Wieder Startkapital für Fördervereine

FAK schreibt zum zweiten Mal Wettbewerb aus

Zum zweiten Mal schreibt der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V. den Wettbewerb "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" aus. Er will damit zur Gründung neuer Vereine ermuntern und ihnen bei den ersten Schritten helfen.

In diesem Sinne sollen im kommenden Jahr erneut bis zu zehn Mal 2500 Euro an Vereine, die sich den Erhalt ihrer Kirche als Ziel gesetzt haben, vergeben werden. Wie im Jahr 2002 sind auch wieder Initiativen für jüdische Erinnerungsstätten in Brandenburg eingeladen, sich zu beteiligen. Einsendeschluss für die Anträge ist der 28. Februar 2003.

Der Wettbewerb wird wiederum von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Er steht unter der Schirmherrschaft der Kulturministerin des Landes Brandenburg, Johanna Wanka, und von Landesbischof Wolfgang Huber.

 
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Vorträge, Exkursionen und Begegnungen als Angebote für Mitglieder und Freunde

Eine Vorschau auf die FAK-Veranstaltungen im kommenden Jahr

Auch im kommenden Jahr möchte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg neben seiner Hauptaufgabe – der Erhaltung und Instandsetzung gefährdeter Kirchenbauten – wieder regelmäßig Veranstaltungen anbieten, die uns die Möglichkeit geben, mit unseren Mitgliedern und Förderern in persönlichen Kontakt zu treten.

Am Donnerstag, dem 16. Januar, wird dazu erstmalig Gelegenheit sein bei einem unserer schon traditionellen "Dom-Vorträge". Andreas Kitschke wird über den brandenburgischen Orgelbauer Joachim Wagner und seine Schüler referieren..

Im Frühjahr wollen wir eine weitere Vortragsveranstaltung über die rückgekehrten Glasfenster der Marienkirche in Frankfurt/Oder anbieten.

Pünktlich im April wird die mittlerweile 4. Ausgabe unserer Broschüre "Offene Kirchen. Brandenburgische Dorfkirchen laden ein." erscheinen. Das Redaktionsteam hat seine Arbeit bereits aufgenommen.

Eine gegenwärtig entstehende neue Ausstellung des FAK über Dorfkirchen in der Uckermark wird im Mai im Prenzlauer Dominikanerkloster zu sehen sein. Aus diesem Anlass wird uns auch unsere Frühjahrsexkursion wieder in diese Region führen.

Die Ausstellung wird anschließend im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages in Berlin zu sehen sein, an dem sich der FAK sowohl im Rahmen der "Agora" als auch in einer Projektkommission zum Thema kirchliche Denkmalpflege beteiligt.

Vorgesehen ist im Jahre 2003 eine weitere Fachtagung für Kirchen-Fördervereine.

Das Projekt "Startkapital" geht in sein zweites Jahr.

Ein Benefizkonzert der Akademie für Alte Musik Berlin zugunsten des Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wird in der Dorfkirche Mühlenbeck stattfinden.

Die genauen Daten dieser und sicher auch noch weiterer Veranstaltungen des Förderkreises werden wir Ihnen rechtzeitig mitteilen.

Für Vorschläge und Anregungen von unseren Mitgliedern und Freunden sind wir jederzeit offen.

 
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Für die Erhaltung gefährdeter Kirchen geworben

Förderkreis Alte Kirchen auf der Denkmal-Messe in Leipzig

Bereits zum vierten Mal war der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg mit einem Stand auf der Leipziger Denkmal-Messe vertreten. Zusammen mit dem FAK Marburg (Hessen) und in Nachbarschaft mit dem Verein "Dorfkirchen in Not in Mecklenburg und in Vorpommern" warb er für das gemeinsame Anliegen der Erhaltung und Instandsetzung gefährdeter Sakralbauten. Parallel zur Denkmal-Messe fand in den Messehallen zugleich der 24. Evangelische Kirchbautag zum Thema "Heilige Räume" statt, der ausreichend Stoff für interessante Gespräche am Rande der Messe bot.

Thema für eine der zahlreichen Podiumsveranstaltungen war erneut die Forderung nach einer Senkung der Mehrwertsteuer für Arbeiten an denkmalgeschützten Bauten auf sieben Prozent.

Trotz der im Vergleich zum Jahr 2000 wiederum etwas zurückgegangenen Zahl der Aussteller wünschen wir der Leipziger Denkmal-Messe eine glückliche Zukunft. Die Veranstaltungen in den vorangegangenen Jahren haben bewiesen, dass diese wichtigste Kontaktbörse für Handwerker, Denkmalpfleger und Interessierte eine große Bedeutung hat.

 
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Wir begrüßen neue Mitglieder

Seit Juni konnten wir als neue Mitglieder begrüßen:

Hannelene Arand, Berlin; Ute Frahm, Berlin; Hans-Peter Freytag, Berlin; Thomas Holtz, Fürstenwalde; Petra Katz, Berlin; Martin Luckow, Boitzenburger Land; Ute Munck, Berlin; Pfarrer Michael Oelmann, Lübbenau, und Klaus Untiedt, Potsdam.

Als korporative Mitglieder traten dem FAK bei: der Förderverein Dorfkirche Schwanebeck, der Förderverein Fretzdorfer Kirche e.V., der Verein Freunde der Melzower Kirche e.V. und der Freundeskreis Dorfkirche Wassersuppe.

Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.

Bei Überweisungen bitte beachten

Zum Ausgang des Jahres eine Bitte: Überweisen Sie Ihre Mitgliedsbeiträge für 2003 bitte nicht schon vor Ablauf des Jahres 2002. Wir haben sonst Probleme beim Buchen. Wir dürfen Bescheinigungen nur für das Jahr ausstellen, in dem uns die Beträge erreichen.

Übrigens: Einige haben offenbar überlesen, dass der Mitgliedsbeitrag im FAK mit der Währungsumstellung auf 40,- EUR festgelegt wurde. Also überweisen Sie bitte, sofern Sie nicht einen ermäßigten Beitrag vereinbart haben, einen Jahresbeitrag von 40,- EUR.

Die Spenden- und Beitragsbescheinigungen für 2002 versenden wir in den ersten Januartagen 2003. Sie umfassen auch alle Spenden, die noch in den letzten Tagen dieses Jahres eingehen. Vielen Dank für alle Unterstützung.

 
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Als die Richtkrone über dem neuen Dachstuhl der Dorfkirche Küstrinchen hochgezogen wurde, da war das auch ein krönender Höhepunkt in der beharrlichen und ergebnisreichen Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg in den vergangenen Monaten. Seine Initiative hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass es rund um das noch Ende vorigen Jahres fast vergessene Kirchlein lebendig wurde, dass sich Menschen zusammenfanden und Mut fassten, dem Verfall entgegenzutreten.

