Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Kollegiale Leitung des FAK – eine Zwischenbilanz

Seit der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises im Mai gibt es Veränderungen bei der Arbeitsteilung innerhalb des Vorstandes. Da es dem Vorstand nicht gelungen ist, einen Kandidaten für den Vorsitz zu benennen, haben wir uns auf eine kollegiale Leitung geeinigt. Unsere Satzung schreibt nicht zwingend die Bestellung eines Vorsitzenden vor. In anderen Vereinen und Institutionen, zum Beispiel auch in etlichen Kirchenkreisen unserer Landeskirche, hat sich das Prinzip der kollegialen Leitung bewährt. Trotzdem gab es auch Zweifel, ob die Vorstandsarbeit unter ihrer neuen Organisationsstruktur reibungslos fortgeführt werden könnte.

In allen Vereinsvorständen und demokratischen Entscheidungsgremien wird immer nach möglichst besten Lösungen gesucht. So auch bei uns. Dabei werden Argumente des Für und Wider ausgetauscht, es wird um Positionen gestritten und um Mehrheiten gerungen. Das hat überwiegend zu klaren Mehrheitsbeschlüssen geführt, selten lähmende Pattsituationen erzeugt und manchmal auch sachlich begründeten Streit gekostet, der dann doch stets zu einem fairen Kompromiss geführt hat.

In den mehr als zwei Jahrzehnten unseres Bestehens ist es uns immer gelungen, zum Wohle unseres Vereinszweckes, der Erhaltung und Bewahrung der denkmalgeschützten Kirchengebäude im Lande, Entscheidungen zu treffen, die nach manchmal langer Diskussion schließlich gemeinsam getragen werden. Viele sichtbare Zeichen im Lande sowie die Anerkennung seitens der Kirche, der Landesdenkmalpflege und auch aus Fachkreisen spiegeln dies wider.

Nunmehr werden unsere Vorstandssitzungen im offenen Rotationsverfahren geleitet, was uns durchaus gelingt. Wir haben uns in den vergangenen Jahren ein sorgfältig ausgebautes Regelwerk geschaffen, das die Richtschnur unserer Arbeit ist. Dazu gehört auch eine Rahmenvereinbarung für eine kollegiale Leitung, die Sie unter www.altekirchen.de einsehen können. Vieles ist – im positiven Sinne – auch zur Routine geworden. Schon seit langem praktizieren wir in unserer Arbeit eine funktionierende Arbeitsteilung, bei der die Vorstandsmitglieder und weitere Ehrenamtliche, der Geschäftsführer und die Verwaltungsangestellte (jeweils mit einer halben bezahlten Stelle), unsere Regionalbetreuer und weitere aktive Mitglieder miteinander kooperieren.

Was hat sich seit Mai dieses Jahres nun konkret geändert? Sichtbar eigentlich gar nicht so viel.

Die Einnahmen unseres Vereins aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und dem Verkauf unserer Zeitschrift "Offene Kirchen" werden voraussichtlich auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren liegen, ebenso die Ausgaben für konkrete Sanierungsprojekte, über die der Vorstand monatlich diskutiert und abstimmt. Im Spätsommer haben wir im Rahmen einer äußerst gelungenen Festveranstaltung in Steffenshagen bereits zum zwölften Mal unser Startkapital für Kirchen-Fördervereine ausgereicht. Auf mehreren Exkursionen konnten wir den Teilnehmern Erfolge zeigen, an denen der Förderkreis Alte Kirchen dank Ihrer Hilfe beteiligt war. Die Redaktionsarbeit für die "Offenen Kirchen 2013" läuft bereits auf Hochtouren. Und auch das Mitteilungsblatt "Alte Kirchen", das Sie gerade in der Hand halten, erscheint wie jedes Jahr pünktlich zur Adventszeit. Für unsere Regionalbetreuung konnten wir sogar vier Mitglieder neu gewinnen (siehe Rückseite Mitteilungsblatt vom Juni 2012).

Nach einem halben Jahr kollegialer Leitung fällt die Bilanz also positiv aus. Die über Jahre gewachsene Tätigkeit des Förderkreises geht ohne Reibungsverluste weiter. Möglich ist dies wesentlich auch durch die großartige Unterstützung unserer Mitglieder und Freunde.

Wir sind uns allerdings darüber einig, dass diese Form der Leitung nur für eine begrenzte Zeit gelten soll. Das heißt, dass wir unsere Fühler auf der Suche nach einer/m neuen Vorsitzenden ausstrecken. Dabei sind wir auch auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Der Vorstand

 
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STEFFENSHAGEN (Prignitz)

Elogen, Schecks und Sonnenblumen

Impressionen von der feierlichen Preisverleihung Startkapital 2012

 
FÜR DEN START in die künftige Arbeit ist das Preisgeld hochwillkommen
Foto: Yves Schwarz

Das ganze Dorf, jeder einzelne Hof in Steffenshagen bei Pritzwalk war prächtig herausgeputzt. Das Erntefest, die erste Gärten– und Höfenacht des Dorfes, die Einweihung des restaurierten Kriegerdenkmals, Musik und Kurzweil allenthalben — gleich mehrere Anlässe machten Steffenshagen am zweiten Septemberwochenende zu einem lohnenden Ausflugsziel.

Der Heimatverein Steffenshagen e. V. nahm 2010 auch den Erhalt und die Instandsetzung der Dorfkirche in seine Satzung auf. Die Bewerbung auf das jährlich vom Förderkreis Alte Kirchen ausgelobte Startkapital war im letzten Jahr erfolgreich und so kam es, dass Steffenshagen die Preisverleihung Startkapital 2012 ausrichtete und Gäste aus ganz Brandenburg empfing.

Es wurde allerhand geboten, eine unter der Last der leckersten Kuchen sich biegende Kaffeetafel und dampfende Töpfe voll Eisbein mit Knieperkohl, der Prignitzer Antwort auf Grünkohl mit Pinkel. Eine Kremserfahrt mit fachkundiger Begleitung zur Kirche in Mansfeld an die Geburtsstätte des Pfarrerssohns Gottfried Benn und nach Helle, wo eine Kirche des Architekten Georg Büttner steht, machte die Besucher mit der Gegend bekannt.

Der zentrale Festakt des Tages fand in der voll besetzten, feierlich geschmückten Kirche statt. Herbstliche Blumenarrangements betonten gemeinsam mit eleganten Kerzengruppen die besondere Atmosphäre des schlichten Kirchenraums. Er ist überspannt von einem hölzernen Tonnengewölbe, das der Kirchenmaler Robert Sandfort 1921 über und über mit üppigen Akanthusranken bedeckt hat.

Die Gewinner des Startkapitals 2012 wurden von dem Kunsthistoriker Udo Piekarek begrüßt, der die festliche Preisübergabe moderierte. Landrat Lange fand anerkennende Worte für die sechs Preisträger. Superintendent Sparre und Pfarrer Dürrschlag freuten sich über das breite Spektrum des Engagements für die ausgezeichneten Initiativen. Bernd Janowski skizzierte humorvoll Ausblicke auf die theologischen Möglichkeiten einer digitalen Aera, denen jedoch unbedingt ein realer, vertrauter Kirchenraum vorzuziehen sei (s. nächster Beitrag).

Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Heimatvereins Steffenshagen Margit Vogel überreichte der Regionalbetreuer des FAK für die Prignitz Wolf-Dietrich Meyer-Rath dann Schecks und Sonnenblumen.

Von ihrem Laudator vorgestellt, freuten sich die Vereine der Kirchen in Klausdorf (Potsdam-Mittelmark), Wagenitz (Havelland), Altfriedland (Märkisch-Oderland) und der Heimatverein Wolsier (Havelland) über jeweils 2.500 Euro. Da die Jury sich dieses Jahr zwischen zwei weiteren Bewerbern nicht entscheiden mochte, wurde der fünfte Preis geteilt und an die Fördervereine der Dorfkirche Kagel (Oder-Spree) sowie der Persius-Kirche in Brügge (Prignitz) verliehen.

Es war eine besondere Ehre und Freude für Steffenshagen, die Preisverleihung für den FAK auszurichten, betonte Margit Vogel in ihren abschließenden Worten. Carl-August v. Oppen, der Vorsitzende des FV Altfriedlands, bedankte sich im Namen aller Beteiligten für den herzlichen, wohl organisierten Empfang in Steffenshagen, den er sich als Vorbild nehmen möchte, wenn Altfriedland nächstes Jahr die Preisverleihung des Startkapitals ausrichtet.

Dass in der Prignitz das Plattsnacken noch nicht ganz vergessen ist, bewiesen Pfarrer Georg Winter mit seiner kurzen Andacht und der Chor, der zum Abschluss das "Prignitz-Lied" sang.

Der nächste feierliche Auftritt folgte unmittelbar vor der Kirche, der Chor begleitete die Einweihung des restaurierten Kriegerdenkmals durch Bürgermeister Brockmann.

Selbst das trübe Wetter tat der Stimmung keinen Abbruch. In den zahlreichen Grüppchen hörte man nur Lob und Anerkennung für solch einen gelungenen Festtag in Steffenshagen.

Susanne Gloger

 
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Aus der Rede Bernd Janowskis bei der Startgeld-Vergabe

Gebet per Automat, Halleluja-Button und virtueller Rosenkranz?

Vor nicht allzu langer Zeit haben mich drei innerhalb nur weniger Tage erschienene Zeitungsartikel etwas verunsichert und ich möchte Ihnen diese Pressemeldungen in Kürze vorstellen:

Am 1. April 2012 teilte die Nachrichtenagentur dpa mit (und ich habe mich vergewissert, dass es sich bei der Meldung um keinen Aprilscherz handelt), dass der katholische Pfarrer Dietmar Heeg an diesem Sonntag von Köln aus zum ersten deutschen Facebook-Gottesdienst eingeladen habe. Beim Vaterunser verwandelte sich der Live-Stream zwar leider in ein Standbild und auch sonst gab es kleinere technische Probleme, ansonsten aber seien die "User" sehr zufrieden gewesen. Pfarrer Heeg ist sich jedenfalls sicher: "Wenn Jesus heute leben würde, hätte er ein Facebook-Profil."

Nur einen Tag später, am 2. April, informierte der Evangelische Pressedienst (epd) darüber, dass durch den Künstler Oliver Sturm in der Arminius-Markthalle in Berlin-Moabit ein Gebetomat aufgestellt wurde. In der umgebauten Passbildkabine kann der Besucher über einen Touchscreen zwischen 300 Gebeten unterschiedlicher Religionen in 64 Sprachen wählen. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.gebetomat.de.

Und schließlich berichtete die ZEIT in ihrer Ausgabe vom 26. April unter dem Titel "Klicken Sie bitte auf Amen!" ausführlich über "Glauben im Netz". Vorgestellt werden zum Beispiel der Podcast "Pray-as-you-go" mit kurzen Gebeten für Menschen, die in Eile sind, die interaktive Form der Beichte über das Portal "iConfess" oder der sogenannte "Halleluja.Button." "Der virtuelle Rosenkranz dankt nach erfolgreicher Installation mit ‚God Bless‛. Und am Ende eines Gebets klickt man nicht auf OK sondern auf Amen."

Spätestens nach der Lektüre dieses dritten Beitrags war ich mir nicht mehr sicher, ob es beim gegenwärtigen Stand der Kommunikationstechnik – und im Hinblick auf ihre Weiterentwicklung – überhaupt noch Sinn macht, viel Geld für die Instandsetzung von Kirchengebäuden auszugeben.

Andererseits wird gerade bei der feierlichen Verleihung unserer diesjährigen Förderpreise "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" wieder deutlich, dass sich nach wie vor Menschen dafür engagieren, dass die Kirche nicht nur im "global village", sondern auch im real existierenden Dorf bleibt.

Der immer schnellere Wandel, dem wir unterworfen sind, und die damit verbundene wachsende Unsicherheit ließen in den vergangenen Jahren ein verstärktes Bedürfnis nach Heimat entstehen. Lange Zeit war dieses Wort verpönt. Nun aber braucht man Heimat, um sich im Strudel der ständigen Veränderungen daran festhalten zu können.

