Was uns bewegt — der Vorstand berichtet

Warum es bei der Rettung von Kirchen kein "entweder - oder" gibt

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland hat "Die Dorfkirche" zum Kulturdenkmal des Jahres 2005 erklärt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wirbt mit der Aktion "Rettet unsere Kirchen" deutschlandweit Spenden für kirchliche Baudenkmäler ein. Im vergangenen Jahr hat die brandenburgische Landesregierung den Ausfall der Bundesmittel aus dem gestrichenen "Dach und Fach"-Programm mit EU-Mitteln aus dem Landwirtschaftsministerium kompensiert und die Instandsetzung von über 30 gefährdeten Dorfkirchen im Land ermöglicht. Trotz drückender Schulden hat der Landkreis Uckermark seine finanziellen Zuwendungen für 2005 kräftig erhöht.

Lauter positive Meldungen. – Ist also die Gefahr, dass "Die Dorfkirche" irgendwann in die Liste der bedrohten Arten aufgenommen werden muss, gebannt?

Die Hilferufe an den Förderkreis Alte Kirchen nehmen eher zu. Einige Dorfkirchen sind bereits zum Verkauf ausgeschrieben. Immer noch gibt es nicht wenige Kirchengebäude, die auf Grund ihrer baulichen Situation und / oder mangels Gemeinde nicht genutzt werden können. – Sollten wir also doch weiter Alarm schlagen?

Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für das bauliche und kulturelle Erbe, das von den schrumpfenden Kirchengemeinden allein nicht erhalten werden kann, wird inzwischen kaum noch bestritten. Für viele Sakralbauten stellt sich jedoch, bevor man über die Finanzierung von Baumaßnahmen nachdenkt, die Frage nach einer künftigen Nutzung. Ist es gerechtfertigt, für die Dachsanierung einer Kirche, die alle vier Wochen nur drei, vier Gottesdienstbesucher zählt, viel Geld auszugeben?

Diese Frage wird vielerorts durch lokale Fördervereine beantwortet, in denen sich Christen und Nichtchristen gemeinsam um ihre Kirche, um ein Stück Heimat in der immer unübersichtlicher werdenden Welt kümmern. Kulturveranstaltungen und Dorffeste mit der Kirche als wiederentdecktem Mittelpunkt werden organisiert. Bei Arbeitseinsätzen packt oft das ganze Dorf mit an. Auch für Menschen, die die christliche Religion in einer seit mehreren Generationen säkularisierten Umwelt gar nicht kennen gelernt haben, besitzen Kirchen oft eine besondere Aura, die es als Chance zur Bewahrung christlichen Kulturgutes zu nutzen gilt.

Fast im Wochenrhythmus unterstützte der Förderkreis Alte Kirchen in der letzten Zeit wieder die Gründung neuer Fördervereine. Diese Initiativen sind sich einig darin, dass die gottesdienstliche Nutzung ihres Gebäudes erhalten bleiben und auch weiterhin an erster Stelle stehen soll. Alle weiteren Nutzungsmöglichkeiten haben die Würde des Raumes zu achten, tragen aber dazu bei, diesen Raum instand zu setzen und zu erhalten.

Trotz der oben genannten Erfolgsmeldungen gibt es noch zahlreiche Dorfkirchen, um deren Bestand man sich Sorgen machen muss. Zumeist stehen sie in recht kleinen Dörfern und in Regionen, die sich wirtschaftlich und sozial auf dem absteigenden Ast befinden. Gerade dort das wichtigste Gebäude des Ortes zu bewahren, kann auch ein Stück Hoffnung sein.

Mehrfach wurden wir gefragt: "Ich habe doch schon für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gespendet. Warum soll ich auch noch Geld für den Förderkreis Alte Kirchen geben?" Wir stehen in keinerlei Konkurrenz zur DSD, konnten in mehreren Fällen auch gemeinsam zur Rettung gefährdeter Kirchen beitragen. Ohne die Stiftung würde die Denkmallandschaft in Brandenburg wesentlich trauriger aussehen. Im Vergleich zu ihr hat der Förderkreis Alte Kirchen jedoch die Möglichkeit, "näher dran" zu sein, das soziale Umfeld für Sanierungen zu schaffen, die vielfältigen Initiativen vor Ort zu begleiten und zu unterstützen. Die Frage, wem Sie Ihre Spende zukommen lassen, ist also nicht mit einem "entweder – oder" zu beantworten. Unterstützen Sie bitte weiterhin das segensreiche Wirken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und unterstützen Sie auch in Zukunft die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Bernd Janowski

 
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Rückschau und Dank an alle hilfreichen Wegbegleiter

Der Förderkreis Alte Kirchen begeht sein 15 - jähriges Bestehen

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hält in diesen Tagen Rückschau auf 15 Jahre seiner Arbeit.

Am 3. Mai 1990 trafen sich etwa vierzig Fachleute und interessierte Laien im damaligen "Club der Kulturschaffenden" in der Jägerstraße in Berlin-Mitte, um einen Verein ins Leben zu rufen, der sich unter dem Motto "Retten – Erhalten – Nutzen" für die Instandsetzung gefährdeter Dorfkirchen im Land Brandenburg engagiert. Der desolate Zustand vieler alter Gotteshäuser nach Kriegszerstörungen und 40-jähriger Vernachlässigung in der Region verlangte nach schneller Hilfe, um die gefährdete Bausubstanz vor dem endgültigen Verfall zu retten.

Seitdem hat der FAK Höhen und Tiefen erlebt und kann im Laufe der Zeit auf einige stolze Erfolge zurückschauen.

Die Aufgaben werden in der Zukunft sicher noch wachsen – trotzdem möchten wir kurz innehalten und uns bei unseren Mitgliedern und Freunden, bei Spendern und Sponsoren, befreundeten Vereinen, bei Dienststellen und Institutionen für die gute Zusammenarbeit während der vergangenen fünfzehn Jahre bedanken.

 

15 Jahre jung und doch schon manches bewegt

Festveranstaltung des Förderkreises Alte Kirchen - Partner und Wegbegleiter gratulieren

 FESTVERANSTALTUNG 15 Jahre Förderkreis
FESTVERANSTALTUNG 15 Jahre Förderkreis
Foto: Joachim Tost

15 Jahre sind keine große Zeitspanne und gar gemessen am ehrwürdigen Alter unserer Kirchengebäude gerade so viel wie ein Wimpernschlag. Und doch hat sich in den vergangenen 15 Jahren auch für viele dieser alten Kirchen so manches bewegt.

Auf der Festveranstaltung zum 15-jährigen Bestehen des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wurde Rückschau gehalten auf schwierigen Beginn und sichtbare Ergebnisse, auf in anderthalb Jahrzehnten gewachsene Zusammenarbeit mit Partnern und Wegbegleitern.

Angus Fowler konnte als Vorsitzender des FAK Berlin-Brandenburg und langjähriger Vorsitzender des Marburger Förderkreises, der früh als "Pate" Hilfestellung gab, auf erste behutsame deutsch-deutsche Kontakte von Denkmalpflegern noch zu DDR-Zeiten verweisen. Am Beispiel vieler Etappen rief er den Weg in Erinnerung, den der Förderkreis seit seiner Gründung gleich nach der Wende genommen hat und der schließlich dazu führte, dass der FAK heute als kompetenter Partner bei der Rettung gefährdeter Kirchen hohes Ansehen genießt.

Dass dem nicht immer so war, gab Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Leiter des Kirchlichen Bauamtes, in seinem Grußwort zu. Auch die wieder zusammengeführte Kirche Berlin-Brandenburg hatte mit der überkommenen Zuständigkeit für die vielen desolaten Kirchen im ländlichen Raum Probleme. Eine Vernetzung der Pläne deren, die von Amts wegen für die Kirchengebäude Verantwortung tragen, und den Anliegen des wachsenden bürgerschaftlichen Engagements konnte nur allmählich erfolgen. Heute leiste der Förderkreis insbesondere mit der Motivierung der Menschen vor Ort und der Förderung ihrer Aktivitäten eine segensreiche Arbeit, die keine kirchliche oder staatliche Institution so erbringen könne.

Auch Liebgard Schiemann vom brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur würdigte das Engagement des FAK und der örtlichen Fördervereine, das in der Zeit der knappen Kassen gar nicht hoch genug einzuschätzen sei. Immerhin habe die brandenburgische Landesregierung den Ausfall der Bundesmittelaus dem gestrichenen Dach-und-Fach-Programm im Vorjahr kompensieren können und werde auch 2005 Mittel bereitstellen; das Geld reiche aber bei weitem nicht, um alle Förderanträge zu berücksichtigen. Um so höher anzuerkennen sei das Einwerben von Fördergeldern und Spenden, wie es nur gemeinnützigen Vereinen möglich ist. Der Förderkreis Alte Kirchen sei ein unerlässliches Bindeglied all dieser Partner.

