Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Gegner oder Partner? – Vom Umgang mit der Denkmalpflege

Für das Verhältnis zwischen Kirche und Denkmalpflege waren zwei Prozesse von wesentlicher Bedeutung, die sich im 19. Jahrhundert abspielten:

Erstens wurde, letztlich als Ergebnis der Französischen Revolution, die Trennung von Politik und Kirche vollzogen. Religion wurde mehr und mehr zur Privatsache. Dies hatte die ausschließliche Sakralisierung der Kirchengebäude zur Folge, die von nun an als reine Gottesdiensträume verstanden wurden, nachdem sie zuvor auch zahlreichen weltlichen Nutzungen offengestanden hatten.

Zweitens entstand im 19. Jahrhundert die institutionelle Denkmalpflege. Von nun an wurden Kirchen nicht mehr ausschließlich als religiöse Zweckbauten betrachtet, sondern zusätzlich als "vaterländische Alterthümer", mit heutigen Worten würden wir vielleicht den Begriff "kulturelles Erbe" wählen. Kirchen wurden als gebaute Träger der Geschichte wahrgenommen und damit quasi per Deklaration zu "Kulturorten" ernannt. Mit dieser doppelten Funktion – Verkündigungsort auf der einen, staatlich verordnetes Denkmal auf der anderen Seite – müssen die Kirchen seither leben. Dass diese Dualität auch zu Konflikten führen kann, liegt auf der Hand.

Nicht selten kommt es im Zuge notwendiger Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten an historischen Kirchengebäuden und deren Innenräumen zu Spannungen zwischen Kirchengemeinden oder Fördervereinen auf der einen und den Vertretern der Denkmalpflege auf der anderen Seite. Für welche der festgestellten historischen Farbfassungen entscheidet man sich – auch im Hinblick auf die erhaltene Ausstattung? Wie geht man mit den zu DDR-Zeiten oft mit einfachsten Mitteln eingebauten Winterkirchen um? Wo ist es möglich, Funktionsräume wie Teeküchen oder Toiletten in die Kirche einzubauen und wo verbietet es die vorhandene Raumstruktur? Im Falle einer Entscheidung für den Einbau solcher Räume – wie gestaltet man sie? Ist es möglich, einen Teil des festen Gestühls zugunsten einer flexiblen Bestuhlung zu entfernen? Wie können neu gestaltete farbige Glasfenster oder moderne Kunst in den historischen Kirchen integriert werden, ohne zu stören? Diese Fragen und viele andere erfordern für eine Lösung oftmals viel Geduld und Fingerspitzengefühl und sind in der Regel nur nach gründlicher Prüfung und auf den jeweiligen konkreten Einzelfall bezogen zu finden.

Manchmal jedoch geht der Konflikt tiefer. "Die Denkmalpflege" – meist als abstrakter Begriff verwendet – wird als Verhinderer gesehen. Einige Eimer Farbe aus dem Baumarkt sind allemal billiger als das Farbgutachten eines Restaurators. Reparaturen am Mauerwerk oder am barocken Außenputz müssen doch nicht unbedingt von einer teuren Fachfirma vorgenommen werden, wo wir doch dieselben Arbeiten erst kürzlich auf unserem Wochenendgrundstück ausgeführt haben. Dass noch dazu ein Architekt bezahlt werden soll, denkmalrechtliche und kirchenaufsichtliche Genehmigungen benötigt werden und das alles Zeit und Geld kostet, stößt auf Unverständnis. In der Diskussion über solche Klagen, die hin und wieder mit der Bitte um Unterstützung bei Auseinandersetzungen mit "der Denkmalpflege" an uns herangetragen werden, empfiehlt sich Sensibilität und manchmal ein langer Atem. Gerade in unseren Dörfern sind die Kirchen die oftmals einzigen und letzten Zeugnisse einer langen Vergangenheit. Unsachgemäß ausgeführte Reparaturen können zu schweren Bauschäden und sogar Substanzverlusten führen. Und der Respekt vor den über Jahrhunderte hinweg entstandenen Schöpfungen der Handwerker, Bauleute oder Zimmerer, Bildschnitzer, Steinmetze oder Maler sollte Grund genug sein, Restaurierungen von Fachleuten ausführen zu lassen, die sich in Ausbildung und Praxis mit historischen Baustoffen und Arbeitstechniken intensiv beschäftigt haben. Fazit: Bitte sehen Sie die Mitarbeiter der Denkmalbehörden nicht als Gegner, sondern als hilfreiche Partner, die besser früher als zu spät in die Bauplanungen einbezogen werden sollten.

Oftmals sind es die neuen kulturellen Nutzungen, die nach veränderten Raumstrukturen zu verlangen scheinen. Wenn ein Förderverein für die einmalige Aufführung einer Musiktheaterproduktion den seit 150 Jahren fest im Altarraum vermauerten Renaissance-Taufstein versetzen will, verbietet sich dies selbstverständlich. Wenn jedoch der aus rohen Brettern zusammengehauene leere Windkasten einer seit fünfzig Jahren nicht mehr existierenden Orgel die gesamte Empore blockiert, auf der Ausstellungen stattfinden sollen, darf über die Entfernung desselben durchaus diskutiert werden. Neben der bereits angesprochenen Sensibilität ist manchmal bei der Entscheidungsfindung auch ein gesunder Pragmatismus vonnöten. (Das immer wiederkehrende Thema der Anbringung von Dachrinnen an historischen Kirchengebäuden ist so heikel, dass ich es an dieser Stelle aussparen möchte.)

Vor einigen Monaten erreichte den Förderkreis Alte Kirchen ein dramatischer Notruf aus einem Dorf im Norden Brandenburgs: Unsere Kirche ist in einem fürchterlichen Zustand, wir benötigen dringend Ihre Unterstützung! Der Dramatik dieses Hilfebegehrens eingedenk, wurde zu einem Ortstermin eine Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises hinzugezogen. Die ausführliche Besichtigung des Kirchengebäudes ergab keine gravierenden sichtbaren Bauschäden. Allerdings war der Kirchenraum vermutlich seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gesäubert worden. Wir konnten lediglich erklären, dass für die Reinigung von Kirchenräumen weder der Förderkreis Alte Kirchen noch die Denkmalschutzbehörde zuständig sind, und empfahlen, die Treppenöffnung von der Empore zum Kirchenboden zu schließen, um es dem Marder zu erschweren, seine Geschäfte weiter im Altarraum der Kirche zu verrichten. In diesem Falle konnte leider nicht geholfen werden, ansonsten ist "die Denkmalpflege" jedoch oft ein wertvoller Partner. Im Zweifelsfall beraten auch wir Sie gern!

Bernd Janowski

 
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Mitgliederversammlung 2012 des Förderkreises Alte Kirchen

Erfolge und offene Fragen – manche Antwort blieb aus

 

Die altehrwürdige Ritterakademie am Dom zu Brandenburg war Tagungsort der diesjährigen Mitgliederversammlung. Es galt wieder Bilanz zu ziehen, und auch die Diskussion über die künftige Arbeit des Vereins stand auf der Tagesordnung.

Die Bilanz konnte sich sehen lassen, wie schon aus dem schriftlich vorliegenden Bericht des Vorstandes hervorging. Dr. Uwe Otzen ergänzte und kommentierte ihn (s. nächster Beitrag), indem er auch die Probleme benannte, die sich aus der gewachsenen Bedeutung des Vereins ergeben. Allein die verwaltungstechnischen Aufgaben sind enorm gestiegen. Für eine solide innere Struktur war es deshalb unerlässlich, dem Geschäftsführer eine fest angestellte Verwaltungskraft zur Seite zu stellen. Susanne Gloger wird zugleich die aufwändige Koordinierung des Vertriebs unserer Jahresbroschüre übernehmen. Eine glückliche Lösung fand sich ebenfalls für die Besetzung der lange vakanten Stelle des Schatzmeisters: Unser Mitglied Sigrid Riesberg, Finanzexpertin von Beruf, erklärte sich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie wurde auch in den Vorstand gewählt. Besonderer Dank galt Ursula Uhlig, die jahrelang die Buchhaltung sorgfältig verwaltete, aber auch den vielen weiteren Mitgliedern, die sich an anderen Stellen ehrenamtlich für den Förderkreis engagieren.

Dass sich auch der Aufbau einer umfassenden Regionalbetreuung bewährt hat, bewies ein illustrierter Bericht der jeweiligen Betreuer: Auf der Leinwand waren restaurierte Kirchen zu sehen und solche, deren Rettung der FAK fördern will; wieder in alter Schönheit strahlende Altäre und freundliche Taufengel; am Kran schwebende neugeschaffene Turmhelme und auch die Trümmer einer eingestürzten Kirchendecke, für deren Wiederherstellung der FAK inzwischen Mittel zur Verfügung stellte.

Die vielfältigen Förderleistungen des FAK spiegelte auch der Finanzbericht wider. Er bescheinigte dem Vorstand ein solides Geschäftsgebaren und einen verantwortungsvollen Umgang mit Spenden und Mitgliedsbeiträgen. So erteilte ihm die Mitgliederversammlung auf Empfehlung der Kassenprüfer Entlastung.

Für die Neuwahl des Vorstandes hatten sich sieben Kandidaten zur Verfügung gestellt, die alle die erforderlichen Stimmen erhielten. Zuvor aber wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder Theda von Wedel-Schunk und Günter Schöne, die auf eigenen Wunsch nicht wieder kandidierten, mit herzlichem Dank für ihre vorangegangene Arbeit verabschiedet. Beide wollen sich weiterhin ehrenamtlich für den Förderkreis engagieren, so unter anderem als Regionalbetreuer. Besonders gedankt wurde auch Dr. Uwe Otzen, der nach sechsjähriger Tätigkeit als Vorsitzender des Förderkreises dieses verantwortungsvolle Amt niederlegte, um künftig auch angesichts seiner weiteren ehrenamtlichen Verpflichtungen etwas kürzer zu treten. Im Vorstand aber will er auch in der nächsten Zeit sein Bestes geben.

Nun hätte laut Tagesordnung die Diskussion über die künftige Arbeit des Vereins beginnen sollen. Die fiel praktisch aus. Der Versammlung war wegen einer schon terminlich festgelegten Führung im Dombereich als Angebot an die Mitglieder ein so enger Zeitrahmen gesetzt, dass für einen Gedankenaustausch kein Raum mehr blieb. Dabei hatten etliche Teilnehmer Interesse an verschiedenen Themen signalisiert, hatten Fragen aufgeworfen und Probleme angesprochen, über die gemeinsam zu beraten wäre. Ihnen konnte nur unvollkommen geantwortet werden, Gespräche kamen mit dem Blick auf die Uhr nicht mehr zustande.

So wird mancher aus dieser Versammlung etwas enttäuscht nach Hause gefahren sein. Der Vorstand sollte dafür sorgen, dass dies nicht noch einmal passiert.

Text und Foto: Gonda

KOMMENTAR

Verschenkte Ideen

Unser Förderkreis hat den großen Vorteil, dass die meisten seiner Mitglieder nicht nur als Beitragszahler auf dem Papier stehen. Sehr viele engagieren sich vor Ort für ihre Kirchen, entwickeln dabei immer wieder neue Ideen, haben inzwischen reiche Erfahrungen gesammelt. Unser Verein versteht sich als ein Kreis solcher ehrenamtlicher Förderer. In dieser Gemeinschaft Gleichgesinnter ist der Gedanken– und Erfahrungsaustausch ein ganz wichtiges Erfolgsrezept.

Einmal im Jahr bietet die Mitgliederversammlung das günstigste Forum, miteinander direkt ins Gespräch zu kommen, Antworten auf Problemfragen zu bekommen. So mancher nimmt dafür weite Fahrten auf sich, kommt mit bestimmten Erwartungen. Natürlich will er auch über die Arbeit des Vereins informiert werden, aber Vorrang sollte immer der Gedankenaustausch haben. Der Verein lebt von den Erfahrungen seiner Mitglieder.