Wenn der FAK jetzt am Jahresende auf eine gute Bilanz zurückblicken kann, auf erfolgreiches Wirken auch anderenorts, dann ist all denen zu danken, die vor Ort Anregungen aufgriffen, sich "anstoßen" ließen und die Rettung ihrer Kirchen zur eigenen Sache machten. Für den Förderkreis ist das zugleich Verpflichtung, auch künftig solche Bürgerinitiativen zu fördern und ihnen beratend zur Seite zu stehen.


 

Die Richtkrone von Küstrinchen -
Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

So groß ist die Kirche von Küstrinchen nicht - aber die vielen Gäste mussten doch recht hoch hinauf, über die wackeligen alten Turmtreppen auf den neuen Kirchenboden. Oben stand man wie auf einem Podest zwischen den Baumwipfeln. Noch höher, auf den Kehlbalken, hatten sich die Zimmerleute postiert für ihre Ansprache.

Das Ereignis war denkwürdig für Küstrinchen aber auch für den Förderkreis. Vielleicht hätte es sogar Chancen, als Geschwindigkeitsrekord ins Guiness-Buch zu kommen. Nur 13 Monate zuvor hatte die Rettung der verfallenden Kirche begonnen mit der Losung: Hier muss jetzt etwas passieren, sonst ist es zu spät! (wie es vor einem Jahr aussah zeigt der Spendenaufruf für Küstrinchen vom 02.07.2001)

Dann folgten die Vereinsgründung, die Planung mit Kirchengemeinde, Denkmalbehörde, Arbeitsamt, Diakonie Angermünde u. a. Ihnen allen wurde beim Richtfest Dank gesagt und sie waren wohl selbst erstaunt über den raschen Erfolg.

Gedankt wurde auch, das sei hier weitergegeben, den vielen Spendern, die dem Aufruf des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg gefolgt waren: Durch Ihre Großzügigkeit konnte der Förderkreis die Arbeiten mit fast 15.000 Euro unterstützen. Ohne diese Spenden, die als Eigenmittel eingesetzt wurden, wären die Fördermittel nicht gekommen. Bis Jahresende werden Leistungen von 100.000 Euro erbracht sein. Für den FAK ist dies ein Beleg für die Richtigkeit seiner Strategie des gemeinsamen Handelns.

Inzwischen hat die Kirche von Küstrinchen ein neues Dach. Der Turm aber steht noch baufällig. Die Arbeiten müssen und werden weitergehen und die Hilfe des Förderkreises ist weiter gefordert.

Thomas Raschke
Fotos: Siegfried Breyer

Hoffnungsquelle

Aus der Ansprache von Pfarrer Stechbart, Lychen

Kirchen und Klöster sind Lichträume in dunkler Zeit, sie sind Orte der Ruhe und der Besinnung für die Menschen auf ihrem Lebensweg – für die hier wohnenden und für die vorübergehenden. Kirchen sind Zielpunkt und Kraftquelle und Zufluchtsort. Was wäre unser Leben ohne solche Orte, was wäre Küstrinchen ohne seine, ohne unsere Kirche? Manchmal merken wir erst, wenn wir etwas verlieren, was wir hatten, doch oft ist es zu spät. Zu spät war es fast auch für die Rettung dieser Kirche, und wer hätte noch vor einem Jahr geglaubt, dass wir heute Richtfest feiern. ...weiter

 
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Ehrenamtliches Wirken ersetzt nicht Verantwortung der öffentlichen Hand

"Die Kirche dankt" - Festliche Veranstaltung im Brandenburger Dom

Es ging darum, Dank zu sagen. Die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg hatte Vertreter von Fördervereinen in den Brandenburger Dom eingeladen, um das selbstlose Engagement für den Erhalt historischer Kirchen zu würdigen. Es war ein Tag kluger Reden und ein Podium des offenen Gedankenaustauschs u. a. darüber, wie mancherorts noch hinderliche gegenseitige Vorurteile abgebaut werden können. Es war ein Tag der Freude am festlichen Konzert von Landesmusikdirektor Dr. Gunter Kennel an der Wagner-Orgel und der Freude an von Experten geführten Entdeckungstouren durch alle Winkel des Doms, in dem die Gäste eingangs vom Kurator des Domstiftes, Prof. Dr. Helmut Reihlen, willkommen geheißen wurden.

Landesbischof Prof. Dr. Wolfgang Huber dankte den Fördervereinen, die "wie eine Spinne im Netz" alle Fäden zusammenhielten und die unterschiedlichen Aktivitäten für den Erhalt der Kirchen in der Dorfmitte bündelten. Er befürwortete das Anliegen, diese Gebäude wieder zu Zentren des öffentlichen Lebens, der Begegnungen, der Kultur zu machen, ihre Würde als gottesdienstliche Stätte aber zu wahren. Umso wichtiger sei ein verständnisvolles Miteinander von Kirchengemeinden und Fördervereinen. Dafür erhoffe er sich von diesem Tag Ermutigung.

Genau dieses notwendige Miteinander beschwor Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg: "Wenn da plötzlich erklärte Nicht-Christen bei der Reparatur des Kirchendaches mitmachen wollen, dann haben sie kaum Hintergedanken, sondern wollen nur ein Denkmal ihres Dorfes retten helfen." Von den Kirchengemeinden wünsche er sich mehr Mut, die Hilfe "von außen" anzunehmen, und von den Vereinen mehr Einsicht, "dass sie es bei Veranstaltungen nicht mit einem beliebigen Kulturhaus zu tun haben, sondern mit dem Gottesdienstraum einer christlichen Gemeinde, deren Befindlichkeiten respektiert werden müssen". Dass es gerade an diesem Punkt manchen Sand im Getriebe gibt, machte Jürgen von Chamier aus Gollmitz deutlich.

In seinem Festvortrag führte Prof. Dr. Manfred Fischer, Vorsitzender des Fördervereins der Stiftung KiBa der EKD, durch die Geschichte privater Kulturförderung durch Patrone, Stifter und Sponsoren, um dann kritisch auf die gegenwärtige Situation einzugehen. So stünden in den neuen Bundesländern rund 350 Sakralbauten von hohem Rang vor dem endgültigen Verfall. "Wollen wir das verhindern, dann muss die Öffentlichkeit helfen, es sei denn, sie will auf das Kulturgut Kirche künftig verzichten. Dann muss man aber auch deutlich sagen, dass Kirchenbauten offenbar nicht mehr zu den Prioritäten eines Kulturvolkes in Europa gehören." Die Politik dürfe nicht die Hände in den Schoß legen in der Befriedigung darüber, dass die Sache mit ehrenamtlichem Engagement offenbar funktioniere. "Die Fördervereine und Kreise ersetzen nicht die öffentliche Hilfe, sondern sie stimulieren sie und geben ein Beispiel als Mahnung und als Aufforderung."

