Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Zwanzig Jahre Förderkreis Alte Kirchen – Rückschau und Ausblick

In der Presse und in zahlreichen Veranstaltungen wird gegenwärtig reichlich Rückschau gehalten auf die Chronologie der Ereignisse vor zwanzig Jahren. Im Frühjahr des kommenden Jahres hat dann auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg Gelegenheit, ein solches Jubiläum zu begehen.

Am 3. Mai 1990 fanden sich etwa vierzig Menschen aus Ost und West zusammen, um unter dem Motto "Alte Kirchen – Retten, Erhalten, Nutzen" einen Verein zu gründen. Ziel war es, Hilfe zu leisten bei der Sanierung und Instandsetzung der zahlreichen Kirchengebäude im Lande, die sich aufgrund jahrzehntelanger Vernachlässigung und Mangelwirtschaft zum großen Teil in einem erbärmlichen Zustand befanden.

Viel ist seitdem geschehen: Zahlreiche marode Dachstühle wurden repariert, Kirchendächer neu gedeckt, Fundamente trockengelegt und sogar längst aufgegebene Kriegs- und Nachkriegsruinen wieder aufgebaut. Über Jahrzehnte verstummte Orgeln wurden wieder zum Klingen gebracht, Altäre und Taufengel restauriert und verlorene Glocken neu gegossen. Alles in allem stellen die kirchliche Bau- und Denkmalpflege in dieser Zeit eine beeindruckende Erfolgsgeschichte dar, an der viele Beteiligte mitwirkten. Zu nennen sind hier Bund, Länder und Kommunen, Landeskirche, Kirchenkreise und Gemeinden, zahlreiche Stiftungen – allen voran die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und seit 1997 die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) sowie eine Vielzahl privater Spender und Sponsoren. Der Förderkreis Alte Kirchen konnte seit seiner Gründung 1990 mehr als 600.000 Euro für weit über einhundert Projekte zur Verfügung stellen.

Das Beeindruckendste jedoch ist, dass in den vergangenen Jahren eine gewaltige Bürgerbewegung entstanden ist, die sich dem Erhalt der baulichen und geistigen Mitte der Dörfer verschrieben hat. Weit über 250 lokale Fördervereine mit Tausenden Mitgliedern sorgen für den baulichen Erhalt des jeweiligen Kirchengebäudes und sind darüber hinaus zu wichtigen soziokulturellen Initiativen in den Gemeinden und Kommunen geworden.

Auch an dieser Entwicklung hat der FAK seinen Anteil. Regelmäßig helfen unsere Regionalbetreuer bei neuen Vereinsgründungen und geben wertvolle Tipps bei organisatorischen, baulichen und finanziellen Fragen. Durch das seit 2002 jährlich ausgeschriebene "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" konnten bisher 55 neu gegründete Initiativen mit Anschubfinanzierungen in Höhe von insgesamt 125.000 Euro ausgezeichnet werden.

Doch bei allen Erfolgsgeschichten gibt es auch ernst zu nehmende Probleme. Vielerorts geht die Zahl der Gemeindeglieder zurück. Pfarrstellen werden gestrichen und Gemeinden zusammengelegt. Und auch die Geldquellen sprudeln nicht mehr so heftig wie in den ersten Jahre nach der sogenannten Wende. Immer wieder stellt sich die Frage: Lohnt es sich, viel Geld in ein Kirchengebäude zu stecken, in dem weniger als zehn Personen alle vier oder gar sechs Wochen einen Gottesdienst besuchen?

Unsere Antwort lautet eindeutig: Ja! Denn erstens dürfen wir kommenden Generationen nicht die Möglichkeit nehmen, in den über Jahrhunderte bewahrten Kirchengebäuden wieder geistliches Leben zu entfalten. Zum anderen helfen wir, ein kulturelles Erbe zu bewahren, das der gesamten Gesellschaft gehört und für deren Erhalt auch die ganze Gesellschaft zuständig ist.

Über behutsame Nutzungserweiterungen – als Beispiele seien neben den zahlreichen Konzerten, Ausstellungen, Lesungen auch die Projekte des FAK "Theater in der Kirche", "Musikschulen öffnen Kirchen" sowie das in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes durchgeführte Projekt "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" genannt – gelingt es, alte Mauern mit neuem Leben zu erfüllen und sie wieder zu Mittelpunkten der Dörfer und Städte werden zu lassen. Für diese wichtige Aufgabe, die brandenburgischen Dorfkirchen und ihre Ausstattung zu bewahren und die Gebäude sinnvoll zu nutzen, ist der Förderkreis Alte Kirchen weiter auf Ihre Hilfe angewiesen.

Wir haben im kommenden Jahr 2010 allen Grund, uns über das Erreichte der vergangenen zwanzig Jahre zu freuen und gemeinsam zu feiern. Zugleich aber gilt es, unsere Arbeit fortzusetzen und zu intensivieren, um gemeinsam die Kirche im Dorf zu lassen.

Dr. Uwe Otzen Bernd Janowski
VorsitzenderGeschäftsführer

 
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Festliche Startkapital-Vergabe und eine wegweisende Exkursion:

Wo Engagement ist, geschehen immer noch Wunder

Festliche Startkapital-Vergabe  
Sie haben gut lachen, die Gewinner des Startkapitals 2009. Die so demonstrativ präsentierten Schecks werden ihnen Ansporn sein auf künftigen, manchmal auch steinigen Wegen
Foto: Wolf-Rainer Marx
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Bereits zum achten Mal zeichnete der Förderkreis Alte Kirchen Vereine und Initiativen aus, die sich für die Erhaltung, Instandsetzung und angemessene Nutzung von Kirchengebäuden engagieren. Die diesjährigen Startkapital-Gewinner stellten wir bereits in der Augustausgabe von "Alte Kirchen" vor.

Was solches Engagement vermag, führte die vorangestellte Exkursion zu Kirchenruinen im Oderbruch beeindruckend vor Augen. Sie folgte einer gut durchdachten Choreographie: Beginn war in Dolgelin, wo der Westgiebel immer noch einsturzgefährdet ist und man hofft, nach der Sicherung der Bausubstanz ein Dach hinzukriegen und einen nutzbaren Raum zu haben. In Carzig hat man schon eine Notkirche, ansonsten sieht es aber noch genauso aus wie bei unserer Herbstexkursion 2006. Über einen Besuch in Hohenjesar hieß es damals in "Alte Kirchen": "Wer im leeren, offenen Kirchenschiff stand, in dessen Mauern tiefe Risse klaffen, vermag sich eine Rettung nicht vorzustellen." Jetzt hat das Schiff ein Dach und für die Gemeinde wurde ein Raum eingebaut. Höhepunkt war schließlich Niederjesar, die nun wirklich jeden beeindruckende Verbindung von Alt und Neu.

Zum Gelingen der Exkursion und der Festveranstaltung haben viele beigetragen. Ihnen allen möchten wir auf diesem Wege unseren herzlichen Dank sagen. In Gesprächen und in Zuschriften bestätigten uns viele Teilnehmer, dass dies ein besonders schöner, erlebnisreicher Tag war. Einen dieser Briefe veröffentlichen wir deshalb:

Ein Teilnehmer schrieb uns:

So lebt eine Zivilgesellschaft

Liebe Vorstandsmitglieder des FAK,

Sie alle sollen wissen, dass Freitag, der 18. September 2009, für meine beiden Begleiter und mich zu einem unvergesslichen Tag geworden ist.

Die Besichtigung der drei Kirchen in Dolgelin, Carzig und Hohenjesar war überaus interessant und außergewöhnlich informativ. Die kompetenten und auch einfühlsamen Erläuterungen der Mitglieder der jeweiligen Fördervereine, insbesondere aber die des Pfarrers Martin Müller belebten das Herz, das Hirn und die Fantasie.

An die herrliche Vielfalt unserer deutschen Sprache erinnerten Schalltöpfe, Putzritzzeichnungen, von denen es Vergleichbares obendrein nur in Magdeburg und Münster gibt, sowie der feine, aber bedeutsame Unterschied zwischen Dach und Bedachung.

In jeder Hinsicht gelungen war die feierliche Übergabe der Förderpreise in Niederjesar. Wer alles hat nicht dazu beigetragen! Wen nennt man zuerst? Die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die die Zelte aufgebaut hatten und die immer zweckmäßigen Biergartentische, die Kaffee und Kuchen, Brötchen und die Beilagen in so großen Mengen vorbereitet hatten und an uns Gäste verteilten? Die Preisträger, die ihre Projekte in ansprechender Weise präsentierten? Die Rednerinnen und Redner, denen wir gern zugehört haben? Die Musikerinnen und Musiker vom Kammerconsort Oderbruch unter der Leitung von Christian Knopf-Albrecht, die eine Kantate des Komponisten Carl-August Tessenow darboten? Natürlich dürfen Sie, die Damen und Herren aus dem Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, in dieser Aufzählung nicht fehlen, halfen Sie bei der Beratung, der Vermittlung und der Organisation an vielen Stellen doch entscheidend mit.