Wenn auf den Versammlungen schon öfter geklagt wurde, dass für Diskussionen zu wenig Zeit bleibt, dann zeugt das doch von der großen Bereitschaft unserer Mitglieder, sich aktiv in die Arbeit des Vereins einzubringen. Diese gute Chance sollte man nicht vertun und der Aussprache endlich den gebührenden Raum geben.

Eva Gonda

Der neugewählte Vorstand des Förderkreises stellt sich vor

 
DER VORSTAND (von links nach rechts), erste Reihe: Dr. Uwe Otzen, Sigrid Riesberg, Ute Handschuhmacher, Uwe Donath; hintere Reihe: Dr. Hans Krag, Wolf-Rainer Marx, Bernd Janowski (Geschäftsführer), Wolf-Dietrich Meyer-Rath.
Foto: Carsten Lange

Gemäß der Satzung des Förderkreises Alte Kirchen stand in diesem Jahr wieder die Neuwahl des Vorstandes an, nachdem dem amtierenden Vorstand durch die Mitgliederversammlung Entlastung erteilt worden war. Alle sieben Kandidaten erhielten die notwendige Stimmenzahl.

Auf Vorschlag von Uwe Otzen wurde Angus Fowler, seit vielen Jahren Ehrenmitglied des Förderkreises, nun auch zum Ehrenmitglied des Vorstandes gewählt.

Dem neuen Vorstand gehören an:

Neu im Vorstand ist Sigrid Riesberg, die sich als Finanzexpertin schon seit langem um die Rechnungsführung des Vereins verdient gemacht hat. In der Position des Schatzmeisters, die lange Zeit vakant war, wird sie auch künftig für einen ausgewogenen Haushalt sorgen.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath ist kein Neuling in der Vorstandsarbeit. Er hatte 2009 auf eigenen Wunsch sein Vorstandsmandat niedergelegt, sich dennoch in den Folgejahren intensiv für den Förderkreis engagiert. Auch in Zukunft will er vor allem Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen fördern.

Dank gebührt Theda von Wedel-Schunk und Günter Schöne für ihre Arbeit in den vergangenen Jahren. Beide haben nicht mehr für den Vorstand kandidiert, wollen aber ebenfalls ihre bisherige vielseitige Mitarbeit im Verein fortsetzen.

Dr. Uwe Otzen hatte bereits bei seiner vorangegangenen Wahl zum Vorsitzenden angekündigt, dass er für diesen Posten nicht noch einmal kandidieren würde. Der Vorstand des Förderkreises entschied sich als Übergangslösung für die jetzige Wahlperiode für eine kollegiale Leitung.

Eva Gonda

Einblicke in Jahrhunderte währende Geschichte

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung bot sich die Möglichkeit, an einer besonderen Führung teilzunehmen.

Pfarrer Christian Radeke wusste Interessantes über die Baugeschichte der kleinen St.-Petri-Kapelle neben dem Dom zu berichten, die wahrscheinlich auf den Fundamenten der einstigen Burgkapelle errichtet worden ist und im Innern ein kunstvolles Zellengewölbe besitzt. Noch spannender war die Besichtigung wertvoller Wandmalereien im Kreuzgang des Domes, die im allgemeinen der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Diese Fresken sind erst vor kurzer Zeit entdeckt und restauratorisch freigelegt worden. Im Obergeschoss des nördlichen Kreuzganges war kurz nach Mitte des 15. Jahrhunderts die Stiftsbibliothek entstanden.

Pfarrer Radeke sei herzlicher Dank gesagt für seine sachkundigen Erläuterungen und Antworten auf viele Fragen. Dank gebührt ebenso dem Domstift, das den Tagungsraum zur Verfügung stellte.

Eva Gonda

 
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Fakten aus dem Bericht des Vorstandes

Spuren auf einem guten Weg

Der Förderkreis ist zu einer wichtigen Organisation der bürgerbeteiligten Denkmalpflege geworden. Die Mitgliederzahl ist weiter gewachsen. Die Summe der Einnahmen ist gegenüber dem Vorjahr, dem bisherigen Höchststand, zurückgegangen. Die Förderungen für konkrete Erhaltungs-, Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an Kirchen konnten jedoch gegenüber dem Vorjahr etwa gleich gehalten werden. Die Regionalbetreuung hat sich seit Einführung 2009 als Dezentralisierungsmaßnahme für eine engere Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden, Kirchenfördervereinen und Kommunen bewährt.

Bauliche und restauratorische Fördermaßnahmen

Mit den Fördermitteln konnten im vergangenen Jahr wieder viele sichtbare Zeichen für die Erhaltung von Kirchen und ihren Ausstattungsgegenständen gesetzt werden. U. a. wurden folgende Maßnahmen unterstützt:

Rettung von Taufengeln

Im Rahmen des zweiten Spendenaufrufs für die Gemeinschaftsaktion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Förderkreises unter dem Titel "Menschen helfen Engeln" sind im Jahr 2011 weitere 13.000 Euro an Spenden für die Restaurierung der Taufengel in Berge (Prignitz), Niebendorf (Teltow-Fläming), Ringenwalde (Märkisch-Oderland), Wutike (Prignitz) und Zaue (Dahme-Spreewald) überwiesen worden. Bisher konnte der Förderkreis für die Restaurierung von Taufengeln über 50.000 Euro einwerben, die zu einem großen Teil bereits weitergeleitet sind.

Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements

Mit der jährlichen Verleihung eines Startkapitals von je 2.500 Euro an fünf neu gegründete Kirchenfördervereine zeichnet der Förderkreis das Engagement von ehrenamtlichen Initiativen für die Bewahrung von Gottesdienststätten sowie die Entwürfe für angemessene Nutzungskonzepte aus. 2011 erhielten den Preis die Fördervereine in Brüsenhagen (Prignitz), Gruhno (Elbe-Elster), Lübzow (Prignitz), Pessin (Havelland) und Steffenhagen (Prignitz). Seit 2002 konnten über das Startkapital-Projekt 65 Vereine mit ins-gesamt 162.500 Euro bedacht werden.

Exkursionen und Ausstellungen

Viel Zuspruch fanden die Exkursionen "Zwischen Teltow und Fläming", "Musikalisch durch die Prignitz", "Kirchen des Architekten Georg Büttner", die Exkursion ins Berliner Urstromtal sowie die Exkursionen für den Berliner Dombauverein und für Mitglieder des Lions Clubs Seeheim an der Bergstraße "Kreuz und quer durch die Uckermark".

Die Ausstellung "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" wurde in Esslingen, Tübingen, Stuttgart und Dortmund gezeigt. Sie erweitert das Verständnis der Besucher für manche Probleme, öffnet die Augen für unerwartete Schönheiten des Landes und seiner Kultur und trägt zum Zusammenwachsen von Ost und West bei.

Kunst und Kultur in Dorfkirchen

Im Rahmen des Projekts "Musikschulen öffnen Kirchen" wurden zwischen März und Oktober 40 Benefizkonzerte in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und Fördervereinen veranstaltet. An ihnen waren über 1.000 Mitwirkende aus ganz Brandenburg beteiligt. Der Erlös, der für die Sanierung von Kirchen verwendet werden kann, betrug 15.808 Euro.

Gemeinsam feierten wir mit dem Verein "Theater in der Kirche" zehnjähriges Jubiläum. Seit Gründung des Theatervereins 2002 fanden 136 Aufführungen in über 60 Kirchen Brandenburgs statt. Die Spendenerlöse kommen je zur Hälfte der Theatergruppe und dem Erhalt der Kirchengebäude zugute.

 
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Dr. Uwe Otzen

Um des Hauses des Herrn willen das Beste suchen

Nach sechs Jahren Ehrenamt als Vorsitzender unseres Förderkreises hat Dr. Uwe Otzen auf der diesjährigen Wahlversammlung nicht mehr für dieses Amt kandidiert. Rückblickend auf diese Zeit zieht er hier Bilanz:

Als ich auf der Mitgliederversammlung im Jahr 2006 zum Vorsitzenden des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. gewählt wurde, fand ich in der Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine den Vers 9 des 122. Psalms. Er lautet: "Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen." Ich war erfreut und machte ihn unmittelbar zum Leitmotiv für mein neues Ehrenamt. Der Vers hat mich bis heute begleitet. Natürlich geht es in diesem Zusammenhang nicht um den jüdischen Tempel, um dessentwillen König David der Stadt Jerusalem Bestes suchte. Mir ging und geht es assoziativ um die schönen Dorfkirchen in Brandenburg, deren Bestes zu suchen der neue Vorstand sich wiederum anschickte.

Ich muss gestehen, dass ich nicht geahnt habe, welch große und vielfältige Aufgaben auch nach 16 Jahren vorangegangener erfolgreicher Arbeit noch immer vor uns lagen. Mein Vorgänger Angus Fowler und der frühere Vorstand hatten den Förderkreis, zusammen mit unserem Geschäftsführer Bernd Janowski, über schwierige Aufbaujahre in die Position einer respektablen Bürgerorganisation zur Erhaltung kirchlicher Denkmale geführt. Der FAK hat inzwischen neben dem Kirchlichen Bauamt der Landeskirche, dem Landesdenkmalamt, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Stiftung zur Bewahrung Kirchlicher Baudenkmale in Deutschland, KiBA, einen festen Platz im Bemühen um die Erhaltung sakraler Kulturschätze in Brandenburg eingenommen.

Der Förderkreis hat einen sehr guten Ruf im Lande. Ja, mehr noch, er ist zum Katalysator geworden, der das bürgerschaftliche Engagement in Brandenburg auf breiter Basis gestärkt hat. Dies wurde vor allem durch die Zusammenarbeit mit über 270 lokalen Fördervereinen und die Verleihung von Startkapital-Mitteln an inzwischen über 50 Fördervereine erreicht. Im Zuge dieses Wachstums wuchsen aber auch die Aufgaben. Wir setzten uns ein für erweiterte Nutzung der Kirchen über die gottesdienstlichen Zwecke hinaus. Kunst und Kulturveranstaltungen hielten, im Rahmen einer Richtlinie der Landeskirche, nach und nach Einzug in Dorf- und Stadtkirchen. Der Förderkreis konnte dabei substantielle finanzielle und beratende Unterstützung anbieten.

Mit solcher Ausweitung der Aufgaben wurde schon bald deutlich, dass der Vorstand an seine Grenzen stoßen würde. Es musste deshalb eine Wegmarke in Richtung Konsolidierung gesetzt werden, also der nachhaltigen Sicherung des bisher Erreichten. Dies haben wir bis heute konsequent verfolgt. Voraussetzung dafür war allerdings die Stärkung der inneren Struktur des Förderkreises. Das galt sowohl für die Organisation der landesweiten Fördertätigkeit als auch für die Leitung unseres immer noch sehr bescheidenen Büros.

Um den Kontakt mit den lokalen Fördervereinen, den Kirchengemeinden, Kommunen und unteren Denkmalschutzbehörden zu intensivieren, wurde nun ein möglichst flächendeckendes und ehrenamtlich besetztes Netz der Regionalbetreuung aufgebaut. Die Vergaberichtlinien für finanzielle Förderung wurden verbessert und transparenter gemacht.

Der Vorstand entwarf erstmalig ein langfristig ausgerichtetes Förderkonzept. Darin fließt auch die Zielsetzung der neu gegründeten Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen unter dem Dach der KiBA ein. Nunmehr können wir einen doppelten Förderansatz verfolgen: Zusätzlich zur kirchlichen und staatlichen Förderung werden wir kurzfristige Beratung einschließlich finanzieller Hilfen mit langfristig angelegter Unterstützung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmale verbinden. Mit dieser Ausrichtung trat der Förderkreis auf allen bedeutenden Denkmalschutzveranstaltungen in Deutschland auf. Er wurde darüber hinaus Gründungsmitglied des im Herbst 2010 in Canterbury/England ins Leben gerufenen internationalen Netzwerkes zur Bewahrung von Gottesdienststätten in Europa, Future for Religious Heritage.