Von mühevollem, aber erfolgreichem Wirken konnten die Vorsitzenden von Fördervereinen Dr. Dieter Kliche, Teetz, und Prof. Dr. Knuth Caesar, Dom zu Brandenburg, berichten. Eine gute Bilanz der Arbeit auch im Zusammenwirken mit Fördervereinen zogen Dr. Peter Schabe, Projektreferent der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, und Klaus Herrmann von der Stiftung "Maßwerk".

Die heutzutage heiß diskutierte Frage von Nutzung oder Umnutzung von Kirchengebäuden stellte Matthias Hoffmann-Tauschwitz, stellvertretender Leiter des Kirchlichen Bauamtes der EKiBB, auf den Kopf: Im geschichtlichen Rückblick wies er nach, dass die ersten christlichen Gottesdiensträume ihrerseits "Umnutzungen" der Basiliken, der öffentlichen Markthallen, waren. Den europaweiten Blick auf die auch in anderen Ländern aktuelle Problematik der Kirchennutzungen öffnete der Vorsitzende des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, Angus Fowler, der u a. auch im Denkmalschutzverband Europa Nostra und im Verband für den ländlichen Raum ECOVAST Verantwortung trägt.

Eva Gonda

 

Randbemerkungen:

Bischof Wolfgang Huber:

Im Bemühen um den Erhalt der Kirchen als Dorfmittelpunkt hat sich vielerorts eine "große Koalition" gebildet aus Christen und Nichtchristen, Interessenten an Heimatgeschichte, Denkmalpflege, Kulturleben, Tourismus. - In diesem Fall gibt es nichts Besseres als eine große Koalition.

Prof. Dr. Manfred Fischer:

Wir müssen es den Verantwortlichen in der Politik immer wieder deutlich sagen, worin der große Nutzen auch des staatlichen oder kommunalen Engagements für die kirchlichen Denkmale besteht. Restaurierte Kirchen haben erheblich längere Haltbarkeitszeiten als Fußball– und Sportstadien, erheblich weniger Betriebs– und Folgekosten, weniger an täglichem Bauunterhalt und Reparaturen. Sie erzeugen kaum infrastrukturelle Folgekosten, verursachen keinen Verkehrsstau, erfordern keine besonderen Verkehrsanbindungen, erzeugen keine zusätzliche Umweltbelastung.

 
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Eine versteckte Hauskapelle und eindrucksvolle Wandmalereien

Gut besuchte Herbstexkursion mit vielfältigen Eindrücken

Mit seiner Herbstexkursion stieß der FAK gleich mehrfach in Grenzbereiche vor: Geographisch ging es in das Grenzgebiet zwischen der alten Provinz Brandenburg und dem Erzstift Magdeburg; noch heute gehört ein Teil der besichtigten Kirchen zur Kirchenprovinz Sachsen (gleichzeitig zum nach der Wende neu geformten Land Brandenburg). Auch organisatorisch werden Grenzen sichtbar – ein Konvoi von etwa 25 PKW mit über 60 Interessenten ist nicht mehr so einfach zu navigieren und es bleibt zu überlegen, ob für künftige Fahrten des Vereins ein Reisebus angemietet werden sollte.

Erste Station – und vielleicht auch der Höhepunkt des Tages – war die Besichtigung der Burganlage in Ziesar. Seit 1214 als Bischofssitz bezeugt und von 1327 bis 1560 die ständige Residenz der brandenburgischen Bischöfe, wurde der Komplex nach der Reformation kurfürstliches, später königliches Domänengut. Seit 1955 schließlich beherbergte die Burg das Internat der Erweiterten Oberschule, das erst vor wenigen Jahren aufgelöst wurde. Im Jahre 2005 soll hier ein aufwändig restauriertes und reichhaltig ausgestattetes "Museum der Christianisierung" seine Tore für Besucher öffnen.

Vor dem Beginn der eigentlichen Bauarbeiten wird hier zur Zeit ausführlich Bauforschung betrieben. Durch den Palas mit den ehemaligen Wohn- und Repräsentationsräumen der bischöflichen Hofhaltung führte Bauforscher Detlev von Olk und erläuterte in dem von späteren Einbauten befreiten Gebäude die wie in einem Bilderbuch lesbaren Bauphasen vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis in die Barockzeit des 18. Jahrhunderts. Erst vor wenigen Jahren wurde hinter Trennwänden eine kleine Hauskapelle mit Resten der ursprünglichen Ausmalung freigelegt. Erstaunlich gut erhalten ist eine Unterboden-Warmluftheizung aus dem 15. Jahrhundert in den Kellerräumen, die später über eine Art Brückenkonstruktion für Besucher erlebbar bleiben soll.

Die ehemalige Burgkapelle, geweiht im Jahre 1470 und heute als katholische Pfarrkirche genutzt, ist mit ihrer einheitlichen spätgotischen Raumfassung eines der wenigen weitgehend unveränderten Beispiele dieser Gattung in Norddeutschland. Restaurator Wilfried Sitte gab hier Auskunft über das Raumkonzept und die Restaurierung der Wandmalereien. Die Schnitzfigur einer Mondsichelmadonna aus dem Ende des 15. Jahrhunderts in der Burgkapelle schlug die Brücke zur nächsten Station der Besichtigungsfahrt – es handelt sich um eine Leihgabe aus der Dorfkirche in Rogäsen.

Dorfkirche Rogäsen

Die Rogäsener Dorfkirche – ein qualitätsvoller Feldsteinbau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts – ist seit dem Abtragen der Dachkonstruktion im Jahre 1978 eine Ruine. Außer der erwähnten Madonnenfigur ist nichts von der ursprünglichen Ausstattung erhalten. Architektin Heidrun Fleege stellte Planungen zur Sanierung des erhaltenen Kirchturms vor.

Kirchengemeinde und Kommune sind bestrebt, später das Kirchenschiff mit einer Dachkonstruktion zu versehen und wieder zu nutzen. An ersten Gesprächen mit der Denkmalpflege hatte sich der FAK beteiligt, konnte auch durch die Vermittlung von zwei Benefizkonzerten behilflich sein.

