Was uns bewegt — der Vorstand berichtet

Die Bewahrung jahrhundertealter Denkmäler – künftig Prüfstein für Kulturland Brandenburg

Seit einigen Jahren wird hierzulande mit unterschiedlichen thematischen Vorgaben für das "Kulturland Brandenburg" geworben. Wochenend-Besuchern und Touristen soll nahegebracht werden, dass das Land Brandenburg mehr zu bieten hat als unberührte Natur, gleichbleibend hohe Arbeitslosenzahlen, klare Seen und mangels Perspektive abwandernde Jugendliche – eben Kultur.

Für 2005 hatten die Verantwortlichen sich eine schwierige Materie vorgenommen: Nach Fontane, Preußen, Parks und Gärten diesmal also "1.000 Jahre Christentum". Die Befürchtungen im Vorfeld waren groß. Wie wird diese Thematik angenommen in einer Region, in der sich inzwischen weniger als 20 Prozent der Menschen zum christlichen Glauben bekennen und nach säkularer Erziehung bereits in der dritten Generation weitgehend auch die geistigen Grundlagen des "christlichen Abendlandes" kaum mehr bekannt sind?

Die Antwort ist, kurz vor dem Ende des Kulturland-Jahres, erstaunlich gut. Dutzende von Ausstellungen im Land beschäftigten sich mit zahlreichen Aspekten von Glaubens-, Kultur- und Kunstgeschichte. In Diskussionsforen wurde darüber diskutiert, ob wir in einer gottlosen Welt leben. Moderne Kunst fand sich im (nicht immer nachvollziehbaren) Kontext alter Kirchenräume wieder. Die sehenswerte zentrale Ausstellung im Potsdamer Haus für Brandenburgisch-Preußische Geschichte zeigt noch für einige Wochen, wie christliche Traditionen auch heute das Alltagsleben bestimmen.

Im kommenden Jahr wird Gegenstand der Kulturland-Kampagne "Architektur" sein, für 2007 lautet das Thema "Wasser", beides sicher Anlass für Veranstaltungen der verschiedensten Art. Was wird dann noch übrigbleiben von "Gott in Brandenburg", wie der Titel der Potsdamer Präsentation lautet?

Zuallererst wohl das Bewusstsein, dass die Zukunft nur gestaltet werden kann, wenn man sich seiner Vergangenheit bewusst ist, und dass in Zeiten zunehmender Beschleunigung Orte der Besinnung mehr und mehr an Bedeutung gewinnen werden. Die "Kirche im Dorf lassen" ist nicht von ungefähr zum geflügelten Wort geworden. Der Kirchturm in der Mitte des Dorfes ist Heimat, Geborgenheit und Ruhepunkt in einer Welt, die sich immer schneller verändert und in der es schwieriger wird, den eigenen Mittelpunkt zu finden.

Auch viele Gemeinden und lokale Fördervereine können auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Immer noch sind an erstaunlich vielen Kirchen Instandsetzungsarbeiten möglich, auch wenn die Maßnahmen kleinteiliger und die notwendigen Mischfinanzierungen phantasievoller werden.

Ein flächendeckender Erhalt kirchlicher Baudenkmäler wird immer schwerer zu bewerkstelligen sein. Die zunehmende Ausdünnung der Anzahl von Pfarrstellen macht es langfristig unmöglich, in jedem kleinen Dorf weiterhin regelmäßige Gottesdienste anzubieten. Inzwischen wird offen über zukünftige weiße Flecken auf der kirchlichen Landkarte dünn besiedelter Randregionen gesprochen. Die Diskussion darüber, wie damit umzugehen ist, hat gerade erst begonnen. Sicher ist: Wo der Kirchturm in der Mitte des Dorfes nicht mehr vorhanden ist, ist Kirche auch als Institution irgendwann nicht mehr präsent.

Aufgabe des Förderkreises Alte Kirchen wird es in der nächsten Zeit noch stärker sein, sich an der Suche nach Konzepten dafür zu beteiligen, einen wesentlichen Teil unseres kulturelles Erbes unbeschadet an kommende Generationen weitergeben zu können.

Wir sind dankbar für die Aufmerksamkeit, die durch das diesjährige Kulturland-Thema auf die zahlreichen Stadt- und Dorfkirchen gelenkt wurde. Kulturland Brandenburg – das sollte jedoch mehr sein als ein jährliches Thema für Veranstaltungsreihen. Die Bewahrung jahrhundertealter Denkmäler, die Kriege und Notzeiten überdauert haben, ist in Zeiten immer noch großen Wohlstandes ein Prüfstein dafür, ob Brandenburg wirklich ein Kulturland bleibt.

Bernd Janowski

 
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Dorfkirche Blindow

Trotz immer knapper werdender Kassen gibt es doch mancherorts gute Fortschritte bei der Sanierung gefährdeter Dorfkirchen. Wir freuen uns, dass der Förderkreis Alte Kirchen hier und da einen Beitrag dazu leisten konnte. Einige Beispiele seien auf dieser Seite vorgestellt.

Unser Foto zeigt die sanierte Dorfkirche in Blindow
Foto: Rainer Marx

 

BLINDOW

Den gefährlichen Schwamm besiegt

Als der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen im Sommer 2002 auf einer Fahrt durch die Uckermark Blindow besuchte, sahen und rochen wir noch den Hausschwamm in der Empore, bangten um den hölzernen Altaraufsatz von 1607. Und dabei war das größte Problem noch gar nicht entdeckt: die maroden Dach- und Deckenbalken.

Drei Jahre später: Am 8. Oktober 2005 traten die Teilnehmer der Mitgliederversammlung des Fördervereins "Baudenkmal Blindower Kirche e.V." durch das Tor im neu verputzen Turm in einen trockenen, gut gelüfteten Raum unter sicherem Dach und konnten den Anblick des Altars und des großen Taufsteins aus dem 14. Jahrhundert genießen.

Dieses "Wunder" im 180-Seelen-Dorf Blindow nördlich von Prenzlau geht vor allem zurück auf die Initiativen des örtlichen Fördervereins, der bereits 1993 gegründet worden war. 1995 konnte dann mit der Sanierung der Kirche begonnen werden: die schwammbefallene Decke ausbauen, den schwammbefallenen Putz abschlagen, die Mauerkrone neu aufmauern. Zwar stockte dann die Arbeit für längere Zeit, aber 2003 war der Schwamm schließlich besiegt.

Viel Geld hatte man für dieses Projekt zusammenbringen müssen. Kirchengemeinde und Förderverein konnten 4.000 Euro sammeln, der FAK reichte 4.000 Euro aus der Preissumme für die Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Denkmalpflegepreis weiter, der Landkreis gab 5.000 Euro dazu. An der Sanierung des Dachstuhls und der Neudeckung des Daches beteiligten wir uns mit 3.000 Euro und trugen damit zu den Eigenmitteln bei, die notwendig waren, dass 70.000 Euro aus dem Programm "Dach und Fach" in Anspruch genommen werden konnten.