Es ist selbstverständlich, dass ein so bedeutender, bürgerschaftlich orientierter und mit den Partnern in Kirche, Staat und Kommunen eng zusammenarbeitender Verein auf eine gute Geschäftsführung und solide Finanzen angewiesen ist. Beides konnte mit Unterstützung aller Vorstandsmitglieder und der Leidenschaft des Geschäftsführers gewährleistet werden. Das verdient große Anerkennung und Würdigung. Vor allem aber gilt der Dank Ihnen, den Mitgliedern, Spendern und Sponsoren, die uns Ihr Vertrauen geschenkt und in zunehmendem Maße unterstütz haben.

Es bleibt ein des Nachdenkens wertes Wunder, dass der eigentliche Fördergegenstand, die Dorfkirchen, die wir mit Hilfe unserer Broschüre Offene Kirchen sowie dem Mitteilungsblatt Alte Kirchen für viele Interessierte immer wieder neu entfalten konnten, so viele Menschen in seinen Bann zieht.

Was ist es, das uns im Innersten bewegt? Wir könnten alle vernünftigen Beweggründe nennen, dies zu erklären, Argumente wie eine hohe Spendenbereitschaft, das hingebungsvolle Ehrenamt, ein immerwährendes Kulturinteresse, die Mark als Flecken Erde mit ihren schönen Dorfkirchen etc. Dennoch, es wird uns nicht gelingen, das Geheimnis zu klären. Es sei denn, dass wir auf je eigene und bescheidene Weise die Absicht Davids nachzuvollziehen suchen; wenn wir also mit ihm sagen können:

"Ja, um deiner wunderbaren Kirchen willen wollen wir des Landes Bestes suchen."

 
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Eine Frage an die Mitglieder und Freunde unseres Förderkreises

Wer hilft, unsere "Offene Kirchen" auf den Weg zu bringen?

 
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Seit einigen Wochen wird in Buchhandlungen, Tourismus-Informationen und zahlreichen Kirchen in Brandenburg und Berlin wieder die neue Ausgabe unseres Jahresheftes "Offene Kirchen" zum Kauf angeboten. Das Heft ist seit dreizehn Jahren unser wichtigstes Medium, um für das Anliegen des Förderkreises Alte Kirchen – die Erhaltung, Instandsetzung und angemessene Nutzung der brandenburgischen Gotteshäuser – zu werben.

Leider jedoch ist die Zahl der Verkaufsstellen, die das Heft anbieten, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Manchen ist die Gewinnspanne von 1,50 Euro zu gering, andere beklagen, dass in ihrer offenen Kirche Hefte entwendet wurden oder dass schon genug andere Broschüren, Flyer und Postkarten ausliegen.

Wenn wir möglichst viele Broschüren "Offene Kirchen" verkaufen möchten, dann geht es uns vor allem darum, auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen, Menschen zu sensibilisieren für die große Verantwortung, die unsere Gesellschaft bei der Bewahrung der uns überkommenen kulturellen Werte trägt. Zugleich aber wollen wir bei Herstellung und Vertrieb des Jahresheftes keine finanziellen Verluste machen, die das Budget für die Restaurierung und Erhaltung unserer alten Kirchen schmälern würden.

Wir suchen deshalb Freiwillige, die in bestimmten Regionen für uns neue Kunden auf Kommissionsbasis gewinnen – sei es in Berliner Buchhandlungen oder in Kirchen, Tourismus-Büros, Hotels oder Freizeiteinrichtungen Brandenburgs. Auch für Hinweise darüber, wo Sie bei Ihren Reisen durchs Land das Heft nicht gesehen haben, wo es aber vielleicht hinpassen würde, sind wir Ihnen sehr dankbar.

Auf Wunsch stellen wir Ihnen für bestimmte Regionen auch Listen der derzeitigen Abnehmer zusammen, damit Sie wissen, wo nicht gefragt werden muss. Auch wenn Sie weitere Ideen zur Kundenwerbung haben, sind wir für Ihre Hinweise äußerst dankbar.

Bernd Janowski

Bei Interesse wenden Sie sich an unsere Geschäftsstelle, wir freuen uns auf Ihre Unterstützung.

Förderkreis Alte Kirchen; Tel.: 030 4493051; E-Mail: altekirchen@aol.com

 
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Neues von unserer Stiftung

Stolzes Ergebnis: 210.000 Euro Vermögen

Genau 162.035,10 Euro, so hatten wir noch im Dezember das aktuelle Stiftungsvermögen angegeben. Das ist überholt. Inzwischen kann die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen dank weiterer Zustiftungen ihr Vermögen mit 210.010,10 Euro angeben. Mit diesem großen Zuwachs rückt unsere Stiftung, erst 2008 gegründet, auf in die Riege größerer Werke. Demnächst, hoffentlich bald, werden wir Zinsen aus einem Vermögen von 250.000 Euro erwirtschaften.

Sehr erfreulich ist, dass unser Geld über die Stiftung Kiba in der Ev. Kirche in Deutschland noch mit über 4 % verzinst werden kann. 6.614,73 Euro Zinsen für 2011 sind uns gerade gutgeschrieben worden. Davon haben wir bereits 3.000 Euro nach Ahlsdorf (Elbe-Elster) überwiesen, um dort zur Behebung der massiven Schäden in der Barockkirche beizutragen. "Diese Unterlagen waren … nötig, um eine Förderung durch das ILE/LEADER-Programm zu beantragen", schreibt der Ahlsdorfer Gemeindepfarrer Homa in einem Dankesbrief.

Einen vergleichbaren Betrag wollen wir noch in diesem Jahr nach Märkisch-Wilmersdorf (Teltow-Fläming) zusagen, wo die Kirche auch dank unseres Engagements nun doch saniert werden kann.

Man sieht: Unsere Stiftung bringt vorzeigbare Ergebnisse. Darauf möchten wir weiter aufbauen, indem wir das Stiftungskapital weiter aufstocken. Wenn Sie uns dabei helfen können, erbitten wir Ihre Überweisung an die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen auf das Konto 300 00 55 50 bei der Ev. Kreditgenossenschaft Kassel, BLZ 520 604 10, bitte mit dem Zusatz "Zustiftung" sowie Ihrer Anschrift.

Jeder kleinere oder größere Betrag stärkt die Stiftung und trägt damit auf Jahrzehnte dazu bei, die Projekte des FAK nachhaltig zu fördern.

Arnulf Kraft

 

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Mit dem FAK unterwegs auf mittelalterlichen Pilgerpfaden

Wallfahrten, Wunderblut und eine Heiliggrabkapelle

Frühjahrs-Busexkursion des Förderkreises in die geschichtsträchtige Prignitz

Die im Nordwesten Brandenburgs gelegene Prignitz war im hohen Mittelalter Schauplatz zahlreicher Pilgerzüge und Wallfahrten. Im Vergleich zu den damit verbundenen Strapazen der damaligen Zeit war die Anreise der Teilnehmer einer FAK-Exkursion im bequemen Reisebus eher unspektakulär.

Erstes Ziel war die Wunderblutkirche in (Bad) Wilsnack, das vor 500 Jahren als "Santiago des Nordens" zu den fünf bedeutendsten Wallfahrtszielen Europas zählte.

Der von dem Havelberger Bischof initiierte Ablasshandel – verehrt wurden hier drei bei einem Brand unversehrt gebliebene Hostien – brachte genügend Geld, um den dortigen Dom sowie die Residenzen des Amtsinhabers glanzvoll auszustatten und in Wilsnack selbst einen Kirchenbau zu errichten, der zu den Höhepunkten der norddeutschen Backsteingotik gehört. Vielleicht zum Glück für die heutige, zahlenmäßig eher kleine Gemeinde konnten die damaligen weitergehenden Baupläne nur zum Teil umgesetzt werden; das Resultat ist beeindruckend genug und wurde kurzweilig von Bärbel Mann vorgestellt. Kantor Christian Reishaus erfüllte den Raum in einem kleinen Konzert mit der ganzen Klangfülle der barocken Orgel, die der Magdeburger Orgelbauer Adam Heinrich Rietz 1782 schuf.

Nächstes Ziel war Alt Krüssow, dessen Kirche mit dem beeindruckenden Westgiebel um 1500 infolge einer offenbar eher regional bedeutenden St.-Annen-Wallfahrt entstand. Die Instandsetzung des Sakralbaus, die seit Jahren von einem rührigen Förderverein betrieben wird, hatte der Förderkreis Alte Kirchen in der Vergangenheit mehrfach finanziell unterstützt. Umso größer war die Freude über die zu besichtigenden Fortschritte, die der Vereinsvorsitzende Uwe Dummer vorstellte: Der bereits erwähnte Backsteingiebel ist frisch restauriert, die farbigen Chorfenster konnten restauriert und eingesetzt werden und der marode Dachstuhl des Kapellenanbaus wurde instand gesetzt. Vieles jedoch bleibt zu tun und bedarf weiteren Engagements.

 
IN BÖLZKE ist viel über mittelalterliche Pilger zu erfahren.
Foto: Janowski

Seit kurzem gibt es einen neu installierten Pilgerweg, der als "Annenpfad" Alt Krüssow mit dem Kloster Stift zum Heiligengrabe und mit dem eher unscheinbaren Rundlingsdorf Bölzke verbindet. Auch Heiligengrabe war Ziel unserer Exkursion. Heiliggrabkapelle, Kirche und Museum wurden besichtigt und bei passablem Frühlingswetter übte die beeindruckende Gesamtanlage des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters und bis heute lebendigen Damenstiftes Wirkung auch auf Besucher, die nicht zum ersten Mal hier waren. Die Stiftsfrau Dr. Elisabeth Hackstein erläuterte die interessante – unterdessen 725 Jahre währende – Geschichte des Ortes und verabschiedete die Besuchergruppe mit einem gemeinsamen Lied.

Höhepunkt der Fahrt war für viele der Besuch in Bölzke und das nicht nur wegen der freundlichen Bewirtung mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Susanne Gloger, die die Exkursion vorbereitet hatte, wechselte von der Rolle der Reiseleiterin in die der Vorsitzenden des Fördervereins der Dorfkirche Bölzke. Ausführlich berichtete sie von der vollständigen Restaurierung des bescheidenen Fachwerkbaus aus dem Jahr 1825, die durch eine Förderung aus dem ILE-Programm der Europäischen Union möglich geworden war. Dies gelang, indem eine ambitionierte und gut gestaltete Ausstellung mit dem Titel "Pilger, Wallfahrt und geläuff" installiert wurde. Sie bietet den Wanderern und Besuchern bereits auf Metallstelen im Außenbereich und ausführlich in der Kirche umfangreiche Informationen über das Phänomen Pilgern und die Hintergründe der mittelalterlichen Wallfahrtsbewegung. Dass auch der Kanzelaltar (1757) aus dem Vorgängerbau restauriert werden konnte und nun wieder mit seiner ursprünglichen lichten Farbgebung zum Schmuckstück wurde, verdankt die Bölzker Kirche dem großen Engagement aller Vereinsmitglieder sowie der Sparkasse Prignitz. Die Dorfkirche Bölzke zeigte sich den Exkursionsteilnehmern als gelungenes Beispiel für die Wirksamkeit der unterstützenden Förder- und Beratungstätigkeit durch den Förderkreis Alte Kirchen.

Bernd Janowski

 

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Unterm pittoresken Turm schockieren Tristesse und Verfall

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE TORNOW

(Landkreis Oberhavel)
 

 
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In Tornow muss der Pfarrer schwindelfrei sein. Denn oben auf dem Turm-Dach gibt es kein Geländer mehr und auch die roten Ziegelsteine der vier Türmchen bröckeln vor sich hin.

