenen Kirchenschiff erwartet den Besucher ein atemberaubend beeindruckender Raum: sichtbares Feldsteinmauerwerk, hohe Balkendecke - hier bieten sich alle Möglichkeiten für Begegnungen, kulturelle Veranstaltungen. Eine Dauerausstellung über den Kunstmäzen Eduard Arnhold, einst Besitzer des Ritterguts Hirschfelde, wird gerade vorbereitet. Eine Stahl-Glas-Wand lenkt den Blick in den inzwischen neu gestalteten hellen Gottesdienstraum - ein Kontrast, der in sich das Erbe der Vorfahren mit dem Leben im Heute verbindet.

Dennoch sehen sich die Hirschfelder noch nicht am Ziel. Unter anderem ist der marode Glockenstuhl dringend zu sanieren. Schließlich sollen die beiden Glocken wieder gefahrlos geläutet werden. Sie stammen wahrscheinlich aus der Entstehungszeit der Kirche und gehören so zu den ältesten Glocken im Land Brandenburg. Sie verdienen also ganz besondere Fürsorge, und wer dazu beitragen möchte, kann über den FAK mit einer Spende helfen (Bankverbindung siehe Seite 20; Stichwort "Hirschfelde"). Sie kommt ganz sicher gut an. Denn hier wie anderswo hat sich wieder gezeigt: Unser Geld landet in den richtigen Händen.

Eva Gonda
Fotos: E. Gonda, C. Lange

 

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Flickschusterei soll bald ein Ende haben

Vom Einsturz bedrohter Kirchturm in Lühnsdorf wird grundsaniert

 

Kein Ausbessern mehr, keine Flickschusterei, da sind sich die Lühnsdorfer (Fläming) einig. Ihr vom Einsturz bedrohter Kirchturm soll endlich von Grund auf saniert und das zur Zeit desolate, wasserdurchlässige Dach des Kirchenschiffes komplett in Ordnung gebracht werden. Die neuromanische Backsteinkirche, gebaut nach einem Entwurf des Schinkelschülers Friedrich August Stüler, wurde 1898 eingeweiht. Und schon sechs Jahre später zeigten sich erste Schäden. Pfusch am Bau, mühselige Verhandlungen über Schadensbegrenzung und Finanzierung, fragwürdige Provisorien, Sicherungsmaßnahmen - wie ein roter Faden zieht sich dieses Thema durch die nun 118-jährige Geschichte der Kirche.

Inzwischen hat sich ein Freundeskreis der Dorfkirche Lühnsdorf gebildet, Einheimische und Zugezogene, die den Verfall nicht hinnehmen wollen. Alle fassen mit an, mit oder ohne kirchliche Zugehörigkeit. Und sie können auf ihre langjährige Erfahrung im Dorf zurückgreifen. In unendlich vielen freiwillig geleisteten Stunden haben sie das Nachtwächterhäuschen und das Kriegerdenkmal saniert, die Friedhofsmauer neu aufgebaut, die Totenhalle restauriert, den Dorf- und Spielplatz neu gestaltet und dazu noch die Finanzierung durch Spenden in erheblichem Umfang unterstützt. Inzwischen kommen immer mehr Besucher nach Lühnsdorf, der Ort ist in die Fahrrad- und Wander-Routen aufgenommen.

Architekt Mike Enzmann hat die Bestandsaufnahme und das Sanierungskonzept erstellt. Die Kosten für die Arbeiten am Turm sind mit ca. 70.500 Euro, für die Sanierung des Kirchenschiffes mit ca. 30.800 Euro veranschlagt. Die Priorität ist klar, der Turm ist zuerst dran. Anträge auf finanzielle Unterstützung sind in viele Richtungen gestellt. Ganz besonders richtet sich die Hoffnung auf Mittel aus den europäischen Finanzierungstöpfen.