Außer den schon Genannten trugen die Stiftung Denkmalschutz, die Dr. Oetker-Stiftung und das Arbeitsamt zu den über 200.000 Euro Fördermitteln bei. Voraussetzung für das Vertrauen: 66.000 Euro konnte die Gemeinde selbst aufbringen. Dem Förderverein und dem Architekten Olaf Beckert fällt viel ein, wenn es gilt, Partner zu finden. Ehemalige Einwohner spendeten, befreundete Gemeinden halfen, 17 der 61 Mitglieder heißen Blindow.

In diesem Jahr musste die Mitgliederversammlung noch im Gemeinderaum tagen. 2006 soll mit 30.000 Euro aus dem Programm Dorferneuerung der Stadt Prenzlau mit dem Einbau einer Winterkirche begonnen werden. Für Altar, Kanzel, Innenraumausmalung und (eventuell) Orgel wird über Stifterbriefe nachgedacht.

Rainer Marx

KÖNIGSBERG

Notsicherung begann

Dorfkirche Königsberg

Nach anderthalbjähriger Sperrung ihres Gotteshauses hofft die Kirchengemeinde in Könisgsberg (Ostprignitz-Ruppin), den Weihnachtsgottesdienst wieder in der alten Feldsteinkirche feiern zu können. Mit Arbeiten zur Sicherung der akut vom Einsturz bedrohten Kirche konnte jetzt begonnen werden. Der Dachstuhl wird abgestützt und Balkenverbindungen werden erneuert. Nach der Notsicherung müssen innerhalb von fünf Jahren Dacherneuerung und die Lösung des Problems der Risse im Ostgiebel der Kirche in Angriff genommen werden. Der Förderkreis Alte Kirchen unterstützte die laufenden Arbeiten mit insgesamt 6.000 Euro und konnte zusätzlich eine Spende des Lions-Clubs aus Seeheim an der Bergstraße in Höhe von 1.000 Euro vermitteln.

KÜSTRINCHEN

Glocken läuten wieder

Dorfkirche Küstrinchen - Morgenstern

Nach der Sanierung des Kirchturms und dem Aufsetzen der Bekrönung sind die Instandsetzungsarbeiten an der Dorfkirche in Küstrinchen jetzt nochmals einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Maurer der Denkmalpflege GmbH Prenzlau konnten die Arbeiten am Gesims abschließen, das in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt wurde. Die beiden vom FAK vermittelten Glocken warten noch darauf, im Turm aufgehängt zu werden, läuten aber schon vor der Kirche jeden Tag um 18 Uhr den Abend ein.

 
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Musiker halfen Kirchen retten

Im zu Ende gehenden Jahr konnte der Förderkreis Alte Kirchen wieder mehrere Benefizkonzerte für gefährdete Kirchen vermitteln. Wir möchten an dieser Stelle den beteiligten Musikern herzlichen Dank sagen.

Am 7. August spielte das Barock-Ensemble "Uccellini" für etwa 100 Besucher der ehemaligen Wallfahrtskirche Alt Krüssow.

Der Kammerchor und das Instrumentalensemble der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule erfreuten am 3. September das Publikum in der Dorfkirche Golm (Uckermark). Der Erlös des Konzertes in Höhe von ca. 1.400 Euro kommt der Schwammsanierung des Gebäudes zugute.

In der evangelischen Stadtkirche von Storkow (Landkreis Oder-Spree) gab der Chor der Schlosskirche Berlin-Buch am 9. Oktober ein Konzert, dessen Einnahmen der Sanierung der Fachwerkkirche in Groß Schauen dienen soll.

Gemeinsam mit dem Haus für Brandenburgisch-Preußische Geschichte lud der FAK am 5. November zu einem Konzert mit dem Susato-Ensemble in den Potsdamer Kutschstall ein. Im Rahmen der Ausstellung "Gott in Brandenburg" wurde um Spenden für die ehemalige Wallfahrtskirche Alt Krüssow gebeten. Zusätzlich zu den Einnahmen des Abends konnte der Förderkreis Alte Kirchen einen Scheck in Höhe von 2.500 Euro für notwendige Sicherungsarbeiten überreichen.

 
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Die Kirche als Teil der Heimat erleben

Mal- und Aufsatzwettbewerb Brandenburger Schüler - Ausschreibung des Förderkreises und des brandenburgischen Bildungsministeriums

Mit dem Beginn des Winterhalbjahres 2005/2006 in den Schulen hat der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gemeinsam mit dem brandenburgischen Bildungsministerium einen Wettbewerb für Schüler der Schulklassen 1 bis 6 ausgeschrieben.

Unter dem Motto: "Unsere Kirche - ein Schatz unseres Heimatortes" sind die Schülerinnen und Schüler aufgerufen, ihre Kirchen zu besuchen, sich von ihrem Pfarrer oder einem Beauftragten die Kirche zeigen und erklären zu lassen und anschließend das Gehörte und Gesehene in Bild oder Wort zu Papier zu bringen. Die Pfarrer wurden gebeten, den Schülern behilflich zu sein.

Der Förderkreis erhofft sich von diesem Wettbewerb nicht nur, dass bei den Kindern das Interesse für ihre Kirche frühzeitig geweckt wird, sondern dass auch deren Eltern ein besseres Verständnis bekommen für das Kirchengebäude in ihrem Heimatort und die Botschaft, für die es steht; denn so mancher hat das Gotteshaus nie oder selten betreten.

Die Kinder sind aufgefordert, ihre Arbeiten an die Klassenlehrer zu geben, die dann bis zum 31. Januar 2006 die besten drei Arbeiten ihrer Klassen dem Förderkreis einreichen. Der Förderkreis stellt eine kompetente Jury zusammen, die die Arbeiten beurteilt. Sach- und Geldpreise werden ausgelobt (falls jemand von den Mitgliedern Sachpreise anbieten kann, ist dies hoch willkommen) und in einer Feierstunde im Frühjahr 2006 an die Besten übergeben.

Die bisher beim Förderkreis eingegangenen Rückmeldungen lassen auf einen interessanten Wettbewerb schließen.