Die Grüße der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überbrachte Dr. Peter Schabe. Für die Stiftung habe sich der Förderkreis zu einem Partner "in Augenhöhe" entwickelt. Während die Stiftung ihre Mittel und Möglichkeiten konzentriert einsetzt, gehe der FAK in den Regionen andere Wege; wichtig seien auch seine Bemühungen um Nutzungskonzeptionen und seine gute Medienarbeit, die das Anliegen des Denkmalschutzes in die Öffentlichkeit trage. Bei vielen einzelnen Projekten habe sich bereits eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und dem Förderkreis bewährt und sollte auch weiterhin zu beiderseitigem Nutzen gepflegt werden.

Aus den Erfahrungen der ganz praktischen Arbeit vor Ort sprach die Architektin Bärbel Kannenberg aus Wittstock. So ergehe es oft einsatzfreudigen Dorfbewohnern, die ihre Kirche retten wollen: Erster Weg zum Gemeindekirchenrat - Ratlosigkeit, kaum noch vorhandenen Gemeindeglieder. Zweiter Weg zu staatlichen Ämtern - wenig Hoffnung, da kein Geld. Dritter Weg zum Förderkreis - auch kein Geld, aber offene Ohren, kompetenter Rat, Vermittlung von Erfahrungen Gleichgesinnter. "Da fasst man wieder Mut, und den braucht man hier vor allem." Bei der Sanierung einer Kirche gehe es auch um die Sanierung der oft abhanden gekommenen Gemeinschaft, um Wiederbelebung von Geschichtsbewusstsein, um die Identifizierung der Menschen mit ihrer Region.

Dieses bürgerliche Engagement zu fördern, denen Mut zu machen und Hilfe zu bieten, die in manchmal aussichtslos scheinenden Situationen beharrlich ans Werk gehen, das werde auch in Zukunft die Hauptaufgabe des Förderkreises Alte Kirchen sein, betonte Geschäftsführer Bernd Janowski mit seinem Ausblick auf die weitere Arbeit. Wie hatte Bärbel Kannenberg doch gesagt: "Der Förderkreis ist unser überregionales Dach, damit wir nicht im Regen stehen."

Einen festlichen musikalischen Rahmen ganz eigener Art hatte Sohyun Sung aus Korea geboten. Auf ihrem Barock-Cello spielte sie Werke von Bach und Gabrielli. Ihr sei herzlicher Dank gesagt, ebenso den Mitarbeitern des Umweltzentrums Auferstehungskirche, das an diesem Tag für beide Veranstaltungen des FAK zur Verfügung stand.

Eva Gonda

 
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Viele gute Ideen und Anregungen, über die weiter nachzudenken ist

Notizen von der Jahreshauptversammlung 2005 des Förderkreises

Diese Mitgliederversammlung dürfte dem Förderkreis gut getan haben. Da wurde im Bericht des Vorstandes und im Finanzbericht ein solides Fundament deutlich, das Voraussetzung für weitere erfolgreiche Arbeit ist. Da gab es eine Fülle von Anregungen aus dem Kreis der Mitglieder in der lebhaften Aussprache, die durchaus kontrovers geführt wurde. Vieles konnte längst nicht ausdiskutiert werden, wird aber befruchtend in künftige Überlegungen einfließen.

Der Schatzmeister musste sich fast entschuldigen, dass er noch in der Novemberausgabe "Alte Kirchen" einen sehr sorgenvollen Blick auf die Finanzlage des Vereins geworfen hatte. Mit gesteigerten Einnahmen, die satzungsgemäß nicht auf die hohe Kante gelegt sondern wohl durchdacht dem gemeinnützigen Zweck zuflossen, mit unter zehn Prozent Verwaltungskosten und mit der Tatsache, dass der Verein trotz weggefallener Zuschüsse finanziell auf eigenen Füßen steht, kann sich der FAK in dieser Zeit der allgemeinen Geldknappheit sehen lassen. Was keinesfalls heißt, dass die Zukunft ohne Probleme ist. Keine Probleme hatten die Anwesenden dagegen damit, nach den positiven Berichten den Vorstand zu entlasten.

Wie in der Jahrshauptversammlung des Vorjahres angeregt, war der Aussprache diesmal mehr Raum gegeben worden, und die Mitglieder nutzten diese Möglichkeit. Es gab Zustimmung und Beifall für die Erfolge, aber auch manche kritische Anfragen.

Eine galt dem Beschluss des Vorstandes, die Rettung des Pfarrhauses in Groß Döbbern zu unterstützen. Sollten wir uns nicht auf die Kirchengebäude beschränken, wie es der Name des Förderkreises besagt? Andererseits bezieht die Satzung auch die "ortsbildprägende Umgebung" der Kirchen mit ein. Dazu kommt, dass das akut einsturzgefährdete Pfarrhaus Groß Döbbern ein ganz besonderes Baudenkmal ist. Eine generelle Klärung war an diesem Tag nicht möglich. Mit ähnlicher Problematik aber wird es der FAK künftig sicher noch öfter zu tun bekommen. Es wird dann in jedem Einzelfall sehr sorgfältig abzuwägen sein.

"Kirchen sind weithin sichtbare Orientierungspunkte, die das Gesicht eines Ortes prägen." So schreibt Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Geleitwort unseres Heftes "Offene Kirchen 2005". Wenn wichtiger Orientierungspunkt, dann vor allem der Kirchturm, meinte der Vorsitzende des Fördervereins Groß Lüben in der Prignitz, der den bei Sturm zerstörten Turm der ansonsten intakten Kirche wiederaufbauen will und teilweise auf Zweifel an der Notwendigkeit stößt.

Die Aktion "Offene Kirchen" hat inzwischen viele Besucher auch in abgelegene Dorfkirchen geführt. Oft fehlt es dort an Informationsmaterial über das Gebäude, über mögliche Aktivitäten eines unterstützungswürdigen Fördervereins. Eine Anregung: Der Förderkreis hilft bei der Erarbeitung von Faltblättern für einzelne Kirchen, eventuell auch eines Grundmusters für alle, vermittelt eine kostengünstige Herstellung. Auch hier geteilte Meinungen. In Einzelfällen hatte der FAK bereits bei der Erarbeitung solcher Faltblätter geholfen. Wie sich weiterreichende Unterstützung gestalten könnte, muss weiterhin überdacht werden.

Es blieb also vieles, was noch zu diskutieren lohnt. Wer diesen Gedankenaustausch fortsetzen möchte, hat dazu übrigens immer Gelegenheit in unserem Mitteilungsblatt "Alte Kirchen" oder über unsere Homepage bzw. E-Mail-Adresse.

Wegen des Ausscheidens von Juergen Vetter aus dem Vorstand war unser Mitglied Marianne Fiedler in den Vorstand kooptiert worden und leistete dort bereits eine engagierte Arbeit. Die Mitgliederversammlung wählte sie nun einstimmig in den Vorstand.

Zu Beginn der Versammlung hatten die Teilnehmer der in den vergangenen Monaten Verstorbenen gedacht: der Mitglieder Gisela Opitz, Rainald Stocek und Knud Koebler sowie Frau Flora Mennie, England, der als großzügiger Spenderin Dank gebührt.

Eva Gonda

 
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Spitzhacke und Druckerschwärze

Ein ganz persönlicher Rückblick

Als ich kurz nach der Wende von der Gründung eines Vereins hörte, dem es um die Rettung der alten brandenburgischen Dorfkirchen ging, wollte ich dabei sein. Ich hatte viele der kleinen Gotteshäuser vor Augen, die nach Kriegszerstörungen und 40-jährigen Vernachlässigungen oft nur noch Ruinen waren. Und ich erinnerte mich der Trümmerfelder im Nachkriegs-Berlin, wo wir mit Spitzhacke und Picke Steine abklopften und die erhaltenen für den Wiederaufbau stapelten. Ich wollte den Kirchentrümmern im Sinne des Wiederaufbaus zu Leibe rücken. Was wusste ich damals von der Kostbarkeit handgestrichener Biberschwänze, von Formsteinen oder gar historischen Putzen...

Ich traf auf eine kleine Gruppe von Enthusiasten unterschiedlichster Herkunft: Experten mit akademischem Wissen um Kunstgeschichte und Baukunst, Praktiker mit langjähriger Erfahrung, aber auch Laien auf diesem Gebiet wie ich, die "nur" ihren guten Willen mitbrachten. Wir alle wussten genau, was wir wollten. Nur wie anfangen, das wusste keiner.

