Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Reich an mittelalterlichen Kirchen – das wirft heute viele Fragen auf

Die Stadt Prenzlau ist besonders reich gesegnet mit mittelalterlichen Kirchenbauten. Der ehemalige Hauptort der historischen Landschaft Uckermark zählte im hohen Mittelalter neben Berlin-Cölln, Frankfurt und Stendal zu den vier bedeutendsten Städten der Mark Brandenburg.

Aus dieser Zeit sind denn in Prenzlau auch acht historische Kirchengebäude erhalten geblieben. In einer Stadt, in der heute – ohne die Eingemeindungen im Zuge der Gemeindegebietsreform – noch etwa 17.000 Einwohner leben (Tendenz fallend), von denen knapp 15 Prozent (Tendenz ebenfalls fallend) zur evangelischen Kirchengemeinde gehören. Prenzlau liegt obendrein in einer strukturschwachen Region mit nur geringen Steuereinnahmen. Da ist die Erhaltung dieser Denkmale eine nicht gerade einfache Aufgabe.

Die ehemalige St.-Georgs-Kapelle wird von einem in der Denkmalpflege tätigen Architekturbüro genutzt. Sensibel wurden Atelier- und Büroräume eingebaut.

Im Zuge der Landesgartenschau, die im vergangenen Jahr in Prenzlau stattfand, hat die ehemalige Heiliggeist-Kapelle nach Kriegszerstörungen wieder ein Dach bekommen und beherbergt eine kleine Ausstellung zur Stadtentwicklung.

Die alte Kirche St. Nikolai wurde seit der Reformation nicht mehr genutzt und ist nach einem 1769 erfolgten Teilrückbau (glücklicherweise?) heute nur noch als Ruine erhalten, bedarf dennoch ständiger Sicherungsmaßnahmen.

Die Kirche des ehemaligen Dominikanerklosters (heute Nikolaikirche) konnte zwischen 1997 und 2000 umfassend saniert werden. Regelmäßig finden Gottesdienste, Konzerte und andere Veranstaltungen statt, zum Teil in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum und Museum im vorbildlich restaurierten benachbarten Dominikanerkloster.

St. Jakobi, im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, wurde in den Sechziger- bis Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nicht gerade sensibel wieder aufgebaut. Die Kirche wird derzeit zu einem modernen Gemeindezentrum umgestaltet, in dem neben Gottesdiensten auch Räumlichkeiten für verschiedene Aktivitäten der Gemeinde entstehen. Ein Förderverein möchte sogar den kriegszerstörten Kirchturm historisch getreu wieder errichten.

St. Marien, die ehemalige Hauptpfarrkirche der Stadt, war im Krieg ebenfalls schwer beschädigt worden. Sie ist mit ihrem prachtvollen, reich gegliederten Ostgiebel aus Backstein eine der bedeutendsten gotischen Backsteinkirchen Norddeutschlands. Die Kirche war bereits zu DDR-Zeiten im wesentlichen in ihrer äußeren Gestalt wiederhergestellt worden, auch dank reichlicher finanzieller Unterstützung aus der Bundesrepublik. Heute von Ein-Euro-Kräften im Sommer für Touristen offen gehalten, finden dort allerdings nur wenige kirchliche und kommunale Veranstaltungen statt. Kreiskantor Hannes Ludwig hat für die Marienkirche bereits eine gebrauchte Orgel aufgetrieben und sammelt eifrig Spenden für deren Aufstellung.

Vor wenigen Wochen konnte die Lokalpresse von einem „Millionen-Coup“ berichten: Aus dem Bundeshaushalt sind 3,24 Millionen Euro für den Innenausbau avisiert. Damit ist es unter anderem möglich, das verloren gegangene Kreuzgewölbe wiederherzustellen, eine Empore einzubauen und die eingelagerte Orgel aufzubauen. Bei aller Freude über den Geldsegen sprechen einige Gemeindeglieder von einem „Pyrrhussieg“, da es bis jetzt noch kein tragfähiges Nutzungskonzept für die Marienkirche gebe. Ob sich die Idee eines Konzerthauses in der uckermärkischen Kreisstadt langfristig umsetzen lässt, ist sehr zu hoffen, bleibt jedoch vorerst abzuwarten.

Bleiben zwei Problemfälle:

Nachdem der oben angesprochene Umbau der Jakobikirche bereits weit fortgeschritten ist, stellt sich die Frage nach der Zukunft der malerisch am Unteruckersee gelegenen relativ kleinen, jedoch kostbar ausgestatteten St.-Sabinen-Kirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nach einer Fusion zur „Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlau“ gibt es keine eigenständige Gemeinde mehr. Es wird immer lauter die Frage gestellt, ob neben Nikolai und Jakobi eine weitere Predigtstätte überhaupt nötig sei. Über eine Abgabe des Gebäudes wurde bereits nachgedacht. 2013 gründete sich mithilfe des Förderkreises Alte Kirchen ein Förderverein, der eine Zukunftsvision für St. Sabinen entwickeln und dringend notwendige Sicherungsarbeiten anstoßen will. Der Verein gehört in diesem Jahr zu den fünf Preisträgern unseres Startkapitals.

Noch unsicherer ist die Zukunft der Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters, die seit ihrer Übereignung an die französisch-reformierte Gemeinde den Namen Dreifaltigkeitskirche trägt. Nachdem 1991 der östliche Teil des Dachstuhls eingestürzt war, konnte in den Folgejahren die Außenhaut des Gebäudes gesichert und saniert werden. Bauschäden am Turmaufsatz wurden – auch mit finanzieller Unterstützung des FAK – im vergangenen Jahr von der Denkmalpflege GmbH Prenzlau beseitigt. Ein Förderverein für die Franziskaner-Klosterkirche löste sich bereits vor einigen Jahren wieder auf. Bis vor ein paar Jahren fanden im unsanierten Kirchenraum noch vereinzelt Konzerte statt. Jetzt ist die Kirche verschlossen und wartet auf eine ungewisse Zukunft. Vorübergehend soll sie als Lagerraum dienen. Zudem will man prüfen, ob eine Umgestaltung zur Begräbniskirche möglich ist.

Noch immer gibt es in Prenzlau ein erstaunlich aktives kirchliches Leben. Auch in Bezug auf die Bewahrung historischer sakraler Bausubstanz wurde in den vergangenen 25 Jahren viel erreicht. Vieles jedoch ist in Bewegung und es wird spannend bleiben zu sehen, wie Kirchengemeinde, Kommune und Landkreis die Zukunft ihrer Kirchengebäude gestalten können.

Bernd Janowski

 
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Der spitze Turmhelm der Zeestower Kirche im Havelland grüßt die Autofahrer schon von Weitem. Seit Juni lädt das Gotteshaus, in DDR-Zeiten zur Ruine verfallen, nach aufwändiger Restaurierung als erste Autobahnkirche am Berliner Ring zu Andacht und Stille ein. Mehr als eine Million Euro kosteten die Baumaßnahmen. In die Finanzierung flossen Mittel der EU, von Bund, Land und Landkreis, von der Landeskirche, von Kirchenkreis und Gemeinde sowie von weiteren Förderern, darunter auch ein Beitrag des FAK.

Hat sich der Aufwand gelohnt? Wie wird das Angebot angenommen?

Wo Straßenlärm und Hektik ausgesperrt sind

Kirchwart Hartmut Müller misst die Besucher-Resonanz an der Zahl der Kerzen, die bisher auf dem Leuchter neben dem Altar brannten. Rund 400 waren es schon nach wenigen Wochen.

Hartmut Müller kümmert sich um die Kirche, das angrenzende Rüstzeitheim und um das gesamte Gelände drum herum. Er schließt morgens die Kirchentür auf und wartet abends mit dem Abschließen geduldig, wenn Besucher noch etwas mehr Zeit brauchen. „Gestresste Autofahrer genießen sichtlich die Stille, die sie hier finden“, erzählt er. Die nahe Autobahn, die täglich von mehr als hunderttausend Reisenden genutzt wird, lässt hier auch manchen Gast aus dem Ausland Einkehr halten, nachzulesen im ausliegenden Gästebuch. Aber auch viele Einwohner aus dem Ort und der Nachbarschaft trieb die Neugier schon in die Kirche. Vielleicht wird aus ihr auch wieder einmal die Kirche einer örtlichen Gemeinde, die seit Jahrzehnten anderenorts Gottesdienst feierte. Die jetzt alle vier Wochen gehaltenen Andachten könnten ein Anfang sein.

„Zunächst aber ist noch viel zu tun für alle, die hier einkehren“, sagt Hartmut Müller. Wir sitzen am großen Tisch unterm uralten Kastanienbaum. Hier ist heute schon ein guter Rastplatz für Gäste. Nebenan lässt der alte, efeuüberwucherte Friedhof zu Füßen der Kirche mit seinen Grabsteinen nachdenken über den Umgang mit unserer begrenzten Zeit. Der Blick fällt über eine große Wiese, rekultiviertes Brachland, wo unter anderem ein Kinderspielplatz geplant ist, ebenso auf die alte Fachwerk-Scheune, die sich mal zu einem Sozialtrakt mit Teeküche und Sanitärräumen mausern soll – um nur einige weitere Vorhaben zu nennen.