Was aber verkörpert in unseren Dörfern besser Heimat als die zumeist jahrhundertealten Kirchen aus Feldstein, Backstein oder Fachwerk mit ihren wuchtigen mittelalterlichen Feldsteintürmen oder den spitzen roten neugotischen Turmaufsätzen aus der Boomzeit des späten 19. Jahrhunderts. Diese Kirchengebäude haben Kriege, Brandschatzungen, Seuchen und Notzeiten überstanden. Sie bieten Orientierung entlang der Wege und Landstraßen, Orientierung aber auch im geistigen Sinne. In einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft erzählen sie von christlichen Traditionen und Werten und verweisen auf das, was "höher ist als alle Vernunft".

Unter anderem wohl auch aus der Sehnsucht nach Heimat entstand seit den neunziger Jahren eine Bürgerbewegung, die staunen macht. Überall setzen sich Menschen für die Bewahrung ihrer Kirche ein, viele von ihnen sind konfessionslos. Mittlerweile gibt es etwa 300 Kirchbauvereine mit Tausenden von Mitgliedern auf dem Gebiet unserer Landeskirche. Diese Menschen und viele weitere, die sich vor Ort dafür einsetzen, dass ihre jeweilige Kirche sprichwörtlich im Dorf bleibt, sind ein unermesslicher Schatz für unser Land. Nicht nur, dass sie dafür sorgen, dass Dächer neu gedeckt, Fundamente trockengelegt, Fassaden frisch verputzt und über Jahrzehnte verstummte Orgeln wieder zum Klingen gebracht werden; oftmals sind diese Vereine zu wichtigen soziokulturellen Faktoren im Gemeinwesen geworden. Sie organisieren Konzerte, Lesungen und Dorffeste und mischen sich mittlerweile engagiert in Belange der gesamten Dorfentwicklung ein. Theodor Fontane hat es im Vorwort seiner "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" auf den Punkt gebracht: "Das Beste aber, dem du begegnen wirst, das werden die Menschen sein."

In einer Pressemeldung unserer Landeskirche, die in zahlreichen Berliner und Brandenburger Zeitungen veröffentlicht wurde, wird unter der Überschrift "Tausend Kirchen gerettet" eine beeindruckende Bilanz der kirchlichen Denkmalpflege in den vergangenen zwei Jahrzehnten gezogen, an der auch der Förderkreis Alte Kirchen und die zahlreichen lokalen Vereine einen wesentlichen Anteil haben.

In der Tat können wir stolz auf das Erreichte sein. Wir dürfen jedoch nicht die Augen davor verschließen, dass es noch viel zu tun gibt. Noch immer gibt es Kirchengebäude, die eine Instandsetzung dringend nötig haben, und noch immer gibt es wertvolle Ausstattungsstücke wie Altäre, Taufengel, Orgeln, die vor dem drohenden Verlust buchstäblich gerettet werden müssen. Den Dank an die örtlichen Fördervereine verbinden wir also mit dem Wunsch, die gute Zusammenarbeit zum Wohle unserer Kirchen fortzusetzen und – wenn möglich – weiter auszubauen.

Der Berliner Architekturkritiker Wolfgang Kil wünscht sich in unserer Zeit für Denkmale – und das trifft ganz besonders auch für unsere Kirchengebäude zu – eine subversive Funktion, "als Manifeste einer Verweigerung, mit der Großen Karawane blind in jede verheißene Zukunft zu ziehen".

In diesem Sinne sollten wir die große Zahl unserer Kirchen nicht als Last empfinden, sondern ihre Bewahrung als Chance und Herausforderung gemeinsam wahrnehmen.

 
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Benefiz der besonderen Art: Musik und gesunde Kost

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE KAPPE

(Landkreis Oberhavel)
 

 
Foto: Christian SchulzeGroßbildansicht

In Kappe gilt die Redewendung "die Kirche im Dorf lassen" nur bedingt. Das Gotteshaus liegt – etwas versteckt hinter Bäumen – ganz am Rande des Ortes.

Das Dorf "Cappe", wenige Kilometer südöstlich von Zehdenick in der Schorfheide gelegen, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts unter der Regierung Friedrichs des Großen als Siedlung für ausgewanderte reformierte Pfälzer angelegt. Die zur Parochie Groß Dölln gehörige Gemeinde besaß ein Schul- und Bethaus, das bei einem Dorfbrand 1873 zerstört wurde. "Als der Pfarrer Emil Maune am 10. November 1873 das hiesige Amt antrat", berichtet die Kirchenchronik, "fand er in Cappe einen Trümmerhaufen vor und musste die Gemeinde erst wieder sammeln."

Trotz großer Bemühungen des Pfarrers dauerte es fast zwanzig Jahre, bis am Sonntag Jubilate, dem 19. April 1891, der Grundstein für einen Kirchenneubau gelegt werden konnte. Der Berliner Stadtrat Georg Friedrich Krug, dessen Großvater aus Kappe stammte, spendete 3.500 Mark, weitere 1.000 Mark bewilligte die Provinzialsynode aus ihrem Kollektenfonds und die Einwohner des Ortes beteiligten sich mit Hand- und Spanndiensten. In der Chronik wird der Büdner Christian Dähne erwähnt, der die damals große Summe von 100 Mark für den Kirchenbau beisteuerte. Auf Drängen von Pfarrer Maune beteiligte sich schließlich auch das Ministerium für Kirchen- und Schulwesen mit einer größeren Summe. Die feierliche Kirchenweihe fand am 4. November 1892 statt. Bereits zur Grundsteinlegung hatte der Pfarrer seine guten Wünsche wie folgt formuliert: "Der Herr wird seine Verheißung in Gnaden erfüllen, dass die Herrlichkeit des zweiten Hauses eine größere werden soll als die des ersten gewesen ist. Der hochragende Turm aber möge einem jeden die Weisung geben: Himmelan geht unsere Bahn!"

In der Tat besaß der unter der Bauleitung von dem Templiner Kreisbaurat Prentzel und Regierungsbaumeister Anschütz nach Entwürfen von Kreisbauinspektor Thurmann geschaffene neugotische Kirchenbau einen imposanten spitzen Turmhelm, der jedoch bereits in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgetragen werden musste. Der jetzige verkürzte Turm lässt das Kirchengengebäude leider etwas proportionslos wirken.

Umso eindrucksvoller ist der bauzeitlich ausgestattete Innenraum unter einem hölzernen Tonnengewölbe. Neben der Empore, dem schlichten Altar, der Kanzel und dem Gestühl sind es vor allem zwei Ausstattungsstücke, die dem Besucher sofort auffallen. Da ist zum einen der mit wunderschöner Ornamentik verzierte Kirchenofen, der am 11. Dezember 1911 sogar dem Zehdenicker Anzeiger eine Notiz wert war: "Auf Veranlassung des Pfarrers Maune ist aus den Mitteln des Krug’schen Vermächtnisses unter Zustimmung des Verwaltungsvorstandes ein Kirchenofen beschafft worden, und zwar ein Regulier-Füll-Ofen mit frühgotischem Mantel in brauner Majolika-Email-lierung, Irisches System…".

Etwas Besonderes ist auch die vermutlich aus der Neuruppiner Werkstatt von Albert Hollenbach stammende Orgel von 1892. Dieses Instrument wieder uneingeschränkt spielbar zu machen, ist eines der Ziele des 2010 gegründeten Fördervereins Kapper Cappe e. V. Doch zuvor sind erhebliche Sanierungsarbeiten am Kirchengebäude selbst notwendig: Das Kirchendach muss saniert werden. Die Fassade des Giebels ist marode. Und auch der Kirchturm soll erneuert werden.

Als Benefizveranstaltungen wurden vor zwei Jahren die Kapper "Brunchkonzerte" aus der Taufe gehoben, die inzwischen überregionale Anerkennung finden. Regelmäßig sind Musiker der Deutschen Oper Berlin zu Gast. Zugleich wird bei den Brunchkonzerten auch Wert auf gesunde Ernährung gelegt. Vereinsvorsitzender Christian Schulze nennt dies "Kultur- und Gesundheitstourismus auf hohem Niveau".

Für 2013 wurden nun Fördermittel der EU zugesagt. Dafür muss der Verein jedoch beträchtliche Eigenmittel vorweisen. Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, dass die Kapper Kirche trotz ihrer geographischen Randlage im Dorf bleibt.

Bernd Janowski

Weitere Informationen: Förderverein Kapper Cappe e.V.; Christian Schulze; Kapper Dorfstr. 37; 16792 Zehdenick / OT Kappe; Tel.: 03307 315090; E-Mail: info@jck-schulze.de
Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen, Kto.-Nr. 5 199 767 005, BLZ: 100 900 00 (Berliner Volksbank), Kennwort: Kappe

 
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Mit dem Förderkreis Alte Kirchen unterwegs im Barnim

Zwischen ungeklärter Zukunft und lebendiger Gegenwart

Wenn der Förderkreis Alte Kirchen zu Exkursionen einlädt, geht es nicht immer nur zu einladend anzuschauenden Gotteshäusern, deren Erhalt gesichert ist, die wieder eine Zukunft haben. Auch auf die nicht zu seltenen Probleme soll aufmerksam gemacht werden.

In der Pfarrkirche St. Johannis in Eberswalde gab es gleich eine Irritation: Im Innenraum stapelt sich zur Zeit das Mobiliar des Gemeindehauses, das gerade renoviert wird. Der um 1891 errichtete neugotische Backsteinbau wird für den Gottesdienst nicht mehr gebraucht, gleich nebenan lädt die imposante Stadtkirche die Gemeinde regelmäßig zu Andachten. Die vertrauten Orgelklänge zu Paul Gerhardts "Geh aus mein Herz…", die Kantor Siegfried Ruch den Besuchern zum Willkommen spielte, stimmten zwar zuversichtlich, doch der Bericht eines Vertreters des Bauausschusses nannte viele offene Fragen: Die künftige Nutzung der Kirche ist noch zu klären, trotz einer Sanierung im Jahre 1998 gibt es Sorgen um den Bauzustand.

 
AM PORTAL der imposanten Eberswalder Stadtkirche
EIFRIGES STUDIUM der Cöthener Erfolgsbilanz

Eine Überraschung auch in der Stadtkirche St. Maria Magdalena in Eberswalde: Hier erlebten die Besucher eine gerade in der Kirche vollzogene Freisprechung von Handwerksgesellen durch die Handwerkskammer. Pfarrer Hanns-Peter Giering machte die Besucher mit den Besonderheiten des von der Gemeinde gut genutzten Gotteshauses bekannt. Dazu gehört das Eingangsportal der im 13. Jahrhundert errichteten dreischiffigen Backsteinbasilika. Das Hauptportal verfügt über einen reichen Schatz mittelalterlicher Terrakottareliefs, die Szenen des Alten und Neuen Testaments sowie Darstellungen der Passion Christi zeigen

Ein Kontrastprogramm zu den stattlichen Stadtkirchen bot das slawische Fischerdorf Liepe mit seiner schlichten Fachwerkkirche, die nach Entwürfen des Architekten Winfried Wendland im Jahre 1954 errichtet worden war. Leider löst sich der örtliche Förderkreis gerade auf, berichtete die ehemalige Vorsitzende Karin Többe-Wehberg. Dennoch ist man sehr darum bemüht, das Haus mit Leben zu erfüllen. Als die Kirche gebaut wurde, bestand dringender Bedarf. Die alte Kirche war 1944 abgebrannt, viele Flüchtlinge aus den Ostgebieten zogen in den Ort und suchten eine liturgische Heimat. Bernd Janowski, der die Exkursion leitete, berichtete über die politisch nicht unumstrittene Persönlichkeit Winfried Wendlands; der Architekt hatte drei Epochen der deutschen Geschichte baulich und denkmalpflegerisch mitgestaltet.