Ich sehe uns noch in Kirchenruinen mit Zollstock, Messlatten und Schreibblöcken hantieren, um Schadensbestände aufzunehmen. Aber das mit dem Messen war etwas vermessen. Dafür reichten unsere Kräfte nicht aus.

Für diejenigen unter uns, die in der DDR gelebt hatten, war schon mal das geltende Vereinsrecht ein Buch mit sieben Siegeln. So war die Hilfe, die der Marburger Förderkreis Alte Kirchen anbot, hochwillkommen. Unser "Pate" brachte nicht nur seine jahrelangen Erfahrungen ein, er machte auch neuen Mut, als wir einmal kurz vorm Aufgeben waren.

Schließlich ging es dann doch voran. Die Ziele des Vereins hatten sich herumgesprochen, neue Mitglieder gesellten sich dazu, und mancher fand im Mitarbeiten zu seiner "Spezialstrecke", die seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprach.

Ich hatte längst stillschweigend die Steinpicke vergraben und mich meines eigentlichen Metiers, des Journalismus, entsonnen. Das erste Mitteilungsblatt bestand aus einem einzigen Bogen DIN A 4, in Schwarz-Weiß-Kopie vervielfältigt, zweifach handgefaltet, versandt in handbeschrifteten Briefumschlägen. Diese Erstausgabe wirkt im Vergleich zu den heutigen gedruckten Mitteilungsblättern "Alte Kirchen" wahrlich etwas ärmlich. Und dass der Verein einmal eine Jahresbroschüre in Farbdruck mit vieltausendfacher Auflage herausgeben würde, daran war damals überhaupt nicht zu denken. Nur ein bisschen geträumt hatte ich hin und wieder doch davon...

Wenn der Anfang vor 15 Jahren auch voller Stolpersteine war, so war es doch eine Zeit des Aufbruchs und der Euphorie, in der Spenden für den Wiederaufbau von Kirchen schneller flossen. Inzwischen wurden Sponsoren rar, staatliche Fördermittel gekappt. Um so mehr Gewicht hatte nun bürgerschaftliches Engagement gewonnen. Und um so größer waren die Anforderungen an unseren Förderkreis geworden. In den vergangenen Jahren hat der FAK viele örtliche Vereinsgründungen initiiert und begleitet, konnte dank eines gut geknüpften Netzes von Kontakten den mutigen Kirchenrettern vor Ort in Finanzierungs-, Organisations– und Baufragen beratend zur Seite stehen.

Jeder von uns, der sich aktiv für die Vereinsziele einsetzt, hat in den vergangenen 15 Jahren wohl eine ganze Menge dazugelernt. Aus der kleinen Gruppe, die anfangs selbst noch etwas ratlos war, ist ein Kreis von Förderern erwachsen, deren guter Rat mittlerweile im Lande gefragt ist. Deutlich wird das an den immer zahlreicher werdenden Anfragen, an den gewachsenen Aufgaben insgesamt, die auf den unterschiedlichen Gebieten der Vereinsarbeit zu bewältigen sind. Und so mancher, der sich etwa als Bereicherung seines Ruhestandslebens für ein überschaubares Ehrenamt entschieden hatte, sieht sich unversehens in einem Ganztagsgeschäft, das an Stress vorangegangene Berufszeiten in den Schatten stellt.

Wenn ich jetzt nach 15 Jahren in die nächste Zukunft schaue, in der die Arbeit sicher nicht geringer wird, dann wünsche ich mir vor allem, dass sich noch weitere aktive Freunde finden, auf deren Schultern sich ein wenig von dieser selbstgewählten Last, die ja eigentlich eine Lust sein sollte, verteilen lässt.

Eva Gonda

 
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Unter einem guten Stern

Küstrinchens Kirchturm ist wieder bekrönt

 Der Stern von Küstrinchen
Der Stern von Küstrinchenauf dem Weg zu seinem alten Platz auf der Turmspitze
Spitzenakrobatik in luftiger Höhe
Spitzenakrobatik in luftiger Höhe
Die Dokumentenkassette wird verlötet Der Weg nach oben
 
Pfarrer Stechbart übergibt die Dokumente
Der Weg nach oben (o.) - Die Dokumentenkassette wird verlötet (o. l.) - Pfarrer Stechbart übergibt die Dokumente (u. l.)

Ein guter Stern steht über Küstrinchen. Am Ostersonntag ist er aufgegangen. Und mit ihm zogen wieder die goldene Kugel und die Wetterfahne auf die Turmspitze der alten Dorfkirche bei Lychen.

Es war schon ein abenteuerlicher Balanceakt, den Zimmerermeister Hartmut Rauter und Metallrestaurator Thomas Heyde da hoch oben vollzogen, während die vielen Festgäste unten den Atem anhielten. Zuvor aber war in die Kugel vor aller Augen feierlich eine Dokumentenkassette versenkt worden: mit den aktuellen Bauplänen und Fotos, mit Zeitungsausschnitten und Münzen, mit Grußschreiben und Würdigungen der vielen Helfer, die in den vergangenen Jahren zur Rettung des Kirchleins beitrugen.

Pfarrer Gerhard Stechbart hatte ihnen im österlichen Festgottesdienst herzlichen Dank gesagt, unter anderen der Familie von Stockhausen für großzügige Spenden, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland, der Stiftung Maßwerk und nicht zuletzt den Mitgliedern des Fördervereins Dorfkirche Küstrinchen und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der die Arbeiten zur Rettung der Kirche von Beginn an mit Rat und Spenden begleitete, in diesem Jahr den Bauabschnitt Turmsanierung organisierte und die Restaurierung der Bekrönung finanzierte. Bis heute unterstützte der FAK die Instandsetzung der Dorfkirche mit mehr als 25.000 Euro. Möglich wurde dies durch die Spenden unserer Mitglieder und Freunde, denen wir an dieser Stelle herzlich danken wollen.

Weithin sichtbar kündet nun die golden schimmernde Turmbekrönung davon, dass hier ein Kleinod gerettet wurde, auch wenn es vor Ort noch sehr viel zu tun gibt. Mögen auch die weiteren Bemühungen um den Wiederaufbau des Kirchleins unter einem guten Stern stehen.

Eva Gonda

 

87.000 Mauersteine und acht alte Hühner

Zu den Dokumenten, die für spätere Generationen in der Turmkugel deponiert wurden, gehörte auch eine Kopie der Baurechnung von 1747, die im Potsdamer Landesarchiv aufgespürt worden war. Exakt aufgelistet sind die "Kos-ten welche von des Königl. Preuß. Würckl. Herrn Beheimten (?) - Etats- und Krieges-Ministri von Arnim Excellence und Hochwürden der Gnädigen Herrschaft, bey der von Grund ganz neu erbauten massiven Kirchen zu Cüstrinchen mildest (?) seynd verwandt worden": Das reicht von den 87.000 Mauersteinen bis zum kleinsten Nagel und schlug mit 1.503 Reichstalern zu Buche.

Schließlich ließ man sich auch die Einweihungsfeier Pfingsten 1747 einiges kosten. Auf dieser Rechnung stehen u. a. 50 Pfund Rindfleisch, ein Kalb, zwei Schweine-Schinken, neun Pfund feines Schweinefleisch für Würste, 18 Pfund Butter, zwei Tonnen Bier, Fische. Krebse und achte alte (!!!) Hühner.

Ganz so üppig war der Tisch für die Festgäste am Ostersonntag 2005 nicht gedeckt, dafür aber sehr liebevoll mit Selbstgebackenem und an diesem kalten Tag besonders willkommenen heißen Getränken. Allen denen, die da mitgeholfen haben, ebenso heißen Dank.

Ein besonderer Dank ist auch dem Chor der Uckermärkischen Musik– und Kunstschule Angermünde zu sagen, der unter der Leitung von Dorothea Glös den Festgottesdienst mitgestaltete.

 
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Im Schatten der jüngeren Nachbarin

 
IN AKUTER NOT
 
Diesmal bitten wir um
 
Ihre Spende für die Kirche von
Pernitz
 
Ein mutiger Förderverein fängt bei Null an.
Dorfkirche von Pernitz 
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Dorfkirche von Pernitz - Altar
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Bei flüchtigem Hinsehen erscheint die Kirche von Pernitz recht unscheinbar. Auf dem ehemaligen Kirchhof des zu Golzow eingemeindeten Dorfes gelegen, erinnert sie zunächst an eine größere Friedhofskapelle. Hinter der unscheinbaren, mit Efeu bewachsenen, roten Klinkerfassade verbirgt sich jedoch ein Fachwerkbau von 1699. Erst bei einer Renovierung im Jahr 1860 wurde die Kirche im Stile der Zeit in Backstein ummantelt.