Es scheint, als habe Hartmut Müller auch künftig für reichlich Kerzen-Nachschub zu sorgen.

Eva Gonda

Zwölf Apostel erzählen ihre Geschichten

WILLKOMMENE STILLE strahlt dieser schlichte Raum aus. Die Zeestower Dorfkirche, Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut, stand jahrzehntelang leer. Bei der Restaurierung und der Gestaltung als Autobahnkirche wurden denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigt. Attribute unserer Zeit sind die zwölf Gemälde des Malers Volker Stelzmann rechts und links des Altarraums.
Fotos: Kalle Henkel, Gonda

Es sind ungewöhnliche Apostel-Darstellungen, die rechts und links des Altars das Interesse auf sich ziehen. Der renommierte Maler Volker Stelzmann hatte für die zwölf großformatigen Gemälde mit dem Titel „Die Berufenen“ Menschen unseres Alltags als Vorbilder gewählt: einfache Leute, Stadtstreicher, Obdachlose – eben solche Menschen, die Jesus auch in seine Nachfolge berufen hatte.

Auf nebenstehenden Tafeln findet der Besucher die Namen der Apostel, dazu aber zu jedem Bild auch einen QR-Code und einen Link, die ihn zu einem Audio-Guide im Internet leiten. Mit seinem Smartphon oder einem anderen mobilen Gerät kann man sich, in der Kirchenbank sitzend, die Geschichten der Apostel anhören, gesprochen von dem bekannten Bibelerzähler Jochen Westhof. Durch die Verfügbarkeit der Texte im Internet werden die Apostel so zu Wegbegleitern von Zeestow hinaus in die weite Welt.

Die Kirche ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Anfahrt über die A 10, westlicher Berliner Ring, Autobahnabfahrt: Brieselang/Zeestow

 
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Die Gewinner unseres Startkapitals 2014 stellen sich vor

Sonnenblumen warten auf die Preisträger

...und natürlich auch das Preisgeld von je 2.500 Euro samt Urkunde – feierliche Übergabe auf der Festveranstaltung am 19. September in Garrey. Der Förderkreis Alte Kirchen will mit dieser Anschubfinanzierung neu gegründeten Fördervereinen, die sich für die Erhaltung und Nutzung ihrer Kirchen engagieren, bei ihren ersten Schritten helfen und wird sie auch weiterhin begleiten.

Wir gratulieren allen Preisträgern und wünschen ihren Vorhaben viel Erfolg.

Das Projekt "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, und Dr. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Seit 2002 unterstützte der FAK allein auf diesem Wege die Arbeit von 82 lokalen Vereinen mit 187.500 Euro.


 

 
Foto: Manfred Hollwitz
Originelle "Falken-Thaler" zu verkaufen

Diesen Turm sieht man schon von weitem in der Havelniederung des Löwenberger Landes. Er ist nicht nur sehr hoch, er hat auch etwas Einmaliges zu bieten unter den märkischen Dorfkirchen: einen barocken Turmaufsatz aus Fachwerk, der von einer Laterne gekrönt wird. Die Falkenthaler sind sehr stolz auf das markante Wahrzeichen. Daher gründeten sie 2013 einen Förderverein, als Bauschäden offensichtlich wurden. Der gesamte obere Teil des 300 Jahre alten Turmes muss saniert werden, das Holz ist mürbe und das Fachwerk bröckelt. Aus diesem Grunde können auch nicht mehr so oft alle drei Glocken gleichzeitig geläutet werden, die oben im Fachwerk hängen. Die Kosten für die Turm-Sanierung dürften sich auf etwa 350.000 Euro summieren. Es ist klar, dass die kleine Gemeinde diese Summe nicht allein aufbringen kann. Doch der Förderverein ist kreativ beim Geldsammeln - er organisiert Turmfeste und verkauft "Falken-Thaler" für zehn Euro das Stück. Vor kurzem bewirtete man Gäste der Hoffnungskirchengemeinde aus Berlin-Tegel. Denn die hatte auf einem Basar auch Geld für die Falkenthaler Kirche gesammelt.

Konrad Mrusek

  Förderkreis Dorfkirche Falkenthal e. V.
 
Oberhavel
 
Text und Foto: Carsten Lange
Einem großen Baumeister verpflichtet

Als sich im vergangenen Jahr engagierte Bürger der Stadt Joachimsthal und Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde der Stadt zur Gründung eines Fördervereins entschlossen, war den wenigsten Mitstreitern wohl das Ausmaß der notwendigen Sanierungsmaßnahmen an dem Gotteshaus bekannt. Die Kreuzkirche, zentral in der Stadt gelegen und von der Schorfheide umgeben, gehört zum Gesamtwerk von K. F. Schinkel.

Beim Stadtbrand am 20. April 1818 wurde der Vorgängerbau stark beschädigt und nach den Plänen Schinkels als klassizistischer Putzbau wiederhergestellt. Der besondere Charakter des Hauses ist auch heute deutlich erkennbar, wenngleich besonders im Innern der Kirche zu DDR-Zeiten bauliche Veränderungen vorgenommen worden sind, die den Charakter des Hauses nachdrücklich veränderten.

Gemeindevertreter und Bürger des Ortes wollen durch gemeinsames Handeln zunächst die nunmehr dringend erforderliche Sanierung der Außenhülle der Kirche in Angriff nehmen. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit und reges Spendensammeln - Dachziegel, Fensterscheiben und sogar Dachzinnen können symbolisch gekauft werden - sollen die Geldzuweisungen durch die Landeskirche, von Land und Kommune sowie Stiftungen ergänzen.

  Förderverein Schinkelkirche Joachimsthal e. V.
 
Barnim
 
Foto: Klaus Winsel
Auch die Älteste soll eine Zukunft haben

Die malerisch am Unteruckersee gelegene Sabinenkirche ist in Teilen ihrer Bausubtanz der älteste Sakralbau der Stadt Prenzlau. Zu den Ausstattungsstücken gehören ein schöner Renaissancealtar von 1597, ein eindrucksvolles spätgotisches Kruzifix, ein barocker Taufständer und vier große Ölgemälde mit den Bildnissen früherer Pfarrer.

Nach dem Ausbau der Jakobikirche zum modernen Gemeindezentrum ist die zukünftige gottesdienstliche Nutzung des Gebäudes ungewiss. Zudem gibt es dringenden Sanierungsbedarf: Teile des Dachstuhls sind marode, die Mauerkrone weist Schäden auf und der Fußboden ist defekt. Im Turm klaffen Lücken zwischen der Holzkonstruktion und dem Mauerwerk.

Der 2013 gegründete Förderverein lässt gegenwärtig ein Baugutachten erstellen und möchte langfristig auch ein tragfähiges Nutzungskonzept präsentieren. Durch Konzerte und weitere Veranstaltungen konnten erste Spendengelder eingeworben werden.

  Förderverein Sabinenkirche Prenzlau e. V.
 
Uckermark
 
Text und Foto:Uwe Donath
Dringend: Helft uns, bevor er fällt

Die Feldsteinkirche mit dem quadratischen spätgotischen Westturm stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt der massive Turm ein Fachwerkoberteil, die Fensteröffnungen wurden vergrößert und das Kirchenschiff nach Osten hin erweitert.

Der Schreck bei den Reichenwaldern war groß, als 2013 das Ergebnis eines Baugutachtens vorlag - ihre Kirche ist ein dringender Sanierungsfall. Weil in den tragenden Balken Schwamm ist, muss die Kirche im Inneren abgestützt werden. Der Turm neigt sich immer mehr. Die Sanierungskosten werden auf 436.000 Euro geschätzt.

Der 2013 gegründete Förderkreis will verhindern, dass die Kirche mit ihrem sehr aktiven Gemeindeleben nun gesperrt wird. Die Glocken müssten dann ebenso schweigen wie eine der ältesten Orgeln im Kirchenkreis aus der Werkstatt Grueneberg, Stettin. Mit professioneller Öffentlichkeitsarbeit und gezieltem Einwerben von Spenden wollen Förderverein und Kirchengemeinde gemeinsam ihre Kirche bewahren.

  Förderverein Kirchensanierung Reichenwalde e. V.
 
Oder-Spree
 
Foto: Siegfried Zschärlich
Risse unterm schiefen Dach

Die Feldsteinkirche, ein Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert, wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mehrmals umgebaut. Aus dieser Zeit stammen auch der Altar, die Kanzel, das Kirchengestühl und die Patronatsloge. Die Kirche besitzt einen hölzernen, mit Schiefer verkleideten Turmaufbau. Obwohl im Innern noch keine größeren Schäden sichtbar sind, ist Sanierung dringend geboten. Das Kirchendach sitzt schief. Weil die Balkenköpfe marode sind, drückt der Dachstuhl auf das Kirchenschiff, das Mauerwerk reißt. Mauerkrone, Gesims und Turm sind zu erneuern.