In Cöthen, geographisch zum Barnim gehörend, heute aber dem Landkreis Märkisch-Oderland zugeordnet, wurde die Reisegesellschaft vom örtlichen Förderverein festlich mit Kaffee und Kuchen empfangen (wir sagen dafür herzlichen Dank). Die Dorfkirche, ein klassizistischer Putzbau von 1830, entstand unter dem Einfluss Karl Friedrich Schinkels. Wie sie nach jahrzehntelanger Vernachlässigung in DDR-Zeiten durch das Engagement vieler Enthusiasten Wiederauferstehung feierte, zeigte eine Ausstellung, in die sich die Gäste mit großem Interesse vertieften. Vor zehn Jahren hatte der Förderkreis Alte Kirchen hier mit einem Zuschuss von 10.000 D-Mark dazu beigetragen, den örtlichen Verein neu zu motivieren, und hatte die Sanierung der Kirche im Auge behalten – eine Investition, die sich ausgezahlt hat.

Auch von der letzten Station der Exkursion konnten die Teilnehmer viel Zuversicht mit nach Hause nehmen. Die schlichte Feldsteinkirche Heckelberg aus dem 13. Jahrhundert mit bemerkenswertem gotischem Schnitzaltar bietet heute in ihren uralten Mauern auch Raum für Aktivitäten, die weit über das übliche Gemeindeleben hinausgehen. So finden seit vielen Jahren Konzerte, Lesungen und Ausstellungen statt, um auch kirchenfernen Menschen der Region einen Zugang zur Kultur und zur Kirche zu ermöglichen.

Zum Abschluss des gelungenen Tages gab Pfarrerin Jutta Biering-Sieberheim, die in ihrer Freizeit auch schriftstellerisch tätig ist, noch eine Leseprobe ihres lyrischen Werkes.

Text und Fotos: Carsten Lange

 
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Mit dem Förderkreis Alte Kirchen unterwegs in die geschichtsträchtige Region der Zauche

Kirchtürme mit Signalwirkung

Kirchtürme signalisieren schon von fern: Hier gibt es einen Ort, eine Gemeinde. Was sie außerdem über das Leben der Menschen dort einst und heute zu erzählen haben, erfuhren die Teilnehmer der FAK-Exkursion in die Zauche, eines der historischen Kerngebiete der Mark.

Die gewaltigen Westtürme der Dorfkirchen von Bardenitz und Pechüle sollten im Mittelalter vor Dämonen schützen, die nach Sonnenuntergang Böses im Schilde führten. Pfarrer Bernhard Hoppe stellte die beiden Gotteshäuser vor.

Der Kirche von Bardenitz sieht man schon von außen an, dass in letzter Zeit viel in ihre Erhaltung investiert wurde. Innen überrascht der Blick auf den erhöhten, nach Norden versetzten Chor. Der romanische Ursprung ist überall gegenwärtig. Reste mittelalterlicher Wandmalereien sind wieder sichtbar gemacht worden. Aus dem 18. Jahrhundert stammt die gediegene barocke Ausstattung.

 
Pechüle

Der Kirchturm von Pechüle ist gerade eingerüstet – ein gutes Signal. Auch hier wird also die schon am Kirchenschiff abgeschlossene äußere Sanierung fortgesetzt. Dann soll es innen weitergehen. Und dort öffnet sich ein wahres Schatzkästchen. Die Kirche bewahrt mittelalterliche Kunstwerke von außerordentlicher Qualität.

Am wertvollsten ist die den alten gemauerten Altar schmückende breite Nadelholztafel, die auf Goldgrund gemalte Szenen aus der Passion Christi zeigt. Der Stil weist auf eine Entstehungszeit um 1360/70 und auf die Herkunft aus Böhmen. Wahrscheinlich gehörte sie einst zur Ausstattung der Kirche von Kloster Zinna. Der an der südlichen Chorwand stehende prächtige Schnitzaltar zeigt die Mondsichelmadonna im Zentrum des Mittelschreins und weitere Figuren in den Seitenflügeln. Etwa gleichzeitig mit dem Flügelaltar entstanden die sechs kleineren Schnitzfiguren, die auf Konsolen an den Wänden der Kirche stehen. Weitere Schätze warten im hinteren Teil des Kirchenschiffes, wo es etwas rumpelig aussieht, auf die spätere Innensanierung, so Teile des Orgelprospektes und auch ein kunstvoll gearbeiteter barocker Pfarrstuhl (oder evangelischer Beichtstuhl?), der jetzt inmitten von allerlei Gerümpel steht und später hoffentlich wieder zu Ehren kommt.

 
Schäpe

In Schäpe gibt der Kirchturm ein deutliches Aufbruchsignal. Seit er wieder seinen spitzen Helm mit dem Kugelkreuz hat, ist der Ort in Bewegung geraten. Nun soll endlich auch der Kirchensaal, ein schlichter klassizistischer Bau von 1825, in Ordnung gebracht werden. Das Duo Henry Moser (Gemeindekirchenrat) und Hartwig Remy (Freundeskreis) sprüht vor Tatendrang. Den brauchen sie auch, denn hier ist noch sehr viel zu tun. Doch Architekt Jürgen Götz hat nicht nur großen Optimismus, sondern auch konkrete Pläne. "2015 sind wir fertig", sagt er. Und man glaubt ihm aufs Wort, wenn man Rieben gesehen hat.

 
Rieben

In Rieben hatte man mit der Kirche Besonderes vor: Sie sollte nicht nur denkmalgerecht restauriert werden, sondern unterm gleichen Dach auch moderne multifunktionelle Räume haben. Architekt Götz schaffte die Quadratur des Kreises mit einem unauffälligen Anbau hinter der Kirche, von dem ein gläsernes Treppenhaus in das erste Turmgeschoss führt, wo jetzt der Bürgermeister residiert und Besprechungen abgehalten werden können. Unter der vorgezogenen Orgelempore lädt ein freundlicher Saal zu Geselligkeit ein. (Uns kredenzte man dort Kaffee und Kuchen – herzlichen Dank.) 2011 war mit dem Umbau begonnen worden, im September 2012 feierte man Einweihung. Möglich wurde das, weil sich in Verbindung mit dem örtlichen Förderverein alle im Dorf dafür ins Zeug legten — für ihr Gotteshaus und für ihre Begegnungsstätte, die sie "Treffpunkt Leben" genannt haben. Versteht sich, dass Pfarrerin Beate Koschny-Lemke und Bürgermeister Armin Hilgers stolz auf ihre gemeinsame Wirkungsstätte sind.

Abschluss der Exkursion war ein Konzert in der Dorfkirche Blankensee, über deren Geschichte Edith Fechner von der Kirchengemeinde viel zu erzählen wusste.

Eva Gonda

 

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Neues von unserer Stiftung

Erfolgreicher Jahresrückblick: Gleich zwei Projekte konnten gefördert werden

 
Hier war nicht Christo am Werk sondern ein Team von Fachleuten, die dem Ungeziefer im Gebälk der Kirche in Märkisch-Wilmersdorf mit Gas den Garaus machten. Für die Rettung des stark gefährdeten Gotteshauses konnten Mittel aus den Erträgen unserer Stiftung bereit gestellt werden.

Wir haben in diesem Jahr mehrmals Gutes von der Stiftung berichten können. Sie hat nunmehr bereits ein Volumen erreicht, dass sie die Fördertätigkeit des FAK wirksam ergänzen kann. In diesem Jahr erhielten wir bis heute rund 46.400,- Euro an neuen Zustiftungen, die das Stiftungsvermögen auf über 219.500,- Euro anwachsen ließen. Aus den Zinserträgen konnten 2012 erstmals zwei Projekte gefördert werden: Der Kirchturm in Dauer (Uckermark) erhielt seine Haube zurück, die 2009 wegen Baufälligkeit abgenommen werden musste. Nun weist der Turm wieder weit in das Umland hinaus. Endlich konnten auch die ersten Rettungsschritte für die fast schon einsturzgefährdete Kirche in Märkisch-Wilmersdorf (Teltow-Fläming) eingeleitet werden. Im Juni war die Kirche vollständig verhüllt und mehrere Tage lang gegen Ungeziefer (Holzwurm u. ä.) begast worden. Danach wurde das Dach abgedeckt, um die faulen Dachbalken durch neue zu ersetzen. In der kommenden Zeit geht es an die kritische Verbindung zum Turm – es bleibt noch viel zu tun.

Gut 90 Prozent unserer Zustifter stiften Beträge bis zu 1000,- Euro. Ist es da nicht für jeden ein gutes Gefühl, dass ein Mehrfaches dieser Einzelspende als Hilfsleistung ausgezahlt werden kann? Die Menge macht´s, und auch in Zukunft ist der Bedarf da und wächst. Vielen Dank für Ihre bisherige Unterstützung.

Auch im nächsten Jahr würden wir uns gern wieder an der Rettung zweier Objekte beteiligen, selbst wenn die Zinserträge konjunkturbedingt sinken und die Baukosten steigen. Der Kapitalstock der Stiftung muss eben weiter erhöht werden, um diese Unterstützung dauerhaft zu ermöglichen. Vielleicht helfen Sie uns dabei, indem Sie unser neues Faltblatt an Ihre Freunde und Bekannten verteilen? Sie können es jederzeit bei uns abrufen. Unser Konto finden Sie auf der Rückseite dieses Heftes. Es ist gut, Sie weiterhin an unserer Seite zu wissen...

Die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen erhält inzwischen direkt Hilfsanfragen bedürftiger Gemeinden. Sie beginnt also, sich auch in der Öffentlichkeit neben dem FAK eigenständig zu etablieren; das ist ein wichtiger Schritt für eine langfristige Existenz und Wirkungsmöglichkeit neben der eher kurzfristig angelegten Arbeit des FAK und entspricht damit der mit der Gründung verbundenen Absicht. Das in die Stiftung eingebrachte Geld wirkt weit in die Zukunft.

Der Stiftungsvorstand wünscht Ihnen frohe Festtage und ein rundum gutes neues Jahr.

Text und Foto: Dr. Hans Krag

 

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BERLITT (Ostprignitz-Ruppin)

Die Engel musizieren wieder und mit ihnen jubilieren die Retter

 
DIE ENGEL am Kirchenhimmel hatten in den vergangenen Monaten Besuch: Vom Gerüst aus kamen ihnen die Restauratoren behutsam nahe.
Fotos: Henning Utpatel
 

In diesem Jahr konnte in der Dorfkirche von Berlitt ein Reformationsfest im ganz besonderen Wortsinn gefeiert werden, unter einer wundersam gefundenen und restaurierten Decke aus der Barockzeit, mit lauter musizierenden Engeln.

Und das kam so:

Die Feldsteinkirche wurde, aus dendro-chronologischen Untersuchungen zu schließen, 1516 gebaut und 1710 um einen Fachwerkturm im Westen erweitert. Der Name des Dorfes, urkundlich 1440 erstmals erwähnt, wird von dem altpolabischen Birlit (sumpfiger Ort) abgeleitet. Berlitt liegt nur wenige Kilometer westlich von Kyritz direkt am sumpfigen Königsfließ, und dies war vermutlich auch der Grund dafür, dass der gestufte Ostgiebel aus Backstein in den letzten Jahrzehnten beängstigend in Schräglage geriet und die gesamte Dachkonstruktion einzustürzen drohte.

Das konnten die Menschen im Dorf vor nunmehr zehn Jahren nicht mehr mit ansehen. Sie taten sich zusammen, gründeten einen Förderverein, fanden im Gemeindekirchenrat und in Pfarrer Mathias Hirsch, später in Pfarrer Henning Utpatel engagierte Mitstreiter und Helfer. Die Ostwand ist gerettet worden, der katastrophale Zustand der Dachkonstruktion wurde beseitigt und der Turm instand gesetzt, die Turmuhr konnte repariert und die Hollenbach-Orgel bespielbar gemacht werden.

Doch beim Öffnen von Dach und Unterdecke des Kirchenschiffes 2003 gab es eine Überraschung: Die auf die Deckenbalken genagelten Bretter waren barock bemalt mit Engel-Medaillons, gruppiert um ein Christus-Medaillon. Die Zwischenfelder waren ausgefüllt mit floralem Rankwerk, alles in erstaunlich gutem Zustand und in frischen Farben. Zum Zeitpunkt der wunderbaren Entdeckung war aber zugleich klar, dass für die notwendige Restaurierung der Engelsdecke das Geld fehlte. So wurden die einzelnen Bohlen sorgfältig geborgen, von Werner Ziems vom Landesdenkmalamt und vom Restaurator Tom Zimmermann dokumentiert (siehe "Offene Kirchen" 2005) und behutsam zwischengelagert.