Vollends überrascht ist der Besucher, wenn er durch das Westportal in den stimmungsvollen Innenraum des Kirchleins getreten ist. Ein wunderschöner Altaraufsatz von 1689 zeigt zwischen geschnitzten Wangen zwei Gemälde der Geburt Christi und des Abendmahls. Rechts davon, an der Nordwand, steht die hölzerne Kanzel, in deren von zierlichen Säulen flankierten Feldern die Evangelisten dargestellt sind. Etwa aus der selben Zeit stammt auch der Prospekt der Brüstungsorgel auf der Westempore. Das später eingebaute Orgelwerk der Firma Schuke ist heute leider nicht mehr spielbar.

Die Ausstattung, die wie für die Pernitzer Kirche geschaffen scheint, kam erst 1752 hierher. Friedrich Wilhelm von Rochow, Patron des kleinen Landstädtchens Golzow ließ dort eine neue Kirche errichten. Auf einem künstlichen Hügel schuf der Berliner Baumeister einen achteckigen barocken Zentralbau mit Zeltdach und Schweiflaterne, deren Innenraum heute noch weitgehend in der Fassung der Bauzeit erhalten ist. Das Inventar des Golzower Vorgängerbaus kam nach Pernitz.

Heute sind die beiden Orte nicht nur auf kommunaler Ebene fusioniert, sie bilden auch eine gemeinsame Kirchengemeinde. Und weil in den letzten Jahren viel Geld in die Restaurierung des Golzower Gotteshauses geflossen ist, blieb für das Pernitzer Kirchlein nicht viel übrig.

Die Dachhaut erscheint als Mustersammlung aller möglichen Dachsteine aus den letzten drei Jahrhunderten. Wenn etwas zu flicken war, wurde verwendet, was anderswo übrig geblieben war. Ein Schornstein auf der Nordseite wird nicht mehr gebraucht; der zugehörige Ofen ist längst abgebrochen. Holzschädlinge haben sich durch sämtliche Holzteile genagt; der Dachstuhl und die Verbretterung des kleinen Dachturms müssen dringend erneuert werden. Dass sich auch frühere Generationen mit einfachsten Mittel zu helfen wussten, zeigt ein Stück Eisenbahnschiene, dass im Innenraum zwecks Stabilisierung maroder Teile in die Fachwerkkonstruktion eingemauert wurde.

Ein erstes Gutachten weist Kosten in Höhe von ca. 60.000 Euro auf, die für eine grundlegende Instandsetzung notwendig sind. Obwohl die Kirchengemeinde seit längerer Zeit Spenden sammelt, wird sie die Finanzierung der Bauarbeiten nicht allein bewältigen können. In den nächsten Wochen will sich ein Förderverein gründen, der bei der Erbringung des Eigenanteils helfen möchte.

Öffentliche Mittel für Kirchensanierungen zu bekommen, wird immer schwieriger. Ob zum Beispiel das Land Brandenburg in diesem Jahr überhaupt Mittel für die Denkmalpflege in ihren Haushalt einstellen wird, ist bis jetzt noch ungewiss. Pfarrer Jens Meiburg will verschiedene Stiftungen anschreiben und hofft auch auf die Unterstützung des neuen Vereins. Er denkt sogar schon über die nächsten Schritte nach: Eine Restaurierung der Innenausstattung ist ebenfalls nötig und vielleicht gelingt es sogar, die Orgel wieder spielbar zu machen.

 

Der Förderkreis Alte Kirchen bittet um Spenden für die weitere Instandsetzung der Dorfkirche von Pernitz.

Spenden-Konto: 51 99 76 70 05 bei der Berliner Volksbank; BLZ 100 900 00

Kennwort: Pernitz

Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung; bitte geben Sie dafür auf dem Überweisungsträger Ihre Anschrift an.

 
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Vorsicht GEMA !

Alle musikalischen Veranstaltungen sind anmeldepflichtig

In den vergangenen Wochen haben mehrere Fördervereine, die in letzter Zeit Benefizkonzerte veranstaltet hatten, Post von der "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte" (GEMA) bekommen. Inhalt dieser Schreiben war zumeist ein Gebührenbescheid, zum Teil mit erheblichen Strafgebühren.

Um unnötigen Ärger zu vermeiden, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass sämtliche musikalischen Veranstaltungen bei der GEMA anmeldepflichtig sind. Die erhobenen Lizenzgebühren richten sich unter anderem nach Art der Veranstaltung und der Höhe des erhobenen Eintrittsgeldes.

Für Musik von Komponisten, die bereits vor mehr als 70 Jahren verstorben sind, müssen keine Tantiemen gezahlt werden.

Ein 1998 zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der GEMA geschlossener Vertrag, der die Gebührenfreiheit bei kirchlichen Veranstaltungen regelt, schließt Kirchen-Fördervereine als Veranstalter explizit aus.

Nähere Auskünfte und Anmeldeformulare erhalten Sie bei der GEMA; Bezirksdirektion Berlin; Keithstr. 7; 10787 Berlin; Tel.: (0 30) 2 12 92-0
Ansprechpartnerin ist Frau Seeligmann.

 
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Wir danken den vielen rührigen Helfern

Wieder ein "Kraft" - Akt im wahrsten Sinne des Wortes:

11.000 Hefte "Offene Kirchen 2005" in wenigen Tagen ausgeliefert

Ein Kraftakt: Am Mittag des 17. März wurden die ersten 6.500 Exemplare des Heftes "Offenen Kirchen 2005" in Spandau abgeladen, nachmittags weitere 6.000 in unserem Büro in Berlin-Mitte sowie 1.000 in Ahrensdorf. 24 Stunden später waren 1.500 Hefte schon bei der Post oder der PIN AG abgeliefert oder den ersten ehrenamtlichen Helfern zum Weitertransport ausgehändigt worden.

Nach 14 Tagen waren fast alle 520 Lieferstellen in Berlin und Brandenburg vollständig mit den von ihnen bestellten Heften beliefert. Über 40 Mitglieder und Unterstützer des FAK haben sogar mehrfach ihre Autos bis an die Grenze des Zulässigen vollgeladen, um unser Heft möglichst rasch landesweit erhältlich zu machen.

Wir möchten uns auf diesem Weg noch einmal sehr, sehr herzlich bei allen denen bedanken, die zum Gelingen dieser Aktion beigetragen haben. Ohne solche Hilfe wäre der Vertrieb unserer Broschüren schon gar nicht mehr zu bewältigen. – Dass wir darauf im nächsten Jahr in ähnlicher Weise wieder angewiesen sein werden, steht außer Frage, und so hoffen wir auch dann auf Ihre Unterstützung.

Es war übrigens ein "Kraft"-Akt im wahrsten Sinne des Wortes, denn unser Vorstandsmitglied Arnulf Kraft leistet alljährlich diese immense logistische Vorarbeit, organisiert den gesamten Vertrieb und reist selbst tagelang als "Lieferant" über Land. Ihm gebührt dafür eine ganz besondere Anerkennung.

Expertenrat gesucht

Die obige Erfolgsmeldung bedarf unbedingt eines dringenden Nachtrags:

Die bislang bei Arnulf Kraft liegende Organisation der Vertriebs- und Abrechnungslogistik für die "Offenen Kirchen" und die Führung der immer umfangreicher werdenden Adress- und Spender-Datei des Förderkreises nehmen zunehmend mehr Zeit in Anspruch, oft über die Grenze des für eine ehrenamtliche Tätigkeit Vertretbaren hinaus. Wir müssen und wollen das ändern und suchen nach Vorschlägen und nach geeigneten Menschen.

Ein Teil des Problems liegt darin, dass bislang fast sämtliche zentralen Dateien des Förderkreises mit dem Datenbanksystem PHOENIX auf einem ATARI-Rechner erstellt und verwaltet werden. Das läuft zwar alles optimal, hat aber den großen Nachteil, dass damit außer Arnulf Kraft im Vorstand niemand umgehen kann. ATARI ist eben out, leider! - Also werden wir früher oder später für unsere Daten ein (relationales) Datenbanksystem für WINDOWS-PC-Rechner installieren und uns umstellen müssen.

Wer kann uns eine geeignete Datenbank empfehlen und gegebenenfalls bei der Einrichtung der Dateien behilflich sein? (Bislang wissen wir nur, dass wir ACCESS möglichst nicht einsetzen wollen.)

Also, wenn Sie da Erfahrungen und Kenntnisse haben oder Leute mit solchen kennen, dann lassen Sie uns das bitte wissen.

