Was uns bewegt - der Vorstand berichtet

Brandenburg braucht einen Denkmalfonds

"Brandenburg ist das einzige Land dieser Republik, in dem die Landesdenkmalpflege keinen Etat hat, um auf Notfälle reagieren zu können und private Denkmaleigner zu unterstützen." Mit diesen Worten kritisierte Landeskonservator Prof. Detlef Karg das Fehlen eines landeseigenen Förderprogramms, das die Substanzerhaltung von Denkmalen zum Gegenstand hat. Anlässlich des jährlichen Pressegespräches des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege zog Karg eine im wesentlichen positive Bilanz in Bezug auf die Wirksamkeit des am 1. August 2004 in Kraft getretenen Denkmalschutzgesetzes. Bis auf die Finanzen.

Im Entwurf der Gesetzesnovelle fand sich noch der Satz: "Das Land Brandenburg richtet einen Denkmalschutzfonds ein." Bei der Verabschiedung der Gesetzesnovelle war dann auch dieser gute Vorsatz aus dem Text verschwunden.

Spätestens nach der Streichung des "Dach + Fach"-Programms durch die Bundesregierung 2003 und der mit diesem Programm verknüpften Kofinanzierungen ist die Denkmalpflege (nicht nur) in Brandenburg in eine tiefe finanzielle Krise geraten. 1994 hatte das Land bereits seinen Etat für die Denkmalpflege aufgelöst und das Geld per Gemeindefinanzierungsgesetz den Kommunen direkt zur Verfügung gestellt. Die jedoch nutzen das Geld zumeist für Investitionsaufgaben oder zum Stopfen von Haushaltslöchern.

Denkmalpflege wird, wie der Bereich Kultur überhaupt, als sogenannter "weicher Standortfaktor" gesehen, was leider den Anschein von überflüssigem Luxus vermittelt. Wichtiger erscheinen da noch immer die Erschließung von weiteren - anschließend kaum genutzten - Gewerbegebieten oder der Ausbau auch der abgelegensten Straßen. Mittlerweile ist Brandenburg das Land mit der größten Dichte an "Spaßbädern" in Deutschland. Gleichzeitig verfallen in großem Umfang Dorfkirchen, Herrenhäuser oder technische Denkmale. Es geht nicht mehr um Luxussanierungen. Immer häufiger fehlt das Geld für einfachste Notsicherungen.

Die Konzentration der allgemeinen Förderpolitik in Brandenburg auf "Wachstumsregionen" verschärft die Problematik in einem Flächenland wie Brandenburg genau so wie die Konzentration des Bundes auf "national bedeutende Denkmale". Professor Detlef Karg lehnt eine Klassifizierung nach bedeutenden oder weniger bedeutenden Denkmalen denn auch grundsätzlich ab: "Für die Menschen in einem kleinen Dorf ist ihre Kirche genau so wichtig wie für die Potsdamer die von Schinkel geschaffene Nikolaikirche."

Die jetzige Situation hat zu einer großen Ratlosigkeit und teilweise zur Resignation bei denjenigen geführt, die sich beruflich als auch ehrenamtlich mit der Erhaltung denkmalgeschützter Objekte beschäftigen. Bei einigen Fördervereinen gab und gibt es Überlegungen, sich aufzulösen mit der Begründung: "Es hat ja keinen Zweck. Allein schaffen wir das nicht. Und von Seiten der Verwaltungen werden wir nicht ernst genommen."

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sollte es sich herumgesprochen haben, dass Denkmalpflege und Denkmalschutz kein weltfremder Luxus sind, sondern vielmehr einen klar zu benennenden Wirtschafts- und Standortfaktor darstellen. Arbeiten in der Denkmalpflege sind der Überlebensgarant für zahlreiche kleine und mittlere Handwerksbetriebe. Jeder hier investierte Euro zieht ein Vielfaches an Investitionen nach sich. Dies hat z. B. der Landkreis Uckermark erkannt, der für die nächsten Jahre jeweils 400.000 Euro an Denkmalpflegemitteln in den Haushalt eingestellt hat und dies als Wirtschaftsförderung betrachtet.

Intakte Denkmale sind Zeichen der Identifikation in einer sich immer schneller ändernden Welt. Sie bieten Heimat für die Bewohner. Zugleich erhöhen sie die Attraktivität für Investoren und Neubürger. Ohne Kultur im Allgemeinen und ohne gepflegte Denkmale im Besonderen ist auch Tourismus nicht denkbar.

Zu glauben, ein Denkmalfonds würde alle finanziellen Probleme des Denkmalschutzes lösen, ist natürlich illusorisch. Dieser Fonds könnte jedoch ein Zeichen setzen dafür, dass die brandenburgische Landesregierung es tatsächlich ernst meinte, als sie in die dem neuen Denkmalschutzgesetz vorangestellte Problembeschreibung den Satz aufnahm: "Das Land Brandenburg ist ein Kulturstaat."

Bernd Janowski

 
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27 Bewerbungen für "Startkapital"

Die Jury berät / Feierliche Preisvergabe im September

Das vom Förderkreis Alte Kirchen jährlich ausgeschriebene "Startkapital" für Kirchen-Fördervereine ist nach wie vor begehrt. Davon zeugen auch in diesem Jahr zahlreiche Anträge. Zum Zeitpunkt des Einsendeschlusses am 30. April lagen dem FAK insgesamt 27 Bewerbungen vor. Eine unabhängige Jury befindet im Juni über die Preisträger.

Der Preis war jetzt zum fünften Male in Folge ausgeschrieben worden. Neugegründete Vereine und Initiativen, die sich ehrenamtlich für die Erhaltung, Instandsetzung und angemessene Nutzung von Kirchengebäuden in Berlin und Brandenburg engagieren, konnten sich erneut um ein Preisgeld von jeweils 2.500 Euro bewerben. Ausgeschrieben sind fünf Preise; durch eine private Spende wird es in diesem Jahr möglich sein, insgesamt sechs Vereine mit einem "Startkapital" zu versehen.

Die feierliche Übergabe der Preisgelder wird am 15. September in Günterberg (Landkreis Uckermark) stattfinden. Der Verein Denkmalpflege Günterberg e. V. gehörte im vergangenen Jahr zu den Preisträgern.

 
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Mit Pinsel, Schere und Stift - Entdeckungen unterm Kirchturm

Kleine Brandenburger Künstler wurden ausgezeichnet

 ORGEL der Belziger Marienkirche
ORGEL der Belziger Marienkirche, Linolschnitt von Waldemar Schäfer, 5. Klasse
TUSCHZEICHNUNG von Annina Boettcher aus Kleinmachnow
TUSCHZEICHNUNG von Annina Boettcher aus Kleinmachnow, 6. Klasse

So viele fröhliche Kinder hatte die alte Marienkirche am Bernauer Marktplatz wohl lange nicht gesehen. Es waren jene kleinen Künstler, die sich erfolgreich am Wettbewerb "Unsere Kirche - ein Schatz unseres Heimatortes" beteiligt hatten und nun stolz ihre Preise entgegennehmen wollten.

Auf Schautafeln und in ausgelegten Alben konnten die Teilnehmer der Festveranstaltung alle eingesandten Kunstwerke in Augenschein nehmen, und wohl jeder war verblüfft, was Kinder mit ihrer Phantasie, Entdeckerfreude, ihrem Eifer und teilweise erstaunlichem künstlerischen Können zustande bringen.

EINEN PREIS erhielt auch dieses Bild der Dorfkirche Reckahn von Caroline Pausemann 
EINEN PREIS erhielt auch dieses Bild der Dorfkirche Reckahn von Caroline Pausemann, Golzow, 5. Klasse

Vielfältig waren die Techniken, die man sich da hatte einfallen lassen. Es wurde getuscht und gezeichnet, modelliert, mit buntem Sand gestaltet oder in Linolschnitt-Technik gearbeitet. Andere griffen zum Stift, um ihre Eindrücke schriftlich festzuhalten.

All dieser Eifer fand natürlich die gebührende Würdigung in den Reden, die zu jeder ordentlichen Festveranstaltung gehören: von Pfarrerin Konstanze Werstat, die die Teilnehmer im Namen der gastgebenden Gemeinde begrüßte; von Dr. Tobias Funk als Vertreter des Brandenburger Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport; von Dr. Hans Krag, Vorstandsmitglied des Förderkreises Alte Kirchen und Initiator des Wettbewerbs. Sie dankten zugleich allen, die den Kindern helfend zur Seite standen: den Lehrern und Erziehern, den Mitarbeitern der Kirchengemeinden und nicht zuletzt den Eltern.

Mancher der jungen Wettbewerbs-Teilnehmer mag in diesem Zusammenhang zum erstenmal eine Kirche betreten und sie als wahren Schatz seines Heimatortes entdeckt haben.

Dass es nicht das einzige Mal bleiben möge, gab Hans Krag den kleinen Entdeckern mit auf den Weg. "Denn verlassene Kirchen drohen zu verfallen, wären dann bald auch ein neues Sorgenkind für den Förderkreis Alte Kirchen. Und das wollen wir alle nicht."

Vielleicht also gehört der eine oder andere von ihnen in einigen Jahren zu denen, die den Faden aufnehmen und sich selbst für ihre Kirche einsetzen. Dann hätte der Wettbewerb noch einen ganz besonderen Gewinn gebracht.

Eva Gonda

 

Junge Musikanten 

Junge Musikanten

spielten für junge Maler und Literaten. Die Schülerinnen und Schüler aus der Musikschule des Landkreises Barnim, die für ihre gleichaltrigen Zuhörer ein beschwingtes und niveauvolles Programm boten, ernteten herzlichen, wohlverdienten Applaus.

Der gastgebenden Kirchengemeinde St. Marien gebührt Dank für die freundliche Aufnahme in ihrer eindrucksvollen Kirche und später im Gemeindehaus.

Für die Stiftung der Sachpreise danken wir der Familie Koch aus Bohmte bei Osnabrück und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn.

Foto: Kurt Glöckler

 

Ein großes Echo fand der von unserem Förderkreis initiierte Schüler-Wettbewerb nicht nur bei den Brandenburger Kindern. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Institutionen, die Presse würdigten unser Anliegen und die so erfreulichen Ergebnisse; wir erhielten mündliche und schriftliche Zustimmungen. Einige wollen wir hier veröffentlichen:

 

Drei Glöckchen als ein Dank und Gruß

Besonders gefreut haben wir uns über drei Glöckchen und einen Brief von der Förderschule Wittstock; dorthin ging ein Geldpreis zur Gestaltung einer Klassenfahrt.

Liebe Mitglieder des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg,

wir - das sind die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte der Förderschule für geistig Behinderte Wittstock - grüßen alle, die die tolle Idee zum Mal- und Aufsatzwettbewerb "Unsere Kirche - ein Schatz unseres Heimatortes" hatten.