Zunächst jedoch sollten die zum Teil noch aus dem 18. Jahrhundert stammenden bleiverglasten Fenster gerettet sowie das ebenso alte Gestühl und der Kanzelaltar instand gesetzt werden. Im Frühjahr 2012 war es aber schließlich so weit: Die immensen Kosten für die denkmalgerechte Restaurierung der Decke waren wiederum mit Hilfe vieler Spender, Förderer (darunter der FAK), des Kirchenkreises, der Kommune und von Stiftungen (unter anderen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz) aufgebracht worden.

Das große Einweihungsfest in der wunderbar wiedererstandenen Kirche wurde mit einem Barockkonzert beschlossen. Musiker der Akademie für Alte Musik aus Berlin boten Werke aus der Entstehungszeit der Engelsdecke, wobei die Händel-Arie "Alles jauchzet, alles lacht" genauso die frohe Stimmung widerspiegelte wie das Schlusswort aus der Festpredigt von Pfarrer Utpatel: "Wir können neu ins Leben gehen, begeistert und beflügelt."

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

 

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Licht und Schatten in der Uckermark

Mutmachende Erfolgsgeschichten neben großen Problemfällen

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in der Uckermark, in der ich – neben meiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Förderkreises – regelmäßig als Regionalbetreuer unterwegs bin, etliche Male Grund zum Feiern: In Stendell (nahe Schwedt) konnte die mehrjährige komplette Sanierung des Kirchengebäudes abgeschlossen werden. Nachdem zuvor die Außenhaut instand gesetzt worden war, erhielt die Dorfkirche in Gollmitz (bei Boitzenburg) einen neuen Altar und eine neue Taufe, künstlerisch aus Granit-Findlingen gestaltet. Und Ende September wurde in Dauer (nördlich von Prenzlau) die Sanierung des Kirchturms mit einem Festgottesdienst und anschließender riesiger Kaffeetafel feierlich begangen.

Zu allen drei Anlässen waren die Kirchen bis auf den letzten Platz besetzt; es mussten sogar zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Zumindest bei den etwas bekannteren Chorälen war ich erstaunt, dass der Gemeindegesang – wenn auch noch die Orgel dazu spielte – doch eigentlich ganz kräftig klang. Warum nur kommen dann andererseits zu den Sonntags-Gottes-diensten, die auf den Dörfern in der Regel nur noch alle vier Wochen angeboten werden, lediglich drei, fünf oder an schönen Sommertagen auch mal zehn Leute in die Kirche?

In seinen Lebenserinnerungen schrieb Altbischof Albrecht Schönherr über seine 1936 erfolgte Ordination: "Am Schluss wünschte uns der Ordinator, dass wir weder in Vorpommern, in der Uckermark, noch in der Magdeburger Börde, den als besonders unkirchlich bekannten Gegenden im Osten Deutschlands, Pfarrer würden." Seine erste Pfarrstelle erhielt Schönherr ausgerechnet im uckermärkischen Brüssow, und seine Schilderung dieser Zeit klingt trotz der Warnung durchaus nicht negativ. Das Gemeindeleben scheint rege gewesen zu sein, und trotz seiner Zugehörigkeit zur Bekennenden Kirche fühlte er sich gut aufgenommen.

Kirchenbesuche in der Uckermark haben nicht immer nur freudige Anlässe. Vor kurzem besichtigte der Bauausschuss des Kirchenkreises die Dorfkirche in Flemsdorf, die schwere Bauschäden aufweist. Pfarrer Gunter Ehrlich berichtete, dass es im Prinzip keine aktive Gemeinde mehr im Ort gäbe und auch sonst niemanden, der bereit wäre, sich für den Erhalt des Gebäudes zu engagieren. In der Dorfkirche Beenz (bei Lychen) finden seit nahezu zwei Jahrzehnten keine Gottesdienste und auch keine anderen Veranstaltungen mehr statt. Akute Schäden gibt es hier nicht. Es scheint jedoch in Beenz nicht einmal möglich zu sein, jemanden zu finden, um das Gotteshaus regelmäßig sauber zu machen und zu lüften.

Es gibt viele Erfolgsgeschichten aus dem Nordosten Brandenburgs zu berichten. In Küstrinchen, einem Dorf mit knapp 50 Einwohnern, ist eine Baufirma gerade dabei, die Außenmauern und den Innenraum zu verputzen. Vor zehn Jahren war die Kirche noch vom Einsturz bedroht und war auch von der Denkmalpflege schon fast aufgegeben worden. Hier engagierte sich der Förderkreis Alte Kirchen überdurchschnittlich, weil er auf eine engagierte Dorfgemeinschaft traf, die in dem winzigen Ort nun wieder Gottesdienste feiert, Konzerte und Theateraufführungen organisiert und regelmäßig bei den Bauarbeiten selbst mit Hand anlegt.

Vielerorts war Kirchenbau in den vergangenen Jahren auch Gemeindebau. Über die Kirchengemeinden hinaus konnten in vielen Dörfern auch kirchenferne Menschen gewonnen werden, sich für den Erhalt des Kirchengebäudes zu engagieren. Es gibt jedoch auch Problemfälle (nicht nur in der Uckermark), wo auch wir derzeit keinen besseren Rat wissen, als das Bauwerk vielleicht mit Notsicherungsmaßnahmen in einen einstweiligen "Wartestand" zu versetzen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Wenn man die demographische Entwicklung betrachtet, wird die Anzahl solcher Fälle vermutlich sogar zunehmen.

Unsere Aufgabe als Förderkreis Alte Kirchen ist es deshalb, neben der notwendigen Einwerbung von Spenden für konkrete Baumaßnahmen den Dialog innerhalb der gesamten Gesellschaft über die Zukunft unserer Dorfkirchen zu suchen und anzuregen. Unser Ziel ist es auch weiterhin, möglichst flächendeckend die Kirche im Dorf zu lassen.

Bernd Janowski

 

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Der Vorhang ist gefallen

Die Ausstellung "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" hatte in den alten Bundesländern ein gutes Echo gefunden

  
EINDRUCKSVOLLE PLAKATE wie dieses für die Ausstellung in Augsburg zogen die Besucher an.DIE STEPHANSKIRCHE in Bamberg öffnete ihre Pforten für unsere Ausstellung und bot ihr einen besonders schönen Rahmen.
Fotos: Hans Krag

Nach zehn Jahren ist unsere Ausstellung "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" in diesem Sommer zum letzten Male gezeigt worden: erst im katholischen Liebfrauenmünster zu Ingolstadt, dann in der evangelischen Annenkirche zu Augsburg, in deren Klostergebäuden Martin Luther 1518 wohnte, als er sich vor Kardinal Cajetan rechtfertigen musste.

Wir hatten immer herausragende Ausstellungsorte gefunden, die zentralen historischen Kirchen einer Stadt, Rathäuser oder auch Museen. Bürgermeister, Kulturträger und Pfarrer oder Pfarrerinnen haben eröffnet und stets gab es ein positives Echo in der regionalen, zum Teil auch überregionalen Presse. Der Schirmherr des FAK, Wolfgang Thierse, hat sich ebenso für die Ausstellung engagiert wie der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der inzwischen leider verstorbene Prof. Dr. Gottfried Kiesow.

Was hat uns diese Initiative nun gebracht? Wir haben in 35 überwiegend großen Städten in den alten Bundesländern ausgestellt und waren – bis auf das Saarland – in jedem Bundesland aktiv. Zehntausende Menschen zwischen Freiburg und Kiel haben die Ausstellung besucht. Spenden im hohen fünfstelligen Bereich haben unseren Förderkreis gestützt, und wir haben erfahren, dass es so etwas wie den FAK in den westlichen Bundesländern nicht gibt. Unsere Arbeit wurde daher mit Wohlwollen und Respekt gewürdigt. Aber das Entscheidende ist: Menschen, die sich unter Brandenburg nicht viel vorstellen konnten, haben nun eine Beziehung gefunden. Menschen, die Brandenburg für eine kulturelle Wüste hielten, hatten ihr "Aha-Erlebnis"; Menschen, denen Brandenburg gleichgültig war, sind Freunde unserer Region geworden. Ein kleines Stück geistiger Wiedervereinigung hat stattgefunden. Die Vorträge, die die Ausstellung begleitet haben, hatten ein interessiertes und auch langfristig engagiertes Publikum.

Eine weitere erfreuliche Resonanz waren sechs Reisen von Gruppen aus Ausstellungsorten nach Brandenburg, die vom FAK umfassend betreut wurden und deren Teilnehmer begeistert nach Hause fuhren. Weiterhin gab es vier Einladungen zu einem zweiten Vortrag, einmal sogar erst drei Jahre nach der Ausstellung. Und der FAK gewann in den Ausstellungsorten auch etliche neue Mitglieder.

Für unsere relativ kleine Organisation ist dieses deutschlandweite Projekt sicher ein Erfolg gewesen. Aber nun läuft es sich langsam tot. Die Einheit Deutschlands wird zum Glück als "normal" empfunden; das neugierige Interesse am Osten lässt nach, auch wenn noch immer 20 Prozent aller Westdeutschen (!) bisher nicht in den neuen Bundesländern gewesen sind. Außerdem wurden so viele der in der Ausstellung noch als sanierungsbedürftig gezeigten Dorfkirchen inzwischen wieder hergestellt, so dass diese komplett überarbeitet werden müsste. Diese Aufgabe, die umfangreichen Organisationsarbeiten für die Ausstellungssaison und nicht zuletzt Transport und Auf-/Abbau eines aufwändigen Hängesystems haben den Ausstellungsbetreuer – nunmehr über 70 Jahre alt – bewogen, das Projekt in jüngere Hände zu legen, falls sie sich denn finden. Er ist aber noch nicht aus dem "Geschäft": mit einem neuen digitalen Vortrag zum Thema kann er seine Tätigkeit nun "mit leichtem Gepäck" fortsetzen.

Eine langjährige Initiative ist zu Ende gegangen. Wir denken aber an eine Fortsetzung in anderer Form, denn die Notwendigkeit, Dorfkirchen zu sanieren, wird leider nie aufhören.

Dr. Hans Krag

 

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LUNOW (Barnim)

Wie die Lunower zu Helden wurden

Ein Abendmahlskelch mit einem eingelöteten preußischen Orden – das ist ungewöhnlich. "Verdienst um den Staat" ist da eingraviert und ehrt eine Heldentat der Lunower, die mehr als zwei Jahrhunderte zurückliegt. Gewürdigt wurde sie im November 1811 durch königliche Huld mit der Ordensverleihung, deren 200. Jahrestag kürzlich in Lunow mit einem Festakt begangen wurde.

Aber wie kam es damals zu dieser hohen Auszeichnung? Blättern wir in alten Aufzeichnungen und lassen die Ereignisse jener dramatischen Zeit lebendig werden:

 
 
 

Im Oktober 1806 besiegt Napoleon Preußen. Wenige Festungen leisten Widerstand. Kolberg und Graudenz sind bald Legende.

Friedrich Wilhelm III. flieht. "Unser Demel ist in Memel", wird er verspottet. Verbitterung über die Armee findet sich in Pfarrer Telles (1849-1881) Lunower Chronik: Im Pfarrhaus sind flüchtigen Offiziere zu Gast. Dort singt der Nachtwächter statt seiner üblichen Ansagen: "Wie schändlich ist´s wenn ein Soldat dem Feind den Rücken kehret, wie schändlich, wenn er seine Stadt verlässt und sich nicht wehret, wie spöttisch, wenn er noch mit Fleiß aus Zagheit wird dem Feind zum Preis."

Manche, die ostwärts flüchten, wollen in Lunow über die Oder. Französisches Militär wird einquartiert. Kähne werden eingesammelt, die Überfahrt wird unter Strafe gestellt. Doch einige Kähne liegen versteckt.