Aber das Dorf ist wieder auch vor Ort aktiv. So wird der zugezogene Tischler Roy Baumgarten ehrenamtlich umfangreiche Holzarbeiten bei der Sanierung übernehmen. Die neue Beleuchtung der Kirche stiftet der Einwohnersprecher Bernd Thiele zusammen mit der Leiterin des örtlichen Hotels, Martina-Kaufmann Götz. Die ortsansässige Lisa Kienow erarbeitet mit Zustimmung der Denkmalschutzbehörde die Bestandsaufnahme für den Altar und schließt damit ihren Bachelor im Studiengang Restaurierung ab .Dabei geht es um Salzbelastung im Apsisbereich (Salzanalyse und Salzreduktion) sowie Freilegung der Rankenmalerei des überfassten Al-tars (Erstellen eines Abbeizers und Retusche). Die Freiwillige Feuerwehr wird Farbe und Material für Eingangstür und Altar übernehmen und Kirchenältester Bergholz koordiniert die praktischen Maßnahmen. Carmen Böttcher organisiert Benefizkonzerte in der Kirche, aber auch in der Scheune des ganz nahe gelegenen Landhotels "Alte Schmiede". Für Dorfchronist Fritz Moritz wie für die Vorsitzende des Freundeskreises Heidrun Tietz und ihre Gruppe ist die enge Zusammenarbeit von Kirche und Gasthaus wichtig, gerade auch in Hinsicht auf die zunehmende Anzahl von Hochzeiten.

Schön wäre es, so der zuständige Gemeindepfarrer Matthias Stephan, wenn 2016 doppelt gefeiert werden könnte: der Abschluss der Renovierungsarbeiten und das 400-jährige Jubiläum der 1616 von Heinrich Borstelmann in Magdeburg gegossenen Bronzeglocke.

Theda von Wedel
Fotos: Fritz Moritz

 

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Neues von unserer Stiftung

Frühlingserwachen - auch die Sanierung der geförderten Projekte geht weiter

DIE KIRCHE IN PESSIN - auch für ihre Restaurierung flossen Mittel aus unserer Stiftung
Foto: Flender

Eigentlich ist die Wintersaison eine ruhige Zeit - auch für Dorfkirchen. In den Kirchen ist es zu kalt für Veranstaltungen, auch die Bautätigkeit ruht deshalb.

Da kann man sich zurücklehnen und zufrieden auf das Erreichte schauen. Und natürlich Luftschlösser bauen, denn dazu braucht man weder Stein noch Zement. Unser Stiftungskapital beträgt inzwischen mehr als 422.500 Euro, für die wir 12.773,41 Euro Zinsen erhielten. Damit erwirtschafteten wir trotz der am Kapitalmarkt weiter rückläufigen Verzinsung mehr als drei Prozent Zinsen. Wir haben die Unterstützung dreier (!) Dorfkirchenprojekte für 2015 anvisiert, unsere Möglichkeiten steigern sich also im Gleichschritt mit der Kapitalentwicklung.

Aber welchen Einfluss hat die wundersame Euro-Vermehrung durch die EZB auf unsere Erwartungen? Und, ganz wichtig: Welche Dorfkirchen sollte man unterstützen? Gefühlte Bedürftigkeit und reale Notwendigkeit liegen da oft im Widerstreit. Jedoch ist es ein gutes Gefühl, dass man immerhin die Möglichkeit hat, zu helfen und damit manchmal auch ein größeres Hilfsprogramm zu unterstützen oder gar auf den Weg zu bringen.

An ein paar schönen Wintersonntagen bin ich durch die Lande gefahren und habe mich an manchen märkischen Kulturstätten erfreut, die man schon wieder als Selbstverständlichkeit wahrnimmt. Das restaurierte Gutshaus des Herrn von Ribbeck, die blitzsaubere Kirche in Selbelang, an deren Sanierung die Stiftung beteiligt war ebenso wie an der Restaurierung der Kirche in Pessin. Die ist nun fertig und man beginnt, sich um die Innenausstattung zu kümmern. Die Empore soll wieder ihre ursprüngliche Bemalung erhalten.