Christian Albroscheit zeigt da oben sehr viel Gottvertrauen: Er erzählt und gestikuliert und wagt sich weit vor auf der luftigen Plattform. "Ist die Aussicht nicht großartig?", strahlt der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Tornow-Marienthal. Man sieht wahrlich weit hinaus ins grüne Oberhavel-Land und zudem steigt an diesem Frühlingsmorgen vom Schloss Tornow, das nur einen Steinwurf weit entfernt ist, Musik herauf. Eine Bläsergruppe übt im Herrenhaus, das vom Ökowerk Brandenburg genutzt wird. Der Aufstieg auf den Kirchturm ist zwar mühsam, man braucht eine Taschenlampe und muss gelegentlich Spinnweben aus dem Gesicht wischen. Doch Albroscheit klettert mit Gästen gerne hinauf.

Das Gotteshaus hat eine wunderbare Lage, steht leicht erhöht auf einer kleinen Wiese. Mit dem Feldsteinsockel und den pittoresken Backstein-Türmchen wirkt die Kirche eher fröhlich als fromm. Doch kaum ist man drinnen, ist es vorbei mit der Freude, ist man schockiert vom Verfall eines siebenhundert Jahre alten Bauwerks. Ein roh zusammengezimmertes Gerüst, das das kirchliche Bauamt mitten im Kirchenschiff aufstellen ließ, zeugt nicht nur von Hilf-, sondern auch von Phantasielosigkeit. Trotz des Gerüstes bröckelt die Decke, an den Seitenwänden sieht man Wasserschäden und die Orgel bringt nur noch klägliche Töne hervor.

Die Tristesse hat Gründe: Seit Jahrzehnten steht die Kirche leer, in der DDR-Zeit diente sie zeitweise sogar als Abstellplatz. Nach der Wende wurde es nicht besser, blieb der Bau eine verwaiste Hülle. Nur in einem Jahr (1998) erwachte die Kirche zumindest zeitweise aus dem Dornröschenschlaf. Dem damaligen Pfarrer Mario Lucchesi gelang es, mehr als ein Dutzend Berliner Künstler für zwei Kunstausstellungen zu gewinnen. Doch diese "Kunstkirche" war nur ein kulturelles Strohfeuer.

Die Gemeinde hat daher auf Anraten des kirchlichen Bauamts das Gotteshaus zum Verkauf angeboten, war also bereit, sich vom religiösen Erbe zu trennen. Es habe viele Interessenten gegeben, berichtet Albroscheit, und zweimal seien die Verhandlungen auch weit gediehen. Zuletzt war sogar der Verkaufsvertrag aufgesetzt worden mit einer Architektin und einer Zahnärztin. Die Transaktion scheiterte jedoch daran, dass die Landeskirche noch einen Passus einfügen ließ, wonach sie den Verkauf später relativ einfach hätte rückgängig machen können, ohne dafür eine Entschädigung zu zahlen.

Albroscheit, der sich noch um vier andere Kirchen kümmern muss, will nach diesem frustrierenden Hin und Her nun zusammen mit dem Gemeindekirchenrat die Sache in die Hand nehmen, will dem Verfall der Kirche nicht mehr tatenlos zusehen. "Wir müssen selber etwas machen, dürfen nicht darauf lauern, dass die Kirchenleitung aktiv wird."

Der Pfarrer versucht, einen Verein zu gründen, der sich der Kirche annimmt. Zu diesem Schritt fühlt er sich ermuntert, weil Tornow keineswegs ein sterbendes Dorf ist. Nicht nur im Schloss ist Leben, wird konferiert und musiziert. Es ist auch Standesamt, zahlreiche Hochzeiten werden hier gefeiert, deren Gäste immer wieder fragen, ob die Trauung in der Kirche stattfinden könne. Auch die Wassermühle von Tornow wurde vor kurzem aufwändig saniert, ist zum Reiseziel für Paddler und Radfahrer geworden.

Die Kirche liegt genau zwischen Schloss und Mühle, und Albroscheit mag nicht glauben, dass sich in dieser Mitte nicht auch etwas Gutes machen ließe.

Konrad Mrusek
Fotos: Bernd Janowski

 

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DAHMSDORF (Oder-Spree)

St. Thomas ist wieder Gottes Haus

Restaurierte Dorfkirche wurde feierlich eingeweiht

 
 
 

Auf dem Weg zur Wiedereinweihung der Dorfkirche von Dahmsdorf (Dorfkirche des Monats Oktober 2006) grüßten schon von weitem die Posaunenklänge über den still ruhenden Dolgensee. Der Bläserchor der Kirchengemeinde Reichenwalde musizierte auf dem Dorfanger und lud in das wiedererstandene Gotteshaus: ein wuchtiger und doch so schlichter Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, gekrönt mit einem bescheidenen Fachwerk-Dachturm und eingedeckt mit einem ziegelrot leuchtenden Satteldach. Alles war rechtzeitig fertig geworden zu diesem besonderen Tag. Aus dem Dorfkrug eilten noch die letzten festlich gekleideten Gäste herüber und zwängten sich durch die schmale gotische Priesterpforte.

In wunderschönem und warmem Licht erstrahlte der ganze Raum bis hinauf zur schweren schlichten Balkendecke. Die Feldsteinwände sind mit einer Sichtschlämme verputzt und beige getüncht. Die wuchtige und an diesem Festtag voll besetzte Empore füllt das halbe Kirchenschiff nach Norden hin. Eine Orgel gibt es noch nicht. Das Gestühl, im klassisch-norddeutschen Lichtgrau gehalten, lädt wieder zum Platznehmen ein, jetzt sogar auf wärmenden Sitzheizungskissen. In den Chorraum fällt das Licht durch drei gotische hohe schmale Fenster. Der Altartisch ruht auf einem erhobenen Ziegelboden, der an seinem Absatz zum Schiff unübersehbare Spuren des Tretens, des Kniens und Schabens zeigt. Kanzel und Taufstein jüngeren Datums fügen sich farblich und räumlich sehr harmonisch ein. – Ein Kirchenraum im Märkischen, wie er karger und zugleich schöner nicht sein kann.

Alles war von der Kirchengemeinde, dem Förderverein Dahmsdorf und allen Beteiligten bis ins Kleinste vorbereitet und aufs Beste bestellt. Eine etwas aufgeregte Erwartung machte sich noch so lange breit, bis mit dem Glockengeläut der feierliche Einzug der Gemeinde den Dankgottesdienst eröffnete. Die Insignien einer lebendigen Kirche – die Heilige Schrift, die Altarkerzen und die Paramente – wurden feierlich auf der Mensa postiert, die Kerzen entzündet und als Eröffnung das "in nomine" gesprochen – St. Thomas ist wieder Gottes Haus.

In seine Predigt konnte Superintendent Schürer-Behrmann auch die wechsel- und leidvolle Geschichte der Dahmsdorfer Kirche einbetten. Eingedenk der Spuren von Zerstörung und Verfall in den vergangenen Jahrhunderten zitierte er aus Jesaja: "…kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsere Widersacher dein Heiligtum zertreten." Unter den Klängen des Posaunenchores stimmte dann die Gemeinde "Tochter Zion, freue dich" an und lauschte nach dem Segen dem Kirchenchor Reichenwalde.

In Grußworten der offiziellen Gäste u. a. von Land und Gemeinde wurde das große Engagement aller am Gelingen des Werkes Beteiligten gewürdigt. Grüße überbrachten auch Vertreter des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg; der FAK hatte den Wiederaufbau seit 2002 beratend und finanziell unterstützt.

Dr. Uwe Otzen
Fotos: Dr. Klaus Steinike

 

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DARSIKOW (Ostprignitz-Ruppin)

Eine Krone für "Dornröschen"

Feierliches Richtfest als Symbol für die Rettung einer kleinen Kirche

Morsch war die Kirche, und den Turm
schien umzustürzen jeder Sturm.
Nun aber blickt man sicher wieder
von seinem Dach zur Tiefe nieder.
So wird er manch' Jahrhundert stehen
und manches der Geschlechter sehen,
die in dem neuen Gotteshaus
ehrfürchtig gehen ein und aus.

Aus dem Richtspruch
Foto: Nicole Rösler
  

Große Stunde für eine kleine Kirche: Hoch überm Gebälk des eingerüsteten Turms, schützend umrahmt von Laubbäumen, flattern die bunten Bänder der Richtkrone. Sie sind Zeichen dafür, dass die rund 180 Jahre alte schlichte Kapelle, jahrzehntelang im Dornröschenschlaf, wieder eine Zukunft haben wird.

In den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hatten hier die letzten Gottesdienste stattgefunden. Dann konnte man zusehen, wie das Gotteshaus langsam verfiel. Eine, die nicht mehr zusehen wollte, war Sibille Podorf, die Nachbarin von gegenüber. Sie übernahm das entwidmete, marode Gebäude mit dem Mut eines unverbesserlichen Optimisten, um es zu retten. 2009 gründete sich der Verein Kleine Kirche Darsikow e. V. und beantragte als erstes Fördermittel beim Land Brandenburg aus dem LEADER-Programm.

 
ALS MODELL ist das Kirchlein schon perfekt; links: Sibille Pomann
Foto: Bernd Janowski

Dass gleich dieses erste Hilfeersuchen abschlägig beantwortet wurde und den Darsikowern Mittel aus dem EU-Fördertopf versagt blieben, machte sie nicht mutlos. Sie konnten mit ihrem Konzept bereitwillige Unterstützer gewinnen, so mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Förderkreis Alte Kirchen; der Landkreis, die Denkmalschutzbehörde, das Amt Temnitz und die Gemeinde Temnitzquell halfen. Ihnen wie auch dem Restaurator, dem Statiker, dem Kirchlichen Bauamt und den vielen Spendern sagt der Vorstand des Darsikower Fördervereins an dieser Stelle herzlichen Dank.

Die Vereinsmitglieder packten selbst tüchtig zu. Eine Stützkonstruktion wurde in den Kirchenraum eingebracht und das Umfeld von Wildwuchs befreit. Eine Kirchen- und Ortschronik ist in Arbeit, die Ergebnisse der Geschichtsforschung sollen in einem Schaukasten vorgestellt werden. Sogar die ehemals im Dachreiter hängende Glocke, gegossen 1898 von der Gießerei Gustav Collier in Zehlendorf, haben die Vereinsmitglieder wiedergefunden. Und sie haben große Pläne für das gerettete Kleinod. Konzerte, Ausstellungen und Lesungen könnten hier ebenso stattfinden wie private Familienfeiern. Fahrradtouristen stünde ein Rastplatz für die Seele zur Verfügung. Doch auch Gottesdienste sollen nach dem Willen der Darsikower zu den Festen des Kirchenjahres hier wieder stattfinden.

Noch ist viel zu tun unterm reparierten Dach. Die Richtkrone ist ein Symbol, dass es erfolgreich weitergeht.

Vorstand des Vereins Kleine Kirche Darsikow

 

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BARSIKOW (Ostprignitz-Ruppin)

Wie der preußische König noch heute ganz hilfreich war

Um ihre Kirche zu restaurieren, nutzen die Barsikower alle alten und neuen "Beziehungen". Barbara Linke, Ortsvorsteherin und Vorsitzende des Freundeskreises Dorfkirche Barsikow, weiß von Einfallsreichtum und Beharrlichkeit zu erzählen.
 

Im September 2004 zogen mein Mann und ich von Potsdam nach Barsikow. Sozusagen unter den Schutz der Barsikower Kirche, denn unser neu gebautes Haus liegt rund hundert Meter von der Kirche entfernt. Von vielen Punkten unseres Grundstückes ist der Turm der Kirche zu sehen. Der bot damals einen traurigen Anblick: Reste des barocken Putzes ließen die verblichene Schönheit erahnen; das Ziffernblatt der Turmuhr musste vor langer Zeit abgefallen sein; die Birke im Dach des Eingangs hatte schon jemand entfernt.

