Die Erinnerung bewahren

Eine Skulptur des spanischen Künstlers Juan Garaizábal erinnert an die verlorene Bethlehemskirche in Berlins Mitte.
Foto: Wikipedia

Die Spuren des Zweiten Weltkriegs, dessen Beginn sich in diesem Jahr zum 75. Male jährt, sind noch heute lesbar. So auf manchem Dorfanger, der mit der zerstörten Kirche sein Zentrum verloren hat. Nur die Älteren erinnern sich.

In Berlins Mitte will jetzt ein Bürgerverein die vergessenen Spuren verlorener Gotteshäuser sichtbar machen, bezieht dabei auch ganz bewusst die junge Generation mit ein. Grundmauern werden ausgegraben, einstige Kirchenumrisse im Straßenpflaster markiert, Stelen aufgestellt. Besonders beeindruckend ist eine Lichtinstallation für die einstige Bethlehemskirche.

In einem märkischen Dorf wäre eine solche Konstruktion sicher deplatziert. Aber es gibt viele andere Möglichkeiten, die Erinnerung an unsere verlorenen Kirchen wach zu halten. Man kann Grundmauern sichern, Gebäudeumrisse durch Bepflanzung kenntlich machen, Gedenktafeln aufstellen – Ideen sind gefragt. Wir sollten gerade in diesem Jahr darüber nachdenken.

Eva Gonda

 
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Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Die Zukunft der Kirche im Dorf

Vorschau auf ein Jubiläum

Am 3. Mai 1990 gründeten im damaligen “Club der Kulturschaffenden” in der (Ost-)Berliner Jägerstraße etwa dreißig Personen einen Verein, der sich unter dem Motto “Retten - Erhalten - Nutzen” für die Bewahrung der Kirchengebäude hauptsächlich im ländlichen Bereich des damals noch gar nicht wieder existierenden Landes Brandenburg engagieren wollte. Nach zwei Weltkriegen und zwei Diktaturen war der bauliche Nachholbedarf enorm. Zahlreiche Kirchen waren bauaufsichtlich gesperrt, Dächer marode, Dachstühle vom Schwamm befallen und Kirchenwände durch Feuchtigkeit stark geschädigt. Trotz oftmals bewundernswerter Eigeninitiativen der Gemeinden war der Sanierungsstau gravierend. Die Vereinsgründung war geprägt von viel Optimismus, einer Prise Skepsis und einer gehörigen Portion Naivität.

Im kommenden Jahr 2015 wird sich das Gründungsdatum des Förderkreises Berlin-Brandenburg e.V. nun bereits zum fünfundzwanzigsten Mal jähren; und die verbliebenen Aktivisten der ersten Stunde staunen, wie schnell die Zeit vergangen ist. Inzwischen konnten zahlreiche Kirchengebäude vorbildlich instand gesetzt werden, wozu bei aller Bescheidenheit auch der FAK einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Unser größtes Problem ist es mittlerweile nicht mehr, dass in bedeutendem Umfang Kirchen vom Einsturz oder von der zwangsweisen Schließung bedroht sind, sondern ergibt sich aus einem Faktum, das in zugespitzter Formulierung der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer wie folgt auf den Punkt bringt: “Kirchen sind außen sehr schön. Aber innen ziemlich leer.” Der viel beschworene demographische Wandel, aber vor allem auch eine zunehmende Säkularisierung und Individualisierung unserer Gesellschaft haben – beschleunigt durch den damit verbundenen massiven Abbau von Pfarrstellen – dazu geführt, dass vielerorts in den brandenburgischen Dörfern nur noch alle vier bis acht Wochen Gottesdienste stattfinden, die in der Regel auch nicht sonderlich viele Besucher anlocken. Dazu kommt, dass sich in unserer durchökonomisierten Welt ein Nützlichkeitsdenken verbreitet hat, das bei Kultur insgesamt und in unserem speziellen Fall bei der Erhaltung denkmalgeschützter Sakralbauten zunehmend die Frage nach Effektivität und Rendite stellt. Lebensqualität wird bei potentiellen Geldgebern nicht als Förderkriterium anerkannt. Dabei sollten wir dankbar dafür sein, dass es in nahezu jedem Gemeinwesen (noch) einen öffentlichen Ort gibt, der sich den marktwirtschaftlichen Zwängen entzieht.

Auch in Zukunft wird es unsere wichtigste Aufgabe bleiben, Hilfe bei der baulichen Erhaltung und Instandsetzung der Kirchengebäude und der Restaurierung ihrer historischen Ausstattung zu geben. Diese Hilfe wird – nach unseren bescheidenen Möglichkeiten – eine finanzielle, aber auch eine beratende und unterstützende sein. Mit unserer seit inzwischen fünfzehn Jahren etablierten Aktion “Offene Kirchen” und der dazugehörigen Zeitschrift, mit unseren Projekten zur kulturellen Nutzungserweiterung von Kirchen, dem jährlich vergebenen “Startkapital” für neu gegründete Kirchen-Fördervereine und weiteren Projekten sind wir zudem auf dem richtigen Weg, die Zahl der Freunde und Unterstützer der Dorfkirchen zu vergrößern. Der Förderkreis Alte Kirchen wird sich darüber hinaus in Zukunft jedoch noch stärker an der öffentlichen Diskussion über die Zukunft des ländlichen Raumes insgesamt beteiligen müssen. Nach dem Zusammenbruch eines großen Teils der wirtschaftlichen, technischen, kulturellen und sozialen Infrastruktur gilt es, Wege zu suchen, um unsere Dörfer wieder attraktiver und lebenswerter zu machen. Zugleich gilt es darüber nachzudenken, welche Rolle in den Dörfern die Kirchengebäude, aber auch die Kirche als Institution dabei spielen werden, eine spirituelle und kulturelle Grundversorgung zu bewahren, die staatlicherseits nicht mehr garantiert werden kann. Noch ist die Zahl der aufgegebenen und privatisierten Kirchengebäude im Land Brandenburg recht überschaubar. Weiter schrumpfende Gemeinden, anstehende Fusionen und zunehmende finanzielle Engpässe lassen jedoch recht sicher erscheinen, dass dies sich in absehbarer Zeit ändern wird.

Mit den inzwischen über 300 lokalen Kirchen-Fördervereinen, mit überregionalen Verbänden und Stiftungen haben wir – und haben natürlich die betroffenen Kirchengemeinden – engagierte Mitstreiter. Noch stärker jedoch muss die Erhaltung unseres religiösen und kulturellen Erbes als gesamtgesellschaftliche Aufgabe vermittelt werden. Die Rolle der Kirche im Dorf als geistiges und kulturelles Zentrum und als Kommunikationspunkt innerhalb der Kommunen wird eher zunehmen.

Wir möchten 2015, im Jahr unseres Vereinsjubiläums, verstärkt eine Diskussion über die Zukunft der brandenburgischen Gotteshäuser anregen und das vorhandene Netzwerk für die Zukunft der Dörfer ausbauen. Dazu bitten wir Sie bereits jetzt um Ihre Hilfe: Teilen Sie uns Ihre Gedanken, Ihre Wünsche und Träume, aber auch Ihre Befürchtungen zum Thema “Die Zukunft der Kirche im Dorf” mit. Machen Sie Vorschläge, die unsere Arbeit voranbringen. Berichten Sie uns von erfolgreichen Aktionen und von fehlgeschlagenen Versuchen. Erzählen Sie uns nachahmenswerte Geschichten.

Bereits 2008 endete die Schlusserklärung des 26. Evangelischen Kirchbautages in Dortmund mit den Sätzen: “Wir haben nicht zu viele Kirchen. Wir habe zu wenig Ideen.” Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wird sich auch weiterhin bemühen, neue Ideen für die Erhaltung und Nutzung der brandenburgischen Kirchengebäude zu entwickeln. Unterstützen Sie uns dabei!

Bernd Janowski

 
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Mitgliederversammlung 2014 des Förderkreises Alte Kirchen

Wieder eine gute Bilanz – aber die Herausforderungen werden steigen

Der Rückblick auf die Arbeit im vorangegangenen Jahr gehört zu jeder Mitgliederversammlung. Dass die Bilanzen unseres Förderkreises im Allgemeinen positiv ausfallen, scheint manchem schon selbstverständlich. Denn auch diesmal gab es Erfreuliches zu vermelden. So im schriftlich vorliegenden Bericht des Vorstandes. So in Wort und Bild, wie die Regionalbetreuer anschaulich das vielfältige Geschehen in ihren Bereichen demonstrierten. So schließlich auch beim Blick auf die Jahresschlussrechnung, die dem Verein auf Heller und Pfennig eine solide Grundlage bescheinigte und dem bisherigen Vorstand ein einstimmiges Votum für seine Entlastung einbrachte.

Dr. Uwe Otzen, der die Anwesenden im Namen des Vorstandes begrüßte, wies mit dem Blick in die Zukunft dennoch darauf hin, dass die Arbeit nicht leichter werden wird. Die fortschreitende Säkularisierung und der gravierende demographische Wandel mit den daraus resultierenden Problemen sollten uns Anlass sein, unser Grundanliegen im Auge zu behalten und uns auf unsere Stärken zu konzentrieren: die finanzielle und beratende Unterstützung wie auch die Neugründung örtlicher Fördervereine, eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit, die weitere Förderung vielfältiger kultureller Veranstaltungen und des bürgerschaftlichen Engagements. Für künftige Erfolge sei eine Vernetzung aller gleichgerichteten gesellschaftlichen Aktivitäten und Initiativen unerlässlich.

Auch für die jetzt gewählten Vorstandsmitglieder wird es also reichlich zu tun geben. Und in der Aussprache über die künftige Arbeit des Förderkreises wurde auch gleich eine Frage angeschnitten, die sich seit zwei Jahren stellt: Ist die kollegiale Leitung, wie sie der Vorstand jetzt praktiziert, eine gute Lösung? Sollte man sich nicht wieder für einen Vorsitzenden entscheiden, der den Verein zum Beispiel auch in der Öffentlichkeit repräsentiert?

Die Mitglieder des bisherigen Vorstandes konnten zumindest darauf hinweisen, dass es in der Vergangenheit gut gelaufen ist. Die kollegiale Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Geschäftsleitung und Regionalbetreuung sei schriftlich vereinbart und gestaltete sich zufriedenstellend. Auch die Vertretung des Vereins in der Öffentlichkeit würde von den jeweils sachkundigen Vorstandsmitgliedern wahrgenommen. Dennoch sei die kollegiale Leitung kein Prinzip für alle Zeiten und ein kompetenter Vorsitzender künftig durchaus denkbar.

Andere Frage aus dem Mitgliederkreis: Nutzt der Verein sein gewachsenes Ansehen und seine gestiegene Kompetenz, um Probleme der Denkmalpflege öffentlich anzugehen und seine Forderungen in die Waagschale zu werfen? Die Tatsache, dass Brandenburg das einzige Bundesland ohne staatlichen Denkmalfonds ist, wurde vom FAK und anderen Institutionen immer wieder nachdrücklich kritisiert. Jetzt gibt es bei den Zuständigen offenbar Überlegungen in die richtige Richtung. Aber auch international kann der Förderkreis durchaus mitreden. Initiativen, wie sie von ihm ins Leben gerufen und erfolgreich weitergeführt wurden, gibt es bislang in keinem anderen europäischen Land. Seine Erfahrungen werden deshalb auf der internationale Konferenz des europäischen Verbandes zur Bewahrung historischer Gottesdienststätten, dessen Gründungsmitglied der FAK ist, im Oktober in Halle gefragt sein.

Die Diskussion über die Zukunft des Vereins schärfte den Blick auf die neuen Herausforderungen, machte aber auch Mut. Es gab Vorschläge, so für interessante Vortragsreihen, für die Öffentlichkeitsarbeit und für diejenigen, die sich um die Finanzen kümmern.

Und da wir gerade bei den Finanzen sind: Zum Schluss noch eine

Bitte an Mitglieder und Spender

Aus dem Finanzbericht war hervorgegangen, dass bei den Bankgebühren erheblich gespart werden konnte, indem man vorwiegend die günstigen Bedingungen der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft nutzt. Überweisen Sie deshalb bitte Spenden und Beiträge&xnbsp; an diese Bank (die entsprechenden Daten finden Sie im Impressum) . Und Mitgliedsbeiträge bitte nicht erst kurz vor Toresschluss überweisen – das erspart den ehrenamtlichen Mitarbeitern viel Hektik am Jahresende.