Zur Erhaltung der Kirche gründete sich 2013 der Förderverein mit derzeit 45 Mitgliedern. Der Förderkreis Alte Kirchen hat die Vereinsgründung von Anfang an begleitet. Ein Ingenieurbüro wurde beauftragt und hat die Sanierungskosten auf 320.000 Euro veranschlagt. Das übersteigt bei weitem die Möglichkeiten des Fördervereins, weshalb die Aufnahme in den Investitionsplan des Kirchlichen Bauamts beantragt wurde. Spürbar aber ist schon heute, dass bereits nach einem Jahr die Aktivitäten des Fördervereins unter der Leitung von Siegfried Zschärlich viel zur Festigung der Dorfgemeinschaft beigetragen haben.

Uwe Donath

  Förderverein Feldsteinkirche zu Wollenberg e. V.
 
Märkisch-Oderland
 
 
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Wo ist unser Geld geblieben? - Wir fragten nach in BUTZOW (Potsdam-Mittelmark)

Im Juli 2013 erreichte den Förderkreis Alte Kirchen ein Antrag aus Butzow auf Unterstützung bei der Instandsetzung der Dorfkirche. Butzow liegt am Beetzsee nördlich der Stadt Brandenburg und gehört zum Pfarrsprengel Päwesin. Die 1879 im neuromanischen Stil errichtete Dorfkirche war dem Vorstand des FAK keine Unbekannte, denn eine Exkursion in diese Region hatte im Frühjahr 2008 auch nach Butzow geführt.

Mit der Turmspitze beginnt die Sanierung der Kirche

AN DER TURMSPITZE muss die Schieferdeckung erst einmal entfernt werden.
Fotos: Bernhard Weise

Mit dem Antrag wurde ein umfangreiches Sanierungskonzept in drei Bauabschnitten für die gesamte Kirche vorgelegt. Der FAK-Vorstand empfahl seiner Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, Mittel bereit zu stellen, so dass noch vor Weihnachten 2013 ein Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro zur Bezahlung der ersten Architektenrechnung nach Butzow gelangte.

Schon im August 2006 hatte sich der Förderverein „Butzower Dorfkern“ mit dem Ziel gegründet, zur Instandsetzung der Dorfkirche beizutragen und deren religiöse Nutzung durch kulturelle Veranstaltungen zu ergänzen. Da zum Pfarrsprengel jedoch nicht weniger als elf Dorfkirchen gehören, die alle meist mehr als weniger sanierungsbedürftig waren, mussten Prioritäten gesetzt werden. Butzow musste warten.

Der Verein „Butzower Dorfkern“ nutzte die Zeit, um im Dorf eine vielfältige kulturelle Arbeit mit heimatgeschichtlichem Profil zu beginnen. Unter dem Motto „Butzower Geschichten“ wurde eine Reihe von Erzählveranstaltungen ins Leben gerufen. Regelmäßige öffentliche Spaziergänge führen im Sinne einer lokalhistorischen Spurensuche z.B. zur ehemaligen Kiesgrube oder zu einem alten Bauernhof. Jedes Jahr bringt der Förderverein den begehrten Fotokalender mit Motiven aus der Dorf– und Regionalgeschichte heraus. Und immer wieder gelingt es dem Verein, prominente Schauspieler, Schriftsteller oder Politiker für Lesungen in der Kirche zu gewinnen. Der neuerdings vom Verein in Form eines Flugblattes herausgegebene „Butzower Anzeiger“ kündigt eine Lesung der früheren Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer aus ihrem Buch „Stauffenbergs Gefährten“ an. Die neueste Initiative des Vereins zur Bereicherung des Lebens im Dorf ist ein monatlicher Bürgerstammtisch im Alten Schulhaus.

Parallel zu diesen Aktivitäten hat sich Bernhard Weise, Gründungsvorsitzender des Vereins, um die Finanzierung des ersten Bauabschnittes gekümmert. Seit Anfang August ist es endlich soweit: Der Turm und der Westgiebel der Kirche sind von einem imposanten Gerüst umstellt. Zwei Dachdecker arbeiten an der Turmspitze, während der dritte den Materialaufzug bedient. Bevor die Zimmerleute den von Fäulnis befallenen Kaiserstiel und die Sparren der Turmspitze instand setzen können, müssen die teilweise bereits lose Schieferdeckung und die marode Holzschalung entfernt werden. Dachdeckermeister Uwe Stewien ist in Butzow ansässig und führt seinen Betrieb schon in der vierten Generation. Der Kirchturm in Butzow ist nicht der erste, den er mit seinen erfahrenen Mitarbeitern anfasst.

Beim Aufstieg zur Turmspitze zeigen sich die Schäden am Westgiebel und am Turmschaft deutlich: Der Außenputz ist nur noch rudimentär vorhanden. Wind und Regen haben die Mörtelfugen des Ziegelsichtmauerwerks ausgewaschen. Vereinzelt sind ganze Mauerziegel ausgebrochen. Unkraut und kleines Strauchwerk wächst aus den Rissen der nur in Mörtel ausgeführten Gesimsabdeckungen. Hier werden die Dachdecker neue Abdeckungen aus Kupferblech herstellen. Auf der luftigen obersten Gerüstlage angekommen, zeigt Bernhard Weise zuerst auf die rostgenarbte Eisenstange, die die verbeulte kupferne Kugel und die kläglichen Reste der einst stolzen Wetterfahne trägt. Schließlich wendet er sich der phantastischen Aussicht auf das lang gestreckte Dorf und den See zu. „Sehen Sie unten am Seeufer die Baumreihe? Dort lief noch bis 1969 das Gleis der ,Westhavelländischen Kreisbahnen’. Ich bin selbst noch mit dem Zug gefahren.“ Heute ist auf der Trasse ein Radweg hergerichtet, der rund um den Beetzsee führt. Wenn die Dorfkirche instand gesetzt ist, soll sie auch den Radlern zu stiller Einkehr offen stehen.

Hans Tödtmann

 
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Erinnerungen:

Tricks mit Blattgold, Tauschbörsen und "schwarze Kassen"

 
EINLADEND präsentiert sich nun wieder die Kirche in Bredereiche, und selbst der Posaunenengel an der Orgelempore kehrte zurück.
Fotos: Gonda, Archiv

Wer in DDR-Zeiten zugepackt hatte, um Not leidende, verfallende Kirchen zu retten, kann aus seinen Erinnerungen viel erzählen – von heiklen Situationen, von halsbrecherischen Aktionen, aber auch von Begebenheiten, die nicht einer gewissen Komik entbehren. Erich Köhler, der fast 35 Jahre lang Pfarrer in der Uckermark und später in der Region Oberhavel war, hatte immer Schwielen an den Händen. In seiner Zeit wurden sechs Kirchen vor dem Verfall bewahrt und ihre Umgebung gestaltet, und meistens hatte er selbst mit Hand angelegt. Stand mit der Feierabendbrigade der LPG am Wochenende beim Neudecken des Kirchendachs auf dem Gerüst und stieg zwischendurch hinunter, um Gottesdienst zu halten.

Helfer zu gewinnen, auch aus staatlichen oder genossenschaftlichen Einrichtungen, war das Eine – so erinnert sich Erich Köhler. Schwieriger noch war es, an Baumaterial zu kommen, meist nur über improvisierte Tauschbörsen. Für beides brauchte man eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit und unter der Hand eine „schwarze Kasse“. Die füllte sich manchmal durch den Verkauf übrig gebliebenen Baumaterials, aber auch durch gelegentliche Spenden in Westgeld (nicht weitersagen!), das man in Ostmark umtauschen konnte.

Schlitzohrigkeit zahlte sich auch aus bei der Restaurierung des Altars in der Prenzlauer Sabinenkirche. Restaurator Eginhard Dräger kam aus Schwennenz an der polnischen Grenze. 46 Kilometer fuhr er mit dem Rad bis Prenzlau, ebenso viele zurück. In zwei Sommern radelte er so 25.000 Kilometer. Einmal schlief er hoch oben auf der Leiter am Altar ein – ein Gerüst hatte man ja nicht. Erst der Knall eines russischen Düsenjägers hat ihn geweckt.

Für die Restaurierung waren 3.000 Blatt Blattgold notwendig. Die Denkmalpflege konnte nur 500 Blatt zur Verfügung stellen. Ein Lions-Klub in der BRD wollte die restlichen 2.500 Blatt spenden. Dafür brauchte man eine Einfuhrgenehmigung – die DDR-Behörden erlaubten nur 500 Blatt. Erich Köhler wusste sich zu helfen: „Da die Rentnerin, die das Blattgold über die Grenze brachte, nicht kontrolliert worden war, gab ich die Einfuhrgenehmigung einer anderen Rentnerin erneut mit, und dann der nächsten und so weiter. So holten wir nach und nach auch den Rest über die Grenze.“

Als Erich Köhler 1981 die Pfarrstelle in Bredereiche übernahm, wozu unter anderem auch Himmelpfort gehört, war die erste Ortsbesichtigung erschütternd: In die Nordwand der barocken Fachwerkkirche von Bredereiche hatte der Schwamm ein riesiges Loch gefressen, und er hatte auch die Hälfte der Bänke befallen, die durch Stühle ersetzt worden waren. Düstere grau-blaue Übermalung beherrschte den Raum. Die Klosterkirche in Himmelpfort war noch übler dran. Wie in Bredereiche glich die Umgebung einem Urwald, das Dach war undicht, Fensterscheiben waren durch Steinwürfe durchlöchert, zwei Fenster hatte man notdürftig mit Brettern vernagelt.