Wir freuen uns natürlich riesig, dass wir zu den Preisträgern gehören. Unsere Klassenfahrt führt uns nach Hamburg. Durch diesen Preis werden uns weitere Möglichkeiten geboten, unser schönes Land kennen zu lernen. Durch den Wettbewerb, der mit unserem Jahresprojekt "Schätze der Erde" im engen Zusammenhang stand, haben wir viel Neues über unsere Heimat erfahren und erlebt, wie viel Schätze es in unserer unmittelbaren Umgebung gibt. Wir werden ganz sicher auch in Zukunft dazu beitragen, dass die "Schätze unseres Heimatortes" behütet werden.

In verschiedenen Kirchen unseres Heimatlandes haben wir uns vom Klang der Glocken faszinieren lassen. Unsere drei Glöckchen - die wir in unserer schuleigenen Töpferei hergestellt hatten - sollen ein Gruß und ein herzliches Dankeschön sein.

Werkstufe 2 der Förderschule Wittstock

 

Alle beteiligten Schülerinnen und Schüler haben mehr über ihre Dorfkirche erfahren. Sie steht mitten im Dorf und gibt der Seele Raum. Das Kirchengebäude besteht nicht nur aus heiligen Steinen. Aber die Steine bilden einen heiligen Raum, der den Menschen im Dorf gut tut. (...) Initiativen wie das Netzwerk Förderkreis Alte Kirchen oder der Dorfkirchensommer begeistern zahlreiche Menschen in unserer Region für die mehr als 1.400 Dorfkirchen, die zu unserer Kulturlandschaft gehören.

Bischof Dr. Wolfgang Huber

 

Kinder auf ihre "Entdeckerfreude" anzusprechen und ihnen darüber zu vermitteln, dass die Kirche wichtiger kultureller und baulicher Bestandteil ihres Dorfes und ein Teil ihrer Geschichte ist, gehört zu den Bildungsaufträgen, die wir als Kulturorganisationen gemeinsam als Aufgabe begreifen müssen, damit die Denkmale, die wir heute in gemeinschaftlichem Engagement bewahren, auch in der nächsten Generation Fürsprecher gewinnen.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 

Wir sind sehr erfreut über solche Initiativen, weil es auch unserer Arbeit hier als Kirchengemeinde und Förderverein bei hilft.

Förderkreis der Kirche Kehrberg e. V. (Prignitz)

 

Über viele Wochen war Ihr ausgeschriebener Wettbewerb fachübergreifender Gegenstand des evangelischen Religionsunterrichts, des LER-Unterrichts und des Kunstunterrichts.

Grundschule "Geschwister Scholl", Belzig (Fläming)

 

Mit dem Wissen, dass in unserem Spree/Neißekreis 27 Kirchen dem Braunkohletagebau weichen mussten beziehungsweise umgesiedelt wurden, war dieser Schülerwettbewerb ganz in unserem Interesse und hat große Neugierde bei allen Beteiligten geweckt.

Grundschule Noßdorf (Forst/Lausitz)

 

Wir gratulieren den Preisträgern

Teilnehmer-Gruppen:

Belzig, Grundschule "Geschwister Scholl" (Auswahl); Frankfurt (Oder), Christenlehregruppe Frau Kreipe; Guben, Friedensschule, Klasse 3 b; Laubsdorf/Neuhausen, Christenlehregruppe Frau Paczocha; Wittstock, Förderschule für geistig Behinderte, Werkstufe 2.

Einzel-Teilnehmer, Klassen 1 - 3:

Marie Bockler, Bad Wilsnack, Grundschule, Klasse 1, Flex B; Lars Liemer, Bad Wilsnack, Grundschule, Klasse 1, Flex A; Ann Aylin-Hähnel, Cottbus, Erich-Kästner-Grundschule, Klasse 1 a; Lea Nupnau, Frankfurt (Oder), Ev. Grundschule, Klasse 3 b; Alexander Peter, Frankfurt (Oder), Evangelische Grundschule, Klasse 3 b; Marcel Thurn, Ludwigsfelde, DRK-Kinderhaus Regenbogen.

Einzel-Teilnehmer, Textbeiträge:

Alexander Kramp, Neustadt/Dosse-Wusterhausen, Religionsklasse; Jessica Hoffmann, Lichterfelde/Schorf-heide, Grundschule, Klasse 5.

Einzel-Teilnehmer, Klassen 4 - 6:

Caroline Pausemann, Golzow, Friedrich-Eberhard-von-Rochow-Schule, Klasse 5; Annina Boettcher, Kleinmachnow, Steinweg-Grundschule, Klasse 6 b; Julia Ziemann, Mittenwalde, Grundschule, Klasse 6 b; Elisa Zimmermann, Nauen, Goethe-Gymnasium, Klasse 6; Antonia Müller, Geltow/Schwielowsee, Grundschule, Klasse 3; Blanca Kapke, Kleinmachnow, Steinweg-Grundschule, Klasse 4 d; Malte Birk, Bötzow/Oberkrämer, Grundschule, Klasse 5; Sarah Nowka, Großkmehlen, Grundschule "Am Schloss",Klasse 6; Jennifer Bürkel, Mittenwalde, Grundschule, Klasse 6 a; Dennis Pultermann, Rathenow-West, Grundschule, Klasse 4 b; Esther Wetzel, Fürstenwalde/Spree, St.-Marien-Domgemeinde, Christenlehre.

 
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Um des Hauses des Herrn willen das Beste suchen

Dr. Uwe Otzen: Gedanken zur künftigen Arbeit des FAK

Seit Anfang Mai hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg einen neuen Vorsitzenden. Der auf der Mitgliederversammlung 2006 neugewählte Vorstand übertrug dem langjährigen Mitglied Dr. Uwe Otzen diese verantwortungsvolle Funktion.

Über seine Entscheidung, diesen Auftrag anzunehmen, über sein bisheriges Wirken und seine Visionen für die künftige Arbeit des Förderkreises schreibt er selbst:

 Dr. Uwe Otzen Blumen Für Angus Fowler
BLUMEN bei der Übergabe des Staffelstabes: für den neuen Vorsitzenden Dr. Uwe Otzen und für den scheidenden Vorsitzenden Angus Fowler
Fotos: Kurt Glöckler

Nicht zufällig stieß ich am Tage meiner Entscheidung auf folgendes Losungswort aus dem 122. Psalm, Vers 9: "Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen." Was hier vom Psalmisten hingebungsvoll an das jüdische Gemeinwesen Jerusalem gerichtet ist, können wir durchaus auch auf unsere Zeit und die vielen ländlichen Kirchengemeinden Brandenburgs beziehen. Ich möchte jedenfalls versuchen, mit meinem bescheidenen ehrenamtlichen Dienst deren Bestes zu suchen.

Ich wurde 1941 geboren und wuchs in einer kleinen ländlichen Kirchengemeinde der Landschaft Angeln im Norden Schleswig-Holsteins auf. Nach dem Studium und der Promotion zum Doktor der Landwirtschaft in Berlin verbrachte ich insgesamt acht Jahre mit meiner Frau und meinen drei Töchtern im südlichen Afrika. Dort wirkte ich im Auftrag der Bundesregierung in Malawi und Simbabwe als Projektleiter für ländliche Entwicklung beziehungsweise als Landwirtschaftsberater der simbabwischen Regierung. Nach Rückkehr war ich bis Mitte 2006 am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in Berlin und Bonn tätig, von wo aus ich mehrere Forschungs- und Beratungsreisen nach Afrika und Südasien machte. Die Erfahrungen und Eindrücke, die von daher für meine Arbeit im Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg von Bedeutung sein könnten, lassen sich so zusammenfassen: Der Bau und die Unterhaltung von einfachen Dorfkirchen aus Lehmziegeln, Zementhohlblocksteinen, Holzbalken und Wellblechplatten erfüllt die Gemeinden überall mit so großem Stolz und geschieht mit solch einer Hingabe, dass es schwer verständlich erscheint, dass hierzulande Kirchen zu verfallen drohen, nur weil notwendige Finanz-mittel fehlen. Gotteshäuser sind weltweit etwas überaus Herausragendes im Geschichts- und Kulturbewusstsein der Menschen, weil hier aktives Glaubensleben, tätige Mühe, Opferbereitschaft sowie Kultur- und Gemeinsinn eng miteinander zu einem Kunstwerk verschmelzen. Aus dieser Symbiose vermögen immer wieder neue Kräfte zu erwachsen, um diese Werke zu erhalten und liebevoll zu pflegen.

Im Wendejahr 1989/90 nahm ich an den ersten Gründungsversammlungen des Förderkreises teil. Seitdem verfolgte ich als Mitglied das Vereinsgeschehen mit großer Anteilnahme sowohl während der schwierigen Konsolidierungs- als auch während der darauf folgenden erfolgreichen Aufbauphase. Als Ende 2005 die Bitte an mich herangetragen wurde, nach der Neuwahl des Vorstandes gegebenenfalls die Nachfolge von unserem sehr verdienten Vorsitzenden Angus Fowler anzutreten, habe ich dies aus drei Gründen gern angenommen: aus Freude an der ehrenvollen Aufgabe, aus Bereitschaft am Dienst am kulturellen Denkmalerbe unseres Landes Berlin-Brandenburg und aus Wertschätzung der bisher geleisteten Arbeit vieler aktiver Mitglieder, unseres Geschäftsführers Bernd Janowski sowie des gesamten Vorstandes. Allerdings werde ich diesen Dienst mit zahlreichen Verpflichtungen in der Brandenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens teilen müssen, deren Mitglied ich seit langem bin.

Meine künftigen Aufgaben sehe ich vorrangig darin, unseren Förderkreis für die nicht geringer werdenden Aufgaben und Herausforderungen der nächsten Jahre weiterhin professionell aufzustellen, mehr aktive Mitglieder für konkrete Aufgaben zu gewinnen, die Öffentlichkeit für ein noch stärkeres Bewusstsein zur Erhaltung unserer Kulturschätze zu motivieren und den Weg für eine dem besonderen Ort als Gotteshaus angemessene intensivere und innovative geistliche wie weltliche Nutzung zu ebnen.

All dies kann nur in enger Zusammenarbeit mit unserer Landeskirche, dem Denkmalschutz, der Landesregierung, den Kommunen, den vielen lokalen Fördervereinen und Bürgerbewegungen geschehen. Ich vertraue dabei auf ein fruchtbares Bemühen miteinander - "um des Hauses des Herrn willen".

 
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Eine Lobby für unsere alten Kirchen

Notizen von der Jahreshauptversammlung des Förderkreises

Eine bessere Einstimmung in die Mitgliederversammlung hätte es gar nicht geben können. Alle, die nach der Preisverleihung an die Schüler in der Bernauer Marienkirche zum Tagungsort ins Gemeindehaus kamen, brachten eine ermutigende Gewissheit mit: Die kommende Generation, der wir das gebaute Erbe unserer Vorväter gut bewahrt anvertrauen wollen, wird diesen Schatz zu hüten wissen.