Text und Bild: Eva Gonda

Fakten aus dem Bericht des Vorstandes

Hohe Ehrung als Verpflichtung

Auch im 24. Jahr seines Bestehens konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg seine Aufgaben als Bindeglied zwischen Kirche, staatlicher Denkmalpflege und organisierter Bürgergesellschaft erfüllen. Stolz sind wir auf die Auszeichnung mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz im Oktober 2013. Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz ehrte den Förderkreis “für sein herausragendes Engagement, seine Beharrlichkeit und die kreativen Ideen, mit denen er Spendengelder für viele Bau- und Restaurierungsprojekte akquiriert”.&xnbsp;

Bauliche und restauratorische Fördermaßnahmen

Im vergangenen Jahr wurden viele Sanierungs- und Restaurierungsprojekte finanziell unterstützt, durch Beratung gefördert und dörfliches Leben mit Aktionen wie Benefizkonzerten, Theaterveranstaltungen oder Besuchen im Rahmen von Exkursionen gestärkt. Unter anderem wurden durch Zuschüsse des FAK folgende Maßnahmen gefördert:

Instandsetzungsarbeiten an der Gertraudenkapelle in Bad Belzig (PM); Sanierung des Kirchenschiffdaches der Dorfkirche Berkholz (UM); Restaurierungsarbeiten am Dachaufsatz der Dorfkirche Dannenwalde (OHV); Reparatur der Glockenläuteanlage der Dorfkirche Ferbitz (PR); Notsicherungsarbeiten an der Dachkonstruktion der Dorfkirche Görlsdorf (MOL); Restaurierung der historischen Holzdecke der Dorfkirche Groß Leppin (PR); Restaurierung eines Holzreliefs mit der Darstellung eines “Gnadenstuhls” in der Dorfkirche Gutengermendorf (OHV); Instandsetzung des historischen Ziegelfußbodens in der Gutskapelle Horst (OPR); Instandsetzung der Dorfkirche in Kappe (OHV); Sanierung des Daches und der Dachkonstruktion der Dorfkirche Kletzke (PR); Instandsetzungsarbeiten an der Friedhofskapelle in Lanke (BAR); Sanierungsgutachten für die Turmkonstruktion der Dorfkirche Laubst (SPN); Aktualisierung des Schadensgutachtens für die Dorfkirche Lichterfelde (TF); Sanierung der Glockenanlage in der Komtureikirche Lietzen (MOL); Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten an der Klosterkirche Marienstern in Mühlberg (EE); Instandsetzungsarbeiten in der Dorfkirche Pessin (HVL) und die Restaurierung der barocken Stuckdecke; Sanierung des Kirchturms in Porep (PR); Notsicherung am Turm der Franziskaner-Klosterkirche Prenzlau (UM); umfassende Instandsetzung der Dorfkirche Rehfeld (OPR); Dachsanierung der Schinkel-Kirche in Schäpe (PM); Sanierung der denkmalgeschützten Friedhofskapelle in Wittstock (OPR); Sanierungsgutachten für die Dorfkirche Wolsier (HVL); Restaurierung der barocken Kanzel der Dorfkirche Zützen (LDS).

Aus den Zinserträgen unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen wurden Beträge für die Instandsetzung der Dorfkirche Butzow (PM) und für Restaurierungsarbeiten ebenfalls in der Dorfkirche Pessin (HVL) ausgereicht.

Zusätzlich wurden zweckgebundene Spenden weitergereicht u. a. für:

Instandsetzung der Dorfkirche Döllen (PR); Restaurierung des Renaissance-Altaraufsatzes der Dorfkirche Frankenfelde (MOL); Sicherungsarbeiten an der Ruine der Dorfkirche Lossow (FFO); Restaurierung der Ausstattung der Dorfkirche in Löwenbruch (TF); Einsetzen von Belüftungsziegeln in der Dorfkirche Waltersdorf (TF) und Aufstellen von touristischen Wegweisern.

Aus Spenden, die uns anlässlich der Beisetzung unseres langjährigen Vorstandskollegen Günter Schöne erreichten, konnte in seinem Sinne ein Betrag in Höhe von 2.500 Euro an den Förderverein Dorfkirche Wulfersdorf (LOS) für Reparaturarbeiten am dortigen Kirchengebäude überwiesen werden.

Aus einem gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu vergebenden Vermächtnis wurden die Dorfkirchen in Darsikow (OPR), Selbelang (HVL), Alt Krüssow (PR), Groß Ziethen (OH), Buckow (HVL), Flieth (UM), Sewekow (OPR), Berkholz (UM), Wassersuppe (HVL), Butzow (PM), Garrey (PM) und Gießmannsdorf (EE) baulich gefördert.

Erfolgreiche Spendenaktionen

Die Aktion “Menschen helfen Engeln”, die der FAK gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege initiierte, brachte bisher einen Erlös von über 70.000 Euro. Innerhalb der Nachfolge-Aktion “Verges-sene Kunstwerke”, wieder in Kooperation mit der EKBO, dem BLDAM und der Stiftung Kirchliches Kulturerbe, wurden ca. 6.000 Euro für die Restaurierung des Renaissance-Altars in Laubst (SPN) weitergereicht. Das Landesamt für Denkmalpflege stockte die Summe auf, so dass eine Sicherung des Kunstwerkes nun möglich ist. Auch für das Objekt 2014, die Kirche Dedelow (UM), erreichten uns bereits Spenden.

Stärkung bürgerschaftlichen Engagements

Mit der Vergabe eines Startkapitals&xnbsp; fördert der FAK bürgerschaftliches Engagement von Initiativen für die Bewahrung und angemessene Nutzung von Gottesdienststätten. In diesem Berichtsjahr wurden ausgezeichnet:

Förderverein Dorfkirche Peter und Paul Berge (HVL); Förderverein Dorfkirche Gantikow (OPR); Freundeskreis der Garreyer Kirche (PM); Förderverein Dorfkirche Rüdnitz (BAR); Förderverein der Dranser Kirche (OPR) und der Förderverein Kirche und Pfarrhaus Friesack&xnbsp; (HVL). Die Vereine in Dranse und Friesack teilten sich einen Preis und erhielten einen Zuschuss in Höhe von jeweils 1.250 Euro.

Exkursionen

Großes Interesse fanden unsere Bus-Exkursionen, die sich neben kunsthistorischen Führungen auch mit Fragen der Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung der Kirchengebäude beschäftigen. So führten 2013 Fahrten auf den Spuren der Templer und Johanniter ins Land Lebus und die Neumark, musikalisch durch die Prignitz und das Ruppiner Land mit Orgelführungen und Konzerten, zu Dorfkirchen im Landkreis Oder-Spree, verbunden mit einem Benefizkonzert in der Dorfkirche Wulfersdorf, zu Dorfkirchen in der Uckermark und zu Kunstwerken der Holzschnitzerfamilie Hattenkarell in Dorfkirchen der Neumark und gemeinsam mit dem Berliner Dombauverein zu Kirchen in der Niederlausitz.

Link zum vollständigen Bericht

Der neu gewählte Vorstand des Förderkreises

Acht Kandidaten hatten sich für die Mitarbeit im Vorstand zur Wahl gestellt, zwei von ihnen standen erstmalig auf der Liste. Aus der Mitgliederversammlung wurden keine weiteren Vorschläge für eine Kandidatur eingereicht.

Alle anwesenden Vereinsmitglieder beteiligten sich an der Abstimmung, die in geheimer Wahl erfolgte. Die Auszählung der Stimmzettel durch den Wahlleiter und zwei Beisitzer ergab, dass allen Kandidaten mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen wurde.

Dem Vorstand gehören nun an:

Hans-Joachim Böhme
Uwe Donath
Ute Handschuhmacher
Dr. Hans Krag
Carsten Lange
Wolf-Dietrich Meyer-Rath
Dr. Uwe Otzen
Sigrid Riesberg

Kassenprüfer: Joachim Killus und Manfred Wenzel. Gedankt wurde Klaus-Dieter Hülsenbeck, der seine bisherige Funktion auf eigenen Wunsch niederlegte.

Als neue Mitglieder des Vorstandes stellen sich vor:

Hans-Joachim Böhme

Kontakt zum FAK bekam ich durch meine Frau, die seit zwölf Jahren Mitglied des Förderkreises ist. Interesse an Architektur und Ausstattung historischer Bauwerke aber hatte ich schon zuvor. Nach Abschluss eines Hochschulstudiums in Führungspositionen bei der Post und bei der Telekom tätig, konnte ich dafür sorgen, dass die historische technische Anlage des Rundfunksenders Wilsdruff in die Denkmalliste Sachsens aufgenommen wurde. Nach meinem Umzug nach Berlin fand ich beim Förderkreis ein willkommenes Betätigungsfeld, unterstütze die Arbeit in der Geschäftsstelle und übernehme umfangreiche Touren bei der Verteilung der Jahresbroschüre. In der Vorstandsarbeit sehe ich einen guten Weg, noch mehr Verantwortung zu übernehmen.

Carsten Lange

Erst mit dem Mauerfall konnte ich das vielfältige Brandenburg kennenlernen.&xnbsp; Die Dorfkirchen fielen mir auf und irgendwie hatte ich sie schon frühzeitig ins Herz geschlossen. Immer öfter entdeckte ich das freundliche Hinweisschild “Offene Kirche” und in den Kirchen wiederkehrend das Jahresheft des Förderkreises. Ich entschloss mich, dem FAK beizutreten, 2012 übernahm ich die Regionalbetreuung des Landkreises Barnim. Hier bin ich in Basdorf seit 2007 beheimatet und fühle mich auch der örtlichen Kirchengemeinde im Kirchenrat verbunden. Als Sozialarbeiter im 46. Lebensjahr bin ich ein sogenannter interessierter Laie, der die bald seit 25 Jahren bestehende Vereinsarbeit des FAK weiter mitgestalten möchte.

Aus dem Vorstand verabschiedet, aber weiter aktiv für den Förderkreis tätig:

Dank an Rainer Marx

Für seine bisherige zuverlässige und den Förderkreis vielseitig bereichernde Arbeit wurde Rainer Marx herzlicher Dank gesagt. Über 14 Jahre gehörte er dem Vorstand an, bevor er nun auf eigenen Wunsch dieses Mandat niederlegte.

Besondere Verdienste hat er sich mit dem Aufbau und der Betreuung der Internetseite des Förderkreises erworben, die heute als eine viel besuchte Plattform reiche Informationen allen jenen bietet, die am Erhalt der alten Kirchen interessiert sind. Großen Applaus von allen Anwesenden gab es deshalb, als er versicherte, diese Arbeit auch weiterhin leisten zu wollen. Mit einem kleinen Präsent wurde er verabschiedet und mit vielen guten Wünschen für die Zukunft.

Gebautes Gedenken an die Opfer von Plötzensee

Gleich zwei beeindruckende Kirchenbesichtigungen boten sich nach Abschluss der Beratungen an: das evangelische Gemeindezentrum Plötzensee, das auch Gastgeber der Mitgliederversammlung war (links), und die katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (rechts: der Glockenturm). In unmittelbarer Nähe zur Hinrichtungsstätte des Gefängnisses Plötzensee, wo von 1933 bis 1945 etwa 3000 zum Tode Verurteilte ermordet wurden, sind die in den Sechzigerjahren erbauten Kirchen dem Gedenken an die Opfer gewidmet. Die architektonische und künstlerische Gestaltung nimmt den Besucher auf besondere Art gefangen.

In der evangelischen Kirche interpretierte Pfarrer Michael Maillard den “Plötzenseer Totentanz” mit seinen erschütternden Szenen des Martyriums. Schwester Maria Theresia vom benachbarten Karmelitinnenkloster konnte den Besuchern in der katholischen Kirche authentisch von Ideen und Absichten der Erbauer berichten, denn sie hatte Architekten und bildende Künstler noch persönlich gekannt. Beiden sei herzlich gedankt.

Text und Fotos: Eva Gonda

 
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Nicht Konkurrenten, sondern Partner

Wo man sich zusammentut, kann man mehr erreichen

Wie die Spenden unserer Mitglieder noch effizienter eingesetzt werden

Vor einiger Zeit erreichte uns die Nachricht, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) ein Vermächtnis in Höhe von etwa 130.000 Euro erhalten habe mit der Maßgabe, diese Summe für Dorfkirchen in Brandenburg und in Abstimmung mit dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg auszureichen.