Anruf genügt: (0 30) 3 75 22 44

 
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Schadows Parzen im leeren Haus

Eine verfallende Gutsanlage in Horst bietet dennoch Sehenswertes

Gutskapelle Horst 
Gutskapelle HorstGroßbildansicht
Schloß
Das "neue Schloß"Großbildansicht

Das Dörfchen Horst in der Ostprignitz ist etwa in der Mitte zwischen Kyritz und Pritzwalk gelegen, jedoch abseits der großen Straßen. Nicht einmal hundert Einwohner leben hier und Touristen verirren sich fast nie dorthin. Dabei gäbe es in Horst viel zu entdecken:

Am Rande des heute verwilderten Landschaftsparks steht die imposante Ruine eines Renissance-Schlosses, das sich 1534 Georg von Blumenthal, Bischof von Lebus hier errichten ließ. Erhalten sind Teile des Palas sowie der polygonale Treppenturm. Sicherungsarbeiten wären dringend geboten.

Nicht weit entfernt davon, als Teil einer großzügigen Gutanlage, gibt es das "neue Schloß". Die Fenster sind vernagelt, aus den Stufen der geschwungenen Freitreppe wächst das Gras.

Wenigstens das vormalige Inspektorenhaus ist restauriert. Hier wohnt der neue Besitzer der Gutsanlage, der seit einigen Jahren in Horst wieder Landwirtschaft betreibt.

Von ihm werden auch einige Räume der ehemaligen Landwirtschaftlichen Berufsschule genutzt. Der in dem winzigen Ort überdimensional groß wirkende, durchaus qualitätvolle, zweigeschossige Putzbau entstand 1954, als der für die nahe Zukunft erwartete Sieg des Sozialismus noch seine Entsprechung in der Architektur fand. Auch dieses Gebäude steht auf der Denkmalliste.

Und dann gibt es in Horst noch die Gutskapelle, einen turmlosen, rechteckigen Ziegel-Fachwerkbau von 1688, dessen Außenhaut in der Mitte der neunziger Jahre instandgesetzt wurde. Betritt man das Kirchengebäude jedoch durch die südliche Vorhalle, wähnt man sich noch immer auf einer Baustelle. Bevor der Innenraum restauriert werden konnte, waren die Fördermittel verbraucht.

 Grabmal
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Im Halbdämmer des Raumes fällt der Blick als erstes auf ein von Putzpilastern gerahmtes klassizistisches Grabmal. Im Jahre 1794 starb der erst fünfjährige Graf Hans Carl Adolf Montang von Blumenthal. Sein Vater beauftragte niemand geringeren als den jungen Schadow, ein Erinnerungsmonument zu schaffen. Dieser schuf eine Marmorstele mit den Reliefs der drei Parzen: die mittlere Schicksalsgöttin spinnt den Faden des Lebens, die rechte durchtrennt ihn, worauf die Seele des verstorbenen Kindes als Engel zum Himmel aufsteigt und die linke schreibt seinen Namen ins Buch der Geschichte.

Das restliche Inventar wurde sorgfältig dokumentiert und vorerst ausgelagert. Der demontierte Kanzlelaltar mit seitlichen Logen lagert in einem Raum der ehemaligen Landwirtschaftsschule; ebenso das hervorragend gearbeitete Chor- und Gemeindegestühl aus der Spätrenaissance. Wenigstens ist es hier gut aufgehoben und kann keinen weiteren Schaden nehmen. Restaurator Jens Zimmermann kommt immer mal wieder vorbei, um nach dem Rechten zu schauen. Wann es jedoch wieder in die Kapelle zurückkehrt, ist ungewiss. Auch der knieende Taufengel aus Ton, der einem Vorbild von Thorvaldsen nachempfunden ist, wird wohl noch einige Zeit in der Kirche des Nachbarortes Dahlhausen ausharren müssen.

Als Teil der Gutsanlage gehört die Horster Kapelle der Kommune, die nach der Gemeindegebietsreform ein Teil des Amtes Heiligengrabe geworden ist. Bürgermeister und Amtsleiter sind guten Willens und haben den Wert des Denkmals durchaus erkannt. Alles steht und fällt jedoch – ebenso wie beim Schloss – mit einer zündenden Idee für eine zukünftige Nutzung. Erste Pläne existieren bereits, die auch eine touristische Vermarktung der Gesamtanlage vorsehen. Ob sie in der strukturschwachen Prignitz realisierbar sind, bleibt abzuwarten.

 
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Eine strahlende Spende für Ahrensdorf

In der alten Dorfkirche leuchten wie eh und je schlichte Kerzen

Eine strahlende Spende für Ahrensdorf

Dank einer Spende der Familie Teske aus Berlin-Staaken ist die Dorfkirche in Ahrensdorf bei Beeskow wieder um ein bedeutendes Stück reicher geworden: Ein kerzenbestückter Kronleuchter schmückt seit kurzem das Kirchenschiff.

Die Dorfkirche Ahrensdorf ist seit ihrer Erbauung stets nur mit Kerzenlicht beleuchtet worden. Und das wurde bei der Restaurierung 1992-1994 beibehalten.

So ist die Flämische Krone, eine Bronzeguss-Replik des Originals aus der Zeit um 1780, nicht nur ein Schmuckstück in unserer Kirche, sondern auch eine weitere natürliche Lichtquelle.

Unsere Dorfkirche ist von Pfingsten bis zum Erntedankfest täglich von 10 bis 18 Uhr zur Besichtigung und Andacht geöffnet.

Text und Foto: Günter Schöne

 
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Der Stein kam ins Rollen, als erste Steine stürzten

In Groß Döbbern soll eines der ältesten Pfarrhäuser vor dem Verfall gerettet werden

Pfarrhaus Groß Döbbern 
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Baugeschichtlich gibt das alte Pfarrhaus in Groß Döbbern (etwa 12 km südlich von Cottbus) noch manches Rätsel auf. Das im wesentlichen aus Feldsteinen gefügte Untergeschoss entstand vermutlich im 16. Jahrhundert, das aus Backstein gemauerte Obergeschoss im 17. oder 18. Jahrhundert. Das Gebäude beeindruckt durch seine Größe mit immerhin sieben Fensterachsen und seine exponierte Lage in östlicher Verlängerung der Kirche. Es könnte ursprünglich durchaus als "Festes Haus" oder Herrenhaus angelegt worden sein.

Urkundliche Aufzeichnungen aus der Frühzeit des Gebäudes fehlen jedoch. In späteren Jahrhunderten wurde es jedenfalls von den Pfarrern des zum Besitz der Fürsten Pückler gehörenden Dorfes bewohnt. Seit mehreren Jahrzehnten steht es jetzt ungenutzt, was einerseits dazu führte, dass die originale Bausubstanz weitgehend erhalten blieb, andererseits jedoch schwere Bauschäden nach sich zog.

Der Statiker Axel Seemann sagte bei einer Begutachtung vor wenigen Monaten den drohenden Einsturz eines der beiden historischen Windfänge voraus. Dies ist jetzt tatsächlich geschehen, dabei wurden auch Teile des Daches und der Dachkonstruktion beschädigt. Bei einer kürzlich stattgefundenen Beratung in der Superintendentur Drebkau machte Seemann darauf aufmerksam, dass in weiteren Bereichen akute Einsturzgefahr bestünde, und warnt vor Kettenreaktionen, die schließlich zum Totalverlust führen könnten.

Dabei ist das Groß Döbberner Pfarrhaus eines der ältesten überhaupt im Land Brandenburg und baulich von großer Originalität. In zwei Räumen des Untergeschosses blieben Kreuzgratgewölbe erhalten. Es existiert noch der Rauchabzug einer so genannten "schwarzen Küche". Die Raumstruktur ist weitgehend die ursprüngliche.

Wenn man sieht, wie die Dörfer der Umgebung – im Speckgürtel der Stadt Cottbus gelegen – ihren ländlichen Charakter bereits weitgehend verloren haben und zum Teil als Musterausstellung dafür dienen, was es in Nachwendezeiten alles in den Baumärkten zu erwerben gab, dann kann man den Schatz erst richtig ermessen, den die Groß Döbberner mit ihrem alten Pfarrhaus besitzen. Dass sie dies begriffen haben, zeigt die Gründung eines Fördervereins für die Rettung, Instandsetzung und Nutzung des Denkmals Anfang April dieses Jahres

Brigitte Schneider, die sich im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme um die soziokulturelle Arbeit in der Region kümmert, brachte den Stein ins Rollen; sie sprach Menschen an, schrieb unzählige Briefe, suchte in Archiven. Mehrere Einwohnerversammlungen zeigten, dass die Menschen im Dorf bereits ganz konkrete Vorstellungen davon haben, wie das ehemalige Pfarrhaus künftig als "Dorfgemeinschaftszentrum" genutzt werden könnte.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Bei der Vorstellung seines Gutachtens nannte Axel Seemann die Summe von 25.000 Euro für eine Grundsicherung. Von den Kosten einer denkmalgerechten Sanierung ganz zu schweigen...

