Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Zwanzig Jahre Förderkreis Alte Kirchen – wie hat sich unser Profil entwickelt?

Der Förderkreis hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem wichtigen Motor für eine in Berlin, Brandenburg und darüber hinaus wirkende denkmalpflegerische Bürgerbewegung entwickelt, die sich um den Erhalt und die Pflege vorrangig von Dorfkirchen kümmert. Er ist seiner Mitgliederzahl und seiner landesweiten Vernetzung nach zu einer wichtigen, die Kirchenkulturschätze bewahrenden und kulturpolitischen Größe herangewachsen. Im Verbund mit der Landeskirche und ihren Ortsgemeinden, der Landesdenkmalpflege, der Landesregierung und den Kulturträgern des Landes Brandenburg, den Kommunen sowie der organisierten Bürgerbewegung ist in den Nachwendejahren ein Profil entstanden, das deutlich an Kontur gewonnen hat. Es zeichnet sich dadurch aus, dass wir versucht haben, neben schon vertrauten Dingen drei deutliche neue Akzente zu setzen: die Konsolidierung unserer Vereinsgeschäfte, eine Stärkung der inneren Organisation sowie eine Stärkung der Außenwirksamkeit. Ich möchte dies näher ausführen und dabei auch selbstkritisch bleiben:

Konsolidierung der Vereinsgeschäfte

Die langsam gewachsenen und mittlerweile öffentlich anerkannten Stärken des FAK konnten gefestigt werden. Zu ihnen gehört das Kerngeschäft des Vereins, nämlich die finanzielle und beratende Unterstützung der baulichen und denkmalpflegerischen Maßnahmen. Dies beinhaltet immer auch die Gründung weiterer lokaler Fördervereine sowie die Pflege des Erfolgsmodells Startkapital. Beides hat einen festen Platz im Vereinsgeschehen sowie in der brandenburgischen Denkmalpflege eingenommen. Auch die 2008 gegründete Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen ist inzwischen zum festen Bestandteil des Förderprogramms geworden. Die Herausgabe der Broschüre "Offene Kirchen" im zehnten Jahr zählt ebenso zum Kerngeschäft, weil sie einen wichtigen kulturhistorischen, die Dorfkirchen hervorhebenden und damit öffentlichkeitswirksamen Beitrag leistet.

Zur Konsolidierung gehören auch die Pflege und Vernetzung der verschiedenen Dateien des FAK. Ein wichtiger Posten ist da die Vertriebsdatenbank zur Sicherung der landesweiten Verteilung unserer Hefte, die das Offene-Kirchen-Projekt stützen. Die Verteilungsaufgabe ist zeitaufwendig und wird nun von unserer öffentlich finanzierten Referentin wahrgenommen. Die Finanzverwaltung musste für den Übergang auf mehrere Schultern verteilt werden. Dies nötigt den Vorstand, dringend nach einem ehrenamtlichen Schatzmeister Ausschau zu halten. Die behutsame Nutzungserweiterung von Kirchen für Kunst- und Kulturveranstaltungen im Sinne des Orientierungsrahmens der Landeskirche wird sorgfältig weiter verfolgt. Wir werden uns künftig auf Maßnahmen mit deutlichen Synergieeffekten konzentrieren müssen, d. h. Finanzmittel generieren, um die Kirchen in den kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt zu rücken. Dies wurde bislang mit erprobten und geschätzten Programmen wie "Musikschulen öffnen Kirchen", "Theater in Kirchen" und "Kunst und Kultur in Brandenburgischen Dorfkirchen" erreicht.

Stärkung der Vereinsorganisation

Jeder Verein braucht eine innere Struktur, die ihn befähigt, Krisen und Herausforderungen nachhaltig zu begegnen. Wir haben zu diesem Zweck unsere Vergaberichtlinien überarbeitet, um mehr Transparenz und Objektivität bei der Mittelvergabe zu ermöglichen. Die regionale Betreuung innerhalb unserer Beratungsaufgaben wurde in einer Richtlinie niedergelegt, um eine sinnvolle Arbeitsteilung und größere Nähe zu den Gemeinden und lokalen Fördervereinen zu ermöglichen. Notwendig wurde auch eine neue Büroordnung, über die nun unsere Referentin wacht. Eine Ergänzung zu den monatlichen Finanzberichten sind seit längerem zwei fortlaufende Statistiken über ausgegebene Förderbeiträge und ihre regionale Verwendung. Alles zusammen hilft uns, die Arbeit kontinuierlich voranzubringen, wenn wir auch manchmal meinen, dass uns der Verwaltungsaufwand zu sehr belastet.

Stärkung der Außenwirksamkeit

Ein Förderkreis, der sich der Erhaltung und Pflege öffentlicher Kulturgüter verpflichtet fühlt, bedarf immer auch einer breiten öffentlichen Wertschätzung und Unterstützung. Diese zeigen sich vor allem in der wachsenden Mitgliederzahl. Auch die Festveranstaltungen für die Vergabe des Startkapitals sowie die Exkursionen haben eine gute Resonanz. Die Medienwirksamkeit konnte regional, überregional und auch überkonfessionell erhöht werden. Dies trägt dazu bei, dass die Arbeit des FAK mittlerweile im bundesdeutschen und sogar europäischen Kontext Gehör gefunden hat. Unsere Broschüre "Offene Kirchen" und das Mitteilungsblatt haben unser Profil auf besondere Weise geprägt. Zur Außenwirksamkeit tragen auch unser Internetauftritt

Kritisch sehen wir in Zukunft die Finanzmittelakquise, weil sich seit der Novellierung des Stiftungsgesetzes eine Fülle neuer Stiftungen mit ähnlichen Förderzielen um den potentiellen Spendenkuchen geschart hat. Wichtig wird es darum sein, dass wir ein klares Profil bewahren. Wir sind bemüht, die Verwaltungskosten sehr gering zu halten; ein möglichst großer Teil des Spenden- und Beitragsaufkommens soll direkt an die Förderobjekte herangeführt werden. Kritisch ist in Zukunft auch die "Ausdünnung" weiter Teile Brandenburgs an hilfswilligen jüngeren, ehrenamtlich tätigen Menschen zu sehen. Aufgrund der demographischen und sozioökonomischen Entwicklung im ländlichen Raum verlassen viele die Dörfer. Dies wird das ganze Land mit seinen wirtschaftlichen und kulturellen Ausprägungen beschäftigen. Wir stehen somit inmitten eines großen Problemfeldes, dem wir uns mit unserem Profil deutlich zu erkennen geben müssen. Ihnen allen, den Mitgliedern, sei deshalb um so mehr gedankt, dass Sie angesichts vieler Schwierigkeiten nicht von unserer Seite gewichen sind.

Dr. Uwe Otzen

 
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Festveranstaltung 20 Jahre Förderkreis Alte Kirchen

In Verantwortung für die Zukunft

  Festveranstaltung 20 Jahre Förderkreis Alte Kirchen
DIE FRIEDENSKIRCHE in Potsdam-Sanssouci bot der Veranstaltung einen angemessenen Rahmen
Foto: Kurt Glöckler

Es war viel von Hoffnung die Rede auf der Festveranstaltung in Potsdam, mit der Mitglieder und Freunde des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg das 20-jährige Bestehen des Vereins feierten. – Hoffnung, die in jenen Monaten nach der Wende viele Menschen ermutigte, sich sogleich der neu gewonnenen Verantwortung zu stellen; die Gründung des FAK gehörte dazu. – Hoffnung auch in die Zukunft, dass nachfolgende Generationen bewahren und fortführen mögen, was in zwanzig Jahren für die Rettung und Sicherung so vieler gefährdeter Dorfkirchen getan werden konnte.

Gerade dieses Anliegen stellte Dr. Wolfgang Huber, Bischof i. R., in den Mittelpunkt seines Grußwortes. Mit seinem Dank für alles bisher Erreichte wünschte er den Mitgliedern des Förderkreises weiterhin den Mut und das Gottvertrauen, auch in Zeiten kleiner werdender Gemeinden die alten Kirchen nicht aufzugeben, die Jahrhunderte gelebten Glaubens unserer Vorväter bezeugen. "Wir wollen sie bewahren, nicht nur als Zeugnis der Geschichte, sondern auch als einen Ort, an dem eine künftige Generation wieder beten kann", sagte er. "Nicht nur vor dem Erbe der Vergangenheit, sondern auch vor denen, die nach uns kommen, ist uns Demut geboten. Nachhaltigkeit hat auch eine kulturelle und religiöse Dimension. Kirchengebäude zu bewahren und zu nutzen ist auch ein Dienst an kommenden Generationen. Ich danke Ihnen, dass Sie sich daran beteiligen."

Anerkennenden Worte für die Arbeit des Förderkreises waren auch von anderen Rednern zu hören. Martin Gorholt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, gratulierte im Namen der Landesregierung: Die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen sei ein überzeugendes Beispiel dafür, wie eine moderne Gesellschaft zum Gemeinwohl funktionieren kann. Die Grüße der Stiftung zur Erhaltung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) überbrachte der Leiter des Stiftungsbüros Martin Ammon. Er wünschte dem Förderkreis für sein Wirken weiterhin Nachhaltigkeit und die nötige Geduld. Mit der Gründung der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen habe er einen wichtigen Schritt für die langfristige Sicherung seiner Arbeit getan.

Natürlich gehört zu einem solchen Jubiläum auch die Rückschau. Geschäftsführer Bernd Janowski machte sie an ausgewählten Objekten fest, benannte Erfolge, erinnerte aber zugleich daran, dass auch mancher Lernprozess zu durchlaufen war. Aus ganz persönlicher Sicht schilderte Angus Fowler, Gründungsmitglied, langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied, die schwierigen Anfänge. Der Marburger Förderkreis, der Starthilfe leistete, pflegt seit jeher Kontakte zu ähnlichen Vereinen und Stiftungen in Europa. "Es wäre zu begrüßen, wenn sich der Berlin-Brandenburger Förderkreis entsprechend seiner gewachsenen Bedeutung zunehmend ins Konzert der Organisationen zur Erhaltung und Nutzung gefährdeter Sakralgebäude in Europa einbringt."

Von der ganz praktischen Arbeit vor Ort erzählten Friederike Seim, Vorsitzende des noch jungen Fördervereins Wallfahrtskirche Buckow, und Martin Müller, Pfarrer im Pfarrsprengel Mallnow. Beide bescheinigten dem FAK, dass es ohne seine Unterstützung vielerorts schlecht bestellt wäre – so mit der mittelalterlichen Backsteinkirche von Buckow, der wertvollsten gotischen Dorfkirche des Havellandes, oder auch mit mancher Ruine, die für unsere Nachkommen zumindest gesichert werden sollte.

Die Entwicklung in unserer Zeit verlange nach einer Verantwortungsgemeinschaft auf regionaler und überregionaler Ebene, betonte Vorsitzender Dr. Uwe Otzen in seinem Schlusswort, in dem er die Aufgaben des Förderkreises in den nächsten Jahren umriss. "So lange es Menschen gibt, die ihre Kirche nicht loslassen wollen, werden wir sie unterstützen." Auf diesem Weg werde es immer Mühe und Schwierigkeiten geben, aber auch Freude an Erfolgen und die berechtigte Hoffnung, dass sich nachfolgende Generationen unserer dankbar erinnern werden.

Einen besonderen Beitrag zur festlichen Stunde leistete Matthew Cellan Jones, Australien, mit seiner Musik auf der Tiorba. Ihm und der gastgebenden Kirchengemeinde sei herzlicher Dank gesagt.

Eva Gonda

 
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Aus der Beratung auf der Jahres-Mitgliederversammlung

Es war ein gutes Jahr – die Weichen sind gestellt für weitere erfolgreiche Arbeit

Wenn über die Jahreshauptversammlung zu berichten ist, muss man unbedingt mit einem großen Kompliment an die Mitglieder unseres Förderkreises beginnen. Alle, die sich nach Potsdam auf den Weg gemacht hatten, wollten nicht nur über die Arbeitsergebnisse des vergangenen Jahres informiert werden; sie brachten auch wieder eigene Erfahrungen, Ideen, Anregungen, aber auch kritische Fragen mit. Dafür waren ihnen auch lange Anfahrtswege nicht zu weit: Zu Brandenburgern und Berlinern aus dem eigentlichen "Arbeitsfeld" des FAK gesellten sich auch diesmal engagierte Mitglieder aus anderen Bundesländern; die weitesten Wege hatten wohl jene aus Hessen und Baden-Württemberg.