Die Gründung des Ortes Wusterwitz bezeugt eine Urkunde des magdeburgischen Erzbischofs aus dem Jahre 1159. Die Bedeutung der Siedlung spiegelt sich in seiner eindrucksvollen spätromanischen Feldstein-Saal-kirche in Kreuzform wider. Im Chor blieb eine spätgotische Schablonenmalerei erhalten. Ältestes Ausstattungsstück ist ein mächtiger achteckiger Taufstein des 15. Jahrhunderts.

In der Pfarrkirche von Plaue wurde 1414 nach der Belagerung der dortigen Burg durch Friedrich von Hohenzollern der gefangene Johann von Quitzow "in den Stock gesetzt". Etwa aus dieser Zeit (um 1400) stammt die vollständig erhaltene und freigelegte Ausmalung der Plauer Kirche, die wohl eines der beeindruckendsten Beispiele spätgotischer märkischer Wandmalerei überhaupt ist. Auf der Westwand dargestellt sind im Stile der mittelalterlichen Biblia pauperum die Passion und das Jüngste Gericht, im Zentrum die Reste eines thronenden Christus. Auf die in späteren Jahrhunderten mehrfach wechselnden Patronatsfamilien weisen die zahlreichen Epitaphe und Grabsteine hin.

Seit einiger Zeit sind in Plaue Reparaturarbeiten im Gange, um den Backsteinbau, der im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt, zu erhalten.

Bernd Janowski

 
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Ideen und Initiativen gefragt

Vorstand informierte sich über Bauzustand uckermärkischer Kirchen

Auf einer Fahrt durch die Uckermark informierte sich der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen über den Zustand von Dorfkirchen, die noch gravierende bauliche Probleme haben.

 Dorfkirche Malchow Dorfkirche Malchow - Patronatsloge
Reste der PatronatslogeGroßbildansicht
Dorfkirche Malchow - Innenraum
Dorfkirche MalchowGroßbildansichtInnenraum von WestenGroßbildansicht

In Malchow (nördlich von Prenzlau an der B 109 gelegen) flatterte beim Eintritt in das desolate Kirchengebäude eine Eule orientierungslos zwischen den Resten der Orgel und des Patronatsgestühls umher, bevor sie durch ein zerbrochenes Fenster den Weg ins Freie fand. Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung und Vandalismus bietet das Gotteshaus einen erschreckenden Anblick. Die glatt geputzte Innendecke ist nicht mehr zu retten, die vom Anfang des 18. Jahrhunderts stammende Innenausstattung mutwillig zerstört. Pfarrer Thomas Dietz machte darauf aufmerksam, dass das nächste Kirchengebäude – in Göritz – nur etwa einen Kilometer entfernt ist, und auch dort gebe es Bauschäden. Eine Instandsetzung der Malchower Kirche steht und fällt also mit Ideen für eine künftige Nutzung.

Dorfkirche Blindow Dorfkirche Blindow - Altaraufsatz 
Dorfkirche BlindowGroßbildansichtHölzerner Altaraufsatz von 1601Großbildansicht

Der Dachstuhl der Kirche von Blindow (ebenfalls nördlich der Stadt Prenzlau) wurde vor einigen Jahren repariert. Größtes Problem hier ist der Hausschwamm, der u.a. die Empore befallen hat und dessen Fruchtkörper bestes Anschauungsmaterial für jeden Lehrgang über Holzschutz abgeben würden. Olaf Beckert, Architekt und Mitglied des örtlichen Fördervereins, berichtete, dass nach einem Vorort-Termin mit dem Kirchlichen Bauamt und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege Hoffnung auf einen weiteren Bauabschnitt 2003 besteht. Dies wäre auch dringend notwendig, ehe der Schwamm auf den Renaissance-Altar und die Kanzel von 1607 übergreift.

Axel Kempert, Sachgebietsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises, wies darauf hin, dass die Kirchen in Malchow und Blindow zu den Objekten zählen, die ihm zur Zeit am meisten Sorgen bereiten.

 Dorfkirche Gollmitz - Innenraum Dorfkirche Gollmitz - Fenster
Innenraum der "Wehrkirche" GollmitzGroßbildansichtFenster an der AltarseiteGroßbildansicht

Einen Kontrast bot der anschließende Besuch in Gollmitz, wo der Vorsitzende des Freundeskreises Gollmitzer Wehrkirche, Jürgen von Chamier, über die Erfolge bei der Sanierung der turmlosen Feldsteinkirche berichtete und stolz die vom Annenwalder Glaskünstler Werner Kothe gestalteten neuen Chorfenster präsentierte, die ausschließlich aus Spendenmitteln des Vereins finanziert werden konnten. Hier steht jedoch die Renovierung des einstigen Sakristeianbaus, der später als Erbbegräbnis genutzt wurde, noch aus. Gelder des Amtes für Flurneuordnung konnten mangels Eigenkapital bisher nicht abgerufen werden. Der FAK stellte anlässlich eines Benefizkonzertes im September den Betrag von 1000 Euro zur Verfügung.

Fazit der Rundreise: In Malchow wird sich der Förderkreis Alte Kirchen in Absprache mit den Denkmalschutz-Behörden um die Erarbeitung eines Nutzungs- und Sanierungskonzeptes bemühen. Hier könnte ein Schwerpunkt unserer Arbeit in den nächsten Jahren liegen.   I.L.

 
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Fördermittel des Landes Brandenburg

Für die Restaurierung evangelischer Kirchen hat das Land Brandenburg 2002 Fördermittel in Höhe von rund 1,53 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für die Sanierung der Friedhofskapelle des Stahnsdorfer Südwest-Kirchhofs, der im 14. und 15. Jahrhundert errichteten St.-Nikolai-Kirche in Luckau und des Amtshauses im ehemaligen Lehniner Zisterzienserkloster und heutigen Luise-Henrietten-Stift sind jeweils zwischen 102.000 und 104.000 Euro zur Verfügung gestellt worden. Weitere Mittel wurden für Kirchensanierungen in Bad Wilsnack, Jüterbog, im Kloster Lindow, im Stift Marienfließ und für mehrere Dorfkirchen bewilligt. Gefördert werden gemäß Kirchenstaatsvertrag zudem Restaurierungen im Bereich von fünf weiteren evangelischen Landeskirchen, deren Randgebiete sich auf das Land Brandenburg erstrecken, so Projekte der pommerschen Landeskirche, der Kirchenprovinz Sachsen, der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz sowie der sächsischen und der mecklenburgischen Landeskirche.   epd

 
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Zehn Jahre Schinkel-Gesellschaft

Anlässlich des 10. Jahrestages der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft fand in Neuruppin ein internationales Kolloquium zum Thema "Schinkel und die Gegenwart" statt. Namhafte Wissenschaftler nahmen daran teil, unter ihnen Prof. Rand Carter aus den USA und Dr. Piotr Bering aus Polen. In Vorträgen und Diskussionsbeiträgen wurde die Tagungsthematik hinterfragt. Die Teilnehmer erhielten darüber hinaus einen Einblick in die Geschichte der Gesellschaft und erfuhren von den nächsten Projekten, z. B. der Wiedererrichtung des Schinkel-Denkmals in Neuruppin.