 
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Auferstehungsgeschichten unserer Zeit

Festveranstaltung "Die Kirche dankt" in Templin

Von Dankbarkeit und Freude über "Wundererzählungen und Auferstehungsgeschichten der Kirchen" vielerorts in Brandenburg sprach Landesbischof Prof. Dr. Wolfgang Huber und würdigte damit das Engagement all jener, die couragiert, opferbereit und mit großem Optimismus manches gefährdete Gotteshaus gerettet und mit neuem Leben erfüllt haben. Unter dem Motto "Bürger fördern Gotteshäuser – Die Kirche dankt" hatte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz zu Dankgottesdienst und Festveranstaltung in die Templiner Maria-Magdalenen-Kirche eingeladen. Es ging darum, mit den örtlichen Kirchenfördervereinen und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg diese ermutigenden Erfolge zu feiern.

In seiner Predigt unterstrich Wolfgang Huber die Besonderheit der Kirche als einen Ort des Gemeinlebens in einer Zeit der Umbrüche, Veränderungen und Verunsicherungen. "In solcher Lage wissen wir uns denen verbunden, die neu ansetzen und auf alten Fundamenten neu aufbauen", sagte er. Die Kirchengebäude seien Zeugnisse der Glaubensgewissheit und gemeinsam gelebter Geschichte und damit ein besonderes Gut. "Was uns anvertraut ist, teilen wir mit anderen." In dem Bemühen all der Menschen vor Ort, ihre Kirche im Dorf zu lassen, sei das Wirken des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg besonders initiativ und vor allem in der Vermittlung von Kontakten und Erfahrungen hilfreich.

 Preisverleihung
PREISVERLEIHUNG durch Bischof Dr. Wolfgang Huber
Foto: Hans Krag

Hohe Würdigung fand das ehrenamtliche Engagement auch in der Festansprache von Dr. Ulrich Böhme, Vorsitzender des Fördervereins der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmale in Deutschland (KiBa). "In der reichsten aller bisherigen Gesellschaften in Deutschland stehen mehr als 300 Kirchenruinen Ostdeutschlands wie ‚Antipredigten‛ im Gegensatz zu den oft zitierten blühenden Landschaften", sagte er. Wenn in vielen Regionen immer mehr öffentliche Einrichtungen und Gemeinschaftsräume verschwinden, dann habe die Kirche unbedingte Bleibepflicht als geistliche, seelische und ethische "Dienstleistung". Kirchliche und staatliche Förderungen blieben hinter dem Bedarf zurück. Um so wichtiger sei es, dass der staatsrechtliche Auftrag zur Erhaltung dieses Kulturgutes durch bürgerschaftliches Engagement ergänzt werde. "Als barmherzige Samariter der Kirchen bieten die Vereine, denen wir heute danken, eine nachhaltige Garantie, dass die Kirchen einer guten Zukunft zugehen." Der Redner wünschte allen Beteiligten Mut und Kraft für weitere Erfolge.

Diese guten Wünsche waren vor allem auch den Vereinen mit auf den Weg zu geben, die noch am Anfang stehen und sich erfolgreich um das vom FAK ausgelobte "Startkapital 2005" beworben hatten. In dem festlichen Rahmen verlieh FAK-Vorsitzender Angus Fowler die Preise an die Vereine Förderverein Altes Pfarrhaus Groß Döbbern, Verein Denkmalpflege Günterberg, Förderverein Kirche Stüdenitz, Verein Kunst– und Kulturkirche Wulkow, Initiative Dorfkirche Carzig und Kirchenbauverein der Kirche zu Kroppen. Überreicht wurden die Preise durch Landesbischof Huber.

Eva Gonda

 Dorfkirche Gandenitz
Foto: Bernd Janowski

In Gandenitz

fand der festliche Tag einen fröhlichen Abschluss. Die Kirchengemeinde und der "Freundeskreis Feldsteinkirche Peter & Paul, Gandenitz" hatten in das schlichte Kirchlein eingeladen, dessen Ursprung bis ins 14. Jahrhundert zurückgeht. Das kleine Gotteshaus erzählt von dem steten Bemühen der Gandenitzer, die sich schon zu DDR-Zeiten mit den damals bescheidenen Möglichkeiten um den Erhalt der Kirche verdient gemacht hatten, bis im Jahr 2001 mit gründlichen Sanierungsarbeiten begonnen werden konnte. Kirchengemeinde und Freundeskreis sammelten gemeinsam Spenden, auch der FAK leistete einen Beitrag zur Anschubfinanzierung; Benefizkonzerte und andere Veranstaltungen brachten Geld ein. Zur Erhaltung aber werden weitere Spenden benötigt, die auf das Konto 21 21 21 21 bei der Volksbank Uckermark, BLZ 159 917 04, eingezahlt werden können. Und dass auch diese Kirche einer guten Zukunft zugeht, dafür standen an jenem Tag die versammelten Christenlehre-Kinder, die alle Gäste mit einem eigens gemalten Plakat begrüßten.

 
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Weltliche Trauerhalle im Kirchturm

In Günterberg fand der Denkmalverein eine Lösung für die Trennung zwischen weltlichen und kirchlichen Beisetzungen

"Für die Nutzung der Kirche gibt es Grenzen. Sie sind gezogen durch die Achtung der Überzeugung der Trauernden und der Toten, der Glaubenden und der Nicht-Glaubenden." Was Pfarrer Kanstein mit diesen Worten in seiner Laudatio zur Vergabe des Startkapitals des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg an den Verein Denkmalpflege Günterberg würdigte, macht die Besonderheit eines Gemeinschaftswerkes aus.

Im uckermärkischen Günterberg befinden sich zwei Stätten für Bestattungsfeiern unter einem Dach. Während Trauergottesdienste für die Glaubenden wie seit Jahrhunderten üblich in der Kirche gefeiert werden, beginnt der letzte Gang für die Nicht-Glaubenden in einer weltlichen Trauerhalle im Unterbau des Kirchturms. Dicht beieinander, so wie sie auch später auf dem malerischen Friedhof rund um Kirche und Turm ihre Ruhe finden.

Dieses Gemeinschaftswerk, das mit einem Nutzungsvertrag seinen rechtlichen Rahmen erhielt, brachten Denkmalverein, Kirche und Gemeinde auf den Weg. Ausgangspunkt der ungewöhnlichen Idee war die dringend notwendige Sanierung des Kirchengebäudes. Der Bau aus dem Jahre 1723 hatte 1754 einen Turmanbau erhalten, der von seinen Auftraggebern offensichtlich jedoch nie vollendet wurde. Schon äußerlich sichtbar zeigt der wuchtige und unverputzte "rote" Backsteinturm noch heute das vorzeitige Ende der Handwerksarbeiten. Das gleiche Bild bot sich im Inneren. Eine Nutzungsidee schien geboren: Warum sollte man nicht diesen kleinen Raum im Erdgeschoss im Zuge der Sanierung zu einer Trauerhalle für weltliche Beisetzungen herrichten? In Auseinandersetzung mit der immer wieder aufkommenden Diskussion um weltliche und kirchliche Beisetzungen innerhalb von Kirchenmauern fand der Gedanke mehr und mehr Zustimmung.