Vorsitzender Dr. Uwe Otzen konnte in der kurzen Interpretation des schriftlich vorliegenden Vorstandsberichts auf erfreuliche Entwicklungen u. a. der Mitgliederzahlen, der Unterstützung von Baumaßnahmen, des vom FAK geförderten bürgerschaftlichen Engagements oder der Öffnung von Kirchen für Kunst und Kultur verweisen – aber auch darauf, dass es in dieser krisenreichen Zeit künftig manches Problem zu lösen gilt.

Wenn aber selbst Schatzmeister Dr. Hans Krag, der bei allen Erfolgsmeldungen stets warnend den Zeigefinger hob und allzu große Euphorie in die Schranken verwies, den Finanzbericht mit den Worten begann: "Es war ein gutes Jahr" – dann war es ein gutes Jahr, auch rein rechnerisch.

Das belegten schon die schriftlich vorliegenden exakten Zahlen. Hans Krag machte sie im Finanzbericht zu Eckpunkten einer nachvollziehbaren Entwicklung: Woher kam das Geld? Wohin gingen unsere Fördermittel? Wie viel der Spenden geht für die Verwaltung drauf? (Auch eine Erfolgsmeldung: nur 7,9 Prozent, was sich im Vergleich mit ähnlichen gemeinnützigen Vereinen sehen lassen kann!)

Beide Berichte boten genug Stoff für eine lebendige Diskussion, die auch die künftige Arbeit des Förderkreises im Blick hatte. Eine der Wortmeldungen: Warum konzentriert sich die Arbeit des Förderkreises bisher vorwiegend auf den Nordosten Brandenburgs? – Ein Fakt, der u. a. begründet ist in der sich seit Anbeginn allmählich entwickelnden Bekanntheit des Förderkreises. Diese Unausgewogenheit beschäftigt auch den Vorstand seit langem. Inzwischen konnten für die verschiedenen Regionen kompetente Betreuer benannt werden, die vor Ort Ansprechpartner des FAK sind und Kirchengemeinden oder Fördervereinen Ratgeber sein wollen. Diese Regionalbetreuung hat sich bereits vielfach bewährt. Dafür gibt es vor allem im Süden Brandenburgs erste gute Ansätze.

Eine weitere Wortmeldung: Als Mitglieder und Spender möchten wir öfter erfahren, wo unsere Gelder bleiben und wie sie den einzelnen Objekten zugutekommen. – Der Vorstand wird bemüht sein, diese Fakten künftig noch transparenter zu machen. Und die Redaktion des Mitteilungsblattes wird die Serie "Wie hat sich unser Startkapital vor Ort ausgezahlt?" wieder aufnehmen.

Die Wortmeldungen aus den örtlichen Kirchenfördervereinen, deren Arbeit der FAK beratend begleitet, waren oft ganz praxisbezogen und lösten sofort einen lebhaften Erfahrungsaustausch untereinander aus, zum Beispiel zum Thema Einnahmen durch Werbung an Baugerüsten – wie kommt man an entsprechende Interessenten und welche Tabus sind geboten?

Glückwünsche zum 20-jährigen Bestehen des Förderkreises gehörten natürlich auch zum Prozedere der diesjährigen Jahreshauptversammlung. Sie kamen von allen Seiten, aus offiziellen Kreisen und von denen, die ganz an der Basis die Kernerarbeit leisten. Für sie sprach die Vertreterin des vom FAK geförderten und inzwischen sehr aktiven Förderkreises Dorfkirche Gadow im Kreis Ostprignitz-Ruppin: "Ohne die Unterstützung des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wäre unsere Kirche inzwischen eingefallen."

Ein besseres Kompliment für die zwanzigjährige Tätigkeit des FAK zur Bewahrung der brandenburgischen Dorfkirchen kann man uns eigentlich nicht machen.

Eva Gonda

 
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Der neugewählte Vorstand stellt sich vor

Gemäß der Satzung des Förderkreises Alte Kirchen stand in diesem Jahr die Neuwahl des Vorstandes an, nachdem dem amtierenden Vorstand durch die Mitgliederversammlung Entlastung erteilt worden war. Nicht mehr kandidierten diesmal die langjährigen Vorstandsmitglieder Professorin Marianne Fiedler und Arnulf Kraft. Dafür konnten aus den Reihen der Vereinsmitglieder zwei neue Kandidaten gewonnen werden, die sich mit ihren Erfahrungen und mit Einsatzbereitschaft in die Arbeit einbringen wollen: Theda v. Wedel-Schunk und Klaus-Jürgen Schlott. Allen Kandidaten wurde in geheimer Wahl mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen. Herzlichen Glückwunsch!

Der neugewählte Vorstand  
Der Vorstand des Förderkreises: erste Reihe v.r.n.l.: Günter Schöne, Dr. Uwe Otzen, Theda v. Wedel-Schunk, Dr. Hans Krag, Wolf-Rainer Marx; zweite Reihe v.r.n.l.: Dr. Alexander Möbius, Bernd Janowski, Klaus-Jürgen Schlott.
Foto: Eva Gonda
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Gemäß der Satzung des Förderkreises Alte Kirchen stand in diesem Jahr die Neuwahl des Vorstandes an, nachdem dem amtierenden Vorstand durch die Mitgliederversammlung Entlastung erteilt worden war. Nicht mehr kandidierten diesmal die langjährigen Vorstandsmitglieder Professorin Marianne Fiedler und Arnulf Kraft. Dafür konnten aus den Reihen der Vereinsmitglieder zwei neue Kandidaten gewonnen werden, die sich mit ihren Erfahrungen und mit Einsatzbereitschaft in die Arbeit einbringen wollen: Theda v. Wedel-Schunk und Klaus-Jürgen Schlott. Allen Kandidaten wurde in geheimer Wahl mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen. Herzlichen Glückwunsch!

Unmittelbar nach der Wahl konstituierte sich der Vorstand. Dr. Uwe Otzen wurde erneut zum Vorsitzenden gewählt, Dr. Hans Krag wiederum zu seinem Stellvertreter. Bernd Janowski wird weiterhin als Geschäftsführer tätig sein. Schriftführerin ist Theda v. Wedel-Schunk.

Die Aufgabe der Kassenprüfer übertrug die Mitgliederversammlung dem in diesem Amt schon lang bewährten Klaus-D. Hülsenbeck und – neu in dieser Funktion – Sigrid Riesberg.

Herzlicher Dank wurde Norbert Parler gesagt, der viele Jahre lang zuverlässig als Kassenprüfer tätig war.

Neu im Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen:

Theda v. Wedel-Schunk

ist seit vielen Jahren interessiertes Mitglied des Förderkreises Alte Kirchen. Nun möchte die Fünfundsechzigjährige ihre Erfahrungen als langjährige Kommunalpolitikerin, Journalistin und Sozialpädagogin als "Startkapital" in die Teamarbeit des Vorstandes einbringen. Mit Schwung und Engagement will sie die erfolgreiche Arbeit des Förderkreises unterstützen und freut sich auf den Kontakt mit den vielen Menschen, die sich der Erhaltung der Dorfkirchen verschrieben haben.

Klaus-Jürgen Schlott

studierte in Berlin und war als Hochbauingenieur, Wirtschaftsingenieur und Architekt an der Planung und Fertigstellung bedeutender Industrieprojekte in den alten Bundesländern tätig. Nach der Wende kehrte er in seine Heimatstadt Berlin zurück, wo er bis 2006 eine eigene Projektsteuerungs-GmbH leitete. Durch einen Zeitungsartikel war er auf den FAK aufmerksam geworden und nahm Kontakt auf. "Hier hoffe ich, mein Wissen "gewinnbringend" für den Verein einbringen zu können."


Langjähriges ehrenamtliches Wirken gewürdigt

Mit Blumen und vielen Dankesworten wurden Professorin Marianne Fiedler und Arnulf Kraft als Vorstandsmitglieder verabschiedet.

Marianne Fiedler hatte sich in den vergangenen Jahren vor allem als Schriftführerin verdient gemacht und die Vorstandsarbeit mit vielen Ideen bereichert. Arnulf Kraft leistete beispielhafte ehrenamtliche Tätigkeit beim Aufbau unseres Vertriebssystems und der umfangreichen Adressen-Datei. Die weitere Arbeit am Vertriebssystem übernimmt nun unsere Referentin Susanne Gloger. Sowohl Marianne Fiedler als auch Arnulf Kraft wollen weiterhin aktiv für den Förderkreis tätig sein.

Dr. Hans Krag legte seine Funktion als Schatzmeister nieder, um sich nun intensiv seinen Aufgaben als Regionalbetreuer und seiner vielseitigen weiteren ehrenamtlichen Tätigkeit für den FAK widmen zu können. Ihm und unserer Buchhalterin Ursula Uhlig, die diese Aufgabe viele Jahre lang mustergültig und mit großer Umsicht gemeistert haben, sowie unserer ehrenamtlichen Steuerberaterin Dorit Bender gilt besonderer Dank. Die Aufgaben des Schatzmeisters werden jetzt durch den Vorsitzenden, den Geschäftsführer und die Buchhalterin gemeinsam wahrgenommen, bis sie – hoffentlich bald –wieder einem neuen Schatzmeister übertragen werden können.

In der vergangenen Wahlperiode war Wolf-Dietrich Meyer-Rath aus dem Vorstand ausgeschieden. Der Vorstand dankte ihm für seine professionelle Arbeit im Bereich Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen, die er nun auch als Regionalbetreuer für die Prignitz weiterführen wird.

 
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Fakten aus dem Bericht des Vorstandes

Ergebnisse gemeinsamer Arbeit

Seit seiner Gründung 1990 stellte der Förderkreis ca. 670.000 € für 155 Projekte zur Verfügung (Stand: Ende 2009); im vergangenen Berichtsjahr waren es insgesamt 52.000 €. Von 34 Anträgen konnten 27 nach Maßgabe der Vergabekriterien berücksichtigt werden. Dabei sind 40.000 € als reguläre Förderung auf Antrag, 1.000 € aus einem Benefizkonzert, 5.600 € aus projektgebundenen Sammelspenden, 2.000 € vom Lions Club in Seeheim an der Bergstraße und 3.800 € als Zuschüsse bereitgestellt worden. Enthalten in der Fördersumme sind auch 12.500 € für die Vergabe eines Startkapitals an sechs Fördervereine. Zusätzlich konnten 7.093 € aus projektgebundenen Spenden für die Restaurierung von Taufengeln eingeworben werden.

Die Spenden erreichten in diesem Berichtsjahr wieder einen Höchststand.

Ermutigende Zeichen: Sanierte Kirchen und Kunstschätze

Mit den Fördermitteln konnten für die Erhaltung sakraler Bauwerke und Kunstschätze im ländlichen Brandenburg auch im vergangenen Jahr wieder viele sichtbare und ermutigende Zeichen gesetzt werden. Folgende Maßnahmen wurden unterstützt:

Für die Sanierung des Kirchturms in Siethen wurde eine größere Spende des Lions Clubs aus Seeheim an der Bergstraße weitergeleitet, eine andere für die Restaurierung des Taufengels der Dorfkirche Wismar (UM).

Mehrere größere Vorhaben, an denen sich der FAK beteiligt hatte, konnten erfolgreich abgeschlossen bzw. weitergeführt werden, so u. a. in Glöwen (PR), Königsberg (OPR), Heinsdorf (TF) und Passow (UM). In Sternhagen (UM) konnte die restaurierte Wagner-Orgel wieder eingeweiht werden.

Im Rahmen der gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der EKBO initiierten Aktion "Menschen helfen Engeln" sind weitere namhafte Spenden eingeworben worden. So wurde inzwischen bereits der Taufengel in Rohrbeck (HVL) restauriert

Die Einnahmen eines Benefizkonzerts der Akademie für Alte Musik Berlin kamen dem Ausbau eines Kultur- und Orgelzentrums in Lebusa (EE) zugute.

Mehr als 260 lokale Fördervereine als engagierte Partner vor Ort

Das vom Förderkreis mitbegründete bürgerschaftliche Engagement in Gestalt lokaler Fördervereine, Initiativgruppen oder Freundeskreise hat im Laufe der zwanzigjährigen Fördertätigkeit einen bedeutsamen denkmalpflegerischen Stellenwert eingenommen. Mehr als 260 lokale Fördervereine sind inzwischen zu einem sehr wichtigen Partner der Kirchengemeinden geworden.

Das jährlich ausgeschriebene "Startkapital für Kirchenfördervereine" wurde nunmehr zum achten Mal vergeben. Auf diese Weise konnten bisher insgesamt 55 Fördervereine mit 125.000 € bedacht werden.