Höhepunkt des ersten Tages in der Neuruppiner Pfarrkirche war die Eröffnung einer Ausstellung mit Schinkel-Autographen aus der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek Berlin. Die Briefe und Notizen wurden erstmals außerhalb der Staatsbibliothek gezeigt.

Zum 11. Schinkel-Tag konnte die brandenburgische Kulturministerin, Prof. Dr. Johanna Wanka, begrüßt werden. Den Festvortrag "Der Dom zu Brandenburg - eine Begegnung mit Schinkel" hielt Prof. Peter Bartram aus Bremen.

Der jährlich von der Gesellschaft gestiftete Schinkel-Preis wurde dem Neuruppiner Architektur- und Ingenieurbüro "Uns Hüsing" verliehen. Damit sind die Leistungen bei der Restaurierung, dem Umbau sowie der Umnutzung denkmalgeschützter Bauten gewürdigt worden.   A.M.

 
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Mit Blick in die Zukunft der Region und mit den Narben der Geschichte

Niederjesar: Vielfalt unter einem ungewöhnlichen Kirchendach

Dorfkirche Niederjesar 
 Großbildansicht
Dorfkirche Niederjesar
 

In der Oderbruchgemeinde Niederjesar wurde gefeiert. Mit dem vorerst letzten Bauabschnitt bei der Wiederherstellung der Kirche wurde ein Projekt vollendet, das über die Region hinaus Modellcharakter haben dürfte. Es ist getragen von der gemeinsamen Verantwortung von Kirchengemeinde, Kommune und aktiver Bürgerschaft für den Wiederaufbau und die Nutzung des Kirchengebäudes.

Bis vor kurzem verfügte der Pfarrsprengel Mallnow über kein intaktes Kirchengebäude – in allen fünf Dörfern erinnerten Kirchenruinen an die letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. 1995 setzten sich die Gemeindekirchenräte dieser Orte zusammen und beschlossen, wenigstens eines der zerstörten Gebäude wieder aufzubauen. Die Wahl fiel, nach heftigen Diskussionen, auf Niederjesar mit seiner mittelalterlichen Feldsteinkirche, umgestaltet von F. A. Stüler. Dass die Kirchengemeinde allein mit der gewaltigen Aufgabe der Sicherung und des anschließenden Auf- und Ausbaus erheblich überfordert sein würde, war von Beginn an klar. Ein "Verein zum Wiederaufbau und zur Förderung der Kirche in Niederjesar" wurde gegründet, die Kommune sagte Unterstützung und Interesse an einer zukünftigen Nutzung zu.

Für die Bauplanung engagierte man den Architekten Heinz E. Hoffmann, der über einschlägige Erfahrungen im Kirchenbau verfügte. Dessen Entwurf wurde von allen Seiten angenommen, obwohl er nicht die bequemste Lösung vorsah. Die Narben der Zerstörung sollten sichtbar bleiben. Statt der ursprünglichen Dachkonstruktion war ein Flachdach vorgesehen, das durch ein umlaufendes Lichtband vom eigentlichen Baukörper abgesetzt ist.

Dieser erste Bauabschnitt konnte dank finanzieller Beihilfen aus Mitteln des Staatskirchenvertrages relativ zügig ausgeführt werden. In einer zweiten Bauphase wurde der Chorbereich durch eine über die gesamte Breite gehende Schiebetür als "Kapelle" für eine kirchliche Nutzung abgetrennt.

In der nun vollendeten letzten Bauphase, finanziert u.a. mit Mitteln aus dem Programm "Ländliche Entwicklung" des Landes Brandenburg, war wieder eine Empore eingezogen worden und unter dieser entstand ein weiterer Raum für kommunale und kulturelle Belange. Auch hier gibt es eine Lamellen-Schiebetür, so dass für größere Veranstaltungen das gesamte Kirchenschiff zur Verfügung steht.

Die Predigt zur Einweihung hielt Generalsuperintendent Wischnath, der nach einem Exkurs in die Geschichte des Kirchengebäudes und der Region allen Beteiligten eine gute Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Nutzung wünschte. Pfarrer Martin Müller und dem Vorsitzenden des Fördervereins, Gunter Pröhl, war der Stolz über das Erreichte anzusehen.

Bernd Janowski

 
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Begegnung mit einem Geschichtsdrama, das lange Zeit ein absolutes Tabu war

Rosower Kirche als Gedenkstätte deutsch-polnischer Schicksale

 
BEDRÜCKENDE Erinnerung an die letzten Kriegstage: der Turmstumpf der Rosower Kirche 

Die kleine Dorfkirche von Rosow nahe der deutsch-polnischen Grenze hatte in den letzten Kriegstagen und in den Wochen danach viel Elend gesehen. Tausende Flüchtlinge, später Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten schleppten sich über die Landstraßen, während jenseits der Oder ebenfalls heimatvertriebene Polen angesiedelt wurden. – In der DDR immer ein absolutes Tabu-Thema, in der Bundesrepublik teilweise sehr einseitig dargestellt.

Umso mehr ist der Plan des Fördervereins Gedächtniskirche Rosow zu begrüßen, gerade hier eine deutsch-polnische Gedenkstätte für Flucht, Vertreibung und Neuanfang unter dem Motto "Begegnung mit der Geschichte" zu schaffen. "Wir möchten die Geschehnisse von damals aus der Sicht der Betroffenen festhalten, aber mit dem Blick nach vorn und der heißt: Partnerschaft innerhalb der Europäischen Union", lautet das Grundkonzept.

Damit kann in die teilweise zerstörte und brach liegende Dorfkirche und ihr Umfeld neues Leben einziehen, wird auch eine kirchliche Nutzung wieder möglich. Das Konzept, das u. a. Ausstellungen, Vorträge, Diskussionsrunden und kulturelle Veranstaltungen vorsieht, soll sich in einer umfassenden und interessanten architektonischen Lösung widerspiegeln.