Dass das Zusammenspiel der Vielen häufig so wunderbare Ergebnisse hervorbringt wie am Tag der Exkursion und der Preisübergabe, fasziniert und beruhigt mich immer wieder neu.

So lebt eine Zivilgesellschaft, so erblüht Kultur und so wächst der Glaube.

Mit dem Dank verbinde ich die Hoffnung, dass auch künftig möglichst viele Menschen, insbesondere jüngere Menschen, an dieser schönen Erfahrung teilhaben werden.

Edmund Köhn,
ein Uralt-Mitglied

 
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Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen

Zwei erfolgreiche Jahre vieler Initiativen und guter Ideen

Nach zwei erfolgreichen Jahren klang das Projekt "Stärkung der künstlerischen und kulturellen Nutzung der brandenburgischen Dorfkirchen" im Oktober aus. Dreißig Einzelprojekte waren durch die Kulturstiftung des Bundes aus dem Fonds Neue Länder finanziert worden. Auf der Schlusstagung in Belzig konnte eine gute Bilanz gezogen werden, zugleich wurden Ideen für künftige Initiativen entwickelt.

Wichtiger Partner war der Förderkreis Alte Kirchen, dessen Engagement für die behutsame Nutzungserweiterung von Dorfkirchen auch nach Beendigung des Projektes erhalten bleibt. Zu zahlreich und in ihrer Kreativität zu vielfältig waren die beteiligten Akteure, als dass diese so positiv begonnene Kulturarbeit schroff beendet werden dürfte. Zu oft wurde vor Ort die Frage gestellt: "Wie geht es weiter?"

Von der Kulturstiftung des Bundes, der vom Vorstand an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen wird, kann der FAK leider keine weitere finanzielle Unterstützung erwarten; der fünfjährige Fonds, der dort insgesamt mehr als 140 Projekte ermöglicht hat, wurde inzwischen geschlossen. Die weitgehende Kompetenz, die der Förderkreis mit der Organisation des Projektes erworben hat, darf – so der Vorsitzende Dr. Uwe Otzen auf der Schlusstagung – in Zukunft nicht brachliegen. Die Projektleitung wurde daher vom Vorstand damit beauftragt, neue Förderquellen zu akquirieren und möglichst nahtlos in neue Aktivitäten umzusetzen.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath, Birgit Karger (Projektleitung)

 Burkhard Voigt
DIE KIRCHE HOCHHALTEN durch angemessene zusätzliche kulturelle Nutzung. In diese Richtung weisen die vorbildlichen Projekte des Dannenwalder Förderkreises "Kultur und Kirche am Weg" mit seinem Vorsitzenden Burkhard Voigt (unser Bild).
Foto: Hanns-Peter Ermert

Eva-Maria Gauß, Leiterin der über 140 Projekte innerhalb der Kulturstiftung des Bundes, ging in ihrem Schlusswort (hier ein Auszug) davon aus, dass dieses Projekt weiterhin Früchte tragen wird:

Man darf getrost annehmen, dass weiterhin Menschen versuchen werden, ihre symbolische Ortsmitte und den oftmals letzten öffentlichen Raum im Dorf auch kulturell zu füllen. Denn dieses Engagement gab es auch vor dem Projekt, vielmehr waren es diese Aktivitäten, die die Idee für dieses Projekt gaben. Dieser Impuls sollte durch die Förderung der Kulturstiftung des Bundes gestärkt werden. Und dass es dazu reichlich Bedarf und Ideen gibt, zeigten die vielen Ideen, die zum Wettbewerb eingereicht wurden. Es bleibt Aufgabe, sich nicht nur auf Ideen der Menschen vor Ort zu verlassen, sondern vor allem die Umsetzung der Ideen zu ermöglichen und somit die Wirkkraft des bürgerschaftlichen Engagements zum Tragen kommen zu lassen (...).

Das Projekt wurde im Fonds Neue Länder als eine der größten Anschubförderungen realisiert. Erstmals wurde mit einem Partner ermöglicht, dass kleinere Beträge über einen Wettbewerb direkt an die lokalen Fördervereine ausgegeben werden konnten – der Förderkreis Alte Kirchen übernahm dabei die Vermittlung. Die Tätigkeit des Förderkreises genießt allgemeine Anerkennung, die Bedeutung der Dorfkirchenfördervereine für das Gemeinwesen hat sich herumgesprochen. (...)

Das Projekt "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" hat einen Impuls geben können. Es gab weit mehr Ideen für eine kulturelle und künstlerische Nutzung der Kirchen, als gefördert werden konnten. Das Projekt hat zudem eine Diskussion angestoßen: Was darf und soll in einer Kirche passieren? Was wollen die Menschen, die sich für den Erhalt und dann die Nutzung ihrer Kirche einsetzen? Geht es um eine christliche Gemeinde oder einfach um die Dorfgemeinschaft? Geht es um Kultur an sich oder Kultur im Dienste eines sakralen Zweckes? Oder hängt es zusammen?

(...) In der Diskussion wurden viele Themen angesprochen, die auch die Tätigkeit des "Fonds Neue Länder" betreffen. Es ging um Nachhaltigkeit, die Ambivalenz und Überforderung des Ehrenamtes als unbezahlter Arbeit, um die Dauer, die ein solches Projekt sinnvoller Weise haben müsste, um das Engagement vor Ort im Kontext der gesamten Entwicklungen in (Ost-) Deutschland. Ich hoffe, dass diese Diskussion weitergeführt wird.

Ich wünsche dem Förderkreis Alte Kirchen und allen weiteren, denen die Kultur im ländlichen Raum wichtig ist, hierbei weiterhin viel Mut für Folgeinitiativen, Netzwerke, starke Vereine und innovative Ideen. Das Netzwerk, das der Förderkreis Alte Kirchen aufgebaut hat, ist sehr wertvoll und kann viel bewirken, das Gemeinwesen und die Kultur im ländlichen Raum zu gestalten.

Engagement reagiert immer auf einen bestimmten Bedarf. Initiativen werden ausgelöst durch die Einsicht, dass hier etwas passieren sollte. Diese Einsicht in einen Bedarf, der die Dorfkirchenvereine vor Ort zum Engagement antreibt, war in ähnlicher Weise auch ausschlaggebend für dieses Projekt.

Ich würde mich freuen, wenn aus den Erfahrungen des Projektes Folgeinitiativen entstehen. Wenn hier weiterhin die kulturelle Gestaltung des ländlichen Gemeinwesens im Blick bleibt, freuen wir uns als Kulturstiftung des Bundes besonders.

 
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Die kreative Folgen des Projekts Kunst und Kultur in Dorfkirchen:

Entdeckungen mit dem Fotoapparat

Die Kirche im Heimatort aus dem Blickwinkel junger Leute

 Putto auf dem Uckroer Friedhof

Schon längere Zeit trug sich unser Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz e.V. mit dem Gedanken, auch Jugendliche einzubeziehen in das Bemühen um die Erhaltung unserer alten Kirchen. Mit unseren Exkursionen, Kirchenführungen, Konzerten und Vorträgen erreichen wir vorwiegend die mittlere und ältere Generation, nicht aber junge Leute. So war es eine gute Gelegenheit, mit Mitteln aus dem Fonds des Wettbewerbs "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" etwas Neues auszuprobieren.

Kapelleneingang an der Nikolaikirche Luckau 
 
Innenraum der Dorfkirche Langengrassau
 

In diesem Frühjahr lobten wir erstmals einen Fotowettbewerb für Jugendliche aus, um sie zur Beschäftigung mit den denkmalgeschützten Kirchen ihrer Heimat anzuregen. Dabei erwies sich die Zusammenarbeit mit den Kunstlehrerinnen des Bohnstedt-Gymnasiums Luckau als sehr hilfreich. Sie griffen unsere Idee begeistert auf und widmeten sich dem Thema mit ihren Leistungskursen. Ein Grund dafür war sicher, dass Fotografie ohnehin auf dem Lehrplan der Klassenstufe 11 steht. Deshalb ermöglichten wir zunächst jedem Kurs zur Einführung Theorie- und Praxisstunden mit der Fotografenmeisterin Beate Steinhagen aus Luckau. Sie vermittelte die Grundlagen der heute zumeist digitalen Fotografie und veranstaltete Übungen zu Motivauswahl, Bildaufbau, Lichtverhältnissen und dergleichen. Danach waren die Jugendlichen aufgerufen, sich mit den Kirchen in ihrer Umgebung zu beschäftigen, sich inspirieren zu lassen und ihre Eindrücke im Bild festzuhalten. Inhaltlich und in der Art der Umsetzung waren bewusst keine Grenzen gesetzt.

