Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Die besonderen Geheimnisse um das Überleben unserer Dorfkirchen

Nach allen geschichtlichen Stürmen der vergangenen Jahrhunderte, wie Kriege, wirtschaftliche Not, Armut, Entvölkerung und Wüstfallen ganzer Landstriche, sowie der jüngsten DDR-Vergangenheit mit Mangelwirtschaft und staatlich verordnetem Atheismus, gibt es immer noch den großen Kulturschatz von über 1.200 Dorfkirchen in Brandenburg. Was ist das eigentliche Geheimnis ihres Überlebens? Warum bewegt uns immer wieder ihr schönes Erscheinungsbild, ohne das man sich das Kulturland Brandenburg kaum vorstellen kann?

Sicherlich ist es zum einen ihre starke religiöse und sozio-kulturelle Verankerung im Leben der Menschen hier wie in anderen christlich geprägten Regionen. Zum anderen ist es die starke Identifikationskraft mit den geschichtlichen Zeugen unserer Vergangenheit. Hier fanden über Jahrhunderte elementare geistliche Rituale statt, die Geburt, Sterben, Not und Tod begleitet haben, wie Taufen, Konfirmationen, Beerdigungen, Fürbitten, Wallfahrten etc.. Und nicht zuletzt geben die Dorfkirchen uns eine Mahnung, dass, wenn sie verfallen würden, auch das Leben im ländlichen Brandenburg sehr viel ärmer sein, ja teilweise sogar ganz erlöschen würde.

Dies alles waren die Beweggründe, die zur Gründung des Förderkreises Alte Kirchen gleich nach der historischen Wende 1989/90 führten und sind es bis heute geblieben: Die kleinen Kirchengemeinden können ihre Dorfkirchen aus eigener Kraft nicht mehr erhalten; das kirchliche Bauamt und die Landesdenkmalpflege haben dafür nur begrenzte Mittel zur Verfügung; die Förderung durch Bundesmittel aus dem Bausicherungsprogramm "Dach und Fach" sind längst eingestellt worden; einen Landesdenkmalfonds oder auch nur einen Notsicherungsfonds gibt es bis heute immer noch nicht; die Mittel aus dem Staatskirchenvertrag mit Brandenburg reichen bei weitem nicht zur Sanierung aller Dorfkirchen aus; und schließlich kann die Landeskirche aus ihrem Steueraufkommen immer weniger für die Erhaltung der kirchlichen Bausubstanz aufbringen. Zudem befindet sie sich in einem großen Reformprozess, der viel Finanzmittel bindet und daher eine Konzentration ihrer pastoralen und finanziellen Ressourcen notwendig gemacht hat. Es sind inzwischen Großgemeinden entstanden, in denen eine Pfarrstelle für bis zu 15 Kirchdörfer verantwortlich ist.. Ziel war und ist es, baulich gefährdete Kirchen, vorrangig im ländlichen Brandenburg, zu erhalten und sie wieder einer kirchlichen oder angemessenen kulturellen Nutzung zuzuführen. Die Problemfelder waren uns sehr bald bewusst

In dieser Situation war und bleibt es das Gebot der Stunde, das bürgerschaftliche Engagement zur Bewahrung unserer Dorfkirchen zu mobilisieren und zu stärken. Der Förderkreis Alte Kirchen hatte dies schon frühzeitig auf seine Fahnen geschrieben, doch erst in den letzten Jahren hat dieser Ansatz an Konturen gewonnen.

Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Instrumenten möchten wir auf dreifache Weise unsere Satzungsziele verfolgen: Erstens über die Mobilisierung auch noch so bescheidener finanzieller Ressourcen, die nach dem Modell der Ko-Finanzierung über einen längeren Zeitraum eine erstaunliche Breitenwirkung erzielen können. Zweitens über tatkräftige eigene bauliche Unterstützung in Absprache und Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden; und drittens über die Bildung von örtlichen Fördervereinen und regionalen Netzwerken mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Erhaltung der Kirchen auf möglichst viele Schultern zu verlagern. Das kann nur erreicht werden, wenn dies mit einer Nutzungserweiterung der Kirchen über gottesdienstliche Zwecke hinaus einhergeht und gemäß des Orientierungsrahmens der EKBO geschieht.

Die Arbeit des FAK zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements setzt somit an mehreren Schnittstellen gleichzeitig an: Schnittstellen zwischen der verfassten Kirche und ihren Ortsgemeinden; zwischen der Landesdenkmalpflege und der Kultur- und ländlichen Entwicklungspolitik des Landes Brandenburg; zwischen der Kommunalentwicklung der politischen Gemeinden und der organisierten Bürgerbeteiligung. Inzwischen gibt es in Brandenburg 250 lokale Fördervereine.

Auch die "Kulturstiftung des Bundes" unterstützt durch den FAK mit einer Fördersumme von insgesamt 60.000 € etwa dreißig Maßnahmen im Rahmen eines Programms zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements über Kunst- und Kulturprojekte in brandenburgischen Dorfkirchen. Das Programm "Theater in Kirchen" ist ein weiteres Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement zum Bewusstsein der Denkmalwürdigkeit von Dorfkirchen beiträgt. Schließlich veranstaltet der FAK gemeinsam mit dem Landesmusikschulverband das Programm "Musikschulen öffnen Kirchen", das neben Musikpflege und Talentförderung auch den Denkmalschutz zum Ziel hat. All dies erfolgt im Rahmen des Konzeptes einer Nutzungserweiterung kirchlicher Baudenkmale.

Die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements ist also eine der Grundvoraussetzungen dafür, dass uns und den nachfolgenden Generationen das unschätzbare Kulturgut von über 1.200 Dorfkirchen zusammen mit ihrem unverwechselbaren Umfeld überhaupt erhalten bleibt. Das bürgerschaftliche Engagement ist mittlerweile für das sozio-kulturelle wie sozio-ökonomische Zusammenwirken im ländlichen Raum Brandenburgs zur konstitutiven Größe geworden, um die uns viele andere Bundesländer beneiden. Sicherlich trifft auch hier der Leitsatz zu, dass Not erfinderisch macht und dass Ausbleiben von staatlicher Hilfe die Besinnung auf die eigenen Ressourcen und Stärken weckt. Beides ist wohl eines der Geheimnisse des Überlebens unserer Dorfkirchen.

Dr. Uwe Otzen

 
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Wie in jedem Jahr lädt der Förderkreis Alte Kirchen Mitglieder und Freunde zu Busexkursionen ein, stellt den Teilnehmern interessante Kirchenbauten vor und macht auf Probleme und Erfolge bei ihrer Erhaltung und Nutzung aufmerksam. 2009 reisen wir nun nicht nur durch die märkischen Lande. Diesmal soll der Weg auch über die Grenzen Brandenburgs hinaus gehen. Ziel ist die Insel Rügen mit ihrer langen Geschichte, von der auch die dortigen Kirchen viel zu erzählen haben

Ein weiterer Höhepunkt im Jahresplan des FAK wird die festliche Verleihung des Startkapitals 2009 im September sein.

2009: Entdeckungen in nah und fern

16. Mai: Reizvolles Havelland

Reizvolles Havelland 

Die Busreise durchs Havelland wird sehr abwechslungsreich sein. Jede der sechs zu besuchenden Kirchen – darunter auch eine Stadtkirche – hat mit ihrer Architektur, ihrer Ausstattung und ihrer Geschichte Besonderes zu bieten.

Ein wahres Kleinod wartet in Buckow (unser Bild) auf seine Wiederentdeckung. Seit kurzem findet der Besucher an der Kirchenpforte eine vom FAK gestiftete Tafel, in der auf die besondere Bedeutung gerade dieser ehemaligen Wallfahrtskirche hingewiesen wird. Die Tafel soll mit dazu beitragen, dass die Kirche zu einem Radfahrer– und Wanderziel wird.