Vor wenigen Wochen nun feierte die Bredereicher Gemeinde das 325-jährige Bestehen ihrer Kirche, die ohne die Initiative und Beharrlichkeit Erich Köhlers und seiner Mitstreiter längst zusammengefallen wäre. Ihm war es damals gelungen, unter argwöhnischer Beobachtung amtlicher Stellen Dachziegel aufzutreiben, Handwerker anzuheuern, Jugendliche einzubeziehen.

Das Gebäude wurde gerettet, das Innere liebevoll restauriert. In den Feldern an der Orgelempore erfreut nun wieder die schlichte Bauernmalerei. Berliner Kunststudenten rekonstruierten sie unter Anleitung der Denkmalpflege anhand alter Fotos.

Auch die Himmelpforter Klosterkirche erhielt damals noch ein dichtes Dach und die Fenster ein schützendes Metallgitter. Die fast vier Meter hohen Rahmen – „gute Beziehungen“ machten es möglich – hatte Erich Köhler seinerzeit mit einem PKW-Anhänger aus Prenzlau herangefahren, ein Lastwagen stand nicht zur Verfügung. Gesichert wurde auch die Mauerkrone der Klosterruine und so vor weiterem Verfall bewahrt. Nach der Wende ergaben sich unter günstigeren Bedingungen neue Möglichkeiten für nachhaltige Erhaltungsmaßnahmen. Nicht denkmalgerechte Materialien, in DDR-Zeiten wegen allgemeinen Mangels eingesetzt, konnten ausgetauscht werden, andere Provisorien wurden überarbeitet.

„Wir haben die Kirchen über eine schwierige Zeit gerettet“, sagt Erich Köhler heute mit bescheidenem Stolz. „Mögen sie nachfolgenden Generationen wieder eine feste Burg sein.“

Eva Gonda

 
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Kirche ohne Dach und Fach

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

Dorfkirche Rogäsen
(Potsdam-Mittelmark)
 

Noch heute lässt sich in Rogäsen das malerische Ensemble aus Herrenhaus, Dorfkirche und Landschaftspark erahnen - etwas Phantasie muss der Betrachter allerdings aufbringen. Das Herrenhaus, nach 1750 vom königlich-preußischen Hauptmann Gebhard Heinrich von Werder auf einer sanften Anhöhe errichtet, beeindruckt trotz des Verfalls den Betrachter noch heute. Nach seiner Nutzung als Kindergarten und Schule in der DDR-Zeit und nachfolgendem mehrfachen Besitzerwechsel stand es lange leer. Der Gutspark ist zugewachsen und die Dorfkirche eine Ruine.

Das in den Außenmauern erhaltene, sorgfältig geschichtete Feldsteinmauerwerk der Kirche und zwei auf der Südseite erhaltene rundbogige Portale lassen auf eine Bauzeit in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts schließen; der vorgesetzte Westturm entstand vermutlich einige Jahrzehnte später. Auch nachfolgende Zeiten haben ihre Spuren hinterlassen: Im 18. Jahrhundert wurde der Chorbereich verlängert, die Apsis ist 1898 angesetzt worden und erst um 1920 erhielt der massive Feldsteinturm einen schlanken Backsteinaufbau. Der jetzige ruinöse Zustand entstand, nachdem 1978 das marode Dach des Kirchenschiffes wegen "Einsturzgefahr infolge Schwammbefalls" über Nacht abgetragen worden war. Dabei wurde die gesamte Ausstattung entfernt; ihr Verbleib ist bis heute unbekannt.

Um die Jahrtausendwende begannen Einwohner, über die Zukunft der Kirchenruine nachzudenken; sie wollten sich nicht länger mit dem tristen Anblick des Ortsmittelpunktes abfinden. Die in Rogäsen geborene, heute in der Stadt Brandenburg tätige Architektin Heidrun Fleege erarbeitete ein Konzept zur Sicherung der Bausubstanz und zur Wiederherstellung des Kirchenraumes. Bereits 2001 fanden im Kirchenschiff erste Veranstaltungen unter freiem Himmel statt. Durch die Vermittlung des Förderkreises Alte Kirchen gaben Berliner Musiker ein Benefizkonzert. In den Folgejahren gastierte hier auch das "Theater in der Kirche".

Im Rahmen des kurz darauf ersatzlos gestrichenen Denkmalprogramms des Bundes "Dach und Fach" konnte 2003/ 2004 der Turm gesichert und instand gesetzt werden. Doch die Rogäsener wollten ihre ganze Kirche wieder unter "Dach und Fach" bringen. Dank des Denkmalschutz-Sonderprogramms des Bundesministeriums für Kultur und Medien ist dieser Traum nun in greifbare Nähe gerückt. Die marode Mauerkrone soll saniert werden. Das gesamte Kirchenschiff mit Langhaus, Chor und Apsis kann wieder ein Dach erhalten, als einfache Binderkonstruktion mit Zugstäben ausgeführt. Mit einer Biberschwanzdeckung wird sie die historische Dachform aufnehmen. Die Fensteröffnungen sollen provisorisch mit einem engmaschigen Drahtgeflecht geschlossen werden, bevor sie wieder verglast werden.

Seit den Siebzigerjahren besuchen die Mitglieder der Rogäsener Kirchengemeinde die Gottesdienste in den Nachbarorten. Aber man will wieder in der eigenen Kirche Gottesdienste feiern. Darüber hinaus soll der gesamte historische Ortsmittelpunkt als Denkmalensemble neu belebt und gestaltet werden. Auch das Herrenhaus hat inzwischen einen neuen Besitzer, der es ernst zu meinen scheint. Architekten und Restauratoren sind bereits mit Planungsaufgaben beauftragt. Über eine Gestaltung des Umfeldes sind Schlossherr und Kirchengemeinde im Gespräch.

Um die Fördermittel für das Kirchendach abrufen zu können, sind umfangreiche Eigen- und Drittmittel aufzubringen. Der Förderkreis Alte Kirchen sagte eine Unterstützung in Höhe von ca. 3.600 Euro zu. Weitere Spenden sind herzlich willkommen.

Bernd Janowski
Foto: Heidrun Fleege

Weitere Informationen: Frau Wartenberg (für den Gemeindekirchenrat); Tel.: 033832-40320 und Architekturbüro Fleege und Oeser, Tel.: 03381-25190.

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen, Ev. Darlehnsgenossenschaft, Kto. 795810, BLZ 210 602 37, IBAN: DE81210602370000795810, BIC: GENODEF1EDG, Kennwort: Rogäsen

 

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Musikalisch durch die Niederlausitz

Viel Spannendes für Augen und für Ohren

KONZERT "Mixtur im Bass" in Altdöbern
Foto:Rudolf Böhnisch

Fast jede Kirche der Niederlausitz besitzt eine Orgel, jede ist ein Unikat. Vier davon standen Ende Juni auf dem Besuchsprogramm der Bus-Exkursion "Musikalisch durch die Niederlausitz".

Begleitet wurde die Exkursion durch Rudolf Bönisch, den Leiter des Orgel-Festivals "Mixtur im Bass" und der Großräschener Orgelkonzerte sowie Herausgeber der inzwischen zwölfteiligen CD-Dokumentation "Or-gellandschaft Niederlausitz". Zum Beginn erhielt jeder Teilnehmer von ihm zwei ausführlich und sorgfältig gestaltete Flyer: das Exkursions-Programm und das Abend-Programm.

Er begrüßte uns in Waltersdorf bei Luckau und begann mit einer beeindruckenden Führung. Vor der Kirche erläuterte er, wie wir durch Betrachten der Baunähte und durch Vergleichen der verwendeten Steine den Bauablauf erkennen können, und drinnen ging es damit weiter. Wir beachteten für Minuten nicht die Kanzel, den Altar, das Gestühl, den prachtvollen Orgelprospekt, nahmen dafür aber die Reste der Wandmalereien, die Sakramentsnische, den Ansatz von Chorschranken wahr - wir waren im Mittelalter. Schritt für Schritt führte er uns danach durch die Jahrhunderte. Zum Schluss spielte die polnische Organistin Agnieszka Kosmecka ein kurzes Konzert auf der Claunigk-Orgel. Die Künstlerin begleitete uns auch zu den zwei folgenden Kirchen und präsentierte deren Orgeln.