Die Anregung durch den Wettbewerb und der konkrete Anreiz, vielleicht mit einem guten Foto in den Kalender der Preisträger aufgenommen zu werden, waren deutlicher Ansporn – endlich mal nicht für die Schublade arbeiten! So beteiligten sich 32 Gymnasiasten am Wettbewerb, und aus Hunderten eingereichter Fotos konnte die Jury 13 Aufnahmen von elf Jugendlichen auswählen. Sie werden in einem Kalender erscheinen, den unser Förderkreis für 2011 herausgibt und der – wie seine Vorgänger auch – für die Kirchen der Luckauer Region wirbt. Die Vorstellung der Wettbewerbsergebnisse mit Ehrung der Bestplatzierten wird im kommenden Winter im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung stattfinden.

Auch wenn viele der eingereichten Aufnahmen technisch noch nicht ausgereift waren, Schwächen in der Motivauswahl oder beim Bildausschnitt zeigten und etliche gute Ideen leider fehlerhaft umgesetzt wurden und deshalb nicht in die Endrunde kamen – ein Anfang ist gemacht, und es bleibt jedem selbst überlassen, die Entdeckungsreise zu den alten Kirchen oder auf dem Gebiet der Fotografie fortzusetzen.

Im Ergebnis werteten alle Beteiligten die Arbeit an diesem Projekt als Gewinn: Die Kunstlehrerinnen erlebten ambitionierte Schüler und verbuchten die Unterrichtsstunden auch für sich selbst als hilfreichen Wissenszuwachs. Und die Schüler stellten fest, dass sie entweder tatsächlich zum ersten Mal in ihrer Kirche gewesen waren oder zumindest noch nie so genau hingesehen und Dinge wahrgenommen hatten. Allein oder zu zweit beschäftigten sie sich mit den alten Gebäuden, ihrer Ausstattung und dem Umfeld. Sicher war auch das eine ganz neue Erfahrung für die meisten: allein sein in einem solchen Raum, sich Zeit dafür nehmen …

Die positiven Reaktionen haben den eigentlichen Grundgedanken unseres Projektes bestätigt: Mit zeitgemäßen Mitteln und altersgerechtem Ansatz ist es möglich, auch die junge Generation an kirchliche Baudenkmäler und ihre historischen Kulturschätze heranzuführen.

Annegret Gehrmann

Fotos (von oben nach unten):
Sophie Pundrich: Putto auf dem Uckroer Friedhof; Julia Krüger: Kapelleneingang an der Nikolaikirche Luckau; Robert Bock: Innenraum der Dorfkirche Langengrassau

 
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Menschen helfen Engeln

Gemeinsame Aktion zur Rettung einer besonderen Kostbarkeit

Taufengel von Kreblitz   Taufengel von Löme  
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IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für
gefährdete

TAUFENGEL

in brandenburgischen Dorfkirchen
 

Für Martin Luther waren Engel wichtige Begleiter des Menschen von der Taufe bis zu ihrem Tode. In einer seiner Predigten heißt es denn auch: "Liebes Kind, du hast einen eigenen Engel. Wenn du des Morgens und des Abends betest, wird derselbe heilige Engel bei dir sein, wird bei deinem Bettchen sitzen, hat ein weißes Röcklein an, wird dein pflegen, dich wiegen und behüten."

So war es denn durchaus im Sinne Luthers, als einige Jahrzehnte nach der Reformation die ersten Taufengel in protestantische Kirchen, hauptsächlich in Norddeutschland, einzogen. Es gibt stehende und kniende Taufengel. Die meisten jedoch schweben an einem Seil oder einer Kette von der Kirchendecke herab, um dem Täufling die Taufschale zu reichen. Neben ihrer liturgischen Funktion verkörpern sie oft auch das Repräsentationsbedürfnis und die Theatralik des Barock. Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen die Taufengel jedoch dem rationalen Zeitgeist geschmacklos und überflüssig. Vielerorts wurden sie auf Weisung der Kirchenleitungen aus den Kirchenräumen entfernt, da "ihre gewöhnlich geschmacklosen Gestalten einen unangenehmen Eindruck machen" und "entstellend für das Innere des Kirchengebäudes sind".

Rückblickend ist es erstaunlich, wie viele Engel trotzdem erhalten blieben: auf Kirchenböden, in Abstellkammern und Schuppen oder weit hinten in den Magazinen von Heimatmuseen. Ein im Jahr 2006 veröffentlichter Inventarband stellt immerhin 145 erhaltene Taufengel im Land Brandenburg vor. Einige konnten in den letzten Jahren vorbildlich restauriert werden und kehrten an ihren angestammten Platz zumeist im Altarraum der Kirchen zurück.

Bei zahlreichen weiteren Taufengeln jedoch erfordert der schlechte Erhaltungszustand dringende Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen. Akuter Holzwurmbefall, abgebrochene Einzelteile, sich ablösende Farbschichten und starke Verschmutzungen charakterisieren den Zustand vieler Engel.

Gemeinsam mit dem Kirchlichen Bauamt der EKBO und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege möchte der Förderkreis Alte Kirchen dazu beitragen, möglichst viele Taufengel vor dem endgültigen Verlust zu bewahren und damit wertvolle Zeugnisse schlichter Volksfrömmigkeit und barocker Handwerkskunst für die Nachwelt zu erhalten.

Mit einem diesem Mitteilungsblatt beiliegenden Faltblatt und einigen Postkarten stellen wir Ihnen zunächst sechs brandenburgische Taufengel vor, die besonders gefährdet sind und baldiger Hilfe bedürfen.

Sie haben die Möglichkeit, für einen der vorgestellten Engel zu spenden oder unter dem Stichwort "Taufengel" in einen allgemeinen Restaurierungsfonds einzuzahlen, der allen Engeln zugute kommt. Gern stellen wir Kontakt zu den Kirchengemeinden her, so dass Sie Ihren Engel nach Möglichkeit auch besuchen können.

Neben den vorgestellten gibt es weitere Taufengel, die eine Substanzsicherung oder Restaurierung dringend nötig haben. Auf Wunsch vermitteln wir Engel-Patenschaften, für die Sie beispielsweise aus Anlass eines Familienfestes oder Jubiläums Spenden sammeln können.

Zu wünschen bleibt, dass die zurückkehrenden Taufengel nicht nur als melancholische Museumsstücke einer vergangenen Zeit gesehen werden, sondern möglichst häufig auch ihren liturgischen Gebrauchswert zurückerhalten.

Auf Wunsch senden wir Ihnen kostenfrei weitere Faltblätter und Postkarten zu, die Sie an Freunde oder Bekannte schicken bzw. weiterreichen können. Es wäre schön, wenn durch die Aktion "Menschen helfen Engeln" ein breites Netzwerk zur Rettung der brandenburgischen Taufengel entstehen würde.

Bernd Janowski

Wir informieren Sie gern auch persönlich über Ihre Möglichkeit, einem Engel zu helfen: Tel.: 030 4493051; E-Mail: altekirchen@aol.com; Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto.-Nr. 5 199 767 005; BLZ 100 900 00 (Berliner Volksbank); Kennwort: Taufengel

Unsere Bilder zeigen die Taufengel in Kreblitz (Dahme-Spreewald) und Löhme (Barnim); Fotos: BLADAM

 
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Mit dem Förderkreis auf Entdeckungsreisen:  Auf der Insel Rügen

Zwölf Kirchen in drei Tagen – kein "Schnelldurchgang"

Triumphkreuz in Altenkirchen   Madonnenfigur in Altenkirchen  
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UNSERE BILDER: Triumphkreuz und Madonnenfigur in Altenkirchen. Fotos: Sigrid Riesberg

Als ob die 1.400 Kirchengebäude im Lande Brandenburg nicht genug wären: In regelmäßigen Abständen bietet der Förderkreis Alte Kirchen Ausflüge in entferntere Gefilde unserer Heimat an. Im September dieses Jahres stand Deutschlands größte Insel mit ihren großartigen Kirchenbauten auf dem Programm.

Im Jahre 1168 eroberten dänische Truppen die Tempelfestung Arkona; Rügen wurde christianisiert und als dänisches Lehen dem deutschen Staatsverband eingegliedert. Nur wenige Jahrzehnte später begann bereits der Bau von Kirchen, die ältesten erhaltenen stehen in der "Hauptstadt" Bergen und in Altenkirchen. In beiden Bauten wurden vorchristliche slawische Grabsteine in die Außenmauern eingefügt, wohl um die Überlegenheit des christlichen Glaubens zu demonstrieren.

Anders als im heimatlichen Brandenburg wurden bereits die mittelalterlichen Kirchen Rügens mit Backsteinen errichtet – große, imposante Bauten, die ursprünglich in der Regel ohne Turm entstanden. Die einzige erhaltene Feldsteinkirche der Insel steht in Bobbin, malerisch auf einem Hügel gelegen, von dem eine großartige Sicht bis hin zum Jasmunder Bodden möglich ist.