5. Juli: Beim Fest der Orgeleinweihung live dabei

Sternhagen 
Orgel in Sternhagen - Entwurfszeichnung der Firma Schuke

Auch in diesem Jahr geht es wieder musikalisch durch die Uckermark – und diesmal anlässlich eines besonderen Ereignisses: Die Exkursionsteilnehmer erleben die feierliche Einweihung der restaurierten Wagner-Orgel in Sternhagen. Nach der Sanierung der einst desolaten Dorfkirche engagierte sich der Förderverein "Wagner-Orgel Sternhagen" für die Instandsetzung und die künftige Nutzung des wertvollen Instrumentes. Nach 250 Jahren wurde es durch die Potsdamer Orgelbaufirma Schuke generalüberholt und kann bald wieder ihre ganze Klangschönheit entfalten. Durch Benefizkonzerte und Spenden konnte ein großer Teil der beträchtlichen Kosten aufgebracht werden.

18. September: Startkapital-Vergabe

Niederjesar 

Wer anlässlich der Startkapital-Verleihung nach Niederjesar (Dorfkirche des Monats Februar 2008, unser Bild) kommt und an der Exkursion teilnimmt, der erlebt angesichts der Kirchenruinen die schrecklichen Folgen des letzten Krieges hautnah; viele Spuren konnten bis heute nicht getilgt werden.

Niederjesar gehört mit fünf weiteren Dörfern zum Pfarrsprengel Mallnow. Noch in den Neunzigerjahren gab es in keinem dieser Orte ein intaktes Kirchengebäude. 1995 entschied der Gemeindekirchenrat, Niederjesar als Zentrum der Gemeindearbeit und als Begegnungsstätte wieder aufzubauen. Zur Unterstützung der Baumaßnahmen gründete sich ein Förderverein; zwischen Kirchengemeinde und Kommune wurde ein Nutzungsvertrag abgeschlossen.

So dürfen die Teilnehmer an der Festveranstaltung gespannt sein auf einen Kirchensaal, der mit ungewöhnlichen Raumlösungen überrascht. Der Chor an der Ostseite wurde für den Gottesdienst durch ein in das Schiff vorgestrecktes Bogenjoch zur Kapelle vergrößert, die etwa zwanzig Besuchern Platz bietet. Unter einer neu entworfenen Empore entstanden Räume für Gruppenarbeit. Die Trennwand der Kapelle zum Kirchenschiff lässt sich öffnen, um größere Gottesdienste, aber auch Konzert- und Festveranstaltungen für 130 Menschen zu ermöglichen.

25./27. September: Reif für die Insel

Die Kirchen sind die ältesten Baudenkmale der Insel Rügen. Sie stammen teilweise aus den Anfängen der Christianisierung im 12. und 13. Jahrhundert. Oft aus Backstein, zum Teil auf Feldsteinsockeln errichtet, prägen sie das wunderschöne Landschaftsbild der Insel.

Insgesamt gibt es auf der Insel 49 Kirchengebäude, darunter 43 (ohne Hiddensee: 42) evangelische, drei neuapostolische und drei katholische Kirchen. Die jüngsten Kirchenbauten wurden im 20. Jahrhundert errichtet, um den gestiegenen Bedarf durch das aufkommende Bäderwesen zu befriedigen. Zu den bekanntesten Kirchen zählt die achteckige Kapelle im Fischerdorf Vitt auf der Halbinsel Wittow; die älteste der Insel Rügen ist St. Marien zu Bergen, sie wurde zusammen mit dem Kloster 1193 urkundlich erwähnt. Die Pfarrkirche von Altenkirchen (um 1200) ist die älteste Dorfkirche.

Der dreitägige Ausflug auf die Insel wird also ein besonderes Erlebnis sein.

 
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Projekt "KUNST UND KULTUR IN DORFKIRCHEN"

Die zweite Runde kann beginnen

Weitere Veranstaltungen werden vorbereitet / Schlusstagung im Oktober / FAK-Vorstand beschloss Anschlussprojekt

In manche märkische Dorfkirche zog seit Beginn des vorigen Jahres die Kunst ein und mit ihr viele interessierte Besucher aus nah und fern – erste Ergebnisse des Projektes "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen". Die Kulturstiftung des Bundes hatte diesen für zwei Jahre geförderten landesweiten Wettbewerb angeregt und den Förderkreis Alte Kirchen mit der Organisation und Durchführung betraut.

Mit Rückschau auf die vergangenen Monate darf resümiert werden, dass in den meisten Förderprojekten bei den Menschen vor Ort eine erstaunliche Menge an Kreativität und Engagement ausgelöst worden ist.

Nach Abschluss der ersten Saison bereiten die Projektteilnehmer nunmehr die Veranstaltungen für die zweite Phase im Jahr 2009 vor. Thema und Inhalt entsprechen in den meisten Fällen denen des ersten Projektjahres, denn eine gewisse Kontinuität und Nachhaltigkeit in der Arbeit vor Ort ist ja durchaus erwünscht.

Für nähere Informationen über die Veranstaltungen verweisen wir auf www.kunst-kultur-in-dorfkirchen.de.

Aus eingesparten Projektmitteln ergibt sich für den Förderkreis die Möglichkeit, fünf besonders erfolgreiche Projekte, denen die Wettbewerbsjury zunächst noch nicht die höchstmögliche Förderung gewährt hatte, zusätzlich finanziell zu unterstützen.

Dies sind:

Die Arbeitstagung Anfang November 2008 in Belzig fand bei den etwa 70 Teilnehmern ein solch positives Echo, dass der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen beschlossen hat, zum Ende des Projektes eine zweitägige Schlusstagung zu veranstalten. Sie findet wegen der dort so anregenden Atmosphäre wieder in den Kunsträumen der Burg Eisenhardt in Belzig statt.

Termin: Samstag/Sonntag, 10. und 11. Oktober 2009.

Zu dieser Tagung werden eine Aufführung des Theaters in der Kirche e. V. am Samstagabend in der St.-Marien-Kirche und am Sonntag eine Exkursion gehören.

Das Programm und das Anmeldeformular ist ab Juni der Projekt-Homepage zu entnehmen bzw. wird als Flyer der August-Ausgabe unseres Mitteilungsblattes "Alte Kirchen" beigelegt.

Der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen hat inzwischen eine Fortführung des Projektes "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen" beschlossen. Es sollte besonders die Stärkung des kooperativen bürgerschaftlichen Engagements in einer Kleinregion beinhalten mit Dorfkirchen als kulturtouristisch erschlossenen Landmarken und zugleich signifikantem Teil einer Kulturlandschaft.

Angestrebt wird ein Beginn des Anschlussprojektes im Jahr 2010, so dass eine gewisse Kontinuität in diesem Aufgabensektor des Förderkreises gewahrt bleibt. Projektleiter und Geschäftsführer des FAK haben sich just auf die Suche nach Förderungen und Sponsoren gemacht.

Wolf-Dietrich Meyer-Rath

 
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Manfred Stolpe in einem Pressegespräch:

Dorfkirchen als Zeugen unserer Kultur gilt es zu bewahren

Der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident und Vorsitzende des Brandenburgischen Denkmalbeirates Manfred Stolpe (SPD) hat sich anlässlich eines Pressegesprächs für den Erhalt der alten märkischen Dorfkirchen ausgesprochen. Sie seien oft der "einzig verbliebene Bezugspunkt für Geschichte und Kultur". Umso schmerzvoller sei der Verfall von Kirchen. Brandenburg verfüge über rund 1.200 historische Dorfkirchen aus allen architektonischen Stilepochen. Die mehr als 250 Fördervereine, die in den vergangenen 20 Jahren gegründet wurden, seien eine Erfolgsgeschichte. Allerdings wären noch einmal so viele Vereine nötig, um alle Kirchenbauten vor dem Verfall zu retten, betonte Stolpe. Dabei sprach er sich auch für eine Nutzungserweiterung der Bauwerke aus.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg forderte als Dachverband der Fördervereine die Einrichtung eines Notsicherungsfonds durch das Land Brandenburg mit jährlich einer Million Euro. Dies müsse der erste Schritt zur Einrichtung eines Landesdenkmalfonds sein, den es in allen anderen Bundesländern gebe, so Geschäftsführer Bernd Janowski. Der Förderkreis unterstützt lokale Initiativen durch Beratung und Anschubfinanzierungen. Außerdem wurde die Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen gegründet. Mit Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes stehen zudem für zwei Jahre insgesamt 60.000 Euro zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements zur Verfügung, betonte FAK-Vorsitzender Dr. Uwe Otzen.

epd

 

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Traditionelles Neujahrstreffen des Förderkreises Alte Kirchen

Ein Blick in die Zukunft der Dorfkirchen: Gotteshäuser oder Museen?