Dass der Förderkreis auch im vergangenen Jahr trotz allgemeiner Finanzknappheit von Fördermittelgebern und Stiftungen in vielen Fällen zur Erhaltung von Kirchengebäuden initiativreich beitragen konnte, wurde im Bericht des Vorstandes deutlich. Etliche Projekte sind konkret unterstützt worden, für viele der nahezu 200 lokalen Fördervereine im Land Brandenburg und im Bereich der schlesischen Oberlausitz ist der Förderkreis Alte Kirchen ein wichtiger Ansprechpartner und Berater. Eine Voraussetzung für so erfolgreiches Wirken war und ist auch in Zukunft sparsamster Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, wie Schatzmeister Dr. Hans Krag im Finanzbericht belegen und auf Fragen von Mitgliedern detailliert darlegen konnte.

So stand der Entlastung des Vorstandes nichts im Wege. Mit einem besonders herzlichen Dankeschön verabschiedeten die Anwesenden den langjährigen Vorsitzenden Angus Fowler, der sich große Verdienste um die stetig gewachsene öffentliche Anerkennung und Wirksamkeit des Vereins erwarb und dem Förderkreis als Ehrenmitglied auch weiterhin mit seinen reichen Erfahrungen zur Verfügung stehen wird.

Einige Grundfragen der Strategie für die kommenden Jahre warf der neu gewählte Vorsitzende Dr. Uwe Otzen auf: "Erkennbar ist heute eine zunehmende Suche nach kultureller Identität und geistiger Beheimatung in einer im Umbruch begriffenen, verunsicherten Welt. Dem haben neben der Politik auch alle verantwortlichen öffentlichen Institutionen Rechung zu tragen. Auch Fördereinrichtungen und -vereine, die sich öffentlichen Gütern, auch Kulturgütern verpflichtet fühlen, werden daher je auf ihre Weise identitätsstiftend wirken müssen."

Die Notwendigkeit solch gesellschaftlichen Engagements unterstrich Geschäftsführer Bernd Janowski u. a. mit dem Hinweis auf zunehmende Kirchenschließungen und Gefährdung zahlreicher Denkmale wegen eines fehlenden Denkmalfonds im Land Brandenburg. Das war dann auch das Hauptthema in der Aussprache. Da ging es insbesondere um innovative Nutzungen von Kirchengebäuden, um die Vermittlung von konstruktiven Vereinbarungen zwischen kirchlichen und weltlichen Nutzern. "Wir müssen Lobby der hilfsbedürftigen Brandenburger Dorfkirchen sein und Verbündete für ihre Rettung und Erhaltung finden", sagte Bernd Janowski. Sie sollen bewahrt werden für die kommende Generation, und der kann man  wie sich bei unserem Schülerwettbewerb gezeigt hatte  durchaus zutrauen, dass sie unser Bemühen fortsetzt.

Eva Gonda

 

Der neu gewählte Vorstand

Vorsitzender:

Dr. Uwe Otzen

Mitglieder:

Marianne Fiedler
Arnulf Kraft
Dr. Hans Krag
Wolf-Rainer Marx
Alexander Möbius
Günter Schöne

Geschäftsführer:

Bernd Janowski

Kassenprüfer:

Klaus-D. Hülsenbeck
Norbert Pahler

 

Herzlicher Dank

für ihre jahrelange Vorstandsarbeit galt Angus Fowler und Dr. Joachim Tost, die auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausschieden. Im März-Heft "Alte Kirchen" hatte Angus Fowler bereits Bilanz seiner zehnjährigen Tätigkeit als Vorsitzender gezogen. Den Dank an Edmund Köhn für viele Jahre Tätigkeit als Kassenprüfer spricht Schatzmeister Dr. Hans Krag aus:

 

Nachtrag der Finanzexperten: Stets ein guter Partner

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter - die Angst des Buchhalters bei Ankündigung einer Buchprüfung: Die Gefühle sind wohl ähnlich. Für den Buchhalter ist die Jahresprüfung der Abschluss seiner das ganze Finanzjahr über Tag für Tag erledigten Arbeit. Nun das Urteil...

Über zwölf Jahre versah Edmund Köhn das verantwortungsvolle Amt des Kassenprüfers. Mitglieder und Vorstand des FAK sind ihm zu großem Dank für diese nicht immer "prickelnde", aber notwendige Arbeit verpflichtet. Und die Buchhalter, die er während seiner Zeit kommen und gehen sah? Sie bedauern, einen fachlich ausgezeichneten, pragmatisch denkenden Partner verloren zu haben. Er hat ihnen die Arbeit leicht gemacht. Die Buchhalter danken ebenfalls herzlich für die Hilfestellung und den guten Rat, die sie bei ihm einholen konnten.

Wie Edmund Köhn sagte, wird er dem Förderkreis auch noch in Zukunft für Aufgaben zur Verfügung stehen. Darauf freuen wir uns - und erst einmal: Vielen Dank, Herr Köhn.

Hans Krag

 

Statistik: Zahl der Mitglieder gewachsen

Anfang Mai zählte der Förderkreis 358 Mitglieder (267 persönliche Mitglieder, 78 Vereine, sechs Kirchengemeinden/Kirchenkreise und sieben Firmen). Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl damit um ca. 14 Prozent.

 
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Deutliche Risse im Mauerwerk sind unübersehbare Alarmzeichen

 
IN AKUTER NOT
 
Diesmal bitten wir um
Ihre Spende für die Kirche von
 
Hohenjesar
 
Ein junger Förderverein will den endgültigen Verfall des Kirchenschiffs verhindern.
Kirchenruine Hohenjesar - Turm 
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Kirchenruine Hohenjesar - Mosaikwandbild
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Im Frühjahr 1945 fand im Oderbruch eine der letzten großen Schlachten des 2. Weltkrieges statt, in der noch einmal weit mehr als 50.000 Menschen den Tod fanden. In den wochenlangen Kämpfen wurden auch zahlreiche Kirchen zerstört oder schwer beschädigt. Bis in die heutige Zeit wird das Bild zahlreicher Dörfer der Region durch Kirchruinen geprägt. Allein in der Region um Seelow wurden von den vor dem Krieg vorhandenen 53 Kirchen 27 völlig zerstört. Erst in den letzten Jahren war es möglich, einige wenige der stark beschädigten Kirchen wieder aufzubauen bzw. die Ruinen zu sichern.

Die Kirche in Hohenjesar wurde 1721 bis 1723 von der damaligen Patronatsfamilie von Burgsdorff als stattlicher Backsteinbau auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet. Der weithin sichtbare Kirchturm erhielt eine geschweifte Haube. Im Februar 1945 wurde die Kirche, in deren Turm sich eine Artilleriebeobachtungsstelle befand, durch Einschüsse beschädigt. Während in anderen Orten die Kirchtürme von der zurückweichenden deutschen Wehrmacht gesprengt wurden, blieb ihnen in Hohenjesar dazu keine Zeit. Die entscheidenden Zerstörungen brachte erst die Nachkriegszeit. Bereits gespendetes Baumaterial wurde auf Anordnung des Bürgermeisters abtransportiert und anderweitig verbaut. Die Dacheindeckung wurde abgenommen, der Dachstuhl demontiert und das Inventar geplündert. Dabei war Hojenjesar durchaus kein Einzelfall. Unter dem Vorwand der Einsturzgefahr oder der Gewinnung von Baumaterialien für die Errichtung von Neusiedlerhäusern wurden die Kirchen in Kunersdorf, Golzow , Zechin, Sophiental und anderen Orten total abgebrochen.

In Hohenjesar blieb wenigstens der Turm erhalten und konnte 1965 durch Spenden instandgesetzt werden. Neben einer vorhandenen Glocke schaffte die Gemeinde sogar zwei neue an. Das Kirchenschiff blieb Ruine. Die Gottesdienste sowohl der evangelischen als auch der katholischen Kirchengemeinde finden seit dem Kriegsende in der Friedhofskapelle statt, einem Blockhausbau, der 1920 von russischen Kriegsgefangenen errichtet wurde.

Die Ruine des Kirchenschiffes ist durch Witterungseinflüsse inzwischen akut vom Einsturz bedroht. Die Mauerkronen müssen gesichert und Risse im Mauerwerk geschlossen werden. Auch am Turm sind Instandsetzungsarbeiten dringend erforderlich.

Seit 2004 hat sich nun ein Förderverein der Kirchenruine angenommen. In mehreren Arbeitseinsätzen wurde der Baukörper von Wildwuchs befreit. Ein Turmzimmer wurde als Vereinsraum hergerichtet. Jeden ersten Samstag im Monat ist von 14 bis 16 Uhr eine Turmbesteigung möglich, die herrliche Blicke in die Natur ermöglicht.

Sehenswert ist bei einem Besuch auch die nordöstlich an die Kirche grenzende Grabanlage der Familie von Burgsdorff. Erhalten sind hier zwei eindrucksvolle farbige Mosaikwandbilder des 19. Jahrhunderts, die eine Christusfigur sowie eine Taube vor der strahlenden Sonne zeigen.

Leider wurde auch das barocke Schloss derer von Burgsdorff nach Kriegsende abgetragen. Noch immer jedoch bilden Kirche und Friedhof zusammen mit dem ehemaligen Gutshof ein sehenswertes Ensemble. Bleibt zu hoffen, dass sich bald Geld und Gelegenheit bieten, die Kirchenruine wenigstens im Bestand zu sichern.

Weitere Informationen: Freunde der Kirche Hohenjesar e.V.; Annett Malke; Döbberiner Weg 17; 15326 Zeschdorf; Tel.: (03 36 02) 35 21

Spenden-Konto: 5199 767 005 bei der Berliner Volksbank; BLZ 100 900 00

Kennwort: Hohenjesar

Für Spendenbescheinigungen bitte Name und Anschrift angeben.

 
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Von ausgewanderten Kirchen, fliegenden Türmen und Toten, die den Lebenden helfen

Exkursion in eine Region mit vielen Narben und Umbrüchen

Das Land ist zerfurcht, das Unterste zuoberst gekehrt. Das neue Grün hatte noch nicht viel Zeit zum Wachsen. An der Straße ein See, dessen schnurgerade Ufer verraten, dass hier nicht die Natur am Werke war. Die Fahrt geht über einen Hügel. Er heißt Buchholzer Höhe und wir erfahren, dass unter ihm 84 Meter tief das Dorf Buchholz begraben liegt...

Die Frühjahrsexkursion unseres Förderkreises führte diesmal in die Niederlausitz, in jene Region, deren Landschaft vom Braunkohlebergbau geprägt ist. Bagger fraßen sich durch eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, vernichteten mit den Dörfern die Heimat Tausender, machten vor Denkmalen der Geschichte nicht Halt, auch mehr als zwanzig Kirchen wurden niedergerissen. Bevor die Kohleförderung nach 1989 drastisch eingeschränkt wurde, waren schon viele Orte leergezogen, Kirchen dem Vandalismus preisgegeben. Bereits vom Aus gekennzeichnet, wurden sie in die Gegenwart gerettet. Wer sie heute besucht, erlebt ihr Schicksal und das der betroffenen Menschen hautnah, aber auch den wieder aufkeimenden Mut zum Neubeginn.