Der Förderkreis Alte Kirchen half bei der Vereinsgründung, begleitet die Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes und wird dem neu gegründeten Verein auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Erstellung des Gutachtens unterstützen wir mit 350 Euro. Es ist das erste Mal, dass sich der FAK nicht für eine Kirche, sondern für ein Pfarrhaus einsetzt. Wir denken, der überragende Denkmalwert des Gebäudes und das Engagement der Einwohner rechtfertigen diesen Entschluss. In seiner Satzung hat sich der Förderkreis Alte Kirchen vor 15 Jahren der "Erhaltung und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen ... sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung im Sinne der Denkmalschutzgesetze" verschrieben.

In Groß Döbbern gehört zu dieser ortsbildprägenden Umgebung unbedingt das alte Pfarrhaus – außerdem ist Gefahr im Verzug.

Text und Foto: Bernd Janowski

 
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Nachrufe

Rainald Stocek

Wie wir erst später erfuhren, ist bereits am 13. September 2004 unser Freund und Vereinsmitglied Rainald Stocek nach langer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren in Dresden verstorben.

Er war ein Mitstreiter der ersten Stunde. Und so, wie er scheinbar aus dem Nichts in die Runde trat, hat er sie wieder verlassen.

Wie er immer von sich selbst sagte, war er Privatgelehrter. Aufgewachsen in Berlin Spandau, betrieb er dort nach dem Studium viele Jahre eine kleine Maschinenfabrik, bis auch er dem Konkurrenzkampf nicht mehr standhalten konnte. Danach engagierte er sich in verschiedenen Projekten, ob es im Bereich des Zivilschutzes, der Entwicklung von Tauchgeräten, der Bewahrung alter Feuerwehren oder Orgeln war. Man traf ihn überall. So trat er eines Tages im Winter 1991/92 plötzlich in Brandenburg/Havel bei einer Besprechung am Paulikloster in unser Leben, in das Leben des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Wo es um praktische Arbeit ging oder wissenschaftliche Theorie, war er immer dabei. Als Schatzmeister des Förderkreises war er viele Jahre tätig.

Sein technisches und naturwissenschaftliches Wissen schien ohne Grenzen zu sein. Vor ca. fünf Jahren konnte er sich einen Traum erfüllen: Er ersteigerte eine alte Maschinenfabrik in Großenhain/Sachsen, verließ sein geliebtes Spandau und bezog die dortige Fabrikantenvilla. Die Fabrik, eigentlich eine Ruine, begann er mit Hilfe eines arbeitslosen Maurers zu reparieren.

Leider verhinderten eine schwere Erkrankung und dann fehlende finanzielle Mittel die Wiederherstellung und Nutzbarmachung der Fabrik als Museum für seine reichhaltigen technischen Sammlungen.

Nun ist er für immer gegangen. Er war ein guter Freund.

Bernd Henning

Gisela Opitz

Wenn in diesem Sommer die wiederaufgebaute Alte Neuendorfer Kirche in Potsdam-Babelsberg feierlich eingeweiht wird, ist sie nicht mehr dabei: Gisela Opitz, deren Engagement und unermüdlichem Einsatz die Rettung des kriegszerstörten Gotteshauses vor allem zu verdanken ist, starb am 21. Januar 2005 im Alter von 73 Jahren.

Die Theologin, Mutter von drei Söhnen, lebte seit 1961 in Potsdam und engagierte sich hier als freie Mitarbeiterin in kirchlichen Einrichtungen im Bereich der Sozial– und Frauenarbeit, leitete seit 1981 die Evangelische Frauenhilfe in der DDR bis zu deren Überführung in die westdeutsche Zentrale, gründete nach der Wende das Autonome Frauenzentrum und gehörte in drei Wahlperioden dem Stadtparlament an.

1998 gründete Gisela Opitz den Förderverein Alte Neuendorfer Kirche und Neuendorfer Anger und gewann viele begeisterte Mitstreiter für die Rettung des architektonischen Kleinods. Sie sammelte Spenden, warb Fördermittel ein, sprach Handwerker und Gewerbetreibende an, um sie in dieses große Vorhaben einzubeziehen. Rund 60 verschiedene Firmen wirkten schließlich unentgeltlich auf der Baustelle. Aus dieser Zeit resultierte auch der enge Kontakt zum Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg.

Überschattet wurde das vorige Jahr durch Auseinandersetzungen in der Babelsberger Kirchengemeinde um Strukturveränderungen, die sie nicht mittragen wollte. Inzwischen hatten sich beide Seiten bemüht, wieder zu einem Miteinander zu finden.

Am Heiligen Abend 2004 hielt Gisela Opitz ihren letzten Gottesdienst in der wiedererstandene Kirche am Anger. Und hier, an dieser Stätte, die so ganz besonders ihr segensreiches Wirken symbolisiert, nahmen wenig später auch mehrere Hundert Gemeindeglieder und Freunde tief bewegt Abschied von Gisela Opitz.

Eva Gonda

Knud Koebler

Meine erste Begegnung mit Knud Koebler hatte ich im Herbst 2001. Aus dem Telefonhörer kam eine Stimme mit hessischem Akzent: er hätte vom Förderkreis Alte Kirchen gehört und suche eine Dorfkirche, für die es lohne, eine Stiftung zu errichten; ob wir uns nicht treffen könnten. Eine gute Stunde später saßen wir uns bereits in einem Café an der Berliner Friedrichstraße gegenüber. Die Kirche, für die er sein Geld anlegen wolle, müsse etwas mit preußischer Geschichte zu tun haben, erklärte er.

Knud Koebler war ein offener, humorvoller Mensch. Nach einem kurzen Gespräch war man mit ihm vertraut und meinte, ihn lange zu kennen. Der ersten Begegnung folgten weitere. Er kam aus Frankfurt am Main angereist (wo er dem Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz angehörte), um an Veranstaltungen des Förderkreises teilzunehmen, oder er rief an, um über Denkmalpflege, Gott und die Welt zu plaudern.

Die Stiftung, die den Namen seiner Mutter trägt, richtete er als Unterstiftung der DSD für die Kirche des Dorfes Zernikow ein, das Friedrich der Große seinem Kammerdiener und Intimus Michael Gabriel Fredersdorff schenkte und wo der Dichter Achim von Arnim einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Viele Male war er vor Ort, um den Fortgang der Sanierung zu beobachten, manchmal war er dabei auch etwas ungeduldig.

Im vergangenen November ist Knud Koebler an einem Krebsleiden verstorben. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Kirchhof im brandenburgischen Zernikow, in unmittelbarer Nachbarschaft der Familiengrabstätte derer von Arnim. Seine Eltern ließ er umbetten; sie begleiteten ihn nach Zernikow. Die Urnenbeisetzung zeigte, dass er viele Freunde hatte, die zum Teil von weither angereist kamen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Bernd Janowski

 
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DIE BÜCHERSEITE

Werkzeuge des Glaubens

Werkzeuge des Glaubens. Handbuch der Inventarisierung in den evangelischen Landeskirchen Deutschlands.
Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Inventarisierung in der Evang. Kirche in Deutschland
Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2004 (ISBN 3-7954-1723-6) 16,90 Euro
Zu bestellen auch über die FAK-Geschäftsstelle

Vor einiger Zeit präsentierte mir ein Kirchenältester stolz den historischen Abendmahlskelch und ein gotisches Weihrauchgefäß aus dem Besitz seiner Gemeinde: Er holte einen Schuhkarton aus dem Wäscheschrank seines häuslichen Schlafzimmers und wickelte die Gegenstände andächtig aus dem Zeitungspapier.

Die christlichen Kirchen sind in Deutschland die mit Abstand größten Kunstbesitzer und damit Hüter eines gewaltigen künstlerischen und historischen Erbes. Nun sind Kirchengebäude in der Regel keine Museen und die Ausstattungsstücke (von Altar, Taufstein und Orgel bis hin zu den beweglichen Kunstgegenständen wie Leuchter, Kelch und Patene) erhalten ihre Bedeutung durch eine Verbindung von Objekt und Funktion. Ihre Benutzung zu liturgischen Handlungen fügt dem materiellen Wert einen ideellen Wert als Quelle der eigenen Geschichte hinzu.

Leider spielte das überlieferte Kunstgut in der lutherischen Kirche des Wortes lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Die sogenannten "Adiaphora" (Mitteldinge) waren nicht heilsnotwendig und damit Gegenstände, die man zwar haben darf, aber nicht haben muss. Andererseits zeigen die noch heute in vielen märkischen Dorfkirchen vorhandenen vorreformatorischen Altarretabel und Schnitzfiguren die Wertschätzung, die ihnen Generationen von Gläubigen entgegenbrachten.