Telle kennt noch Augenzeugen: Dörthe Matthes, Jahrgang 1794, berichtet, wie sechs Offiziere in Lunow ankommen. Sie hat einen Stern unter einem Uniformmantel gesehen und daraus geschlossen, dass der König selbst übergesetzt werden will. Später kommen drei Herren, von denen einer ehrerbietigst bedient wird. "Wer sie gewesen, danach wagte niemand zu fragen." "Man glaubt noch heute" – schreibt Telle etwas distanziert – "dass hohe Personen, Prinzen, Generale, ja der König selbst hier übergesetzt wurden." Dass es keinen einzigen Verrat gab, beeindruckt ihn. Aber woher wusste man, dass die Lunower helfen?

29. August 1811 – Napoleon ist längst noch nicht besiegt – die Kurmärkische Regierung schreibt dem Angermünder Superintendenten: "Des Königs Majestät haben den Gemeinen zu Lunow und Stützkow, welche sich im letzten Kriege durch oft wiederholtes gefahrvolles Übersetzen von ranzonierten Truppen über die Oder verdient gemacht haben, eine Auszeichnung mittels der … goldenen Civil Ehrenzeichen erster Klasse bewilligt und bestimmt, daß solche in dem Becher der Abendmahlskelche eingefaßt werden sollen.

Wir tragen Ihnen auf, … bei einer zweckdienlichen Feierlichkeit, mit Zuziehung der Ortsprediger die gedachten Gemeinen nicht nur mit dieser Äußerung Königlicher Huld bekannt zu machen sondern auch auf eine erbauliche Weise zu belehren und zu ermahnen, für sich selbst, und ihre Nachkommen den Sinn zu bewahren, welcher die Pflichten christlicher Gottesfurcht und Religiosität mit den Pflichten der Vaterlandsliebe und Ehrfurcht gegen den Monarchen, in unzertrennliche Verbindung setzt. …"

In Lunow gibt es nur einen Zinnkelch. Vier Lunower spenden 35 Taler für eine Neuanschaffung. Aber die Gemeinde verlangt, dass dem Wunsche des königlichen Herren ohne Rücksicht auf die Kosten entsprochen werde. 100 Taler kostet der neue Kelch. Am 8. November 1812 ist er fertig.

Die Chronik berichtet: "Es ist am heutigen von dem Probst und Superintendenten Herrn Richter in Angermünde, zur Übergabe des von des Königs Majestät der hiesigen Gemeinde allergnädigst geschenkte Civil-Ehrenzeichen 1. Klasse, bestimmten Tage diese vaterländische Feierlichkeit …. vollzogen worden: ….

In der Wohnung des Schulzen waren … versammelt, welche unmittelbaren Antheil an diesem huldreichen Königs Geschenk hatten ... Nachdem der … [Ortsprediger] eine kurze Anrede an die Versammlung gehalten hatte, worin er die Mitglieder derselbigen zur Bewahrung fernerer patriotischer Gesinnung, so wie zu deren Fortpflanzung auf Kinder und Enkel ermahnet hatte, deren Wirkung sich in der natürlichen, von dem Kirchenvorsteher Schmidt zuerst hervorgebrachten und von der gesammten Gemeinde wiederholten Äußerung: Es lebe der König! aussprach, ging der ganze Zug zur Kirche. ….

Der Herr Probst … hielt … eine für die Feier des Tages zweckmäßige Rede …. Jeder suchte dann im stillen Kreise der Seinigen diesen Tag, als einen Gedächtnißtag königlicher Gnade zu verherrlichen und das Andenken desselbigen auf seine Nachkommen zu bringen."

Dörthe Mathes berichtet: Bei der Altarrede hatte der "Prowest" zu wiederholten Malen den Kelch in die Höhe gehoben mit den Worten "Colberg – Graudenz – Stützkow – Lunow – Königliche Huld! – Dem König treu".

Ob er dabei nicht ein wenig übertrieben hat?

Thomas Berg

 

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Aus dem Alltag eines Regionalbetreuers

Die Kontakte zu den Menschen vor Ort sind ein Gewinn für beide Seiten

 
MUSEUM LANDPFARRHAUS BLÜTHEN öffnete seine Pforten für den ersten Teil seiner Ausstellung, Da hat auch der Regionalbetreuer des FAK, der in der Planungsgruppe dieses bisher einmaligen Pürojektes mitarbeitet, ein richtiges Erfolgserlebnis.
Foto: Holger Baldauf

Vor über vier Jahren beschloss der Vorstand des FAK nach langer Diskussion und intensiver Vorbereitung, eine Regionalbetreuung einzuführen, um Kirchengemeinden und Kirchenfördervereine, Pfarrer und Pfarrerinnen, Architekten und Baubeamte vor Ort noch intensiver und direkt bei der Instandsetzung ihrer Kirchen beraten und unterstützen zu können.

Die meisten Mitglieder des damaligen Vorstandes nahmen jeweils mindestens einen Landkreis in Brandenburg in ihre Obhut; ich hatte mir sogleich die mir schon etwas vertraut gewordenen Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppiner Land reserviert. Das ist eine Region, die immerhin mehr als 4.600 Quadratkilometer (oder fünfmal Berlin) groß ist, in der aber nur etwa 180.000 Menschen leben, jedoch (theoretisch) 330 Kirchen zu betreuen wären. Mit knapp 50 Kirchen und ihren Menschen hatte ich bisher direkt zu tun, und die am weitesten entfernte – Kietz in der Elbtalaue – liegt gut 170 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Dies als kleine Statistik zur allgemeinen Veranschaulichung der Wege.

Das Wichtigste bei dieser Tätigkeit ist das genauere Kennenlernen der Kirchengebäude und ihres Schadensbildes, der Schadensgutachten, der Finanzierungsmöglichkeit, und das in enger Kooperation mit den Menschen vor Ort, mit den Baubeauftragten des Kirchenkreises und der Landeskirche und den zuständigen Denkmalpflegern. In der Regel liegen ja bereits Anträge der Kirchengemeinden oder Fördervereine auf Kofinanzierung beim FAK vor, so dass ich mir als Regionalbetreuer für die Einschätzung der Dringlichkeit einer finanziellen Unterstützung für die Berichterstattung beim Vorstand ein Bild machen kann.

Sehr oft sind alle Beteiligten von der Größenordung einer dringlichen Instandsetzung einfach überfordert: finanziell, in bürokratischer Hinsicht mit der Vielzahl der Förderanträge, mit einer langwierigen Baumaßnahme. Da heißt es, beratend tätig zu werden und gemeinsam einen Weg über verschiedene Bauabschnitte, Hinweise auf besondere Fördertöpfe – zum Beispiel zur Lutherdekade über Bundesmittel wie in Alt-Krüssow – oder andere Wege zu finden. Es ist wirklich bewundernswert, mit wie viel Fantasie, Ausdauer und Optimismus die Menschen es doch irgendwie schaffen, dass die Arbeiten an ihrer Kirche begonnen und oft erst nach einigen Jahren vollendet werden.

Als Regionalbetreuer helfe ich bei der Gründung von Fördervereinen durch Beratung von Satzungsentwürfen, mit Tipps zum Verlauf einer formal korrekt durchgeführten Gründungsversammlung, durch Hinweise darauf, wie der FAK durch den Startkapital-Wett-bewerb über anfängliche finanzielle Schwierigkeiten des Vereins hinweghelfen kann, oder durch die Werbung für unsere Zeitschrift "Offene Kirchen". Gefragt ist auch die Schilderung von Beispielen zur angemessenen kulturellen Nutzung der Kirchenräume durch vielfältige eigene Initiativen, aber auch durch "Theater in der Kirche" oder "Musikschulen öffnen Kirchen", von Veranstaltungen, durch die Spenden akquiriert werden können, und von Pressekonferenzen. Auch ohne ständig vor Ort anwesend zu sein, entwickelt sich durch diese Art der Betreuung häufig eine enge Kommunikation per Telefon oder E-Mail. Von geregeltem "Feierabend" also keine Spur.

Die Teilnahme an Richtfesten oder aus Anlass der Turmbekrönung, an Festgottesdiensten zum Abschluss der Bauarbeiten oder der Instandsetzung der Orgel gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben als Regionalbetreuer, auch die Teilnahme an Mitgliederversammlungen von Vereinen, insbesondere bei gegenseitiger Mitgliedschaft wie zum Beispiel beim Verein für Geschichte der Prignitz. Und wenn ich, wie in diesem Jahr, die Feier zur Überreichung der Startkapital-Preise in die Prignitz holen konnte, so bedeutete das, schon etwa ein halbes Jahr vorher mit dem örtlichen Festkomitee die ersten organisatorischen Pläne auszuhecken. Besondere Freude macht mir schon seit längerer Zeit die Mitarbeit in der Planungsgruppe, die das bisher einmalige Projekt "Museum Landpfarrhaus Blüthen" in der Nähe von Perleberg konzipiert hat und vor kurzen bereits den ersten Teil des Museums eröffnen konnte.

Mit wie vielen durchweg sehr engagierten, sympathischen Menschen ich in der bisherigen Zeit meiner Regionalbetreuung zu tun haben würde, hätte ich mir zu Beginn kaum vorstellen können. Doch eben diese Kontakte sind ein großer Gewinn auf beiden Seiten. Auch wenn diese Tätigkeit sehr viel Zeit (und manchmal auch Nerven) kostet, sie zu investieren gibt ein gutes Gefühl.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

 

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Manfred Stolpe in der Wochenzeitung "die Kirche":

Was die Fördervereine in den letzten 20 Jahren bewirkt haben, ist ein Wunder

Die evangelische Wochenzeitung "die Kirche" veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 29. September ein Gespräch mit Manfred Stolpe, der sich heute neben anderen Funktionen als Vorsitzender des Landesdenkmalbeirates für die Denkmalpflege in Brandenburg engagiert. Er sprach mit der leitenden Redakteurin Amet Bick unter anderem über den Wert der Heimat und warum es gut tut, sich um die Kirche im Dorf zu kümmern. Hier ein Auszug aus diesem Gespräch.

Herr Stolpe, sind Sie ein Mensch, der sich eher mit der Zukunft oder eher mit der Vergangenheit beschäftigt?

Beides. Ich finde es einerseits wichtig, unser Herkommen über die Jahrzehnte und Jahrhunderte zu kennen. Weswegen ich mich zum Beispiel für den Erhalt von Baudenkmalen einsetze. Und das andere ist, dass ich mir Gedanken darüber mache, wie es weiter geht. Wie können wir erreichen, dass die Gesellschaft nicht auseinanderdriftet? Wie können wir verhindern, dass sich Radikalisierungen verstärken? Denn eine Gesellschaft kann durch Extremisten umgedreht werden, so dass man nicht mehr miteinander lebt, sondern Angst und Intoleranz herrschen.

[...]

Gehört Solidarität nicht zu einem guten Leben dazu? Warum fällt uns Teilen so schwer?

Die Gesellschaft, wie sie jetzt funktioniert, verführt zu Profitstreben und Egoismus. Die Vergötzung des Geldes ist eine erschreckende Entwicklung. Wir, die wir eine Ostbiografie haben, mussten ja erst lernen, wie wichtig Geld ist. Aber es gibt auch immer eine Chance, Menschen dahin zu bringen, nicht nur an sich selbst zu denken. Für mich gehört dazu, dass man sich um sein Erbe kümmert. In den Dörfern zum Beispiel um den Mittelpunkt des Ortes: die Kirche.

Warum kann das gegen Egoismus helfen?

Es ist ein Einstieg in Mitverantwortung. Dieses Gebäude erzählt die Geschichte des Ortes. Sein Zustand ist aber auch eine Art Visitenkarte für das ganze Dorf. Wenn man sich entschließt, sich um den Erhalt zu bemühen, dann entsteht Gemeinschaft im Ort. Man erlebt mit einem Mal, dass sich gemeinsam mit anderen Sinnvolles bewirken lässt. In Brandenburg gibt es inzwischen rund 300 Fördervereine. Hier finden in der Regel drei Gruppen zusammen: die Ortsgemeinde, ohne die es nicht geht; die übrigen Dorfbewohner, die auch kirchenfern sein können; und Berliner, die zu Besuch kommen und sagen, wir müssen das Gebäude erhalten. Was diese Fördervereine in den letzten 20 Jahren bewegt haben, ist ein Wunder. Die Zahl der einsturzgefährdeten Kirchen in Brandenburg liegt inzwischen deutlich unter 100.