 REDDERN: Interessierte Gäste
REDDERN: Interessierte Gäste

Mit der Kirche von Reddern unter dem Patronat derer von Droste hatten sich die Einwohner eigentlich nie richtig identifizieren können. Dann rückten die Bagger bedrohlich näher, die Gehöfte wurden verlassen; 1976 fand der letzte Gottesdienst statt, die Kirche verfiel. Als nach der Wende im Ort wieder neu gesiedelt wurde, hatte sich auch das Bewusstsein verändert: Der eindrucksvolle Kirchturm sollte als Wahrzeichen des alten Dorfes erhalten bleiben. Inzwischen ist das gesamte Kirchengebäude in diese Fürsorge einbezogen. Besonders engagierte Neu-Reddener ergriffen die Initiative, verputzten Wände, sicherten die Reste der barocken Stuckdecke, reparierten die Orgelempore, kauften Stühle. Heute finden in größeren Abständen Gottesdienste und Kulturveranstaltungen statt. Und schon gibt es neue Ideen: Der dreistöckige Dachboden, auf dem einst Flachs getrocknet wurde, könnte für ein Flachsmuseum genutzt werden. Man ist bereits dabei, die alten Gerätschaften und andere Dokumente zu sammeln. Sicher wird es noch lange dauern, bis alle Narben geheilt sind - und alle will man auch gar nicht tilgen - , aber wie sagt Pfarrer Meckert: Kirchen sind für Jahrhunderte gebaut, dann kann es auf ein paar Jahre nicht ankommen.

PRITZEN: Altar im Holzturm 
PRITZEN: Altar im Holzturm

Ein Kirchturm spielt auch in Pritzen eine große Rolle. Aber der gehörte eigentlich gar nicht hierher und eine Kirche gibt es schon gar nicht.

Als mit der Braunkohle das Todesurteil über Pritzen gesprochen war, sollte die mittelalterliche Feldsteinkirche als einziges Gotteshaus der Region gerettet werden. Die Umsetzung in ein Spremberger Neubaugebiet war beschlossene Sache und der Abbau bereits vollzogen, als der erlösende Stopp kam. Also Wiederaufbau in Pritzen? Aber die Vorbereitungen in Spremberg waren schon zu weit gediehen.

Nach der Wende tobte indes im nicht weit entfernten Wolkenberg ein erbitterter Kampf um den Erhalt eines einzigartigen Baudenkmals, und der damals noch junge Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mischte kräftig mit: Der hölzerne Glockenturm der bereits abgerissenen Kirche - er zählt zu den ältesten Holzbauwerken Deutschlands - sollte nicht auch noch zum Opfer fallen. Er gewann und durfte, in Einzelteile zerlegt, per Hubschrauber nach Pritzen reisen. Heute steht er dort, wo einst das Kirchlein zum Gottesdienst einlud, umgeben von einigen Grabsteinen, die man sich nach der damaligen Umbettung des Kirchhofes nach Pritzen zurückgeholt hat. Ein bescheidener Andachtsraum im Untergeschoss mit Fenster ins Grüne genügt der kleinen Gemeinde zumeist, aber an Festtagen macht man sich auch manchmal auf zur alten Pritzener Kirche in Spremberg.

"Im Namen des Herrn - ich rufe Pritzen zum Leben" ließ man der neu gegossenen der beiden Glocken in den bronzenen Mantel prägen. Sie erklingen täglich genau jeweils fünf Minuten vor 12 und 18 Uhr, damit auch der zur vollen Stunde von Altdöbern herüberwehende Glockenklang noch zu hören ist. - Man hält sich aneinander fest in dieser problembeladenen Region, in der auch heute bei weggebrochener Wirtschaftsstruktur Gemeinschaftssinn, Gottvertrauen und Mut einen hohen Stellenwert haben.

STEINITZ: Sockel des ausgelagerten Altars 
STEINITZ: Sockel des ausgelagerten Altars

Auch die Dorfkirche von Steinitz war bereits an das DDR-Braunkohlenkombinat verkauft worden, als die Wende kurz vor ihrem Abriss die Bagger zum Stillstand brachte. Der eindrucksvolle Raum mit seiner barocken Ausstattung sah 1984 den letzten Gottesdienst, verfiel und bietet heute einen traurigen Anblick.

Zwar wurde der Bau notdürftig gesichert, aber anders als in Reddern fehlt es bisher offenbar an tragfähigen Konzeptionen für künftige Nutzungen und damit an Möglichkeiten, eine Förderung von Bauarbeiten zu erreichen. Wie dringlich aber zum Beispiel die Hand eines versierten Restaurators gebraucht wird, zeigen mittelalterliche Wandmalereien, die noch vor kurzem dokumentiert werden konnten und jetzt schon kaum noch sichtbar sind. Ein vor einiger Zeit gegründeter Förderkreis blieb ohne Echo in der Dorfbevölkerung. Doch wenn die heute etwa 130 Einwohner wieder ein ganz normales Dorf mit Rückbeziehung auf die eigene Geschichte werden wollen, dann brauchen sie auch als Mittelpunkt die restaurierte Kirche des alten Ortes.

 Einladend die Kirche von ILLMERSDORF
Einladend die Kirche von ILLMERSDORF

Kontrastprogramm in Illmersdorf. Der kleine barocke Fachwerkbau, einst ebenfalls wegen der Braunkohleförderung dem Verfall preisgegeben, wirkt mit ihrem adretten Habitus in dieser Region wie die Fata Morgana einer heilen Welt. Aber auch sie musste nach der Wende von Grund auf restauriert werden. Noch heute fehlt eine Orgel und statt einer wohltönenden Glocke ruft ein winziges Ersatzglöckchen etwas schrill zum Gottesdienst.

Dennoch wird die Kirche gut besucht, vor allem auch von Touristen. Denn sie bietet eine besondere Attraktion: einen Blick in die Familiengruft der Patronatsfamilie von Normann und auf besonders gut erhaltene, natürlich mumifizierte Angehörige dieses alten Adelsgeschlechts. Gewahrt ist durch den würdigen Rahmen die Pietät, hergestellt die geschichtliche Bindung des heutigen Gotteshauses mit seiner Gründergeneration. Und wenn man diesen Bogen etwas despektierlich weiter spannt: Diese Toten helfen, neues Leben in ihre alte Kirche zu bringen (und das könnte ihnen eigentlich nur recht sein).

SCHORBUS 
SCHORBUS: Die alte Wetterfahne erzählt von Sanierungsarbeiten schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs

Die Atmosphäre einer lebendigen Dorfgemeinschaft vermittelt sich den Besuchern in Schorbus: Helle Neubauten zwischen älteren Gehöften; im Schatten des imposanten Westturms der Kirche hat sich auf grüner Wiese der Kirchenchor getroffen (er ist nur einer von zwei Chören in dem kleinen Ort); und auf dem Ostgiebel der Kirche thront der Storch.

Schorbus war von der Braunkohleförderung nie direkt bedroht oder geschädigt worden, von Rissen im Kirchenmauerwerk durch die Grundwasserabsenkung abgesehen. Dafür fielen in den letzten Kriegsjahren Bomben. Jahrelang hatte die Kirche ein Notdach aus Stroh, wurde von einer aktiven Gemeinde über die DDR-Jahre gerettet, und danach ging man mit gleichem Elan zu Werk. Für die Restaurierung des wertvollen Altars wurden allein im Ort 6.500,- DM gesammelt. Aus dem Exil in der Sakristei kehrte der Taufengel zurück, er schwebt nun wieder freundlich lächelnd über allem.

 Pfarrhaus Groß Döbbern
In Groß Döbbern soll eines der ältesten Pfarrhäuser vor dem Verfall gerettet werden

In Groß Döbbern gilt die Aufmerksamkeit der Besucher weniger der sehr gepflegten Kirche als einem arg heruntergekommenen Gebäude daneben: Das in Teilen aus dem 16. Jahrhundert stammende ehemalige Pfarrhaus ist vermutlich das älteste Pfarrhaus im Land Brandenburg. Durch Jahre der Nichtnutzung ist das Gebäude akut bedroht. Der inzwischen gegründete und vom FAK mit einem Startkapital ermutigte örtliche Förderverein möchte das Gebäude sichern und instand setzen und damit das selten gewordene komplette Ensemble von Kirche, Schule und Pfarrhaus den Nachfahren erhalten. Für die Nutzung wurde das Konzept für ein Gemeinschaftshaus entwickelt, das einen breiten Konsens im Dorf findet.

Viel Mut gehört schon dazu, aber der scheint in dieser einst geschundenen Landschaft ebenso wie das erste neu angesiedelte Grün vielerorts vorsichtig zu keimen.

Eva Gonda
Fotos: Nörenberg (4), Gonda, Janowski

 

Für die sachkundige Begleitung und die Führungen vor Ort bedanken wir uns bei dem Gebietsreferenten des Landesamtes für Denkmalpflege Detlef von Scheven; bei Pfarrer i. R. Udo Meckert, der uns in Reddern und Pritzen mit großem inneren Engagement, geprägt von jahrzehntelanger Tätigkeit in dieser Region, vom Gestern und Heute erzählte; bei Pfarrer Wolfgang Selchow sowie dem Abgeordneten und GKR-Ehrenmitglied Dieter Wilk (Steinitz); beim Kirchenältesten Steffen Dittrich (Illmersdorf); bei GKR-Mitglied Dietmar Paßora (Schorbus); beim stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins Groß Döbbern Wolfram Betker - und ganz besonders allen in Groß Döbbern, die uns mit einem Büfett auf grüner Wiese überraschten

 
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Pilger auf historischem Pfad

Ein besonderer Wanderweg von Berlin nach Wilsnack

 Wegezeichen

"Mitten in irer arbeit auff dem Felde / oder aber in den Heusern / ists inen plötzlich und unversehens ankomen / das sie die arbeit ligen lassen und in grosser eil gen der Wilßnagk gelauffen..." So beschreibt 1586 der protestantische Domherr und erste Chronist der Wilsnacker Wallfahrt, Matthäus Ludecus, die unter der Bezeichnung "Wilsnacklaufen" bekannt gewordenen Massenwallfahrten zu dem Prignitzort, in dessen imposanter Kirche bis zur Reformation drei vermeintliche Wunderbluthostien angebetet wurden. "Aus vielen orten und nationen" seien die Pilger gekommen, "als wenn sie irer vernunft beraubet / bezeubert / und aller ding unsinnig gewesen weren".

Pilger 

Am 20. Mai diesen Jahres machten sich etwa fünfzig Pilger auf den Weg, um den als offiziellen Wanderweg ausgeschilderten Pilgerweg von Berlin nach Wilsnack einzuweihen. Um den unattraktiven Weg durch das Berliner Stadtgebiet zu vermeiden, traf man sich am S-Bahnhof Hennigsdorf. Von hier ging es gemeinsam nach Bötzow, der ersten Station auf der insgesamt etwa 130 Kilometer langen Strecke. Ein aus Haselruten zusammengebundenes einfaches Kruzifix wurde vorangetragen. Mitglieder der Bernauer Mittelalter-Gruppe "Trivium" gaben ein historisches Flair.