Bereits in der Vergangenheit haben wir uns mit der DSD bei etlichen Projekten abgestimmt und konnten mit gemeinsamen Förderungen notwendige Sanierungsarbeiten auf den Weg bringen. Um nur eines von vielen Beispielen zu erwähnen: Als 2003 die Bundesmittel für das Notsicherungsprogramm “Dach und Fach” gestrichen wurden und das Land Brandenburg eine günstige Gelegenheit sah, die Kofinanzierung für diese wichtige Fördermöglichkeit einzusparen, ermöglichten wir – zusammen mit weiteren Partnern – die Sanierung der Dorfkirche in Groß Fredenwalde (Uckermark). Durch die Streichung der Bundesmittel hatte das Projekt zu scheitern gedroht.

Dank des eingangs genannten Vermächtnisses galt es jetzt also, eine größere Summe so zu verteilen, dass beide Partner sich in ihren Interessen gut vertreten fühlten und – was noch viel wichtiger war – dass Instandsetzungen an gefährdeten Kirchengebäuden möglichst effektiv durchgeführt werden konnten. Über drei Jahre hinweg haben sich Förderkreis Alte Kirchen und Deutsche Stiftung Denkmalschutz nun jährlich auf einige gemeinsame Projekte geeinigt. In der Regel waren dies Baumaßnahmen, die beide Partner bereits in der Vergangenheit unterstützt hatten: Die Sicherung der maroden Gutskapelle in Darsikow (Ostprignitz-Ruppin), die Sicherung der Kirchenruine in Flieth (Uckermark), Instandsetzungsarbeiten am Turm der Kirche in Wassersuppe (Havelland), die Sanierung des Ostgiebels der Wallfahrtskirche in Alt Krüssow (Prignitz), Notsicherungen in Garrey (Potsdam-Mittelmark) und weitere Projekte konnten so erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Abstimmung über die Verteilung der Zuschüsse verlief kollegial und freundschaftlich. Unterschiedliche Prioritäten konnten im Gespräch problemlos ausgeräumt und geklärt werden. Für die gute Zusammenarbeit möchten wir uns speziell bei Heidi Gerber von der Potsdamer Außenstelle der DSD herzlich bedanken.

Für die Kirchengemeinden wird es in Zeiten klammer Kassen immer schwerer, die oftmals nicht unbeträchtlichen Summen für dringend notwendige Baumaßnahmen aufzubringen. Bei der Zusammenstellung einer Gesamtfinanzierung ist nicht nur Phantasie gefragt; es ist auch viel Arbeit für die Formulierung von Anträgen, Einholung von Kostenangeboten und Genehmigungen, das Sammeln von Spenden und die Aufbringung des nötigen Eigenanteils notwendig. Da ist es wichtig, dass sich die Fördermittelgeber nicht als Konkurrenten bei der Gewinnung von Spendern, Förderern und Unterstützern sehen, sondern als Partner. Die Beträge, die der Förderkreis oder seine Stiftung zur Verfügung stellen können, reichen für notwendige Bauabschnitte allein nicht aus. Sinnvoll im Rahmen einer Kofinanzierung mit kommunalen und / oder kirchlichen Stellen eingesetzt, können unsere Zuwendungen jedoch auch größere Sanierungen ermöglichen.

Ausdrücklich zu erwähnen als wichtiger Partner ist auch die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa), mit der uns ebenfalls seit langem eine erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet und unter deren Dach unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gut betreut wird. Auch mit der KiBa stimmen wir regelmäßig ab, wo Hilfe nötig, aber auch nutzbringend einzusetzen ist.

Nur gemeinsam mit den genannten Stiftungen, mit kirchlichen und kommunalen Partnern auf allen Ebenen, mit den Dienststellen der institutionellen Denkmalpflege, vor allem aber auch mit den Akteuren vor Ort ist erfolgreiche Arbeit möglich. Und nur so ist langfristig sicherzustellen, dass Ihre Spenden für den Förderkreis Alte Kirchen effizient für die Bewahrung der sakralen Denkmale und ihrer Ausstattung in unserer Region eingesetzt werden können.

Bernd Janowski

 
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Wo ist unser Geld geblieben? - Wir fragten nach in LOSSOW (Frankfurt/Oder)

Erst im September 2013 hatten wir um Spenden für Lossow gebeten. Obwohl seit Kriegsende eine Ruine, ist die Dorfkirche Mittelpunkt des kirchlichen und kulturellen Lebens. Doch das Mauerwerk bröckelte, ein Sicherheitsnetz schützte notdürftig vor herabstürzenden Steinen. Das sollte endlich ein Ende haben. Mehr als 3.350 Euro spendeten unsere Leser als Antwort auf den Appell, und Jahre zuvor hatte der FAK dem örtlichen Förderverein schon einmal ein halbes Startkapital von 1.250 Euro zugesprochen. Jetzt wollten wir´s wissen: Was wurde denn nun daraus? — Und wir erfuhren:

Ein Schutzschild – maßgeschneidert und von Dauer

 
Keine Gefahr mehr durch herabstürzende Steine, die Mauerkrone ist gesichert. Nun zog wieder Leben ein in die Kirchenruine. Hier werden Andachten gehalten und wird gefeiert, junge Paare werden getraut, Kinder getauft und junge Menschen konfirmiert.
Fotos: Bernd Albrecht (l.), Eva Gonda

Wilfried Mann, der Vorsitzende des Fördervereins Kirche Lossow, ist ein Lossower Urgestein, verwurzelt mit der Geschichte des Ortes. Als Zehnjähriger erlebte er 1944 den letzten Weihnachtsgottesdienst, dann das Kriegsende, als die Kirche niederbrannte. Ihre Geschichte liest er aus den verbliebenen Grundmauern: Die halbierten Ziegel dort, die stammen von der Vorgängerkirche und wurden beim Neubau 1741/46 offenbar mit verwendet. Die Aussparungen für tragende Balken an der Nordseite: Dort war die Patronatsloge derer von Beerfelde, und dort auf der Westseite war die Empore für die Gottesdienstbesucher aus den Nachbargemeinden. Dann nimmt er den Turm ins Visier: Den habe man schon in den Fünfzigerjahren mit viel Eigenarbeit gesichert. Er bekam ein Notdach aus Schindeln, das Bauholz spendeten die Bauern. Bald nach der Wende konnte man ihn mit Hilfe staatlicher Fördermittel denkmalgerecht sanieren und sein Dach mit Biber-Ziegeln decken.

Blieb noch die zunehmende Sorge mit der maroden Mauerkrone der Kirchenwände. 2001 gründete sich der Förderverein Kirche Lossow, startete mit Mut und guten Konzepten, begann Spenden zu sammeln. Man hatte schon eine stattliche Summe beieinander als Eigenanteil zum Bundesprogramm “Dach und Fach”, als dieses ersatzlos gestrichen wurde. Die Lossower ließen sich nicht entmutigen. Auch nicht, als die Kosten für eine fachgerechte Sicherung der Mauerkrone bekannt wurden: 70.000 Euro! Für eine Gemeinde mit rund 500 Einwohnern eine astronomische Zahl. Einen Großteil der Kosten wollte die evangelische Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) übernehmen. Der Lossower Kirchenförderverein aber hatte inzwischen immerhin die stolze Summe von 13.000 Euro zusammentragen können. Nun wurde noch einmal “zum Sammeln geblasen”; 6.700 Euro waren ein stolzes Ergebnis. Eine schlichte Tafel am Eingang zur Kirchenruine nennt heute die Sponsoren, es sind vor allem Lossower Einwohner und Gewerbetreibende. Schließlich hatten nur noch 4.000 Euro gefehlt, und da kamen die Spenden unserer Le-ser gerade recht.

Die Fachleute, die sich dann hoch oben ans Werk machten, hatten viele aufmerksame Beobachter. Zuerst ging´s dem Wildwuchs an die Wurzeln, dann waren Ziegel zu ersetzen, wegen ihres besonderen Formats in Dänemark extra hergestellt, schließlich kam die Blechabdeckung. Und immer die bange Frage: Werden sie es schaffen bis Dezember?

Sie schafften es, und so war der traditionelle Weihnachtsmarkt gesichert. Während man sich an gewöhnlichen Sonntagen im Gemeindesaal des ehemaligen Pfarrhauses zum Gottesdienst trifft, werden besondere Festtage in den Mauern der alte Kirche und in ihrem Umfeld begangen. Kaum ist das Osterfeuer verlöscht, bereiten eifrige Lossower schon wieder das Sommerfest am 12. Juli vor. So geht es oft sehr lebendig zu vor und in den Wänden der Ruine, die bis heute der Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft geblieben ist.

Hat man je daran gedacht, die Kirche wieder aufzubauen? Wilfried Mann bleibt bescheiden. “Das Gebäude ist vor weiterem Verfall bewahrt, damit hat sich mein Traum erfüllt. Spätere Generationen mögen neu entscheiden. Sie können sich damit Zeit lassen, denn der jetzt angebrachte Schutz hält mindestens hundert Jahre.”

Kann man Spendengelder nachhaltiger anlegen?

Eva Gonda

 
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Neues von unserer Stiftung

In erreichbarer Nähe: 400.000 Euro Kapital

Mehr als 33.000 Euro an Zinsen erwirtschaftet

Sieben Projekte konnten seit Stiftungsgründung gefördert werden

Auch für diese kleine Kirche
in Wulfersdorf (Oder-Spree), die dringend sanierungsbedürftig ist, wird der FAK Mittel aus den Erträgen seiner Stiftung bereitstellen. Bislang aber gibt es noch keinen zwischen Kirchenkreis, Kirchengemeinde und dem dortigen Förderkreis vereinbarten Finanzierungsplan.

Zur Erinnerung: Als der Förderkreis Alte Kirchen am 1. Juli 2008 eine eigene Stiftung gründete, war das genau genommen nicht das Ergebnis zielgerichteter Planung. Den Anstoß gab vielmehr im Herbst 2007 eine unerwartet große Spende von 50.000 Euro für die Arbeit des FAK.

Da hatten wir nun zu entscheiden: Sollte dieses Geld in der nächsten Zeit einfließen in die aktuellen Projekte? Oder sollten wir damit den Anfang setzen für nachhaltigeres Wirken mit dem Instrument einer eigenen FAK-Stiftung?

Mit der Zustimmung des Spenders fiel die Entscheidung dann so aus: 10.000 Euro für akute Aufgaben, aber 40.000 Euro für eine Stiftung. Neun Monate später konnte sie dann – mit großer Unterstützung der KiBa (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland) aus der Taufe gehoben werden: unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen. Das Gründungskapital dafür – ausschließlich aus privaten Mitteln zusammengetragen – betrug genau 58.500 Euro. Wir hofften, im Lauf der folgenden Jahre diesen Grundstock auf etwa 250.000 Euro wachsen zu sehen.

Heute beträgt das Stiftungsvermögen über 382.000 Euro!

Den FAK-Vorstand hat wiederholt die Frage beschäftigt, ob und in welchem Umfang der Förderkreis selbst aus seinen freien Mitteln den Aufbau der Stiftung unterstützen dürfe und solle. Seit der Satzungsänderung 2011 ist das eindeutig positiv geklärt, aber nur sehr behutsam realisiert worden: Insgesamt 14.000 Euro hat der FAK bisher in seine Stiftung eingebracht, das sind weniger als vier Prozent des aktuellen Stiftungskapitals.

Gleichzeitig hat die Stiftung bis heute schon mehr als 33.000 Euro an Zinsen erwirtschaftet. Seit 2010 wurden von diesem Geld unter anderen sieben FAK-Projekte (Hirschfelde, Selbelang, Ahlsdorf, Märkisch Wilmersdorf, Dauer, Pessin und Butzow) mit insgesamt 19.350 Euro unterstützt. Weitere Förderungen werden demnächst beschlossen werden. Wir nähern uns dem Zeitpunkt, an dem die Stiftungserträge schon knapp zehn Prozent der jährlichen FAK-Förde-rungen ausmachen werden.

Um das nächste Teilziel zu erreichen, nämlich die 400.000 Euro-Marke, fehlen nun noch weniger als 18.000 Euro.

Arnulf Kraft

 
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IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

Dorfkirche Großbeuthen
(Teltow-Fläming)
 

Wo der Himmel samt Sternen und Wolken herabzustürzen droht...