Wie gehen wir nun heute mit diesen Schätzen vergangener Jahrhunderte um? – Aus dem Besitz erwächst schließlich die Verpflichtung zur Bewahrung und Pflege.

Die Arbeitsgemeinschaft Inventarisierung in der EKD hat kürzlich ein Handbuch herausgegeben, das den aktuellen Stand der Erfassung kirchlichen Kunst- und Kulturgutes in den Landeskirchen zeigt. In einer Zeit, da immer öfter Gemeinden zusammengelegt werden, Pfarrstellen längere Zeit vakant sind, Zuständigkeiten häufig wechseln und manche Dorfkirche nur noch sporadisch für die Feier des Gottesdienstes genutzt wird, liegt die Notwendigkeit einer umfassenden Inventarisierung auf der Hand. Gestohlene Kunstschätze sind in der Regel nur zurückzubekommen, wenn gute Fotografien und detaillierte Beschreibungen vorliegen. Dasselbe gilt für die notwendige Restaurierung bei eventuellen Beschädigungen.

Zudem bietet eine Kunstguterfassung die Möglichkeit, den Gemeinden wertvolle Tipps zur Pflege und Wartung an die Hand zu geben. Die "nicht-museale" Lagerung und Aufbewahrung bringt auch ein erhebliches Gefahrenpotential mit sich: In der Regel ist das Inventar in den historischen Kirchengebäuden einem veränderlichen Raumklima ausgeliefert. Heizung, Belüftung und sporadische Reinigung sind zwar gut gemeint, oft jedoch in der Wirkung eher kontraproduktiv.

Schade ist, dass unter den Landeskirchen, die in der Publikation ihre Erfahrungen im Bereich der Inventarisation vorstellen, die Berlin-Brandenburgische nicht vertreten ist. Ansätze zu einer flächendeckenden Erhebung festen und beweglichen Kunstgutes gab es in den vergangen Jahren in verschiedenen Regionen – nur leider waren sie bisher nicht zentral gesteuert und verliefen aus Geldmangel irgendwann wieder im Sande. Ein vor drei Jahren im Landkreis Uckermark von der Unteren Denkmalschutzbehörde initiierter, vom FAK mitgetragener und als landesweites Modellprojekt geplanter Versuch musste nach zwölf Monaten abgebrochen werden, weil sich niemand fand, der die relativ bescheidenen Mittel zur Kofinanzierung von zwei oder drei ABM-Stellen aufbringen konnte.

Das gut illustrierte und mit einer ausführlichen Bibliographie versehene Handbuch zeigt die Dringlichkeit der Beschäftigung mit der Thematik. Es bietet auch die Gelegenheit zu schauen, wie andere Landeskirchen damit umgehen. In unseren Kirchen gibt es noch viel zu entdecken – und für die Nachwelt zu bewahren.

Bernd Janowski


Tourentipps nach Pommern

Tourentipps zu offenen pommerschen Kirchen; Texte: Dr. Jana Olschewski
Thomas Helms Verlag, Schwerin 2005.
Heft I. – Von er Recknitz bis zum Strelasund.
Heft II. – Vom Greifswalder Bodden bis zur Peene.
Heft III. – Vom großen Landgraben bis zur Oder.
Zu beziehen über Landurlaub Mecklenburg-Vorpommern e.V.; Griebnitzer Weg 2; 18196 Dummerstorf; Tel.: (03 82 06) 6 06 72; www.landurlaub.m-vp.de

Die Anfänge der pommerschen Kirche gehen bis in das Jahr 1000 zurück, als Kaiser Otto III. das pommersche Bistum Kolberg errichten ließ und es dem Erzbistum Gnesen unterstellte. Als die Pommern sich kurz darauf von der polnischen Herrschaft lösten, legten sie auch das ihnen aufgezwungene Christentum wieder ab; das Bistum Kolberg erlosch. Mehr als einhundert Jahre später eroberten die polnischen Herzöge erneut das Gebiet und beauftragten Bischof Otto von Bamberg mit der Missionierung. Zu Pfingsten 1128 beschlossen die slawischen Kleinfürsten in Usedom die Annahme des christlichen Glaubens.

Bald darauf begann auch die von den pommerschen Fürsten geförderte wirtschaftliche Erschließung durch deutsche Einwohner. Damit einher ging die Errichtung vieler Kirchen, Klöster und Kapellen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fielen Hinterpommern und Stettin an Polen. Die pommersche Kirche (in Vorpommern) musste in den Zeiten der DDR vorübergehend ihren geographisch geprägten Namen aufgeben. Heute gehören ca. 140.000 Gemeindeglieder zur pommerschen Kirche, die über den stolzen Bestand von über 400 historischen Kirchengebäuden verfügen.

Etwa 150 Kirchen werden jetzt in drei kürzlich erschienenen Broschüren unter der Bezeichnung "Tourentipps zu offenen pommerschen Kirchen" vorgestellt. Allerdings ist der Titel der Hefte etwas irreführend, denn Hinweise auf Besuchsmöglichkeiten wie Öffnungszeiten oder Möglichkeiten, nach dem Schlüssel zu fragen, fehlen leider völlig. Ansonsten bieten die handlichen Broschüren wertvolle kunsthistorische Hinweise und machen Vorschläge für Einzeltouren, die durch Kartenausschnitte gut nachvollziehbar sind.

Im dritten der Hefte findet der Leser mit Gartz/Oder, Schmölln oder Rosow Orte wieder, die zur brandenburgischen Uckermark gehören, was daran liegt, dass Landes- und Bistumsgrenzen nicht übereinstimmen und Teile der nördlichen Uckermark bis heute Bestandteile der pommerschen Landeskirche sind. Im Artikel zu Rosow hätte man sich – neben den sorgfältig recherchierten Angaben zu Historie, Kirchenbau und Ausstattung – einen Hinweis auf die Tätigkeit des örtlichen Fördervereins und auf die heutige Nutzung der zu Kriegsende stark beschädigten Dorfkirche als deutsch-polnische "Gedächtniskirche" gewünscht.

Trotzdem sind die Broschüren potentiellen Besuchern Vorpommerns wärmstens zu empfehlen, lenken sie doch den Blick auf ein wertvolles Kulturerbe unserer nordöstlichen Nachbarregion.

Bernd Janowski


Stille Winkel am Rande der Schorfheide

Mit der fünften veränderten Auflage der Broschüre "Stille Winkel am Rande der Schorfheide" leistet der Förderverein Denkmale Glambeck seinen Beitrag zur diesjährigen Kulturland-Kampagne.

Die kleine Kirche des Ortes, 1998/99 vor dem Verfall gerettet, ist authentischer Ort zur Darstellung des Christianisierungsprozesses. Eine Kirchentour lädt ein zum Besuch der Gotteshäuser in dieser stillen Landschaft, die darüber hinaus viele weitere sehenswerte Denkmale zu bieten hat. Das vierfarbige Heft im A-6-Format wird pünktlich zu Pfingsten erscheinen, wenn sich die Glambecker Kirche zum erstenmal als Radfahrerkirche präsentiert.

Informationen unter www.glambeck.barnim.de


Von Berlin nach Wilsnack

"Von Berlin nach Bad Wilsnack" ist der Titel einer Broschüre, die zu Entdeckungen entlang eines mittelalterlichen Wallfahrtsweges einladen will.

Das Dorf Wilsnack war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts einer der bekanntesten Wallfahrtsorte Europas. Wer sich heute von Berlin aus nach Bad Wilsnack auf den Weg macht, kann entlang einer landschaftlich reizvollen Strecke sowohl Spuren der mittelalterlichen Frömmigkeit in Dorf- und Stadtkirchen entdecken, ebenso aber auch neuere Denkmäler oder kulturell anspruchsvolle Aktivitäten finden. Das Heft ist dafür ein guter Wegbegleiter.

Die Broschüre wurde vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Christliche Archäologie, Denkmalkunde und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin herausgegeben. Sie hat einen Umfang von 48 Seiten und ist mit zahlreichen Schwarzweißabbildungen illustriert.

Weitere Informationen finden sich unter http://www.wilsnackfahrt.de.

Das Heft kann gegen eine freiwillige Spende zugunsten der Instandsetzung der ehemaligen Wallfahrtskirche Alt Krüssow bezogen werden über:
Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.PF 24675, 10128 Berlin; Tel. und Fax: (0 30) 4 49 30 51E-Mail: altekirchen@aol.com


Orgelhandbuch

In der edition labium erschien jetzt der erste Band des umfangreichen Projektes "Orgelhandbuch Brandenburg". Das nach Landkreisen aufgebaute Gesamtwerk ist als öffentliches Nachschlagewerk angelegt und soll eine große Lücke in der bisherigen Bestandsaufnahme der Instrumente in Brandenburg schließen. Es entstand in 25-jähriger historiographischer Erschließungsarbeit.