Weiter ging es zur mittelalterlichen Dorfkirche Frankena: regelmäßiges Feldsteinmauerwerk, spitzbogiges Stufenportal, Schachbrettstein. Die Frankenaer haben nicht nur den Altar von 1696 restaurieren lassen, sondern auch die einzige noch spielbare Orgel des Sonnewalder Orgelbauers Johann Christoph Schröther. Sie wurde 1812 gebaut, ist deshalb eine der ältesten Orgeln der Niederlausitz und bietet noch ein barockes Klangerlebnis. Außerdem hat sie eine äußerst seltene Manualteilung in eine Mixtur im Bass und ein Cornett im Diskant. Wir konnten also gleichzeitig zwei Stimmen hören und erfuhren außerdem, woher das Orgel-Festival seinen Namen hat.

Ein besonderes Erlebnis bot uns die katholische St.-Antonius-Kirche in Großräschen, die ab 1975 vom Dresdener Bildhauer und Maler Friedrich Press nach den Vorgaben des zweiten vatikanischen Konzils gestaltet wurde.

Press verwendete für alle Ausstattungsstücke Kiefernholz. Als Thema der Altarwand wählte er "Durch das Kreuz zur Auferstehung". Das acht Meter hohe Kreuz ist ein auf die Gemeinde zugehender stark stilisierter Christus mit ausgebreiteten Armen und deutlich sichtbaren Wunden. Die zweimanualige Jehmlich-Orgel ist, im Blickfeld des Besuchers, in die Altarwand eingebaut; die Orgelpfeifen hinter dem Kreuz symbolisieren das Osterlicht. Gegen Langeweile bei allzu ausufernder Predigt ist in der Kirche auch vorgesorgt: Die Stationen des Kreuzweges sind in abstrakt gestalteten Gruppen dargestellt und nicht leicht zu entschlüsseln.

Die letzte Station war Altdöbern, dessen evangelische Kirche 1921 von Carl Steinberg im späten Jugendstil erbaut wurde, 800 Personen Platz bietet und eine ganz hervorragende Akustik hat. Die von Gustav Heinze erbaute Orgel mit pneumatischer Traktur beansprucht den gesamten Raum unter dem großen Turm. Nach der Kirchenführung läutete das größte Stahlglockengeläut Brandenburgs das dritte Konzert des ersten Konzertwochenendes 2014 der Reihe "Mixtur im Bass" ein, Titel: "Reflexionen - Mendelssohn gespiegelt". Sonaten von Mendelssohn wurden an Suiten von Bach "gespiegelt". Außerdem waren Stücke von zwei estnischen Komponisten zu hören, Artur Kapp und Rudolf Tobias, die vermutlich vorher wenige kannten und deren Namen sich wahrscheinlich die meisten gemerkt haben werden. Rudolf Bönisch findet seine großartigen Interpreten oft in östlicher Richtung. Diesmal hatte er sie in Estland entdeckt: den Komponisten und Organisten Andres Uibo und den Cellisten Aare Tammesalu. Wer es wirklich noch nicht wusste: Orgel und Cello harmonieren wunderbar miteinander.

Nach einem Abendimbiss in der Altdöberner Orangerie mit Blick auf den gepflegten Gemüsegarten und die "Pickelhaube" des Kirchturms fuhr ein Bus voller froh gestimmter Menschen zurück nach Berlin.

Rainer Marx

 

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Unterwegs in der Region Spree-Neiße

Turmhelme auf dem Friedhof, Mumien in der Kirche und ein ausgeborgter "Choral von Leuthen"

MIT DEM KIRCHTRUM soll auch die gewohnte Silhouette von Laubst wieder hergestellt werden. 2012 wurden zunächst die Laterne mit Wetterfahne und Kreuz und dann die geschweifte Haube abgenommen und auf dem Friedhof abgesetzt.
Foto: Bernd Janowski
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"Eine Kirche hast du dir zerstören lassen, eine zweite nicht!" - Mit diesem Satz bewegte Tischlermeister Horst Schulze aus der Kirchengemeinde Laubst (Dorfkirche des Monats Januar 2013) die Gemüter der Teilnehmer an der Exkursion in die Region Spree-Neiße und rührte ihn selbst zu einer Träne. Dann setzte er sich, mit einem Blumenstrauß und einem Ständchen zu seinem Geburtstag geehrt, an die Orgel und intonierte "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" - und wir alle sangen oder summten mit.

Mit dieser starken Geste hatte Horst Schulze zum Ausdruck gebracht, was ihn letztlich bewegt, an der Sanierung der im späten 15. Jahrhundert errichteten Laubster Dorfkirche mitzuwirken, und das ging hin bis zur Wiedererrichtung des wegen Baufälligkeit abgenommenen Turmhelmes. Er selbst, der am Kriegsende aus Sohrau in Niederschlesien flüchten musste, werde auch noch die neue Tür zum Turmeingang zimmern.

Der Förderkreis Alte Kirchen hatte im vergangenen Jahr um Spenden für die Restaurierung des besonders wertvollen spätgotischen Altaraufsatzes im Rahmen der Aktion "Vergessene Kunstwerke" geworben und so die Aufmerksamkeit wieder auf Laubst gelenkt. Konservierung und Sicherung des Retabels sind inzwischen abgeschlossen. Eine, wie uns gesagt wurde, "groß-zügige Spenderin aus Westdeutschland" hat sich der Restaurierung des Taufengels angenommen. Der schwebt nun bei Taufen aus seiner Höhe herab, um das Wasser für den Täufling zu reichen.

Unerschütterlicher Wille, ausgeprägter Bürgersinn und Glaubenszuversicht bilden hier offensichtlich den Grund für das Wiederbeleben der Kirchengemeinde. Dies hatte Pfarrer Robert Marnitz bereits in seiner Andacht gleich zu Beginn der Exkursion in Schorbus unter Verwendung eines Textes von Friedrich Schorlemmer treffend hervorgehoben.

Die Dorfkirche von Schorbus selbst empfing uns mit einem Storch auf dem Dachgiebel und mit schöner Orgelmusik. Der spätgotische Schnitzaltar aus einer schlesischen Werkstatt, der zu hohen Christfesten immer seine ganze Pracht entfalten durfte, war mit Pfingstrosen geschmückt. Ein barocker Taufengel prangte von der Decke.

Die Kirche, deren Gemeinde mit Laubst, Illmersdorf und Leuthen zu einer Großgemeinde fusionierte, erfuhr 2006 eine Grundsanierung. Die Orgel wurde aus einer dem Braunkohletagebau geopferten Kirche nach Schorbus umgesetzt. Leider werden immer wieder Risse im Gemäuer entdeckt, die von der Grundwasserabsenkung durch den Braunkohleabbau herrühren.

Die bescheidene Fachwerkkirche von Illmersdorf überraschte mit ihrem hell getünchten Inneren und der sehr gut restaurierten und hinter einer Glaswand einsehbaren Gruft. Hier befinden sich in zum Teil noch offenen Särgen elf Mumien der einst ansässigen Adelsfamilie von Normann. Besondere raumklimatische Bedingungen begünstigten die Konservierung der Mumien.

Die mittelalterliche Backsteinkirche von Leuthen, die wir nach Kaffee und Lausitzer Plinsen im "Leutnant von Leuthen" besuchten, muss früher einmal von überregionaler Bedeutung gewesen sein. Ihr Zierdekor am Ostgiebel und auch die Wandmalereien am Giebel zur Südvorhalle - sie zeigen den Erzengel Michael, Maria Magdalena, den Heiligen Christophorus und den Heiligen Erasmus - sind außergewöhnlich. Der Schrein des gotischen Schnitzaltars aus dem Jahr 1593 fasst eine Strahlenkranzmadonna und lud zu mancherlei Be-trachtung ein.

So ging nun unsere Exkursion in die Niederlausitz zu Ende. Da lag es dann auch nahe, in Leuthen gemeinsam den "Choral von Leuthen" zu singen: "Nun danket alle Gott". Das allerdings mit einem Augenzwinkern. Denn als die Soldaten Friedrichs II. nach der verlustreichen, aber siegreichen Schlacht im Dezember 1757 dieses Lied angestimmt hatten, das später als "Choral von Leuthen" berühmt wurde, da standen sie auf dem verwüsteten Schlachtfeld im niederschlesischen Leuthen. Ein ganz anderer Ort also, und gottlob auch eine ganz andere Zeit. Diesmal erklang das "Nun danket alle Gott" zum Abschluss eines schönen Tages mit reichen Eindrücken.