Sich um sein Erbe zu kümmern ist also wichtig für die Gemeinschaft im Ort?

Das hat etwas mit Heimat zu tun. Heimatgefühl kann den Menschen Halt geben. Es kann Solidarität und Verbundenheit fördern.

Heimat klingt ja so ein bisschen unmodern, so schwer, nach "an der Scholle kleben". In unserer Zeit wird vor allem anerkannt, wer mobil und flexibel ist.

Vielleicht ist Heimat gerade deshalb wichtig. Der Weltbürger, der über das Internet nach überallhin seine Kontakte hat, ist vielleicht trotzdem in Gefahr zu vereinzeln. Er hat ja kein unmittelbares Gegenüber mehr.

Es gibt eine Studie der Universität Chicago, die besagt, dass Ostdeutschland die atheistischste Ecke der Welt ist. 51,2 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht an Gott glauben. Stoßen Sie auf diesen Atheismus, wenn Sie im Land unterwegs sind?

Wir haben ein Defizit hier durch die 40 Jahre, in denen gegen die Kirche eingewirkt wurde. Das begann mit dem Kampf gegen die Konfirmation und der Einführung der Jugendweihe, den organisierten Massenaustritten in den 50er Jahren. Damals kamen die Notare, die die Austritte beglaubigen mussten, in die Betriebe und Hochschulen. Und diejenigen, die keine richtige Bindung zur Kirche hatten, standen vor der Wahl, ob sie es verweigern sollten und damit ihrer Karriere schadeten, oder ob sie einfach unterschrieben. Die Nachwirkungen spüren wir noch heute.

Denken Sie, dass die Institution Kirche in Brandenburg noch eine Chance hat?

Ganz sicher. Ich würde mich durch solche Umfragen gar nicht irritieren lassen. Neulich war ich zu einem Fest-Jubiläum in einer kleinen Stadt in der Uckermark. Die Selbstverständlichkeit, mit der der dortige Pfarrer die Möglichkeit hatte mitzuwirken, aufzutreten, zu reden, fand ich fantastisch. Vor allem, wenn man es mit der Situation von vor 25 Jahren vergleicht. Da wurde bei so einem Anlass der Pfarrer höchstens als Dekoration hingestellt, mit der Auflage, ein paar wohlmeinende Sätze zum Frieden zu sagen. Ich bewundere unsere Theologen in der Fläche, die in einem kirchenunerfahrenen Umfeld – denn atheistisch ist nicht das richtige Wort – die Menschen ansprechen. Sie haben gelernt, die Probleme der Region zu thematisieren, und weisen zugleich darauf hin, wie man sein Leben im Glauben orientieren kann. Das tun sie unaufdringlich, aber auch unüberhörbar. Sie mischen mit in der Gesellschaft, sind an den sozialen Brennpunkten. [...]

 

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KIETZ (Prignitz)

Unbeirrbar packten die Kietzer immer wieder beherzt an

 
WEIT SICHTBAR grüßt die restaurierte Kirche ins Land. – Links: Renaissance-Epitaph für Bartholomäus von Wenckstern.
Foto: Andreas Draeger

Der 23. September war für die Kirchengemeinde und den Förderverein Kietzer Kirche in Kietz, einem Dorf in der Prignitzer Elbtalaue, ein Tag des Dankens und des Feierns. Mit einem Gottesdienst nahmen die Menschen, unter ihnen auch viele aus der Umgebung, ihre wieder hergerichtete Kirche in Besitz.

In der langen Geschichte des Ortes ist es das dritte Kirchengebäude. 1377 zerstörte das Hochwasser die Kirche. Ein 1703 errichteter Fachwerkbau fiel 1888 einer Feuersbrunst zum Opfer, ebenso die drei Bronzeglocken. Und die Kietzer machten sich wieder ans Werk und errichteten 1892/94 einen stattlichen neoromanischen Kirchbau, der weit sichtbar auf einer Warft steht. Aber dieser Kirche blieben Zerstörungen nicht erspart. An der innerdeutschen Grenze im Sperrgebiet liegend, durfte die Kirche nicht mehr genutzt werden. Witterungseinflüsse und Vandalismus taten das Übrige – die Sperrung war unausweichlich.

Mit der Wiedervereinigung 1990 übernahm die Kirchengemeinde ein ruinöses, vom Einsturz bedrohtes Gebäude. Und wieder machten sich die Kietzer Bürger ans Werk. Die Kirchengemeinde und der im Jahr 1999 gegründete Förderverein Kietzer Kirche e.V. hatten ein Ziel – unsere Kirche muss im Dorf bleiben.

Nach 15 Jahren Planungs-, Bau- und Restaurierungsarbeiten blicken die Menschen dort dankbar und stolz auf ein gelungenes Werk.

Von der Instandsetzung des Daches und der Bekrönung mit dem neuen Turmkreuz am 15. Juni 2001 bis zur restauratorischen Ausmalung im Sommer dieses Jahres war es ein langer Weg mit Höhen und Tiefen. In mehreren jährlich zu planenden Abschnitten, die von Finanzierungssorgen, aber auch durch zähes Ringen mit Behörden und Firmen gekennzeichnet waren, kam man dem Ziel schrittweise näher. Nachdem 2007 das Dachtragwerk erneuert worden war, einschließlich der Bekämpfung des Echten Hausschwammes, wurden 2008/2009 die Innenarbeiten in Angriff genommen. Reparatur der Türen, die Restaurierung aller Bleiglasfenster durch den Förderverein, Putzarbeiten und Holzarbeiten an den Emporen waren miteinander abzustimmen.

Restliche Arbeiten durch Zimmerer, Dachdecker und Klempner sowie ein Sonderverfahren zur Hausschwammbekämpfung im Innenraum ergänzten 2010 die bisherigen Maßnahmen. Aber auf die restauratorische Ausmalung ihrer Kirche musste die Gemeinde zwei Jahre warten. Es war die Finanzierung zu gewährleisten, die durch das beispiellose Engagement des Fördervereins gesichert werden konnte. Seit August erstrahlt die Kirche wieder in den Farben wie bei der Fertigstellung im Jahre 1894.

In den letzten sechs Jahren plante und betreute der Bauausschuss des Kirchenkreises das Sanierungsvorhaben. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort, den Handwerkern, Firmen, den Förderern und Spendern sind immer wieder Wege gefunden worden, um an das Ziel zu kommen.

Die Restaurierung der Ausstattungsstücke, die aus dem barocken Vorgängerbau 1888 gerettet werden konnten, ist eine Aufgabe der nächsten Jahre. Bereits in diesem Jahr konnte das bemerkenswerte Renaissance-Epitaph für Bartholomäus von Wenckstern (gestor-ben 1553) restauriert werden. In den zurückliegenden Jahren hat sich die Kirche trotz laufender Bauarbeiten zu einem sakralen und kulturellen Mittelpunkt in der Wische entwickelt. Gottesdienste, Konzerte und Theateraufführungen bringen Leben in das Gebäude.

Die Kietzer Kirche ist wieder ein einladendes Haus Gottes für alle Menschen.

Dr. Andreas Draeger

 

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Erfahrungen länderübergreifend nutzen

Zweite Konferenz zur Bewahrung von Gottesdienststätten in Europa

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ist Gründungsmitglied des 2010 in Canterbury/England ins Leben gerufenen europäischen Netzwerkes zur Bewahrung historischer Gottesdienststätten. Es trägt den Namen FUTUTRE FOR RELIGIOUS HERITAGE (FRH). Wir haben darüber im Mitteilungsblatt Mai 2010 berichtet. Das Netzwerk ist ein eingetragener, gemeinnütziger und überkonfessioneller Verein nach belgischem Recht mit Sitz in Brüssel. Die Geschäfte werden z. Z. noch von London aus geleitet, wo FRH ein Büro beim britischen Churches Conservation Trust unterhält.

Das Netzwerk wird von einem Vorstand geleitet, der laut Statut mit höchstens zwölf von der Jahreshauptversammlung gewählten Mitgliedern besetzt werden kann. Er wird von einer fest angestellten Fachkraft (Development Officer), Frau Leena Seim, unterstützt. Für die Vorstandswahlen kann auch unser Förderkreis jeweils einen Kandidaten benennen.

Mitte November fand im Anschluss an die Mitgliederversammlung die zweite internationale Konferenz zur Bewahrung der Gottesdienststätten in Europa statt. Sie stand unter dem Thema "Erweiterte Nutzung von Gottesdienststätten".

Wir sind stolz darauf, dass wir zu diesem Thema schon auf eine jahrelange Erfahrung zurück greifen können, insbesondere mit unseren Erfolgsprogrammen "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen", "Musikschulen öffnen Kirchen" und "Theater in Kirchen". Umgekehrt bietet uns die Mitarbeit in diesem Netzwerk die Möglichkeit, von einer Fülle von europaweiten Fallbeispielen, Eindrücken, Erfahrungen, Anregungen und fachlicher Unterstützung zu profitieren.

Über die Ergebnisse der Konferenz werden wir im nächsten Heft berichten. Informationen finden Sie auch im Internet unter: www.futurereligiousheritage.eu

Dr. Uwe Otzen

 

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Ein vergleichender Blick zu steinreichen Nachbarn

Guter Rat im Rüben-Dom

Notizen von einer Tagung in der Evangelischen Akademie Magdeburg

So steinreich ist wahrlich keine andere Landeskirche. Exakt 4031 Gebäude besitzt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland. Das sind zwanzig Prozent aller evangelischen Bauten in Deutschland, doch es wohnen nur noch vier Prozent der Gläubigen in den Bundesländern Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Dieses Missverhältnis zwischen Bauten und Betern ist schon jetzt eine finanzielle Bürde. Sie wird noch schwerer, weil es neben den vielen romanischen Kirchen in den Dörfern der Magdeburger Börde auch so genannte Rüben-Dome gibt. Das sind große Gotteshäuser aus dem 19. Jahrhundert, in denen sich der damalige Reichtum der Börde-Bauern spiegelt.

Die Landeskirche ächzt unter dieser steinernen Last, denn Sachsen-Anhalt ist – ähnlich wie Brandenburg – ein armes Ost-Land. Doch Landesbischöfin Ilse Junkermann wirkt noch nicht wie eine Verzweifelte, die keinen Rat mehr weiß. Auf die Frage, ob die Kirche im Dorf bleiben könne, antwortete sie bei einer Veranstaltung in der Evangelischen Akademie Magdeburg mit einem klaren Wort und das hieß "Ja". Die meisten Kirchen (96 Prozent) würden noch kirchlich genutzt, versicherte sie, und es gebe bisher nur zwei Abriss-Anträge. Die Bischöfin verwies auch auf die 500 Kirchbau-Vereine, die sich inzwischen im Gebiet der Landeskirche gegründet hätten. Fast die Hälfte der Mitglieder dieser Vereine sind kirchlich nicht gebunden, engagieren sich also entweder als lokale Patrioten oder weil sie die Kirche als kulturelles Erbe ansehen. "Wir müssen offen sein, die Kirchen auch für andere Nutzungen öffnen", sagte die Bischöfin. Auch für den Umwelt- und Agrarminister Sachsen-Anhalts, Dr. Hermann Onko Aikens, muss die Kirche im Dorf bleiben. "Sie ist ein Ankerpunkt der ländlichen Region", sagte er.