Ausstellungen und Exkursionen machen Vereinsarbeit transparent

Durch das regelmäßige Angebot von Exkursionen (im vergangenen Jahr in das Havelland, den Landkreis Oberhavel, "Musikalisch durch die Uckermark", eine zweitägige Exkursion für den Lions Club aus Seeheim an der Bergstraße, eine dreitägige Fahrt zu Kirchen auf der Insel Rügen) bemüht sich der Förderkreis, den Kontakt zu Mitgliedern und Interessenten zu erhalten und auszubauen. Wichtig ist bei diesen Anlässen auch, miteinander ins Gespräch zu kommen und Anregungen für die laufende Arbeit zu erhalten.

Die Ausstellung "Gefährdete Schönheit – Dorfkirchen in Brandenburg" wurde im Berichtsjahr in Gütersloh, Hildesheim, Siegen und Gießen gezeigt. Die Ausstellung erfüllt eine wichtige Informationsaufgabe und zieht Besucher aus den Ausstellungsorten nach Brandenburg. Nach Coburg befindet sie sich zur Zeit in Erlangen.

Offene Kirchenpforten für Kunst und Kultur

Bereits im achten Jahr konnte unser Partner-Verein "Theater in der Kirche" in brandenburgischen Kirchen gutes Theater anbieten. 2009 wurde in sechzehn Vorstellungen "Der Bär" von Anton Tschechow aufgeführt. Dies erbrachte ca. 5.000 € an Spenden für Erhaltungsmaßnahmen an den jeweiligen Kirchengebäuden.

Im Rahmen der zum dritten Mal stattfindenden Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen" – einer Kooperation des Förderkreises mit dem Landesmusikschulverband Brandenburg – fanden 2009 insgesamt 22 Benefizkonzerte statt. Sie erbrachten einen Erlös von über 10.000 €, der ebenfalls der Erhaltung der gastgebenden Kirchen zugute kam.

Das zweijährige Projekt "Stärkung der künstlerischen und kulturellen Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen" fand ein gutes Echo. Der "Fonds Neue Länder" der Kulturstiftung des Bundes, aus dem das Projekt finanziert worden war, wurde inzwischen geschlossen.

Eine von der Projektleitung durchgeführte Evaluierung mittels einer Fragebogenaktion unter den Projektteilnehmern zeigte neben vielstimmigem Lob für die Projektleitung den allgemeinen Wunsch nach Fortführung. Dafür zeigt sich der Vorstand im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten aufgeschlossen. Er beauftragte den Projektleiter Wolf-Dietrich Meyer-Rath mit dem Nachfolgeprojekt und der Akquisition der Finanzierung.

 
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Das Vaterunser und: "In Gottes Namen, wir gießen!"

Eindrücke von der Exkursion in die Niederlausitz

In der Mückenberger Schlosskirche  
In der Mückenberger Schlosskirche
Foto: Wolf-Rainer Marx
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Der vollbesetzte Bus erreicht Lauchhammer-West. In Mückenberg stand das Schloss der Freifrau von Löwendahl. Erhalten blieb von der 1737 erbauten Anlage nur die von außen eher an eine Orangerie erinnernde Schlosskirche.

Am Portal des lichtdurchfluteten Raums mit seinen hohen Fenstern und den eleganten Holzeinbauten in den schwungvollen Formen des Dresdner Barock erwartet uns Pfarrer i. R. Langer. Nach einer kurzen Andacht schildert er die Umstände, die glücklicherweise zur Restaurierung der Kirche geführt haben. 1987 hat die Gemeinde selbst das Dach neu gedeckt, um einen Einsturz zu verhindern. Rund 400.000 € waren notwendig, die Schlosskirche wieder herzurichten. Trotzdem steht der Orgelprospekt leer, so dass der Förderverein mit seinen regelmäßigen Kulturveranstaltungen weiterhin Geld zusammentragen muss.

Im ehemaligen Bockwitz erwarten uns Pfarrer Buchenau und der junge Organist Lukas Richter in der Nicolaikirche. Von den Zisterziensern aus Kloster Doberlug 1267 als Pfarrkirche für mehrere Orte errichtet, hatte die Kirche durch die Jahrhunderte viel durch die Einfälle der Hussiten und Schweden zu erleiden. Freifrau v. Löwendahl veranlasste im 18. Jahrhundert grundlegende Änderungen und bestimmte die Kirche zur Grablege ihrer Familie. Mit der Förderung der Braunkohle vervielfachte sich die Bevölkerungszahl. 1987 verhinderte Privatinitiative den Abriss der vernachlässigten Kirche, sie konnte mit Unterstützung der Partnergemeinde Limburg hergerichtet und 1992 wieder eingeweiht werden.

Wieder auf Freifrau v. Löwendahl geht die Gründung des ersten Eisenhammers 1725 zurück, erfahren wir im Kunstgussmuseum. Damit begründete diese weitsichtige Frau den Industriestandort Lauchhammer. Im Schaudepot, das die Gipsmodelle präsentiert, lassen sich die Geschichte des Werkes und die Techniken des Kunstgusses anschaulich nachvollziehen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden in Lauchhammer auch Glocken nach dem Lehmschablonenformverfahren gegossen. In der Gießhalle dominieren der Ofen und davor die Grube. Auch die Gemeinden sind willkommen, wenn eine Glocke gegossen wird. Die Gestaltung des Festakts bleibe ihnen überlassen, aber: "Das Vaterunser, ein Segen und ‚Im Namen Gottes, wir gießen‘, das muss sein", sagt Glockensachverständiger Johannes Remenz.

Weithin sichtbar ist die stattliche Kirche von Klettwitz. Eigentlich sollte das Dorf bereits abgebaggert sein, berichtet Martin Konzack. Der Saalbau aus Feldsteinen wurde Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, 1774 ein barocker Turm angefügt. 1870 wurde noch in wendischer Sprache gepredigt. 1906 erweiterte man die Kirche durch den Anbau von ausladendem Querhaus und Chor zur Kreuzform, malte sie in historisierendem Stil aus und bot 500 Plätze. Die sehenswerte Ausstattung aus mehreren Jahrhunderten fügt sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Nun geht es durch enge verwinkelte Dörfer nach Annahütte. Auch dieses kleine sorbische Dorf wuchs durch die Industrialisierung auf 3500 Seelen an. Neben der Werksiedlung für die Brikettfabrik entstand Anfang des 20. Jahrhunderts auch eine Wohnanlage für die Glashütte. Der Bremer Fabrikant Heye erwarb den Betrieb und ließ 1904 "dem industriellen Werke seinen über die äußere Sorge erhebenden geistigen Mittelpunkt" errichten. Der backsteinernen kreuzförmigen Kirche im neugotischen Stil gab er den Namen seiner Frau. In der Henriettenkirche erzählt der Vorsitzende des Fördervereins Annahütte Lausitz e.V. Friedhelm Noack, wie es dazu gekommen ist, dass die Kirche im Besitz der Kommune ist: "Der Kirchenälteste hat den Schlüssel hochgeworfen und der Bürgermeister hat ihn gefangen. So wird das hier geregelt." Nun ist die Kirche saniert, nur die Orgel von Arno Voigt, Bad Liebenwerda, bedarf einer Überholung.

Dörrwalde sollte ebenfalls bereits verschwunden sein. Die kleine Dorfkirche wurde 1767 als schlichter Putzbau mit dem regionaltypischen Turm errichtet. Veränderungen im Untergrund ließen ihn 1974 einstürzen, die davor aufgestellten zerbeulten Glocken sind ein stummes Zeugnis. Fast zufällig wurden in der Kirche unter der weiß-goldenen Farbschicht bäuerliche Blumenmalereien entdeckt, die wie die Fenster eines Adventkalenders freigelegt wurden. 2008 konnte die Teschner-Orgel restauriert werden und nun will man sich einen langgehegten Wunsch erfüllen: Der Turm soll wieder aufgebaut und als Landmarke einer Radlerkirche dienen. Da fehlt noch ein großer Betrag, den die Gemeinde mit der rührigen Pfarrerin Lange-Seifert aufbringen muss.

Ein erlebnisreicher Tag, der auch den Zwiespalt des Fortschritts widerspiegelte.

Susanne Gloger

 
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Neues von unserer Stiftung

Der Kapitalstock ist weiter gewachsen

In der Dezember-Ausgabe von "Alte Kirchen" konnten wir das Vermögen unserer "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" mit 108.600,10 Euro angeben. Diese Zahl ist inzwischen überholt. Wir sind – dank einiger weiterer Zustiftungen – bei nunmehr 121.470,10 Euro, nähern uns also bereits der Marke von einer achtel Million Euro und werden aus diesem Kapitalstock bereits den Zinsertrag für 2010 ausreichen können. Erfreulich!

In diesem Zusammenhang weisen wir noch einmal darauf hin, dass Spenden, die der Stiftung zugute kommen sollen, bitte nicht auf das FAK-Konto, sondern auf das eigene Stiftungskonto zu überweisen sind, also an die "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen", Konto 300 00 55 50 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel (BLZ 520 604 10). Außerdem sollte eine solche Überweisung immer den Vermerk "Zustiftung" tragen. Erst dann ist sichergestellt, dass der gestiftete Betrag ausschließlich der Erhöhung des Kapitalgrundstocks dienen wird. Sollten Sie Fragen haben, rufen Sie uns an: 030 3752244 (A. Kraft)

2010 werden wir aus den Zinserträgen des letzten Jahres 2.500 Euro für die weitere Sanierung der Kirche in Selbelang (Havelland) zur Verfügung stellen können. Inzwischen liegt auch von der Stiftung KiBa eine Mittelzusage für Selbelang vor, so dass dort "die Chancen, mit den Reparaturarbeiten am Dach des Kirchenschiffes noch in diesem Jahr beginnen zu können, nicht schlecht sind" (Brief des Fördervereins-Vorsitzenden in Selbelang).

So wird auch hier wieder eine FAK-Initiative zu bald sichtbaren Ergebnissen führen. Der Kreis unserer Zustifter wird im Sommer eine Einladung erhalten, das selbst zu begutachten.

Aber noch vor diesem Termin bietet sich eine gute Gelegenheit zur Teilnahme an einer erfreulichen Aktion: Am Freitag, dem 11. Juni, werden wir nachmittags in Hirschfelde (Barnim) das für die dortige Kirche aus Stiftungserträgen zugesagte Fördergeld von 1.850 Euro überreichen können. Wer dabei sein und mitgenommen werden möchte, melde sich bitte bei uns.

Arnulf Kraft

 

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Potsdams älteste Kirche wird saniert

Einzigartiges Dorfensemble Schweizer Kolonisten

Zur Sanierung der ältesten Kirche Potsdams im Stadtteil Nattwerder stellt die Brandenburger Staatskanzlei 15.000 Euro aus Lottomitteln zur Verfügung. Sie sollen für die Instandsetzung von vier bleiverglasten Fenstern im Kirchenschiff eingesetzt werden.

Im Juni begehen die Bewohner den 325. Jahrestag der Besiedlung des Stadtteils durch Schweizer Kolonisten. Hier wird Heimatgeschichte auf einzigartige Weise erlebbar.

Das "Natte Werder" (nasse Insel) wurde im Rahmen der "Repeuplierung" nach Ende des Dreißigjährigen Krieges durch 14 Einwanderer-Familien aus dem Berner Oberland besiedelt. Sie waren 1685 in Nattwerder, Golm und Neutöplitz sehr willkommen, um das Golmer Luch trockenzulegen. Für die deutsch-reformierte Kolonistengemeinde ließ der Große Kurfürst 1690 auch die kleine Kirche in Nattwerder errichten. Sie gilt als bau- und kunsthistorisches Kleinod und Zeugnis gemeinsamer brandenburgisch-schweizerischer Vergangenheit.

Dem Gotteshaus gliedert sich im Westen ein niedriger, quadratischer Turm mit ziegelgedecktem Pyramidendach an. Die Empore über dem Turmeingang und die Holzkanzel entstammen der Bauzeit. Die Empore über dem Altartisch im Osten wurde 1797 für eine kleine Orgel errichtet. 1996 baute die Potsdamer Orgelbauwerkstatt Schuke in das historische Gehäuse ein Instrument mit acht Registern ein. Wie einst drehen sich Sonne und Mond bei Zimbelklang am restaurierten Prospekt.

Mitglieder des Fördervereins "Schweizer Kolonistendorf Nattwerder" setzen sich seit Jahren für die Bewahrung des historischen Dorfensembles mit Kirche, Gehöftanlagen und Pfarrhaus ein.