Ein Heimatverein versucht, das Unheil abzuwenden

 

Asterix und seine Gallier fürchteten nichts mehr, als dass ihnen “der Himmel auf den Kopf fallen” könnte. Diese Angst treibt auch die Großbeuthener um. Ihr Himmel ist das mit Wolken und 280 Sternen bemalte Holztonnengewölbe ihrer kleinen Fachwerkkirche.

Die Planken haben sich verzogen, große Splitter sind abgebrochen und geben den Blick in den Dachstuhl frei. Da das Dach aber auch nicht mehr dicht ist, kann man an einigen Stellen sogar direkt in den Himmel schauen. Tonnendecke und Dach sind äußerst gefährdet, und die immer wieder eindringende Feuchtigkeit beeinträchtigt sogar die Standfestigkeit des Fachwerks. Decke und Tragekonstruktion müssen inzwischen mit einem Gerüst gestützt werden, damit man die Kirche überhaupt noch betreten kann.

Die Kirche stammt aus den Jahren 1713/14; ihr Backsteinturm wurde 1847 vorgesetzt. Sie ist Teil der Pfarrgemeinden Siethen und Gröben, wobei vor allem Gröben durch sein Kirchenbuch von 1579 bekannt ist, dem ältesten in Brandenburg. Hier findet man auch Nachrichten aus Großbeuthen, und Theodor Fontane zählte zu den besonders eifrigen Lesern. Im Inneren verdienen Kanzelaltar, Herrschaftsempore mit den gemalten Wappen der Gutsfamilien Schlabrendorff und Goertzke, Totenkronenbretter sowie einige Grabplatten Aufmerksamkeit.

Ende 2013 hat sich der “Heimatverein Beuthen” gegründet, der zunächst in Eigenhilfe alle Arbeiten ausführen will, die ehrenamtliche Laien schaffen können. Die großen Arbeiten an Dach und Decke, die Sanierung des Fachwerks und die Wiederherstellung der Standsicherheit müssen allerdings Fachleuten überlassen bleiben – dafür gibt es noch nicht einmal eine Kostenschätzung. Und da es im Dorf keinen Druiden Miraculix gibt, der schnell einen Zaubertrank brauen könnte, ist man auf menschliche Hilfe angewiesen...

Text und Fotos: Hans Krag

Weitere Informationen: Heimatverein Beuthen e. V., Vorsitzender Bernd Saalfeld, Kleinbeuthener Dorfstr. 39, 4959 Trebbin, Tel: 033731 14691, E-Mail: heimatverein.beuthen@t-online.de

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen, Ev. Darlehnsgenossenschaft, Kto. 795810, BLZ 210 602 37, IBAN: DE81210602370000795810, BIC: GENODEF1EDG, Kennwort: Großbeuthen

 

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Lokale Fördervereine melden sich zu Wort

GARREY (Potsdam-Mittelmark)

Große Kunst für eine kleine Kirche

ANPROBE: Kommen die Habdank-Holzschnitte so richtig zur Geltung?
Foto: Lubitzsch

Eine alte Schulfreundschaft wird nach langer Zeit zum Leben erweckt. Michael Hack, Maler, Psychologe und Pfarrer i. R. in Krefeld, trifft Wolfgang Lubitzsch, wohnhaft in Garrey. 50 Jahre sind nach dem gemeinsamen Abitur vergangen. Beide haben sich viel zu erzählen; so kommt die Sprache unweigerlich auf die vielfältigen Aktivitäten der Bürger in Garrey und die Sanierung ihrer Feldsteinkirche (Dorfkirche des Monats Juni 2014).

“Was wäre, wenn wir diese Kirche auch als Kunstkirche nutzten?”, fragt Michael. “Ich verfüge über das gesamte Holzschitts-Werk von Walter Habdank (ca. 400 Holzschnitte), meinem langjährigen Freund, und schenke euch die 14 Bilder seines bekannten ,Kreuzweges’.”

Wir konnten es nicht glauben: Die kleine Garreyer Kirchengemeinde als Eigentümer und die Kirche als Ausstellungsort für Bilder eines berühmten Künstlers. Viele Menschen fragten: “Wie habt ihr das nur gemacht?”

Schnell war ein Termin für einen Besuch von Michael Hack in Garrey ausgemacht. Am 28. März 2014 traf er in Garrey ein. Sein VW-Golf vollgeladen mit gerahmten Bildern und Blättern von Habdank. Den “Kreuzweg” hat er der Kirchengemeinde Garrey/Zixdorf mit einer Schenkungsurkunde zunächst inoffiziell übergeben. Pfarrer Matthes nahm das Werk entgegen und bedankte sich aufrichtig. Gleich wurde gemeinsam überlegt, wie man die Bilder in der Kirche anbringen könnte und wie sie die beste Wirkung haben würden.

Die offizielle Übergabe mit Vernissage und Dankgottesdienst soll erfolgen, wenn die Kirche in Garrey saniert ist. Das wird sicher noch einige Zeit dauern. Zurzeit ist die Kirche für öffentliche Anlässe gesperrt. Die Sanierungsarbeiten haben Anfang 2014 begonnen. Längerfristig sind weitere Ausstellungen geplant, auch mit Bildern zu weltlichen Themen von Habdank.

Walter Habdank (1930 – 2001) wurde in Schweinfurt geboren, studierte von 1949 bis 1952 Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Walter Teutsch. Als freischaffender Maler lebte und arbeitete er zunächst in München und ab 1979 in Berg am Starnberger See.

Sein künstlerisches Werk kann als Weiterentwicklung und Überwindung des expressionistischen Ansatzes verstanden werden. Mit der daraus resultierenden verbindlichen Ausdrucksfähigkeit nimmt Walter Habdank den Betrachter in die Pflicht. So entstanden Holzschnitte, Gemälde und Aquarelle sowie Glasfenster, Mosaiken, Wandmalereien und Triptychen. In der “Habdank-Bibel” (Augsburg 1995) hat der Maler den Text der Bibel mit 80 Holzschnitten interpretierend begleitet.

Über viele Ausstellungen und Publikationen wurde Walter Habdank im In- und Ausland bekannt, zahlreiche “Bildbetrachtungen” regen immer wieder zur Auseinandersetzung mit seinen Werken an.

Dr.-Ing. Wolfgang Lubitzsch,
Vorsitzender des Freundeskreises der Garreyer Kirche e. V.

KLAUSDORF (Potsdam-Mittelmark)

Die Irrwege einer heimgekehrten Bibel

Als die Flüchtlingsfamilie 1945 in Klausdorf, heute Ortsteil von Treuenbrietzen, ankam, gab es keinen Schulunterricht. Neugier und Langeweile trieben die Kinder auch zur Dorfkirche. Zwei Jungen, sieben und zehn Jahre alt, fanden die Tür unverschlossen, inspizierten das Innere und nahmen kurzerhand die Bibel vom Altar mit. Großmutter freute sich über die Lektüre, in der sie fortan täglich las. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause verließ die Familie später Klausdorf – zusammen mit der Bibel.

Den älteren Sohn zog es in die Ferne und die Bibel wurde sein Begleiter. Der jüngere Sohn verliebte sich in Treuenbrietzen, heiratete und ließ sich in Frohnsdorf nieder. Als sein älterer Bruder verstorben war, bat er seine Schwägerin um die Rückgabe der Bibel, denn sie gehöre doch eigentlich in die Klausdorfer Kirche.

Der heute 77-Jährige verfolgte seit Jahren die Aktivitäten des Fördervereins zum Erhalt der Klausdorfer Kirche. Er suchte Kontakt zum Bürgermeister von Treuenbrietzen, Michael Knape, und am 11. März 2014 wurde die Heilige Schrift, eine Groß-Oktavausgabe der Preußischen Haupt-Bibelgesellschaft Berlin aus dem Jahre 1906, feierlich übergeben. Die Klausdorfer waren dazu eingeladen; Prädikant Andreas Bruns, der die alte Schrift zu lesen verstand, zitierte einige Passagen und machte damit deutlich, dass auch in der heutigen Zeit die Botschaft der Bibel nicht an Bedeutung verloren hat.

Da auch das Taufbecken, der Kronleuchter und das Harmonium auf mysteriöse Weise verschwunden sind, geben diese Zeilen vielleicht den Anstoß für weitere Rückgaben. Wir würden uns sehr freuen, denn wir wollen nicht nur das Gebäude erhalten, sondern auch die kulturell historischen Werte pflegen und Traditionen fortführen.

Kerstin Schäfer,
Schriftführerin und Kassenwart des Fördervereins zum Erhalt der Klausdorfer Kirche e. V.

 

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Erinnern Sie sich?

Vor allem in Brandenburg hatten die letzten Schlachten des Zweiten Weltkriegs auch viele Kirchen in Schutt und Asche gelegt. Wenn eine von ihnen schon in den bitteren Nachkriegsjahren wieder aufgebaut werden konnte, grenzte das an ein Wunder – vollbracht von Menschen, die in Zeiten großer Not und Entbehrungen noch die Kraft fanden, ihr Gotteshaus wiedererstehen zu lassen.

WIESENAU (Oder-Spree)

Steine putzen, Wasser schleppen, Geld sammeln

Foto: Wikipedia

Ende vergangenen Jahres feierte die Kirche in Wiesenau, einer Gemeinde im Amt Brieskow-Finkenheerd, den 60. Jahrestag ihres Wiederaufbaus. Guter Grund für jene, die damals dabei waren, sich in ihrem Gotteshaus zu treffen, um noch einmal die Erinnerungen an jene Tage lebendig werden zu lassen. Was es da zu erzählen gab, war in der Märkischen Oderzeitung (11.12.2013) zu lesen:

“Ich war damals ein junger Lehrling und habe die Mauern der Kirche mit hochgezogen", erinnert sich Erwin Meier, Jahrgang 1934. Es war alles sehr anstrengend, es gab wenig Hilfsmittel, Wasser musste man mit Eimern aus einer etwa 100 Meter entfernten Stelle heranschleppen. Aber dennoch: “Die Stimmung bei uns auf dem Bau war gut."

Noch heute ist er stolz darauf, dass er das Kreuz an der Ostseite mitgestaltet hat. Die Klinkersteine stammten vom Kraftwerk Fürstenberg, das damals noch im Bau war. Aber da es dort nicht weiter voranging, wurden die Steine anderswo eingesetzt. Die Steine aus Fürstenberg haben Freunde wie Hans-Joachim Schulz und sein Vater mit einem Pferdefuhrwerk aus Fürstenberg geholt.

Doch bevor überhaupt die Maurer loslegen konnten, musste erst einmal der Schutt der Ruine beseitigt werden. “Wir haben damals als junge Lehrlinge nach Feierabend die alten Steine geputzt", erinnert sich Helmut Großmann. Seine Frau Regina brachte oft frischen Kuchen und frisches Brot zu den Helfern. “Mein Vater Karl Fischer besaß die Bäckerei in dem Haus, in dem sich heute die Bayernstuben befinden", sagt sie.

Irmgard Thierbach kann sich an Kirchenbaumeister Johannes Tuchenhagen aus Frankfurt erinnern. “Ich war damals in einem Tante-Emma-Laden in Stellung. Dorthin kam der Baumeister, wenn er sich in Wiesenau über den Fortgang informierte", erzählt sie.

Krimhild Schulze hat 1953 mit anderen Jugendlichen Geld gesammelt für den ersten Teppich der Kirche. “Für 500 Mark haben wir einen in Frankfurt (Oder) gekauft", berichtet sie; damals erhielt ein Lehrling 45 Mark monatlich. Und Willi Hopke, Jahrgang 1940, hat den Einzug in das fertige Gotteshaus am 13. Dezember 1953 genau vor Augen, denn er durfte als Konfirmand den Kirchenschlüssel vorantragen – auf einem von seiner Mutter extra dafür genähten Prunkkissen. Auch nach der Einweihung waren weitere Arbeiten notwendig. “Wir Schüler haben 1954 unter Anleitung von Otto Liebenau die Hecke gepflanzt", erzählt Jutta Berfelde.

Finanzielle Unterstützung erhielt die Kirchengemeinde vom Gustav-Adolf-Werk. “Dafür sind wir auch heute noch dankbar", sagt Volkmar Lehmann vom Gemeindekirchenrat. Der Wiederaufbau der Kirche aber sei vor allem ein Gemeinschaftswerk des ganzen Dorfes gewesen, an dem sich alle beteiligt haben.