Auf dem Programm der Reise standen aber auch zwei "Neubauten": Unweit der Steilküste von Arkona wurde die bescheidene kleine Uferkapelle von Vitt als "Schlechtwetterzuflucht" bei Strandgottesdiensten für die Heringsfischer der Insel errichtet. Seit 1989 birgt das Haus ein großartiges Wandgemälde: "Menschen im Sturm" des italienischen Künstlers Gabriele Mucchi. Die Schlosskirche in Putbus wurde erst 1891/92 aus einem ursprünglich als Kursalon errichteten Gebäude zur Kirche umgebaut.

Überaus interessant ist auch die Ausstattung der Kirchen, die den Wandel von Liturgie und Volksfrömmigkeit auf beeindruckende Weise dokumentiert. Erhalten blieben zahlreiche mittelalterliche Triumphkreuze, vermutlich weil sie sich problemlos in den protestantischen Gottesdienst integrieren ließen. Ein schöner geschnitzter Altarschrein mit Motiven aus dem Leben des heiligen Thomas Becket in der Dorfkirche Waase entstand um 1520 in einer Antwerpener Werkstatt und kam im 18. Jahrhundert aus Stralsund in das kleine rügensche Dorf. Zahlreich sind Inventarstücke aus dem Barock: verzierte Patronatslogen, Taufengel, Kanzelaltäre, vom Pietismus beeinflusste protestantische Beichtstühle und viele Epitaphien.

Auch auf Rügen konnten wir dankbar registrieren, dass in den vergangenen zwanzig Jahren viel für den Erhalt der Kirchen erreicht wurde. Der bereits aufgegebene Bau in Landow findet heute als "Kultur- und Wegekirche" ein breites Publikum bei hochwertigen Kulturveranstaltungen. Die Putbuser Schlosskirche konnte in einer beispiellosen Rettungsaktion vor dem Verfall bewahrt werden. Doch auch hier gibt es noch Problemfälle: In Poseritz erläuterte uns ein Restaurator ein von der Deutschen Stiftung Umweltschutz und der Stiftung KiBa initiiertes Forschungsprojekt, das sich mit Möglichkeiten der Beseitigung eines überaus starken Grünalgenbefalls an den Innenwänden des Kirchenschiffes beschäftigt.

Den Abschluss der Exkursion bildeten zwei bedeutende Stadtkirchen in Stralsund. In der überaus reich ausgestatteten St.-Nikolai-Kirche berichtete der Gemeindepfarrer von dem besonderen Problem einer "Touristenkirche". Und in St. Marien stellte uns Kantor Martin Rost die frisch restaurierte Stellwagen-Orgel von 1659 (51 Register auf drei Manualen und dem Pedal) in Wort und Ton eindrucksvoll vor.

Der Besuch in Nachbarregionen schärft den Blick auf eigene Schätze und eigene Geschichte in Brandenburg. Es wird wohl nicht die letzte Exkursion des FAK gewesen sein, die den Förderkreis über die Grenzen Brandenburgs hinaus reisen lässt.

Bernd Janowski

 
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Mit dem Förderkreis auf Entdeckungsreisen:  Im Kreis Oberhavel

Geschichte dreidimensional

Die mächtigen Mauern aus kantigen Feldsteinen bezeugen trutzige Standfestigkeit. Und tatsächlich haben die fünf Kirchen, Ziele unserer Herbstexkursion, in den vergangenen mehr als sieben Jahrhunderten wie Felsen in der Brandung manche Turbulenzen bestanden: die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges, Raubritterfeldzüge, Brände...Und jede Kirche spiegelt auf ihre Weise den Lauf der Zeit. Susanne Gloger, Kunsthistorikerin, die erstmals, aber sehr gekonnt eine Exkursion unseres Förderkreises ausrichtete, ließ die Geschichte der Menschen und der beständigen Verbundenheit mit ihren Ortskirchen lebendig werden.

Teschendorf

Wer die Kirche in Teschendorf durch die Pforte im mächtigen Westturm betritt, kommt vorbei an dem bedächtig schwingenden riesigen Pendel der 300 Jahre alten Einzeiger-Turmuhr. Es sei das älteste noch intakte Turmuhrwerk in Deutschland oder gar Europa, heißt es (kennt jemand ein älteres?). Das Innere der Saalkirche mit ihrer gut erhaltenen barocken Ausstattung zeigt deutlich die veränderte Nutzung nach der Reformation: Die Gemeinde nimmt vom gesamten Kirchenraum Besitz, die Pastorenpforten werden geschlossen, die Emporen reichen bis in den Altarraum. Eine Besonderheit ist das Deckenoval: die Darstellung des Planetensystems, umgeben von den Tierkreiszeichen. Das in einer Kirche? – Noch immer ein Streitpunkt unter Experten. Und noch etwas Ungewöhnliches wird den Mitgliedern und Freunden unseres Förderkreises offeriert: Die sehr lebendige Teschendorfer Gemeinde bedarf keiner Förderung zum Erhalt ihrer Kirche. "Das schaffen wir allein", sagte man uns stolz, und alle Teilnehmer blickten etwas verdutzt – das hört man selten, aber gern.

 Klein Mutz

Der Dorfkirche von Klein-Mutz war es in der Vergangenheit besonders schlecht ergangen. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges brannte das Kirchenschiff zweimal vollständig aus. Von der Feldsteinkirche blieb nur der Turm, an den 1755 ein fast elegant wirkender verputzter Saal mit hohen Fenstern und Portalen gebaut wurde. Die Kirche nahm noch einmal Schaden, als 1960 übereifrige Reformer die gesamte Innenausstattung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts entfernten. Erhalten aber blieb ein viel älteres, für eine Dorfkirche dieser Gegend einzigartiges Stück: ein bronzenes Taufbecken vermutlich aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Es ist eine große kunsthandwerkliche Besonderheit in dieser eher schlicht ausgestatteten Landschaft.

Löwenberg

Auch die Löwenberger Kirche war nicht von Feuersbrünsten verschont geblieben. 1808 brannte sie wie fast der gesamte Ort nieder und blieb lange wüst liegen. Erst 1832 wurde mit der Wiederherstellung begonnen. Hier prägt nun der Klassizismus den Innenraum: Das Schiff erhielt eine dreiseitige Empore auf dorischen Säulen und einen schlichten Kanzelaltar. Eine Zugabe aus noch späterer Zeit: Jugendstilornamente aus dem Jahr 1905. Die Malerei soll jetzt behutsam restauriert werden.

Die Kirche von Bergsdorf wird jetzt bereits umfassend saniert. Auf dem Gelände liegen nach Kien duftende Dachbalken, die vom Schwamm befallenes Gebälk ersetzen sollen; den spätbarocken Kanzelaltar schützt eine Plane. Ihn schmückten einst für seine Zeit typische kräftige Farben, heute ist er von einer weiß-goldenen Fassung überdeckt. Und noch etwas hatten die forschen Reformer der Sechzigerjahre verschwinden lassen: die um 1900 auf die flache Holzdecke aufgebrachten Papierbahnen, die mit Schablonen und frei Hand aufwändig verziert waren. Sie wurden unter graue Platten verbannt, sind jetzt aber schon wieder sichtbar gemacht worden und harren ihrer Restaurierung.

 Gutengermendorf

Die Kirche von Gutengermendorf muss man einmal umrunden, um ihren monumentalen Bau mit der belebten Westfassade zu bewundern und an der Nord- und Südseite die 1899 erfolgten Veränderungen der Fenster und Pforten zu erkennen. Zu dieser Zeit waren im Inneren eine Holzbalkendecke und eine flache Tonne im Chor eingebaut worden. Aus der Bauzeit erhalten blieb ein gotisches Sakramentshäuschen.

Ganz neu dagegen ist in Gutengermendorf ein Gemeindehaus, mit eigenen Mitteln und vor allem mit viel Eigeninitiative errichtet. Aus dem Panoramafenster des lichten Gemeinderaumes fällt der Blick auf das dunkle, regelmäßige Feldsteinmauerwerk des imposanten mittelalterlichen Westturms.

Es war Geschichte in dreidimensionalen Bildern, die auf unserer Exkursion lebendig wurde: von lange vor der Reformation auch als Schutzräume errichteten Kirchen, von den furchtbaren Folgen des Dreißigjährigen Krieges – knorrige Eichen, 1648 anlässlich des Westfälischen Friedens gepflanzt, waren am Wegesrand zu sehen – über die Wandlungen in den folgenden Jahrhunderten bis in unsere Gegenwart. Die trutzigen Feldsteinkirchen mit ihren gewaltigen Türmen erlebten manchen Wandel, bezeugen aber bis heute Standfestigkeit und lebendige Gemeinden, die ihnen eine weitere Zukunft sichern.