 

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Ziel: das Ende eines Schattendaseins

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

DORFKIRCHE LICHTERFELDE

(Landkreis Teltow-Fläming)
 

Der Fläming, ein leichter Höhenzug zwischen Wittenberg und Treuenbrietzen, Dahme und Baruth, verdankt seinen Namen den Siedlern, die sich hier im Zuge der Ostkolonisation niederließen. Unter Markgraf Albrecht dem Bären und Erzbischof Wichmann von Magdeburg waren es hauptsächlich niederländische Bauern – Flamen –, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in dieser Gegend planmäßig Dörfer anlegten und begannen, Kirchen aus gleichmäßig behauenen Feldsteinquadern zu errichten.

In dieser Zeit wird auch der Ursprung des 1279 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes Lichterfelde liegen, wie der Ortsname verrät. Vermutlich brachten ihn die Siedler aus ihrer Heimat mit. Noch heute gibt es in der inzwischen zu Belgien gehörenden Region Flandern eine Kleinstadt namens Lichtervelde.

Dorfkirche Lichterfelde  
WARTEN auf einen neuen Frühling: die Lichterfelder Dorfkirche soll nach gründlicher Sanierung wieder ins Dorfleben einbezogen werden
Foto: Hans Krag
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Das Lichterfelder Kirchengebäude ist eine einfache Chorquadratkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert. Dem relativ kurzen Schiff ist nach Osten ein nahezu quadratischer Raum, der Chor, angefügt. Der Westgiebel wurde 1679, vielleicht nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, in Backstein erneuert. Der bescheidene hölzerne Dachturm erhielt seine jetzige Form erst im 19. Jahrhundert.

Seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist die Lichterfelder Kirche kaum noch für Gottesdienste genutzt worden. Reparaturen wurden nicht mehr ausgeführt, der Verfall begann und beschleunigte sich immer mehr. An der Südwestecke des Kirchenschiffes hat sich ein breiter Riss im Mauerwerk gebildet, der sich ständig ausweitet. Eine bauaufsichtliche Sperrung drohte bereits. Notdürftige Reparaturen wurden von der Gemeinde immer wieder selbst vorgenommen. So erhielt der Turmaufsatz in den siebziger Jahren eine Verkleidung mit Asbestplatten, um die Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit zu schützen. Durch Abtragen des Bodens wurde verhindert, dass aufsteigende Nässe weiterhin das Mauerwerk schädigt. Doch eine umfassende Instandsetzung ist inzwischen unvermeidbar geworden, will man es nicht dem endgültigen Verfall preisgeben.

Trotz der geringen Einwohnerzahl – nur etwa 75 Menschen leben in Lichterfelde – ist der Ort ein sehr lebendiges Dorf. Ein von einem Förderverein ausgebauter denkmalgeschützter Oberlaubenstall von 1825 ist zu einem Kulturzentrum geworden, das weit in die Region ausstrahlt. Hier trifft sich die Gesamtgemeinde Niederer Fläming zu Sitzungen, hier finden Theater- und Filmvorführungen, Konzerte und Lesungen, Dorffeste und gesellige Veranstaltungen statt.

Auch aus touristischer Sicht ist Lichterfelde interessant. Der inzwischen stark frequentierte "Fläming Skate" führt dicht am Dorf vorbei und soll im nächsten Jahr einen Abzweig nach Lichterfelde bekommen.

Nur die Kirche, eher ein Kirchlein, ist vom Dorfleben ausgeschlossen. Deshalb haben sich im November 2009 fünfzehn engagierte Bürger zu einem Förderverein "Sanierung Lichterfelder Dorfkirche" zusammengeschlossen, fast jede Familie im Dorf entsandte ein Mitglied. Ein bereits aus dem Jahr 2004 stammendes Sanierungskonzept liegt vor und sieht drei Bauabschnitte vor. Zuerst muss die Turmkonstruktion instand gesetzt werden, dann könnte die Sanierung von Langhaus und Chor einschließlich des Kirchendaches folgen. Letzter Schritt wäre eine Sanierung des Innenraumes.

Der Weg zur völligen Wiederherstellung der Lichterfelder Kirche ist also noch weit. Aber die Ideen der Mitglieder des neuen Vereins sind vielfältig. Mit dem Förderverein des Oberlaubenstalls gibt es bereits konkrete Pläne für eine künftige Nutzung der beiden historischen Gebäude innerhalb eines touristischen Gesamtkonzeptes.

Bernd Janowski

Informationen über:
Förderverein Sanierung Lichterfelder Dorfkirche e.V.;
Frederik van der Kooi; Dorfstr. 9; 14913 Niederer Fläming OT Lichterfelde

Spendenkonto:
Förderkreis Alte Kirchen
Kto.-Nr. 5 199 767 005; BLZ 100 900 00 Berliner Volksbank; Kennwort: Lichterfelde

 

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Aktion "Menschen helfen Engeln"

Himmelsboten reichen wieder das Wasser

Im Matthäus-Evangelium spricht Jesus über die Kinder und sagt: "Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel" (18, 10). Aus dieser Bibelstelle leitete sich der Glaube, dass jedes Kind einen Schutzengel habe, den es bereits mit der Taufe erhält. Was also lag im Barock näher, als das Taufwasser durch einen herabschwebenden Engel reichen zu lassen?

Im November des letzten Jahres baten wir unter dem Motto "Menschen helfen Engeln" um Spenden für beschädigte und gefährdete Taufengel. Die bisherige Resonanz ist sehr erfreulich:

Für den Engel aus der Kirche Rohrbeck (Havelland) übernahm das Ehepaar Baier die Patenschaft und die komplette Finanzierung der Restaurierung. Auch für den Engel aus Löhme (Barnim) fand sich mit unserem Mitglied Heinrich-Thomas Proske ein Pate. Bis zum September, wenn in Löhme unser "Startkapital" überreicht wird, soll der Taufengel zurückgekehrt sein. Der schöne Monat Mai wurde in Groß Breesen (Spree-Neiße) für einen Taufgottesdienst mit frisch restauriertem Engel auserkoren. In Wismar (Uckermark) wird der Engel im Juni erstmalig wieder zu einer Taufe von der Decke herabschweben. Hier hatte unter anderem eine großzügige Spende unseres Mitglieds Angelika von Magnus zur Finanzierung der Arbeiten beigetragen.

Insgesamt sind bisher über 16.000 Euro für die bedrohten Himmelsboten auf unserem Konto eingegangen. Dafür danken wir herzlich. Die Aktion geht weiter. Mehrere Gemeinden haben sich bereits gemeldet, die ebenfalls Interesse daran haben, ihre lange vergessenen und vom Zahn der Zeit benagten Taufengel wieder restaurieren zu lassen.

Für weitere Spenden oder auch Engel-Patenschaften anlässlich eines Familienfestes sind wir Ihnen sehr dankbar.

Bernd Janowski

 

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  Rohrbeck - Taufengel
Foto: Rainer SchmidtGroßbildansicht

Die Kirchengemeinde Rohrbeck hat zu Weihnachten ein großes Geschenk bekommen. Ein Ehepaar aus der Nachbargemeinde Neufinkenkrug erklärte sich bereit, die fehlenden Mittel für die Restaurierung des Rohrbecker Taufengels zu spenden. Das Sparen auf die vollständige Summe hatte sich damit erübrigt, der Gemeindekirchenrat konnte die Restaurierung sofort in Auftrag geben.

Die Spender Brigitte und Manfred Baier waren durch einen Artikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung auf den Engel in der Nachbarschaft aufmerksam geworden. Dort wurde im Dezember die Aktion "Menschen helfen Engeln" vorgestellt, die auch vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg getragen wird. Dazu war ein Foto des Rohrbecker Engels abgebildet.

ROHRBECK (Havelland)

Gute Nachbarn wurden zu Engeln für einen anmutigen Gottesboten

Finkenkruger Ehepaar spendierte die Restaurierung

 
DIE SPENDER mit ihrem "Patenkind"
Foto: Christel Waeder

Die aus Lindenholz geschnitzte Figur entstand vermutlich zwischen 1780 und 1790, eine genaue Datierung ist nicht mehr möglich. Bis heute erfüllt der Engel seine ursprüngliche Funktion im Taufgottesdienst, er hält die Schale mit dem Taufwasser. Zwar gab es auch in Rohrbeck in der Zeit um 1900 wie in vielen anderen Kirchen den Plan, den Engel durch einen Taufstein zu ersetzen. Zum Glück wurde dieses Vorhaben aber verschoben, bis man es wohl vergessen hatte.

In den vergangenen 50 Jahren tat der Engel seinen Dienst allerdings mit ramponierten Händen, was bei zu großem Gedrängel während der Taufzeremonie zum Absturz der Wasserschale führen konnte. Drei Finger der rechten Hand, den Daumen und auch einen Zeh hatte der Engel bei einem Aufprall auf den Kirchenfußboden verloren. Die schwere Holzfigur war beim Umhängen den Helfern aus den Händen gerutscht. Denn der Taufengel wird je nach Nutzung höher oder niedriger gehängt. Dazu kann man Teilstangen aus der Aufhängung herausnehmen oder welche hinzufügen.

Ursprünglich war der Engel an einem Flaschenzug in der Mitte vor dem Altarraum aufgehängt, heute schwebt er rechts vor den Kirchenbänken. Jetzt wird wieder eine Flaschenzugaufhängung angestrebt, um künftig gefährlichen Abstürzen vorzubeugen.

Inzwischen hat der Holzrestaurator Matthias Schmerbach aus Falkensee Finger, Daumen und Zeh nachgeschnitzt. Die Form der neuen Finger hat sich der Kunsthandwerker vom kleinen Finger abgeguckt, der an der rechten Hand noch erhalten war. Sein Kollege Thoralf Herschel gab schließlich der wiederhergestellten Hand und dem Zeh die passende Farbe. Auch die Farbfassung an Armen, Beinen und Gewand des Engels hat der Restaurator aufgefrischt, zum Glück ohne die Spuren der vergangenen Jahrhunderte komplett zum Verschwinden zu bringen.

Die Finkenkruger Spender haben den Fortschritt der Restaurierung mit großem Interesse begleitet. Sie freuen sich mindestens so sehr über die Wiederherstellung wie der Gemeindekirchenrat und die Rohrbecker Gemeinde. Sie möchten helfen, das Kulturerbe der dörflichen Gotteshäuser zu erhalten, die Eheleute haben selbst in einer Dorfkirche geheiratet. Und sie wünschen sich, dass der Engel ihren fünf Enkelkindern ein Schutzengel sein möge.

Dank der Aktion "Menschen helfen Engeln" und der Großzügigkeit der Spender wird der Engel bei der nächsten Taufe, die voraussichtlich im Juli stattfindet, die Wasserschale wieder mit vollständigen Händen halten können. Dafür ist der Gemeindekirchenrat von Herzen dankbar.

Elisabeth Fleisch; 1. Vorsitzende des Förderkreises Kirchensanierung Rohrbeck e. V.

 

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Eine nachhaltige Strategie

Wachsame Augen für unsere Baudenkmale

Die Pflege historischer Gebäude ist zumeist recht kostspielig. Da kann eine nachhaltige Strategie zur Erhaltung von Denkmalen und Altbauten Ressourcen schonen und langfristig Kosten senken. Regelmäßige Inspektionen und Erste-Hilfe-Maßnahmen vermeiden teure Folgeschäden.

Erfolgreiche, langjährig erprobte Vorbilder sind die Monumentenwachten in den Niederlanden und Belgien und – in Deutschland – der Monumentendienst im westlichen Niedersachsen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden und im Verbund mit anderen Initiativen entwickeln die DenkmalWacht Brandenburg-Berlin e. V., Mitglied der Bundes-Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Denkmal- und Altbau-Inspektions-Dienste (BAUDID), und ihre Regionalgruppe Barnim-Uckermark einen gemeinnützigen, unabhängigen, kostengünstigen und professionellen Betreuungsdienst für Nordost-Deutschland (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern), möglichst grenzübergreifend mit polnischen Partnern.

Die DenkmalWacht Brandenburg-Berlin und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wirken auf der Grundlage gegenseitiger Mitgliedschaft zusammen. Da der FAK zukünftig bei der Vergabe seiner begrenzten Mittel auch auf die Nachhaltigkeit verstärkt Wert legt, unterstützt er im eigenen Interesse das Anliegen der DenkmalWacht-Initiativen.

Zu den Vorhaben gehören die Entwicklung eines neuen Berufsbildes des Technischen Inspektors und die Ausbildung des notwendigen Personals. Der Dienst richtet sich vor allem an Eigentümer, die Hilfe bei der Pflege ihrer Gebäude brauchen.