Orgelhandbuch Brandenburg, Band 1; Hannes Ludwig:, Uckermark West;
236 Seiten, 226 Farbabbildungen, 90 Dispositionen;
ISBN 3-9805293-7-1; 49,80 Euro


Hollenbach-Monographie

Von dem Neuruppiner Orgelbauer Albert Hollenbach (1850-1904) sind zahlreiche kleine Landorgeln in brandenburgischen Dorfkirchen erhalten. Seinem Leben und Werk sind Elli und Siegfried Schwanz mit viel Liebe zum Detail und Beharrlichkeit nachgegangen. Sie vermitteln ein umfassendes Bild dieses zu Unrecht vergessenen Meisters.

Elli und Siegfried Schwanz: Albert Hollenbach – Orgelbauer.
Die Monographie eines der bedeutendsten Ladegast-Schüler;
62 Farbfotos, 60 Schwarzweiß-Fotos, 15 Zeichnungen;
ISBN 3-937378-05-7; 24,80 Euro

Das Orgelhandbuch und die Hollenbach-Monographie sind über den Verlag (www.freimutselbst.de) und den Buchhandel zu beziehen.

 
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Informationen

Dorfkirche Geltow saniert

Nach fünfjähriger Restaurierung hat die Kirchengemeinde von Geltow bei Potsdam den Abschluss der Arbeiten an ihrer 1886 errichteten evangelischen Kirche gefeiert. Bei der rund 950.000 Euro teuren Sanierung wurden seit 1999 der als "schiefer Turm von Geltow" bekannt gewordene Kirch-turm, das Dach und die Fassade wieder hergestellt sowie der Innenraum modernisiert, berichtet Martin Doye vom Gemeindekirchenrat.

Anlass der umfangreichen Arbeiten waren vor allem die Schäden am Turm. Das 14 Meter hohe achteckige Holzgestell mit der Turmspitze hatte sich 26 Zentimeter zur Seite geneigt, weil die Holzaufsätze auf dem 40 Meter hohen massiven Turm verfault waren.

Für die Sanierung wurden rund 290.000 Euro Fördermittel bereitgestellt, darunter 50.000 Euro Baubeihilfen des Kirchen-kreises Potsdam. Der Großteil der Kosten wurde durch den Verkauf von Gemeindegrundstücken finanziert. 2005 sollen für rund 80.000 Euro die Außenanlagen und der Vorplatz der Kirche erneuert werden.

epd

Landesmittel für Kirchensanierung

Das Land Brandenburg hat im vergangenen Jahr die Sanierung von 31 evangelischen Kirchen mit insgesamt rund 1,4 Millionen Euro unterstützt. Für dieses Jahr seien dem Staatskirchenvertrag entsprechend Mittel in gleicher Höhe vorgesehen, sagte Ministeriumssprecher Holger Drews dem Evangelischen Pressedienst in Potsdam.

Größte Förderprojekte waren im vergangenen Jahr mit je 100.000 Euro die St.-Nikolai-Kirche in Luckau, die Dachsanierung der Kirche von Groß Gaglow bei Cottbus sowie das Amtshaus des Luise-Henrietten-Stiftes in Lehnin.

Fördermittel für Sanierungen in Höhe von jeweils rund 50.000 Euro wurden 2004 an die evangelischen Kirchengemeinden Christinendorf, Groß Glienicke, Falkenthal, Gottberg, Sieversdorf, Boitzenburg, Frankendorf und an die Liebfrauen-Gemeinde in Jüterbog vergeben.

Frankfurt/Oder: Erstes Fenster eingesetzt

Zu einer Festveranstaltung lädt am 28. Mai die Marienkirche Frankfurt/Oder ein: Gefeiert wird die Wiedereinsetzung des ersten restaurierten Bleiglasfensters aus der mittelalterlichen "Bilderbibel".

Das "Christusfenster" wird dann wieder seinen angestammten Platz als Mittelfenster im Chor einnehmen und mit seiner ganzen Farbenpracht faszinieren. Pünktlich wurde auch das Chorgewölbe fertiggestellt und die Gewölbekappen nach historischem Vorbild farbig gestaltet.

Die nach 1945 als Beutekunst verschleppten insgesamt 111 mittelalterlichen Glasmalereien aus drei Fenstern waren nach monatelangen Verhandlungen aus St. Petersburg zurückgekehrt. Eine dreiköpfige Restauratorengruppe befasst sich mit den Instandsetzungsarbeiten.

Zu den Unterstützern der Restaurierung gehören die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie zahlreiche Unternehmen und Spender. Die Gesamtkosten des Projekts einschließlich der Umgestaltung des Kirchenchores werden auf zwei Millionen Euro geschätzt.

Zu der Festveranstaltung am 28. Mai laden die Studierenden der Europa-Universität Viadrina in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Frankfurt/Oder und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ein. Auf einem Volksfest rund um die Kirche bieten in– und ausländische Künstler Theatervorführungen, Tanz und Musik.

Aufruf zum Tag des offenen Denkmals

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege möchte auch in diesem Jahr die Aktivitäten zum Tag des offenen Denkmals in einer landesweiten Programmübersicht bekannt machen. Geplant sind sowohl ein Faltblatt als auch eine Veröffentlichung des Verzeichnisses im Internet.

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals steht unter dem Motto "Krieg und Frieden" und widmet sich den Spuren militärischer Macht, kriegerischer Auseinandersetzungen und der zivilen Bewältigung dieses Erbes.

Zum Thema "Krieg und Frieden" finden sich im Land Brandenburg natürlich auch viele Denkmale aus der älteren Geschichte, nicht zuletzt Wehrkirchen, Stadttore oder Festungsanlagen. Darüber hinaus können Beispiele aus ganz anderen, alltäglicheren Lebensbereichen besichtigt – und im Lichte des diesjährigen Schwerpunktthemas – vielleicht auf neue Weise befragt werden.

Weitere Anregungen zur Gestaltung des Denkmaltages bietet die Homepage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unter www.tag-des-offenen-denkmals.de/thema.

Kirchengemeinden und Fördervereine können ihre Teilnahme bzw. Veranstaltungen bis zum 31. Mai an das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege melden.

Anmeldebögen sind unter folgender Anschrift anzufordern:
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum; Abteilung Denkmalpflege; Wünsdorfer Platz 4-5; 15838 Zossen (OT Wünsdorf); Bearbeiterin; Barbara Schulz; Tel.: (03 37 02) 7 12 00; E-Mail: barbara.schulz@bldam.brandenburg.de

Fachtagung über Wilsnack-Wallfahrten

Im Rahmen der diesjährigen Kulturland-Kampagne "1000 Jahre Christentum in Brandenburg" veranstaltet der Lehrstuhl für Christliche Archäologie, Denkmalkunde und Kulturgeschichte der Humboldt-Universität Berlin gemeinsam mit der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg eine Fachtagung vom 24. bis 26. Juni in Bad Wilsnack.

Das brandenburgische Dorf Wilsnack in der Nähe des Bischofssitzes Havelberg war im August des Jahres 1383 bei einer Fehde niedergebrannt worden. Die in der Ruine der verbrannten Kirche unversehrt gebliebenen Hostien machten den Ort schnell berühmt. Wilsnack wurde innerhalb weniger Jahre zum bekanntesten Wallfahrtsort Nordeuropas, dessen Besucher aus dem gesamten Baltikum, aus den Niederlanden, aus England, Schlesien, Böhmen, Mähren und aus der Mitte und dem Norden des Römischen Reiches Deutscher Nation kamen. Auch die Kritik von Bischöfen und Theologen vermochte diese Wallfahrtsbewegung nicht zu bremsen. Erst während der reformatorischen Bewegung fand die Wallfahrt mit der Verbrennung des "Wunderblutes" 1552 ihr Ende.

Trotz der europäischen Dimension der Wallfahrt nach Wilsnack ist der letzte Versuch, ihre Geschichte in einer Gesamtschau darzustellen, vor mehr als 120 Jahren unternommen worden. Die Tagung im Juni dieses Jahres lädt dazu ein, den vielfältigen Spuren in einer thematisch und geographisch breiten Zusammenschau nachzugehen.

Im Rahmen der Tagung wird am 24. Juni, 18.30 Uhr, in der Nikolaikirche Bad Wilsnack die Ausstellung "Wunder – Wallfahrt – Widersacher" eröffnet.

Nähere Informationen: Lehrstuhl für Christliche Archäologie, Denkmalkunde und Kulturgeschichte der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Hausvogteiplatz 6, 10117 Berlin, Fax: (0 30) 20 93 59 58, Mail:antje.meier@rz.hu-berlin.de

 
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