Der mittelalterliche Grundriss und das vorhandene Mauerwerk bleiben unangetastet; die historische Fenster- und Türengestaltung wird beibehalten. Eine Innenausstattung, auf die man Rücksicht nehmen müsste, gibt es praktisch nicht. Hier ist an eine komplette Neugestaltung gedacht, die der Funktionalität einer Gedenkstätte gerecht wird und auch Gottesdiensten angemessen ist.

Der Turm soll nicht mehr nach historischem Vorbild erneuert werden, eine moderne Lösung wird angestrebt. Zukunftsorientiert ist eine geplante Solaranlage auf dem Kirchendach oder im Freigelände. Die Kirchengemeinde stellt als Eigentümer die Kirche und das Kirchhofgelände für die Gedenkstätte zur Verfügung, die rechtlichen Vereinbarungen dazu liegen vor. Dabei bleibt ein gewisses Hausrecht der Kirchengemeinde bestehen, bei dem die kirchliche Nutzung hinter dem Ausstellungs- und Veranstaltungsort bewusst zurücktritt.

 

Unterstützung erfuhr das Vorhaben bisher vom Amt Gartz (Oder), vom Arbeitsamt Eberswalde durch Bewilligung einer ABM-Stelle für Gelände- und Gebäudeberäumungen, und ein auf gleicher Basis arbeitender Mitarbeiter als konzeptioneller Ansprechpartner für das Projekt konnte eingesetzt werden. Erste Kontakte und positive Reaktionen sind mit der Kommunalgemeinschaft POMERANIA entstanden. Auch die Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden Rosow und Ahrensburg bei Hamburg kommt dem Projekt zugute. Angus Fowler, Vorsitzender des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg und Vorsitzender der europäischen Vereinigung für Dörfer und Kleinstädte ECOVAST, hat seine begleitende Unterstützung zugesagt. Auf der polnischen Seite gibt es in Stargard Partner, die sowohl Interesse für den Erhalt alter Kirchen auf beiden Seiten der Oder haben als auch an der "Gedächtniskirche" interessiert sind. Flüchtlinge, Vertriebene, Umgesiedelte und deren Nachkommen leben auf beiden Seiten der Oder, hier wie dort gibt es den Wunsch nach gemeinsamer öffentlicher Darstellung der deutschen und polnischen Schicksale.

Die Gedenkstätte soll in das Tourismuskonzept der Region eingebunden sein, so auch durch die Nutzung der grenzüberschreitendenden Radwege und des Wasserweges Oder. Bei den verschiedenen Angeboten wird man sich insbesondere auf die Wochenenden konzentrieren. Für den Besuch der Ausstellung im Kirchenschiff soll kein Eintritt erhoben werden; der wieder hergestellte Turm wird künftig als Aussichtsturm über einen Drehkreuzmechanismus mit Münzeinwurf zugänglich gemacht. Schließlich verspricht sich der Verein von dem Projekt auch wirtschaftlich belebende Effekte für den Ort wie für die Umgebung diesseits und jenseits der Grenze.

Karl Lau

Politische Gewichtung

Das Projekt des Förderkreises Gedächtniskirche Rosow findet inzwischen über die Grenzen der Region hinaus Unterstützung. Bundestagsabgeordneter Markus Meckel, der Anfang des Jahres mit seinem Vorschlag, in Breslau ein europäisches Gedächtnis-Zentrum zu diesem Thema zu gründen, eine internationale Diskussion ausgelöst hatte, würdigte diese Idee als wertvolle und sinnvolle regionale Ergänzung einer möglichen europäischen Gedenkstätte. Auch der Gedanke, eine Kirche als einen solchen Ort zu wählen, sei gut. "Schließlich hat der Inhalt einer Gedenkstätte viel mit christlichem Auftrag zu tun: Es geht um Erinnerung und um Versöhnung."

Weitere Informationen: Förderverein Gedächtniskirche Rosow c/o Karl Lau, Dorfstr. 11, 16307 Rosow, Tel.: (03 33 33) 3 02 42, Projektmanagement: Tel. (03 33 32) 8 03 09

 
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Dorfkirche Riedebeck
IMPONIEDERND ist die spätromanische Feldsteinkirche von Riedebeck. Schlichte Romanik prägt auch das Innere der Kirche. Und dennoch wirkt dieser Raum heute kahl und unwirtlich. In den Sechzigerjahren von allen jüngeren Ausstellungsttücken "befreit", ist nun der spätgotische Schnitzaltar wieder aufgestellt worden. Seine Restaurierung steht aber noch aus.
IN AKUTER NOT
 
Unter dieser Rubrik bitten wir diesmal um
 
Ihre Spende für die Dorfkirche Riedebeck
 
Ein kostbarer mittelalterlicher Altar soll gerettet werden.
 
Einst ins Abseits gestellt - nun wieder in guter Obhut

Die spätromanische Feldsteinkirche im kleinen Dorf Riedebeck (nahe Luckau) ist ein imponierender Bau: An den gewaltigen Westturm schließen sich das Schiff, der etwas schmalere Chor sowie die halbrunde Apsis an – die Fachleute sprechen von einer "vollständigen Anlage".

Beim Betreten der Kirche bietet sich jedoch ein ungewohnter Blick in einen riesig wirkenden, leeren und dunklen Raum. Wenn das Auge sich an die veränderte Situation gewöhnt hat, nimmt es wunderschöne Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert wahr und irgendwann ist der Betrachter auch von der strengen Kargheit des Kircheninneren beeindruckt. Trotzdem fühlt er sich eigenartig fremd hier.

Im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen war um 1960 versucht worden, den Kirchenraum auf seine spätromanische Gestalt zurückzuführen. Sämtliche jüngeren Ausstattungsstücke, darunter ein pausbäckiger barocker Taufengel, wurden an eine andere Gemeinde gegeben. Eine gerade Balkendecke entstand und sogar die später vergrößerten Fensteröffnungen im Schiff wurden "rekonstruiert".

Leider geschah dieser Umbau an der Gemeinde vorbei, die kein Museum, sondern einen Andachtsraum für die Gottesdienste brauchte und sich in ihrer Kirche nun nicht mehr so recht "zu Hause" fühlte.

Nach 1990 erhielt das marode Kirchendach eine neue Deckung. Das einzig verbliebene Ausstattungsstück, ein spätgotischer Schnitzaltar, wurde zerlegt und zu seinem Schutz mit einer Folie verhüllt. Ihn wieder auszupacken, fehlten in der Gemeinde lange Zeit die Kraft und auch der Wille.