Mit Kirche hatte ich als gelernte DDR-Bürgerin so gut wie nichts zu tun. Unter einem Pfarrer stellte ich mir einen ernsthaft dreinblickenden Menschen in dunklem Gewand vor. Stattdessen stellte sich mir eine sympathische junge Frau mit einem Zopf und einem Kind auf dem Arm als die zuständige Pfarrerin vor. Sie wollte einen Teil der Jugendclub-Betreuung übernehmen. Von so viel Weltlichkeit überrascht, bot ich meine Berufserfahrung in einer öffentlichen Verwaltung für den Fall an, dass Hilfe beim Bauen benötigt wird. Und prompt kam eine E-Mail mit der Bitte um Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln für die Neu-Verputzung des Kirchturmes in Barsikow.

Als dann ein Vertreter der KiBa zu verstehen gab, dass eine Zuwendung gewährt werden könnte, wenn eine breitere Öffentlichkeit am Erhalt der Kirche Interesse zeige, gab es einen verstehenden Blick zwischen Frau Pfarrer und mir. In den nächsten Wochen gründete sich der Förderverein "Freundeskreis Dorfkirche Barsikow", der sogleich mit zahlreichen Veranstaltungen Spenden sammelte. Ein Baugutachten attestierte dem Turm und der Kirche arge Baufälligkeit. Das Mauerwerk drohte auseinander zu brechen. Mit eigenen Mitteln der Kirchengemeinde und einer Zuwendung der KiBa gelang die Sanierung des Turmes. Um ihn zu stabilisieren, erhielt er unter Putz versteckte Bauchbinden aus Stahl und eine Sanierung des hölzernen Innenlebens.

Das ersparte Geld reichte nicht. Die schlimmsten Schwammstellen zwischen Turm und Kirchenschiff konnten nicht saniert werden. An Weiterbau war nicht zu denken. In der Zeitung las ich eine Todesanzeige, die eine Stiftung Preußisches Kulturerbe für zwei ihrer ehrenwerten Stiftungsmitglieder aufgegeben hatte. Vielleicht konnte diese Stiftung dem Förderverein Ausstellungsmaterial zur Verfügung stellen? Schließlich war mal der preußische König Patron unserer Kirche. So nahm ich Kontakt auf. Antwort: Wenn der Nachweis erbracht werden könne, dass der preußische König tatsächlich Patron war, könnte sich die Stiftung zu einer Förderung entschließen. Entsprechendes Material war bereits im Archiv bei der EKBO und im Landeshauptarchiv in Potsdam gesammelt worden. Der Nachweis gelang zusammen mit einem Sanierungs-Kostenvoranschlag problemlos. Und tatsächlich erhielten wir 30.000 Euro zweckgebunden für das Dach. Nur das lag auf einem völlig maroden Dachstuhl. Es dauerte fast zwei Jahre mit viel Überzeugungsarbeit, bis es verschiedene öffentliche Fördermittelzusagen für den Dachstuhl gab. Hilfreich war dabei die Idee unseres für den Kirchenbau verantwortlichen Pfarrers Brückner, im Turm eine Unterkunft für Pilger auf dem Weg von Berlin zur "Wunderblutkirche" in Bad Wilsnack einzurichten.

Es gab noch viele Bauverzögerungen und Fördermittelabsagen, bis kurz vor Weihnachten 2010 das Dach des Kirchenschiffes mit neuen Dachziegeln gedeckt werden konnte. Sehr schmerzlich war für uns, dass im Zuge der Bauarbeiten die wunderschöne Kirchenschiffdecke fast vollständig entfernt werden musste. Dafür hatten wir ein dichtes Dach und künftig eine Schlafmöglichkeit im Turm – aber keinen nutzbaren Kirchraum mehr. Keine Bänke, unverputzte Wände, keine Beleuchtung und einen Blick in das Gebälk des Daches. Nicht auszudenken!!! Da kam uns auf Hinweis von Pfarrer Utpatel hin der Verein "Andere Zeiten" in Hamburg zur Hilfe. Wieder erhielten wir 30.000 Euro, nun für die Wiederherstellung der Decke. Für die Arbeiten im Kirchenschiff sind 90.000 Euro kalkuliert. Doch auch diesmal gelang das Kunststück der Finanzierung. Es halfen der Kirchenkreis, der Förderkreis Alte Kirchen mit insgesamt 4.000 Euro und eine Spendenzusage für 2012 aus der EKBO.

Weihnachten und Silvester 2011 konnten wir erstmals von einer Notbestuhlung aus unter Not-Beleuchtung die wieder hergestellte Decke bewundern. Noch war der Raum jedoch nicht vollständig wieder hergestellt. Die Eröffnungs-Festveranstaltung sollte aber schon am 2. Juni 2012 stattfinden....

Wiederum völlig überraschend stellte uns die Stiftung Preußisches Kulturerbe 10.000 Euro für die defekten bleiverglasten Fenster der Kirche zur Verfügung. Wir hoffen nun auch auf deren Sanierung. In Schwierigkeiten bringen uns allerdings die bis in Kleinigkeiten gehenden Auflagen des Denkmalschutzes. Ein Denkmal sollte nutzbar sein, denn nur so bleibt es als Denkmal erhalten. Die geringe Kompromissbereitschaft der Denkmalbehörde scheint uns überzogen. Fördermittel finden wir nicht auf der Straße.

Doch entmutigen ließen wir uns nie in unserem Bestreben, die Kirche wieder vollständig in alter Schönheit erstrahlen zu lassen. Als Ortsvorsteherin von Barsikow beobachte ich neuerdings eine zunehmende private Bautätigkeit im Ort. Ich führe das auch auf das erfolgreiche Beispiel der Kirchensanierung zurück.

Und das macht froh!

 

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Heidi Walier nimmt Abschied — aber das Theaterprojekt geht weiter

Seit zehn Jahren bringt der Thespiskarren frischen Wind in alte Dorfkirchen

Nach zehn Jahren erfolgreichem "Theater in der Kirche" legt die Gründerin und Regisseurin Heidi Walier das Projekt nun in jüngere Hände. Mit ihrem "Wandertheater" brachte sie vielerorts neues Leben in die alten Kirchen, die auch von den Spendeneinnahmen profitieren. Der Förderkreis Alte Kirchen sagt ihr Dank für ihre engagierte Arbeit und wünscht dem Projekt weiteren Erfolg. Der FAK wird die Veranstaltungsreihe auch künftig fördern und begleiten.

 
HEIDI WALIER bei den Vorbereitungen zur Aufführung von Schillers "Kabale und Liebe" in der Kirche von Neulietzegöricke September 2007
Foto: H.P. Ermet

Als ich 2001 die Idee hatte, die Geschichte der Heiligen Johanna in einer Kirche aufzuführen, lernte ich durch einen glücklichen Zufall Bernd Janowski kennen und somit den Verein, der sich für die Restaurierung, Instandsetzung und Rettung der Brandenburger Dorfkirchen einsetzt. Er fand meine Idee interessant und nannte mir gleich ein paar Kirchen, die gerade aus ihrem Dornröschenschlaf geholt wurden. Sie standen da, lädiert durch Kriege und jahrzehntelange Witterung. Der Putz bröckelte, der Schwamm machte Probleme, Dach und Fenster waren undicht und oft bedeckte eine dicke Staubschicht wahre antike Schätze. Trotzdem hatten sie etwas sehr Würdevolles, nötigten einem Achtung und Respekt ab und wirkten sehr einladend.

Mein Theaterherz jubilierte. In dieser Atmosphäre Theater zu spielen, war etwas ganz besonderes. Zum Glück kannte ich Gernot Ernst, der begeistert seine vielfältigen Begabungen als Architekt, Musiker, Schauspieler und Bühnentechniker einbringen wollte. Mein theaterbegeisterter Ehemann Rudi Nothelfer übernahm die Finanzierung. Durch die engagierte Zusammenarbeit mit den örtlichen Pfarrern, den Förderkreisen und Gemeindemitgliedern wurde unser Verein "Theater in der Kirche e. V." geboren, getragen durch die "genialen Helferlein" im Hintergrund, ohne deren unermüdliche administrative Arbeit kein künstlerisches Schaffen möglich wäre. Auch die Einsatzbereitschaft und Spielfreude der jungen Schauspieler trugen dazu bei, dass aus dem anfänglichen Experiment allmählich eine jährliche Tradition mit vielen Aufführungen wurde.

Am Tag der Vorstellung kamen wir am Vormittag an und der kleine Theaterzirkus wurde herzlich mit heißem Kaffee und Schnittchen empfangen. Nachbarn und Vereinsmitglieder – alle packten mit an, halfen beim Fegen, beim Aufbau der Bühne, schleppten Scheinwerfer auf die Empore und legten lange Kabel, um Strom in einem Nachbarhaus anzapfen zu können. Eine Stunde vor Beginn der Vorstellung kamen die Damen des Vereins und brachten riesige Bleche voll mit selbstgebackenen, duftenden, leckeren Kuchen. Es wurde jedes Mal ein schönes kleines Fest. Das Publikum war begeistert und ließ es am Ende kräftig im Klingelbeutel rascheln.

Wir erlebten, wie sich Jahr für Jahr an den Kirchen etwas verändert hatte. Das Dach war nun dicht, die Fenster erneuert, der Turm wieder da, die Glocke läutete, die Elektrik funktionierte und der dicke Staub der Vergangenheit war mittlerweile Schnee von gestern.

Zehn Jahre lang haben mich die kleinen Dorfkirchen zum Inszenieren von Klassikern aus der Weltliteratur inspiriert, deren zutiefst menschliche Botschaften sehr gut – wie ich finde – in das kirchliche Ambiente passen. Zehn wunderbare Jahre! Zehn Jahre, die uns allen viel Freude gebracht haben und die ich nicht missen möchte. Aber nun ist auch Zeit, langsam aufzuhören.

Um der Gefahr zu entgehen, mich in den Inszenierungen zu sehr zu wiederholen, beschloss ich, das Projekt in jüngere Hände zu übergeben. Eine Entscheidung, die mir sehr schwer fiel. Aber im Kleistjahr stieß ich auf einen für mich bedeutungsvollen Spruch des Dichters:

Denn nichts ist dem Interesse so zuwider
als Einförmigkeit,
und nichts so günstig,
als Wechsel und Neuheit.

Die Entscheidung fiel mir nun leichter. Elena Brückner, die schon zuvor einige Projekte geleitet hat und im "Theater in der Kirche" zwei Rollen in "Der Bär" und "Der Zerbrochne Krug" mit Bravour gemeistert hat, wird nun die künstlerische Leitung übernehmen und frischen Wind durch die Dorfkirchen wehen lassen.

In diesem Sinne wünsche ich ihr, dem Verein "Theater in der Kirche" und den Förderkreisen weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen. Dank an alle, die mit mir die zehn Jahre begeistert mitgestaltet und ermöglicht haben. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiede ich mich.

Heidi Walier

 

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Bölzker Beispiel kann Schule machen

Eine unsichtbare Heizleiste sorgt für ein konstantes Raumklima

Der Einbau von Heizungen in alte Kirchengebäude ist immer problematisch und wirft viele Fragen auf. Wir baten einen Fachmann um Antworten, die er am Beispiel der jüngst restaurierten kleinen Fachwerkkirche in Bölzke (Prignitz) anschaulich macht:

 
BÖLZKE - altes Fachwerk und raffinierte Heizung
Foto: Jean Bouè

Bei der Instandsetzung der kleinen Fachwerkkirche in Bölzke stellte sich im Zusammenhang mit der geplanten multifunktionalen Nutzung die Frage, wie der Innenraum beheizt oder temperiert werden kann.