Der Wegeforscher Wolfgang Holtz lief erstmals 1988, aus Westberlin kommend, die komplette Strecke ab, die zum Teil mit der historischen Poststraße Berlin - Hamburg identisch ist. Die Forschungen von Holtz wurden in den letzten beiden Jahren von Professor Rainer Oefelein präzisiert. Gemeinsam mit seiner Frau entdeckte er zahlreiche mittelalterliche Pilgerzeichen auf den Glocken der am Wege liegenden Dorfkirchen. So konnte eine historisch sehr wahrscheinliche Streckenführung ermittelt und gekennzeichnet werden.

In Bötzow wurden die neuzeitlichen Pilger vom Heimatverein mit Getränken und einer deftigen Suppe empfangen. Die Predigt im anschließenden Gottesdienst hielt die Pröpstin der EKBO, Friederike von Kirchbach. Und das bekannte Paul-Gerhardt-Lied bekam für viele eine noch tiefere Bedeutung: Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit...

Text und Fotos: B. Janowski.

 

LITERATUR für alle Interessenten, die den Pilgern folgen wollen

Prof. Rainer Oefelein: Auf den Spuren des mittelalterlichen Pilgerweges Berlin - Wilsnack. Conrad Stein Verlag, Welver 2006;

Das Buch enthält Wanderkarten sowie eine genaue Wegbeschreibung und gibt Hinweise für Übernachtungen, Verpflegungs- und Einkaufsmöglichkeiten.

9,90 Euro; ISBN 3-86686-189-3

Hartmut Kühne, Anne Katrin Ziesak (Hg.): Wunder - Wallfahrt - Widersacher. Die Wilsnackfahrt. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2005,

Mit zahlreichen Aufsätzen ist der reich bebilderte Band nach über 100 Jahren die erste Gesamtdarstellung der Wilsnackfahrt.

24,90 Euro; ISBN 3-7917-1969-6

Von Berlin nach Wilsnack. Ein kulturhistorischer Wegbegleiter zu den Stationen einer vergessenen Wallfahrt. Herausgegeben vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. und vom Lehrstuhl für Christliche Archäologie, Denkmalkunde und Kulturgeschichte der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, 2005.

Das illustrierte Heft bietet ausführliche Beschreibungen der Kirchen auf dem Weg von Berlin nach Wilsnack und kann gegen eine Spende beim FAK bestellt werden. Tel.: (0 30) 4 49 30 51

 
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Ein Engel auf dem Operationstisch

Liebe auf den ersten Blick für hilfsbedürftigen Wenzlower

 Wenzlow - Taufengel
EINST SCHWEBTE ER hoch oben in der Wenzlower Dorfkirche - nun liegt er flach. Fachkundige Hände werden ihn in alter Schönheit zu neuem Leben erwecken.
Fotos: Hübner
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Es heißt, dass sich die Engel um die Menschen kümmern. Manchmal muss sich aber auch ein Mensch um einen Engel kümmern. Dann nämlich, wenn der Engel in Not geraten ist. Im Jahresheft "Offene Kirchen 2006" berichtet Werner Ziems über "Vergessene Engel". Der Taufengel in der Kirche von Wenzlow (Potsdam Mittelmark) gehört(e) zu ihnen. Vor zwei Jahren bin ich ihm zum ersten Mal begegnet - heute ist er mein "Patenkind".

Im Jahr 1999 sah ich in Grunow bei Frankfurt (Oder) den ersten Taufengel - eine schlichte Figur aus der Barockzeit, die ihre Flügel verloren hatte, ohne alle Attribute für eine Taufe. Und doch hat sie mich sofort beeindruckt. Seither habe ich ca. 200 Taufengel besucht und dokumentiert. Unter ihnen war vor zwei Jahren auch mein jetziges "Patenkind". Von Jahr zu Jahr faszinierten mich die Taufengel mehr. Manche von ihnen dürfen noch heute bei der Taufe assistieren; andere sind ohne Funktion. Viele fand ich leider in einem bedauernswerten, desolaten Zustand, irgendwo abgelegt, beschädigt, zerbrochen, ohne Farbe und vom Holzwurm befallen. Und doch erkennt man noch immer ihre einstige Schönheit oder Besonderheit. Sie haben alle ihre Geschichte; für viele Täuflinge haben sie das Taufwasser bereithalten dürfen. Es tat mir oft in der Seele weh, sie in so einem schlimmem Zustand zu sehen. So reifte der Entschluss, einem von ihnen zu helfen.

Als gebürtige Brandenburgerin entschied ich mich für eine Kirche in meiner Heimat. Meine Wahl fiel auf den Taufengel in Wenzlow, der es mir schon vor zwei Jahren besonders angetan hatte. Es ist eine schlanke Gestalt in antikisierendem Gewand, seit vielen Jahren ohne Funktion hoch unter der Kirchendecke fest aufgehängt. Bemerkenswert schön die Fassung; etwas geishahaft das später aufgebrachte kalkweiße Inkarnat. Die hocherhobene linke Hand hält ein Schriftband mit den Worten "Sei getreu bis in den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben".

Die Schale für das Taufwasser wird auf der rechten Hand gehalten. Eine absolute Besonderheit ist eine Taube auf der muschelförmigen Schale - ein Symbol des heiligen Geistes, der so dem Täufling ganz nahe ist.

Wenzlow - Taufschale 
DIE TAUFSCHALE hatte in der Vergangenheit auch ungebeten gefiederten Besuch

Lange Zeit war das Innere der Kirche auch für reale Vögel zugänglich, die sich gerne auf dem Taufengel niederließen. Die schöne Figur war bedeckt mit dicken Schichten Vogelkot.

Der 20. Februar 2006 war ein aufregender und bewegender Tag für alle Anwesenden in der Kirche von Wenzlow: Der Taufengel verließ zum ersten Mal seit vielen Jahren seinen festen Platz unter der Kirchendecke. Die Restauratorin Frau Angela Günther aus Dessau nahm ihn in ersten Augenschein, um ihn dann gut verpackt und weich gebettet in ihre Werkstatt zu bringen.

Inzwischen konnte ich mein "Patenkind" in der Werkstatt von Angela Günther besuchen. Nach der gründlichen Reinigung von Vogelkot und Schmutz ist nun unter anderem eine Fassungsfestigung notwendig. Das jetzt kalkweiße Inkarnat wird abgenommen, so dass die darunter liegende zartrosa Fassung wieder zum Vorschein kommt.

Die Gemeinde von Wenzlow freut sich, dass ihr Taufengel nach seiner Restaurierung für die große Ausstellung "1000 Jahre Taufen in Mitteldeutschland" ab 20. August 2006 im Magdeburger Dom vorgesehen ist. Es wird in Wenzlow derzeit erwogen, einen "Freundeskreis Kirche Wenzlow" ins Leben zu rufen. Außerdem wird darüber nachgedacht, den restaurierten Taufengel wieder bewegbar in der Kirche aufzuhängen, damit er wie früher bei der Taufe assistieren kann.

Meine Bitte richte ich an alle Leser: Schenken Sie Ihre Beachtung und tatkräftige Hilfe den Taufengeln in unseren evangelischen Dorfkirchen, damit sie nicht verloren gehen, sondern zu neuem Leben erwachen.

Barbara Hübner, Lüneburg

 
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Feldsteinkirche in Eigenbau

Eine brillante Idee und ein zweifach gutes Werk

 Dr. Voß vor der Kirche von Lindenberg
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Die Dorfkirche in Lindenberg, Landkreis Barnim: Am unterschiedlichen Feldsteinmauerwerk und an den noch erkennbaren ehemaligen Rundbogenfenstern (13. Jh.) lässt sich die Baugeschichte verfolgen; auf dem Dach der Sakristei schimmert Moos, eine im Mauerwerk steckende Kanonenkugel erzählt von kriegerischen Zeiten, und die Dachsteine zeigen ein paar "Flicken" jüngerer Reparaturen.

Die alte Dorfkirche, an der man das alles entdecken kann, steht zwar auf dem Barnim, aber sie steht auch auf dem Wohnzimmertisch von Dr. Friedrich Voß in Berlin-Karow - als Papiermodell im Maßstab 1:100; bis auf wenige Vereinfachungen detailgetreu, da nicht auf dem Reißbrett gezeichnet, sondern aus vielen Fotos zusammengesetzt.

Modelle dieser Art, wie sie in vielen Arbeitsstunden unter den Händen von Friedrich Voß entstehen, sind einzigartig. Mindestens sechzig bis achtzig Aufnahmen sind zu machen, jeder Winkel an Fenstern, Giebeln und Traufen ist abzulichten, Details hinter Büschen und Bäumen sind zu erfassen usw. Am Computer werden die Bilder entzerrt, denn stürzende Linien sind bei Fotos von Gebäuden unvermeidbar. Die Maße sind exakt aufeinander abzustimmen, wozu als Grundlage der zuvor vermessene Grundriss der Kirche dient, und schließlich müssen die Farben aller Bauteile zueinander passen. Es dauert unter Umständen Monate, bis die Arbeit geschafft ist. Und manches Lehrgeld hat Dr. Voß zuvor beim Gestalten anderer Kirchenmodelle schon gezahlt.

Aber nun liegt die Miniaturausgabe der Lindenberger Kirche vor - als Bastelset, ausgestattet mit allem Zubehör wie den 6 Ausschneidebögen im Format DIN A4, einer Pappe zum Aufkleben des Grundrisses, mehreren Stabilisierungsleisten aus leicht schneidbarem Balsaholz, 2 kleinen Perlen als Turmkugeln und 2 Stahldrähten zu ihrer Befestigung. Eine ausführliche, mit vielen Skizzen versehene Bauanleitung hilft beim Bauen des Modells, und mehrere Fotos zeigen das Äußere und auch das Innere der schönen und ehrwürdigen Kirche. Ein kurzer Abriss ihrer Geschichte und ein Landkartenausschnitt mit ihrem Standort komplettieren das Ganze.

Hinter solch gründlicher und fantasiereicher Rentnerarbeit vermutet man einen studierten, erfahrenen Baufachmann. Mitnichten. Dr. Voß tat jahrzehntelang segensreichen Dienst als Kinderarzt im Klinikum Berlin-Buch. Jetzt hat er Zeit für anderes. Neben dem Entwerfen dieser Kirchenmodelle widmet er sich der Familie, leitet den Chor der Kirchengemeinde Berlin-Karow und engagiert sich in einem kleinen Verein (Förderkreis Sumy-Hilfe e.V.) für geistig schwer behinderte Kinder und Jugendliche in der ostukrainischen Stadt Sumy.

Mit diesem Bastelset soll Gutes getan werden. Der Abgabepreis beträgt 15 Euro, der Reinerlös von 10 Euro geht zur Hälfte an die Kirchengemeinde in Lindenberg und soll zur Erneuerung des Kirchendaches beitragen, die andere Hälfte wird die Arbeit des Förderkreises Sumy-Hilfe e. V. unterstützen. Die Schwächsten der Gesellschaft, die geistig Behinderten, leben in der Ukraine noch stärker am Rande der Gemeinwesen als bei uns und bedürfen dringend unserer Hilfe. Eine kurze Beschreibung der Aufgaben und Ziele des Vereins liegt der Bauanleitung bei.