Das Jahr 2009 begann – schon traditionsgemäß – mit einem Neujahrsvortrag. Mitte Januar kamen etwa hundert Mitglieder und Freunde des Förderkreises Alte Kirchen in die St.-Matthäus-Kirche am Berliner Kulturforum.

Zum ersten Mal hatten wir keinen Gast als Vortragenden eingeladen. Unser Geschäftsführer Bernd Janowski sprach über das Thema "Gotteshäuser oder Museen? – Der demographische Wandel und die Zukunft unserer Dorfkirchen".

Zu Beginn warf er einen Blick auf die aktuelle demographische Situation im ländlichen Bereich des Landes Brandenburg und ihre Auswirkungen auf die Institution Kirche und ihren Gebäudebestand; für die hier ablaufenden Prozesse steht inzwischen einheitlich der Begriff "Schrumpfung". Im zweiten Teil beschäftige er sich mit der Funktion und der soziokulturellen Aufgabe der Dorfkirchen in Vergangenheit und Gegenwart. Im dritten Teil schließlich wagte er einen Blick in die Zukunft und dachte darüber nach, welche Schwerpunkte die zukünftige Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bestimmen könnten.

Zur Nutzung der Kirchen in unserer Zeit sagte er unter anderem.: "Kirchen sind öffentliche Räume und zunächst einmal offen für alle. Natürlich sollen unsere Kirchengebäude ihren Widmungszweck als Räume des gelebten Glaubens und der Verkündigung behalten. Dafür wurden sie gebaut. Dafür steht ihre Ausstattung, die eben nicht nur einen musealen Charakter trägt, sondern immer zweckbestimmt war und ist. Über diese eigentliche Bestimmung hinaus ist in Kirchengebäuden jedoch vieles möglich. Die Nutzungserweiterung von Kirchen – und ich wähle diesen Begriff bewusst als Gegensatz zum häufig benutzten Terminus ‚Umnutzung‛ – stellt eine riesengroße Chance dar, diese Gebäude für die Zukunft zu bewahren."

Dass wir ein spannendes Thema und einen sachkundigen Vortragenden ausgewählt hatten, zeigte uns der lange und herzliche Beifall. Entsprechend angeregt waren dann auch die Gespräche, die anschließend bei Wein oder Saft miteinander geführt wurden.

Wolf-Rainer Marx

 

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Eine kleine Kirche gerät zusehends auf die schiefe Bahn. Das schlichte Gotteshaus von Schönebeck gehört zu den ältesten Fachwerkbauten der Prignitz, hat in den fast dreieinhalb Jahrhunderten seines Bestehens manchen Sturm und viele Veränderungen ausgestanden. Doch seit einiger Zeit neigt sich die Kirche gefährlich nach Norden... 
Eine Kirche liegt schief

...aber gestandene Optimisten lassen sie nicht fallen

 
IN AKUTER NOT

Diesmal erbitten wir Ihre Spende für die

Dorfkirche
Schönebeck

im Landkreis Prignitz
 

Nur etwa 120 Menschen leben im Dorf Schönebeck, gelegen direkt an der Bundesstraße 103 zwischen Pritzwalk und Kyritz. Doch trotz der schon immer recht geringen Einwohnerzahl kann der Ort auf zwei – zumindest lokale – Berühmtheiten verweisen, Vater und Sohn, beide Schriftsteller. Johann Christian Theodor Eckart (1828 – 1893) war hauptberuflich Vorsteher der Knabenerziehungsanstalt in Schönebeck und veröffentlichte neben anderen Büchern eine Schrift mit dem schönen Titel "Durch Glauben zum Frieden". Sein Sohn Rudolf Eckart (1861 – 1922) folgte ihm nicht nur im erzieherischen Amt, sondern war ebenfalls schriftstellerisch tätig. Aus seiner Feder stammen eine Familiengeschichte der Eckarts und auch ein respektables "Handbuch zur Geschichte der plattdeutschen Literatur".

Die Schönebecker Kirche ist ein kleiner, schlichter Fachwerkbau mit eingezogenem quadratischem Turm. Zu Zeiten der Eckarts war die Ausfachung noch ziegelsichtig, wie eine alte Fotografie zeigt. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Gefache verputzt und mit heller Farbe gestrichen.

Ein Vorgängerbau war vermutlich dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer gefallen, denn die Inschrift auf einem Riegel der Südseite verweist in erhabenen römischen Majuskeln auf 1660 als Entstehungsjahr. Allerdings scheint nach neuesten Erkenntnissen diese Lesart fehlerhaft, denn eine dendrochronologische Untersuchung des Bauholzes, die vor einigen Jahren angestellt worden war, ergab 1666 als Fälldatum des verwendeten Baumes.

Auch der Innenraum der Schönebecker Kirche ist eher schlicht. Ein barocker Kanzelaltar mit seitlichem Aufgang wurde bei Erneuerungsarbeiten in den Jahren 1958/59 leider entfernt und weitgehend zerstört. Lediglich der Kanzelkorb blieb der Nachwelt erhalten; er steht heute im Altarraum und dient als Lesepult.

Im Zuge der damaligen Umbauten entstand auf der vergrößerten Orgelempore ein Raum für Christenlehre und Bibelstunden. In der DDR war der Religionsunterricht aus den Schulen verbannt. So wurde auf der Empore in der Schönebecker Kirche dafür ein separater Raum geschaffen, der zugleich Vorbild für ähnliche Lösungen in den umliegenden Orten sein sollte.

1959 wurden die Fundamente erhöht und die Schwellen in ein stark zementhaltiges Mörtelbett gelegt. Das führte zu einer permanenten Feuchtigkeitsbelastung und zu schweren Schädigungen der hölzernen Schwellenbalken. So ist die gesamte Kirche heute stark sanierungsbedürftig.

Seit einigen Jahren engagiert sich in dem Prignitzdorf eine "Initiativgruppe Dorfkirche" für das Gebäude. Auslöser war 2005 eine Haussammlung, die in dem kleinen Ort die stolze Summe von 3.300 Euro erbrachte. Dann wurden Kaffee-Nachmittage organisiert, Dorffeste geplant und Konzerte veranstaltet. Nach und nach wuchs der Kreis der Beteiligten und Interessierten. Die Initiativgruppe gehörte 2008 zu den Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen jährlich ausgeschriebenen "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine".

In diesem Jahr ist es nun – voraussichtlich ab Mai – möglich, mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen und sie auch abzuschließen. Im Rahmen des Staatskirchenvertrages beteiligt sich das Brandenburgische Kulturministerium wesentlich an der Finanzierung. Nötig ist jedoch ein Eigenanteil, der immer noch beträchtlich ist. Die Schönebecker aber sind optimistisch und hoffen, die notwendigen Gelder beschaffen zu können.

Text und Foto: Bernd Janowski

Weitere Informationen: Initiativgruppe Dorfkirche Schönebeck; Frau Renate Schulz; Tel.: 03395 310760

Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen; Kto. 51 99 76 70 05; Berliner Volksbank; BLZ 100 900 00; Kennwort: Schönebeck

 

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Plenar-Debatten unterm Kirchendach?

Anregungen und Vorschläge aus einer Tagung des FAK in Prenzlau

Die uckermärkische Kreisstadt Prenzlau besitzt acht mittelalterliche Kirchen und Kapellen – für die etwa 20.000 Einwohner, von denen weniger als 20 Prozent der evangelischen Kirche angehören, ein schwieriges Erbe. Eines der interessantesten Kirchengebäude, die Dreifaltigkeitskirche, ehemals das Gotteshaus des Franziskanerklosters, fristet sein Dasein verborgen im Schatten der großen Marienkirche. 1694 wurde es der französisch-reformierten Gemeinde zur Nutzung überlassen. Die ist noch heute Eigentümer, zählt jedoch gerade einmal sechs Gemeindeglieder in Prenzlau.