 Friedhof rund um die Günterberger Kirche
RUHE strahlt der Friedhof rund um die Günterberger Kirche aus, in derem Turmunterbau nun weltliche Trauerfeiern stattfinden können.
Foto: Jens Meyer

Weltliche Beisetzungen fanden bis dahin unter freiem Himmel am Grabe statt. Eine eigene Trauerhalle besaß die Gemeinde nicht. Ein Neubau hätte mehr Geld verschlungen als die Umnutzung des Turmunterbaus. Der Ort eignete sich auf Grund seiner Lage direkt am kirchlich betriebenen Friedhof. Ein Zugang zwischen Turm und Hauptschiff existierte nicht, dafür ein direkter Ausgang auf den Friedhof.

Die Idee wurde im Dorf diskutiert. Die damals noch eigenständige Gemeindevertretung gab sofort ihre Zustimmung und stellte Mittel zur Verfügung. In einer großen Einwohnerversammlung wogen die Bürger das Für und Wider ab. Die Kirchengemeinde zeigte keine Einwände. Aus diesen Vorbereitungen entstand schließlich der Denkmalverein Günterberg, dem engagierte Einwohner, Mitglieder des Gemeindekirchenrates und Baufachleute angehören.

Der Ansatz wurde bald zum inhaltlichen Schwerpunkt der Vereinsarbeit. Kirchliche Aufgaben in der heutigen Gesellschaft, Trauerhallen unter dem Dach von Gotteshäusern, die Verbindung zwischen Kommune und Kirchgemeinde, die Mitverantwortung der Gesellschaft für das Denkmal führten zur Auseinandersetzung mit Entscheidungsträgern, Interessenten und Betroffenen. Mit dem Ideenreichtum des Architekturbüros Krassuski aus Angermünde gelang es, aus dem winzigen Raum unter dem Glockenturm eine würdige Trauerhalle zu schaffen. Weil nur die engsten Angehörigen Platz finden, nimmt eine neu geschaffene Terrasse vor dem Turmeingang die weiteren Trauergäste auf. Bei Bedarf schützt ein mit wenigen Handgriffen zu installierendes Vordach vor Regen und Schnee. Eine neue Treppe in die oberen Ebenen des Turms bietet die Möglichkeit zusätzlicher "Stehplätze". Die kleine Halle kann den Vergleich mit dem großen Kirchenschiff nicht antreten. Doch schon während der Bauarbeiten zeigte sich in der dörflichen Öffentlichkeit eine Zustimmung für das ungewöhnliche Projekt unter dem Dach der Kirche.

Das Gemeinschaftswerk ging am Volkstrauertag in Erfüllung - mit einem Gottesdienst in der Kirche und einer anschließenden Kranzniederlegung am Denkmal für die Kriegstoten am Friedhof.

Oliver Schwers

 
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Isenheim im Oderbruch und ein barocker Schwarzbau

Auf der diesjährigen Herbstexkursion des Förderkreises notiert

Der Alte Fritz war immer dabei. Sein Schatten begleitete die Teilnehmer der diesjährigen FAK-Herbstexkursion ins niedere Oderbruch auf Schritt und Tritt. Auch wenn von den Kirchen, die Friedrich der Große nach der Trockenlegung der Region errichten ließ, kaum noch Originales vorhanden ist. Oder gerade deshalb. Es hatte auch mit der von ihm verordneten Sparsamkeit zu tun, dass leicht gebaut wurde, dass die Fundamente auf dem schwankenden Grund keinen Halt fanden.

Dr. Peter Schmidt hatte in unserem Heft "Offene Kirchen 2005" ausführlich über diese Problematik geschrieben und den Teilnehmern damit einen Leitfaden an die Hand gegeben. Auf der von ihm begleiteten Exkursion nahmen die Erläuterungen nun konkrete Gestalt an. Dazu kamen die oft ganz fesselnden Berichte derer, die heute vor Ort das Erbe jener für Brandenburg bedeutenden Epoche zu verwalten haben.

Die Kirche von Neutornow präsentierte sich als Ausnahme: Sie ist in dieser Region trotz mehrfacher Umbauten der letzte erhaltene Kirchenbau auf königlichem Grund aus friedrizianischer Zeit. Während alle anderen Kirchen Holzkonstruktionen waren, entstand sie als massiver Bau.

Der neuromanischen Kirche von Neuküstrinchen sieht man von weitem an, dass sie aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammt; ihr Vorgängerbau hatte wie viele den besonderen Bedingungen im Oderbruch nicht standhalten können. Dass man dort auch in heutiger Zeit nicht ganz ohne Sorgen ist, hörten die Exkursionsteilnehmer aus den spannenden Erzählungen von Joachim Schneider. Er war hier jahrelang Pfarrer und bangte so manches Mal mit der Gemeinde bei Hochwasser um die Kirche. Das Gebäude, das von den im Oderbruch sonst furchtbaren Kriegsschäden einigermaßen verschont geblieben war, wurde 1996 gründlich saniert.

In Altreetz wohnten einst Fischer, die ihre Beute fast vor der Haustür fangen konnten. Sie hätten den jetzigen klassizistischen Saalbau (1828) im Vergleich zu den drei bescheidenen Vorgängerbauten wohl sehr bestaunt, zumal er sich heute innen wie außen in allerbestem Zustand präsentiert – Ergebnis eines außerordentlichen Engagements von Kirchengemeinde und Geschichtsverein.

Kirche Altwustrow

Der Alte Fritz lebte nicht mehr, als sich die Einwohner von Altwustrow 1789 statt der genehmigten Erweiterung ihres kleinen Schul- und Bethauses eigenmächtig eine Kirche errichteten. Ein Schwarzbau, zu dem sich die aufmüpfigen Untertanen auf einer Tafel zu Füßen der Kanzel stolz bekennen: "Gott zu Ehren hat eine Christliche Gemeinde nehmlich Altwustrow Anno 1789 dieses Gottes Hauß aus ihren eigenen mitteln Neu erbauet." Der Gnade, dass von Amts wegen kein "Rückbau" angeordnet wurde, verdankt die Gemeinde die Erhaltung einer einzigartigen Ausstattung mit Kanzelaltar, Taufengel und bemalter Papierdecke als kostbarer Erbschaft. Sie gilt es jetzt zu sanieren und für nächste Generationen zu bewahren.

 Fachwerkkirche Altbarnim
IN ALTBARNIM präsentiert sich die schlichte Fachwerkkirche äußerlich schon in bestem Zustand; im Inneren gibt es aber noch viel zu tun.
Foto: Ingrid Nörenberg

Viel zu tun gibt es auch noch im Innern der Dorfkirche Altbarnim, einem einfachen Fachwerkbau, ebenfalls mit barocker Ausstattung. Ein Freundeskreis zur Pflege und Nutzung der Kirche kann schon auf erste Ergebnisse verweisen, ist aber auch weiterhin auf Unterstützung und Spenden angewiesen.