Eva Gonda

 

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Symbole mit Konfliktpotential

Vom angemessenen Umgang mit ungeliebten Zeugen unserer Geschichte

Nicht zum ersten Mal begegneten Mitglieder und Freunde unseres Förderkreises auf gemeinsamen Exkursionen in Kirchen unseres Landes Symbolen, die deutliche Reminiszenzen einstiger nationalsozialistischer Einflüsse auch im Kirchenbau offenbaren: manche ins Auge fallend wie in der Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf, andere beiseite gestellt wie in der Stadtkirche Strasburg (Uckermark, heute Mecklenburg-Vorpommern); manche unberührt, da man sich ihrer Geschichte vor Ort gar nicht bewusst ist, andere Objekte heißer Grundsatz-Debatten über Sein oder Nichtsein solcher Symbole in unseren Kirchen. – Fragen, die bedachte Antworten fordern.

Strasburg Christus

Strasburg war Ziel einer Exkursion des Berliner Dombauvereins, organisiert und ausgerichtet vom FAK. Interessant ist das Innere der Kirche, gestaltet 1935/1937 durch den Architekten Curt Steinberg, seit 1915 Leiter des Kirchlichen Bauamtes in Berlin. Zu seinen Bauten zählen die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf ebenso wie der Neubau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dorfkirche von Kunersdorf im Oderbruch. Erklärtes Ziel des Architekten für Strasburg war es, die "romantische Stimmungsmacherei" (gemeint war eine neugotische Raumfassung von 1865) zu beseitigen.

Die Ausmalung des Chorraumes übernahm der versierte Kirchenmaler Robert Sandfort. Für den Altaraufsatz schuf der Bildhauer Günter Martin im Auftrag des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung eine hölzerne Großplastik "Der Auferstehende". Günter Martin, Obmann der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin, war geprägt durch seinen freiwilligen Wehrdienst im Ersten Weltkrieg. Er schrieb dazu: "Die Wenigen, die das weltanschaulich Neue, den Umbruch unseres Empfindens, schöpferisch und entscheidend in der bildenden Kunst sichtbar machen, waren Frontsoldaten, bevor sie Künstler waren. ... Ebenso wie ich standen die Maler, die mir durch ihr entscheidendes Können heute wesentlich erscheinen, an der Front." So ist auch bei der für Strasburg geschaffenen Figur des "Auferstehenden" (unser Bild), in der NS-Zeit das am häufigsten verwendete christliche Symbol, nicht recht zu erkennen, ob die rechte Hand zum Segen oder zum Schwur erhoben ist. Der Blick ist jedenfalls visionär in die Zukunft gerichtet. Zusätzlich zur Altarfigur schuf Martin ein Kanzelrelief mit den Aposteln, verstanden als Vertreter der "Volksgemeinschaft".

Teile des Reliefs befinden sich heute in der Sakristei, der "Auferstehende" wurde vom Altar entfernt und fand seinen Platz im hinteren Kirchenschiff inmitten der Gedenktafeln für die Kriegsgefallenen.

Es wäre zu einfach, die Werke von Günter Martin pauschal als "Nazikunst" abzuqualifizieren. Man sollte sie jedoch im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachten. In Strasburg wäre z. B. eine Hinweistafel zur Geschichte ihrer Entstehung hilfreich.

Bernd Janowski

Hakenkreuz und Christenkreuz

Bis vor wenigen Jahren wurde die Ansicht vertreten, dass Kirchenbau und Kirchenkunst in den Zeiten des Nationalsozialismus nahezu zum Erliegen gekommen seien. Spätestens seit der 2008 in Berlin gezeigten Ausstellung "Christenkreuz und Hakenkreuz" weiß man, dass dies so nicht stimmt.

Neben zahlreichen Neu- und Umbauten gab es auch Neugestaltungen von Kirchen-Innenräumen, die dem politischen "Zeitgeschmack Rechnung" trugen. Oft sind es Kleinigkeiten, die auf den ersten Blick übersehen werden: das Hakenkreuz auf der 1935 gegossenen Glocke oder der Zusatz "... im dritten Jahr der Bewegung..." in der Inschrift, die auf eine Restaurierung hinweist.

Die Geschichte der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus ist nicht nur eine Geschichte des Widerstands. Der spätere langjährige Leiter des Kirchlichen Bauamtes in Berlin (Ost) war zuvor Kunstbeauftragter der Deutschen Christen. In einer Publikation von 1940 dankt er dem Führer dafür, "dass er der Architektur wieder den bedeutenden Platz unter den Künsten zugewiesen hat, der ihr als Schafferin und Ordnerin des Raumes zukommt". Endlich sei es möglich, wieder saubere und klare Kunstwerke zu schaffen, "ohne in irgendeinen Modernismus zu verfallen".

Nicht nur Gotik, Renaissance und Barock haben ihre Spuren in unseren Kirchen hinterlassen. Es wäre an der Zeit, sich auch mit der jüngeren Vergangenheit kritisch und offen zu beschäftigen.

Bernd Janowski

 

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LÜBNITZ (Fläming)

Ein Zeichen der Schöpfung an der nun wieder einladenden Kirchentür

 Bronzerelief von Prof. Karl-Henning Seemann
EIN GESCHENK zum Erntedankfest: ein Bronzerelief von Prof. Karl-Henning Seemann

Das Wetter ließ am Erntedanktag auch in Lübnitz durchaus zu wünschen übrig; sonst aber war es ein Glückstag für den Ort: Nach Jahrzehnten des Verfalls und der Vernachlässigung konnte die Kirche zu einem Erntedank-Gottesdienst besonderer Art wieder ihre Pforten für die Gemeinde öffnen.

Prof. Dr. Christian Bonte-Friedheim 
FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG seiner Initiative zur Rettung der Kirche bedankte sich Prof. Dr. Christian Bonte-Friedheim bei Lydia Junghanß von der Belziger Kirchengemeinde
Fotos: Arnulf Kraft

Zu danken ist das vor allem dem jahrelangen – finanziell auch vom Förderkreis Alte Kirchen unterstützten – beharrlichen Mühen eines Mannes, den die Nachkriegszeit zwar weit nach Westen getrieben hat, dessen familiäre Wurzeln aber hier in Lübnitz liegen: Prof. Dr. Christian Bonte-Friedheim. Bei der Wiederbegegnung mit den Orten seiner Vorfahren fand er die kleine Kirche in traurigem Zustand vor, kaum mehr nutzbar und darum auch kaum mehr genutzt. Aus dem Erschrecken darüber reifte sein Vorhaben: Diese Kirche, an die 800 Jahre alt, darf nicht untergehen, sie soll ihre alte Schönheit und Aufgabe wieder erhalten.

Der Weg dahin wurde mühsamer als gedacht. Die zuständige Evangelische Kirchengemeinde Belzig mit ihren vielen kleinen Orten war mit anderen Aufgaben bereits ausgelastet und zeigte wenig Leidenschaft, auch Lübnitz noch zum Schwerpunkt von Sanierungsmaßnahmen zu machen. Es hat lange gebraucht und viel Mühe und privates Geld gekostet, das Projekt dann doch zu realisieren. Das Ergebnis jetzt ist atemberaubend schön.

Denkmalschützer wurden in den letzten Jahren in der alten Fläming-Kirche tätig, haben unter dem Fußboden alte Grabkammern entdeckt und den Zugang zur bislang vermauerten Sakristei freigelegt, konnten mittelalterliche Weihekreuze und ein altes Fenster mit Holzteilen des frühen 13. Jahrhunderts freilegen; Restauratoren haben ergänzende Bemalungen und Farbgebungen ermöglicht, dem kleinen Raum zu neuer Helligkeit und Schönheit verholfen. Das wurde mit vielen Besuchern gefeiert und dafür herzlich gedankt: dem großzügigen Förderer aus dem fernen Schwarzwald, seinem kleinen Förderkreis und erst recht bei diesem Erntedankfest dem "Geber aller Güter".

Ein besonders kostbares Geschenk gab es zusätzlich: Auf der alten Eingangstür zur Kirche wurde ein neues Bronzerelief "Der Baum als Symbol der Schöpfung und ihrer Gefährdung" enthüllt und von ihrem Schöpfer Prof. Karl-Henning Seemann erläutert. Paul-Gerhardt-Lieder, gesungen von Sarah Kaiser, rundeten das Fest ab.

Einen Tag später wurde die Kirche erneut zum Arbeitsplatz: Nun wird die alte Holzdecke der Kirche wieder freigelegt und restauriert, die wiedergewonnene Sakristei soll zum Ausstellungsraum für die dort geborgenen Fundstücke vergangener Jahrhunderte hergerichtet werden; auch die sorgfältig überarbeiteten alten Kirchenbänke werden wieder ihre angestammten Plätze einnehmen. Schließlich soll die Orgel von Fachleuten überholt werden.

Der Förderkreis Alte Kirchen gratuliert dem Ort und seiner kleinen evangelischen Kirchengemeinde zur Wiedergewinnung dieser wunderbaren Kirche. Und dankt jenen Personen, die im dortigen Förderkreis so verlässlich für den Erhalt der Kirche gesorgt haben, vor allem dem 1980 aus der Sowjetunion gekommenen Ehepaar Lena und Rudolf Bulitz sowie Frau Martha Gleiniger aus Niemegk.