Was fängt eine so kleine Gemeinde mit einer riesigen Feldsteinkirche an, die trotz eines neuen Dachs noch große Bauschäden aufweist? Dies war eine der Fragen, mit denen sich eine vom Förderkreis Alte Kirchen initiierte Tagung beschäftigte. Etwa 80 Teilnehmer hörten interessante Vorträge zur Geschichte und Kunstgeschichte der ehemaligen Franziskanerkirche; Bauforscher Dirk Schumann und Restaurator Jan Raue stellten ihnen ein Gutachten vor, das der (inzwischen leider aufgelöste) örtliche Förderverein für das Gebäude in Auftrag gegeben hatte.

Die künftige Nutzung war das wesentliche Thema der Diskussion. Der interessanteste Vorschlag kam dabei von Axel Kempert, dem Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde: die Nutzung als Plenarsaal der Prenzlauer Stadtverordnetenversammlung, was einen geplanten Neubau überflüssig machen würde. Bisher jedoch zeigten sich die Prenzlauer Abgeordneten nicht sonderlich interessiert. Noch favorisiert man einen prestigeträchtigen Neubau, während wertvolle historische Bausubstanz ungesichert verfällt.

Mit seiner Tagung hat der FAK eine Diskussion angestoßen, die weitergeführt werden sollte.

Bernd Janowski

 

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Lohnendes Angebot für alle, die sich für den Denkmalschutz einsetzen

Erfahrungsaustausch per Mausklick

Erfolgreiche Denkmalpflege ist undenkbar ohne das Engagement einer Vielzahl von Bürgern, die sich aktiv dieser Aufgabenstellung widmen, sei es durch finanzielle Beiträge oder durch ganz persönlichen Einsatz in all seinen Möglichkeiten. Die Vielfalt der Fördervereine für alte Kirchen ist ein beredtes Beispiel dafür, dass das Bedürfnis nach kulturellem Gedächtnis auch unter schwierigen Rahmenbedingungen kraftvolle Impulse freisetzt.

Oft fehlt den Aktiven die verdiente öffentliche Beachtung oder die hinreichende Gelegenheit, die erarbeiteten Erfahrungen untereinander auszutauschen. Hier setzt das mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eingerichtete Internetportal Denkmal-Netzwerk.de an, indem es eine Plattform bildet, auf der sich Initiativen mit ihrem denkmalpflegerischen Einsatz präsentieren können. Die Mitglieder erhalten die Möglichkeit, auf der Internet-Seite kostenfrei ihr Denkmalengagement und ihre Denkmale einem breiten Publikum vorzustellen. Wer Logo oder Bilder mit einbringen will, leistet einen Kostenbeitrag von 15,- Euro pro Kalenderjahr. Gelegentliche Stammtische tragen zum persönlichen Erfahrungsaustausch bei. Ein Kalender der von den Teilnehmern angebotenen Veranstaltungen ermöglicht ein umfassendes Bild der Denkmalaktivitäten in den jeweiligen Bundesländern. Das Denkmal-Netzwerk entwickelt Angebote wie Publikationen zu denkmalorientierten Themen, gemeinsame Veranstaltungen, z. B. Führungen, Seminare, Newsletter für Teilnehmer und Publikum, gemeinsames Denkmalmarketing, Vermittlung von Fachkompetenz.

Das Team vom Denkmal-Netzwerk würde sich freuen, wenn auch möglichst viele Fördervereine alter Kirchen sich eintragen würden. Je größer die Zahl der Mitglieder, desto nachdrücklicher kommt die "Bürgerbewegung Denkmale" zur Geltung.

Wilken Straatmann

Kontakt und weitere Informationen: Anke Schirlitz, Wilken Straatmann; Tel.: 030 25796771, E-Mail: info@denkmal-netzwerk.de, www.denkmal-netzwerk.de

 

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BRANDENBURG (HAVEL)

Diagnose für einen Schrank: Lebensgefahr

In der Sakristei der Katharinenkirche wartet ein Kleinod auf Hilfe

  Katharinenkirche Schrank
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Katharinenkirche Schrank 
 
Katharinenkirche Schrank
 

Die imposante Katharinenkirche in Brandenburg ist reich ausgestattet: Flügelaltar und Bronze-Taufkessel aus dem 15. Jahrhundert, die Orgel und viele prachtvolle Steinmetzarbeiten beeindrucken den Besucher. Dass es aber auch verborgene Schätze gibt, darauf macht zur Zeit ein Plakat im Kirchenraum aufmerksam. In der Abgeschiedenheit der Sakristei ist ein spätgotischer Schrank und damit ein frühes Zeugnis mittelalterlicher Möbelkultur erhalten geblieben, das heute allerdings dringend einer restaurierenden und konservierenden Hand bedarf.

Um 1456 datiert, ist der Schrank ohne Zweifel seit Anbeginn der gotischen Kirche Bestandteil ihrer Ausstattung und in Konstruktion, Materialästhetik und Formensprache ein hervorragendes Beispiel seiner Zeit. Das schmiedeeiserne Beschlagwerk mit den in naturalistischen Formen durchbrochenen Bandenden und Griffplatten steht, ganz wie die textil anmutende Motivwahl der Schablonenmalereien, im Zeichen der Spätgotik. Einst wird er Kelche und andere kirchliche Gerätschaften, Dokumente, Schreibuntensilien, kostbar gebundene Bücher, Paramente oder Reliquien beherbergt haben.

Der Schrank fügt sich passgenau in eine bogenförmig abschließende Nische der südlichen Sakristeiwand ein, die Vorderfront schließt eben mit der Wandfläche ab. Dieser direkte Kontakt zum Mauerwerk aber wurde ihm zum Verhängnis; Feuchtigkeit und Salzablagerungen haben das kostbare Möbelstück stark in Mitleidenschaft gezogen. Neben der Bildung von dunklen Wasserrändern und weißen Ausblühungen auf den Oberflächen haben Fäulniserscheinungen und Anobienbefall vor allem in den bodennahen Bereichen zur Schwächung bis hin zum Verlust der Holzsubstanz geführt. Es ist höchste Zeit, weiteren Verfall aufzuhalten.

Die Berliner Diplom-Restauratorin Nadja Jaeckel hat bereits gute Vorarbeit geleistet. Sie erarbeitete nach umfangreichen Untersuchungen des Erhaltungszustandes Empfehlungen für konservatorische und restauratorische Maßnahmen und setzte diese Vorschläge an einigen Teilstücken bereits erfolgreich in die Praxis um.

Ihre technologischen Untersuchungen hatten ergeben, dass die leimgebundene Bemalung etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts großflächig überarbeitet worden ist. Erhaltene Bereiche der Schablonenmalereien malte man freizügig nach und die Türen sowie die Beschläge wurden monochrom überfasst. Bei dem Versuch, das originale Erscheinungsbild zu rekonstruieren, musste sie feststellen, dass viele Detailinformationen unwiederbringlich verloren gegangen sind. So konnten u. a. die originale Türenfassung und der Funktionsmechanismus der Schlösser nicht mehr eindeutig bestimmt werden. Das Restaurierungskonzept legt den Schwerpunkt nun auf die Trockenlegung, die Stabilisierung geschwächter Konstruktionsteile, die Reinigung der Oberflächen und die Festigung loser Fassungsbereiche.

Im Gegensatz zu mittelalterlichen Altären oder Kanzeln sind Möbel aus dieser Zeit heute sehr rar. Umso wichtiger ist es, sie auch künftigen Generationen zu erhalten. Für die Rettung des Brandenburger Sakristeischranks bedarf es jedoch einer finanziellen Unterstützung durch öffentliche und private Spenden.