Das Kirchenmodell lässt sich für viele Zwecke verwenden: als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk, zur Erinnerung an Taufe, Konfirmation oder Trauung, als Verbindungsglied zur Heimat der aus Lindenberg nach Amerika oder woandershin ausgewanderten Freunde oder Verwandten, als Zubehör für die Modelleisenbahnanlage H0 oder als anschauliches Lehrmittel in Schulen.

Wir wünschen dieser kleinen und besonders feinen Kirche weite Verbreitung.

Eva Gonda


Kirchenmodell Lindenberg 
Kirchenmodell LindenbergGroßbildansicht

Modell Lindenberg, 1:100, 15 Euro + 1,50 Euro Versandkosten, zu beziehen über Pfarrer Wenzel, Wartenberger Str. 3, 16356 Ahrensfelde; Tel.: (0 30) 9 41 31 38 E-Mail: pfarramt.lindenberg@internetgate.de

Bankverbindung: Konto-Nr.: 66605 Ev. Darlehensgenossenschaft Berlin, BLZ 10060237 Kreiskirchenverband Bln.-Nord-Süd, Kennwort: Lindenberg.

Das Modell kann auch über die Geschäftsstelle des Förderkreises Alte Kirchen bestellt werden.

 
Kirchenmodell Berlin-Karow 
Kirchenmodell Berlin-KarowGroßbildansicht

Modell Berlin-Karow, ca. 1:80; Preis 15 Euro + 4,30 Euro Versandkosten, zu beziehen über die Ev. Kirchengemeinde Karow, Alt Karow 55, 13125 Berlin, Tel.: (0 30) 9 43 01 02

Bankverbindung: Dr. F. Voß; Konto-Nr.: 7562904,Postbank Leipzig, BLZ 86010090, Kennwort: Kirchenmodell Karow

Nachfragen bei Dr. Friedrich Voß, Bahnhofstr. 57, 13125 Berlin; Tel.: (0 30) 9 43 02 62

 
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Drei Glocken künden in der neuen Heimat vom verheißungsvollen Wiederbeginn

Klingende Geschenke für Kirchen in Küstrinchen und Groß Fredenwalde

Bevor der Kantor der Kirchengemeinde Homberg mit seinem Chor Paul Gerhardts "Geh aus mein Herz ..." anstimmen konnte, intonierten bereits die Schwalben, die pfeilschnell durch die geborstenen Kirchenfenster hin und her schossen, den Lobgesang für die Festgemeinde. Diese hatte sich am 27. Mai um 12.00 Uhr unter der Leitung von Pfarrer Gerhard Stechbart zur feierlichen Glockenweihe in der Dorfkirche von Küstrinchen in der Uckermark eingefunden.

Es war ein besonderer Tag für alle, die das "Wunder von Küstrinchen" aus nächster Nähe miterleben wollten: Mitglieder des örtlichen Fördervereins, Pfarrgemeinde-Mitglieder aus Homberg, Ratingen, Hubbelrath (Nordrhein-Westfalen) und Lychen sowie Vertreter des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und der privaten Stiftung "Maßwerk".

Drei Glocken des aufgegebenen Gemeindezentrums von Hubbelrath waren zusammen mit einem Orgelpositiv bereits am 7. Juni 2005 mit einer Schenkungsurkunde in den Besitz der Kirchengemeinde Lychen übergegangen. Bewirkt haben dies Siegfried Scholz, Presbyter der Gemeinde Hubbelrath, und FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski, die sich 2001 anlässlich einer Wanderausstellung des FAK in Ratingen kennen gelernt hatten. Durch ihre Vermittlung fanden die Glocken nun in der Uckermark eine neue Heimat und wieder eine wichtige Aufgabe.

Zwei der Glocken hängen jetzt in der einst vom Verfall bedrohten Dorfkirche von Küstrinchen, deren erneuerter holzverkleideter Turm weithin von einem Neubeginn kündet. Die große Glocke trägt die Inschrift "Wir haben hier keine bleibende Stadt", die kleine das Bibelwort "Weiset meine Kinder zu mir".

Die dritte und mittlere Glocke kam in die Kirche von Groß Fredenwalde. Auch in dieser Baustelle gab es am Nachmittag eine festliche Stunde mit der Übergabe der Glocke an Erhard Rieger, den Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins Groß Fredenwalde.

Welch einen bedeutsamen Ortswechsel erlebten diese drei Glocken! Dort im Rheinischen verstummte ihr Rufen, weil das Gemeindezentrum aufgegeben werden musste; hier im Uckermärkischen ertönt ihr Rufen von neuem in einer bereits totgesagten Kirche. In Groß Fredenwalde korrespondieren nun Glocken- und Kanzelinschrift auf wundersame Weise. Sie strafen der Menschen voreiliges Aufgeben von Kirchen Lügen, denn so steht es gleichermaßen auf Kanzel und Glocke geschrieben: "Verbum Domini Manet in Eaternum", des Herren Wort bleibt in Ewigkeit.

Dr. Uwe Otzen

 
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Unverhoffte "Finanzspritze"

Seit einigen Jahren setzt sich der Verein Heilstätten Hohenlychen e. V. für die Instandsetzung der Helenen-Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen Heilstättenkomplexes ein. Im Rahmen des "Kultursommers" finden vielfältige Veranstaltungen in der Kapelle statt, die bis 1992 von der sowjetischen Armee als Treibstofflager genutzt worden war.

Durch die Initiative des Vereins konnten bereits umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt sowie unter anderem mehrere Bleiglasfenster der Kapelle erneuert werden. Durch Spenden und eine Zuweisung des Landkreises Uckermark in Höhe von 3.000 Euro war es nun möglich, für dieses Jahr die Neuanfertigung von vier weiteren Fenstern in Auftrag zu geben. Der Verein Heilstätten Hohenlychen gehörte 2004 zu den Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg ausgeschriebenen Startkapitals für Kirchen-Fördervereine.

Der Vorsitzende des Hohenlychener Vereins, Tobias Schönfeldt, konnte sich jetzt zusätzlich über eine unverhoffte "Finanzspritze" von 1.000 Euro freuen. Das Geld habe den Verein über "verschlungene Wege" erreicht: Aufmerksam geworden durch die Veröffentlichung in der FAK-Zeitschrift "Offene Kirchen 2005", S. 106, über die Bemühungen des Vereins habe ein Richter eine gemeinnützige Auflage in einem Gerichtsverfahren den Lychenern zugesprochen.

 
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Alte Orgelpfeifen beginnen wieder zu klingen

Im September festliche Einweihung in Ringenwalde

 Ringenwalde Orgel

Als vor rund acht Jahren der Förderverein "Migendt-Orgel Ringenwalde" gegründet wurde, hätte keiner gedacht, dass es einerseits so lange dauern und andererseits dann so schnell gehen würde, dass diese Orgel in ihrer historischen Gestalt wieder erklingen würde.

Der Verein war nach einer Radio-Live-Sendung des ORB aus der Kirche zu Ringenwalde von Mitarbeitern des ORB, den Uckermärkischen Musikwochen und Einwohnern von Ringenwalde gegründet worden. Die avisierten Kosten stiegen zwar höher als erwartet, aber der kultur- und musikhistorische Wert des Instrumentes rechtfertigt vieles. Denn das Ringenwalder Instrument (1760) ist die einzig erhaltene Kirchenorgel Johann Peter Migendts, der als der bedeutendste Vermächtnisträger Joachim Wagners gilt.

Die Ringenwalder Kirche war damals schon saniert und restauriert worden, nur die Orgel war noch in einem beklagenswerten Zustand. Schon der Umbau im Jahre 1913 war unglücklich, inzwischen wütete der Holzwurm im Instrument. Die historische Substanz war arg entstellt.

Die außerordentliche Bedeutung des Instrumentes machte es aber zwingend notwendig, diese Orgel zu restaurieren und teilweise auch zu rekonstruieren auf den Zustand des spätbarocken Erbauungszustandes. Nicht einmal der ehemalige Orgelsachverständige des Konsistoriums hatte bis dahin erkannt, dass es sich bei den Prospektpfeifen um die originalen aus dem Jahre 1760 handelt, was eine äußerste Seltenheit ist. Im Ersten Weltkrieg waren viele Prospekte der Ablieferungspflicht zum Opfer gefallen. Aber auch ca. 80 Prozent des originalen Pfeifenbestandes blieben erhalten. Lediglich die mechanische Lade und die ursprüngliche Traktur gingen beim Umbau von 1913 verloren; das Gehäuse wurde zwar erweitert, blieb jedoch wie die Balganlage erhalten. Ursprünglich hatte das Instrument ohne Pedal nur neun Register, besaß aber die für die Wagner-Schule üblichen beweglichen Posaunenengel und den Zimbelstern.

Entsprechend der heutigen musikalischen Praxis entschied man jetzt, ein Pedal hinzuzufügen, das aber als neuzeitliche Zugabe kenntlich ist. Es orientiert sich an - wenn auch nicht mehr vorhandenen, aber bekannten - originalen Pedaldispositionen Migendts in Stettin. Die 1913 eingebauten, inzwischen auch schon fast historischen Register von Kienscherf werden für künftige Generationen verwahrt.

Die originale und historische Balganlage wurde durch die Firma Hüfken (Halberstadt) restauriert; den Auftrag zur Restaurierung und Teilrekonstruktion des Werkes erhielt die Firma Rühle (Moritzburg). Dank großzügiger Spenden und Unterstützungen durch den Landkreis Uckermark, die Dr.-Oetker-Stiftung, Werner Otto und viele private Sponsoren war es erst möglich, das Projekt in die Wege zu leiten. Mit diversen Benefizkonzerten förderten die Restaurierung auch Mitglieder der Deutschen Oper Berlin und der Berliner Singakademie, das Berliner Musikinstrumentenmuseum, das Leonardi-Quartett, der australische Filmmusikkomponist George Dreyfus und andere. Allerdings fehlt noch immer eine beträchtliche Summe, um auch die farbliche Fassung der Orgel durch die Firma Prückner (Ringenwalde/Berlin) wieder herzustellen.

Die Arbeiten an der Orgel werden begleitet von einer fachkompetenten, beratenden Gruppe von Organisten, Orgelbauern und Orgelsachverständigen. Selbstverständlich sind auch die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landes-Denkmalamt einbezogen.

Am 9. September wird die Ringenwalder Migendt-Orgel mit einem Festgottesdienst (Beginn 14 Uhr) und einem Posaunen- und Orgelkonzert eingeweiht. Es folgt ein regelrechter "Musik-Marathon" mit einzelnen Konzerten und den Ringenwalder Musiktagen unter der Leitung von Armin Thalheim.