Ein Leser-Echo

Weil viele Hände halfen

In der Dezemberausgabe 2013 hatten wir in der Rubrik “Erinnern Sie sich?” vom Gerüstebauer Rüdiger Schwesig erzählt, der in schwierigen DDR-Zeiten mutig und ideenreich manches gefährdete Kirchengebäude gerettet hat, so den Kirchturm in Rädel bei Kloster Lehnin. Der Beitrag weckte Erinnerungen:

“Klasse-Artikel über Herrn Schwesig. War eine irre Zeit damals”, schreibt uns Pfarrer Helmut Kautz aus Brück im Fläming. Sein Vater war seinerzeit Pfarrer in Reetz, und der “Nothelfer” Schwesig war damals allerorts gefragt. Bei der Sanierung des Reetzer Kirchturms konnte er allerdings nicht aktiv werden – die DDR-Justiz hatte Schwesigs unerwünschten Aktivitäten mit einer fingierten Freiheitsstrafe ein vorläufiges Ende gesetzt. Der Reetzer Turm wurde dennoch saniert, weil viele Hände halfen. “Und wir Pfarrerssöhne sowieso”, sagt Helmut Kautz bei einer Rückfrage zum mitgeschickten Foto: “Auf dem Bild sind wir drei Pfarrersjungs dabei, den Blitzableitergraben um die Kirche zu schippen.”

 

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KOLREP (Prignitz)

Wie ein alter Stall zum freundlichen Gemeindezentrum avancierte

Hans-Georg Scharnbeck, Pfarrer in Kolrep, erzählt, wie das möglich wurde:

 
 
FREUNDLICH lädt der einstige Stall zum Eintritt in das neue Gemeindezentrum
Fotos: Scharnbeck

Es machte sich immer deutlicher bemerkbar: Der alte Gemeinderaum im Kolreper Pfarrhaus mit seinen 28 Quadratmetern, weder Teeküche noch Gemeindetoilette vorhanden, reichte für die Gemeindearbeit des Pfarrsprengels und der Region einfach nicht mehr aus. Da entstand die Idee, aus dem alten, massiven, 1898 aus roten Backsteinen erbauten Stallgebäude auf dem Pfarrgrundstück ein kleines Gemeindezentrum zu bauen. Und das könnte auch von der Kommune genutzt werden, denn die hatte bisher gar keinen eigenen Versammlungsraum...

Die Kolreper Kirchengemeinde hatte ein Grundstück verkaufen können, und so war zumindest ein finanzieller Grundstein gelegt. Ein Architekt aus der Partnergemeinde Hamminkeln vom Niederrhein machte Aufmaße und entwickelte mit dem Gemeindekirchenrat Kolrep erste Ideen. Wir fragten dann den Architekten Werner Dünkel aus Neuenhagen bei Berlin, der gerade viele Aufträge in der Prignitz hatte (St.-Marien-Kirche Kyritz, Schloss Wolfshagen usw.), ob er uns bei der Verwirklichung unserer Ideen helfen könnte. Er sagte zu, und so nahm das Projekt ganz konkret Gestalt an. Werner Dünkel erarbeitete einen Entwurf für den Umbau, dem der Gemeindekirchenrat freudig zustimmte.

Nun ging es an die Finanzierung! Es wurde ganz schnell deutlich, dass die eigenen finanziellen Mittel zu wenig sind. Für alle benötigten Materialien würden die Finanzen reichen, wenn noch eine Unterstützung des Kirchenkreises dazukommen könnte.

Unsere Idee: in Eigeninitiative das alte Stall- und Scheunengebäude ausbauen. In Kolrep und anderen Dörfern des Pfarrsprengels gibt es Gemeindeglieder und andere Einwohner, die alle benötigten Gewerke und Handwerksleistungen abdecken könnten. Also lud der Gemeindekirchenrat im September 2000 zu einem Treffen in die Kolreper Kirche ein. Werner Dünkel und ich stellten das Projekt vor. Um Mithilfe wurde gebeten: “Wenn alle bereit sind, ehrenamtlich an den Wochenenden über einen längeren Zeitraum mitzuarbeiten, können wir unseren Traum vom Gemeindezentrum verwirklichen!”

Alle Anwesenden, nicht nur die Gemeindeglieder, sagten spontan zu. Erste Verabredungen wurden getroffen. Ein Zimmermann aus Kolrep übernahm die Leitung der Bauarbeiten. Für die Ausgestaltung der Räume wollte sich meine Frau Hannelore engagieren. Die Organisation der Einsätze und die Materialbeschaffung lag beim Pfarrer.

So legten wir los. Von Ende September 2000 bis zum Juni 2002 wurde fast an jedem Sonnabend gearbeitet. Freitags traf man die Vorbereitungen, am Sonnabend starteten die Arbeitseinsätze. Die Frauen des Dorfes verwöhnten die Arbeiter mit Mittagessen, selbstgebackenem Kuchen und Pausenbroten. So manch älterer Kolreper gab immer wieder mal eine Spende. “Damit die fleißigen Helfer auch gut essen und trinken können – wenn wir selbst schon nicht mehr richtig mit zupacken können.” Der älteste Kolreper, der immer mit zur Stelle war, stand mit seinen 70 Jahren zuverlässig am Betonmischer.

In dieser Zeit der intensiven Zusammenarbeit fanden sich 2001 auch zwei jüngere Männer bereit, für den Gemeindekirchenrat zu kandidieren. Die gemeinsame Arbeit, das Zusammenwirken und das Ziel haben die Gemeinschaft sehr geprägt. Am 29. Juni 2002 wurde dann die Pfarrscheune mit einem großen Festgottesdienst eingeweiht. Stolz präsentierten sich der Raum mit&xnbsp; rund 51 Quadratmetern, eine Teeküche, ein Flur mit Garderobe und sanitäre Einrichtungen mit Toiletten, Behinderten-WC und Dusche.

Der Raum wird inzwischen für viele gemeindliche und kommunale Veranstaltungen genutzt. So finden hier Gemeindenachmittage, Sitzungen des Gemeindekirchenrates, der gemeinsame Konfirmandenunterricht für drei Pfarrsprengel, Pfarrkonvente und Bibelwochen-Nach-mittage für die gesamte Region statt. Die Gemeinde Gumtow nutzt die Pfarrscheune für Einwohnerversammlungen und als Wahllokal. Auch der Ortsbeirat tagt hier. Gerne mieten Familien aus dem Dorf und der Umgebung die Pfarrscheune für Familienfeiern. Auch Gemeindekirchenräte aus der Region nutzen sie für Klausurtagungen. Seit Jahren findet das jährliche Dorffest auf dem Pfarrhof und im Pfarrgarten statt. Wir sind bis heute dankbar für das so geschaffene Kleinod auf dem Kolreper Pfarrgelände.

 

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Regionalbetreuer des Förderkreises Alte Kirchen berichten

GOLLWITZ (Potsdam-Mittelmark)

Förderverein für die Dorfkirche gegründet

Eine schmale Allee führt von Wusterwitz durch die feuchten Wiesen nach Gollwitz. Das kleine Dorf findet sich in idyllischer Einsamkeit etwa 20 km westlich der Domstadt Brandenburg. Die niedrigen Häuser liegen hinter Vorgärten an der erneuerten und mit jungen Bäumen gesäumten Dorfstraße. Der “Bunte Dörferweg”, eine touristische Fahrradroute, führt durch Gollwitz. Mitten im Dorf steht eine Tafel mit Text und Bildern zur Geschichte des Dorfes. Früher hatte der Ort um die 150 Einwohner. Jetzt hält sich die Bevölkerung stabil bei etwa 70 Einwohnern.

Die Dorfkirche liegt ein wenig zurück, aber gut sichtbar, auf einer eingefriedeten, jetzt nur noch zu einem geringen Teil als Friedhof genutzten Wiese. Kirchenschiff, Chor und Apsis wurden im 13. Jahrhundert aus gespaltenen Feldsteinen gemauert. Etwa um 1700 wurde der Innenraum mit reich verziertem Kanzelaltar, Patronatsgestühl und Kommunionsgitter im barocken Stil ausgestattet. Auf dem mit Biber-Ziegeln gedeckten Satteldach hockt über dem Westgiebel ein Uhr- und Glockenturm von 1878. Die Empore, die Orgel und die Ausmalung stammen aus der Zeit vor dem 1.Weltkrieg.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Kirche vernachlässigt. Der hölzerne Turmaufsatz ist so marode und instabil, dass eigentlich nicht mehr geläutet werden dürfte. Der Mörtel des Sockelmauerwerks ist zerbröselt. Das Gefüge der Außenwände zeigt kräftige Risse. Die Biberdeckung der Hauptdächer weist zahlreiche notdürftige Flicken auf und ist insgesamt verschlissen. Die innere Ausstattung wurde wohl vor 100 Jahren zum letzten Mal renoviert. Die Orgel ist unspielbar. Noch findet aber in der Gollwitzer Dorfkirche mindestens einmal im Monat ein Gottesdienst statt.

Doch jetzt tut sich mehr. Bestandszeichnungen, Schadensanalysen, ein restauratorisches Gutachten und die zur Instandsetzung des denkmalgeschützten Bauwerks erforderliche Genehmigungsplanung liegen vor. Um der Kirchengemeinde bei der Instandsetzung der Dorfkirche zu helfen und kulturelle Veranstaltungen zu organisieren, hat sich im März 2014 der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche gegründet. Ein Faltblatt soll auf das Ziel des Vereins aufmerksam machen und Spenden einwerben. Der Verein bewirbt sich beim Förderkreis Alte Kirchen um ein Startkapital 2014.

Text und Foto: Hans Tödtmann

VOGELSDORF (Märkisch-Oderland)

Festliches Jubiläum unterm schiefen Turm

Mit ihrem altrosa Anstrich, der ursprünglichen Farbfassung, ist die kleine Vogelsdorfer Kirche ein Hingucker an der viel befahrenen Bundesstraße B1/B5. Wie die Chronik berichtet, hat sie der Patron Sigismund von Görtzke im Jahr 1714 an Stelle eines Vorgängerbaues aus dem 13. Jahrhundert erbauen lassen.

Der Turm, über der Kirche selbst errichtet und deshalb im Kircheninneren von Säulen getragen, neigt sich&xnbsp; wahrscheinlich schon seit seinem Bau ein wenig zur Kirche hin, ist so&xnbsp; gleichsam ein Wahrzeichen von Vogelsdorf. Eine Untersuchung im Jahre 1898 ergab, dass eine Gefahr dadurch nicht besteht. Das Innere der Kirche ist 1903 erneuert worden. Nur eine der Glocken hat den 2. Weltkrieg überstanden. In den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten.

Im Juni feiert die Vogelsdorfer Kirche nun ihr 300-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen, mit einem Festgottesdienst und einem bunten Gemeindefest am 29. Juni. Gäste sind herzlich eingeladen.

Uwe Donath

LANKE (Barnim)

Bauarbeiten begannen – sichtbare Erfolge

Im Juni 2013 hatte der FAK dem Förderverein Lanke e.V. zur Sanierung der Aussegnungskapelle als Kofinanzierung eine Förderung von 2.000 Euro gewährt. Die Bauarbeiten begannen kurz darauf, so dass nunmehr erste Fortschritte zu erkennen sind.

Die Kapelle wurde umfänglich vom Wildwuchs befreit, der Dachstuhl vollständig erneuert und das Dach mit historischen Ziegeln eingedeckt. Noch sind die Arbeiten nicht beendet und der Förderverein diskutiert noch lebhaft über die weitergehende Nutzung. Mit Neugier beobachten wir die weitere Entwicklung und werden demnächst wieder darüber berichten.&xnbsp;

Text und Foto: Carsten Lange

 

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Aus dem Vortrag von Wolfgang Thierse auf dem Neujahrsempfang 2014 des Förderkreises Alte Kirchen

Die Zukunft der Vergangenheit

Schrumpfende Dörfer, schwindende Gemeinden – was geschieht mit den Kirchen in unserem Land?

Für uns Deutsche mag und soll auch gelten, dass Selbstvergewisserung und Selbstermunterung nicht nur zu gewinnen ist aus der Erinnerung an geschichtliche Katastrophen, an die negativen Seiten unserer Geschichte, sondern auch durch den Bezug auf unsere positiven geschichtlichen Entwicklungen und Ereignisse. Auch Deutschland hat eine Freiheitsgeschichte, an die zu erinnern auf legitime Weise identitätsstiftend sein kann!