Die DenkmalWacht Brandenburg-Berlin und ihre Regionalgruppe Barnim-Uckermark bieten Informationsveranstaltungen und Probeinspektionen an und wollen durch Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit ein besseres Verständnis für den nachhaltigen Umgang mit dem gebauten und natürlichen Erbe fördern. Die Bereitschaft zu Informationsveranstaltungen in Schulen wurde schon angefragt, ein erster, von der IHK Potsdam getragener Ausbildungskurs fand bereits statt. Weiteres Potential besteht in einem engeren Zusammenwirken mit der Jugendbauhütte Brandenburg-Berlin. An der Leipziger denkmal-Messe und an Veranstaltungen beim neueingerichteten UNESCO-Lehrstuhl zur präventiven Erhaltung historischer Gebäude an der Universität Leuven, Belgien, nimmt die DenkmalWacht regelmäßig teil.

Kontakte: DenkmalWacht Brandenburg-Berlin e. V., Vorsitzender Angus Fowler, Pf. 021078, 10122 Berlin, Tel. 030 6246454
mail@denkmalwacht-bb.de, a.fowler@freenet.de, www.denkmalwacht-bb.de

DenkmalWacht Brandenburg lieferte für den von der Sparkasse Barnim herausgegebenen Kalender u. a. Texte zu Bildern des Architekten-Künstlers Arno Weber von Denkmälern im Kreis Barnim. Eine begrenzte Zahl ist noch vorhanden und kann gegen eine Spende bei A. Fowler bestellt werden.

 

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Sollten Vereine versichert sein?

In jüngster Zeit hatten wir öfter mit der Frage zu tun, ob Kirchen-Fördervereine versichert, vor allem haftpflichtversichert sein sollten. Dazu dieser Hinweis: Alle in Gemeinden und Gruppen der evangelischen Landeskirche ehrenamtlich Tätigen sind durch eine Eigenversicherung der Kirche auch unfall- und haftpflichtversichert. Etwas anders liegt der Fall für Personen, die in Vereinen ehrenamtlich tätig sind, auch in Kirchbau- und Fördervereinen. Im Rahmen eines Sammelvertrages gewährt das Land Brandenburg allen in Brandenburg ehrenamtlich/freiwillig Tätigen Unfall- und Haftpflichtversicherungsschutz. Die Tätigkeit muss aber "in rechtlich unselbständigen Strukturen stattfinden. Damit sind Vereine, Verbände, Stiftungen, GmbH usw. nicht aus der Pflicht entlassen, den Versicherungsschutz ihrer Ehrenamtlichen sicherzustellen."

Also mag es doch angeraten sein, eine Vereinshaftpflichtversicherung abzuschließen. Sie kostet – z. B. bei IDUNA – ca. 150,- € jährlich.

Arnulf Kraft

Informationen: Publikation des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie.

 

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Musikschulen öffnen Kirchen

Junge Musiker mit viel Herz für Kirchen

Die Konzertreihe sollte eigentlich heißen "Musikschulen öffnen Herzen für Kirchen" – so hatte Pfarrer Hanns-Peter Giering treffend gesagt, als er in der Maria-Magdalena-Kirche Eberswalde die mehr als 300 Besucher zum Eröffnungskonzert der diesjährigen Saison begrüßte. Gestaltet wurde es von der Jungen Philharmonie Brandenburg unter der Leitung von Aurèlien Bello mit Werken von Grieg, Bizet und Brahms. Der Erlös war für die Sanierung der ursprünglich von Ernst Julius Marx 1783 geschaffenen Orgel bestimmt.

Die beliebte Reihe ist damit bereits in ihre vierte Saison gestartet. In diesem Jahr werden die jungen Musiker landesweit 35 Konzerte präsentieren. Der Reinerlös fließt in den Denkmalschutz. Seit 2007 wurden in 50 Benefizkonzerten bereits mehr als 30.000 Euro für Denkmalpflege und Restaurierung der jeweiligen Kirchen eingespielt. Die Reihe verbindet so beispielhaft künstlerische Nachwuchsförderung und Denkmalpflege und stärkt das bürgerschaftliche Engagement.

Getragen wird die Konzertreihe vom Landesverband der Musikschulen Brandenburg gemeinsam mit dem Förderkreis Alte Kirchen sowie vom Engagement zahlreicher Firmen und Privatpersonen. Schirmherrin ist Brandenburgs Kulturministerin Dr. Martina Münch. Präsentiert wird die Reihe von Kulturradio des RBB.

 

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Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen

Ein neues Projekt wird vorbereitet

Das zweijährige Projekt "Stärkung der künstlerischen und kulturellen Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen", das der FAK mit Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes an fast 30 Orten organisiert hatte, ist mit Ende des Jahres 2009 abgeschlossen worden.

Der Vorstand und die Projektleitung des Förderkreises Alte Kirchen danken der Kulturstiftung für die großzügige Förderung des Projektes und den Akteuren vor Ort für ihr vielfältiges Engagement und ihre bewundernswerte Kreativität.

Mit diesem Projekt konnte der Förderkreis Alte Kirchen erneut den Gedanken der angemessenen soziokulturellen Nutzung der Dorfkirchen gemäß der "Einladung zum lebendigen Gebrauch von Kirchengebäuden" der evangelischen Landeskirche weiter in den Kirchengemeinden und Kirchenfördervereinen verankern.

Im Februar hat der Vorstand des FAK nunmehr eine dreijährige Fortführung dieser Aktivitäten in dem Projekt "DorfkirchenKulturlandschaft" und dessen Basisfinanzierung beschlossen:

Das neue Projekt soll neben der Förderung von Einzelveranstaltungen wie Konzerten, Ausstellungen, Workshops, Installationen oder Theateraufführungen vor allem zum Inhalt haben:

Die Teilnehmer sollen wieder über einen landesweiten Wettbewerb durch eine unabhängige Jury ausgewählt werden. Der Förderzeitraum beträgt in der Regel drei Jahre. Möglichst jährlich sollten Arbeitstreffen der Projektteilnehmer in den Regionen stattfinden, und zum Abschluss ist wieder eine Schlussdokumentation einschließlich einer Evaluierung vorgesehen. Der bei dem neuen Projekt angedachte jährliche Kostenrahmen wird eine geringere Anzahl von Projektteilnehmern und den Verzicht auf Tagungen und eine filmische Dokumentation mit sich bringen. Doch nun gilt es erst einmal für die Projektleitung, die für die Gesamtfinanzierung notwendigen Fördermittel zu akquirieren.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

 

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Dr. Markus Dröge

Das Licht immer wieder neu entzündet

Mit einem Festgottesdienst feierten im Januar die evangelische Kirchengemeinde und der Verein Denkmale Glambeck e. V. den zehnten Jahrestag der Wiedereinweihung der restaurierten Kirche. Der schlichte Fachwerkbau, in DDR-Zeiten dem Verfall preisgegeben, war in den Neunzigerjahren von engagierten Christen und Nichtchristen gerettet worden und hat sich seitdem zu einem beliebten Ausflugsziel, zur "Radfahrerkirche" und zu einem Kulturzentrum entwickelt.
Zum Jubiläum hielt Bischof Dr. Markus Dröge die Festpredigt, aus der wir Auszüge veröffentlichen:

[...] Mein besonderer Glückwunsch gilt heute dem Förderverein Denkmale Glambeck. Ihm haben wir die denkmalgerechte Sanierung eines Gotteshauses zu verdanken, das viele in Kirche und Gesellschaft längst aufgegeben hatten. Sie haben Mut zur Zukunft bewiesen und dem Evangelium einen Raum eröffnet – eine offene Kirche, einen Ort der Stille, des Gottesdienstes und der Kultur. Maler und Fotografen zeigen im Kirchlein ihre Werke, Musiker musizieren und nebenan in der "Kirchenklause" wird Kaffee und Kuchen serviert.

Bei der Wiedereinweihung der Kirche vor zehn Jahren hat mein Vorgänger, Bischof Huber, drei Schlüssel mitgebracht, drei Schlüssel, die die dreifache Bedeutung dieser Kirche symbolisieren: Ort der Stille, Ort des Gottesdienstes, Ort der Kultur. Ich habe heute drei Kerzen mitgebracht als Zeichen dafür, dass nun schon zehn Jahre lang diese Kirche ihre Ausstrahlung gezeigt hat.

Eine Kerze soll den Ort der Stille symbolisieren: Menschen finden zur Ruhe, halten Rast. Die flackernde Hektik der Welt kann ruhig werden wie das Licht einer Kerze im geschützten Raum. Die zweite Kerze soll das kulturelle Leben verdeutlichen: Menschen öffnen sich, zeigen etwas von ihren Begabungen als Maler und Musiker. Schenken anderen Freude und Anregung. Die dritte Kerze steht für den Gottesdienst. Menschen hören von Christus, dem Licht der Welt, der uns Orientierung schenkt in den Dunkelheiten und Ungewissheiten des Lebens.

[...] Die Glambecker haben das Licht des Evangeliums durch bewegte und stürmische Zeiten hindurch von Generation zu Generation weitergegeben. Die Altarkerzen dieser Kirche wurden mehrfach ausgelöscht; doch es gab immer wieder Menschen, die die Kerzen und mit ihnen die Hingabe für das Evangelium neu entzündeten. [...]

Heute lassen wir das Licht der gottesdienstlichen Kerze in Dankbarkeit strahlen. [...] Ihre ganz besondere Ausstrahlung hat die Glambecker Dorfkirche allerdings dadurch gefunden, dass hier nicht nur die Kerze des Gottesdienstes strahlt, sondern auch die beiden anderen Kerzen, die Kerze der Stille und die Kerze der Kunst. Auch diese Lichter sind Gott wohlgefällig: Menschen, die zur Ruhe finden; Menschen, die mit ihren künstlerischen Gaben andere anregen und erfreuen.

Mit den drei Kerzen, die ich Ihnen mitgebracht habe, wünsche ich Ihnen, dass auch in Zukunft alle drei Lichter hier leuchten und erstrahlen und der wunderschönen Dorfkirche Glambeck ihren ganz besonderen Glanz bewahren.

 

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Hans-Ulrich Schulz

Kirchbauvereine zeigen Wege

Hans-Ulrich Schulz, seit 1997 Generalsuperintendent des Sprengels Potsdam, ging in den Ruhestand – Anlass für ein Interview im Wochenblatt "Die Kirche". Daraus hier einige Passagen.

Der Sprengel Potsdam besteht vor allem aus Landgemeinden. Haben Sie das Gefühl, dass Kirche hier noch gebraucht wird?

[...] Es besteht nicht immer eine direkte Nachfrage nach Kirche. Aber es gibt Signale dafür, dass die Identifikation und die Beheimatung im ländlichen Raum weitgehend über das Kirchengebäude funktioniert. Menschen sagen: Nicht ohne unsere Kirche. Sie suchen ein Stück Heimat und Identifikation.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Ja, die vielen Kirchbauvereine. Es gibt diesen schönen Satz, dass man erkennt, dass ein Dorf sich nicht aufgibt, wenn es seine Kirche erhält. Man hört oft die Klage, dass es in dem Dorf seit der Reformation eine Pfarrstelle gab, und jetzt, nachdem man zwei kirchenfeindliche Diktaturen überwunden hat, geht im Pfarrhaus das Licht aus. Das schmerzt viele. In diesem Phantomschmerz zeigt sich ein Bedürfnis, das wir noch genauer betrachten sollten.

Viele Mitglieder der Kirchbauvereine sind nicht in der Kirche.

Ich würde das als Chance ansehen. Wenn jemand sagt, das sind sympathische Menschen, die engagieren sich für ihre Mitmenschen oder es liegt ihnen daran, die Kirche als Kulturgut zu erhalten, und ich möchte da mitmachen, dann sind das Stufen der Annäherung. Oder auch Nuancen der Mitgliedschaft. Da müssen wir ein weites Herz haben und einladend sein. [...] Unser Land ist eine religiös gemäßigte Zone. Man geht nicht auf die Barrikaden für seinen Glauben, aber man hat eine verlässliche Bindung. Für diese spröde Glaubenslandschaft habe ich viel Sympathie.

Wie geht die Kirche mit dem Spannungsfeld um – in jedem Pfarrhaus soll Licht brennen, aber finanziell ist das nicht mehr möglich?

Wir haben dafür keinen Königsweg, diese Spannung besteht. Es kommt zu Verletzungen und Konflikten. Den wünschenswerten Zustand, dass jede Dorfgemeinde auch eine Kirchengemeinde ist, wird es nicht mehr geben. Die Kirche muss nach Wegen suchen, wie sie auf andere Weise im Dorf erkennbar bleibt. Eine richtige Formel dafür haben wir nicht. Es gibt verschiedene Großversuche, etwa Stiftungsgründungen oder Gemeindezusammenlegungen zu Großgemeinden. Da sind wir noch unterwegs.