Dr. Uwe Otzen

 

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Studienfahrt zu Kirchen und alten Städten an der Straße der Romanik

Von Steinen, Kapitellen und Gewölben, an denen Geschichte abzulesen ist

BILDER (v.o.): Dorfkirche Redekin; romanisches Kapitell und Klosterkirche in Jerichow; Neustädter Tor in Tangermünde; Marienaltar in Rathenow
Fotos: Gonda

Die Geschichte der Mark, nicht studiert in Büchern und Annalen, sondern abgelesen an Mauersteinen und Fugen, an Pfeilerformen und Gewölben, an Stilelementen von Kunstwerken… Die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg hatte gemeinsam mit dem Förderkreis Alte Kirchen zu einer Studienfahrt in die Altmark eingeladen, in die Kernlandschaft für die Entstehung der Mark Brandenburg. Den Blick für diese geschichtsträchtigen Details schärfte ein kompetentes und eingespieltes Trio: die Kunsthistoriker und Bauarchäologen Dr. Peter Knüvener und Dirk Schumann sowie der Denkmalpfleger und Bauhistoriker Gordon Thalmann. Hatte der Eine gerade den geschichtlichen Hintergrund eines Bauwerks erläutert, hakte der Andere gleich nach mit den Beweisen für das exakte Alter des Dachstuhls anhand dendrochronologischer Datierung, und der Dritte verwies auf zeittypische Ornamente an Stelen oder Kapitellen. Da nahm auch der schon erfahrene "Laien-Kunsthistoriker" überall etwas Neues mit, und wer ganz genau zugehört hatte, erhielt am Ende sogar einen Preis.

Erste Station auf den Spuren der Romanik war die um 1200 entstandene Backstein-Dorfkirche von Redekin mit imposantem Westquerturm, Langhaus, gewölbtem Chorraum und Apsis. Der Ort gehörte zum ältesten Grundbesitz des Klosters Jerichow, das auch den Bau der Dorfkirche förderte. Das solide Mauerwerk ist ein Beweis dafür, dass hier erfahrene Bauhandwerker am Werk waren. Auch an der kleinen Kirche von Fischbeck lässt sich der Einfluss des Klosters erkennen. Der Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert wäre vor einem Jahr fast dem Elbehochwasser zum Opfer gefallen, als der Deich brach. Kirchenälteste Susanne Northe öffnete den Besuchern das Gotteshaus, das noch geschmückt war vom vorangegangenen mitternächtlichen Gedenk- und Dankgottesdienst für die Bewahrung vor dem Unheil.

Das Prämonstratenser-Kloster Jerichow präsentiert vollkommen die schlichte Schönheit der Spätromanik. Als einer der ältesten Backsteinbauten in Norddeutschland besitzt die Stiftskirche durch ihre künstlerische Vollendung eine Schlüsselstellung für die märkische Backsteinarchitektur. Von den großen Bauschäden, die 1998 eine zeitweilige Sperrung der Klosteranlage erzwangen, ist heute nach jahrelanger Restaurierung nichts mehr zu ahnen.

Tangermünde empfing die Gäste musikalisch: Kantor Christoph Lehmann ließ in der Stephanskirche die 390 Jahre alte Orgel des Hamburger Orgelbaumeisters Hans Scherer erklingen. Der anschließende Altstadtrundgang wurde zum Spaziergang durch Jahrhunderte: Die Burg, 1009 erstmals erwähnt, war einst Nebenresidenz Karls IV., des römisch-deutschen Kaisers und Königs von Böhmen, was manchen böhmischen Einfluss auf hiesige Kunst- und Bauwerke erklärt; sie war später auch Sitz von Hohenzollern-Fürsten. Das ab 1430 erbaute Rathaus mit der spätgotischen Schauwand ist ein Paradestück deutscher Backsteingotik. Die Stadtmauer mit beeindruckenden Toren umschließt noch heute fast vollständig die über Jahrhunderte gewachsene Stadt.

Ganz anders schließlich in Rathenow, wo die Altstadt nach fast völliger Kriegszerstörung von Bauten aus der Nachkriegszeit geprägt ist. Auch die Marien-Andreas-Kirche, Anfang des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil nach dem Vorbild der Jerichower Klosterkirche errichtet und im 15./ 16. Jahrhundert zur dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche umgestaltet, zeigt noch Spuren der Zerstörung, die beim Wiederaufbau im Gewölbe des Kirchenschiffs bewusst sichtbar erhalten blieben. Pfarrer Andreas Buchholz weiß einen rührigen Förderverein an der Seite der Kirchengemeinde bei weiteren Restaurierungen im Chor, der einen einzigartigen Schnitzaltar (um 1380) beherbergt.

Es war Geschichtsunterricht, wie man ihn lebendiger nicht gestalten kann. Wenn bei aller Diskussionsfreudigkeit der sehr interessierten Teilnehmer dennoch alle Besichtigungstermine gehalten werden konnten, so war das vor allem Wolf-Dietrich Meyer-Rath zu danken, der die Exkursion akribisch vorbereitet hatte und leitete.

Eva Gonda

 

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Die Mark Brandenburg erkundet bei einem Stopp im Dorf Kanin

Regionalbetreuer des Förderkreises Alte Kirchen berichten

Unser Mitglied Edmund Köhn, dessen Verbundenheit mit dem FAK sich seit Jahren in vielfältiger ehrenamtlicher Mitarbeit zeigt, erzählt hier von einer seinen Fahrten übers Land, bei denen sich der Förderkreis unverkennbar als Spiritus rector erweist:

Foto: Bernd Janowski

Bei einer Fahrt durch den Landkreis Potsdam-Mittelmark hat uns die weithin sichtbare Dorfkirche mit ihrem verbretterten Turm wieder einmal in das 150-Seelen-Dorf Kanin gelockt. Auf dem kleinen Anger hatten wir bereits vor zwei Jahren einmal das Auto geparkt. Damals war die Kirche geschlossen, kein Hinweis, wo möglicherweise der Schlüssel zu erhalten gewesen wäre. Wir liefen um die Kirche herum, staunten über die kräftigen Mauern und die auffallend kleinen Türen, spähten auf Zehenspitzen durch die Fenster, genossen von der warftartigen Erhebung den Blick in die brandenburgische Weite - und fuhren notgedrungen weiter.

Wie damals habe ich unsere Broschüre "Offene Kirchen" zu Hause vergessen. Doch diesmal steht die kleine Pforte an der südlichen Seite des Kirchenschiffs offen. Aber: "Ich habe gerade eine Führung beendet und will nun die Kirche abschließen", sagt eine freundliche Frau am Eingang, Ursula Quandt, wie wir später erfahren. Ich frage nach einem Faltblatt und liefere auch gleich eine Begründung für mein Anliegen: Ich arbeite ehrenamtlich für den Förderkreis Alte Kirchen und sammle überall Material für unser nach Landkreisen gegliedertes Archiv. Sie reicht mir den Gemeindebrief der Evangelischen Kreuz-Kirchengemeinde Bliesendorf, zu der auch Kanin, Fichtenwalde und Ferch gehören. Frau Quandt gibt uns ein paar Minuten, um uns umzusehen. Welch ein Kleinod ist diese Kirche: historisch, ästhetisch, spirituell. Wir versichern, wiederzukommen und uns zu einer Führung anzumelden.

Am Computer trage ich zu Hause einige Schlüsseldaten zur Dorfkirche Kanin zusammen: 1138 wird verschiedentlich als Gründungsjahr der Kirche genannt, sie wird oft als die älteste Wehrkirche Brandenburgs bezeichnet; 13. Jahrhundert: erste Wandmalereien entstehen; 1640: Martin Schalm fertigt die hölzerne Empore und das Gestühl; 1696: die Holzbalkendecke wird von Hans Herzlieb bemalt; 1815: Kanin wird wie die Dörfer Busendorf und Klaistow, mit denen es damals eine zu Sachsen gehörende Enklave bildet, an Kurbrandenburg übertragen; 1926: die Firma Schuke baut eine kleine Orgel ein; 1991: die Kirche wird umfassend restauriert; auf der hinteren Empore saniert die Firma Schuke die Orgel, die Jahrzehnte hindurch nicht spielbar gewesen war; 2002: am 22. September findet zum Abschluss der Restaurierung ein feierlicher Gottesdienst statt.

Experten zweifeln das Jahr 1138 als Gründungsjahr an mit dem Verweis auf das nahe gelegene Kloster Lehnin, dessen Gründungjahr 1180 als gesichert gilt; es sei unwahrscheinlich, dass in der Region vor der Gründung des Klosters ein Kirchenbau entstanden ist. Ich bekenne: Für mich ändern ein paar Jahrzehnte mehr oder weniger nichts an meiner Bewunderung und meiner Verehrung für die kleine Kirche am Rande des großen Luchs zwischen der Kaniner Heide und der Plessower Heide.

Gewichtiger schon wiegt der zweite Punkt: Der Begriff "Wehrkirche" assoziiert, dass man sich aus diesen Bauten heraus gewehrt, also mit Waffengewalt gegen Angreifer verteidigt hat. Tatsächlich gibt es solche Wehrkirchen, die dafür baulich konzipiert sind, am bekanntesten die siebenbürgischen Kirchenburgen. Auch in Franken, in Hessen und in Thüringen gibt es Beispiele dieser Art. Aber, so erfuhr ich während meiner Tätigkeit für den Förderkreis, für unsere brandenburgischen Kirchen (und auch die in Mecklenburg und Pommern) hat sich der Begriff fälschlicherweise im 19. Jahrhundert eingebürgert, als man die deutsche Ostkolonisation romantisierte und wohl auch heroisierte. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass diese deutsche Besiedlung ab dem Beginn des 13. Jahrhunderts wesentlich friedlicher ablief, als man sich das früher vorstellte.