Sie selbst, der Förderkreis Alte Kirchen und seine vielfältigen Aktivitäten in Dörfern und Städten, die von Bürgern getragenen Anstrengungen zum Denkmalschutz – sie sind ein staunenswertes Faktum und ein Beweis für das konstatierte Interesse an der Vergangenheit.

Die Vergangenheit hat also Konjunktur (das mag manchem lästig erscheinen). Die Vergangenheit hat starke, unübersehbare Gegenwart! Hat sie auch Zukunft?

Um diese Frage – über die Hoffnung hinaus (die wir gewiss alle hier haben) – zu beantworten, muss man nach den tiefer liegenden Gründen, nach den tiefer liegenden Motiven für das Interesse an der Vergangenheit fragen.

Lassen Sie mich einige Aspekte solcher Begründungszusammenhänge skizzieren und damit die emotionale, kulturelle, geistige Situation beschreiben, in die die Bemühungen um die alten Kirchen ziemlich gut passen, um deren Erhaltung, Öffnung, ihr neues Verständlichmachen.

Wir leben in Zeiten rasanten wirtschaftlichen, technischen, wissenschaftlichen Wandels, in Zeiten politischer, sozialer, ideeller Verunsicherungen, kultureller und kommunikativer Beschleunigung und Entgrenzung – “Globalisierung” heißt das Schlagwort. Das ehedem geradezu pathetisch geglaubte Modernisierungsparadogma ist in die Krise geraten, der Fortschrittsoptimismus nicht mehr ungebrochen.

Das alles mag ganz unterschiedlich intensiv, unterschiedlich bewusst erlebt werden. Aber es erzeugt doch, so jedenfalls meine Beobachtung, eine stärkere Herkunftsneugier, eine neue Beheimatungssehnsucht.

Die vielfache Erfahrung der Schmerzen des Wandels, die Anforderungen an individuelle Flexibilität und Disponibilität, an die Entwertung von Wissen und Erfahrung, das Näherrücken von Fremden und Fremdem und das Unsicherwerden des Eigenen, die Gegenwärtigkeit des kulturell Unterschiedlichen, stärker werdenden Identitätsunsicherheiten.

All das erzeugt ein erneutes, sich immer wieder erneuerndes Vergewisserungsbedürfnis, ein Bedürfnis nach Sicherheit. Und dabei geht es um mehr als soziale Sicherheit, um die der Sozialstaat sich zu kümmern, für die er zu sorgen hat. Es geht um menschliche Sicherheit – um Geborgenheiten also, um Zuordnungen zu Gemeinschaften und Verbindlichkeiten, um Beheimatungen …

Diese Sicherheits- und Vergewisserungsbedürfnisse aber weisen weit über Politik hinaus. Die Verantwortung für das Fundament unserer Freiheit tragen alle kulturellen Kräfte einer Gesellschaft – und in besonderer Weise Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und die Zivilgesellschaft insgesamt.

Es geht um den kulturellen Kanon unserer Gesellschaft. Was muss an Bildung, an kulturellem Wissen, an geschichtlicher Erinnerung mindestens vorhanden sein, damit überhaupt so etwas wie Verständigungsprozesse in einer insgesamt höchst widersprüchlichen Gesellschaft möglich sind?

Der Zusammenhalt einer widersprüchlichen, pluralistischen Gesellschaft gelingt nur, wenn sie auch eine Erinnerungsgemeinschaft ist, sich um die Vergangenheit bemüht. Das sollten wir wissen, denn es begründet auch unsere Arbeit für das Lebendighalten “des Alten”. “Was nütze das Gerede vom Dialog der Kulturen, wenn wir im Zuge der Globalisierung die eigene Kultur, sprich: die Geschichten und Bilder, die unser kulturelles Wissen, unsere Weltsicht, unser Verhalten, unsere Emotionalität geprägt haben, verlieren?” So fragt der holländische Autor Cees Nooteboom in einem Beitrag der Wochenzeitung “Die Zeit”. Was geschieht, “wenn eine Kultur sich langsam, aber gründlich ihrer Wurzeln entfremdet? Zur selben Zeit, da wir unsere eigenen Bilder verlieren, weil wir die Geschichten, aus denen sie hervorgegangen sind, nicht mehr kennen, werden wir durch die Globalisierung mit dem überschwemmt, was der Kommerz sich für uns ausgedacht hat und gleichzeitig, um die Verwirrung komplett zu machen, mit den Bildern und Symbolen der anderen. Wenn eine Kultur sich langsam, aber gründlich ihrer Wurzeln entfremdet, was geschieht dann?”

Das ist, vermute ich, genau die Frage, die Sie motiviert, die Sie zum Engagement für alte Kirchen führt.

Dieses Engagement widerspricht der sich einstellenden Resignation angesichts schrumpfender Dörfer und schwindender Gemeinden. Es wird erbracht von Menschen, die ihre eigene Welt eben nicht verloren geben, die sie zu erhalten, wiederzugewinnen, neu zu verlebendigen versuchen. Die eine Erbschaft nicht ausschlagen, sondern annehmen, sie öffnen und verständlich zu machen versuchen.

Als historische Zeugnisse und als Kunstwerke ermöglichen die alten Kirchen den Zugang zu einem Text, einer Botschaft, die Vielen fremd geworden oder unbekannt ist – weil dieser Text, diese Botschaft ein Angebot machen, wenn es gut geht, für Herkunftsneugier und Beheimatungssehnsüchte, für Entschleunigungs- und Vergewisserungsbedürfnisse und deren Befriedigung. Wie kann das gelingen? Wie kann diese Vergangenheit, diese Erbschaft Zukunft haben?

Dem Heft “Offene Kirchen 2012” habe ich folgende Zahlen entnommen: Auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg (vom Jahr 2005) stehen: 1.365 Dorfkirchen, 235 weitere Kirchen, 22 Klosterkirchen, 19 Hospitalkapellen, 34 Friedhofskapellen und eine Synagoge. Welch‘ reiche Erbschaft! Welche Last auch, so mögen andere angstvoll sagen. Wie soll man die alle erhalten, pflegen, offen und lebendig halten? Angesichts von immer weniger Gläubigen und Gottesdienstbesuchern, immer weniger Kirchensteuerzahlern? Eine verständliche Sorge. Und Nüchternheit ist wahrlich auch angemessen, ja. Aber nicht angsterfüllte Resignation.

In einem früheren Heft “Offene Kirchen” schrieb ein ehemaliger Arbeitskollege von mir, der sich für den Erhalt seiner Dorfkirche sehr engagiert hat (und von dem ich weiß, dass er keiner Kirche angehört): “Nützlich kann vielleicht die Umkehrung der Argumentationskette sein. Wir sollten nicht fragen: Was machen wir mit einer Kirche, die niemand mehr besucht? Die Existenz eines bedeutenden Baudenkmals, eines letzten verbliebenen öffentlichen Raumes sollte vielmehr als Chance begriffen werden. Hier kann ein Ort entstehen, für den sich Christen und Nichtchristen zusammen engagieren, ein Ort, der wegen seiner besonderen Qualitäten Gemeinschaft ermöglicht …” — So Dieter Kliche aus der Erfahrung seines Engagements (als Berliner) für seine Dorfkirche: “Als wir, einige Teetzer und Berliner, dem Verfall der Kirche nicht mehr tatenlos zusehen wollten, gründeten wir unter der Obhut des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg den Förderverein Dorfkirche Teetz e.V. und schrieben in unsere Satzung als zentrales Vereinsziel: Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde bei der Sanierung und dauernden Erhaltung der Kirche in Teetz. Es kam uns von Anfang an darauf an, das Kirchengebäude als Gotteshaus zu erhalten, das sich aber auch öffnet für andere, im weitesten Sinne kulturelle Zwecke und als Ort des ländlichen Gemeinwesens. In der Gemeinschaft von Förderverein und Kirchengemeinde, im Zusammenspiel von Christen und Bürgern, in Verbindung des Engagements für ein Gotteshaus und ein Baudenkmal – in dieser doppelten Bezogenheit wollten wir unser Engagement verstanden wissen. Schritt für Schritt erfolgte die Rückeroberung des imposanten Backsteinbaus. Jeder der zurückgelegten Schritte war nicht nur ein Fortschritt bei der Sanierung, sondern bildete neuen Gemeinsinn.”

Wenn es also gut geht, schafft die denkmalpflegerische Fürsorge einer Dorfgemeinschaft für ihr Kirchengebäude eine emotionale Beziehung, eine neue Vertrautheit mit dem Kirchengebäude.

Kirchengebäude zu erhalten und/oder neu zu eröffnen heißt, Zeichen der Hoffnung zu setzen, die die Gegenwart überdauern. Diese Überzeugung sollte selbstverständlich sein für die Kirche, für die Gläubigen. Bischof Markus Dröge meint: “Auf jeden Fall plädiere ich dafür, zeitweise nicht benötigte Kirchen wenigstens in ihrem Baubestand zu sichern. Eine nächste Generation sollte die Chance haben, sie wieder mit Leben zu füllen.” – Das ist das Mindeste (meine ich).

Ich zitiere Petra Bahr, die Kulturbeauftragte der EKD: “Schon durch ihre bloße Existenz sind Kirchengebäude Kulturvermittler. Kirchen sprechen nicht erst, wenn man in sie hineingeht, sondern sind mit ihrem Turm und ihrer Silhouette Markierungen dafür, dass hier etwas Anderes ist. Offene Kirchen wiederum sind symbolische Angebote, diesen anderen Ort auch zu betreten. Die Stille an einem fremden Ort – der Altar, die Kirchenbänke, die Orgel. Das alles sind sprechende Zeichen, die nicht nur kulturhistorisch bedeutsam sind, sondern auch für Menschen bedeutsam werden können.”

Wenn ich’s etwas locker sagen kann: Das protestantische Verhältnis zu ihren Kirchen sollte oder könnte durchaus etwas katholischer werden! (Das wäre auch im ökumenischen Sinne sinnvoll.)

Hierher gehört ein Wort zur Kirchenpädagogik. Welche Bedeutung die Gestalt einer Kirche hat, die Aussage der Altäre und Bilder, die Sprache der Kanzeln, Taufbecken und -Engel, Bänke und Fenster zu verstehen, das alles kann und muss man neu lernen – die Kirchgemeindemitglieder zuerst und dann auch die Dorf- bzw. Stadt-Bürger und die Gäste und Touristen. Da ist viel Wissen verloren gegangen und wiederzugewinnen!

Und zum Glück gilt auch nicht mehr das alte Vorurteil: Evangelische Kirchen sind geschlossene Kirchen. Der Aktion Offene Kirchen sei Dank!

Sie kennen den Slogan: “Die Kirche bleibt im Dorf, wenn das Dorf in der Kirche bleibt.” Das heißt nichts anderes als: Die Mitverantwortung der Ortsbürger für die Kirche muss sichtbar sein, muss möglich sein, mehr noch: sie ist geradezu existenziell notwendig.

Nun haben sich in den vergangenen 20 Jahren in vielen Orten Vereine gebildet, die sich für die Instandsetzung ihrer Kirche einsetzen, die sich ehrenamtlich dafür engagieren, dass die Kirche im Dorf bleibt. Nicht selten sind diese Vereine die einzigen soziokulturellen Akteure der Gemeinde. Nicht selten auch ist das eine Mischung aus Alteingesessenen und Neubürgern oder Wochenendbürgern, also Berlinern: soziale Gemeinschaftsbildung durch Engagement für eine Kirche!

Das Ziel ist dabei immer – und das halte ich für wichtig: Die Kirche zuerst und vor allem als Gottesdienstraum zu erhalten oder wiederzugewinnen und sie dann auch und danach für kulturelle Zwecke zu nutzen, als Konzert- und Veranstaltungsraum, als Bildungsort, als Ort schließlich für Feste und Feiern der Dorfgemeinschaft.

Das ist – Sie wissen das besser als ich – oft mühsam; man eilt nicht von Erfolg zu Erfolg; man muss gegen Resignation, Desinteresse, Geldmangel ankämpfen. Und man muss erfinderisch sein.

Ich bin überzeugt, dass Vergangenheit Zukunft hat, dass die alten Kirchen eine Chance haben, eine Chance sind.