Dorfkirche Riedebeck - Altarraum 
ANNA SELBDRITT im Schrein des spätgotischen SchnitzaltarsGroßbildansicht

Den fast vergessenen Altar wieder aufzustellen, hatte sich nun ein Verein vorgenommen. Vor einiger Zeit fanden sich etwa zwanzig Interessierte zusammen, um den "Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz" ins Leben zu rufen. Die Initiative will Aktivitäten zur Erhaltung und Nutzung von 38 Kirchen rund um die Stadt Luckau bündeln, um so besser Spendenmittel einwerben und Sponsoren gewinnen zu können. Zunächst habe man einen gemeinsamen Veranstaltungskalender auf den Weg gebracht, um sich bei den zahlreichen Kirchenkonzerten nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen, erzählt Vorstandsmitglied Annegret Gehrmann.

Inzwischen ist der Riedebecker Schnitzaltar zunächst wieder unter dem Triumphbogen zwischen Kirchenschiff und Chorbereich aufgestellt worden. Das soll als ein erstes Zeichen des neuen Förderkreises in der Region verstanden werden.

Ein Konzept des Restaurators wird dann darüber entscheiden, wie mit der gegenwärtigen Farbfassung umgegangen wird, die 1960 ebenfalls der damaligen Vorstellung von mittelalterlicher Kunst angepasst worden war.

Bernd Janowski

Weitere Informationen erhalten Sie über: Annegret Gehrmann; Kirchstr. 1; 15926 Langengrassau; Tel.: (03 54 54) 3 93.

 

Der Förderkreis Alte Kirchen bittet um Spenden für die weitere Instandsetzung der Dorfkirche Riedebeck.

Spenden-Konto: 51 99 76 70 05 bei der Berliner Volksbank;

BLZ 100 900 00; Kennwort: Riedebeck

Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenquittung; bitte geben Sie dafür auf dem Überweisungsträger Ihre Anschrift an.

 
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Warum ein Gemeindepfarrer heute auch ein gewiefter Manager sein muss

Erkenntnisse eines westfälischen "Gastpfarrers" in der Uckermark

Als Pfarrer Scheer Anfang diesen Jahres in den Ruhestand ging, hatten ihn nicht etwa seine Kräfte verlassen; er wollte Platz machen für einen jungen Kollegen. Er hatte 12 Jahre lang die Gemeinde Herten bei Recklinghausen und 19 Jahre die Gemeinde Büren bei Paderborn betreut.

Im Frühjahr nun erhielt er einen Anruf von Pfarrer René Leudesdorff mit der Frage, ob er für vier Wochen im uckermärkischen Gerswalde Vakanzvertretung übernehmen würde. Spontan sagte er zu. René Leudesdorff ist Initiator und Begründer der Evangelischen Zehntgemeinschaft (EZG) mit Sitz in Jerichow, Sachsen-Anhalt. Ziel und Aufgabe dieser Gemeinschaft von zwar älteren, aber durchweg noch rüstigen evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern ist es, Kirchengemeinden in den neuen Ländern personell unter die Arme zu greifen und dafür den zehnten Teil ihrer "freien Zeit" zu spenden. Und so verschlug es den Westfalen für vier Wochen in die Gemeinde Gerswalde.

Er war gespannt auf die Aufgaben, die ihn hier erwarteten. Und da gab es für ihn ganz ungewohnte Situationen. Zum Beispiel die Tatsache, dass sich aus Enttäuschung über die Nichtwiederbesetzung der seit Monaten vakanten Pfarrstelle die Gemeindekirchenräte zweier vom Pfarramt Gerswalde mitversorgten Gemeinden selbst aufgelöst haben. (Es bleibt nur zu hoffen, dass dies Einzelfälle bleiben.)

Ungewohnt für den Gast aus Westfalen war auch die "Diaspora-Situation" der Kirche in dieser Region wie in weiten Teilen der neuen Bundesländer, die Tatsache, als Pfarrer Vertreter und Anwalt einer Minderheit zu sein. In seiner Heimat deckt sich zumeist die Einwohnerzahl der Orte mit der Anzahl der Gemeindeglieder. In Gerswalde mit seinen knapp über tausend Einwohnern sind 38 Prozent Glieder der evangelischen Gemeinde, für die Uckermark schon ein recht gutes Verhältnis. Die Regel sind etwa 20 Prozent.

Auch dass hier ein Pfarrer mehrere Gemeinden zu betreuen hat, war für ihn neu. Zum Sprengel Gerswalde gehören neben Gerswalde selbst (mit Kaakstedt, Berkenlatten, Böckenberg, Friedenfelde und Neudorf) die einst selbständige Kirchengemeinde Flieth (mit Groß Fredenwalde, Stegelitz, Suckow, Vossberg, Pfingstberg und Fergitz) sowie die jetzt hinzugekommene Gemeinde Kuhz (mit Hassleben, Kronhorst und Blankensee). Pfarrer Scheer sieht hier eine ihm bisher nicht begegnete Notwendigkeit der feinfühligen Vermittlung zwischen den seit Jahrhunderten eigenständigen Kirchengemeinden. Man müsse nebenbei auch noch Baufachmann und Experte in bürokratischen Fragen wie z.B. der Beschaffung von Fördermitteln oder anderer Unterstützungen sein, eben ein richtiger "Gemeindemanager".

Probleme sind genug da. Die Sanierung der Kirche in Gerswalde, die schon gut vorangeschritten ist, soll vollendet werden. Um die Verlängerung der SAM-Stelle der Kirchengemeinde muss ebenso gekämpft werden. Die Kirche in Fergitz, als eine der wenigen mittelalterlichen Backsteinkichen der Uckermark fast zur Ruine verkommen, ist zu sichern und deren Sanierung vorzubereiten. In Groß Fredenwalde, einer typischen Feldsteinkirche mit hölzernem Dachreiter, ist der Dachstuhl der Kirche stark gefährdet, und die Westwand droht abzusacken. Stegelitz besitzt eine der wenigen Dorfkirchen der Uckermark mit Kreuzrippengewölbe; hier zerfallen der nördliche Anbau und die Einfriedung des Kirchhofes.

Es wäre müßig, alle Probleme aufzuzählen. Aber gerade diese Herausforderung macht die Arbeit lohnenswert, sagt Pfarrer Scheer. Ihm ist klar, dass man in vier Wochen der Vertretung nicht viel bewegen, mit den Gottesdiensten und Hausbesuchen aber doch ein wenig Mut machen kann. Dank der Zehntgemeinschaft war auch schon für eine Nachfolge vorgesorgt.