 

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UNSER TIPP: MIT DEM FAHRRAD AUF KIRCHENTOUR

  Lychen – gleich doppelt schön
Lychen – gleich doppelt schön
Foto: Hoffmann

Die Tour führt wieder durch eine wunderschöne Landschaft, die diesmal Eindrücke ganz unterschiedlicher Art vermittelt. Eingebettet zwischen Wäldern, Seen und Feldern liegen interessante Kirchen, aber auch Stätten einer unseligen Vergangenheit: das ehemalige "Mädchen-Jugendschutzlager Uckermark" und das KZ Ravensbrück. Fürstenberg als Ausgangs– und Endpunkt ist von Berlin gut mit der Bahn zu erreichen (RE 5). Die Strecke über ca. 35 km bietet weitgehend sehr gute Radwege, einige Passagen verlaufen auf mehr oder weniger befahrenen Straßen.

Von Fürstenberg/Havel über Himmelpfort nach Lychen

Verwunschenes und Verwünschtes

Vom Bahnhof Fürstenberg/Havel folgen wir den Wegweisern des Radweges "Tour Brandenburg" bis Lychen. Zunächst aber verdienen die Sehenswürdigkeiten der Havelstadt Aufmerksamkeit, so u. a. das barocke Schloss aus dem 18. Jahrhundert, die Eisenbahnfähre (technisches Denkmal) und die Stadtkirche aus gelbem Backstein mit einem 50 m hohen Turm. Sie wurde um 1845 vom Schinkelschüler Friedrich Wilhelm Buttel im neobyzantinischen Stil erbaut. Man sollte hineinschauen, denn der große Batik-Teppich "Auferstehung Christi" von Christof Grüger ist bemerkenswert..

Wir verlassen Fürstenberg in Richtung Ravensbrück. Am Ende des Ortsteils liegt rechts das einstige KZ Ravensbrück mit der offiziellen Gedenkstätte. Dem schließt sich das Siemenslager an, in dem die Frauen aus dem KZ Zwangsarbeit zu leisten hatten. In Ravensbrück waren über 130.000 Frauen und 20.000 Männer inhaftiert.

Auf dem Weg nach Himmelpfort kommt man am Konzentrationslager Uckermark vorbei, das als "Jugend-schutzlager" gebaut worden war. In diesem Lager, am Rande des eigentlichen KZ Ravensbrück, waren bis Kriegsende 1.200 Mädchen und junge Frauen – die meisten unter dem Vorwand "vorbeugender Verbrechensbekämpfung" – als Asoziale inhaftiert. Ab Januar 1945 wurde dieser Teil des Lagers als Vernichtungslager genutzt. An verschiedenen Stellen kann man mit dem Rad auf die ehemaligen Lagerflächen gelangen. Nach 1945 wurde das Gebiet teilweise von der sowjetischen Armee genutzt. Auf dem Weg nach Himmelpfort finden wir am Radweg verschiedene Erläuterungstafeln, die an dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnern.

Wenige Kilometer nach dem bedrückenden Ort erreichen wir dann Himmelpfort. Dort erwartet den müden Radfahrer die Klosterschänke, von der aus die verwunschene Ruine des Zisterzienserklosters, die Klosterkirche, das Brauhaus und der Klostergarten besichtigt werden können. Anschließend laden die Bänke mit Blick auf den Haussee zu einer Ruhepause ein.

Unser nächstes Ziel ist Lychen. Zeitweilig verläuft der Radweg parallel zur Draisinenstrecke, die von Fürstenberg über Lychen nach Templin verläuft. Wir folgen dem Radweg bis in die Altsstadt und entdecken dort das Wahrzeichen von Lychen, die Feldsteinkirche St. Johannes aus dem 13. Jahrhundert. In "Uckermark Kirchen von A – Z" lesen wir: "Die St. Johanneskirche entstand im frühgotischen Stil.[...] Der Westturm – er hat die gleiche Breite wie das Kirchenschiff – ist im unteren Teil ebenfalls aus Granitblöcken aufgemauert und nach oben hin durch repräsentative Ziegelgliederung ergänzt – eine Besonderheit in der Region. [...] Das Langhaus hat traditionell eine Flachdecke, die mit massiven Balken abgefangen ist. Die bis zu 2 m mächtigen Mauern sind ebenfalls durch Pfeiler abgestützt. Wenn auch das Dach mehrere Male abgebrannt und eingestürzt ist – die Mauern sind stets erhalten geblieben. [...] 1698 erhielt die Kirche einen neuen (barocken) Altar sowie eine neue Kanzel und Empore, die in späteren Zeiten mehrfach verändert wurden…"

Am Stadtrand in Richtung Templin treffen wir auf die Helenenkapelle, die am Rand der 1902 gegründeten Hohenlychener Heilstätten liegt. Sie wurde 1904 als einschiffige Kapelle gebaut und vom Kunstmaler Plinke ausgemalt. Nach 1945 wurde die Kapelle als Treibstofflager der sowjetischen Armee zweckentfremdet. Heute kümmert sich ein Förderkreis um die Sanierung und künftige Nutzung der Kirche. Der Förderkreis Alte Kirchen wählte sie als Kirche des Monats Januar 2005 aus und stellte dem Förderverein im Jahr 2006 ein Startkapital zur Verfügung.

Nach der Helenenkapelle beginnt die Rückfahrt, leider ist ein Fahrradtransport auf der Draisinenstrecke nicht möglich.

Helmut Hoffmann

Adressen:
www.ravensbrueck.de
www.maedchen-kz-uckermark.de
www.fuerstenberg-havel.de
www.lychen.de/Kirche-St-Johannes
www.uckermark-kirchen.de
www.naturreich.de/radfahren.html
Kompass Bike & Rail: Mit Rad und Bahn von Berlin durch Brandenburg; Tour 1.3; Rad-, Wander- und Freizeitkarte Uckermark vom VBB

 

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Neu auf der Landkarte:

Kirchenstraße Elbe-Elster

 
LOHNENDES ZIEL: die Dorfkirche von Lugau bei Doberlug-Kirchhain. Der eindrucksvolle Granitquaderbau mit stattlichem Westquerturm stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.Großbildansicht

Es gibt immer wieder neue Initiativen, um auf das Problem gefährdeter Dorfkirchen hinzuweisen. Das zeigt, wie aktuell dieses Thema ist, wie es die Menschen umtreibt, die sich nicht mit dem Schicksal ihrer Kirchen abfinden wollen.

So gibt es seit einiger Zeit die "Mittel-deutsche Kirchenstraße" im Raum Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Ziele sind u. a. der Aufbau einer Kultur- und Bildungsstraße, die Unterstützung von Kirchgemeinden und anderen Akteuren in ihren Bestrebungen zum Erhalt sakraler Bauwerke, Schaffung und Bündelung kultureller Angebote entlang der Straße und die Verbindung mit Aktivitäten des Landtourismus.

Im März 2010 wurde in Schlieben (Elbe-Elster) die touristische "Kirchenstraße Elbe-Elster" gegründet. Paten waren der Verein "Wald- und Heideland e.V." mit seinem Vorsitzenden Ulrich Hartenstein, der Kreis Elbe-Elster mit der Amtsdirektorin Iris Schülzke, die 99.000 Euro an Fördermitteln aus dem LEADER-Programm einbrachte, sowie 47 Kirchgemeinden, die bisher am Programm teilnehmen.

Es gibt keine durchgehende Fahrtroute zu diesen 47 Kirchen. Die Ziele werden räumlich in Gruppen zusammengefasst mit je einem zentralen Standort, von dem aus man die Kirchen leicht erkunden kann. Mit den bereitgestellten Finanzmitteln werden Schilder angefertigt, die Erläuterungen zu den Kirchen geben und auf Schlüsselbewahrer hinweisen. Weiterhin sollen Kirchenführer ausgebildet werden, sodass es innerhalb jeder Kirchengruppe kompetente Ansprechpartner geben wird.

Die "Kirchenstraße EE" soll nicht nur eine rein touristische Aktivität sein, sondern – so Ulrich Hartenstein – "zeigen, wie wichtig meine Kirche für mein Dorf, für mich als Bewohner und für die Besucher ist". Es geht also auch darum, die Kirche, die im Bewusstsein vieler am Rande steht, wieder in den geistigen Mittelpunkt des Dorfes zu rücken. In diesem Sinne äußerten sich auch die Pfarrer der beteiligten Kirchgemeinden zwischen Schönewalde, Herzberg, Mühlberg und Doberlug.

Im April begann die Ausbildung der Kirchenführer an der Kreisvolkshochschule; im Herbst führt die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung Berlin-Brandenburg das Projekt weiter.

In einem Grußwort wurde das Projekt vom Förderkreis Alte Kirchen gewürdigt und Unterstützung zugesagt, denn es passt exakt zur Philosophie des FAK.

Text und Foto: H. Krag

 

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Wie Schiffe im Roggenmeer ...

Der Künstler Roger Loewig und die Kirchen im Fläming

 
Kirche in Lübnitz, Graustift, 1966Großbildansicht

Erst vor gut einem Jahr öffnete es seine Pforten und ist deshalb noch wenig bekannt: das Loewig-Museum in Belzig. Es ist dem Werk eines Künstlers gewidmet, der sich dem Fläming eng verbunden fühlte und mit seinen Bildern besonders den alten Dorfkirchen ein bleibendes Andenken bewahrte.

Roger Loewig, vor 80 Jahren in Schlesien geboren, lebte nach dem Krieg in der Lausitz, später in Ost-Berlin, wurde Lehrer, malte und dichtete. Wegen seiner kritischen Einstellung zur Politik der DDR wurde er 1963 zum ersten Mal verhaftet, ein Jahr später durch die Bundesrepublik aus dem Gefängnis losgekauft, von der DDR aber aus dem Schuldienst entlassen. 1972 durfte er ausreisen. In vielen Ausstellungen im In- und Ausland konnte er seine künstlerischen Arbeiten zeigen. 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, im selben Jahr verstarb er.

Zu den bekanntesten Zeichnungen von Roger Loewig gehören Bilder alter Flämingkirchen. Zwölf seiner schönsten Zeichnungen wurden als Monatskalender gedruckt und danach als Sätze von Großpostkarten zusammengestellt. Die Mappe enthält unter anderem auch sein Gedicht "Nach langer Reise". Es beginnt: "Wie Schiffe im weiten Roggenmeer so ankern hier Kirchen alt und schwer", und es endet: "Vergessen zuletzt in zu gottlosen Zeiten versinken sie leise, jetzt ganz leer, die Kirchen des Flämings, die wehrhaften, breiten, wie Schiffe im weiten Roggenmeer."

Die Postkartensätze können für 5,90 € bezogen werden von C. Bonte-Friedheim, Happenmoos 5, 79875 Dachsberg, oder von W. Woizick, Roger-Loewig-Museum, Flämingweg 6, 14806 Belzig

 

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Der FAK macht Schule – ein Brief aus Chemnitz

Dass der Wirkungskreis des FAK auch über die Grenzen Brandenburgs hinaus reicht, beweist ein Brief, der uns aus Chemnitz erreichte. Christian Riß, heute mit seinem Ingenieurbüro u. a. in Kirchen und Schlössern in Sachsen tätig, schreibt:

"Als ich 2002 im Rahmen meiner Masterarbeit ´Schutz Europäischer Kulturgüter´ ein Innenraumkonzept für die Harthauer Alte Kirche (Sachsen) erarbeitete, stellte mir der FAK einige Beispiele in Form seiner Zeitschriften ´Offene Kirche´ zur Verfügung. Nun sind einige Jahre vergangen, und ich möchte Sie über das Ergebnis informieren: Das Innenraumkonzept für die Harthauer Kirche wurde seit 2002 schrittweise umgesetzt und findet sehr gute Resonanz. Die Kirche hat wieder eine stetige Nutzung erhalten, die mit dem Gebäude verträglich ist.

Für Ihre Unterstützung des Projektes möchte ich mich – auch im Namen der Gemeinde – bedanken.

Installation in Glas für barocke Altarfiguren

Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Harthau hat zwei Kirchgebäude. Das heute zu Chemnitz (Sachsen) gehörige Harthau findet seine Wurzeln im 12. bis 13. Jahrhundert. Der romanische Vorgängerbau der Harthauer Alten Kirche wurde in Zeiten der Renaissance und des Barocks erweitert und überformt. Heute zeigt sich die Alte Kirche von außen frisch restauriert im Erscheinungsbild des Barocks.