Herkunftsneugier und Beheimatungsbedürfnis sind bei vielen Menschen vorhanden, wachsen gar. Ebenso das Interesse an Vergangenem, an Unvertrautem, an Fremdem.

Wenn wir es nutzen und immer neu das Angebot offener Kirchen machen, die Einladung nicht nur zum Besuch, sondern auch zur Beteiligung an ihrer Nutzung, ihrer Lebendigkeit aussprechen – ohne Scheu, ohne Ängste – , aber ohne zu vergessen, dass sie zuerst Gottesdiensträume waren und sind – dann sollte es gelingen.

Ich wünsche Ihnen allen und besonders dem Förderkreis Alte Kirchen ein gutes Jahr 2014!

Den vollständigen Vortrag könne Sie in der Rubrik Dokumente lesen oder als pdf-Datei herunterladen.

 

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Ein Brief an unseren Förderkreis

Für mehr Verständnis und Partnerschaft

Über das teils schwierige Verhältnis zwischen Fördervereinen und Evangelischer Kirche

In der Ausgabe September 2013 berichtete das Mitteilungsblatt Alte Kirchen über eine Kirchentour mit Cornelia Behm durch den Landkreis Teltow-Fläming und über die kunsthistorisch bedeutende Dorfkirche Waltersdorf. Darin wurde bedauernd angemerkt, dass die EKBO weder für Waltersdorf noch für die Kirche in Halbe Mittel für dringende Sanierungsmaßnahmen bereitstellt.

Hier ein Echo aus dem Baubüro im Evangelischen Kirchenkreisverband Süd:

In den Artikeln drückt sich eine Haltung aus, die uns im Miteinander von Verfasster Kirche und Fördervereinen immer wieder Probleme bereitet: Erhalten Kirchengemeinden und ihre Kleinode nur geringe oder keine finanzielle Unterstützung von Landeskirche oder Kirchenkreis, wird das mit der Verfalls-Preisgabe dieser Kirchen durch die genannten Institutionen gleichgesetzt.

Hier werden völlig falsche Fronten eröffnet. Was wir hinsichtlich des Verfalls von Kirchen erleben, das ist nicht Desinteresse oder Unverständnis von Landeskirche und Kirchenkreisen für die Sorgen und Nöte vor Ort. Es ist vielmehr der sichtbare Ausdruck einer Überforderung sowohl der Kirchen als auch der Gesellschaft. Würde die Kirche ihre Bau-Mittel mit der Gießkanne verteilen, käme nirgends so viel an, dass nachhaltige Sanierungen durchgeführt werden könnten. In den genannten Fällen handelt es sich um Kirchen, die in der von der Kreissynode beschlossenen Schwerpunktsetzung gegenwärtig ganz hinten anstehen.

Das bedeutet keinesfalls, dass man sich dort nicht des Handlungsbedarfs bewusst wäre. Und es bedeutet auch nicht, dass es keine Überlegungen zu alternativen Konzepten gäbe. So ist für Halbe mehrfach von den hier Unterzeichnenden mit örtlichen Akteuren über eine besondere Aufgabe der Kirche im Rahmen der öffentlichen Erfahrbarmachung der Kriegsgräberstätten nachgedacht worden. Bis heute leider ohne Ergebnis. Und Waltersdorf war bereits als “Prototyp” für eine radikale Notsicherung im Gespräch, um die Schadensentwicklung wenigstens zu bremsen.

Wir freuen uns an jedem erhaltenen, sanierten oder neu gebauten Kirchengebäude und trauern über jeden Abbruch, jedes Zurückweichen. Die Mittel zur Förderung von Kultur – hier der Baukultur – werden gekürzt oder verlagert, hin zu Denkmalen, die allenfalls als Werbeträger dienen, oder zur disneyhaften Rekonstruktion von Schlössern, weg von der flächendeckenden Erhaltung gewachsener kultureller Werte. Das ist die eigentliche Problematik.

Unsere Kirche ist und bleibt Kulturträger. Sie muss dafür aus Gründen der Vernunft, des Rückgangs der Mitgliederzahlen und somit der Einnahmen mit Schwerpunktsetzungen wirtschaften. Förderkreis und Fördervereine betrachten wir hierbei als Partner im harten Ringen hin zum Bewahren und Aufbauen kultureller Werte und weg von einer Gesellschaft, die sich selbstvergessen einem Fortschritt hingibt, der sich nur noch der Mehrung materiellen Reichtums, nicht aber des Ideellen verschreibt.

Manfred Guder und Tina Kapp,
Baubeauftragte der Kirchenkreise Neukölln und Zossen-Fläming

 

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Auf dem Weg zu nachhaltigen Strategien in der Denkmalpflege

Die Franckeschen Stiftungen in Halle sind im Oktober Gastgeber für die zweite internationale Konferenz des europäischen Verbandes zur Bewahrung historischer Gottesdienststätten (FRH)

Der europäische Verband zur Bewahrung historischer Gottesdienststätten “Future For Religious Heritage” (FRH) hat für seine diesjährige Konferenz vom 29. bis 31. Oktober die Stadt Halle an der Saale als Tagungsort gewählt – einen historisch, kirchlich und kulturell bedeutenden Standort, verbunden mit dem Wirken Händels, mit der Martin-Luther-Universität und den weltbekannten Franckeschen Stiftungen, die auch Gastgeber sein werden. In den Beratungen geht es vorrangig darum, nachhaltige Strategien zur Bewahrung und Nutzung vor allem historischer Gottesdienststätten im ländlichen Europa des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Mit der Wahl eines mitteleuropäischen Konferenzortes will FRH auch einen besonderen Akzent nach Osten setzen.

Insbesondere die Bürgerbeteiligung in Dörfern und Städten sowie verschiedene Stiftungs- und Vereinsmodelle zur Betreuung und gegebenenfalls Übernahme gefährdeter Bauten werden im Mittelpunkt stehen. Beispiele für Erhaltung und angemessene Nutzung von Kirchen im ländlichen und städtischen Raum wird eine Exkursion zeigen, die auch den Besuch einer historischen ehemaligen Synagoge einschließt.

Der FRH als Träger der Tagung wird unter anderem unterstützt durch seine deutschen Mitglieder, die Förderkreise Alte Kirchen Marburg und Berlin-Brandenburg, sowie den Verband von Kirchenbauvereinen in Sachsen-Anhalt, die Stiftung und den Förderkreis Entschlossene Kirchen in Anhalt, die Katholische Akademie im Bistum Magdeburg und künftig auch durch weitere lokale, regionale und nationale Partner und Sponsoren.

Der internationale Verband “Future for Religious Heritage” mit Sitz in Brüssel wurde 2011 gegründet und nach belgischem Vereinsrecht eingetragen. Vorsitzender ist der Franzose Olivier du Rohan-Chabot. Voraus gegangen war eine Gründungstagung in Canterbury mit etwa 80 Teilnehmern aus mehreren Ländern Europas, initiiert u. a. vom Denkmalschutzverband Europa Nostra und seinem deutschen Mitglied, dem Förderkreis Alte Kirchen e. V. in Marburg, der seit 1973 bei der Rettung insbesondere von Dorfkirchen in Hessen aktiv ist. Gründungsmitglieder des neuen Verbandes waren auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V., der Verein Sauvegarde de l'Art Francais, der sich seit mehr als 60 Jahren für die Rettung vom Verfall bedrohter Kirchen und Kapellen auf dem Lande in Frankreich einsetzt, Vertreter der skandinavischen (Staats-) Kirchen, die Anglikanische Staatskirche und ihre Stiftungen Churches Conservation Trust und der National Churches Trust, das englische Denkmalamt English Heritage sowie andere Vertreter und Personen aus Europa und Kanada.

Der FRH ist überkonfessionell geprägt und seine Arbeit schließt alle christlichen Kirchen, Synagogen, Moscheen und Gottesdienststätten anderer Glaubensgemeinschaften ein. Er versteht sich als übergreifender Verband von Vereinen, Verbänden, Stiftungen, kirchlichen und staatlichen Institutionen, von korporativen und assoziierten Mitgliedern.

Die erste ordentliche zweijährliche Tagung mit anschließender Mitgliederversammlung wurde unter dem Thema “Erweiterte Nutzung von Kirchen” 2012 in Venedig durchgeführt, wo sich inzwischen mehrere Kirchen und Klöster für eine erweiterte, meist kulturelle Nutzung geöffnet haben.

Die säkularisierten westlichen Gesellschaften erfahren immer deutlicher, wie ihr geistlich-kulturelles Erbe von einem ungebremsten Materialismus, einem durchdringenden Wirtschaftsdenken und einem vordergründigen Nutzenkalkül bedrängt wird. Die Erhaltung und Nutzung von Gottesdienststätten, ihren Ausstattungsgegenständen und Kulturgütern aller Art, die größte und zahlreichste Denkmalgattung Europas überhaupt, ist eine der höchsten denkmalpflegerischen Herausforderungen im 21. Jahrhundert.

Wie schon nach der Reformation im 16. Jahrhundert, der Säkularisierung in katholischen Ländern im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert oder in den kommunistisch regierten Ländern Mittel- und Osteuropas im 20. Jahrhundert werden Kirchen, Klöster und Kapellen aufgegeben, geschlossen, für andere Zwecke benutzt oder gar abgebrochen und gehen unwiederbringlich verloren.

Heute geschieht dies, fast lawinenartig, in den Niederlanden, zunehmend auch in Belgien. In Frankreich haben Staat und Kommunen, Eigentümer aller vor 1905 erbauten Kirchen und Kapellen, zunehmend Schwierigkeiten, sie zu erhalten. In Deutschland sind insbesondere moderne katholische Kirchenbauten von Aufgabe, Schließung und Abbruch bedroht. Auch wertvolle Ausstattungen von Kirchen sind überall stark gefährdet.

Nach der Wiedervereinigung konnten in Ostdeutschland sehr viele Kirchen vor dem endgültigen Verfall gerettet werden dank der Hilfe von Bund und Ländern, Kirchen, Stiftungen sowie vieler für Einzelkirchen gegründeter Fördervereine. Kirchen, Kapellen und Klöster mit ihren Schätzen werden heute durch zahlreiche Projekte und Programme wie “Offene Kirchen” der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Viele Kirchen und Gottesdienststätten in Deutschland haben dadurch neue, erweiterte, insbesondere kulturelle Nutzungen erfahren.

Diese Arbeit kann auch Vorbildcharakter für andere Länder haben, zum Beispiel für die Niederlande und Belgien, aber auch für skandinavische Länder, die Länder Südeuropas, Mittel- und Osteuropas, wo Fördervereine, Verbände und Stiftungen mit starker Bürgerbeteiligung zur Erhaltung von Gottesdienststätten bis heute kaum oder gar nicht bekannt sind.

Angus Fowler / Dr. Uwe Otzen

Anmeldungen und weitere Informationen: www.futurereligiousheritage.eu

 

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Die mittelalterlichen Wandmalereien im Prignitzdorf Demerthin

Ein Broschüren-Projekt des FAK und der Familie von Klitzing

In Demerthin, einem Prignitzdorf nordwestlich von Kyritz, befindet sich eine der vielen mittelalterlichen Feldsteinkirchen der Mark Brandenburg. Mit dem Dorf und seinem ehemaligen Rittergut ist die Geschichte der Familie von Klitzing spätestens seit der Belehnung durch Markgraf Friedrich den Jüngeren im Jahr 1438 eng verbunden. Um das Jahr 1430 hatte die Patronatsfamilie die Feldsteinkirche bauen lassen und etwas später für das Innere umfangreiche und in ihrer Qualität für die Region einzigartige Wandmalereien in Auftrag gegeben. Das Gebäude-Ensemble der Kirche und des im Äußeren wieder instand gesetzten Renaissance-Schlosses am Rande des ehemaligen Rundlingsdorfes ist bis heute erhalten geblieben.

Nach der Reformation wurden die Malereien in der Kirche als nicht mehr zeitgemäß übertüncht und erst 1968 von der Denkmalpflege wieder freigelegt. Die ca. 25 erhaltenen Einzeldarstellungen, die sich über drei Innenwände erstrecken, zeigen die Passionsgeschichte, Apostel und Heilige. Leider wurden die Wandmalereien bisher nicht denkmalgerecht dokumentiert und auch sonst wenig beachtet. Eine von Nachkommen der Patronatsfamilie von Klitzing gegründete Arbeitsgruppe, die dies ändern will, fand die Unterstützung durch den FAK.