In Märkisch Wilmersdorf (siehe auch unten stehenden Beitrag), ebenfalls durch unsere Stiftung gefördert, ist man noch nicht so weit, aber die sehr komplizierte Dachkonstruktion wurde bereits erneuert, das Dach gedeckt sowie der Turm neu verbrettert und gesichert. Nun geht es der Feuchtigkeit in den Wänden zu Leibe.

Im Februar hatte der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen den Geschäftsführer der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa), Martin Ammon, zu Gast. Es war ein reger und nützlicher Gedankenaustausch, und wir freuten uns über ein großes Kompliment für unsere Stiftung und das Engagement, das dahinter steht.

Ein schöner Abschluss der "Ruhezeit". Mit Hilfe der Förderer und Unterstützer des FAK und seiner Stiftung kann es nun wieder ans Werk gehen.

Dr. Hans Krag

Weitgereiste Spende

Ein hessische Arzt sammelt für Brandenburger Kirchen

Ein Scheck über 2.000,- Euro für die Dorfkirche von Märkisch-Wilmersdorf, überreicht von Dr. Focko Weberling (l.) an Pfarrer Stephan Michalsky. Der Arzt aus der hessischen Gemeinde Dorlar unterstützt mit seinem Verein IDEA e.V. seit Jahren die Rettung vom Verfall bedrohter Kirchen. Auch zur Aufstockung des Fondsvermögens der "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" trägt der Verein bei.

In den vergangenen Wochen zeigte Dr. Weberling in den Praxisräumen die Ausstellung "Gefährdete Schönheiten: Brandenburgische Dorfkirchen". Anstelle von üblichen Präsenten wurde um Spenden für die Kirche von Märkisch Wilmersdorf gebeten.

Während einer Tagung in Berlin bot sich nun die Gelegenheit zu einem Ausflug zu dieser Gemeinde, wo sich Dr. Weberling auch davon überzeugen konnte, dass der örtliche Förderverein bereits Beachtliches für die Sanierung des Gotteshauses geleistet hat. Noch gibt es viel zu tun, und so kam der Scheck aus dem fernen Hessen gerade recht.

 

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Regionalbetreuer unseres Förderkreises berichten aus ihren Bereichen

Konrad Mrusek aus dem Landkreis Oberhavel:

Pinnow lädt wieder zu Kultursonntagen

Klaus Sokol weiß, wie man die Leute zur Mitgliederversammlung locken kann. Man darf dort nicht bloß dürre Zahlen oder Bau-Gutachten bieten, sondern es muss auch eine Art Lockvogel in der Einladung auftauchen. Dieses Mal hatte der Vorsitzende des Fördervereins Pinnow den Heimatforscher Dr. Gerd Kley eingeladen, der anschaulich über die Schlacht am Kremmener Damm 1412 erzählte. Und wieder war der Gemeinderaum der evangelischen Kirche in Borgsdorf gut gefüllt.

Der Förderverein muss seit jeher im Marketing recht pfiffig sein, weil "seine" Kirche in Pinnow etwas abseits der Wege liegt, da kommt man nicht zufällig vorbei. Also muss die Werbe-Trommel etwas lauter geschlagen werden, etwa für die traditionellen Kultursonntage, die es seit mehr als zehn Jahren gibt. Die acht Veranstaltungen 2014 lockten so viele Besucher an, dass der Verein trotz der Honorare für Künstler und anderer Ausgaben einen Reingewinn von 1.500 Euro gemacht hat. Diesmal gab es jedoch eine Überraschung: Die Gema verlangte eine Strafzahlung von 280 Euro für die Konzerte. Der Verein hatte geglaubt, diese Künstlerabgabe werde von einer Pauschalabgabe der Evangelischen Kirche gedeckt. Für 2015 sind sieben Kultursonntage in der Stüler-Kirche Pinnow geplant, darunter vier Konzerte. Der Verein hofft, dass durch eine rechtzeitige Anzeige bei der Gema die Gebühr erlassen wird. Denn das Geld kann er gut gebrauchen, die Ausmalung der Kirche ist teuer, weil dabei Stülers Original mit seiner Marmor-Imitation wiederherstellt werden soll.