Spontan genutzte Heizsysteme haben oft negative Auswirkungen auf Baustoffe und Bauteile, besonders wenn sie viel Luft und Feuchtigkeit transportieren. Einbauten aus Holz sowie historische Farbfassungen leiden darunter. Fast alle herkömmlichen Heizungssysteme müssen lange vor Nutzungsbeginn eingeschaltet werden, damit die Energie der erwärmten Luft allmählich auf die Wandoberflächen übertragen wird, was eine sporadische Nutzung einschränkt und kostenintensiv gestaltet. In Bölzke kam noch hinzu, dass das instand gesetzte Fachwerk einen beträchtlichen Fugenanteil zwischen Hölzern und Ziegelausfachungen aufweist. Eine übliche Wärmebedarfsermittlung war wie für viele alte Kirchen nicht anwendbar.

Wie also Konvektion vermeiden und nur Wärmestrahlung erzeugen?

Eine Gas-Warmwasserheizung bedeutet hohe Investitionskosten und einen hohen Wartungsaufwand. Feste Brennstoffe (Holzkamin) kamen wegen der Schornsteinprobleme und der hohen Lufttemperaturen nicht in Frage. Ohne Gestühl (multifunktionale Nutzung, Ausstellungssystem) schied auch eine elektrische Bankheizung oder ähnliches aus. Optimal wäre eine Wandheizung, die aber der Forderung nach Sichtfachwerk im Inneren des Raumes entgegen steht.

Was geht dann noch?

Eine direkt elektrisch betriebene Heizleisteninstallation. Durch ein lineares Heizregister umlaufend am gesamten Außenwandfuß wird praktisch die Wirkung einer Wandheizung erzeugt, indem mit einem unmittelbar an der Wand anliegenden Luftschleier die Oberflächentemperatur angehoben wird. Ohne Aufheizung des Luftvolumens im Raum wird Behaglichkeit geschaffen.

In Bölzke wurde ein System mit elektrischen Heizstäben gewählt, auf die zur besseren Wärmeabgabe feine Lamellen aufgesteckt sind. Verkleidet mit farbig behandelten Nadelholzbrettern ordnet es sich dem Fachwerk unauffällig unter.

Dieses System hat sich inzwischen in Bölzke bewährt. Es ermöglicht, ohne tagelanges Vorheizen Veranstaltungen durchzuführen. Die Regelbarkeit ist einfach gelöst. Kondensatbildung während der Aufheizphase gehört der Vergangenheit an. Nahe der Decke bleibt das Raumklima relativ konstant, die vielen Undichtigkeiten wirken sich kaum aus. Die große Raumhöhe – für Kirchenräume normal – ist für ein solches System kein Nachteil. Und schließlich erhält man mit verhältnismäßig geringen Investitions- und Betriebskosten eine einfach zu bedienende, wartungsfreie und leistungsfähige Raumheizung.

Die relativ unbekannte Heizleiste bietet sich insbesondere für solche Räume an, die unregelmäßig genutzt werden, wie zum Beispiel die zahlreichen Dorfkirchen Brandenburgs.

Dipl.-Ing Johannes Penzell

 

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Berlin-Johannisthal

Eine Kirche mit Durchblick und mit einer ungewöhnlichen Geschichte

Historisches Bauensemble im Ortskern wurde gerettet

 
Foto: Siegfried Drosdatis
alte Ansicht der Kureinrichtung

Einst labten sich hier Kurgäste an einer Heilquelle, trafen sich Familien im Ausflugslokal zu Kaffee oder Bier. Da war Johannisthal noch ein Dorf vor den Toren Berlins und der Kaiser-Wilhelm-Garten eine gute Adresse.

Als der Ort 1920 nach Berlin eingemeindet wurde, wuchs die Einwohnerzahl und mit ihr die evangelische Gemeinde, die nun eine eigene Heimstatt suchte. Die Evangelische Kirche kaufte das Grundstück des ehemaligen Kurhauses mit Restaurationsgarten und Ausflugslokal, um es fortan kirchlich zu nutzen. – Ungewöhnliche Geschichte eines Gotteshauses. Dieses Ensemble im historischen Ortskern blieb im Wesentlichen bis heute erhalten. Auch die Veranden mit ihren holzgeschnitzten Arkaden als letzte Zeugnisse des einstigen Kurbads sind noch zu bewundern und haben heute neue Funktionen.

Anfang dieses Jahrhunderts aber war das Gebäude stark sanierungsbedürftig. Restaurierung oder Abriss, Neubau oder Gemeindefusion und Aufgabe des gesamten Geländes? Die Gemeindeleitung entschied sich nach vielen Erwägungen für den Erhalt des Gemeindezentrums und dieses einzigartigen Ensembles. Für den Umbau und die Sanierung nach neuesten Erkenntnissen zur Energieeinsparung wurde ein Architekturbüro herangezogen, Nachbargemeinden sagten finanzielle Unterstützung zu. Weitere zusätzliche Mittel wollte ein Förderverein herbeischaffen, der für dieses Konzept 2009 ein Startkapital vom Förderkreis Alte Kirchen erhielt und sogleich ans Werk ging: Schon lange vor Baubeginn lud man zu Benefizveranstaltungen, zu Lesungen, Konzerten und Vorträgen. 35.000 Euro aus Spenden konnten bisher an die Gemeinde überwiesen werden.

"Wo ist das Geld geblieben?", fragen wir Ulrich Scheidereiter, den Verantwortlichen der Gemeindeleitung für die Bauaufgaben und Schatzmeister des Johannisthaler Fördervereins. "Hier", sagt er und öffnet die Tür zu einem großzügigen Kirchsaal, lichtdurchflutet, transparent durch vergrößerte Fenster, damit jeder hereinschauen kann, schlichter Altar, Orgel und Konzertflügel, flexible Bestuhlung – hier wird nicht nur Gottesdienst gefeiert, hier ist man auch offen für übergemeindliche Begegnungen.

Zehn Monate lang war das im vergangenen Jahr eine quirlige Baustelle: Abriss überflüssiger Gebäudeteile und der alten Haustechnik, Einbau einer effektiven Fußbodenheizung, Wärmedämmung des gesamten Baukörpers, neue Türen und Fenster, zum Teil mit Thermoverglasung, neue Fußbodenbeläge, behutsame Vereinfachung der äußeren Struktur. Entstanden ist ein Gemeindezentrum, in dem es neben dem großen Kirchsaal u. a. einen freundlichen Gemeinderaum, eine komfortable Küche, moderne Sanitäranlagen und einen Bürotrakt gibt. Und das Ganze ausgerichtet auf sparsamsten Energieverbrauch.

Insgesamt 510.000 Euro betrug das Bauvolumen, davon war – Baurücklagen und Mittel vom Kirchenkreis abgerechnet – immerhin rund ein Drittel von der Gemeinde aufzubringen. Sponsoren wurden geworben. Bei den Bauarbeiten fanden sich viele Helfer, deren Leistungen den Eigenanteil erhöhten. In den nächsten zehn Jahren hat die Gemeinde nun die Aufgabe, aus ihrem Haushalt Mittel zurückzugeben, die der Kirchenkreis vorgeschossen hat. "Mit Unterstützung des Fördervereins schaffen wir das früher", sagt Ulrich Scheidereiter. Manches steht noch aus. Auch das grüne Umfeld mit der Reminiszenz an den einstigen Kurgarten soll weiter ausgestaltet werden.

Ein Gotteshaus mit ungewöhnlicher Geschichte, einst wie jetzt offen für alle, die hier vorbeischauen wollen.

Eva Gonda

 

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ZEESTOW (Havelland)

Blickfang am Berliner Ring

Die alte Zeestower Kirche (Dorfkirche des Monats Januar 2011) grüßt seit kurzem mit einem neuen spitzen Turm weit ins Land. Damit ist der erste Abschnitt des Projektes abgeschlossen, das seit den Siebzigerjahren ungenutzte Gotteshaus zu sanieren und künftig als erste Autobahnkirche am Berliner Ring zu nutzen. Der zweite Bauabschnitt – die Maurer- und Putzarbeiten am Kirchenschiff – werden sich voraussichtlich bis zum Frühjahr 2013 hinziehen.

Der ursprüngliche Turmhelm war nach 1900 zerstört worden und das Ersatzdach mit zweieinhalb Metern Höhe wesentlich niedriger als zuvor. Zimmerer von der Baudenkmalpflege Prenzlau nahmen zunächst die alte Spitze ab, die ohnehin nicht dem Original entsprach, und setzten nun die neu geschaffene, rund zehn Meter hohe Turmbekrönung auf.

Pfarrer Dr. Bernhard Schmidt, Vorsitzender der Gemeinsamen Leitung des Kirchenkreises Falkensee, freut sich, dass es gelungen ist, "dieses Kleinod aus dem Dornröschen-Schlaf zu wecken". Und Pfarrerin Dr. Rajah Scheepers, Berlin-Dahlem, die Projektentwicklerin, meint euphorisch: "Der Tag, an dem wir den vielen Reisenden auf dem Berliner Ring hier eine Tankstelle für die Seele zur Verfügung stellen können, ist in greifbare Nähe gerückt." Auch die Architektin, Sybille Stich, Potsdam, ist mit dem Baufortschritt zufrieden.

Bisher gibt es in Deutschland 38 Autobahnkirchen. Nur 800 Meter von der Abfahrt Brieselang entfernt, wird Zeestow die erste am Berliner Ring sein, der täglich von mehr als 100.000 Kraftfahrzeugen befahren wird.

 

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Mit dem Pilgerstab durch Brandenburg

 

Pilgern ist heutzutage wieder zu neuen Ehren gekommen. Auch in Brandenburg gibt es etliche Pilger– und Wanderwege. Auf einer Informationsveranstaltung der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung wurden acht dieser Angebote vorgestellt:

Der Jakobsweg in Ostbrandenburg, betreut durch die Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion e.V.: Start auf brandenburgischer Seite ist in Frankfurt(Oder). Die Pilger können eine Nord- oder Südroute wählen und so auf einer gut beschilderten Strecke bis nach Berlin gelangen.

An diesen schließt sich der westbrandenburgische Jakobsweg an (St.-Jakobus-Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.). Er führt über Bad Wilsnack bis nach Tangermünde. Für diesen Abschnitt steht ein kleiner Pilgerführer zur Verfügung, der im Buchhandel erworben werden kann.

Auch um Heiligengrabe ist ein kleiner Rundpilgerweg entstanden, der sogenannte Annenpfad. Er umfasst eine Strecke von ca. 22 km und kann gut an einem Tag bestritten werden. Das Kloster Stift zum Heiligengrabe bietet geführte Pilgertouren und Übernachtungen an.

Der Rehfelder Lilien-Rundweg (17 km) ist zwar kein Pilgerweg, beschäftigt sich jedoch mit den Spuren der Zisterzienser. Er wird betreut durch das Kultur- und Tourismusamt Märkische Schweiz. Der Verein übernimmt ebenfalls die Pflege eines Stückes des ostbrandenburgischen Jakobsweges zwischen Müncheberg und Strausberg.

Ebenfalls als Tagestouren aufgebaut sind die Potsdamer Pilgerwege, die fünf Routen umfassen. Sie sind unterschiedlich thematisch aufgebaut und auch unterschiedlich lang. Der Potsdamer Pilgerwege e.V. bietet geführte Pilgertouren an.

Eine weitere Strecke umfasst der Ökumenische Pilgerweg zwischen Magdeburg und Gniezno – mal in diese, mal in die andere Richtung. Er wird jedes Jahr zwischen 24. und 29. Juni organisiert und begleitet. Dieser Pilgerweg dient auch der deutsch-polnischen Verständigung und wird als geführte Pilgertour angeboten.

Der zweite Ökumenische Pilgerweg ist der Jakobsweg von Görlitz nach Vacha (Hessen) und liegt auf der Via Regia. Auch für diesen Weg kann ein Pilgerpass erworben werden. Der Weg ist durch eine gute Unterkunftsstruktur gekennzeichnet.