Mögen die kommenden Jahrzehnte freundlicher mit der Lübnitzer Kirche umgehen als die vergangenen. Und möge es in Lübnitz weiterhin Menschen geben, die sich so liebevoll um die alte Kirche sorgen.

Arnulf Kraft

 

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Musikschulen öffnen Kirchen

Ein krönender Abschluss der diesjährigen Konzertreihe

Junge Talente musizierten zur Freude vieler und für einen guten Zweck

Mit einem brillanten Konzert der Jungen Philharmonie Brandenburg fand am 18. Oktober in der Prenzlauer St.-Nikolai-Kirche die diesjährige landesweite Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" ihren krönenden Abschluss. Unter der Leitung von Aurelien Bello präsentierte das Spitzenensemble Auszüge aus Bizets Oper "Carmen", aus dem Ballett "Der Dreispitz" von de Falla und Ravels berühmten "Bolero". Der Beifall war groß und anhaltend. Der Erlös war für die Sanierung des Glockenstuhls im Kirchturm von Alt-St.-Nikolai bestimmt.

In der Konzertreihe unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Johanna Wanka musizierten in diesem Jahr insgesamt 650 Musikschülerinnen und Musikschüler in 22 Benefizkonzerten in brandenburgischen Kirchen. Viele Kooperationspartner haben das Projekt "Musikschulen öffnen Kirchen" unterstützt. So präsentierte Kulturradio vom RBB die Konzertreihe, Medienpartner aus den Regionen begleiteten die Konzerte. Als Ko-Veranstalter konnten u. a. das Festival Alter Musik in Bernau, die Uckermärkischen Musikwochen und der Förderkreis Oekumenisches Europa Centrum e.V. aus Frankfurt (Oder) gewonnen werden.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unterstützt dieses Programm finanziell regelmäßig. Die erfolgreiche Konzertreihe hat in diesem Jahr insgesamt 10.250 € eingespielt, die vollständig den jeweiligen Kirchengemeinden zugute kommen.

Überall waren die Konzerte gut besucht, oft waren alle Kirchenbänke voll besetzt. In der St.-Nikolai-Kirche übermittelte ich vor etwa 200 Zuhörern und 85 Musikschülerinnen und Musikschülern ein Grußwort im Namen des Förderkreises Alte Kirchen. Ich habe unsere Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass wieder einmal viele unserer Dorfkirchen einen Frühling, Sommer und Herbst lang in den Mittelpunkt des kulturellen Lebens im ländlichen Brandenburg gestellt worden sind. Diese bedeutsamen Häuser brauchen unser aller Unterstützung, damit sie uns sowohl als Herberge für die Kunst als auch als Orte unseres Glaubenslebens erhalten bleiben. Wir unterstützen das Musikprogramm, weil es neben der Förderung des Musikernachwuchses, der kulturellen Vielfalt des Landes und einer Plattform für junge Talente auch dem Erhalt unserer Kirchen dient. Hier ergänzen sich also viele positive Wirkungen, was ganz der Philosophie unseres Förderkreises entspricht.

Mit dem folgenden Zitat aus Fontanes Roman "Vor dem Sturm", das auch unser Faltblatt für die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen ziert, wurde schließlich auf das Konzert übergeleitet: "Nur unsere Dorfkirchen stellen sich uns vielfach als Träger unserer ganzen Geschichte dar, und die Berührung der Jahrhunderte untereinander zur Erscheinung bringend, besitzen und äußern sie den Zauber historischer Kontinuität."

Zu diesem Zauber historischer Kontinuität haben dann gewiss auch die Musikschülerinnen und Musikschüler mit ihrer Jugend Glanz und ihrem großen Können beigetragen und die Kirchen immer wieder für alle geöffnet. Dafür wurde ihnen am Schluss herzlich gedankt.

Dr. Uwe Otzen

Die Konzertreihe soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Interessierte Kirchengemeinden und Fördervereine können sich beim Förderkreis Alte Kirchen und beim Landesmusikschulverband bewerben:
Landesverband der Musikschulen Brandenburg e.V., Schiffbauergasse 4 b, 14467 Potsdam; Katja Bobsin, Tel.: 0331 20164713; Fax: 0331 20164729
Weitere Informationen unter www.lvdm.de/kirchen
Letzter Anmeldetermin: 15. Januar
Das Programm 2010 erscheint voraussichtlich Mitte März.

 

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Brandenburgische Sommerkonzerte mit einer Neuheit

Kirchenkarussell brachte viel und viele in Bewegung

Per Bus-Shuttle von einer offenen Kirchentür zur anderen

   
MUSIK und das gesprochene Wort fanden in den vier ausgewählten Kirchen aufmerksame Zuhörer; das Jacques-Thibaud-Trio, Kara Huber und Christoph Markschies
Fotos: Brandenburgische Sommerkonzerte

Die Schönheit von vier Dorfkirchen der Prignitz in all ihrer Verschiedenheit war am letzten Samstag im August ein Anziehungspunkt für Menschen von nah und fern, die sich hatten neugierig machen lassen auf ein besonderes Angebot der Brandenburgischen Sommerkonzerte: Dorfkirchenkarussell – wie war das zu verstehen?

Vor einem Jahr waren die Kirchengemeinden des Pfarrsprengels Breddin-Barenthin gefragt worden, ob sie dafür ihre Kirchen öffnen würden. Und allmählich zeichneten sich die Konturen des Dorfkirchenkarussells ab: Nicht die Kirchen werden auf ein Karussell gestellt, auch die Musiker müssen nicht von einer Kirche in die andere eilen, sondern die Besucher sind unterwegs. In vier Kirchen werden sie von Künstlern erwartet zu unterschiedlichen Konzerten, dazu Lesungen und Vorträgen; zugleich lernen die Gäste auch die einzelnen Dorfkirchen kennen.

Da es noch keine Erfahrungen gab, blieb anfangs manches in der Schwebe. Für die Gemeinden war wichtig, dass die Organisation, die Werbung und die Betreuung der Künstler nicht zu ihrer Aufgabe wird. Trotzdem blieb vor Ort vieles zu bedenken. Doch die Zusage war da, weil der Mut zum Neuen schon immer gute Frucht in den Dörfern trug. Schneller als vor einem Jahr geahnt, war der besondere Tag herangerückt. Die Organisation des Bustransfers musste klappen, um Verzögerungen zu vermeiden. Vor Ort hatten Gemeindemitglieder die Kirchen geschmückt und die Begrüßung übernommen. Auch die Versorgung der Besucher mit Speisen und Getränken in den beiden dazu ausgewählten Dörfern Stüdenitz und Barenthin war gesichert.

Die Konzerte und Lesungen fanden bei den meisten Besuchern – etwa zwei Drittel kamen aus Berlin und dessen Umland – großen Anklang. Viel Zustimmung fand die Möglichkeit, an einem Nachmittag neben der Musik und dem gesprochenen Wort auch vier unterschiedliche Kirchen näher kennen zu lernen, so die riesige Dorfkirche in Stüdenitz mit ihrem 55 Meter hohen Turm, die am Wasser der Havel gelegene Vehlgaster Kirche und die gut erhaltenen Feldsteinkirchen in Barenthin und Breddin. An allen diesen Kirchen sind Sanierungsarbeiten geplant. Die regelmäßigen Gottesdienste, Konzerte im Sommer und Höhepunkte wie dieses Dorfkirchenkarussell machen die Kirchen zu offenen und einladenden Orten, wozu die Menschen vor Ort das Entscheidende beitragen: ihr Engagement, ihre Liebe zum Detail, ihre Hoffnung.

Etwa 400 Menschen waren aufs Karussell aufgestiegen: Sie waren unterwegs mit dem Bus, dem eigenen Auto oder mit dem Fahrrad. Die Organisation durch das Team um Christian Schmidt und Arno Reckers von den Brandenburgischen Sommerkonzerten hatte sich bewährt. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass die bewegten Menschen Hunger und Durst hatten – viel mehr, als die Gastgeber je geahnt hatten. Nicht einmal, sondern mindestens zweimal hat sich jeder Besucher angestellt, um selbstgebackenen Kuchen, deftige Stullen oder Gurken, Kaffee oder Tee zu bekommen. Die Stüdenitzer und Barenthiner holten schließlich alles herbei, was im Dorf greifbar war. Es war immer etwas im Angebot und sei es der Kuchen, der am nächsten Tag eigentlich auf dem Geburtstagstisch stehen sollte.

Am Abend durfte man zufrieden sein. Es war gelungen, was dank der Ideen und des Engagements vieler Menschen Formen annehmen konnte. Die Kirchengemeinden blicken gern auf diesen Tag zurück und würden sich freuen, wenn anderswo in Brandenburg dieses Modell weiter entwickelt wird. Mit ihrer großen Kirche wären die Stüdenitzer in einem der kommenden Jahre gern wieder Gastgeber der Sommerkonzerte.