Die erste Kirche, die damals ersetzt werden musste, war die in Neutrebbin. Den Entwurf für den 1817 eingeweihten Neubau hatte Schinkel selbst überarbeitet, er sollte als Muster gelten für weitere Bauten. Am Tag der Exkursion glich der große Innenraum noch einer Baustelle; inzwischen schmückt die Stirnseite ein Altarbild, das im Land Brandenburg seinesgleichen suchen dürfte: der weltberühmte Isenheimer Altar von Matthias Grünewald – eine Replik, versteht sich, die mehr zufällig nach Neutrebbin kam (s.u.).

Kirche Kunersdorf

Etwas verblüfft standen die Exkursionsteilnehmer schließlich in Kunersdorf vor einem in diesem Umfeld ungewöhnlichen Gotteshaus: ungewöhnlich, weil in den ersten Jahren der nicht gerade kirchenfreundlichen DDR gebaut, und ungewöhnlich in seiner interessanten Architektur als Zentralbau mit Ostturm. Der kriegsbeschädigte klassizistische Vorgängerbau war wie das Schloss abgerissen worden. Erhalten geblieben ist an der Nordmauer des Friedhofs jedoch das bedeutendste Erbbegräbnis der Mark Brandenburg für die Familie von Lestwitz-Itzenplitz mit Grabmalen von Schadow, Rauch und Tieck.

Eva Gonda

 

Kostbare Replik als Dauerleihgabe

Wie kommt der Isenheimer Altar ausgerechnet ins Oderbruch ?

Die einzige vollständige Replik des weltberühmten Werkes von Matthias Grünewald ist eine Dauerleihgabe von Marga Fischer aus dem unterfränkischen Massenbachhausen bei Heilbronn. In fast zwanzigjähriger Arbeit hatte der Maler Franz Bannholzer im Auftrag des Textilfabrikanten Alois Fischer den Bilderzyklus, um ein Drittel verkleinert, kopiert. Kurz vor der Fertigstellung des letzten Gemäldes war der Auftraggeber 2001 verstorben. Durch Vermittlung des Berliner Malers und Restaurators Erhart Wagner fand das Kunstwerk nun in der Neutrebbiner Kirche, deren Altar in den 50er Jahren ausgebaut worden war, einen angemessenen Platz.

Allerdings reichte die schon recht große Altarwand nicht aus, die sieben Einzel– und zwei Doppelbilder nebeneinander aufzunehmen. "Der Altar wurde nun aus evangelischer Sicht angeordnet", erklärt Pfarrer Hardy Enseleit. Die Gemälde mit Szenen aus dem Leben Jesu bilden den eigentlichen Altar und stehen somit für den Verlauf des Kirchenjahres. Die Darstellungen der Heiligen und der Madonna schmücken die Seitenwände.

Auf einer Tafel in der Neutrebbiner Kirche wird über die Entstehung des Isenheimer Altars informiert. Das Original befindet sich im Unterlinden-Museum im elsässischen Colmar.

 
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Der einst schönste barocke Turm erhält nun endlich eine Chance

 
IN AKUTER NOT
 
Diesmal bitten wir um
Ihre Spende für die Kirche von
 
Strehlow
 
in der Uckermark
 
Jetzt bietet sich die Möglichkeit einer umfassenden Instandsetzung.
Dorfkirche Strehlow - Bestandszeichnung 
 
ZEICHNUNGEN der Architektin Bettina Krassuski / Büro ALV: Bestandszeichnung (oben) und Planung für den Wiederaufbau (unten)
 
Dorfkirche Strehlow - Planung 

Bereits im vergangenen Jahr stellten wir unter der Rubrik "In akuter Not" die Ruine der Dorfkirche Strehlow (Uckermark) vor. Nach Kriegsende leicht beschädigt, war das Gotteshaus zur "Rohstoffgewinnung" freigegeben worden. Dachdeckung und Dachstuhl wurden abgetragen. Wie durch ein Wunder blieb der barocke hölzerne Turmaufsatz erhalten, der einst als einer der schönsten in der Uckermark galt. Allerdings drohten seit langem Bauteile herabzustürzen. Auch die Mauerkrone des Kirchenschiffes blieb bis heute ungesichert.

Jetzt endlich ist die Möglichkeit für eine umfassende Instandsetzung gegeben.

Der mittelalterliche Saalbau mit dem schiffbreiten Westturm und der gewölbten Nordsakristei entstand – wie zahlreiche weitere Feldsteinkirchen der Region – vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Portale und Lanzettfenster sind noch im ursprünglichen Zustand erhalten; an den Innenwänden sind Weihekreuze zu erkennen. Auf alten Fotos sieht man eine barocke Innenausstattung.

Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut. In dieser Zeit (1747) erhielt das Gotteshaus auch den verbretterten Turmaufsatz mit der geschwungenen Haube.

Als Gotteshaus für den kleinen Ort wird die Strehlower Kirche heute nicht mehr benötigt. Nach der Fusion sowohl der Dörfer als auch der Kirchengemeinden besuchen die wenigen Christen die Gottesdienste im nur einen Kilometer entfernten Potzlow. Trotzdem ist es wichtig, das Denkmal vor dem endgültigen Verlust zu bewahren und für die Dorfgemeinschaft wieder in Nutzung zu nehmen. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bezahlte im vergangenen Jahr ein Gutachten, um Möglichkeiten für die Sicherung des Turmes und der Außenwände des Kirchenschiffes zu finden.

Nun wird die Agrargesellschaft Potzlow mbH die Kirchenruine in ihr Eigentum übernehmen und hat bereits eine größere Summe in Planungsleistungen investiert. Ulrich Blumendeller, Geschäftsführer der Agrargesellschaft, erklärt, dass sein Betrieb keine wirtschaftlichen Interessen mit dem Kauf der Kirchenruine verfolgt. Vielmehr möchte der seit Jahren erfolgreich arbeitende Landwirtschaftsbetrieb seinen Beitrag dazu leisten, den baulichen Mittelpunkt des Dorfes wiederherzustellen sowie ein Zentrum für Begegnung und kulturellen Austausch im Dorf zu schaffen. Eine Baugenehmigung liegt bereits vor.

In Abstimmung mit der Agrargesellschaft legte Bettina Krassuski, planende und bauleitende Architektin aus Angermünde, Konzepte vor, die einen vollständigen Wiederaufbau der Strehlower Dorfkirche vorsehen. Ein Nutzungskonzept nennt an erster Stelle kirchliche Veranstaltungen, doch ist auch an eine Öffnung für kommunale, kulturelle und soziale Zwecke gedacht.

Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Ein erster, noch für dieses Jahr geplanter Bauabschnitt sieht die Sicherung und geordnete Abtragung des Turmes vor. Für das kommende Jahr ist der Wiederaufbau geplant. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat kürzlich ein Sonderkonto für Strehlow eröffnet. Auch der Förderkreis Alte Kirchen, der sich seit Jahren für die Kirchenruine einsetzt, wird sich weiterhin engagieren. Für die laufenden Notsicherungen hat der FAK 5.000 Euro zugesagt.

Robert Hacker

 

Spenden-Konto: 5199 767 005 bei der Berliner Volksbank; BLZ 100 900 00

Kennwort: Strehlow

Für Spendenbescheinigungen bitte Name und Anschrift angeben.

 
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Denkmalpflegepreis 2005 vergeben

Vier Persönlichkeiten sind in diesem Jahr mit dem brandenburgischen Denkmalpflegepreis ausgezeichnet worden.

Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis für die Restaurierung der 1491 geweihten Siechenhauskapelle und des dazu gehörigen Ensembles in Neuruppin ging an Gabriele Lettow. Mit dem zweiten Preis in Höhe von 4.000 Euro wurde der Architekt Peter Köster für die Sanierung des Ackerbürgerhauses und des Backhauses in Wusterhausen/Dosse ausgezeichnet. Ein weiterer Preis in gleicher Höhe ging an die Bauherren Volker Hübner und Christiane Oehmig für die Sanierung des "Roten Hauses" in Polßen (Uckermark).

Die restaurierte Siechenhauskapelle in Neuruppin
Foto: Hans Krag

  Siechenhauskapelle in Neuruppin
 
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Für die Bewahrung einzigartiger Instrumente

Aufruf zur Gründung einer Joachim-Wagner-Gesellschaft

Mit Instrumenten des berühmten Orgelbauers Joachim Wagner und seiner Schüler besitzen Kirchen im Land Brandenburg – und nicht nur dort – einzigartige Zeugnisse einer hochentwickelten Musikkultur. Solche Schätze bedürfen der sorgfältigen Pflege.

Vor kurzem konnte die Wagner-Orgel in Rühstädt in hervorragender Weise restauriert werden. Aus diesem Anlass sollen am 26. August des kommenden Jahres in Rühstädt ein Symposium "Der Orgelbauer Joachim Wagner" und ein Benefizkonzert stattfinden und bei dieser Gelegenheit eine Joachim-Wagner-Gesellschaft gegründet werden. Die Vereinsgründung wird von der Studienstiftung Dr. Uwe Czubatynski unterstützt. Die Joachim-Wagner-Gesellschaft wird es sich zur Aufgabe machen, die Erforschung von Leben und Werk Wagners und seiner Schüler voranzutreiben. Vor allem gilt es, die Bedeutung der noch erhaltenen Instrumente einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen. Darüber hinaus werden große Anstrengungen notwendig sein, um zahlreiche immer noch vom Verfall bedrohte Instrumente vor dem Untergang zu bewahren.

Im Laufe seines Lebens erbaute Wagner etwa fünfzig sehr individuell gestaltete Orgeln. Durch Kriege, Feuersbrünste und Unwissenheit ist ein großer Teil dieser Werke im Laufe der Zeit zerstört worden. Erhalten geblieben sind bedeutende zweimanualige Instrumente in Angermünde, Brandenburg (Dom), Treuenbrietzen (St. Marien), Trondheim (Norwegen) und Wusterhausen. Kleinere, einmanualige Werke stehen unter anderem noch in Bötzow, Schön-walde, Felchow, Pritzerbe und Sternhagen. Die durch Joachim Wagner in Brandenburg-Preußen begründete Tradition wurde fortgeführt durch seine Schüler Peter Migendt, Ernst Marx und Gottlieb Scholtze

Die Studienstiftung ruft alle Verantwortlichen - Gemeindekirchenräte, Theologen, Kirchenmusiker, Orgelbauer, Musikwissenschaftler, Denkmalpfleger, Publizisten, Kunsthistoriker, Restauratoren, Heimatforscher und Musikliebhaber - auf, aktiv an diesen Zielen mitzuwirken. Interessierte sind um baldige Rückmeldung gebeten, ebenso um Hinweise, wer noch angesprochen werden könnte.

Dr. Uwe Czubatynski,
Dorfstr. 21 in 19322 Rühstädt
Tel.: (03 87 91) 27 75
E-Mail: Uwe.Czubatynski@t-online.de

 
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Wer hilft wieder beim Ausliefern ?

Die Abrechnung der im Frühjahr ausgelieferten Hefte "Offenen Kirchen 2005" ist zwar noch längst nicht abgeschlossen; dennoch planen wir bereits das Heft für 2006 und seinen Vertrieb.

Spätestens zum 1. April soll das neue Heft gedruckt und noch vor Ostern bei den Interessenten angekommen sein.

Wieder bitten wir um freundliche Hilfe bei der Auslieferung. Nach den sehr positiven Erfahrungen diesen Jahres möchten wir erneut die gesamte Region Brandenburg nach "Planquadraten" von ca. 50 x 50 km beliefern. Das heißt: Wir fragen wieder, wer mit seinem PKW vor Ostern 2006 unsere Abnehmer in einem solchen (oder kleineren) Bereich besuchen und ihnen die Hefte 2006 bringen könnte. Allerdings können wir nicht mehr als 10 Cent pro gefahrenen Kilometer dafür vergüten.

Auch denjenigen, die sich schon im letzten Jahr beteiligt und das für das nächste Jahr bereits erneut angeboten haben, wäre ich für einen bestätigenden Anruf dankbar. Alle Fragen zu den weiteren Details dieser Aktion beantworte ich Ihnen gern. Rufen Sie mich an: (0 30) 3 75 22 44.

Arnulf Kraft

 
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Spendenbescheinigungen für 2005

Wie in den vergangenen Jahren werden wir in den ersten Wochen des Januar 2006 alle Bescheinigungen über Spenden und Beiträge versenden, die wir im Jahr 2005 erhalten haben. (Nebenbei: Damit dürfte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unter den steuerbegünstigten Vereinen im Lande wohl derjenige sein, der diese Bescheinigungen am schnellsten erstellt und verschickt.)

Allerdings bitten wir um Beachtung einer kleinen Einschränkung: Wir stellen Bescheinigungen über Spenden und Beiträge gewöhnlich erst ab einer Jahressumme von 40,- Euro aus, also nicht für Zuwendungen unterhalb dieses Betrages. Das bedeutet zum Beispiel: Alle Mitglieder, die ihren Jahresbeitrag von 40,- Euro entrichtet haben, erhalten darüber eine Spendenbescheinigung, nicht aber diejenigen, die einen ermäßigten Beitrag entrichtet haben.