Konrad Mrusek

 

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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November 2011 konnte der Förderkreis Alte Kirchen als neue Mitglieder begrüßen:

39 persönliche Mitglieder: Wilfried Augustat (Berlin), Brigitte und Manfred Baier (Falkensee), Siegfried Basan (Berlin), Johann-Peter Bauer (Potsdam), Renate Bosch (Berlin), Wilfried Brunke (Berlin), Constantin Dabelstein (Berlin), Ulrich Dürr (Bieberthal-Bieber), Wolfram Friedrich (Halle), Manfred Giray (Berlin), Erika Grünewald (Hamburg), Roswitha Heinze (Berlin), Hans-Jürgen Heuer (Berlin), Friedrun Höfelmayr (Berlin), Ute Jung-Bohne (Esslingen), Edmund van Kann (Berlin), Peter Knüvener (Berlin), Dietrich Kohlschmidt (Hamburg), Reiner Kolodziej (Berlin), Mone Kraft (Berlin), Jutta Kroening (Berlin), Aileen Laska (Altlandsberg), Elfriede Lipke (Berlin), Susanne Mocka (Berlin), Karin Moelling (Berlin), Günter Neumann (Icking), Irmlind Pach-Leski (Berlin), Monika von der Lippe (Berlin), Annemarie Rothe (Berlin), Annett Xenia Schulz (Berlin), Klaus Schwarz (Berlin), Thomas Schwörig (Calau), Marina Stöffler (Berlin), Irmtraud Thierse (Berlin), Karin Többe-Wehberg (Liepe), Hanfried Wendland (Berlin), Bärbel Wieman (Berlin), Mathias Wohlfahrt (Berlin);

sechs Vereine: Förderverein Dorfkirche Gantikow (Ostprignitz-Ruppin), Förderverein Dorfkirche Hirschfelde (Barnim), Kirchbau- und Förderverein Hoppenrade e.V. (Havelland), Förderverein der Ev. Kirchengemeinde St. Petri Ketzin (Havelland), Förderverein Lanke e.V. (Barnim), Förderverein Mittlere Havel e.V. (Potsdam-Mittelmark);

drei Kirchengemeinden: Ev. Kirchengemeinde St. Nikolai Berlin-Spandau, Ev. Kirchengemeinde Pessin (Havelland), Ev. Kirchspiel Schönwalde (Elbe-Elster);

eine Firma: Verbum Druck- und Verlags GmbH (Berlin).

Damit zählt der FAK zur Zeit 553 eingetragene Mitglieder, davon 410 persönliche Mitglieder, 117 Vereine, 17 Kirchengemeinden sowie 9 Firmen.

 

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KURZ NOTIERT

ATTERWASCH (Spree-Neiße): Bisher nichts bewegt

Seit Pfarrer Matthias Berndt von der alten Dorfkirche in Atterwasch über die Bedrohung für Dorf und Kirche in OK 2009 berichtet hat, sind viele Diskussionen über die Notwendigkeit einer Erweiterung der Kohleförderung, über erneuerbare Energien oder Gaskraftwerke als Alternative, über CO2-Ausstoß oder die Verpressung in den Untergrund geführt worden. In der Sache hat sich aber nichts bewegt, und die Landesregierung wird erst 2015 über einen Braunkohleplan entscheiden. Dabei werden längst Vorbereitungen für die Erweiterung des Tagebaues getroffen, obwohl noch keine neue Technologie einsetzbar ist, mit der das Land die selbst langfristig gesetzten Klimaschutzziele erreichen könnte. Die Menschen, die ihre Zukunft nicht planen können, zweifeln inzwischen an Regierung und Demokratie.

Am Reformationstag fand in der Dorfkirche von Atterwasch ein "Protestgottesdienst" statt, rund um die Kirche informierten Umweltorganisationen in Zelten und an Ständen, es gab eine Podiumsdiskussion mit Experten und eine Kundgebung. Pfarrer Berndt mahnte in seiner Predigt, die Schöpfung nicht zu verschwenden: Der Raubbau an nicht erneuerbaren Energiereserven trifft unsere Kinder und Enkel. Die Energieträger sollten für wirklich notwendige Unterfangen reserviert bleiben und sind zu kostbar, um sie zu verfeuern.

Nachdem viel Zwist durch ideologische Überfrachtung, Industriefeindlichkeit und Parteipolitik entstanden ist, wird es Zeit, die Diskussion mit Daten und Fakten zu unterlegen statt mit Glaubensbekenntnissen. Der FAK will sich nun einmischen und dies versuchen.

Hans Krag

20.000 Euro Schaden durch Einbruch

Diebe haben in der Kirche im brandenburgischen Kummerow bei Schwedt (Uckermark) großen Schaden angerichtet. Wie die Polizei in Frankfurt an der Oder mitteilte, entwendeten Unbekannte sakrale Gegenstände. Der durch den Einbruch angerichtete Schaden beläuft sich auf insgesamt rund 20.000 Euro.

epd

Vor Glockendieben wird gewarnt

Nach Diebstahl und Vernichtung einer historisch wertvollen Glocke in Groß Ridsenow (Mecklenburg-Vorpommern) raten Experten zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Metalldiebe hätten es immer öfter auf Kirchenglocken abgesehen, erklärte der Verein Deutsches Glockenmuseum in Buseck bei Gießen. Daher werde allen Kirchengemeinden geraten, frei aufgehängte Glocken zu sichern, sagte Geschäftsführer Daniel Romfeld dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die immer höher steigenden Rohstoffpreise ließen Täter selbst vor wertvollem Kulturgut nicht zurückschrecken.

Die 600 Kilogramm schwere Glocke von Groß Ridsenow stammte aus dem 15. Jahrhundert. Sie war aus einem frei stehenden Glockenstuhl ausgebaut und abtransportiert worden. Ein Schrotthändler hatte die Glocke zerlegt und drei Euro pro Kilo bezahlt. Der Schaden betrage mit mindestens 20.000 Euro mehr als das Zehnfache des Erlöses, klagte Romfeld.

Der Appell richtet sich zugleich an alle Schrotthändler. Sie sollten umgehend die Polizei verständigen, wenn ihnen eine Glocke aus unbekannter Herkunft zum Kauf angeboten wird.

BÜCKNITZ (Potsdam-Mittelmark): Ökumenisches Geschenk

Ohne Joachim Killus, langjähriges FAK-Mitglied, hätte Bücknitz auch noch heute keine Orgel. Er war es, der den Kontakt zwischen dem kleinen Dorf nahe Ziesar, dem Bistum Hildesheim und der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Schulenburg bei Hannover geknüpft hat. Dort werden wegen sinkender Mitgliederzahlen Kirchengemeinden zusammengelegt und Kirchen geschlossen. Statt sie aber zu verkaufen, haben die katholischen Niedersachsen ihre 1960 gebaute Orgel der evangelischen Kirche Bücknitz gespendet. Und bei der Einweihung am neuen Ort war der Schulenburger Organist Joachim Geier zusammen mit anderen Gemeindegliedern dabei. Für die Bücknitzer Gemeindeälteste Katrin Zacher und Pfarrer Thorsten Minuth ist die sechs Register umfassende Orgel ein großes ökumenisches Geschenk. Endlich kann der Gottesdienst wieder musikalisch begleitet werden.

Theda von Wedel

DOBERLUG-KIRCHHAIN (Elbe-Elster): Klosterkirche saniert

Die evangelische Klosterkirche von Doberlug-Kirchhain ist für mehr als zwei Millionen Euro saniert worden. Der weitgehende Abschluss der rund 20 Jahre währenden Arbeiten wurde festlich gefeiert.

Die Kirche des 1165 gegründeten Zisterzienser-Klosters ist seit 1676 evangelisch. Gebäude der historischen Anlage sind bis auf die Kirche und den ehemaligen Speisesaal der Mönche nicht erhalten geblieben. Die Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert wurde zur Schlosskirche umgebaut und Anfang des 20. Jahrhunderts erneut nach mittelalterlichem Vorbild umgestaltet. Nach 1945 war die Anlage zunächst von der Sowjetarmee und von 1950 bis 1988 von der Nationalen Volksarmee der DDR genutzt worden.

 

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Aus unserer Postmappe

Ein fröhliches Fest und ein Dankeschön

Mit insgesamt 4.000 Euro unterstützte der Förderkreis Alte Kirchen die Instandsetzung der Dorfkirche Stendell (Uckermark). Nach der Wiedereinweihung des sanierten Gotteshauses erreichte uns folgender Brief:

Monatelang hatten wir uns auf das große Fest gefreut: die Wiedereinweihung der Stendeller Feldsteinkirche. Nach zweieinhalb Jahren Bautätigkeit hatte das für die Sanierung zuständige Architekturbüro ALV Angermünde im April einen etwaigen Fertigstellungstermin festgelegt. Das war der Start für unsere Vorbereitungen.

Es sollte ein würdevoller und festlicher Tag mit einem guten Programm werden und unseren Gästen wollten wir ein kleines Dankeschön überreichen. Je näher der Tag kam, umso mehr stieg die Anspannung, und dann stand ja immer noch die Frage "Wie wird das Wetter?!?".

Dann war er da, der 29. Juli 2012. Der Freundeskreis Feldsteinkirche und alle Helfer trafen sich um 9.30 Uhr zum Aufbau und zu den sonstigen Vorbereitungen. Das Wetter zeigte sich von der schlechtesten Seite mit Wolkenbruch.

Zirka 200 Gäste hatten sich auf den Weg nach Stendell gemacht, um mit uns dieses wunderbare Ereignis zu feiern. Pfarrerin Harney hielt einen sehr schönen Festgottesdienst und Kantor Kessler begleitete sie auf unserer wieder zusammengebauten Barnim-Grüneberg-Orgel von 1876. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es viele Gruß- und Dankesworte, und am Ausgang bekam jeder Besucher ein eigens für diesen Tag hergestelltes Bild von der Kirche mit vielen Informationen.

Das Wetter war nun auch plötzlich auf unserer Seite. Dank vieler Helfer konnten der Sektempfang und das Kaffeetrinken draußen auf unserem einladenden Pfarrhof stattfinden. An dieser Stelle auch noch einmal unseren herzlichsten Dank all denen, die mit einer Spende selbstgebackener Köstlichkeiten für ein so reichhaltiges Kuchenbüfett sorgten.

Viele Besucher trugen sich in das Gästebuch ein, ließen sich über die Bauarbeiten informieren und begaben sich zu den neu aufgestellten Grabkreuzen der Familie Knust. Dr. Erichsen berichtete über Leben und Wirken des Stendeller Gutsverwalters Julius Knust und gab einige Anekdoten zum Besten. Der Festtag klang aus mit einem Konzert in der Kirche.

Es war ein wunderbarer Tag. Wir bedanken uns bei allen, die uns zehn Jahre lang die Treue hielten und uns begleiteten in unserem Bemühen, die schöne alte Feldsteinkirche zu sanieren. Die finanziellen Zuwendungen des Förderkreises Alte Kirchen waren uns eine große Hilfe, das Geld ist wahrlich gut angelegt.

Nun gilt es, unsere Kirche mit Leben zu füllen und sie weiterhin zu erhalten.

Freundeskreis Feldsteinkirche Stendell und die Kirchengemeinde Stendell

Manche Überraschung unterm Kirchendach

Das Heft "Offene Kirchen" ist oft mein Begleiter, wenn ich im Land Brandenburg unterwegs bin. In den alten Kirchen entdeckt man nicht selten Unverhofftes.

Als Anregung für Touren durch die Mark möchte ich unter anderem auf die Dorfkirche in Radensleben (Ruppiner Land) aus dem 13. Jahrhundert aufmerksam machen. Der Campo Santo der Familie von Quast erinnert an den Architekten, Kunsthistoriker und seit 1843 ersten preußischen Staatskonservator Ferdinand von Quast, der sich für die weitgehende Bewahrung der originalen Bausubstanz, Zurückhaltung bei der Rekonstruktion und eine sichtbare Unterscheidung von alt und neu einsetzte. In diesem Sinne hatte er sich auch um die Bewahrung der Radenslebener Kirche verdient gemacht.

Besonders überrascht hat mich aber in der Patronatsloge ein Majolikarelief (um 1500) des berühmten italienischen Künstlers Giovanni della Robbia. Dergleichen zu entdecken macht wieder einmal deutlich, welche Schätze sich in vielen unserer Kirchen verbergen. Ein weiterer Grund, den Kirchen ein sicheres Dach zu geben und sie zu erhalten auch als Hüterinnen solcher besonderen Kleinodien.