Das nächste größere Projekt ist 2016 die Restaurierung der Empore, die etwa 12.000 Euro kosten dürfte. Neben den Beiträgen der über 60 Vereinsmitglieder sowie Spenden hofft Klaus Sokol auch wieder auf Zuschüsse der Stadt Hohen Neuendorf. Der Vorstand des Fördervereins hat ein gutes Händchen bei seinen politischen Kontakten.

Kapper Kabbeleien

Foto: Konrad Mrusek

Eine Turmbekrönung kann ein fröhliches Fest sein, zumal dann, wenn das Wetter mitspielt. In Kappe lachte die Sonne und Posaunen erklangen, als jüngst ein goldenes Kreuz auf den neuen Turm der Dorfkirche gesetzt wurde. Dennoch wollte bei der Feier keine unbeschwerte Stimmung aufkommen. Auch Pfarrer Dieter Rohde vermochte in seiner Ansprache nichts Erbauliches zu bieten. Denn in Kappe mit seinen 50 Einwohnern hängt der Dorf-Segen schief, Gemeindekirchenrat und Förderverein haben sich verkracht. Kaum ist also der Turm errichtet und damit die erste Etappe der Kirchen-Sanierung vollendet, da löst sich jene Gruppe auf, die der Initiator und Motor des Projekts war. Ohne das Ehepaar Schulze und den Verein "Kapper Cappe" hätte die Dorfkirche, ein neugotischer Zweckbau, wohl weiterhin still vor sich hin geschimmelt. Doch der Verein hat es in vier Jahren geschafft, aus dem kleinen, abseits gelegenen Gotteshaus eine Kulturkirche zu machen, zu den jährlich vier "Brunchkonzerten" kamen mehr als 3000 Besucher. Das Konzept überzeugte auch das Land, das die Spenden und Kirchen-Beiträge um beträchtliche EU-Mittel ergänzte. 2015 wird es nun keine Konzerte mehr geben, der Verein hat sich aufgelöst. Sein Vorsitzender Christian Schulze konnte sich mit dem Gemeindekirchenrat nicht über die gemeinsame Nutzung der Kirche einigen. Es ging indes nicht allein um Details des Vertrags, sondern auch um persönliche Unverträglichkeiten im Dorf. Es menschelt ja in vielen Vereinen und Organisationen, doch in kleinen, von der demographischen Auszehrung bedrohten Dörfern ist dies besonders tragisch. So ist fraglich, ob es zum zweiten Teil der Kirchen-Sanierung kommt.

Hans Tödtmann aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark:

Neuer Kirchenförderverein Havelsee

Havelsee liegt im nordwestlichen Zipfel des Kreises Potsdam-Mittelmark zwischen den Städten Brandenburg und Rathenow. Jede der vier zur Gemeinde gehörigen Kirchen hat ihren eigenen Charakter: Die Stadtkirche St. Marien in Pritzerbe mit ihrer Wagner-Orgel, die barocke Dorfkirche in Fohrde mit der geschweiften Turmhaube, die schlichte Kirche in Hohenferchesar mit ihrer eigenartigen Altarwand und die Feldsteinkirche von Marzahne mit ihrem wuchtigen Backsteinturm.

Alle vier Kirchen haben aber auch erhebliche Schäden: In Pritzerbe bröckelt die Decke, in Fohrde ist das Sockelmauerwerk feucht, in Hohenferchesar zeigt das Turmfachwerk schwere Schäden und in Marzahne ist die Bausubstanz des Winterkirchen-Anbaus bedenklich.