Das Gebäude wird heute nicht mehr sakral genutzt. Diese Aufgabe hat seit 1908 die neue Harthauer Lutherkirche übernommen. Für die Alte Kirche wurde ein Innenraumkonzept unter den Begriffen "Begegnung–Musik–Wort–Kultur" umgesetzt. Die Alte Kirche wird seither stetig genutzt, so für Dia-Vorträge, Kunstausstellungen, Konzerte, Vereinstreffen, Geburtstage der Gemeindeglieder oder Klassentreffen.

Teil des Innenraumkonzeptes sind sechs gefasste Holzfiguren, die dem Peniger Künstler Christian Suttinger (1652 – 1730) zugeordnet werden. Die ursprünglich in Verbindung mit dem Harthauer Altar geschaffenen Figuren sollten wieder integriert werden.

 
 Großbildansicht

Der Gedanke, den nur noch in Teilen vorhandenen Altar wieder vollständig zu restaurieren, wurde frühzeitig verworfen. Andererseits würde der Raum ohne einen Schwerpunkt im Chorbereich einen wichtigen Bezugspunkt verlieren. So entstanden Überlegungen für eine Anordnung der Figuren in einer Art musealen Installation, die die Figuren entsprechend ihrer früheren Anordnung am Kanzelaltar zueinander in Beziehung setzt. Die museale Unterkonstruktion sollte den einstigen Altar verzichtbar machen, jedoch auch den Gedanken an die frühere Konstruktion zulassen. Weiterhin war es Ziel, die erhaltene steinerne Mensa in diese Präsentation einzubeziehen: Über drei Steinsockeln sollten Vitrinen-Aufbauten aus Metall und Glas installiert werden, in denen die Figuren wieder in die ursprüngliche Beziehung gesetzt werden konnten. Auf den Sockeln kragt die Mensa vorn etwas aus, wodurch die Platte optisch mehr Gewicht bekommt. Die beiden seitlichen Sockel sind zudem etwas zurückgesetzt, was an die Räumlichkeit des vormaligen Kanzelaltares erinnert.

Die Suttinger-Figuren wurden konserviert und sparsam restauriert. Die Holzplastiken zeigen Mose mit der Gesetzestafel (53 cm), den Propheten Elija (53 cm), den Evangelisten Matthäus mit Engel (95 cm), den Evangelisten Johannes mit Adler (95 cm) sowie zwei Posaunenengel. Die beiden alttestamentarischen Figuren waren ursprünglich am Kanzelkorb angeordnet. Sie standen somit in ihrer Bedeutung im Zentrum – als Basis zu verstehen.

Die größeren Evangelistenfiguren, die links und rechts das alte Testament (Mose, Elia) umgaben, bilden den Schwerpunkt, halten jedoch Bezug zu der zentralen Basis. Die beiden Posaunenengel verkörpern die Stimme Gottes und waren ursprünglich oberhalb der Kanzel angeordnet.

Der endgültige Oberbau des Präsentationsaufbaues mit den Vitrinen wurde im Jahr 2009 entworfen. Die Figuren sind dabei entsprechend der ursprünglichen Anordnung wieder in Beziehung gesetzt worden.

Eine tragende Glaskonstruktion im Mittelbereich nimmt die Vitrinen mit den restaurierten Figuren auf. Der Baustoff Glas wurde im Innenraumkonzept bereits mehrfach eingesetzt und steht optisch im Hintergrund. Er ist als denkmalpflegerische "Hilfskonstruktion" für den Betrachter eindeutig zu erkennen. Durch die tragende Glaskonstruktion konnte die Mensa oben vollkommen freigestellt werden, ein 15 cm breiter Abstand lässt die Betrachtung des historischen Elementes aus der Nähe zu.

Die Vitrinen der Figuren wurden in unterschiedlichen Größen und teilweise mit mattierten Glasbereichen entworfen. Die Mattierung der Rückseiten bildet einen Betrachtungshintergrund für die Figuren, der mit Klarglas vor der groben Feldsteinwand des Chorschlusses nicht gegeben wäre. Durch die Größe der Vitrinen und die Seitenscheiben in Klarglas ist eine umlaufende Betrachtung der Figuren jedoch möglich. Die tragende Glaskonstruktion sowie vier der sechs Vitrinen wurden durch die Gemeinde in Eigenleistung bereits installiert. Für die beiden mittleren Vitrinen fehlen momentan noch die finanziellen Mittel. Spender und Sponsoren sind der Gemeinde willkommen.

 

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Strategien zur Erhaltung und Nutzung von Sakralbauten in Europa

Internationale Tagung in Canterbury, England, wird vorbereitet

Auf Initiative von Europa Nostra findet vom 11. bis 13. November 2010 in Canterbury, England, eine internationale Tagung für die Entwicklung von Strategien zur Erhaltung und Nutzung von Sakralbauten in Europa statt. Vorbereitet wird sie vom Churches Conservation Trust, London, der führenden Stiftung in Europa für die Erhaltung denkmalwürdiger aufgegebenen Kirchen. Beteiligt daran ist u. a. auch der Förderkreis Alte Kirchen (Marburg).

Ein Ziel der Tagung ist der Ausbau eines festeren Netzwerks zwischen den damit befassten Organisationen in ganz Europa. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, inzwischen größte nicht staatliche oder amtlich-kirchliche Organisation in Deutschland zur Erhaltung gefährdeter Kirchen, wird dazu einen Erfahrungsbericht beisteuern

Zur weiteren Entwicklung des europäischen Netzwerks wurde ein Projektantrag gestellt auf Mittel des Leonardo-Programms der Europäischen Union zur Entwicklung von Partnerschaften und Bildung bzw. Ausbildung von Kräften, die sich mit der Erhaltung und Nutzung von Sakralbauten befassen. Beteiligt sind als Antragspartner: der Churches Conservation Trust (Koordinator), der Förderkreis Alte Kirchen (Marburg), die Evangelisch-Lutherische Kirche Schwedens und Organisationen in Ungarn und Estland. In Deutschland signalisierten ihre Mitarbeit im Falle eines erfolgreichen Antrags u. a. der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Dorfkirchen in Not in Mecklenburg und in Vorpommern, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, ihre Denkmal-Akademie und die Jugendbauhütte Brandenburg-Berlin, die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, das Fortbildungszentrum für Handwerk in Denkmalpflege, Görlitz, DenkmalWacht Brandenburg-Berlin/BAUDID, das EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps-Universität Marburg, das Referat "Offene Kirche" bei der Evangelische Kirche Mitteldeutschlands und der Verein "Rettet Bochumer Kirchen".

Bereits im Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 hatte der Marburger Förderkreis Kontakte zu ähnlichen Organisationen in Großbritannien, Frankreich und in den Niederlanden und zu allgemeinen Denkmalschutzorganisationen wie den National Trusts in Großbritannien und Europa Nostra geknüpft. Ein lockeres Netzwerk war entwickelt worden. Nach der Vorlage eines Berichtes zu aufgegebenen Sakralbauten in Europa hatte die Parlamentarische Versammlung des Europarates noch 1989 einen Aufruf an seine Mitgliedsstaaten verabschiedet, die Probleme gefährdeter Sakralbauten ernster zu nehmen. Von der Beratung im November werden nun weitere Fortschritte auf diesem Weg erwartet.

Angus Fowler

Information (vorerst englischsprachig) mit einem im Aufbau befindlichen Verzeichnis einschlägiger Organisationen in Europa sowie eine Wiedergabe des Europarat-Materials von 1989 sind schon zu finden auf der Website: www.placesofworshipeu.org

 

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BRIEFE AN DEN FÖRDERKREIS

Glückwünsche zu unserem Jubiläum

Anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens erreichten den Förderkreis zahlreiche Glückwunschschreiben. Hier Auszüge aus zwei Briefen:

Dem Förderkreis möchte der "Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark" in der Deutschen Gesellschaft e. V. sehr herzlich gratulieren. [...] Durch die engagierte Arbeit in Ihrem Kreis konnten viele Dorfkirchen wieder restauriert und repariert, ja sogar gerettet werden. Auch hat der Förderkreis dafür gesorgt, dass vor Ort sich Fördervereine gebildet haben, die sich für ihre Kirche einsetzen und oft selbst an der Instandsetzung mitarbeiten. Außerdem haben Ihre Ausstellungen in Deutschland den Schatz der brandenburgischen Dorfkirchen und ihre liturgischen Ausstattungen weiten Kreisen bekannt gemacht. Wir freuen uns mit Ihnen über Ihre Erfolge.

Wir würden uns sehr freuen, wenn die Zusammenarbeit in Zukunft etwas enger gestaltet werden könnte, vielleicht im Bereich der Exkursionen, zumal wir auch die Kirchen in unserer Publikationsreihe mit darstellen und auf Exkursionen besuchen.

Dr. Sibylle Badstübner-Gröger
Vorsitzende des Freundeskreises Schlösser und Gärten der Mark

Wir möchten mit diesem Schreiben [...] dem Förderkreis Alte Kirchen zugleich Dank sagen für die bisherige gute Zusammenarbeit. Sie erstreckt sich über viele Bereiche und Aufgaben, die wir miteinander abstimmen. Man kann zu Recht sagen: Der Förderkreis Alte Kirchen ist für uns als örtliche Fördervereine für den Erhalt einzelner Kirchen zu unserem Dachverband geworden.

Seit 15 Jahren pflegen wir die vertrauensvolle Zusammenarbeit und hoffen, dies auch in Zukunft tun zu können.

Jürgen von Chamier
Freundeskreis Gollmitzer Wehrkirche


"Offene Kirchen" 2010 mit großem Echo

"Offene Kirchen 2010" – ein echter Fundus mit 1.000 Anregungen zum Weiterlesen, Besuchen, Besichtigen, Hören etc.

A. Schönfelder, Bremen

Sehr schön und interessant ist der Aufsatz von Pfr. Nier. Gleiches gilt für den Aufsatz "Dorfkirchen in Ostbrandenburg" von Herrn Krag über seine Besuche im jetzt polnischen Teil von Brandenburg. Solche Aufsätze machen Mut, selbst auf die Reise zu gehen.

Alexander Kraemer, Berlin

Mir gefällt das Heft dieses Mal fast besser als vorherige, weil mehrere örtliche Fördervereine zu Wort kommen.

Edmund Köhn, Berlin

An schönen Wochenenden wird das Heft zusammen mit Autokarten und Reiseführer zum wichtigsten Equipment unserer Ausflüge übers Land.

Ursula und Hans-Josef Billig, Berlin

Ich finde, dass diese Ausgabe ganz deutlich widerspiegelt, wie sich der Förderkreis profiliert hat und mit welcher Bandbreite er sich beschäftigt. Er ist ein fester Bestandteil in der kulturellen Landschaft Brandenburgs mit Niveau, Anspruch, Sensibilität, Beharrlichkeit und ganz viel Herzblut.

Kerstin Hellmich, Tempelberg

Es ist eine wunderbare Arbeit, die Sie machen. So oft hatte ich unseren Verwandten in Luckau gesagt: "Was habt ihr hier für schöne alte Kirchen!" … Leider, leider wohnen wir zu weit von Brandenburg entfernt und sind zu alt, um "mal eben" hinzufahren.

Erika Müller, Mainz

Der Katalog ist wirklich ganz wunderbar und reizt zu einem Besuch!

Prof. Dr. Arnt Spandau, Reutlingen

Wir freuen uns sehr über das allgemeine Lob, sind aber auch dankbar für alle ergänzenden Erläuterungen und kritischen Hinweise, die uns auf Unstimmigkeiten, z. B. bei Ortsangaben oder Eintragungen im Kartenteil, aufmerksam machen. Die Redaktion wird sie sehr sorgfältig auswerten.

Dank für Engagement zur Erhaltung der Kirchen

Zu dem im Heft "Offene Kirchen" angesprochenen Problemen bei der Erhaltung von Baudenkmalen schreibt uns Brandenburgs Kultur-Ministerin Dr. Martina Münch u. a.:

Die historische Verantwortung, Zeugnisse vergangener Epochen zu erhalten, ist eine große Verpflichtung, von der auch die zukünftigen Generationen profitieren werden. Die Kirchen sind das beste Beispiel. Wenn wir diese Baudenkmale erhalten, erhalten wir Begegnungsstätten, die generationsübergreifend genutzt werden können.

Für Ihr Engagement, alte Kirchen zu erhalten und ihre beeindruckenden Schätze zu bewahren, möchte ich Ihnen herzlich danken.