Die Kirchenstraße Elbe-Elster ist kein klassischer Pilgerweg, sondern ein Verbund von südbrandenburgischen Dorf- und Stadtgemeinden, die durch neun thematisch gestaltete Wege verbunden sind (www.kirchenstrasse-elbe-elster.de). Sie wird betreut durch den Verein Wald- und Heideland.

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Berlin-Brandenburg e.V. hat eine ausführliche Informationsmappe über alle Wege zusammengestellt, die als pdf-Dokument heruntergeladen werden kann (auf "Informationsmappe" klicken). Anfragen an Franziska Baumann, franzibaumann@aol.com.

 

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Aus der Postmappe des Förderkreises Alte Kirchen

Unsere Erste Hilfe kam gut an

Im Sommer vergangenen Jahres war die Decke über dem Altar der Ahlsdorfer Kirche (Elbe-Elster) plötzlich eingebrochen. Mit einem Betrag aus unserer Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen und einem weiteren Zuschuss reagierten wir spontan, um erste Reparaturmaßnahmen sichern zu helfen. Aus Ahlsdorf schrieb uns Pfarrer Volkmar Homa u. a.:

Sehr herzlich danken möchte ich im Namen der Kirchengemeinde Ahlsdorf und des Gemeindekirchenrates für die freundliche Zuwendung von zweimal 3.000 Euro zur Notsicherung und Reparatur der Kirchendecke in Ahlsdorf. Besonders danken möchten wir auch Herrn Dr. Proske für seine Spende.

Einen Teil des Geldes konnten wir schon einsetzen für die Erstellung der planerischen Grundlagen der Sicherung und Sanierung. Die Ahlsdorfer Kirchengemeinde, der Förderkreis Barockkirche Ahlsdorf und auch Bürger aus der Region um Herzberg sind sehr engagiert, um den Schaden zu beheben und die Kirche wieder nutzbar zu machen. So fand am 1. Advent ein Benefizkonzert mit Studenten der Hochschule für Musik Leipzig zugunsten der Kirchendecke statt.

Auch wenn die Christvesper mit dem Krippenspiel im vergangenen Jahr nicht in der Kirche stattfinden konnte, sondern in der Gutsscheune, feierten wir doch das Fest der Geburt Christi fröhlich und mit der Gewissheit, dass die Ahlsdorfer zuversichtlich in das neue Jahr blicken können.

Wir freuen uns über die große Anteilnahme der Öffentlichkeit und auch Ihres Förderkreises.

Besucher wollen willkommen sein

Seit 1999 setzt sich der Förderkreis Alte Kirchen mit dem Projekt "Offene Kirchen" dafür ein, dass Interessenten die Möglichkeit geboten wird, Kirchen zu besuchen und sich über Geschichte und Gegenwart zu informieren.
Dieses Thema bewegt immer wieder viele Mitglieder und Freunde des Förderkreises, uns ihre Gedanken dazu mitzuteilen:

Augen auf an den Kirchentüren

Der FAK kann mit Recht stolz darauf sein, dass in seinem Jahresheft "Brandenburgische Kirchen laden ein" über 900 Einträge zu offenen Dorfkirchen zu finden sind. Bei Fahrten durch das Land – mit dem Heft als Reiseführer – stellen wir aber immer wieder fest, dass die Bekanntmachung an den Kirchen vor Ort oft mangelhaft ist: kein Hinweis auf eine mögliche Öffnung, auf die Hüterin oder den Hüter der Schlüssel. Touristen, die ohne unser Heft in der Hand reisen, haben es dann schwer.

Unsere Mitglieder könnten hier viel bewirken, wenn sie in ihrem Umfeld einmal mit "fremden Augen" schauen und sich um Verbesserungen bemühen. Wenn es auch noch gelänge, an jeder Kirche Informationen über die nächsten Gottesdienste vor Ort oder in der Umgebung zu geben, wäre den Gästen sehr gedient.

Marianne Fiedler,
10715 Berlin

Ein Schweizer Pfarrer bringt es auf den Punkt

Auf der Kirchenseite einer Regionalzeitung aus der Schweiz habe ich ein herrliches Zitat gefunden, das ich Ihnen gern vermitteln möchte.

Das Zitat stammt aus dem "Anzeiger von Saanen" vom 27. Januar 2012, der in Gstaad (Berner Oberland) herausgegeben wird, und ist von einem Pfarrer Carl Boetschi von der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen (nach den Angaben im Internet noch ein recht "junger Mann" – Jahrgang 1958):

„Offene Türen sind eine evangeliumsgemäße Einladung. Abschließen, absichern, sauber halten und aussperren ist nicht im Sinne Jesu. Eine geschlossene Kirche ist eine tote Kirche, ein Museum, das nur am Sonntag 9-11 Uhr offen ist – für V.I.P.s.

Gerade der letzte Satz hat es mir sehr angetan.

Ich will hier nur diese eine Textstelle zitieren, aber der gesamte Artikel ist hoch interessant, weil darin grundsätzliche Gedanken zum Problem der geschlossenen –oder eben auch geöffneten – Kirchen enthalten sind. Und da gibt es wohl kaum Unterschiede zwischen den Schweizern und den Deutschen – allenfalls, dass hier im Brandenburgischen die Kirchen eben doch mehr gefährdet sind. Es wird leider alles beschmiert, es wird leider überall gestohlen – insofern kann ich die Gemeinden verstehen, wenn sie ihre Kirchen lieber verschließen.

Und doch: Der Schweizer Pfarrer hat schon Recht.

Alexander Kraemer,
12103 Berlin

Die Liste der offenen Kirchen ist sehr hilfreich

Frau von Wedel-Schunk befasst sich mit der Frage, warum sich Touristen von offenen Kirchentüren einladen lassen (AK Dezember 2011). Auch meine Frau und ich, ebenso unsere Kinder, können kaum an einer offenen Kirchentür vorbeigehen, insbesondere wenn auch noch die Orgel zu hören ist. Als großes Ärgernis empfinden wir es, dass in weiten Teilen Deutschlands vor allem die evangelischen Kirchen geschlossen sind, auch wenn Reiseführer diese als sehr sehenswert anpreisen. Meistens ist nicht einmal angegeben, wer eventuell den Kirchenschlüssel hat und freundlicherweise bereit ist zu öffnen. Insofern ist der FAK sehr zu loben, weil er jedes Jahr die Liste der offenen Kirchen in Brandenburg veröffentlicht. Es wäre sehr zu wünschen, wenn sich alle Kirchengemeinden dazu entschließen könnten, die Kirchen zugänglich zu machen.

Ernst Willenbrock,
53757 Sankt Augustin

 

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Aus der Arbeit des Förderkreises

Unsere Ausstellung ist wieder auf Reisen

Ein wichtiges Anliegen des Förderkreises ist es, die Probleme, aber auch Erfolge bei der Instandsetzung, Erhaltung und angemessenen Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen auch über die Grenzen des Landes bekannt zu machen. Seit Jahren setzt sich Dr. Hans Krag für die Darstellung des Förderkreises in den alten Bundesländern mit der Ausstellung "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" ein. Auch in den kommenden Monaten wirbt sie dort für unseren guten Zweck:

Ingolstadt, Liebfrauenmünster, vom 10. bis 27. Juni, täglich. Eröffnung am Sonntag, 10. Juni, 11 Uhr, mit einem Vortrag.

Augsburg, Kirche St. Anna, vom 29. Juni bis 19. Juli, Montag 12.00-18.00 Uhr, Dienstag bis Samstag 10.00-18.00 Uhr, Sonntag 10.00-12.30 und 15.00-17.00 Uhr. Eröffnung mit einem Vortrag am 29. Juni um 18.00 Uhr.

Die Oldtimer-Rallye findet nicht statt

Im kommenden Juni sollte die im vergangenen Jahr verschobene Oldtimer-Rallye des Förderkreises zu Dorfkirchen im südlichen Brandenburg stattfinden. Leider wird es auch dieses Mal nichts. Weder konnten wir genügend Teilnehmer für die Rallye gewinnen noch Sponsoren aus der Region.

Wir wollen unsere Enttäuschung nicht verhehlen, werden aber in unseren Bemühungen nicht nachlassen. Der FAK wird sich also wieder etwas Neues einfallen lassen. Bleibt nur, der Stadt Finsterwalde und ihrer Entwicklungsgesellschaft "Complan Kommunalberatung" in Potsdam sowie der Firma "Koch Gruppe Automobile AG" in Berlin herzlich für ihr Engagement für das Projekt zu danken.

Hans Krag

 

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KURZ NOTIERT

WULKOW (Märkisch Oderland): Fördermittel ermöglichen umfangreiche Sanierung

In diesem Jahr sollen Außenhülle und Turm der Dorfkirche Wulkow bei Frankfurt (Oder) saniert werden. Dank einer Förderung im Rahmen des Förderprogramms für integrierte ländliche Entwicklung (ILE) sind auch Restaurierungsarbeiten im Innenraum des reich ausgestatteten Kirchengebäudes möglich. So muss die zu DDR-Zeiten mit dem Holzschutzmittel Hylotox behandelte Kirchendecke entgiftet werden. Vorgesehen sind auch die Restaurierung zweier barocker Epitaphe der ehemaligen Patronatsfamilie und eine Kur für den Taufengel, der sich im Juli 2011 aus seiner Verankerung in der Kirchendecke gelöst hatte und abstürzte. Der Wulkower Engel ist deshalb auch in die Spendenaktion "Menschen helfen Engeln" des FAK aufgenommen worden.

PESSIN (Havelland): Hausschwamm macht Pläne zunichte

Erneut wurde im Innenraum der Pessiner Kirche der Gemeine Hausschwamm entdeckt. Die Treppe zur Südempore ist durch die Schädigung völlig zerstört. Auch im umgebenden Mauerwerk wurden Sporen entdeckt. Die notwendig gewordene Sanierung wird etwa 12.000 Euro kosten. Eigentlich sollten in das Kirchengebäude, das auch für Kulturveranstaltungen genutzt wird, eine Toilette und eine kleine Küche eingebaut werden. Die Finanzierung dafür ist nun vorläufig gefährdet. Dem engagierten Förderverein Dorfkirche Pessin, auf dessen Initiative bereits umfangreiche Reparaturarbeiten in Eigenleistung erfolgten, wurde im vergangenen Jahr ein FAK-Startkapital zuerkannt.

PRENZLAU (Uckermark): Museumspreis für ein innovatives Jugendprojekt

Das Dominikanerkloster Prenzlau ist mit dem Brandenburger Museumspreis der Ostdeutschen Sparkassenstiftung ausgezeichnet worden. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis zur Förderung innovativer Konzepte geht an die Einrichtung für ihr Jugendprojekt zur Erforschung des mittelalterlichen Zisterzienserklosters Seehausen bei Prenzlau. Zusätzlich wurden 5.000 Euro für ein Arbeitsstipendium bereitgestellt, das die Umsetzung des Preisentwurfes begleiten soll. In dem preisgekrönten Projekt sollen Schüler selbstständig die archäologischen Fundobjekte von der Ausgrabung bis in das Museum begleiten. Sie sollen somit Einblick in den Arbeitsalltag im Museum erhalten, von der Restaurierung und Konservierung der Objekte, der Inventarisierung, der Präsentation in der Ausstellung und von deren Vermarktung. Der Initiativpreis wird alle drei Jahre für eine kreative Idee verliehen. Voraussetzung ist die Kooperation mit einem Partner aus der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturszene.epd

 

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BÜCHER

Der Havelberger Dom und seine Ausstrahlung

Der Geschichte und Bedeutung des Havelberger Doms ist eine Neuerscheinung des Lucas-Verlages gewidmet. Havelberg, in slawischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum der Wenden, wurde von Kaiser Otto I. im Jahr 946 zum Bischofssitz erhoben. Der erste Bau eines Doms wurde während des großen Wendenaufstands von 983 zerstört. Erst nach dem Wendenkreuzzug 1147 konnte das Gebiet östlich der Elbe endgültig christianisiert werden. Der Dom St. Marien, als Kirche des Bistums nunmehr im romanischen Baustil wieder errichtet und 1170 geweiht, gehört zu den ältesten und imposantesten Kirchenbauten Brandenburgs.