Sollten Sie aus besonderen Gründen jedoch eine Bescheinigung auch über geringere Spenden bzw. Beiträge wünschen, rufen Sie bitte an: (0 30) 3 75 22 44.

Mitglieder oder Spender, die Spendenbescheinigungen zur Vorlage beim Finanzamt nun allerdings überhaupt nicht mehr benötigen oder wünschen, könnten uns ebenfalls durch einen kurzen Anruf die Arbeit leichter machen. Wir müssten dann diese Bescheinigungen gar nicht erst erstellen.

Arnulf Kraft

 
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Dank und gute Wünsche an Jean Chanel

Das Ehrenmitglied des FAK kehrte nach Frankreich zurück

Nach fast fünfzigjährigem Wirken in Deutschland ist das Ehrenmitglied unseres Vereins Jean Chanel dieser Tage in seine französische Heimat zurückgekehrt. Der kunstsinnige und kunstinteressierte Franzose, lange Zeit Lektor an der Philipps-Universität Marburg, hatte sich um die Erhaltung des architektonischen Erbes in Deutschland und darüber hinaus vielfach verdient gemacht. Er wurde 1973 erster Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen Marburg und war bis jetzt Vorstandsmitglied des Vereins, auf dessen Erfahrungen unser Brandenburger Förderkreis aufbauen konnte. Jean Chanel war 1990 an der Gründung des FAK wesentlich beteiligt, ebenso an ähnlichen Gründungen in Thüringen und Mecklenburg.

Bereits in den späten 50er Jahren hatte Chanel den Verfall und Abriss wertvollen architektonischen Erbes insbesondere im ländlichen Raum Hessens kritisch beobachtet und mit Fotos dokumentiert. In einer Zeit, als dies nur wenige taten, hatte er sich mit dem besonderen scharfen Blick des interessierten Ausländers grundsätzlich für gefährdete Gebäude, Baudenkmäler und die Volkskunst eingesetzt, was viel Zivilcourage verlangte. Mit Fotoausstellungen und Veröffentlichungen warb er für die Bewahrung dieses Erbes. Sein Bildarchiv mit Aufnahmen inzwischen verschwundener oder vom einstigen Zustand geretteter Gebäude hat heute einen unschätzbaren Wert; es sollte für die Nachwelt zugänglich gemacht werden.

Vielfältige Verbindungen knüpfte Jean Chanel auch zum Ausland. Er setzte sich wirkungsvoll für die Vorbereitung und Gründung des europäischen Verbandes für den ländlichen Raum ECOVAST ein und war mehrere Jahre Mitglied des Verbandsvorstandes. Er hat auch Anteil am Entstehen der sich für Holzkirchen engagierenden Gruppe "Kochajmy koscioly drewniane" im Polnischen Kunst– und Architekturhistoriker-Verband. Mit seinem Wirken wurde Jean Chanel ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Westen und dem Osten Europas.

Wir danken ihm für seine engagierte Arbeit und wünschen ihm für die nächsten Jahre Gesundheit und Schaffenskraft.

Angus Fowler

 
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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit November 2004 konnten wir als neue Mitglieder des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg begrüßen:

Helmut Adolf, Berlin; Prof. Dr. Elke Axmacher, Berlin; John Barr, Berlin; Dr. Brigitte Bleibaum, Berlin; Dr. Detlef Bruhn, Berlin; Lutz Dietrich, Falkensee; Helmut Franken, Berlin; Bernd Friedrich, Berlin; Dorothea Glös, Angermünde; Margarete Glunz, Wölsickendorf; Torsten Goetz, Lübeck; Heide Gollert-Franken, Berlin; Claudia Gomm-Ernsting, Berlin; Boris Guradze, Berlin; Sonja Hahn, Garitz; Klaus-Peter Heinecke, Berlin; Boris Hohmeyer, Berlin; Ursula Hollop, Berlin; Kristin Holz, Berlin; Arnulf Hülsmann, Angermünde; Barbara Jäger, Berlin; Eberhard Klamroth, Neukappel; Dipl.-Ing. Axel Krause, Berlin; Dr. Wolfgang Marsch, Berlin; Ulrich Nickmann, Breddin; Siegfried und Gisela Ohnewald, Berlin; Sabine Prüfer, Schulzendorf; Pfr. Norbert Rauer, Potsdam; Manfred Richter, Groß-Zimmern; Gundhild Riedel, Berlin; Dr. Volkhard Schindler, Arnsberg/Sauerland; MR PD Dr. med. Wilfrid Seifart, Bernau; Krafft R. von Rigal, Voerde-Löhnen; Harald Wellstein, Viechtach; Ulrich Zimmer, Berlin.

Als korporative Mitglieder traten dem FAK bei:

"Dorfkirche Glienicke" e.V.; Förderverein Dahmsdorf e.V., Reichenwalde; Förderverein Dorfkirche Märkisch Wilmersdorf, Christinendorf; Förderverein Dorfkirche Ruhlsdorf; Förderverein Wüste Kirche Arendsee; Kirchbauverein der Kirche zu Kroppen; Theater in der Kirche e.V., Küstriner Vorland.

In diesem Zusammenhang wiederholen wir gern unser Angebot an neue Mitglieder: Wenn Sie unsere Jahreshefte "Offene Kirchen" der Jahrgänge 2000 bis 2005 noch nicht haben bzw. daran interessiert sind, schicken wir Ihnen diese gern noch zu. Rufen Sie dann an: (0 30) 3 75 22 44 (Arnulf Kraft).

 
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BÜCHERSEITE

Zur Geschichte der Denkmalpflege

Zum 100. Jubiläum des ersten "Handbuches der deutschen Kunstdenkmäler" von Georg Dehio war im Sommer eine repräsentative Ausstellung über Geschichte und Gegenwart der deutschen Denkmalpflege zu besichtigen. Ort der Präsentation war das Dresdener Residenzschloss, an dem seit Jahren umfangreiche Arbeiten zur Restaurierung (und Rekonstruktion) im Gange sind. Gleich in einem der ersten Ausstellungsräume stieß der Betrachter auf den groß an die Wand geschriebenen Leitspruch Dehios: "Konservieren, nicht restaurieren!" – Auch angesichts der Presse- und Fernsehberichte zur Einweihung des Neubaus der Dresdner Frauenkirche stellt sich natürlich die Frage: Wie geht das zusammen?