Gemeinsam wird nun eine Broschüre erarbeitet, durch die eine breitere Öffentlichkeit auf die wertvollen Wandmalereien in Demerthin aufmerksam gemacht werden soll. Die Botschaften der Kirchenwände werden Bild für Bild erklärt. Dazu haben sich Dr. Gottfried Kawalla, Superintendent im Ruhestand, und der Religionspädagoge Prof. Dr. Gottfried Adam (beide Hannover) bereit erklärt. Friedrich von Klitzing (Bonn) beschreibt die Rolle der Patronatsfamilie von Klitzing. Gordon Thalmann, Denkmalpfleger und Bauhistoriker (Perleberg) dokumentiert die Baugeschichte der Kirche an Hand neuester Befunde. Dr. Peter Knüvener (Hannover) hat die kunstgeschichtliche Bewertung übernommen. Die Gesamtansichten und sämtliche Details der Wandbilder wurden bereits vom Fotografen Bernd Schönberger (Berlin) professionell erfasst (oben ein Ausschnitt).

Herausgeber wird der Förderkreis Alte Kirchen sein, dessen Regionalbetreuer für die Prignitz Wolf-Dietrich Meyer-Rath die Redaktion übernommen hat. Die Broschüre wird im Lukas-Verlag erscheinen. Die Kirchengemeinde Demerthin, der Kirchenkreis Kyritz-Wusterhausen, Friedrich von Klitzing als “spiritus rector” des Broschürenprojektes und viele Mitglieder der Familie von Klitzing sind mit Spenden für die Fotodokumentation und einen Teil der Druckkosten bereits in Vorlage gegangen. Die fertige Broschüre wird zum Tag des Offenen Denkmals 2014 (Motto: “Farbe") in der zentralen Veranstaltung des Landkreises Prignitz der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für Juni 2015 ist eine Fachtagung zu mittelalterlichen Bildwerken in der Mark Brandenburg geplant, die ebenfalls in Demerthin stattfinden soll.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, erbitten wir eine Spende auf das Konto des Förderkreises Alte Kirchen
Ev. Darlehnsgenossenschaft, Kontonummer 795810, BLZ 21060237, Stichwort “Spende Dorfkirche Demerthin”

 

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DOKUMENTATIONEN zu Aspekten und Ergebnissen der Denkmalpflege

Das bewegte Schicksal eines Retabels

RESTAURIERT: die Figur des Andreas aus dem Hochaltarretabel der Marienkirche Prenzlau

Das 500. Jubiläum des Hochaltarretabels in der Prenzlauer Marienkirche war Ende 2012 Anlass für eine interdisziplinäre Tagung im Prenzlauer Dominikanerkloster. Kunsthistoriker und Restauratoren wollten mit der Tagung und deren Dokumentation Öffentlichkeit und Fachwelt an das spätmittelalterliche Meisterwerk erinnern, das bisher zu wenig Beachtung fand. Die Dokumentation liegt nun vor.

In ihren Beiträgen erläutern die Autoren den geschichtlichen und künstlerischen Hintergrund der Entstehung und verschiedene Aspekte der Restaurierung des Retabels, das beim Brand der Kirche kurz vor Kriegsende stark beschädigt wurde. Der Altarschrein und die bemalten Seitenflügel gingen verloren, erhalten blieben nur Teile des Schnitzwerks und die Figuren, die 1991 auch noch gestohlen wurden. Nicht alle kehrten ein Jahr später zurück, einige stark beschädigt. Die sorgfältige Restaurierung dauert bis heute an. Seit 1997 stehen die geretteten Skulpturen in einem neuen, schlichten Schrein wieder am ursprünglichen Ort.

Historische Aufnahmen aus der Vorkriegszeit zeigen die einstige Pracht und Vielfalt des Retabels vor den Beschädigungen. Fotos der geretteten Kunstschätze dokumentieren die meisterliche Arbeit der Restauratoren.

Eine wesentliche Ergänzung zum Verständnis der Entstehungszeit sind Textbeiträge, die auch Beispiele spätmittelalterlicher und nachreformatorischer Baukunst im Umfeld vergleichend heranziehen.

Eva Gonda

Das Hochaltarretabel in der Prenzlauer Marienkirche; Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Lndesmuseums Nr. 28 (2013);
Lukas Verlag Berlin; 134 Seiten; 218 überwiegend farbige Abbildungen; 21,0 x 29,7 cm; ISBN 978-3-86732-180-8; 15,00 €

Höhepunkt gotischer Klosterbaukunst

Die 1273 vom nahen Pehlitzwerder nach Chorin verlegte Anlage des Zisterzienserklosters, die den brandenburgischen Markgrafen der johanneischen Linie als Hauskloster und Grablege diente, erlebte nach der 1542 erfolgten Säkularisierung eine äußerst wechselvolle Geschichte. Die Gebäude wurden landwirtschaftlich genutzt; so diente der ehemalige Kapitelsaal als Pferdestall, und im Querschiff der Klosterkirche, über den Gräbern der Askanier, hielt man Schweine. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Klostergebäude gebrandschatzt und teilweise zerstört; bis ins 19. Jahrhundert dienten sie zur Gewinnung von Baumaterial.

Nach Planungen des Architekten Karl Friedrich Schinkel und des Gartenkünstlers Peter Johann Lenné wurden ab 1810 erste Schritte zur Restaurierung und zur Gestaltung der Umgebung begonnen. Ab 1861 befand sich die Ruine im Eigentum der preußischen Forstverwaltung. Ab 1992 schließlich erfolgten eine umfassende Substanzuntersuchung und die Erstellung eines Restaurierungskonzeptes als Grundlage für die bis heute andauernde Instandsetzung der Anlage. Die Ruine der Klosterkirche, die als “Höhepunkt gotischer Klosterbaukunst in der Mark Brandenburg” gilt, und die gesamte Anlage sind heute zum Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen geworden. Das nun vorliegende Buch dokumentiert in beeindruckender Weise die Ergebnisse und Erkenntnisse, die während der Bauarbeiten der letzten zwanzig Jahre gewonnen werden konnten, und stellt sie in einen Gesamtzusammenhang.

Bernd Janowski

Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege (Hg.): Zisterzienserkloster Chorin. Geschichte - Forschung - Denkmalpflege. (Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg, Band 15); Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013; 228 S.; 242 Abb.; ISBN 978-3-88462-342-8; 45,00 €

Gebautes Erbe

Ein kurzer Leitfaden zur regionalen Baukultur

Jede Region zeichnet sich durch eine Kultur des gebauten Erbes aus. Bestimmte Materialien, Bautechniken und eine daraus abgeleitete Formensprache prägen die jeweilige Kulturlandschaft. Immer häufiger jedoch müssen wir erleben, dass ein seelenloses Fertighaus aus dem Katalog oder ein so genanntes “Architektenhaus” das historisch gewachsene Bild eines Dorfes missachtet und zerstört.

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat nun einen kurzen Leitfaden zur regionalen Baukultur veröffentlicht, der Anregungen zur Erhaltung gewachsener Dorfstrukturen, zum Bauen im Bestand und damit zur Bewahrung von “Heimat” im weitesten Sinne gibt.

Das Heft kann kostenlos bestellt werden unter Tel. 0228 224091 bzw. per E-Mail: bhu@bhu.de.

 

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Da wo es klingt, da lass dich ruhig nieder...

Konzerte und Kuchen

Prof. Dorfmüller an der Silbermann-Orgel in Lebusa

Seit 2004 hat der Förderkreis Alte Kirchen Kontakt zu Prof. Dr. Joachim Dorfmüller, einem renommierten Kirchenmusiker, der an der Universität Münster/Westfalen lehrt. Damals hat er die Eröffnung unserer Ausstellung in Wuppertal musikalisch umrahmt, seitdem hat er auch in Berlin zugunsten des FAK und der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gespielt.

Nun war es gelungen, ihn für drei Konzerte in kleinen Dorfkirchen am Wochenende nach Ostern zu gewinnen, wobei der "Köder" die Silbermann-Orgel in Lebusa (Elbe-Elster) war. Prof. Dorfmüller erläuterte zunächst und spielte dann Werke von J. S. Bach, Ph. E. Bach, J. Haydn, F. Mendelssohn-Bartholdy, W. A. Mozart, R. Wagner und E. Grieg in den Kirchen von Siethen und Märkisch Wilmersdorf (beide Teltow-Fläming) und hatte ein dankbares Publikum. Das Konzert in Lebusa fand zugunsten der benachbarten Kirche von Waltersdorf (Teltow-Fläming) statt, was besonders berührend war, denn hier zeigte sich gelebte Nachbarschaftshilfe nicht nur über die Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg, sondern auch zwischen der Mitteldeutschen Kirche und der EKBO. "Das Konzert ist unser Dank an den Förderkreis Alte Kirchen", sag-te Andrea Richter vom Förderverein Orgel- und Kulturzentrum Le-busa. "Er hatte für uns auch einmal ein Benefizkonzert in einer fremden Kirche organisiert." Den gastgebenden Gemeinden konnten jeweils mehrere Hundert Euro an Spenden übergeben werden, und sie revanchierten sich aus eigener Freude stets mit einem ländlichen Buffet von Würstchen, belegten Broten, Kuchen und Getränken. Bei bestem Wetter kam man nach den Konzerten noch ins Gespräch. Die Brandenburger nahmen Erinnerungen an einen Kunstgenuss mit nach Hause und Prof. Dorfmüller einen bleibenden Eindruck von brandenburgischer Gastfreundschaft.

Text und Foto: Hans Krag

 

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KURZ BERICHTET

Bischof Dröge: Pfarrhäuser können künftig nicht überall erhalten werden

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge glaubt nicht, dass Pfarrhäuser überall erhalten werden können. Die Tradition des evangelischen Pfarrhauses müsse weiter wertgeschätzt, aber je nach Einzelfall neu erfunden werden, sagte er bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Pfarrhauses. Die Residenzpflicht, nach der Pfarrer an ihrem Einsatzort auch wohnen müssen, werde flächendeckend nicht zu halten sein.

epd

Tipps zum Klimaschutz in kirchlichen Gebäuden

Tipps zum Energiesparen in kirchlichen Gebäuden geben Wissenschaftler in einer Broschüre "Klimaschutz in kirchlichen Gebäuden - Auswertung von Klimaschutz-Teilkonzepten katholischer und evangelischer Kirchengemeinden in Deutschland". Energieberater hatten zuvor 27 Klimaschutz-Konzepte aus evangelischen Landeskirchen und den katholischen Bistümern ausgewertet sowie rund 1.500 Kirchen, Gemeindehäuser, Pfarrhäuser und Kindertagesstätten auf ihren energetischen Zustand untersucht.

epd

Kostengünstige Methoden zum Erhalt historischer Kunstwerke

Mittelalterliche Wandmalereien in Brandenburger Kirchen sind nach Angaben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durch Schadstoffe in der Luft und im Regen besonders gefährdet. Nötig sei deshalb die Entwicklung einfacher, kostengünstiger Methoden zur Analyse und zum Erhalt der historischen Kunstwerke. Dafür stellt die Umweltorganisation 124.000 Euro zur Verfügung.

"Viele kleine Dorfgemeinden haben nicht die finanziellen Mittel, um Malereien mit speziellen Geräten oder Fachpersonal zu warten", sagt Mechthild Noll-Minor vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. Neben Schadstoffen aus Fabriken und Kraftwerken seien die Malereien auch durch den Ausstoß von Schadstoffen aus der Landwirtschaft gefährdet. Sie gelangen durch das vermehrte Düngen auf Anbauflächen von Energiepflanzen über den Regen und die Oberflächengewässer in das Mauerwerk nahe liegender Kirchen.

Entscheidend ist es daher, früh genug mit geeigneten Maßnahmen einzugreifen. Dafür sind unter anderem eine Bestandsdokumentation und eine regelmäßige Kontrolle nötig. Im Gegensatz zu aufwendigen Laboranalysen seien viele heute möglichen Verfahren nicht so teuer, sagt Mechthild Noll-Minor. Eine Auswertung ist direkt vor Ort am Objekt möglich.

Die Untersuchungen sollen zunächst in national bedeutenden Kirchen wie der Marienkirche in Frankfurt an der Oder, im Kloster Chorin und in weiteren spätromanischen und frühgotischen Feldsteinquaderbauten in der Uckermark und im Oderland stattfinden.

epd

 

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