Heiko Schwichtenberg
Foto: Bernd Janowski

 

VERANSTALTUNGEN anlässlich der Wiedereinweihung der Migendt-Orgel in Ringenwalde

9. September

14:00 Uhr Festgottesdienst
17:00 Uhr Orgelkonzert mit Armin Thalheim, Choralwerke von Johann Sebastian Bach u. a.

10. September

10-17 Uhr Orgelmusik zum Tag des offenen Denkmals mit zahlreichen namhaften Gastorganisten
15:00 Uhr Ausstellungseröffnung "Zur Geschichte von Ringenwalde" und "Barockorgeln der Uckermark"

17. September

15:00 Uhr Festkonzert mit Werken von Händel, Bach, Mozart, Hasse und Haydn

 

Spendenkonto: RKVA Eberswalde; Volksbank Uckermark; BLZ.: 150 917 04; Kt.-Nr.: 320 010 870; Kennwort: Spende Orgel Ringenwalde

 
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Neue EU-Richtlinie

Traditionen des Orgelbaus in Gefahr?

Nach einer Meldung des Evangelischen Pressedienstes könnte es schon bald verboten sein, Orgelpfeifen nach alter Tradition zu bauen. Am 1. Juli 2006 tritt eine Richtlinie der EU in Kraft, die auf gefährliche Stoffe in Elektrogeräten abzielt - unter anderem auch auf das Blei, das in den Pfeifen großer Kirchenorgeln in hohen Konzentrationen enthalten ist. Und zahlreiche Orgeln haben heute elektrisch betriebene Gebläse.

EU-Kommission und EU-Regierungen haben sich nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob sie für Orgeln eine Ausnahme machen wollen. Bis zu 50 Prozent Blei ist in Orgelpfeifen enthalten. Nur so kommt der einzigartige Klang der Orgeln zustande. Laut neuer Richtlinie dürfen "Elektrogeräte", die nach dem 1. Juli 2006 hergestellt werden, das umwelt- und gesundheitsschädliche Blei und andere Schwermetalle nur noch zu 0,1 Prozent enthalten.

Die EU-Kommission versucht, die Gemüter zu beruhigen. Wenn überhaupt, werde das Verbot nur für neu gebaute Orgeln und nicht für alte Instrumente gelten, erklärte ein Sprecher. Eine andere Sprecherin empfiehlt den Orgelbauern, auf Ersatzstoffe auszuweichen. Inzwischen finden sich Kritiker sogar im Europäischen Parlament. Der liberale Politiker Holger Krahmer fordert: "Bachs Toccata muss die EU überleben können."

 
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Stumme Mahnung vom Kirchturm: Es ist fünf vor zwölf in Damelack

Förderverein wirbt mit reizvollen Sommerkonzerten für Spenden

 
Foto: Elfriede und Joachim WonnGroßbildansicht

In Damelack (Amt Neustadt/Dosse / Lkr. Ostprignitz-Ruppin) wurde am 1. April die Kirchturmuhr um fünf Minuten vor 12 Uhr abgestellt. Bis Karsamstag gab es keine aktuelle Zeitanzeige. Auch der gewohnte Stundenschlag und das Feierabendgeläut der beiden Glocken waren zwei Wochen lang nicht zu hören.

Der Kirchturm machte mit der Anzeige der Uhr "fünf vor zwölf" darauf aufmerksam, dass er und das 1908 im neoromanischen Stil errichtete Kirchengebäude in großer Not sind und dass es allerhöchste Zeit für eine Sanierung wird. Denn das Gebälk und das Dach sowohl des Kirchturms als auch des Kirchenschiffes sind vom Zahn der Zeit und durch Holzschädlingsbefall schwer in Mitleidenschaft gezogen. Ein Gutachten und das Sanierungskonzept des Architekten Ulrich Nickmann belegen, dass bei starkem Sturm die Turmspitze sogar abstürzen könnte. Mit dieser Aktion hat der Förderverein zur Erhaltung der Kirche in Damelack die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erneut auf das denkmalgeschützte Bauwerk in der Dorfmitte gelenkt. "Wir wollten damit einen Denkanstoß geben", sagt Vereinsvorsitzender Hinrich Legde. "Den Menschen soll bewusst werden, dass ihnen etwas wichtiges fehlt, wenn die Turmuhr keine Zeit mehr anzeigt und der gewohnte Glockenschlag nicht mehr ertönt."

Mit der Aktion "fünf vor zwölf" stellte der Verein zugleich das Nutzungskonzept für die Kirche der Öffentlichkeit vor. Es soll eine dauerhafte Basis für die weltliche und kulturelle Nutzung der Kirche sein und auch die Einwerbung von Fördermitteln unterstützen. Die original erhaltene Dorfkirche besticht im Inneren u. a. besonders durch eine hölzerne Tonnendecke mit reichen Ausmalungen. Und als am Karsamstag Turmuhr und Geläut wieder den gewohnten Takt aufnahmen, war das zugleich der Beginn des diesjährigen erweiterten Veranstaltungsprogramms des Fördervereins. Erster Programmpunkt war ein sehr gut besuchtes geselliges Beisammensein beim dörflichen Osterfeuer mit Musik. Für das leibliche Wohl war mit Grill und Getränken gesorgt.

Die Konzertreihe "Damelacker Sommer 2006" lädt bis September Menschen aus nah und fern zu niveauvollen und unterhaltsamen Konzerten in die Dorfkirche ein. Liebhaber klassischer Musik kommen z. B. bei Klängen der Renaissance und Musik aus dem empfindsamen Zeitalter auf ihre Kosten. Klezmermusik ist im Rahmen der Konzerte genauso vertreten wie Tango. "Gemeinsam mit ihren Gästen wollen die Damelacker wunderbare Sommernachmittage mit Musik, Leckereien und heiteren Plaudereien verbringen", sagt Hinrich Legde. "Der tolle Erfolg der Veranstaltungen im vergangenen Jahr hat uns ermutigt, die gute Akustik und die schöne Atmosphäre unseres zentralen Baudenkmals auf dem Damelacker Rundanger auch weiterhin einem breiten und interessierten Publikum zugänglich zu machen und damit unseren Beitrag zur Belebung der Region zu leisten."

Da die Konzerte zu freiem Eintritt angeboten werden, hoffen die Veranstalter auf großzügige Spenden, die dem Erhalt und der Sanierung der Dorfkirche dienen sollen. Jeweils nach den Konzerten laden die Mitglieder des Fördervereins alle Besucher zur "Damelacker Tafel" mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen auf den Kirchanger ein.

C. Knaus

 
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Erstmals nach 50 Jahren im Oderbruch:

Eine neue Kirche als Hoffnungszeichen

In Sophienthal ergriff man die Initiative und baute gemeinsam

 Hunderte bei Kirchenweihe in Sophienthal

Erstmals nach rund fünfzig Jahren ist im Kirchenkreis Oderbruch wieder eine neue Kirche geweiht worden. Hunderte hatten sich in und vor der kleinen Sophienthaler Fachwerkkirche versammelt, um die festliche Weihe mit Bischof Wolfgang Huber mitzuerleben. Denn viele von ihnen hatten beim Neubau selbst mit Hand angelegt  weit mehr Menschen, als der Kirchengemeinde angehören.

Die Kirche ist größtenteils in ehrenamtlicher Arbeit errichtet worden, nachdem klar war, dass es für einen Kirchenneubau in Sophienthal weder vom Landkreis noch von der Landeskirche Geld geben würde. Schließlich hatte der Kirchenkreis Oderbruch den Sophienthalern 40.000 Euro sowie ein Darlehen über 25.000 Euro zur Verfügung gestellt, womit das nötige Material finanziert werden konnte.

Nachdem Zimmermannsmeister Dieter Sawall ehemalige Meisterschüler gewonnen hatte, das Fachwerkgerüst aufzubauen, schlossen sich andere Helfer an. Unter Anleitung von Handwerkern der Region entstand die neue Kirche in nur wenigen Tagen. Mehr als die Hälfte der Baukosten von 148 000 Euro erbrachten die Dorfbewohner und Helfer aus der Umgebung in Eigenleistung. 2 180 Arbeitsstunden wurden unentgeltlich geleistet.

Die ursprüngliche Kirche, ein 1834 errichteter rechteckiger Saal in Backsteinfachwerk mit einem Satteldach, war 1947 der großen Oderflut zum Opfer gefallen. Seitdem feierte man Gottesdienste in Notunterkünften. Der Kirchenneubau mit 54 Quadratmetern Nutzfläche und einer kleinen Küchenzeile lehnt sich an die Tradition des Fachwerkbaus an. Für das umgebende Gartengrundstück ist die Kommune zuständig.

So wie das gemeinsame Projekt des Kirchenneubaus die Einwohner von Sophienthal zusammengeschweißt hat, so soll das neue Haus auch seine Pforte für Menschen offen halten, die nicht der Kirche angehören. Gerade im dünn besiedelten Oderbruch ist es besonders wichtig, dass sich Kirchengemeinden und kommunale Gemeinden weiter füreinander öffnen und ihre Gebäude gemeinsam nutzen. So soll es auch im 200-Seelen-Ort Sophienthal künftig sein.

 
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Verdienste um ein Kleinod des Jugendstils gewürdigt

 Dorfkirche Lennewitz
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Für ihren Einsatz zur Erhaltung und Restaurierung der Dorfkirche von Lennewitz (Landkreis Prignitz) wurde Anneliese Schulz mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats engagiert sich seit Jahren für die Rettung der Kirche.

Die Saalkirche war 1910 im so genannten Heimatstil der Zeit errichtet worden. Architekt war der damalige Provinzialkonservator Georg Büttner aus Berlin.

Die Kirche ist im Inneren aufwendig polychrom gefasst. Die Malereien im Zeichen des Jugendstils - inklusive der Glasmalereien - wurden von der Kunstmalerei-Firma Prof. Otto Linnemann aus Frankfurt/M. ausgeführt. Altar, Gestühl, Kanzel, Taufe, Kronleuchter, Orgel und Emporen sind als einheitlich gestaltete Ausstattung erhalten.

Dank der engagierten Kirchengemeinde und des unermüdlichen Einsatzes von Anneliese Schulz erfolgte bereits die komplette Außensanierung und seit 2002 die Wiederherstellung der durch das vormals undichte Dach stark geschädigten Farbdekoration des Innenraums. Der Geehrten gelang es auch, seit 2003 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Ernst-Ritter-Stiftung und die KiBa für Förderungen zu gewinnen.

Jetzt werden nun Spenden für die Restaurierung der Orgel gesammelt.

 
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BÜCHERSEITE

Lennés Gesamtwerk vorgestellt

1822 beauftragte der Besitzer des Gutes Criewen, südwestlich von Schwedt am Rand des Odertales gelegen, den Gartenkünstler Peter Joseph Lenné mit der Anlage eines Landschaftsparks. Um den Freiraum für die Parkgestaltung zu erhalten, wurde nahezu das gesamte Dorf abgetragen und ostwärts neu aufgebaut. Nur die mittelalterliche Feldsteinkirche wurde als Blickfang in die Parkanlage einbezogen und erhielt 1830/31 neugotische Blendengiebel aus Backstein sowie einen dekorativen Dachturm aus Fachwerk.