Eva Gonda
Fotos: Nadja Jaeckel

 

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Taufengel und ihre wechselvollen Schicksale

"...als der hölzerne Taufengel, wie ein Genius niedergeflogen, seine angemalten Holzarme der Taufschüssel unterbreitete und als ich am nächsten an seinem übergoldeten Fittich stand, so zog mein Blut langsam – feierlich warm und dicht durch meinen pulsierenden Kopf und durch meine Lunge voll Seufzer..." – Derart poetisch beschreibt der Dichter Jean Paul in seinem 1796 erschienenen Roman "Leben des Quintus Fixlein" eine zeitgenössische Taufzeremonie.

Es ist wohl nicht nur dem Platzmangel in evangelischen Kirchen, sondern auch dem Wunsch des Barock nach Inszenierung und Repräsentation zu danken, dass zum Ende des 17. Jahrhunderts in großer Zahl mehr oder weniger kunstvoll gearbeitete Taufengel die herkömmlichen Fünten in den brandenburgischen Dorfkirchen ersetzten. Doch schon im 19. Jahrhundert schwand das Interesse an ihnen, auch aus theologischer Sicht wurde mehr und mehr Kritik an den Taufengeln geübt. Der Kirchenhistoriker Carl August von Hase bezeichnete die Taufengel damals sogar respektlos als "metaphysische Fledermäuse".

Und so verschwanden die geflügelten Himmelsboten nach und nach aus dem Kirchenraum. Einige wurden zerstört. Andere gerieten auf dem Kirchenboden in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit kehren sie wieder in die Kirchenräume zurück und werden, wenn möglich, fachgerecht restauriert.

Über zwei wechselvolle Schicksale uckermärkischer Taufengel soll hier kurz berichtet werden.

 

Einst auf dem Kirchhof entsorgt

Ein ganz besonders abenteuerliches Schicksal widerfuhr dem Taufengel aus Groß Fredenwalde. Bei einem Umbau der Kirche 1960 wurde die schon damals nicht mehr genutzte Figur einfach "entsorgt". Stark beschädigt, entdeckte man sie später auf dem dortigen Kirchhof und ließ sie in das Volkskundemuseum der Stadt Templin schaffen.

Nachdem die Groß Fredenwalder, vor allem auch dank des Engagements ihres rührigen Heimatvereins, in den vergangenen Jahren ihr Kirchengebäude instandgesetzt hatten, wünschten sie sich auch den Taufengel in seine renovierte Heimstatt zurück. Der Förderkreis Alte Kirchen schaltete sich als Vermittler ein. Da die Stadt Templin als neuer Eigentümer den Engel nicht einfach aus der Inventarliste des Museums streichen wollte, wurde ein Dauerleihvertrag abgeschlossen.

Als der Taufengel kurz vor Weihnachten nach Groß Fredenwalde zurückkehrte, läuteten zum Empfang die Kirchenglocken. In Abstimmung mit der Denkmalpflege soll nun ein behutsames Restaurierungskonzept erarbeitet werden.

  Groß Fredenwalde - Taufengel
 

Der Holzwurm nagt an der Substanz

Für den Taufengel aus der Dorfkirche Wismar (nahe Strasburg) bezahlte die Gemeinde im Jahr 1788 den stolzen Preis von 40 Reichstalern. Um 1900 kam er in das Uckermärkische Museum in Prenzlau und 1960 zurück in seine Heimatkirche. Trotz unsachgemäßer Ergänzungen und einer schlecht ausgeführten farblichen Fassung bestechen seine Eleganz und Würde. Durch Wurmbefall jedoch ist das Holz schwer geschädigt und ein Fuß inzwischen abgebrochen. Weitere Substanzverluste waren zu erwarten. Erste Hilfe konnte der Förderkreis Alte Kirchen leisten. Ein Mitglied unseres Vereins bat anlässlich eines runden Geburtstages erfolgreich um Spenden. Ein Hilferuf in unserem Mitteilungsblatt vom September 2008 erbrachte weitere Gelder, so dass am Ende des vergangenen Jahres fast 3.000 Euro überwiesen werden konnten. Dies bildet nun den finanziellen Grundstock für eine im Frühjahr beginnende restauratorische Sicherung des Wismarer Engels.

Wismar - Taufengel
 

Fast 150 Taufengel sind, in sehr unterschiedlichem Zustand, in den brandenburgischen Dorfkirchen erhalten geblieben. Sie sind wichtige Zeugnisse der Volksfrömmigkeit zu Zeiten des Barock. Einige wenige stammen aus renommierten Schnitzwerkstätten, andere wurden vermutlich vom örtlichen Dorfschnitzer gefertigt. Alle jedoch besitzen einen hohen kunst- und regionalgeschichtlichen Wert und sollten für die Zukunft bewahrt werden.

Bernd Janowski

 

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STIFTUNG BRANDENBURGISCHE DORFKIRCHEN

Erster Zinsertrag hilft Kirche sichern

Langfristige Geldanlage zahlt sich aus

Gerade noch rechtzeitig vor dem Druck dieses Heftes kam von der "Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland", die das Vermögen unserer Stiftung für uns verwaltet, diese Nachricht: Der Zinsertrag unseres seit dem Frühjahr 2008 aufgebauten Vermögens konnte zum Jahreswechsel 2008/2009 bereits auf 2.533,29 Euro errechnet werden. "Diese Zahl", so die Auskunft der KiBa, "kann sich sehr geringfügig noch ändern – man kann also sagen: rund 2.500 Euro an Zinsen."

Damit zeigt sich bereits jetzt, dass unsere Gelder gemeinsam mit allen Guthaben der Evangelischen Kirche in Deutschland gut angelegt sind. Wir hatten ein derart positives Ergebnis für das erste Jahr der Stiftung nicht unbedingt erwartet. Wie berichtet, wird der Förderkreis Alte Kirchen diesen Zinsertrag der Kirchengemeinde Hirschfelde (Landkreis Barnim) für Sicherungsmaßnahmen an der dortigen Kirche zur Verfügung stellen.

Im weiteren haben wir die Hoffnung, unser Stiftungsvermögen bis zum Ende dieses Jahres bis auf rund 125.000 Euro erhöhen zu können. Dafür brauchen wir Menschen, die mit ihrem Geld die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen sehr langfristig unterstützen möchten. Dr. Hans Krag und Pfarrer Arnulf Kraft aus dem Stiftungsvorstand informieren Sie gern.

Auch diese Nachricht erreichte uns: Eine langjährige Unterstützerin des Förderkreises hat in ihrem Testament auch unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen mit bedacht. – Wir danken ihr herzlich.

Arnulf Kraft

 

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Ideen, die Schule machen können

Sich bewegen setzt manchmal auch gute Werke in Bewegung

Unser Mitglied Stefanie Börner macht Schwung für den FAK

 Stefanie Börner macht Schwung für den FAK
GYMNASTIK — oder doch Training fürs Glockenläuten?
Foto: Nörenberg

Rückenschmerzen wegen der unbequemen hölzernen Kirchenbänke? Steifer Hals durch andauernden Blick empor zur Kanzel? Knackende Gelenke beim Umwenden zur Orgel? Wenn Sie das ändern wollen, können Sie in angenehmer Atmosphäre und freundlicher Gemeinschaft Ihre Beweglichkeit und Ihr Wohlbefinden durch sanfte Ausgleichsgymnastik unter fachkundiger Leitung verbessern. Und damit Sie nicht nur an sich denken, sondern gleichzeitig für andere etwas tun, wird ein Teil der Kursgebühr gespendet für einen guten Zweck, zum Beispiel für den Förderkreis Alte Kirchen.

Unser langjähriges Mitglied Stefanie Börner wirbt auf diese originelle Weise für ihren Kurs "Gymnastik zum Wohlfühlen", der im Veranstaltungskalender der evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Frohnau nun schon seit zehn Jahren einen festen Platz hat. Die Frau eines inzwischen in Ruhestand gegangenen Pfarrers ist von Beruf Sportlehrerin und hat bei diesem für alle offenen Angebot nicht nur das körperliche Wohl im Auge, sondern will Menschen zusammenführen, ihnen Stunden zwanglosen Beisammenseins ermöglichen. Und dieses Konzept geht auf: Die rund 40 Teilnehmerinnen im Alter zwischen 45 und 75 Jahren – Männer scheinen wohl etwas zu bequem – haben untereinander viele Kontakte geknüpft, treffen sich in der Kirchengemeinde entweder beim Singen im Chor, bei den Vorbereitungen für die stets gut frequentierten Trödelmärkte oder den alljährlichen Weihnachtsmarkt. Stefanie Börner hält sie stets auf dem Laufenden über die Aktivitäten und Erfolge des Förderkreises Alte Kirchen, und manche der Gymnastikenthusiastinnen waren auch öfter unter den Teilnehmern unserer Exkursionen ins Brandenburger Land.