Es macht wieder Freude, über Land zu fahren

Ich möchte Ihnen einmal sagen, wie sehr ich die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg schätze.

Mein Mann und ich fahren oft in Brandenburg herum und freuen uns, dass so vieles Schöne wieder hervorgebracht worden ist. Jeder Besichtigungstermin ist mit der Besichtigung der jeweiligen Kirche verbunden. Und bei so mancher zerstörten Kirche denke ich, wie schön es ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich nicht entmutigen lassen und einfach anpacken, damit wieder ein Kleinod entstehen kann.

Deshalb sage ich allen im Förderkreis Alte Kirchen Engagierten vielen Dank für ihren Einsatz.

Ingeborg Jahnke, Berlin

 

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KURZ NOTIERT

Dank an alle Spender

Insgesamt 761-mal habe ich meine Unterschrift unter die Dankschreiben an alle Spender und Spenderinnen aus dem vergangenen Jahr gesetzt. Alle diese Menschen sind dabei vor meinem geistigen Auge erschienen und einige davon waren mir sehr vertraut. Wenn ich den Füllfederhalter zwischendurch vor Mattigkeit aus der Hand legen musste, begann ich über das Phänomen des Spendens nachzudenken. Was ist es, das Menschen bewegt, einen bestimmten Geldbetrag einem gemeinnützigen Zweck zukommen zu lassen? Ist es das moralische Gewissen, der Sinn für Kunst und Kultur, der Wunsch nach Bewahrung einer großen abendländischen Tradition und ihrer christlichen Botschaft? Ist es der nachgesagte Hang der Deutschen zur Spendenbereitschaft, etwas Gutes tun zu wollen, das uns angesichts all der Nöte in der Welt immer wieder neu bedrängt? Oder ist es die schlichte Freude, etwas tun zu können, an dem sich nachfolgende Generationen auch noch erfreuen sollen?

Ich weiß es nicht, welche innere Haltung bei Ihnen, den Spenderinnen und Spendern, vorgeherrscht hat. Ich weiß nur, dass es mich insgesamt sehr berührt hat – berührt, dass es immer wieder Menschen gibt, die weit voraus blicken, die ein weites Herz haben und einen guten Sinn für das Da-draußen-im-weiten-Land, ein sehr wertvolles Gut, das uns allen gehört und immer gehören wird und dem wir somit kulturell und emotional verbunden sind. Während ich so nachsann, kam mir eine innere Zuneigung in den Sinn, die sich wechselseitig aus Demut, Dankbarkeit und Freude speist.

Ja, so etwa möchte ich es Ihnen einmal sagen.

Dr. Uwe Otzen

Hilfe aus Baden für Kirchensanierung

In seinem letzten "Wort des Bischofs" vor der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schle-sische Oberlausitz teilte der scheidende Bischof Dr. Wolfgang Huber mit, dass die badische Kirche 940.000 Euro für Kirchbauzwecke in Brandenburg zur Verfügung stellt. Bischof Huber wertete dies als Akt der Solidarität und "Beleg dafür, dass unser anhaltendes Bemühen um die Bewahrung der Kirchengebäude in Stadt und Land wahrgenommen, bejaht und unterstützt wird."

KOLKWITZ (Spree-Neiße)

Letzter Gottesdienst in katholischer Kirche

In der katholischen Kirche von Kolkwitz wurde am Palmsonntag der letzte Gottesdienst gefeiert. Im Amtsblatt des Bistums heißt es dazu: "Der drastische Rückgang der Katholikenzahl im Bistum Görlitz und die sich verschärfende Finanzkrise der Katholischen Kirche in Deutschland erfordern veränderte Strukturen in vielen deutschen Diözesen."

Ob und wie das bereits profanierte Kirchengebäude weiter genutzt wird, steht noch nicht fest. Den Kolkwitzer Katholiken stehe die Cottbuser Propsteikirche St. Marien immer offen, betonte Propst Thomas Besch. Für die katholischen Gläubigen bestehe auch die Möglichkeit, evangelische Gottesdienste in Kolkwitz zu besuchen.

Zuschüsse vom Lions Club

Der Lions Club Berlin-Wannsee unterstützt, motiviert durch die FAK-Ausschreibung "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" drei Projekte, die sich das Ziel gesetzt haben, Kinder und Jugendliche an das Thema Kirche und Kirchenerhaltung heranzuführen. Der Club gewährt Zuschüsse von jeweils 1.000 €.

Aus mehreren vom FAK vorgeschlagenen Themen entschied sich der Club für folgende Projekte:

Wir danken dem Lions Club für die Unterstützung.

Kirchen-Stiftung: Jetzt Förderanträge für Orgel-Sanierungen

Evangelische Kirchengemeinden mit sanierungsbedürftigen historischen Orgeln können sich noch bis zum 30. Juni um Fördergelder der "Stiftung Orgelklang" für das kommende Jahr bewerben. "Wir gehen davon aus, 2011 wieder 100.000 Euro für die Restauration von Orgeln bereitstellen zu können", sagte Stiftungsreferent Harald Gerke von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Der Orgelverein wurde 2007 von der EKD sowie den Landeskirchen von Hessen Nassau und Mitteldeutschland und der Kirchenbau-Stiftung gegründet. Das Stiftungskapital beträgt 1,2 Millionen Euro. Ziel ist es, Gemeinden unter die Arme zu greifen, in denen das Orgelspiel aus finanziellen Gründen bedroht sei, sagte Gerke. Eine Spende der Stiftung könne den Stein ins Rollen bringen, um weitere Geldgeber zu finden. Das Vergabeverfahren für 2010 sei jedoch bereits abgeschlossen.

epd

Sammlung von Orgelteilen zur Wiederverwendung

Ein Tipp für Kirchengemeinden, die ihre reparaturbedürftigen Orgeln wieder instand setzen lassen oder Teile nicht mehr genutzter Instrumente zur Verfügung stellen wollen: In einer inzwischen privatisierten Kirche in Wuppertal sammelt die Firma "Instrumente Ladach" alte Orgeln und Orgelteile und bietet sie in Teilen zur Wiederverwendung beziehungsweise zur Reparatur an:

Instrumente Ladach, ehemalige Trinitatiskirche, 42117 Wuppertal, Tel.: 0202 435174, Fax: 0202 435570, Mobil: 0172 2187944

 

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BÜCHERSEITE

Offene Kirchennutzung in heutiger Zeit

Alexander Möbius: Nutzung von Dorfkirchen in der Uckermark – Nutzungserweiterung sakraler Gebäude durch offene Nutzung

Um der aus Sicht der Kirche in Zukunft unausweichlichen Aufgabe vieler Kirchengebäude entgegenzuwirken, ist es von Bedeutung, sich der gegenwärtigen Nutzungen in all ihren Fassetten bewusst zu werden. Hierzu wurden 66 Dorfkirchen des ehemaligen uckermärkischen Altkreises Templin (Teile der heutigen Landkreise Uckermark und Oberhavel) dokumentiert und ausgewertet. Diese umfassende Zustandserfassung, die dem Buch als CD-ROM beiliegt, veranschaulicht die gegenwärtigen Formen der Nutzung in Abhängigkeit von weiteren bestimmenden Faktoren wie zum Beispiel der kulturgeschichtlichen und sozialen Situation des dörflichen Umfeldes sowie der jeweiligen Bauzustände. Die Auswertung mündet in dem Ergebnis, dass Faktoren wie z. B. Bauzustand und Schäden weitaus weniger Einfluss auf die Nutzung einer Kirche haben als ursprünglich angenommen. Ein direkter Zusammenhang zwischen ihnen und der jeweiligen Nutzung konnte nur in wenigen Fällen nachgewiesen werden. Es hat sich gezeigt, dass ein weitaus größeres Augenmerk auf die soziokulturellen Faktoren wie z. B. Öffnung und Zugänglichkeit, Verhältnis von Einwohnerzahl zur Zahl der Gemeindemitglieder zu richten ist, spiegeln sie doch den bereits stattfindenden Wandel des ländlichen Raumes am deutlichsten wider. Es zeigte sich, dass sie einen unmittelbaren Einfluss auf die Nutzung einer Kirche haben.

Weiterhin ist bemerkenswert, dass gut die Hälfte der Kirchen erweitert genutzt wird. Hierzu wurden sie keinerlei baulichen Veränderungen der inneren Raumstruktur unterworfen, sondern ermöglichen aus ihrem bestehenden Raumprogramm heraus Mehrfachnutzungen. Diese sind fast immer mit einfachsten Mitteln, teilweise ungeachtet des allgemeinen baulichen Zustandes der Kirchen, möglich und praktiziert worden. Dies macht Mut sowohl für Kirchengemeinden als auch für die vielen Fördervereine.

Das Buch des FAK-Vorstandsmitgliedes Dr. Alexander Möbius analysiert objektiv und umfassend die konkrete Nutzungssituation der Dorfkirchen der Region und leistet somit einen wichtigen Beitrag im Rahmen der allgemeinen Diskussion um den Erhalt und die Nutzung von Kirchen im ländlichen Raum.

Uwe Otzen

Verlag Dr. Köster Berlin/2009/144 S.inkl. CD mit Katalog
19,80 €, ISBN 978-3-89574-703-8

Strand und Meer – Burgen, Kirchen und Orgeln

Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland

Wer im Urlaub im Nordwesten Deutschlands nicht nur Sonne, Strand und Meer genießen möchte, dem sei für Ausflüge hinter den Deich oder auf die Inseln dieser vorzügliche Kulturreiseführer empfohlen. In den 60er-Jahren war Gottfried Kiesow als Bezirkskonservator in Hannover für Ostfriesland zuständig. Damals hat er alle Dörfer bereist und die Baudenkmäler erfasst. Die Region fasziniert ihn immer noch, und es gelingt ihm in seiner unübertrefflichen Art, den Leser mitzunehmen und zu Streifzügen durch eine Kulturlandschaft besonderer Dichte zu animieren. Nach einer Schilderung des Naturraums und der allgemeinen Geschichte beschreibt der Autor kurz die Kirchengemeinden Ostfrieslands. Dem lässt er eine ausführliche Einführung in die Kunst- und Baugeschichte folgen. Er nimmt seine Leser mit auf Streifzüge durch die Regionen, durch Städte und Dörfer und macht sie auf Kleinode auch abseits der großen Straßen aufmerksam. Er schildert Wissenswertes über Dorfkirchen und ihre Altäre, Kanzeln und ihre berühmten Orgeln, über Schlösser, Burgen, Wohnhäuser und Windmühlen. Praktische Kartenausschnitte der einzelnen Regionen und Pläne zu den Städten helfen bei der Reisevorbereitung und Orientierung vor Ort.

W.-D. Meyer-Rath

Verlag Monumente Publikationen der DSD,
384 S., über 500 farbige Abbildungen, 24,80 €, ISBN 978-3-86-021-3.

Berlins sakrale Orte

Thomas Götz und Peter Eichhorn: Berlin Sakrale Orte – ein Reisebildband

Dieser Bildband richtet seinen Blick auf mehr als 50 sakrale Orte Berlins wie Kirchen, Synagogen, Moscheen, Tempel und Gebetshäuser. Er spiegelt die faszinierenden Bauten in ihrer großen Vielfalt mit ihrer epochenübergreifenden Architekturgeschichte und ihrer stadt- und kulturgeschichtlichen Entwicklung wider. Mit dieser Auswahl wird zum ersten Mal die gesamte Bandbreite sakraler Bauten und damit die kulturelle Vielfalt der berlin-brandenburgischen Religionsgeschichte vom Mittelalter bis zum neuen Jahrtausend in chronologischer Abfolge niedergelegt. In einem Glossar werden Adressen, Öffnungs- und Gottesdienstzeiten der Häuser angegeben, so dass der detaillierte Bildband mit seinen Erklärungen für den Interessierten auch einen praktischen Nutzwert hat.

Uwe Otzen

160 Seiten und 450 Abbildungen, Softcover, 1. Auflage, September 2009
EUR 19,90, ISBN 978-3-941784-02-4

Geflügelte Taufgeräte

Bettina Seyderhelm (Hg.): Taufengel in Mitteldeutschland. Geflügelte Taufgeräte zwischen Salzwedel und Suhl

Vergleichbar dem bereits vorliegenden Band für Brandenburg ist jetzt ein sehens- und lesenswerter Band erschienen, der alle 215 noch existierenden und 55 bekannte, jedoch verschollene Taufengel in der ehemaligen Kirchenprovinz Sachsen in Bildern und Beschreibungen vorstellt. Mehrere Aufsätze führen in die Thematik ein.

Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen 2009, 24,90 €, ISBN: 978-3-7954-2292-9

 

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