Henning Utpatel

 

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Kartengrüße zum Christfest

Dorfkirche Rhinow
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Dorfkirche Kerkow
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Dorfkirche Pechüle
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Dorfkirche Möbiskruge
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Für Ihre Weihnachtsgrüße bietet der FAK diese farbigen Faltkarten an, mit denen Sie Brandenburger Dorfkirchen in aller Welt bekannt machen können. Zu bestellen über unsere Geschäftsstelle.

Die Karten im Format DIN A 6 zeigen die Kirchen in Rhinow, Möbiskruge, Pechüle und Kerkow. Erhältlich sind auch wieder Taufengel-Faltkarten, jetzt mit neuen Motiven.

Preis der je vier Karten:
5,- Euro plus Versand

 

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Neues von unserer Stiftung

Die nächsten Zinsen für Selbelang

Unlängst hat die Stiftung KiBa – also die "Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland" – ihren Jahresbericht 2008 versandt (den können Interessenten sich gern von uns schicken lassen). Und natürlich wird darin auch über die am 1. Juli 2008 in Berlin erfolgte gemeinsame Gründung unserer "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" berichtet. Interessant ist: Von den weiteren im Jahresbericht aufgeführten sieben Unterstiftungen der Stiftung KiBa ist unsere noch recht kleine Dorfkirchenstiftung doch diejenige mit dem zweithöchsten Grundvermögen. Das wird im offiziellen KiBa-Jahresbericht per 31. 12. 08 mit inzwischen 101.060,10 € angegeben. Zum 31. Oktober beträgt der Endstand nunmehr 108.600,10 €. Wir haben also unser Stiftungsvermögen in diesem Jahr bislang lediglich um rund 7.500 € erhöhen können. Dringend bemühen wir uns um weitere Zustiftungsbeträge.

Aus den Zinserträgen des Jahres 2008 hatte die Stiftung auf Vorschlag des FAK 1.850 € für die Sicherung der Kirchenruine in Hirschfelde bereit gestellt. Leider konnte dort mit den Arbeiten nicht so zügig begonnen werden wie erhofft. In einer Stellungsnahme aus Hirschfelde heißt es dazu: "So konnten wir erst im Sommer 2009, mit neuer Bauleitung, die Gespräche (mit dem zuständigen kirchlichen Bauamt) wieder aufnehmen, um mit der Rekonstruktion der Kirche fortzufahren. Wir gehen davon aus, dass wir Ihre Mittel ... noch in diesem Jahr ausgeben werden." Wir hoffen nun sehr, dass das gelingt, und werden davon weiter berichten.

Inzwischen hat der FAK-Vorstand der Stiftung einen nächsten Vorschlag zur Verwendung der Zinsen aus 2009 unterbreitet: In Selbelang, etwa 15 km westlich von Nauen gelegen, möchte die Kirchengemeinde im Jahr 2010 die Sanierungsarbeiten an der dortigen St.-Nikolai-Kirche fortsetzen. Die Dachkonstruktion der mehr als 500 Jahre alten kleinen Kirche muss saniert und im Chorbereich das Fundament gesichert werden, Teile des Mauerwerks sind instand zu setzen, Wände und Decken zu sanieren. Über die Schäden in der Kirche wurde in "Alte Kirchen" schon wiederholt berichtet, auch ein "Startkapital" hat der Förderverein Selbelang vom FAK erhalten, und im März 2005 war sie "Kirche des Monats". Einiges ist inzwischen geschehen; aber noch etwa 250.000 € werden zur Behebung aller Schäden an der einzigartigen Kirche nötig sein. Bei der Stiftung KiBa sind nun für 2010 zunächst 30.000 € beantragt worden, und der FAK-Vorstand möchte das Projekt aus den diesjährigen Erträgen der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen mit zusätzlichen 2.500 € unterstützen.

Am 5. November hat danach unser Stiftungsvorstand – ihm gehören auch zwei Vertreter der Stiftung KiBa an – getagt und sich diesen Vorschlag des Förderkreises zu eigen gemacht. So wird unsere nächste Zuwendung also dazu beitragen, die Kirche Selbelang zu retten.

Übrigens: Wer die wunderbare Kirche in Selbelang einmal selbst in Augenschein nehmen möchte, kann gern mit uns eine Fahrt dorthin vereinbaren. Wir organisieren das.

Arnulf Kraft

 

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Kirchen aus überraschenden Perspektiven

Norbert Trebeß zeigt in Rangsdorf faszinierende Fotos

"Mich haben seit Jahren die Brandenburger Dorfkirchen mit ihrer schlichten Schönheit, ihrer interessanten Bauweise, ihrer alten Baugeschichte begeistert und bewegt. … Seit ich nun Zeit und Muße finde, widme ich mich ihnen als Hobbyfotograf und Laienhistoriker." Norbert Trebeß, pensionierter Chemiker und Mitglied im Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, zeigt seit 2003 Ausstellungen brandenburgischer Dorfkirchen, jetzt ist die elfte zu sehen.

Erfahrung für die richtige Kamerastellung, Freude an überraschenden Perspektiven, Geduld für das ideale Licht, Muße für die beste Jahreszeit – wer je versucht hat, eine Dorfkirche zu fotografieren, kennt die Sorgen. Rund fünfzig gelungene "Problemlösungen" zu sehen, ist faszinierend. Kirchen in der Landschaft, imposante Giebel, Durchblicke durch Bögen, eine Serie zu Türen: eine Fülle von Ideen. Außenaufnahmen überwiegen, die Wunden des Krieges werden dabei nicht ausgespart. Aber auch die Ausstattung Brandenburger Kirchen wird präsentiert. Jedes Bild ist präzise erläutert; gehört die Kirche zu den "Offenen Kirchen", wird darauf hingewiesen.

Wolf-Rainer Marx

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Januar 2010 im Evangelischen Gemeindezentrum Rangsdorf, Seebadallee 27, zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Geöffnet sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr, ab 29. November von 11 bis 13 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung; Tel.: 033708 20790 oder -22200

 

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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November 2008 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg als neue Mitglieder begrüßen:

32 persönliche Mitglieder:
Karin Bark, Berlin; Jürgen Biewend, Berlin; Marlies Brunst, Rüdersdorf; Johanna Cremer, Berlin; Marianne Dieter; Roddan; Manfred Drigalski, Berlin; Johanna Ertel, Berlin; Jürgen Gaedt, Berlin; Dr. Anne Gerlach, Dortmund; Marika Großer, Berlin; Christiane Henkel, Dresden; Christiane Herrmann, Berlin; Eva Humpert, Berlin; Peter F. Huppert, Rodgau; Waldtraud Jäger, Berlin; Annette Jahn, Frankfurt (Oder); Martina Jammers, Berlin; Marcus Kasner, Darmstadt; Ingrid Klaß, Berlin; Horst Kleinebrahm, Berlin; Peter Lieck, Berlin; Gabriele Mathes, Berlin; Matthias Matzke, Berlin; Christa Menz, Belzig; Eva Michel, Gießen; Gerd Pohl, Belzig; Heinrich-Thomas Proske, Berlin; G. Riguette-Bäcker, Langen; Michael Rösler, Berlin; Klaus-Jürgen Schlott, Berlin; Ferdinand Schormann, Berlin; Wilken Straatmann, Baruth; Christiane Thomsen, Eberbach.

9 Mitgliedsvereine:
Brandenburg 21 e.V.; Förderverein Stadtkirche St. Marien Belzig e.V. (Potsdam-Mittelmark); Denk mal an Berlin e.V. (Berlin); Förderverein Schlosskirche Berlin-Buch e.V. (Berlin); Förderverein Dorfkirche Gosen e.V. (Oder-Spree); Förderverein Dorfkirche zu Löhme e.V. (Barnim); Förderverein Kirche Selbelang e.V. (Havelland); Förderverein Dorfkirche Wegendorf e.V. (Märkisch-Oderland); Förderverein Dorfkirche Wulfersdorf (Oder-Spree).

2 Kirchengemeinden:
Evangelische Gemeinde Königsberg (Ostprignitz-Ruppin); Evangelische Gemeinde Lieberose und Land (Dahme-Spreewald).

Damit zählt der Förderkreis zum gegenwärtigen Zeitpunkt 471 eingetragene Mitglieder, davon 358 persönliche Mitglieder, 94 Vereine, 12 Kirchengemeinden und Kirchenkreise sowie 7 Firmen.

 

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Aus der Arbeit des Förderkreises

Mögen Sie Zahlen?

Beim Förderkreis wird die Betreuung des Finanzwesens vakant. Wenn Sie Spaß an der Arbeit mit Zahlen haben, wenn Sie Übersicht mitbringen und dabei auch noch Einblick in die Arbeit des FAK gewinnen möchten, dann melden Sie sich bitte. Die Position ist ehrenamtlich. Tel: 030 4493051

Neuer Beitragssatz

Wie bereits berichtet, war entsprechend den Empfehlungen der Mitgliederversammlung 2009 beschlossen worden, den jährlichen Mitgliedsbeitrag von bisher 40,- € auf 50,- € zu erhöhen.