In der historischen Forschung spricht man in Bezug auf unsere Feldsteinkirchen inzwischen häufig von "Flucht-kirchen", denn diese Kirchen waren in der Regel die einzigen steinernen Gebäude im Dorf, in die sich die Einwohner bei einem Konflikt flüchten konnten. Man trieb auch das Vieh in die Kirche, bis der Feind abgezogen war. Die Feinde, die die Dörfer bedrohten, waren zumeist benachbarte Territorialherren oder Rittergutsbesitzer, die in kleineren oder größeren Fehden die Dörfer des Gegners plünderten.

Ich bin immer wieder froh, dass ich Anfang der 1990er Jahre Mitglied im FAK geworden bin. Neben einer menschlichen Atmosphäre bietet er häufig höchst interessanten informellen Geschichtsunterricht am anschaulichen Objekt. So wie in diesem Fall.

In Kanin wurde mir wieder einmal deutlich, dass die Brandenburger Dorfkirchen einschließlich ihres Inventars nicht nur Zeugnisse des religiösen Lebens der Region sind, sondern ebenso, ja nachhaltiger noch, ein wesentlicher Teil unseres bis heute nachwirkenden kulturellen Erbes. Insofern ist es gerechtfertigt, ihren Erhalt als Gemeinschaftsaufgabe zu betrachten, unabhängig von der Religionszugehörigkeit.

Übrigens: Das Heft "Offene Kirchen" hat jetzt immer einen festen Platz in unserem Auto.

 

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Fördervereine melden sich zu Wort

Gastlichkeit unterm sanierten Dachstuhl

Am Pfingstsonntag hatte der Förderverein Dorfkirche Wegendorf zur bundesweiten Nacht der offenen Kirchen eingeladen. Er beging damit zugleich sein fünfjähriges Bestehen. Erfreulicherweise ließen sich viele Besucher nicht von der Hitze des Tages abschrecken und fanden an diesem Feiertag den Weg zur Kirche und zum Küsterhaus, genossen eine Atmosphäre der Gastfreundschaft bei Kaffee, Kuchen und Gegrilltem.

Höhepunkt war eine Führung durch die teilsanierte Kirche, deren bewundernswerter, in einer Symbiose aus altem und neuem Holz wieder zusammengefügter Dachstuhl besondere Aufmerksamkeit fand. Reduziert eingesetzte Beleuchtung verstärkte die optische Wirkung dieser meisterhaften Zimmermannsarbeit. Fotos dokumentierten die verschiedenen Abschnitte der Sanierung. Vier alte, nicht mehr verwendete Balken, wie eine Figurengruppe angeordnet, repräsentieren eine Zeitspanne von 1648 bis 1905.

Bevor das Licht des Tages der Dämmerung wich, lauschten die Gäste in der kühlen Kirche bei einem Flötenkonzert des Trios "Giocoso" Variationen von Schuberts "Die Forelle". Kerzenbeschienen unter dem Kreuzgewölbe beendete eine kleine Abendandacht mit Pfarrer Johannes Menard diesen besonderen Tag.

Wenn der Förderverein jetzt sein fünfjähriges Bestehen feiern konnte, so ist es uns ein Bedürfnis, nicht nur den vielen helfenden Händen zu danken, die diese 6. Nacht der offenen Kirchen in Wegendorf geplant, vorbereitet, gestaltet und durchgeführt haben, sondern ebenso all denen, die im Juni 2009 den Mut gefasst hatten, die Kirche vor der Schließung und dem Verfall zu bewahren, und mit Beharrlichkeit, Überzeugungskraft und viel Engagement dem weitaus ältesten Haus im Ort eine Zukunft gegeben haben.

Enrico Konkel, Vorsitzender des Fördervereins Dorfkirche Wegendorf

Gaukler, Tanz und Sabinchen in Wildwest

Das Wetter kann es einem auch nicht recht machen. Zum Frühlingsfest war es zu kalt und zum "Sommertheater", zu dem unser Förderverein alljährlich einlädt, zu heiß. Doch zum Glück hatten uns Sturm und Regen verschont. Obwohl viele unserer Stammgäste diesmal wegen der Hitze zu Hause geblieben waren, wurden wir für jeden Tropfen Schweiß, der floss, belohnt. Die Treuenbrietzener Stadtgaukler stellten Klausdorf-City auf den Kopf, denn die Sabinchen-Moritat spielte in diesem Jahr in Wildwest. Dazu zeigten die Funny-Line-Dance-Babys aus Treuenbrietzen ihr Können und animierten das Publikum zum Mitmachen. Die Annemarie-Polka durfte natürlich auch nicht fehlen, und zum Abschluss machten wir eine Zeitreise zu "Himmel und Luise". Die Akteure wurden mit reichlich Beifall belohnt, und die Spendentöpfe füllten sich. Von dem Ergebnis - 711 Euro plus 100 Euro weitere Spenden - waren wir sehr überrascht. Mit so viel Geld hatten wir nicht gerechnet. So waren unsere Gäste und auch wir sehr zufrieden.

Am 21. September findet unser Erntedankfest statt, dann bekommen wir hoffentlich unser Wunschwetter.

Kerstin Schäfer, Förderverein zum Erhalt der Klausdorfer Kirche

 

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Neues von unserer Stiftung

Bereits 390.000 Euro Kapital

Unsere Bitte im Mai-Heft "Alte Kirchen", zum weiteren Aufbau unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen beizutragen, fand ein erfreuliches Echo: 48 Spender überwiesen insgesamt 7.257,50 Euro. Das heißt, dass das Stiftungskapital inzwischen fast 390.000 Euro beträgt. Dieses Vermögen - ethisch und nachhaltig angelegt mit dem Gesamtvermögen der Evangelischen Kirche Deutschlands - erwirtschaftet noch immer überdurchschnittliche Erträge, jedenfalls weitaus bessere als Anlagen auf den anderen FAK-Konten. Deshalb wird die Stiftung ab 2015 die Projekte des Förderkreises Alte Kirchen bereits mit jährlich ca. 9.000 Euro unterstützen können.

Irgendwann im Jahr 2015 werden wir berichten können, dass das Stiftungskapital die Zielmarke von 400.000 Euro erreicht hat. Dann geht es auf die halbe Million zu. Auf der Internetseite (www.Stiftung-Brandenburgische-Dorfkirchen.de) lässt sich verfolgen, wie es langsam, aber stetig aufwärts geht. Wenn Sie dazu beitragen wollen? - Auf der letzten Seite dieses Heftes finden Sie unsere Kontoverbindung. Notieren Sie bei einer Überweisung freundlicherweise bitte immer "Zustiftung". Wunderbar wäre es auch, wenn Sie z. B. bei besonderen Familienanlässen und Jubiläen um Beiträge für unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen bitten. Dafür senden wir Ihnen gern unsere Faltblätter in der gewünschten Menge.

Mit herzlichem Dank

Arnulf Kraft und Dr. Hans Krag

 

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MELZOW (Uckermark)

Eine "Friedensglocke" - geweiht im Jahr der Kriegsjubiläen

Festgottesdienst mit Bischof i. R. Wolfgang Huber

IMMER EIN GROSSER AUGENBLCK, wenn das glühende Metall in die Form fließt. Viele Melzower waren dabei, als in Lauchhammer ihre Glocke gegossen wurde.

Bewusst hatte die Kirchengemeinde des uckermärkischen Dorfes Melzow den 9. August als Tag für die Einweihung ihrer neuen Glocke gewählt: wenige Tage, nachdem sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum einhundertsten Male gejährt hatte, und nur ein paar Wochen vor dem fünfundsiebzigsten Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Auch Melzow hatte in beiden Kriegen Glocken abgeben müssen - Glocken, die vermutlich zuvor freudig den jeweils beginnenden Krieg mit ihrem Läuten begrüßt hatten. Als Inschrift trägt die neue Glocke einen Spruch aus dem Lukas-Evangelium: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden." Bereits im Mai waren etwa zwanzig Melzower dabei, als die Glocke in Lauchhammer gegossen wurde, und mehr als einhundert Schaulustige verfolgten das Geschehen, als sie mithilfe eines riesigen Krans in den Kirchturm schwebte. Auch zum Festgottesdienst war die Feldsteinkirche nahezu bis auf den letzten Platz besetzt. Nachdem die ältere, kleinere Glocke zu läuten begonnen hatte, fiel die neue, etwa 650 Kilogramm schwere Bronzeglocke ein und untermalte den Gemeindegesang: "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren."