Alle sind sich darin einig: Ein Teil der Kursgebühr, von der u. a. die Miete für den Raum und die Geräte zu zahlen ist, wird für einen guten Zweck gespendet. Der Förderkreis Alte Kirchen steht dabei ganz obenan.

Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken für diese Unterstützung. In all den Jahren erhielten wir durch die freigiebigen Kursteilnehmerinnen beträchtliche Spenden, und mancher Mauerstein einer wieder hergestellten Dorfkirche könnte einen Gymnastikball als Signum tragen.

Mit ihren Ideen und ihrem ehrenamtlichen Engagement hat Stefanie Börner ein Beispiel dafür gegeben, wie vielfältig die Chancen sind, für einen guten Zweck etwas zu tun. Vielleicht regt das andere an, in diesem Sinne über eigene Möglichkeiten nachzudenken. Für all diese Gedanken haben wir ein offenes Ohr.

Eva Gonda

 

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LUCKAU (Dahme-Spreewald)

Altes Kloster wird zum neuen Zentrum

Niederlausitz-Museum in der ehemaligen Kirche eröffnet

In der Klosterkirche des ehemaligen Dominikanerklosters von Luckau ist das neue Niederlausitz-Museum eröffnet worden, das bis dahin andernorts in der Altstadt untergebracht war. Mit dem Einzug des Museums erhalte das Baudenkmal dauerhaft eine sinnvolle Nutzung, erklärte Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka bei der Eröffnung. Gemeinsam mit einer geplanten Bibliothek, einem Archiv und einer Gefängnisausstellung soll das ehemalige Kirchengebäude zu einem Kulturzentrum der Region werden.

Das Dominikanerkloster in Luckau wurde 1291 gegründet und bis ins 16. Jahrhundert als Kloster genutzt. Später waren ein Krankenhaus und eine Schule in dem Bauwerk untergebracht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es zur "Königlichen Strafanstalt" ausgebaut und noch bis Ende des 20. Jahrhunderts als Gefängnis genutzt.

Mit dem "Schlüsselprojekt der Stadterneuerung" von Luckau könne sich die Stadt erfolgreich als Kulturstandort präsentieren und auch eine wachsende überregionale Anziehungskraft ausüben, erklärte Infrastrukturminister Reinhold Dellmann. Die Sanierung der Klosterkirche wird vom Infrastrukturministerium mit Städtebaufördermitteln in Höhe von 2,5 Millionen Euro unterstützt. Die erfolgreiche Kombination von Stadtentwicklung mit Kulturförderung hat dieses Projekt erst ermöglicht. Insgesamt sind für die Sanierung der Klosterkirche mehr als 4,5 Millionen Euro vorgesehen.

Luckau als designierter Kulturstandort hat mit dem bereits weitgehend sanierten historischen Stadtkern ein großes Potenzial für den Kulturtourismus.

Die Altstadt war in den letzten Jahrhunderten von Kriegs- und sonstigen Zerstörungen im wesentlichen verschont geblieben. Sie ist durch historische Bebauung aus dem 17. bis 20. Jahrhundert in seltener Geschlossenheit geprägt. Der Marktplatz wird von zahlreichen barocken Wohnhäusern aus dem 17. Jahrhundert umsäumt. Einige sind durch italienische Barockbaumeister reich stuckiert und mit prächtigen Fassaden geschmückt worden.

 

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Zum Tod von Jan-Michael Feustel

Sein großes Wissen und seine tausend Ideen werden wir schmerzlich vermissen

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg trauert um sein Mitglied Dr. Jan-Michael Feustel. Für alle unerwartet verstarb er kurz vor Vollendung seines 58. Lebensjahres in seinem Haus in Blankenfelde bei Berlin.

Mit seinem Tod verliert nicht nur unser Verein einen engagierten Freund und Mitstreiter, einen kompetenten Berater und exzellenten Kenner von Kirchenarchitektur und Berlin-Brandenburgischer Regionalgeschichte. Sein reiches Wissen und seine vielfältigen Begabungen brachte er als Historiker, Autor und Wissenschaftsjournalist in die Arbeit vieler gesellschaftlicher Institutionen und Vereine ein.

Der kunstbegeisterte und geschichtsinteressierte Jan-Michael Feustel war 1951 in Mahlow bei Berlin als Sohn der Kinder- und Jugendbuchautoren Ingeborg und Günter Feustel geboren worden. In DDR-Zeiten blieb ihm ein Studium der Kunstgeschichte verwehrt. Er studierte Mathematik, promovierte und war bis zur Wende als Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften tätig, organisierte aber auch schon damals Kirchenbesichtigungen, Wanderungen und Erzählabende.

Seit 1990 widmete er sich ganz seiner eigentlichen Leidenschaft. Er war Mitbegründer der Otto-Bartning-Arbeitsge-meinschaft Kirchenbau und gehörte von Anbeginn dem Vorstand an. In der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg leistete er u. a. im Exkursions-Ausschuss eine engagierte Arbeit.

Sein Arbeitspensum war enorm. Und immer steckte er voller origineller Ideen. Großen Zuspruch fanden stets seine Exkursionen und Spaziergänge zu Dorfkirchen in der näheren und weiteren Umgebung. Bekannt wurde Jan-Michael Feustel ebenso als Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Von großem Wert war für uns stets seine kreative Mitarbeit an den Jahresbroschüren "Offene Kirchen". In seinen Büchern und Heften wird die ganze Vielfalt seiner weit gefächerten Interessen und sein umfangreiches Wissen über die Mark Brandenburg und ihre Geschichte deutlich. Zwei Bücher über Kirchengebäude im Havelland und über Gartenstädte in und um Berlin blieben leider unvollendet.

Der Förderkreis Alte Kirchen wird Jan-Michael Feustel immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Vorstand

 

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Max-Ottokar Kunzendorf verstorben

Ein Kenner der Kirchen– und Heimatgeschichte

In seinem 74. Lebensjahr verstarb der Altphilologe Max-Ottokar Kunzendorf. Mehr als zwei Jahrzehnte hatte er sich als Kirchenarchivrat im Konsistorium der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Ostregion) Verdienste erworben. Nach der Berentung wirkte er ehrenamtlich in verschiedenen Gremien und Kirchengemeinden. Viele Jahre fungierte er als Geschäftsführer in der Kirchengeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Bran-denburg und arbeitete in der uckermärkischen AG mit. Bis 2008 war er ehrenamtlicher kreiskirchlicher Archivpfleger im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree. Für seine Forschungen zur Heimatgeschichte und sein Wirken im Heimatverein erhielt er den Ehrenamtspreis der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf. In Kaulsdorf war er Mitbegründer und Förderer des Turmmuseums. Ebenso unterstützte er mit seinen Fachkenntnissen das 2008 gegründete Geschichtskabinett in Neuenhagen-Süd. Nicht nur in seiner Kirchengemeinde Berlin-Kaulsdorf wird man stets dankbar seines nimmermüden Einsatzes gedenken.

 

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KURZ NOTIERT

Präsentation des FAK auf der Denkmalmesse Leipzig

Wie bereits seit Mitte der neunziger Jahre war der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg auch im November 2008 mit einem eigenen Stand auf der internationalen Leipziger Denkmal-Messe vertreten. Für den FAK ist die Ausstellung eine wichtige Kontaktbörse zu Denkmalpflegern, Architekten, Restauratoren und Fachfirmen.

Zugleich konnte der Verein erfolgreich seine Arbeit zur Erhaltung und Instandsetzung brandenburgischer Dorfkirchen vorstellen.