Die Kirchengemeinde hat zwar bisher die nötigsten Reparaturen durchgeführt und will weiterhin alle Kirchen nutzen, aber für eine grundlegende Sanierung fehlt das Geld. Im Februar 2015 hat sich der Kirchenförderverein Havelsee gegründet, um der Kirchengemeinde bei der Erhaltung ihrer Gebäude und deren Ausstattung zu helfen und das kulturelle Leben in den Kirchen zu bereichern. Der FAK hat seine Unterstützung angeboten und freut sich auf die Zusammenarbeit.

Theda von Wedel aus dem Landkreis Teltow-Fläming:

Das Schatzkästlein Blankensee und die "heitere Orgel"

Foto: Hans Krag

Musik aus fünf Jahrhunderten von Klassik bis Ragtime steht auf dem Programm des Benefizkonzertes am Sonntag, dem 28. Juni, um 15 Uhr in der Dorfkirche Blankensee. Der Titel: "Die heitere Orgel". Viele Besucher mit offenen Händen wünscht sich Hella Strüber vom Gemeindekirchenrat dafür. Geht es doch darum, ein weiteres Bild des um 1700 in Blankensee ansässigen Pfarrers und Malers Georg Kresse restaurieren zu lassen. Das an der Seite der Orgelempore hängende, stark beschädigte und verwitterte Holzbild soll von dem Berliner Restaurator Martin Ottma wieder hergerichtet werden. Blankensee verdankt dem erfahrenen Restaurator bereits zwei Bilder von Pfarrer Kresse, die er in den letzten Jahren restauriert hat. Er arbeitete unentgeltlich als eine Spende an die Gemeinde. Jetzt sollen wenigstens die Unkosten für die Arbeit erstattet werden.

Der Besuch der kleinen Dorfkirche im Naturpark Nuthe-Nieplitz nahe Trebbin lohnt auf jeden Fall. Der ein wenig trutzig wirkende Putzbau stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1706 wurde die Dorfkirche im Innern durch die Familie von Thümen umgestaltet. Aus dieser Zeit stammen der Kanzelaltar und die Patronatsloge. Eindrucksvoll sind die Epitaphien der Familie von Thümen, unter anderen das dreiteilige Spätrenaissance-Epitaph aus dem 16. Jahrhundert.

Der Taufstein aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts stand einst in Venedig und diente dort als Brunnen. Er stammt aus dem Nachlass der Sammlung von Hermann Sudermann und ist ein Geschenk der Sudermann-Stiftung ebenso wie auch die vier Apostelbildnisse. Bei Renovierungsarbeiten 1991 wurden Teile eines Renaissance-Wandbildes freigelegt, das die biblische Geschichte von Esther vor Ahasver darstellt.

Im Kirchturm befinden sich drei Glocken von 1400, 1406 und 1517, die alle Wirren der Kriege überdauert haben und auch heute noch, inzwischen allerdings elektrisch, geläutet werden.

Für Rückfragen ist Hella Strüber zu erreichen: Tel. 033731-10582.

Kirchenführungen können mit Edith Fechner vereinbart werden: Tel. 033731-12247.

Uwe Donath aus dem Landkreis Oder-Spree:

Steinhöfel hat sich rausgemacht

Foto: Uwe Donath

Mit Posaunenklängen begann am Palmsonntag der Gottesdienst zur Wiederindienstnahme der Dorfkirche Steinhöfel. Die rund 200 erwartungsfroh gestimmten Besucher erlebten den feierlichen Einzug des Gemeindekirchenrats mit Bibel, Abendmahlsgeräten und Taufschale. In seiner Festpredigt würdigte Superintendent Frank Schürer-Behr-mann das Engagement vieler Helfer bei der Sanierung. Besondere Verdienste wurden mit Präsenten belohnt. Die fast 600 Jahre alte Kirche erstrahlt nun nach dreijähriger Restaurierung von Dach, Turm und Innenraum, an deren Finanzierung sich auch der FAK beteiligt hatte, in alter Schönheit.