Die Festpredigt hielt Bischof i. R. Prof. Dr. Wolfgang Huber. Den gerade verklungenen Ton des neuen Geläutes setzte er in Beziehung zu "Klängen aus unserer Geschichte, die nicht so gut zusammenpassten, in denen Missklang, Disharmonie, Streit und Gewalt aufklangen". Die 1934 gegossene Glocke, Ersatz für einen 1917 als "Kriegsopfer" gebrachten Verlust, erinnert daran: Ihre Inschrift erwähnt die "nationale Erhebung", einen Terminus, der als Synonym für die beginnende Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus steht. Diese Verflechtung mit dem Geist der damaligen Zeit ist im Turm der Melzower Kirche noch heute sichtbar. Umso wichtiger ist es, dem eine Friedensvision entgegenzusetzen. Wolfgang Huber erinnerte auch an das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der friedlichen Revolution von 1989, die von den Kirchen ausging. Sie widersetzte sich der Gewalt als eine Revolution der Kerzen und Gebete unter dem Motto der DDR-Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen". Angesichts der gegenwärtigen blutigen Konflikte unter anderem im Nahen Osten und in der Ostukraine, die eine Gefahr für die Nachkriegsordnung in ganz Europa bedeuten, verwies er auf die originäre Aufgabe einer Kirchenglocke, Gott die Ehre zu geben und die Menschen in Frieden zusammenzubringen: "Die Friedensglocke von Melzow muss immer wieder erklingen!"

Ein herzlicher Dank ging im Rahmen des Gottesdienstes an verschiedene Förderer und Unterstützer, hauptsächlich jedoch an die zahlreichen Melzower, die durch ihre Spenden einen großen Teil der Mittel für den Guss und die Aufhängung der Glocke aufbringen konnten.

Text und Fotos: Bernd Janowski

 

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Briefe an den Förderkreis

Gut gefahren mit den Empfehlungen des FAK

Der Aufsatz von Dr. Krag über die Entdeckungen im Landkreis Elbe-Elster (Offene Kirchen 2014) kam uns gerade recht, als wir unsere Fahrt zur Landesausstellung nach Doberlug ins Auge fassten. Wir verbanden sie mit dem Besuch der von Ihnen gelobten Kirchen, und die waren in der Tat ein optischer Genuss für uns. Nehmen Sie einen herzlichen Dank von Ihren FAK-Mitgliedern

Wolfgang und Gudrun Staude.

Lob für "Alte Kirchen"

Wir erhalten hier Ihre - wie ich finde - sehr vorbildlich redigierte und sorgfältig zusammengestellte Zeitschrift "Alte Kirchen". An dieser Stelle möchte ich Ihnen ausdrücklich dazu gratulieren!

Dr. Oliver Karnau
Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK)

 

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BÜCHER

Neues über Brandenburgs Orgellandschaft

In den brandenburgischen Stadt- und Dorfkirchen, aber auch in Friedhofskapellen und Gemeinderäumen gibt es etwa 1.500 Orgeln. Mehr als fünfzig Instrumente stammen aus dem Zeitraum von 1672 (älteste erhaltene Orgel im heutigen Brandenburg von Christoph Donat) bis um 1800. Mit den Werken des genialen "Orgelmachers" Joachim Wagner und seiner Schüler Peter Migendt, Ernst Julius Marx und Gottlieb Scholtze blieben uns einzigartige barocke Instrumente erhalten. Aber auch das 19. Jahrhundert, in dem die Erfordernisse der sich durchsetzenden romantischen Schule gravierende Änderungen im Orgelbau mit sich brachten, schuf wunderbare Kirchenorgeln. Sie sind es wert, für die Zukunft bewahrt zu werden. Während bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts noch neue Orgeln entstanden, waren die Orgelbauer des späteren 20. Jahrhunderts hauptsächlich mit Reparatur- und Restaurierungsarbeiten beschäftigt. Der Wert der zu DDR-Zeiten z. B. von den Firmen Alexander Schuke (Potsdam) oder Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) geschaffenen, aus finanziellen Gründen meist einfacheren Orgeln soll hier keineswegs geschmälert werden.

Insgesamt ist die "Orgellandschaft Brandenburg" ein immenser Schatz, der bisher leider viel zu wenig Würdigung in der kunsthistorischen Literatur und in den Denkmal-Inventaren fand. Glücklicherweise nimmt seit einigen Jahren die Anzahl der Publikationen zu einzelnen Orgelbauern bzw. Werkstätten, zu regionalen Orgellandschaften sowie zu einzelnen herausragenden Instrumenten zu - wenn auch in unterschiedlicher Qualität.

Unter dem Titel "Barocke Pracht und schlichte Schönheit" stellte die Publizistin Elke Lang kürzlich einen Orgelführer vor. Er versucht, auf etwa 200 Seiten rund 1.000 Instrumente von 107 Orgelbauern einem möglichst breiten Publikum vorzustellen, und verspricht "umfangreiche Angaben zu Werkstätten, Entstehungszeit und technischen Details … als auch das historische Hintergrundwissen über die Entstehung der Orgellandschaft Brandenburg". Ein ehrgeiziges und löbliches Vorhaben, das leider als gescheitert bezeichnet werden muss. Gleich erste Stichproben zeigen, dass das Werk mit der heißen Nadel gestrickt wurde und zahlreiche gravierende Fehler aufweist, auf die hier auch nur annähernd einzugehen, den Rahmen dieser Besprechung sprengen würde. Schade, hier wurde eine Gelegenheit fahrlässig vertan.

Umso erfreulicher ist das Erscheinen der mittlerweile fünften Publikation im Rahmen der von Wolf Bergelt initiierten, betreuten und in seinem Verlag Freimut & Selbst herausgegebenen, auf 15 Bände konzipierten Reihe Orgelhandbuch Brandenburg. Bergelt motivierte ein Autorenteam zu einer gründlichen Gesamtbestandsaufnahme, die sich nicht mit dem Sammeln und Abschreiben bekannter Tatsachen begnügt, sondern zu jedem Instrument Fakten liefert, die durch ein gründliches, zum Teil erstmaliges Sichten der oft weit verstreuten schriftlichen Quellen gewonnen wurden.

Nach den Landkreisen Uckermark (zwei Bände), Märkisch-Oderland und Oder-Spree (mit der Stadt Frankfurt/Oder) widmet sich Karl Richter nun dem Landkreis Barnim. Ausführlich wird über die Orgelbaugeschichte der St.-Marien-Kirche in Bernau berichtet, wo kurz nach 1519 vermutlich durch den kurfürstlichen Hoforganisten und Orgelbauer Blasius bereits ein erstes Instrument entstand. Schon 1572/73 baut dann der berühmte Hans Scherer (Hamburg) in Bernau eine neue Orgel, die leider 1864 einem Neubau von W. Sauer (Frankfurt/Oder) weichen musste. Vom Prospekt der Bernauer Schererorgel sind jedoch umfangreiche Fragmente in der Dauerausstellung des Hauses für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte in Potsdam sowie (im unrestaurierten Zustand) auf dem Schülerchor der Bernauer Marienkirche erhalten. Für die Dorfkirche in Groß Schönebeck schuf 1749 der Wagnerschüler Gottlieb Scholze (Neuruppin) eine Orgel, die 1878 von Albert Hollenbach (Neuruppin) umgebaut wurde, jedoch noch Teile der Originalsubstanz enthält.

1851 gründete Friedrich Kienscherf die Eberswalder Orgelbauwerkstatt, die von dessen Söhnen weitergeführt, 1928 von Karl Gerbig, später von Ulrich Fahlberg und schließlich 2005 von Harry Sander und Andreas Mähnert übernommen wurde. So kann auch der Barnim auf eine langjährige Tradition des Orgelbaus zurückblicken.

Bernd Janowski

Karl Richter: Orgelhandbuch Brandenburg, Band 3: Barnim, Autorengemeinschaft Freimut & Selbst 2014; ISBN: 978-3-937378-32-9, 59,90 Euro;
Bezug: Schaltungsdienst Lange oHG, Zehresdorfer Straße 11, 12277 Berlin, Mail: sdlshop@schaltungsdienst.de, www.schaltungsdienst.de/sdlshop

Die Kunstdenkmäler des Kreises Westhavelland

Für die Beschäftigung mit den zahlreichen denkmalgeschützten Bauten des Landes bilden die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienenen und nach den damaligen Landkreisen geordneten und leider nicht ganz vollständig erschienenen Bände der Reihe "Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg" noch heute eine wichtige Grundlage - auch wenn es darum geht, mit Bedauern festzustellen, was durch den Zweiten Weltkrieg und die oftmals nicht sehr denkmalfreundliche Nachkriegszeit verloren ging. Leider sind die Einzelbände im Original antiquarisch nur schwer zu bekommen und wenn, dann nicht gerade billig. Umso verdienstvoller ist es, dass verschiedene regionale Verlage nach und nach Reprints der Nachschlagewerke herausgeben. Der Potsdamer Verlag Klaus-D. Becker hat mit dem Band "Die Kunstdenkmäler des Kreises Westhavelland" eine weitere Lücke geschlossen.

Bernd Janowski

Goecke, Eichholz, Spatz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Westhavelland, Berlin 1913;
Reprint Faksimile, Hardcover, 440 Seiten, 38 Tafeln, 272 Abbildungen; ISBN 978-3-88372-073-9; 49, - Euro

 

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