Kirchliche Stiftung Historische Friedhöfe mit Denkmalpreis geehrt

Alljährlich werden bedeutende Leistungen in der Denkmalpflege mit dem Berliner Denkmalpreis geehrt. Für das Jahr 2008 wurde er der Archäologischen Gesellschaft und der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin und Brandenburg zugesprochen. Beide Verbände erhielten die undotierte "Ferdinand-von-Quast-Medaille" für ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement in der Region zugunsten der Denkmalpflege.

Die kirchliche Friedhofsstiftung setzt sich in besonderer Weise für den Erhalt von Friedhöfen in Brandenburg und Berlin ein. Sie bietet beispielsweise Grabpatenschaften an und organisiert Sammlungen für die Restaurierung von wertvollen historischen Grabmälern.

Den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg verbindet mit der Stiftung Historische Kirchhöfe eine langjährige gute Zusammenarbeit. Wir gratulieren herzlich zu der Auszeichnung.

BIRKHOLZ (Barnim): Kanzeltafeln kehrten zurück

Drei restaurierte Kanzeltafeln sind in die Dorfkirche Birkholz zurückgekehrt. Der Turm der Kirche war 1972 aus statischen Gründen gesprengt und dabei das Kirchenschiff weitgehend zerstört worden. Nach Sicherungsarbeiten durch das Kirchliche Bauamt betreibt seit 2002 ein rühriger Förderverein den Wiederaufbau der Kirche.

Bei der Suche nach den verschwundenen Ausstattungsstücken gelang 2004 ein besonderer Fund: In einem Abstellraum der Kirche im benachbarten Blumberg wurden drei der ursprünglich vier Kanzeltafeln entdeckt. Die geschnitzten Darstellungen der Evangelisten entstanden 1681. Sie konnten jetzt restauriert werden; an der Finanzierung beteiligte sich auch der Förderkreis Alte Kirchen.

BRANDENBURG (HAVEL): Kostbares Chorfenster aufwändig restauriert

Nach fast 70 Jahre ist das mittelalterliche Chorscheitelfenster wieder im Pauli-Kloster zu bewundern. Für Restaurierung und Wiedereinsetzung des um 1330 entstandenen Kunstwerks aus mehreren Glasmalereien mit biblischen Szenen sind 80.000 Euro aufgewendet worden. In die Finanzierung flossen Mittel der Denkmalschutzförderung und mehrere zehntausend Euro Spenden.

Das Chorfenster war 1942 zum Schutz vor Luftangriffen ausgebaut worden, lagerte rund 30 Jahre im Keller der Gotthardkirche und befand sich dann im Chor der Brandenburger Katharinenkirche. 2006 war es dort ausgebaut worden, um gründlich restauriert zu werden.

epd

NEUZELLE (Oder-Spree): Ein Kleinod barocker Textilkunst

Für die Eröffnung des neuen Klostermuseums in Neuzelle im Mai 2009 soll das barocke Festgewand des früheren Abtes Martinus Graff (1678-1741) restauriert werden. Das Weiheornat aus acht Einzelteilen mit kostbaren Reliefstickereien aus Seide und Metallfäden gelte als eines der bedeutendsten Zeugnisse böhmischer und sächsischer Textilkunst und zähle zu den wertvollsten Kunstwerken des Klosters, teilte die Stiftung Stift Neuzelle mit. Der Abt habe das Festgewand zur Weihe des barocken Hochaltars in der Neuzeller Stiftskirche im Jahr 1741 getragen. Die Restaurierung hat eine Berliner Werkstatt übergenommen.

Die Klosteranlage wurde in den vergangenen Jahren umfassend restauriert. Sie gilt heute als eine der wenigen vollständig erhaltenen Anlagen ihrer Art in Deutschland und Europa.

 

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BRIEFE AN DEN FÖRDERKREIS

Fördergeld brachte alles ins Laufen

Als Anschubfinanzierung hatte der Förderkreis 1.000 Euro für die Restaurierung der Schinkelkirche in Joachimsthal (Barnim) zur Verfügung gestellt. Zum Jahresende erreichte uns ein Brief der Evangelischen Kirchengemeinde, in dem es unter anderem heißt:

Hiermit möchte ich mich herzlich für die Förderung bedanken. Inzwischen wurden Restmittel für den ersten Teil der Dachstuhlsanierung unserer schönen Schinkelkirche vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Aussicht gestellt. Anfang Dezember kam der endgültige Bewilligungsbescheid. Das Gerüst steht schon und in den nächsten Tagen wird mit dem Bau begonnen. Wir sind also sehr froh und denken, dass Ihr Beitrag die ganze Sache erst ins Laufen gebracht hat. Also doppelt großen Dank!

Damit ist allerdings erst der allererste Bauabschnitt in Angriff genommen. Vor uns liegt noch ein langer Weg, den wir aber getrost gehen. Unsere Kirche ist sehr groß. Deshalb sind die Bausummen bei allen Arbeiten sehr hoch. Das schreckt das Konsistorium immer wieder ab. Aber die Planungen sind abgeschlossen und die Arbeit mit unserem Architekten ist vertrauensvoll und gut. So werden wir einen Teil nach dem anderen abarbeiten.

Nun sind wir in Erwartung der vielen Veranstaltungen in den unterschiedlichen Kirchen in meinem Pfarrsprengel und versuchen, mit Kuchen, Flohmarkt, Musik und anderem ein paar Eigenmittel zu sammeln. Die nächste Kollekte, über die der Gemeindekirchenrat zu entscheiden hat, wollen wir Ihrer Stiftung zukommen lassen. Das ist zwar meist nicht viel – dennoch ist jeder Euro ein kleiner Anteil.

Neben dem Gedanken um das liebe Geld wollen wir die schönen alten Räume nutzen, um Advent und Weihnachten wirklich wahrzunehmen. Denn daraus schöpfen wir die Kraft für alle Aktivitäten, ob Soziales, Seelsorgerliches oder Bauliches.

Möge die gute Kraft Gottes Sie begleiten!

Wir verbleiben mit freundlichen Grüßen
für den Gemeindekirchenrat
Pfarrerin Beatrix Spreng

Mit gutem Rat neuen Mut gemacht

Die Dorfkirche von Cöthen (Märkisch-Oderland) erlebte schlimme Zeiten: nach 1960 jahrzehntelang ungenutzt, als Baustofflager missbraucht, nach 1990 vom Verkauf bedroht. Schließlich engagierte sich ein örtlicher Förderverein. Der FAK machte ihm Mut mit einer beträchtlichen Geldspende. Vor allem aber versuchte er in zahlreichen Gesprächen zwischen Verein und Pfarrer zu vermitteln, der sich gegen die aufwändige Wiederherstellung der Kirche sperrte. Erreicht wurden damals erste wichtige Sanierungsarbeiten. Nach vielen Jahren erhielten wir nun einen Brief des Cöthener Fördervereins; hier einige Auszüge:

Ob Sie sich noch an uns erinnern? Ein Förderverein vor der Auflösung? Dann mischten Sie sich ein und machten uns Mut. Und es ging weiter.

Inzwischen ist viel passiert. Schlimm traf uns der plötzliche Tod unseres Vorsitzenden Herrn Dr. Paul Gerhard Schwesig. Er fehlt uns noch immer. Doch ein bisschen machten wir weiter. Dach, Dachstuhl und Turm sind teils erneuert, teils saniert. Die Kirche kann jedenfalls nicht mehr einfallen und auch nicht mehr verkauft werden, jedenfalls nicht für einen Euro.

Im Sommer 2008 tat sich nun eine neue Fördermöglichkeit auf. Der GKR stimmte dafür. Die Kirche als Kommunikations- und Sozialzentrum wurde für eine Förderung aus dem LEADER-Plus-Programm vorgeschlagen. Geplant werden ca. 300.000 Euro, davon müssen noch ca. 50.000 Euro Eigenmittel aufgebracht werden. Wir sammeln schon fleißig Geld, wenn auch recht bescheiden. Der Förderbescheid liegt noch nicht vor, aber es gibt schon ein Nutzungskonzept.