Hier noch einmal Hinweise zu Fragen der künftigen Abrechnung: Wo eine Abbuchungsermächtigung erteilt wurde, ziehen wir den neuen Beitrag ein, sofern uns keine Änderungswünsche mitgeteilt wurden. Wer seiner Bank einen Dauerauftrag zur Überweisung erteilte, sollte der Bank den neuen Betrag möglichst bald schriftlich mitteilen.

 

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KURZ NOTIERT

PASSOW (Uckermark): Wiedereinweihung festlich begangen

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten konnte die Dorfkirche Passow wieder eingeweiht werden. Der örtliche Förderverein und die evangelische Kirchengemeinde hatten aus diesem Anlass im Oktober zu einem Festgottesdienst eingeladen.

An der Finanzierung hatten sich 2008 auch der FAK und die Stiftung KiBa beteiligt. Umfangreiche Mittel stellte vor allem das Land Brandenburg im Rahmen des Staatskirchenvertrages zur Verfügung. (Siehe auch den Beitrag "Die Krise und der Kleinmut" in AK August 2009.)

Alt Krüssow (Prignitz): Repräsentativer Ostgiebel ist restauriert

Nach langjähriger Vorarbeit des örtlichen Fördervereins war es in letzter Zeit möglich, mit der Realisierung eines ersten größeren Bauabschnitts zur Instandsetzung der ehemaligen Wallfahrtskirche zu beginnen. Die Restaurierung des repräsentativen Ostgiebels der spätmittelalterlichen Backsteinkirche konnte abgeschlossen werden. Inzwischen laufen umfangreiche Voruntersuchungen, um ein endgültiges Sanierungskonzept für den Gesamtbau zu erstellen. Der Restaurator Jochen Hochsieder geht der Ausmalung des Innenraums auf den Grund. Durch den Bauforscher und Kunsthistoriker Dirk Schumann wird der Ablauf der verschiedenen Bauabschnitte untersucht, um Informationen für notwendige Instandsetzungen zu erhalten.

Der FAK hatte sich an der Erstellung eines ersten Baugutachtens und an verschiedenen Sicherungsmaßnahmen finanziell beteiligt.

Handwerkerpreis für Prenzlauer Denkmalpflege GmbH

Für die Instandsetzung und Restaurierung der Dorfkirche Strehlow (Uckermark) ist der Denkmalpflege GmbH Prenzlau ein Handwerkerpreis zuerkannt worden.

Der "Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege" wird alljährlich von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks ausgeschriebenen. Den Vorschlag für die Auszeichnung hatte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises eingereicht.

Seit 1990 engagiert sich die Denkmalpflege GmbH Prenzlau für die denkmalgerechte Erhaltung historischer Gebäude, inzwischen auch über die Grenzen des Landes Brandenburg hinaus. Zu den Objekten, an denen die GmbH bisher arbeitete, gehören auch zahlreiche weitere Kirchen und Klosteranlagen.

EKD zählte ihre Kirchen: In den letzten 15 Jahren 75 Kirchen neu gebaut

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat den Bestand ihrer Kirchengebäude neu erfasst. Danach gab es Anfang des Jahres 2006 bundesweit insgesamt 20.857 Kirchen und 3.641 Gemeindezentren, teilte das Kirchenamt in Hannover mit.

Seit der letzten Zählung im Jahr 1991 wurden 41 Kirchengebäude umgewidmet, 26 an Dritte vermietet, 97 verkauft und 46 abgerissen. Dem stehen 75 neu errichtete Kirchen und 296 neu gebaute Gemeindezentren mit integriertem Gottesdienstraum gegenüber.

 

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BÜCHERSEITE

Otto Bartnings überragende Bedeutung für den modernen Kirchenbau

 
Foto: Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau (OBAK) – Ralf SchluckwerderGroßbildansicht

Der Architekt Otto Bartning zählt neben Rudolf Schwarz zu den bedeutendsten Kirchbaumeistern des 20. Jahrhunderts. Sein erhaltenes Hauptwerk – die 1934 im Geiste der "Neuen Sachlichkeit" erbaute Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg – feierte in diesem Jahr den 75. Jahrestag ihrer Einweihung. Der Kunsthistoriker Paul Ortwin Rave bezeichnete den Bau schon 1961 als "das hervorragendste und überzeugendste Beispiel für die Berliner Kirchenbaukunst zwischen den Weltkriegen".

Noch nicht einmal zehn Jahre nach ihrer Einweihung wurde die Kirche 1943 durch Bombentreffer teilzerstört und unbenutzbar. Bereits 1951 konnte ein vereinfachter Wiederaufbau abgeschlossen werden. Nachdem die Kirche 1957 unter Denkmalschutz gestellt worden war, erfolgte die zweite Phase des Wiederaufbaus bis 1962. Obwohl Veränderungen vorgenommen wurden – zum Teil aus statischen Gründen, zum Teil wohl auch aus Kostengründen –, blieb doch die ursprüngliche Intention Bartnings sichtbar.

Die fächerförmige fünfschiffige Basilika mit dem schlanken Campanile kommt ohne jegliches überflüssiges Dekor aus. Der Innenraum spricht allein durch Form, Material und Farbigkeit sowie die Gestaltung und Anordnung der liturgischen Elemente. Das mittlere und größte der fünf Altarfenster bildet ein schlichtes, aber in seiner Größe beeindruckendes goldenes Kruzifix, das gleichsam als Altarkreuz erscheint. Ansonsten verzichtete Otto Bartning bei seinen Entwürfen "auf jeden Kompromiss mit der traditionellen Gestalt des Kirchenbaus", wie der Autor Jan Feustel in einem der Beiträge in der kürzlich erschienenen Festschrift feststellt. Trotzdem oder gerade deshalb fühlt man sich hier in einem "hoheitsvoll-sakralen Raum".

Bei der Grundsteinlegung für die Gustav-Adolf-Kirche am 6. November 1932 legte Otto Bartning in einer Ansprache seine Vorstellungen vom modernen Kirchenbau dar: "Der Architekt ist hier nicht nur Beauftragter der Gemeinde, für die er baut, sondern er ist Beauftragter und Werkzeug von Mächten, die über den Bauausschüssen und hohen Konsistorien liegen, so dass er sich letzten Endes nur diesen Mächten verantwortlich fühlt." Diese Radikalität, den Bau ausschließlich von der Liturgie her zu entwerfen, macht die Bedeutung Bartnings für den modernen Kirchenbau aus.

Der Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau (OBAK) ist es zu danken, dass sie das Erbe dieses bedeutenden Architekten bewahrt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Robert Hacker

Die Gustav-Adolf-Kirche in Berlin-Charlottenburg und ihr Architekt Otto Bartning. Festschrift zum 75 Jahrestag der Einweihung.
Herausgeber: Evangelische Gustav-Adolf-Kirchengemeinde zusammen mit der Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau (OBAK); Gifhorn 2009.
ISBN 978-3-937134-51-2; 130 Seiten; 9,50 €.

Nutzung von Dorfkirchen in der Uckermark

Im Rahmen der allgemeinen Diskussion um den Erhalt und die Nutzung von Kirchen veranschaulicht das kürzlich erschienene Buch unseres Vorstandsmitgliedes Dr. Alexander Möbius die konkrete Nutzungssituation der Dorfkirchen des uckermärkischen Altkreises Templin. Die Erfassung und Auswertung von 66 Dorfkirchen und Bethäusern bietet aufschlussreiches Material und erlaubt eine Darstellung und Einordnung der gesellschaftlichen Gesamtsituation der Kirchenbauten dieser Region. Welche Faktoren sind für die Nutzung und Akzeptanz der Dorfkirchen in der Praxis ausschlaggebend? Die Ergebnisse dieser interdisziplinären Auseinandersetzung mit dem Thema bieten konkrete Ansätze für den Umgang mit den Kirchen im ländlichen Raum. (Ausführliche Besprechung in der nächsten AK-Ausgabe.)

Nutzung von Dorfkirchen in der Uckermark, 2009, Verlag Dr. Köster Berlin, 104 Seiten mit CD-Rom, 19,80 €, ISBN 978-3-89574-703-8

Orgelklänge auf CD

Eine CD mit zum Teil historischen Aufnahmen, herausgegeben von JUBALmusic Berlin, stellt Instrumente der drei Orgelbauer Joachim Wagner, Peter Migendt und Ernst Marx in brandenburgischen und Berliner Kirchen vor. Preis: 15,00 € zuzüglich Versandkosten. Der Erlös soll der Restaurierung der Wagner-Orgel in Felchow (Uckermark) zugute kommen.

Bestellungen über Dr. Dietrich Pavel, Interessengemeinschaft Wagner-Orgel Felchow; Angermünder Str. 8; 16278 Schöneberg/OT Felchow; Tel.: 033335 41123

 

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