Nach einem Brand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil überformt und umgebaut, birgt er immer noch kunsthistorisch höchst bedeutende Ausstattungen – Glasmalerei, Lettner, Triumphkreuzgruppe, Sandsteinleuchter, Hochaltar, Taufe und Chorgestühl. Die Schätze spiegeln auch den wirtschaftlichen Aufschwung der Havelberger Diözese durch die Wilsnacker Pilger Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts wider.

Im vorliegenden Sammelband stellen bekannte Kunsthistoriker und Bauforscher neue Ergebnisse ihrer Forschungen zur Bau- und Ausstattungsgeschichte des Domes vor, wobei sie sich insbesondere den Fragen der regionalen Wechselbeziehungen widmen.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Der Havelberger Dom und seine Ausstrahlung, Lucas-Verlag Berlin,
Broschur, 238 Seiten, 186 Schwarzweißabbildungen, ISBN 978-3-86732-120-4; 25,00 €

Joachim Wagner, Orgelmacher – eine beeindruckende Monographie

Die 1742/44 entstandene zweimanualige Barockorgel in der Angermünder St.-Marien-Kirche, die bis heute hochrangige Organisten aus der ganzen Welt anzieht, verdankt ihre Entstehung der Beharrlichkeit und Leidensfähigkeit des damaligen Organisten Stephan Christian Stiller. Bereits 1728 hatte dieser von dem Berliner Orgelbauer Joachim Wagner eine "Speci-fikation" für den Neubau einer Orgel erhalten. Der Magistrat der Stadt hatte eine finanzielle Beteiligung zugesagt. Nur der Angermünder Propst Siegmund Bärensprung behinderte den Orgelbau dergestalt, dass Stiller sich mit einem Brief direkt an den König wandte, der den unverzüglichen Neubau befahl. Doch Propst Bärensprung intrigierte, verhinderte Spenden und versuchte, dem Organisten den Dienst "aufzusagen". Erst Bärensprungs Tod 1739 schuf die Möglichkeit für die Entstehung des großartigen Instrumentes.

Nachzulesen ist der aus dem damaligen Briefwechsel sowie aus den Kirchen- und Stadtakten rekonstruierte Vorfall in einem neu erschienenen Buch. Der Orgelhistoriker und Begründer der systematischen Orgelfeldforschung in Brandenburg Wolf Bergelt hat erstmals eine beeindruckende Gesamtdarstellung zu Leben und Werk des neben Gottfried Silbermann bedeutendsten deutschen Orgelbauers des 18. Jahrhunderts vorgelegt. Über 50 bekannte Wagner-Orgeln werden mit ihrer zum Teil erstmals rekonstruierten Originaldisposition, allen bekannten Umbauten, Reparaturen und Veränderungen, der Vorstellung der heutigen Disposition und der Kennzeichnung der erhaltenen Originalsubstanz akribisch vorgestellt. Zahlreiche bisher unbekannte Quellen konnte Bergelt in seiner jahrzehntelangen Forschungstätigkeit auswerten und erstmals vorstellen. Entstanden ist ein Buch, das wohl für lange Zeit ein Standardwerk bleiben wird, auch wenn noch viele Geheimnisse bleiben, die hoffentlich künftige Generationen von Wagner-Forschern entschleiern werden. Die wunderbaren Bilder des Fotografen Christian Muhrbeck und die sorgfältige Gestaltung durch den renommierten Verlag Schnell+Steiner machen die Wagner-Monographie darüber hinaus zu einem der schönsten Bücher der letzten Jahre. Den innovativen technisch-konstruktiven Bereich der Wagnerschen Orgelbaukunst erläutert der renommierte Wagner-Experte Dietrich Kollmannsperger.

Die Lektüre empfiehlt sich nicht nur für den Musikfachmann. Auch der interessierte Laie findet in den Zitaten der historischen Quellen und ihrer Interpretation spannende und größtenteils kurzweilig zu lesende Erkenntnisse.

Eine schöne Würdigung des Schaffens von Joachim Wagner bildet die Orgelpredigt des Propstes Porst, gehalten 1721 in der Berliner St.-Marien-Kirche, wo Joachim Wagner seine erste eigene Orgel schuf. In der gedruckten und im Buch zitierten Predigt heißt es: "Wie vielmehr kann ein gantzes Orgelwerck, wo nicht alle, doch etliche zerstreute und flüchtige Gemüther in der Gemeinde sammlen, ihre unruhige(n) Affecten vertreiben und dämpfen, oder doch mäßigen und mindern und bezähmen, die Melancholie und andere Gemüths-Kranckheiten verjagen, das Hertz in eine gute Verfassung und Ordnung setzen, auch fähig machen, göttliche Dinge mit desto mehrer Andacht zu Hertzen zu nehmen." Dieses Zitat sollten Kirchengemeinden jedem Antrag auf finanzielle Unterstützung einer Orgelrestaurierung beilegen!

Soweit die dürftige Quellenlage es zulässt, hat Wolf Bergelt auch das private, zum Teil tragische Leben des großen Orgelbauers nachgezeichnet. So genial Joachim Wagner als Orgelbauer war, so wenig Talent hatte er anscheinend, sein Handwerk und seine Kunst zu verkaufen. Als Wagner 1749 im Alter von nur neunundfünfzig Jahren starb, erhielt er lediglich ein Armenbegräbnis. Sein Handwerkszeug wurde anschließend meistbietend versteigert, um die Kosten zu decken.

Bernd Janowski

Wolf Bergelt: Joachim Wagner. Orgelmacher (1690-1749),
Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2562-3, 711 Seiten, 96, - €

Neuentdeckung einer bedeutenden mittelalterlichen Kunstlandschaft

Im vergangenen Jahr luden mehrere Ausstellungen unter dem klangvollen Motto "Raubritter und schöne Madonnen" dazu ein, sich mit der mittelalterlichen Geschichte der Mark Brandenburg auseinander zu setzen. Die wichtigste Präsentation des damaligen Ausstellungsverbundes fand im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte statt, wo mit zahlreichen – zum überwiegenden Teil aus brandenburgischen Kirchen stammenden – Exponaten einem staunenden Publikum "Die Bilderwelt des Mittelalters" präsentiert wurde. Erstmals konnte in überzeugender Weise gezeigt werden, dass die in der Kunstgeschichtsschreibung bislang eher stiefmütterlich behandelte Mark Brandenburg bereits vor mehr als 500 Jahren eine eigenständige Kunstlandschaft war. Kurator der Potsdamer Ausstellung war der Kunsthistoriker Dr. Peter Knüvener, dessen Dissertation zur spätmittelalterlichen Skulptur und Malerei nun als mehr als drei Kilogramm schweres und mit fast 900 Abbildungen überreich illustriertes Buch erschienen ist.

In der Einleitung schreibt Peter Knüvener, dass er für seine Arbeit möglichst alle erhaltenen Zeugnisse der bildenden Kunst der Mark Brandenburg (einschließlich Altmark und Neumark) zwischen etwa 1450 und der Einführung der Reformation in Augenschein nahm und dokumentierte. Dadurch war es erstmals möglich, Zusammenhänge zwischen bisher isolierten Kunstwerken herzustellen, Werkstätten von Bildhauern, Schnitzern oder Malern zu lokalisieren und künstlerische Einflüsse zwischen den Herkunftsorten zu untersuchen. Besonders die Altmark und die Stadt Brandenburg stellten bedeutende Zentren der mittelalterlichen Kunst dar, die überregional ausstrahlten, aber auch Einflüsse von außen aufnahmen und weiter entwickelten. Überhaupt sind die Erkenntnisse darüber, wie intensiv bereits zu dieser Zeit der Handel mit Kunstwerken blühte und wie sich Werkstätten gegenseitig beeinflussten, erstaunlich.

Zur mittelalterlichen Historie Brandenburgs sind uns nur wenige schriftliche Quellen überliefert. Und so sind es die erhaltenen Kunstwerke, die ein reiches Panorama der Zeit entfalten und Geschichte(n) erzählen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte sich die Macht der seit 1411 regierenden Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern gefestigt. Die Mark erlebte eine wirtschaftliche Blütezeit. In den wohlhabender werdenden Städten bauten selbstbewusste Bürger prächtige Rathäuser und Stadttore. Neu entstehende große Stadtkirchen wurden mit Bauornamentik verziert und erhielten großartige Altarretabel, wertvolle Glasfenster und aufwändige Wandmalereien. Verdienst des Autors ist es zu zeigen, dass der "Kunstboom" auch die Dorfkirchen erreichte. Gerade im Umkreis städtischer Machtzentren gelangten Kunstwerke aus ortsansässigen Werkstätten auch in die umliegenden Dorfkirchen. Und dass die Reformation in Brandenburg nicht mit einem Bildersturm verbunden war, zeigt die große Anzahl Altäre, Skulpturen und Bildwerke, die bis heute erhalten blieben.

Bereits 1863 beklagte Theodor Fontane in einem Brief an die "Kreuzzeitung", dass die mittelalterlichen Bilderaltäre in märkischen Kirchen nicht genügend gewürdigt, oftmals zugunsten einer neuen Ausstattung entfernt und "auf den Kirchenboden gebracht [wurden], wo man ihnen oft, neben anderem Kirchenschmuck aus der katholischen Zeit, begegnet". Fontane bezeichnete dieses Vorgehen als "Barbarei" und begann, Material über mittelalterliche Kunstwerke zu sammeln; eine geplante Arbeit zu dem Thema kam jedoch nicht zustande. Erst einhundertfünfzig Jahre später ist es Peter Knüvener gelungen, die vorhandene Lücke in der Kunstgeschichtsschreibung zu schließen und die lange als provinziell geschmähte Mark Brandenburg als eigenständige, durchaus bedeutende, Kunstlandschaft zu würdigen.

Bernd Janowski

Peter Knüvener: Die mittelalterliche Skulptur und Malerei in der Mark Brandenburg.
Worms 2011; ISBN 978-3-88462-321-3; 389 Seiten; ca. 900 Abbildungen; 74,- €

Lesenswerte Dokumentation

"Kirchen im Dorf lassen. – Erhaltung und Nutzung von Kirchen im ländlichen Raum" war das Thema einer Tagung, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und dem Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz im April 2011 in Marburg/Lahn veranstaltet wurde. Vor kurzem ist nun die Dokumentation der Werkstatt-Tagung, ein sehr ansprechend gestalteter Band, erschienen.

Das Thema knüpfte an die Erfahrungen der Tagung von Mühlhausen mit dem Thema "Kirche leer – was dann?" im April 2009 an und sollte vor allem die vielfältigen Potentiale einer Belebung und Nutzungserweiterung von Kirchen in Kleinstädten und Dörfern beleuchten. Angus Fowler und Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen waren in die Leitung von Arbeitsgruppen involviert; Birgit Karger und Wolf-Dietrich Meyer-Rath stellten das von ihnen geleitete Projekt "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" und den dabei gedrehten Dokumentationsfilm von Otto Wynen vor. Neben Einblicken in die Problemstellung der Tagung dokumentiert der Band ausführlich die Werkstatt-Gespräche der fünf Arbeitsgruppen und die zum Tagungsschluss verabschiedete Resolution.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Der127-seitige Band ist gegen eine (freiwillige) Spende erhältlich bei: Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, www.dnk.de/Publikationen/n2359, oder über die Geschäftsstelle, Graurheindorfer Straße 198, 53117 Bonn, Tel. 0228 996813554, Mail: angelika.woelfel@bkm.bim.bund.de

 

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