Sie waren uns Mutmacher, Berater, Freund, Gesprächspartner und Geldgeber, das half uns überhaupt erst weiter.

Im Namen des Fördervereins
Marlies und Albert Sydow

Trotz weiter Wege keine "Karteileiche"

Aus Bremen schreibt Astrid Schönfelder:

Eben habe ich Ihre "Mitteilungen" erhalten und – wie immer – mit größtem Interesse gelesen. Grund dieses Briefes:

  1. Herzliches "Dankeschön".
  2. Ich bin keine "Karteileiche", sondern war bereits zweimal bei Exkursionen dabei.
  3. Leider ist der Weg von HB nach B weit – es kostet dann immer auch noch eine Nacht im Hotel (auch ein bisschen Geldproblem).
  4. Ich bin aus der Ex-DDR und habe ein Herzensinteresse an dieser Gegend und den dazugehörigen Themen und Kulturgütern. Egal wo.
  5. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg (und reiche Sponsoren).
  6. Ich habe eine kleine Spende bereits überwiesen.
  7. Ich möchte diesen Brief gern als Grußnote an Mitglieder übermitteln.
  8. Im Jahr 2009 werde ich ganz sicher wieder bei einer Exkursion dabei sein.
  9. Macht`s gut!

Hocherfreut über die einladenden Kirchen

Ein Gruß aus Weimar:

Im Sommer haben wir einen dreiwöchigen Fahrradurlaub in der Uckermark verbracht. Dabei waren wir sehr, sehr beeindruckt und begeistert, wie viele, auch kleine Kirchen durch ehrenamtliches Engagement geöffnet waren und besichtigt werden konnten. Das haben wir als große Bereicherung empfunden und möchten uns dafür bedanken und Ihnen und allen Beteiligten unseren Respekt für dieses Projekt ausdrücken.

Barbara Köper und Rikola-Gunnar Lüttgenau

 

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BÜCHERSEITE

Die Rückkehr der gläsernen Bibel

Über die Chorfenster der St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder) ist jetzt eine sehr beeindruckende wissenschaftliche Publikation erschienen. Sie widmet sich der Entstehung der Fenster im späten Mittelalter, ihrer Restaurierung unter Karl Friedrich Schinkel im 19. Jahrhundert und dem langen Weg, den die Glasfelder von ihrem kriegsbedingten Ausbau 1941 bis zu ihrem Wiedereinbau zurückgelegt haben. Seit dem Abtransport der Fenster 1946 als Kriegsbeute nach Russland galten sie bis in die späten 1990er Jahre als verschollen. Erst 2002 kehrten 111 der ursprünglich 117 Glasfelder aus der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg nach Frankfurt (Oder) zurück, die letzten folgten später. Unter der Obhut des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums wurden die zum Teil stark beschädigten Glasfelder in den Jahren 2003 bis 2007 von spezialisierten Glasrestauratorinnen restauriert und konserviert.

Die an diesem umfangreichen Projekt beteiligten Kunsthistoriker, Theologen, Restauratoren und Wissenschaftler legen hier ihre Ergebnisse und Erfahrungen dar. Es zu einem erfolgreichen Ende zu bringen, bedurfte nicht zuletzt erheblicher finanzieller Anstrengungen, die von einer Vielzahl privater Spender sowie politischer und wirtschaftlicher Institutionen geleistet wurde.

Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.):
Die Chorfenster der St. Marienkirche in Frankfurt (Oder). Worms 2008
294 Seiten mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen, 24 x 30 cm, Ln. geb.
ISBN 978-3-88462-272-8
45,- €

Pfarrerbuch von 1941 jetzt auf DVD

Ein digitalisiertes Nachschlagewerk besonderer Art legt jetzt das Domstiftsarchiv Brandenburg in Absprache mit dem Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin vor: Das Evangelische Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg, bearbeitet von Otto Fischer. Die drei Bände mit insgesamt 1.395 Seiten waren 1941 auf sehr schlechtem Papier gedruckt worden. Die Ende 2008 fertiggestellte DVD trägt daher auch zum Bestandsschutz bei.

Band 1 enthält ein Verzeichnis der einzelnen Pfarrstellen, das nach den damaligen Kirchenkreisen geordnet und zusätzlich durch ein Ortsregister erschlossen ist. Für jede einzelne Pfarrstelle sind in chronologischer Folge die Amtsinhaber mit Namen genannt. Dieser Teil ist in erster Linie ein wichtiges Hilfsmittel, um die Struktur der kirchlichen Verwaltung zu überschauen. Er umfasst die gesamte Mark Brandenburg in ihrem nach 1815 definierten Umfang, also auch sämtliche Pfarrorte der Neumark. Diese kurze Übersicht ist besonders dann von Nutzen, wenn bei der Beschäftigung mit den Kirchenbüchern oder Akten der Pfarrarchive eine Orientierung über die handelnden Personen notwendig ist. Band 2, ursprünglich in zwei Teilbänden gedruckt, enthält die Kurzbiographien von mehr als 18.000 in Berlin und Brandenburg tätigen Pfarrern sowie ein Register der Familiennamen.

Die PDF-Dateien sind von hoher Qualität, sodass die Ausdrucke praktisch einem herkömmlichen Reprint entsprechen. Auf der DVD befinden sich drei Ordner, von denen die ersten beiden die Digitalisate der einzelnen Seiten enthalten, während der dritte das Gesamtwerk in einer einzigen Datei umfasst. Diese doppelte Ausgabe wurde angefertigt, um einerseits im Pfarrerbuch fortlaufend "blättern" und lesen zu können, andererseits aber auch zu Auskunftszwecken einzelne Seiten per E-Mail versenden zu können. Da das Buch nur in Form von Bilddateien digitalisiert worden ist, sind allerdings keine Suchfunktionen innerhalb des Textes möglich.

Fischer, Otto: Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg. Berlin 1941. Digitalisierte Ausgabe, hrsg. von Uwe Czubatynski. Brandenburg 2008.
Preis: 20,- € plus 2,- € Versandkosten.
Bestellungen: Domstiftsarchiv, Burghof 10, 14776 Brandenburg, Tel. 03381 2112215, E-Mail: archiv@dom-brandenburg.de

Kirchenbau aus ökonomischer Sicht

Eine Neuerscheinung zum märkischen Kirchenbau widmet sich jetzt dem Thema aus einer bisher wenig dargestellten Sicht: Sie beantwortet Fragen aus dem Blickwinkel der Ökonomie.

Die mittelalterlichen brandenburgischen Dorfkirchen sind einander alle ähnlich, und doch sieht jede anders aus. Fast alle sind aus Feldsteinen gebaut. Wer oder was hat ihre Gestalt bestimmt? Warum hat diese einen dicken breiten Turm, diese aber nur einen kleinen und jene überhaupt keinen? Warum hat ein Dorf nur eine Holz- bzw. eine Fachwerkkirche und manches Dorf überhaupt keine Kirche?

Ulrich Waacks Antworten, die sich auf Kirchen auf dem Barnim beziehen und den ökonomischen Faktor akzentuieren, sind so einfach wie bestechend: Je größer die Gemarkung eines Dorfes und je besser die Qualität des Bodens, desto eher finden wir kostenintensive Bauten mit mächtigen Türmen und differenziertem Grundriss. Waack widerspricht überzeugend Thesen, die bestimmte Grundrisstypen von Kirchen bestimmten Einflussgebieten von Landesherren zugeordnet sehen wollen. Auf Seite 62 aber wird der Eindruck erweckt, dass Bauherrenschaft (Auftraggeber der Bauten) mit Baulastpflicht (Unterhaltungspflicht) gleichzusetzen sind. Das ist jedoch fraglich und müsste im Einzelnen nachgeprüft werden.

Das Buch schärft den Blick für diese Zusammenhänge.

Ulrich Waack: Kirchenbau und Ökonomie. Zur Beziehung von baulichen Merkmalen (= Kirchen im ländlichen Raum, Bd. 4)
Lukas Verlag 2009
ISBN 3-936872-73-2
20,- €

 

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