In seinem Grußwort drückte Landrat Manfred Zelenga seine Freude über das schöne Kirchengebäude aus, das die Gemeinde wieder für Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen nutzen kann, das aber auch allen Dorfbewohnern Heimat sein soll. Beredtes Beispiel dafür seien die Worte einer Frau aus dem Ort: "Ich gehöre nicht zur Kirchengemeinde, aber ich habe selten so hart gearbeitet wie in Vorbereitung der Kirchenöffnung." Wenn sich viele Bewohner der brandenburgischen Dörfer in solcher Weise für "ihre" Kirche verantwortlich fühlen, hat auch der Förderkreis Alte Kirchen ein wesentliches Ziel seiner Arbeit erreicht.

Großen Anteil am Gelingen des Ganzen wurde dem Förderkreis Dorfkirche Steinhöfel bescheinigt. Da noch Altar und Kanzel restauriert werden sollen, ist sein Engagement weiterhin gefragt.

 

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Lokale Fördervereine melden sich zu Wort

Gute Nachricht für die Briccius-Kirche

Die Information, dass die Briccius-Kirche in Bad Belzig vom Förderkreis Alte Kirchen 3.000 Euro Fördergeld erhält, ist eine wunderbare Nachricht für Briccius und für unseren Verein. Ich danke dem FAK ganz herzlich und bin sehr glücklich darüber. Unser Verein muss nun zeigen, dass er das in ihn gesetzte Vertrauen verdient.

Seit April 2014 gab es allein für die Briccius-Kirche Einnahmen aus Spenden und Nutzungsentgelten in Höhe von insgesamt rund 2.600 Euro. Davon tragen wir infolge der Nutzungsvereinbarung mit der Kirchengemeinde allerdings auch die laufenden Bewirtschaftungskosten in bisher zum Glück noch relativ geringer Höhe. Den Antrag auf eine Zuwendung haben wir inzwischen bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark gestellt. Mal schauen, was daraus wird.

Kürzlich erfuhr ich, dass es Luftbilder der Briccius-Kirche und ihrer Umgebung gibt. Daraufhin suchte ich den zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf. Aus seinem Luftbilderfundus konnte ich ein qualitativ gutes Foto auswählen und an das Burghotel weiterreichen mit der Bitte, auf einer seiner Webseiten für kirchliche Trauungen in der Briccius-Kirche zu werben, was die Direktion auch versprochen hat. Auf dem Foto ist erkennbar, wie kurz die Entfernung zwischen Burg (mit Standesamt) und Kirche ist und dass beide ein wunderschönes und in Brandenburg in dieser Art wohl einzigartiges Ensemble bilden.

Wir danken auch der Redaktion "Alte Kirchen", dass wir im Mitteilungsblatt vom Dezember 2014 mit einem Beitrag auf die Besonderheiten der Briccius-Kirche und die Sanierungskonzepte unseres Vereins aufmerksam machen konnten. Die Unterstützung durch den Förderkreis Alte Kirchen tut gut. Ich wünsche dem FAK weiterhin viel Erfolg.

Gerd Pohl, Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow, Bad Belzig

Kostbare Wandmalereien freigelegt

Wer zu Ostern die Annenkapelle der ehemaligen Wallfahrtskirche in Alt Krüssow (Prignitz) zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder betrat, der konnte ein wirkliches Wunder erleben: Niemand hatte zuvor geahnt, welche Schätze an Wandmalereien unter dem alten Wandanstrich verborgen waren. Nach einer längeren Phase der Entdeckung, Freilegung und Restaurierung durch den Restaurator Jochen Hochsieder und seine Kollegin Judith Seider wurde die Kapelle in alter Schönheit nun feierlich wiedereröffnet.