Im hervorragenden Begleitband der Ausstellung zitiert Prof. Manfred Fischer, der ehemalige Chef der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger Deutschlands, in seinem Beitrag "Das Original und seine Rekonstruktion. Ist Geschichte wiederholbar?" einen großen alten Griechen.; bei Plutarch heißt es: "Das Schiff, auf dem Theseus mit den jungen Menschen ausfuhr und glücklich heimkehrte, den Dreißigruderer, haben die Athener bis zu den Zeiten des Demetrios von Phaleron aufbewahrt, indem sie immer das alte Holz entfernten und neues, festes einzogen und einbauten, derart, dass das Schiff den Philosophen als Beispiel für das vielumstrittene Problem des Wachstums diente, indem die einen sagten, es bleibe dasselbe, die anderen das verneinten."

Schon jetzt ist das Buch ein Standardwerk zur Geschichte der Denkmalpflege. In Zeiten, in denen die Denkmalpflege erneut auf dem Prüfstand steht, über ihre Privatisierung oder ästhetischen Maßstäbe gestritten wird, schaut es auch nach vorn und stellt Fragen. Zum Beispiel: Inwieweit lässt sich an die heutige Denkmalpflege überhaupt noch der Maßstab ihres großen Vordenkers anlegen?

ZeitSchichten. Erkennen und Erhalten – Denkmalpflege in Deutschland.
Deutscher Kunstverlag München, Berlin 2005;
ISBN 3-422-06497-4;
34,90 € im Buchhandel


25 Kirchbautage dokumentiert

Rechtzeitig zur Jubiläumstagung in Stuttgart liegt jetzt eine Publikation vor, die die Geschichte der 25 Evangelischen Kirchbautage der Nachkriegszeit dokumentiert. Nach der Veranstaltung 1946 in Hannover war der Evangelische Kirchbautag als ständige Einrichtung der EKU 1949 durch den Architekten Otto Bartning ins Leben gerufen worden.

Natürlich ging es damals in erster Linie um den Wiederaufbau kriegszerstörter Kirchengebäude und um die Errichtung von Notkirchen für Menschen, die christlichen Zuspruch und Orientierung bitter nötig hatten. Ein in dieser schweren Zeit geschriebener Satz klingt aktuell wie von heute: "Nicht das Alte schützt die Denkmalpflege, sondern Werte, und zwar nicht Werte von gestern, sondern all das, was uns heute wertvoll ist und von dem wir wissen, dass es auch unseren Kindern und Enkeln unentbehrlich sein wird."

In den Zeiten der Teilung Deutschlands verlor der Kirchbautag nie den Kontakt zu den Gliedkirchen in der DDR und so ist vielerorts auch die Situation des Kirchenbaus im Osten Deutschlands präsent, bis hin zu einem zeitgenössischen Bericht des damaligen Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe über das Sonderbauprogramm, in dessen Rahmen es seit 1973 möglich war, "dringende Bau- und Erhaltungsarbeiten an Kirchen, die einen besonders hohen Wert als Baudenkmal aufweisen, mit Hilfe westlicher Währungen ... durchführen zu können".

Nach der Wiedervereinigung beherrscht natürlich auch das Thema der Erhaltung und Instandsetzung der zahlreichen gefährdeten Kirchen in den neuen Bundesländern die Diskussion auf den Evangelischen Kirchbautagen.

Bürgel, Rainer; Nohr, Andreas: Spuren hinterlassen... 25 Kirchbautage seit 1946;
Medien Kontor Hamburg 2005;
ISBN 3-934417-12-4; 24,80 €


Ritter-Spuren

Templer, Johanniter, Deutscher Orden – welche Spuren hinterließen die Ritterorden in Brandenburg? Dass die heute zu Berlin gehörenden Dörfer Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde einst Besitz des Templerordens waren, ist vielen bekannt, über Hintergründe berichtete bisher jedoch hauptsächlich die Fachliteratur. Jan Feustel macht dieses Thema nun einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Auch die Komturei Lietzen geht auf die "Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel" zurück. Die Ausstattung mit Landbesitz stiftete Heinrich der Bärtige, Herzog des zum polnischen Staatsverbund gehörenden Schlesien. Brandenburgisch wurde Lietzen 1287, als das Bistum Lebus an die Askanier kam. Nach der erzwungenen Auflösung des Templerordens zogen in Lietzen die Johanniter ein. Diese blieben auch nach der Reformation; der Orden trat relativ problemlos zum protestantischen Glauben über. Erst 1811 wurde die Komturei säkularisiert.

Noch länger konnten sich die Johanniter im neumärkischen Sonnenburg (heute Slonsk) halten. Erst 1925 wurde hier der letzte Ritter ernannt. In den Fenstern der Kirche erinnern noch heute 92 Wappenfelder an im Ersten Weltkrieg gefallene Ordensbrüder.

Jan Feustel: Mit dem Kreuz auf der Rüstung. Ordensritter in Brandenburg.
Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2005;
ISBN 3-930388-16-2; 9,80 €.

 
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Informationen

Freude in Mesendorf

Aus Mesendorf in der Prignitz erreichte uns ein Dankesbrief von Gemeindediakonin Claudia Rau.

Für die Sanierung der Dorfkirche hatten die Gemeindeglieder und Spender seit 1998 zusammengelegt und die Summe von rund 25 000 Euro aufgebracht; eine Förderung von offizieller Seite hatte es nicht gegeben. "Dieser Brief soll Anteil geben an der Freude dieses Geschehens und ein Dank für Ihr Mitwirken sein", schreibt Claudia Rau und nimmt Bezug auf eine Spende, mit der der FAK 1999 den Mesendorfern Mut zu diesem umfangreichen Projekt machen wollte. Der damals zuständigen Pfarrerin Astrid Eichler war die nachhaltige Sicherung der Kirche ein besonderes Anliegen gewesen. Sie war dann auch eingeladen, den Festgottesdienst zu leiten, mit dem die Gemeinde den Abschluss der Sanierung feierte.— Wir gratulieren und freuen uns, einen - wenn auch kleinen - Anteil daran zu haben.

ANGERMÜNDE: Fenster in alter Pracht

Vollständig restauriert wurden die Fenster in Längsschiff und Chor der Stadtkirche St. Marien in Angermünde. Die aus Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Kirchengeldern, der KIBA-Stiftung und der Städtebauförderung möglich gewordene Restaurierung umfasste 120 000 Euro. Alle Einzelteile wurden komplett ausgebaut, auf Pausen gezeichnet, Blei- und Glasstücke gereinigt, ergänzt und wieder eingesetzt. Zu den Besonderheiten zählt ein so genanntes Scherbenfenster im Längsschiff. Angermünder Bürger hatten die im Krieg zersprungenen Reste der Verglasung als Mahnung in loser Form zusammenfügen lassen. Bei der Restaurierung blieb dieses Stück jüngerer Geschichte erhalten.

 
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