Marlies Stiller, Berlin

Solarmodule – ein leidiges Thema

Spontan mein Beifall zu Ihrem Artikel über Solarmodule in der September-Ausgabe. Sie haben das leidige Thema ganz unsentimental angesprochen und alle wichtigen Fragen dabei berührt. Leider wird darüber ja so oft rein populistisch gesprochen. Man kommt dabei schnell in die falsche Ecke. Daher war Ihr Beitrag nützlich. Das Echo würde mich interessieren.

Prof. Dr. Manfred Fischer, Bamberg

Auch wir würden gern weitere Meinungen zu diesem Thema hören.

Die Redaktion

Vorschlag: Wegweisung für Nicht-Brandenburger

Ich lese das Mitteilungsblatt gern und mit besonderem Interesse, wenn ich auf einer Fahrt durch Brandenburg auch die eine oder andere Kirche besichtigen möchte.

Können Sie bei Orten, die in Ihren Jahresheften "Offene Kirchen" nicht in der Liste der offenen Kirchen zu finden sind, die Koordinaten der entsprechenden Karten in der jeweils aktuellen Broschüre angeben?

Dr. Ulrich Dürr, Biebertal-Bieber (Hessen)

Danke — wir greifen die Anregung gern auf.

Die Redaktion

Kirche als Galerie

Pfarrerin Beate Koschny-Lemke macht darauf aufmerksam, dass die Kirche von Stücken südlich von Berlin ideale Ausstellungsmöglichkeiten bietet. Interessierte Künstler erreichen sie unter Tel.: 033204 34299, Fax: 033204 35018, E-Mail: b.koschny-lemke@hotmail.com

 

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BÜCHER

Der Dehio geht auf den Berg

Dieses Mal haben sich die Denkmalpfleger ein wenig verspätet. Denn sie mussten in Potsdam ein nicht so bekanntes Gebäude finden. Der neue Dehio für das Land Brandenburg wurde nicht etwa in einem der vielen Schlösser vorgestellt oder in einer Villa, die preußische Geschichte atmet. Das Debüt dieser Neuauflage der Denkmal-Bibel fand im Großen Refraktor auf dem Telegraphenberg statt, und das ist eine Adresse, die nicht jeder Kunstsinnige aus dem Effeff hersagen kann. Hinzu kommt, dass an diesem Denkmal die Mark Brandenburg gar nicht so eben ist, das Besteigen der Anhöhe sich also etwas schweißtreibend in die Länge zieht. Kurzum: Die Vorstellung begann mit einiger Verzögerung.

Das muss indes kein schlechtes Omen für den Bucherfolg sein. Schließlich ging man nicht aus Verlegenheit auf diesen Berg, weil in Potsdam das Friedericus-Rex-Jubiläum gegenwärtig sämtliche Schlösser und Museen belegt. Der Ort für die Buchvorstellung wurde bewusst gewählt, er ist ein programmatisches Signal der Denkmalschützer: Die Dehio-Herausgeber wollen damit zeigen, dass es ihnen nicht allein um die Bewahrung sakraler oder feudaler Bauten aus früheren Jahrhunderten geht, sondern dass auch die architektonische Moderne schützenswert ist. So ziert denn auch nicht Sanssouci den Umschlag des Buches, sondern der Einstein-Turm auf dem Potsdamer Telegraphenberg. Das 1921 erbaute Observatorium ist nicht nur ein Tempel der Wissenschaft, sondern zugleich eine Inkunabel der expressionistischen Architektur.

Auch wenn der Umschlag modern anmutet, im Innern bleibt der Dehio ganz traditionell, macht er keinerlei Konzessionen an die Lese- und Sehgewohnheiten der Internet-Ära. Er lässt sich nicht davon beeindrucken, dass immer mehr Menschen das Smartphone und seine Apps zum elektronischen Cicerone machen. Der Dehio bleibt, was er seit 1905 so eindrucksvoll gewesen ist: Ein Kunstführer für die Liebhaber des gedruckten Wortes. Anders als im farbig aufgepeppten Baedeker verschmäht er weiterhin bunte Bildchen, toleriert höchstens schwarz-weiße Karten oder Skizzen.

Der Verzicht auf Fotos ist nicht nur eine bibliophile Marotte, sondern auch ein Gebot praktischer Vernunft. Wenn man den Dehio Brandenburg bebildern würde, ließe sich all das Wissen gar nicht in einen Band pressen. Schon jetzt ist das Werk mit knapp 1300 Seiten hart an der Grenze dessen, was man noch als handlich bezeichnen und zur Besichtigung unter den Arm klemmen kann. Der Kunstführer hat somit 60 Seiten mehr, als es die seit langem vergriffene erste Auflage aus dem Jahre 2000 hatte. Es wurde zwar einiges gelöscht, doch es kam mehr hinzu an aktualisierter Erkenntnis. Hang zur Vollständigkeit kollidiert gelegentlich mit dem Zwang zur Handlichkeit, und zwar immer dort, wo der Text allzu sehr abmagert und daher schwer lesbar wird. Dieser Konflikt führt zu vielen und teils höchst kuriosen Kürzeln: So steht bei Dehio das "Dr." nicht etwa für einen Doktor, sondern es ist eine Abkürzung für das erste Drittel eines Jahrhunderts. Das liest sich dann so: "1.Dr.15.Jh." – was nicht gerade eine leichte Übung ist und daher jeden Zeitungsredakteur erschauern lässt.

Wer sich für Dorfkirchen interessiert, kann mit dem Dehio gut auf eine Exkursion gehen. Die meisten Gotteshäuser sind beschrieben, einige nur kurz und knapp, andere dafür umso ausführlicher. Leider waren die Verfasser bei der Aktualisierung nicht immer akribisch. So ist nicht immer klar, in welchem Zustand eine Kirche ist, ob sie also saniert oder baufällig ist. Wer zum Beispiel den ausführlichen Eintrag über die kunsthistorisch interessante Dorfkirche in Tornow (Landkreis Oberhavel) liest, der dürfte geschockt sein, wenn er dann den realen Verfall sieht. Eine Aktualisierung, die ihrem Anspruch gerecht wird, hätte sorgfältiger den aktuellen Zustand erfassen müssen, und sie wäre dabei auch den vielen Kirchbauvereinen gerechter geworden, die in letzter Zeit so viele Denkmäler gerettet haben.

Konrad Mrusek

Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Brandenburg;
2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2012, 1283 Seiten mit 144 Plänen und Grundrissen; Deutscher Kunstverlag, 58,- €

Berliner Stadtkirchen und ihre Hüter

Da meint man, sich in Berlin ganz gut auszukennen, weiß zumindest auch über die bedeutendsten Kirchenbauten so einiges. Und dann schlägt man das Buch auf und findet Seite für Seite Neues, entdeckt Details, an denen man schon ganz oft vorbeigelaufen ist.

Mit dem Bildband "Berliner Kirchen und ihre Hüter" legt Kara Huber nach den beiden Büchern über Brandenburger Kirchen nun den dritten Band über Sakralbauten in der Region vor. Vorgestellt werden 27 evangelische, katholische und orthodoxe Gotteshäuser. Prominente Autoren stellen die von ihnen ausgewählten Kirchen vor. Manfred Stolpe liegt das Evangelische Gemeindezentrum Marzahn/Nord, eingeweiht im März 1989, besonders am Herzen. Er erinnert sich schmerzlich an den Abriss vieler Kirchen insbesondere zu Zeiten Walter Ulbrichts. Erst Ende der Siebzigerjahre wurde der Neubau von Kirchen in Neubaugebieten genehmigt. "Die Zustimmung der SED-Führung ⌠...⌡ empfand ich als Kapitulation und als Signal kommender Veränderungen", schreibt er. Der jüngeren Geschichte im Kirchbau widmet sich auch Klaus Wowereit, der die auf den Fundamenten der gesprengten Versöhnungskirche errichtete Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße vorstellt. Zu Wort kommen weiter Politiker wie Frank-Walter Steinmeier, Künstler wie der Maler Rainer Fetting, Persönlichkeiten aus Kultur– und Kirchenleben wie der koptisch-orthodoxe Bischof Damian.

Wie in den beiden vorangegangenen Bänden werden auch hier die Hüter der Kirchen in Bild und Text gewürdigt – jene Frauen und Männer, die in ihrer Freizeit "ihre" Kirchen beaufsichtigen, die Pforten für Besucher offen halten und Fragen beantworten, in Gesprächen auch manche Schwellenangst zu überwinden helfen. Sie übernehmen Verantwortung für das Kirchengebäude, lassen sich zu Kirchenführern ausbilden oder erwerben auf andere Weise die für ihr ehrenamtliches Tun nötigen Kompetenzen.

Alle diese engagierten Hüter verdienen es ganz besonders, auch einmal ins Licht gerückt zu werden.

Faszinierend sind die Bilder der Fotografen Wolfgang Reiher und Leo Seidel. Sie spiegeln die besondere Aura der sakralen Räume wider, zeigen die imposanten oder auch schlichten Gotteshäuser aus ungewohnten Blickwinkeln und machen auf manches Detail aufmerksam, das oft unbeachtet bleibt.

Kara Huber erzählt in ihrem einführenden Text von der bewegten Geschichte Berlins, die sich auch an den Kirchenbauten ablesen lässt. Sie schildert an Beispielen, wie sich die Gemeinden den Aufgaben der Gegenwart zuwenden, wie etwa die Neuköllner Genezarethkirche als interkulturelles Zentrum zu einem lebendigen Ort der Begegnung mit Gott und den Menschen wird.

"Lassen Sie sich, verehrter Leser, durch das vorliegende Buch zum Besuch der Kirchen und der zahlreichen anderen Gotteshäuser verführen", schreibt Kara Huber. Ich jedenfalls werde diese Einladung annehmen. Und ich werde manches mit anderen Augen sehen und vor allem: viel genauer.

Eva Gonda

Kara Huber (Hg): Berliner Kirchen und ihre Hüter; Fotografien von Wolfgang Reiher und Leo Seidel;
Hardcover, Format 24 x 30 cm; 192 Seiten; 39,95 €, Edition Braus, Berlin 2012; ISBN 978-3-86228-035-3

Der Havelberger Dom und seine Baugeschichte

Wenige Monate nach Erscheinen eines Sammelbandes zum Thema "Der Havelberger Dom und seine Ausstrahlung" im Lukas-Verlag legt der Verlag in einer Zusammenfassung der Dissertation von Joachim Hoffmann eine grundlegende Monographie zur mittelalterlichen Baugeschichte des Domes vor.

Nach einer kurzen Einleitung zur Themenstellung und einer ausführlichen Darstellung der Domkirche in Grund- und Aufriss gibt der Autor einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand einschließlich der Bau- und Restaurierungsmaßnahmen seit 1411. Er zeigt den Stand der Diskussion über die Echtheit der Gründungurkunde des Bistums und beschreibt die historische Topographie Havelbergs bis ins 12. Jahrhundert, also bis zum so genannten Wendenkreuzzug.

Da Einzelheiten zu einem Ottonischen Vorgängerbau nach wie vor unbekannt sind, befasst sich Hoffmann in den beiden Hauptabschnitten insbesondere mit dem romanischen Neubau, der zum Zeitpunkt der Weihe von 1170 vermutlich vollendet war, und mit dem gotischen Umbau, der in zwei größeren Phasen nach einem Brand im Jahr 1279 begonnen und wohl mit der Hochaltarweihe von 1330 abgeschlossen war.

Zu beiden Bauphasen bringt der Autor eine Fülle von Detailbeschreibungen zum Bestand, zur Datierung des Befundes, zur Einordnung der Bauformen und zur Funktion einzelner Bauteile.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

Joachim Hoffmann: Die mittelalterliche Baugeschichte des Havelberger Domes,
Lucas-Verlag Berlin, Klappenbroschur, 299 Seiten, 296 Abb. 36,00 EUR, ISBN 978-3-86732-130-3

 

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