Die evangelische Kirchengemeinde, der Förderverein der Wallfahrtskirche und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hatten im Frühjahr 2014 den Fördervertrag zum nunmehr fünften Bauabschnitt an der St.-Annen-Kirche beschlossen. Die Maßnahmen umfassten die Instandsetzung der beiden Fenster der Nordkapelle und die Restaurierung der Raumfassung. Dabei nahmen die Konservierung und Restaurierung des Sterngewölbes, der Wandflächen, die Reduzierung der Versalzung in den Wänden und die Festigung der Putze die meiste Zeit in Anspruch. Die inneren Vermauerungen des Nordfensters und der Westtür wurden entfernt und das Westfenster auf die ursprüngliche Größe erweitert. Schließlich konnten die alten Anstriche am Gewölbe und an den Wandflächen entfernt werden, wobei Weihekreuze und Wandmalereien freigelegt und konserviert wurden.

Dadurch gelang es, das Erscheinungsbild des Raumes ursprungsgetreu wiederherzustellen. Die ehemalige Wallfahrtskirche ist dadurch um eine Attraktion reicher geworden: Ein Besuch ist jetzt noch lohnenswerter.

Uwe Dummer, Förderverein Wallfahrtskirche Alt Krüssow

Dank und Glückwunsch an unseren treuen Förderer

In den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkriegs war unsere Dorfkirche in Carzig (Märkisch-Oderland) zur Ruine geworden. Sie ist es auch heute noch, und doch kehrte wieder Leben ein. Die 1964 in die Ruine hinein gebaute Notkirche ist heute ein zweckmäßig und komfortabel ausgestatteter Gemeinderaum, der als Gottesdienststätte wie auch als Ort vieler Kulturveranstaltungen Mittelpunkt für Christen und Nichtchristen geworden ist. Förderer ist der 2004 gegründete Verein Initiative Dorfkirche Carzig, der seit seinem Bestehen mehr als 18.000 Euro Spenden zusammengetragen hat.

Heute wollen wir einem unserer treuesten Spendensammler danken und zugleich gratulieren: Fritz Graeber in Hansühn (Schleswig-Holstein) feiert Ende Mai seinen 90. Geburtstag. Er hatte als junger Soldat noch im Oderbruch kämpfen müssen, besuchte 60 Jahre später die Schlachtfelder jener Zeit, sah die Ruine der Carziger Kirche - und sammelt seitdem bei jeder passenden Gelegenheit für deren Wiedernutzung. Und das - so erfuhren wir - auch anlässlich seines 90. Geburtstages. Lieber Fritz Graeber, wir verbinden mit unserem großen Dank viele gute Wünsche für Ihr Wohlergehen, für Gesundheit und ein weiterhin ausgefülltes Leben.

Renate Labes, Vorsitzende des Vereins Initiative Dorfkirche Carzig

 

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Empfehlenswerte Literatur

Drei Stunden hinter Berlin - wie Briefe halfen, eine Kirche zu retten

Durch die dieser Tage in Prenzlau erfolgte 10. Vergabe des Adolf-Stahr-Preises ist neuerlich ein Buch ins Gespräch gelangt, dessen letzte Auflage schon seit Jahren vergriffen ist. Die Aufnahme des Titels in den Frühjahrskatalog 2015 des Husum-Verlages nährt nun nicht nur die Hoffnung auf das baldige Erscheinen einer erneuten, sondern zugleich auch einer ganz besonderen Neuauflage von "Drei Stunden hinter Berlin".

Die darin enthaltenen Briefe Heinrich Wolfgang Seidels aus dessen 1902 im uckermärkischen Pfarrsprengel Boitzenburg absolvierten einjährigen Vikariat waren seinerzeit an seine Eltern in Berlin gerichtet. Gerade seinem Vater, dem Schriftsteller Heinrich Seidel, dessen "Leberecht Hühnchen" damals auch in Boitzenburg gelesen wurde und dem Sohn dort dauerhaft den Spitznamen "Hühnchen" eintrug, dürften diese Briefe besonderes Vergnügen bereitet haben. Als sie 1951 dann erstmals aus dem Nachlass seines bereits 1945 verstorbenen Verfassers veröffentlicht wurden, war das für einige jedoch gewiss ein Skandal.