Bei dem Namen Lenné denkt der Gartenfreund wohl zuerst an Potsdam – an Sanssouci und den Neuen Garten, an Park Babelsberg und den Pfingstberg oder an den kürzlich wiederhergestellten Garten des Krongutes Bornstedt. Auf dem Dorffriedhof von Bornstedt fand der "General-Gartendirektor der Königlichen Gärten in Preußen" 1866 seine letzte Ruhe.

Dass Peter Joseph Lenné jedoch in vielfältigster Weise auch in der brandenburgischen "Provinz" tätig war, zeigt ein jetzt vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten herausgegebenes Werkverzeichnis. Es bietet großformatige Abbildungen vieler Pläne, historische Ansichten, aber auch zahlreiche aktuelle Zustandsaufnahmen und hilft, das Gesamtwerk Lennés zu erschließen.

Nach der Bodenreform wurden oftmals wertvolle Pflanzungen abgeholzt, Parkanlagen parzelliert oder mit nüchternen Zweckbauten der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften verunstaltet. Nachdem bereits in DDR-Zeiten vielerorts teilweise Restaurierungsmaßnahmen begonnen worden waren, war es der Gartendenkmalpflege seit 1990 in großem Umfang möglich, historische Park- und Gartenanlagen wieder herzustellen. Vorbildlich ist dies unter anderem im uckermärkischen Criewen zu besichtigen, wo der etwa 20 Hektar große, im Südosten von der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße begrenzte Landschaftspark immer einen Besuch wert ist. Im übrigen ist auch die Sanierung der Criewener Kirche inzwischen so gut wie abgeschlossen.

Peter Joseph Lenné, Parks und Gärten im Land Brandenburg, Werksverzeichnis
Wernersche Verlagsgesellschaft Worms 2005
ISBN 3-88462-217-X
49,80 Euro


Noch ein Heft über Brandenburg

Zu den schon vorhandenen Zeitschriften über brandenburgische Kultur, Geschichte und Natur gesellt sich jetzt eine weitere: "Brandenburg", herausgegeben von Kulturland Brandenburg und dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Die erste Ausgabe ist entsprechend dem aktuellen Kulturlandjahr der brandenburgischen Baukultur gewidmet. Die Beiträge schlagen den Bogen von Schinkel bis zu Werken Mies van der Rohes in Neubabelsberg und laden ein zu einer Reise in historische Stadtkerne. Abstecher ins polnische Nachbarland führen zum Haus der Moderne in Gubin sowie zu Kirchen und Schlössern in der Neumark.

Kirchengeschichte wird am Beispiel des Schorbuser Annenschreins erzählt. Die Schönheit der brandenburgischen Natur demonstrieren beeindruckende Farbfotos von Uferlandschaften, und der bedrohte Eisvogel wirbt für Naturschutz. Auf das problematische Feld der Regionalentwicklung führt ein Interview über das Dörfersterben in der Uckermark, das naturgemäß wenig Optimismus ausstrahlt. Das kann auch der Beitrag über die in die Uckermark zurückgekehrte, äpfelzüchtende Gräfin von Arnim nicht wettmachen.

Die Publikation wendet sich laut Verleger Bernd Oeljeschläger an Einheimische wie an Besucher und Touristen. Es wird nicht leicht sein, Neues für die Brandenburger zu offerieren, denen ähnliche Veröffentlichungen seit langem zur Verfügung stehen. Vielmehr scheint die in Oldenburg erscheinende Zeitschrift von der Faszination einer neu entdeckten Region zu leben. Und wenn sie diese Faszination an Besucher und Touristen weitergibt, dann erfüllt sie damit einen guten Zweck.

Das Heft erscheint vierteljährlich und ist zum Preis von 4,50 Euro im Buch- und Zeitschriftenhandel in Berlin und Brandenburg erhältlich.


Lebensort und Sehnsuchtslandschaft

Das neue Buch von Günter de Bruyn erzählt sensibel, leise und sehr persönlich von seiner Annäherung an eine Landschaft, die ihm in den späten sechziger Jahren zum Rückzugsort vor politischer Vereinnahmung und schließlich zur Heimat wurde.

Über die geologisch als Beeskower Platte bezeichnete Region notiert er u. a.: "Die Vorzüge der hier zu beschreibenden Region bestehen vor allem in dem, was ihr fehlt. Sie hat weder eine nennenswerte Industrie noch fruchtbare Äcker, weder allgemein als sehenswert geltende landschaftliche Reize noch berühmte historische Denkmäler, und auch in Flora und Fauna kommen Besonderheiten nicht häufiger als anderswo vor." Was also macht den Reiz dieser Landschaft für den Autor aus? Vor allem, wie er schreibt, "die zur Liebe nötige Gewissheit, einander gemäß zu sein."

Behutsam werden hier Dörfer und ihre Menschen gezeichnet, werden Geschichte und Geschichten erzählt - einfühlsam, doch immer mit einer feinen Distanz.

Allen denen, die Brandenburg lieben und bisher nicht genau wussten warum, sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Günter de Bruyn: Abseits
S. Fischer am Main 2005;
ISBN 3-10-009634-7;
19,90 Euro

 
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Tipps und Informationen

Der Förderkreis Alte Kirchen erwartet Sie auf der "denkmal 2006"

Einer inzwischen guten Tradition folgend, wird sich der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg auch in diesem Jahr mit einem eigenen Stand auf der "denkmal 2006", der Europäischen Messe für Restaurierung, Denkmalpflege und Stadterneuerung, in Leipzig beteiligen.

Der FAK präsentiert den zahlreichen Besuchern seine Arbeit, sucht den Erfahrungsaustausch und wirbt um Unterstützung seiner Tätigkeit. Zugleich ist die Messeveranstaltung auch eine wichtige Kontaktbörse für Denkmalpfleger, Handwerker und Restauratoren, Institutionen und Vereine, Fachfirmen und interessierte Laien.

Die "denkmal 2006" findet vom 25. bis zum 28. Oktober statt. Über Ihren Besuch am Stand des Förderkreises Alte Kirchen würden wir uns freuen.

Landesweite Kollekte für den Förderkreis

Mit einer landesweiten Kollekte will die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unterstützen. Am 10. September, dem Tag des offenen Denkmals, werden in allen evangelischen Gottesdiensten Spenden zur Förderung des weiteren Wirkens des FAK gesammelt. Mit den Einnahmen wird der Förderkreis Kirchengemeinden und Fördervereine bei der Erhaltung und Instandsetzung gefährdeter Kirchengebäude unterstützen.

Briest: Entwidmet und in Privathand verkauft

Die Dorfkirche von Briest (Potsdam-Mittelmark) ist verkauft worden. Eine junge Filmemacherin will aus dem 1888/89 im neogotischen Stil errichteten Backsteingebäude ein Haus der Kunst machen mit Ausstellungen, Aufführungen und Platz für Experimente.

Die Kirchengemeinde hatte mit dem Gebäude schon lange finanzielle Probleme. 2003 war die Kirche bauaufsichtlich gesperrt worden. Nach einer Notsicherung investierte die Gemeinde noch einmal eine teilweise Rekonstruktion, doch für eine weitere Nutzung sah man nach der Fusion mit der Plauer Gemeinde keinen Bedarf mehr. Weil sich auch kein Förderverein engagierte, wurde 2004 der Verkauf beschlossen. Im Zuge der Entwidmung entfernte die Kirchengemeinde Plaue das religiöse Inventar.

Potsdam-Golm: Zukunft der Alten Kirche noch offen

Die Meldung vom bevorstehenden Verkauf der Alten Kirche in Golm machte dieser Tage in der Presse die Runde und ließ aufhorchen. Immerhin handelt es sich bei dem 1289 erstmals erwähnten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude um die älteste Kirche Potsdams. Die Kirche steht bereits seit Jahren im Gebäudebedarfsplan des Kirchenkreises als "abzugeben" und wurde jetzt erneut so eingestuft. Das bedeute keine aktuelle Entscheidung, sagt Superintendent Bertram Althausen.

Das Gebäude unmittelbar neben der 1883/86 errichteten "neuen" Kirche wird nur noch als Trauerhalle genutzt. Dennoch setzen sich der Gemeindekirchenrat und die etwa 60 Mitglieder des Golmer Kirchenbauvereins engagiert für den Erhalt des Baudenkmals ein und bemühen sich um Sponsoren für die Sanierung.

Erste Sicherungsarbeiten in Alt Krüssow

In diesem Jahr wird es zu einem ersten größeren Bauabschnitt an der ehemaligen Wallfahrtskirche in Alt Krüssow (Landkreis Prignitz) kommen.

Der um 1500 entstandene imposante Backsteinbau weist gravierende Baumängel auf. Finanziell gesichert ist bis jetzt eine umfassende Sicherung der Kirchenfenster, die notwendig ist, um weitere Schäden zu verhindern. Der örtliche Förderverein hatte weitere Mittel für Instandsetzungsarbeiten am Ostgiebel beantragt, doch der Antrag wurde inzwischen vom brandenburgischen Amt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung abgelehnt.

Der FAK hatte die Erstellung eines umfangreichen Baugutachtens ermöglicht und konnte bereits mehrfach Spendengelder nach Alt Krüssow weiterreichen. Für die jetzt geplanten Bauarbeiten stellt der FAK weitere 5.000 Euro zur Verfügung.

FAK-Ausstellung weiterhin auf Reisen

Eine Erinnerung für die Freunde brandenburgischer Dorfkirchen im Rhein-Main-Gebiet:

Nachdem unsere Ausstellung "Gefährdete Schönheit - Dorfkirchen in Brandenburg" ihre Pforten in Wiesbaden bereits geschlossen hat, ist sie seit dem 10. Juni im "Gotischen Haus" in Bad Homburg zu sehen. Dort wird sie bis zum 16. Juli bleiben. Vom 17 Juli (Eröffnung abends) bis 28. Juli. wird die Ausstellung dann in der Alten Nikolaikirche am Römerberg in Frankfurt a. M. zu sehen sein.

Strafgefangene unterstützen Restaurierung

Strafgefangene haben mit selbst gefertigtem Kunsthandwerk einen Beitrag zur Restaurierung der mittelalterlichen Fenster der Marienkirche in Frankfurt an der Oder geleistet. Im Rahmen der Spendenaktion "Aus 1 mach 3" sei der Erlös aus dem Verkauf der Linolschnitte und Bilder mit Motiven der Glasfenster von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung auf 1.050 Euro verdreifacht worden, teilte das Justizministerium in Potsdam mit.

Als erstes der drei 2002 aus Russland zurückgekehrten Fenster ist seit Mai vorigen Jahres das restaurierte "Christusfenster" wieder im Chor der Kirche zu sehen. Das "Antichristfenster" und das "Schöpungsfenster" sollen am 29. Juni 2007, fünf Jahre nach ihrer Rückkehr, feierlich an die Öffentlichkeit übergeben werden.

 
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