Zwar hatte Ina Seidel, Cousine und Witwe Heinrich Wolfgang Seidels, bei dieser und den folgenden Auflagen dafür Sorge getragen, dass sämtliche Orte und Namen weitgehend unkenntlich gemacht wurden, doch bis heute finden sich in den Nachlässen damaliger Leser seitenweise handschriftliche "Entschlüsselungslisten" in zerlesenen Bänden. Damals, kaum ein halbes Jahrhundert, nachdem die Briefe geschrieben worden waren, hatten es wohl etliche Leser noch nicht allzu schwer, dahinter zu kommen, dass sich hinter "U." und später "Uhlenburg" der Ort Boitzenburg verbarg, dass "G." bzw. "Gers" den Pfarrer Wolfgang Dreising meinte und sich hinter "M." bzw. "Morbach" Graf Arnim verbarg. Erst Günther Dehn, der kurze Zeit nach Seidel sein Vikariat in Boitzenburg absolviert hatte, machte dann in seinen 1962 erschienenen Erinnerungen öffentlich, dass er die meisten Pseudonyme entschlüsseln könnte, doch beließ er es bei der Benennung einiger Weniger. Gleich wie, so deutlich wie in Seidels Briefen hatte bis dahin wohl noch keiner den Bewohnern des Pfarrsprengels zwischen Prenzlau und Templin den Spiegel vorgehalten. Präzise, mit einem Hauch Ironie des aus der Großstadt in das ländlich verträumte Boitzenburg Versetzten, hatte Heinrich Wolfgang Seidel beinahe täglich und ausführlich von seinen Begegnungen und Erlebnissen als Vikar berichtet. Gewollt oder ungewollt entstand auf diese Weise ein genauso dichtes wie bis heute auch vergnüglich zu lesendes Sittengemälde eines uckermärkischen Herrschaftssitzes um die Jahrhundertwende. Dass der Verfasser der Briefe sie dereinst selbst veröffentlichen würde, war wohl nicht vorgesehen. Immerhin aber bediente sich Heinrich Wolfgang Seidel in seinem Roman "George Palmerstone" später einiger Versatzstücke aus ihnen. Erst in der 1998 im Insel Verlag zuletzt erschienenen Neuauflage unternahm der Wuppertaler Professor Dr. Klaus Goebel erstmals den Versuch, die Pseudonyme in einem umfangreichen Anhang aufzulösen. Novum der nun erwarteten erneuten Auflage unter seiner Federführung indes ist die Auflösung nahezu aller Pseudonyme im Text. Damit werden die hinsichtlich ihrer literarischen Qualität an die des großen Briefeschreibers Theodor Fontane heranreichenden Äußerungen Seidels auch ihren dokumentarischen Charakter zurückerhalten. Ihre weit über die Lokalgeschichte des uckermärkischen Marktfleckens hinausreichende Wirkung indes bleibt erhalten. Nicht zuletzt seiner jetzt auch aufgenommenen, zum Text passenden zeitgenössischen Abbildungen wegen wird der Band sicher nicht nur wieder gern gelesen werden, sondern auch Anregung zur persönlichen Inaugenscheinnahme der Handlungsorte sein. Diese Art der Wirkung von Literatur hatte schon bei den vorangegangenen Auflagen dafür gesorgt, dass zahlreiche Besucher ihren ganz persönlichen Beitrag zur Rettung von Boitzenburgs gewaltiger Dorfkirche "St. Marien auf dem Berge" leisteten. An ihr hatte einst auch Seidel gewirkt.

Bernhardt Rengert

Heinrich Wolfgang Seidel: Drei Stunden hinter Berlin - Briefe aus dem Vikariat, Hrsg. Klaus Goebel, ca. 490 Seiten,
Format 12,4 x 20 cm, Husum Verlag 2015, ISBN 978-3-89876-770-5, ca. 19,95 €

 

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