Bleibt zu hoffen, dass das Kommen und Gehen durch die feste Besetzung der Pfarrstelle bald ein Ende finden möge. René Leudesdorff aber und seinen Mitstreitern von der Evangelischen Zehntgemeinschaft Jerichow gilt für ihre Hilfsbereitschaft ein herzliches Dankeschön.

A. M.

 
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Lebendiger Mittelpunkt des Ortes und doch auch ein Stiefkind

Engagierten Einwohnern von Liepe sind die Hände gebunden

Die kleine Dorfkirche von Liepe bei Eberswalde (Barnim) kann sich so, wie sie da steht, nicht messen an jenen ehrwürdigen Gotteshäusern, die schon Jahrhunderte auf dem Feldsteinsockel haben. Sie ist gerade erst rund fünfzig Jahre alt - aber eben deshalb auch etwas Besonderes: Wie viele Kirchen gibt es schon, die in DDR-Zeiten neu gebaut wurden?

Dorfkirche Liepe - alte Postkarte 
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Sie ist bereits das vierte Gotteshaus, das an dieser Stelle seit der Zerstörung der ersten Dorfkirche im Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut wurde. Damit hat die Kirche im Mittelpunkt dieses immerhin bald 750 Jahre alten Dorfes also doch eine über 350-jährige Geschichte.

Wenige Jahre nach dem ersten Wiederaufbau erhielt sie eine Glocke von Martin Heinze aus Berlin. 1713 wurde die Kirche im Fachwerkstil ganz erneuert. In den Folgejahren haben die Lieper ihre Kirche immer wieder renoviert, aber auch vergrößert, so mit dem Anbau von Chören und dem Einbau von zwei weiteren Glocken. Zwischen 1868 und 1872 erhielt die Kirche einen Turm mit welscher Haube, vergoldetem Turmknopf und, eingedenk der Fischertradition des Ortes, eine Wetterfahne mit Karpfen, dem Wappentier von Liepe. Auch das Kruzifix stammt aus dem 19. Jahrhundert.

1925 wurde vor der Kirche der große Gedenkstein für die Gefallenen dreier Kriege errichtet, der erst vor kurzem vom Förderverein Dorfkirche Liepe unter tatkräftiger Mithilfe der Lieper und anderer Bürger liebevoll restauriert wurde.

Dorfkirche Liepe 
DIE LIEPER KIRCHE, oben romatisch anzusehen auf einer alten Postkarte, soll Mittelpunkt des Dorfes bleibenGroßbildansicht

Am 3. Januar 1944, genau 300 Jahre nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, brannte die Kirche nieder. Der Glockenturm wurde 1949, die Kirche selbst erst 1951 bis 1953 wieder erbaut; die in den Fünfzigerjahren angebrachte Glocke ist eine Stiftung der Maria-Magdalenen-Gemeinde zu Eberswalde. Die Pläne des vierten Neubaus stammen von dem Berliner Kirchenbaurat Wendland. Dass die Kirche in dieser schwierigen Zeit überhaupt wieder mit tatkräftiger Hilfe zahlreicher Organisationen und Bürger und zum Teil mit örtlichen Mitteln und größtenteils örtlichen Unternehmen wieder aufgebaut werden konnte, legt Zeugnis ab vom besonderen Engagement der Lieper Einwohnerschaft.

Schon in ihrer äußeren Erscheinung als Fachwerkbau schließt sich die Kirche in historischer Kontinuität an ihre Vorgänger an. Seit 1998, seit der Gründung des Fördervereins Dorfkirche Liepe, ist sie auch wieder Mittelpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen dörflichen Lebens. Zahlreiche Veranstaltungen, vor allem Lesungen, Vorträge, Konzerte und Ausstellungen, aber auch Dorffeste finden in der Kirche und auf ihrem Gelände statt. Die Chorgemeinschaft richtete sich im "Gemeinderaum" ein Zimmer für ihre Proben ein. Vom Amt und der Gemeinde veranlasst, wurde mit ABM-Kräften die Kirchenmauer sorgfältig restauriert.

All diese Aktivitäten helfen, die Kirche, die nur noch selten zu Gottesdiensten genutzt wird, zu erhalten und vor dem Verfall zu bewahren. Der aber ist vorprogrammiert, solange nicht auch die Kirchengemeinde als Eigentümer am gleichen Strang zieht. Sie veranlasste bisher lediglich eine kleine Reparatur am Turmdach. Aber die Turmverbretterung ist morsch, ebenso die Außentüren zum Turm und zur Sakristei. Die Eingangstreppe ist einsturzgefährdet, Dachziegel sind porös, über das Fundament, von dem der Putz längst abgefallen ist, dringt Feuchtigkeit ins Mauerwerk.

Liepe hatte noch nie eine eigene Pfarrstelle besessen. Seit den Siebzigerjahren sind die Kirchengemeinden Liepe und Niederfinow zu einer Gemeinde mit Sitz in Niederfinow zusammengeschlossen. Die zeigt mangels Bedarf nur noch wenig Interesse an der Erhaltung des Bauwerkes ― im Gegensatz zu den Einwohnern von Liepe und ihrem Förderverein, die ihre Kirche auch als Dorfmittelpunkt und als ein Zentrum des öffentlichen Lebens erhalten wollen. Die langfristige Nutzung der Kirche durch den Förderverein und die Lieper Bürger entsprechend der Orientierungshilfe zur Nutzung von Kirchen für nichtkirchliche Veranstaltungen, herausgegeben von der EKiBB, wäre in Liepe jedenfalls garantiert.

Karin Többe-Wehberg

 
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Bacchus ließ bitten und brachte in Bölzke Beeindruckendes auf die Beine

Zwei Vereine mit vielen Ideen für den Erhalt der Dorfkirche

In Bölzke steht die Kirche mitten im Dorf. Zwei Vereine kümmern sich in dem kleinen Prignitzort um den zierlichen Fachwerkbau, der ohne diesen Einsatz ungenutzt langsam verfallen würde.

Dieses Problem ist nichts Neues für Bölzke. Bereits im 18. Jahrhundert hatte der Pfarrer des ehemaligen Heiligengraber Stiftsgutes der Äbtissin geklagt, er traue sich kaum, die kleine Schar der Gläubigen sonntags in die Kirche zu rufen, müsse er doch ständig mit dem Einsturz der Kirche rechnen. Die Äbtissin lud die Bölzker daraufhin alle vierzehn Tage in die Stiftskirche ein, wo sie wenigstens eine "an-ständige Predigt zu hören bekämen", und überließ das Klagen dem Pfarrer.

Die Bölzker Bürger, nach den Reformen durch Stein und Hardenberg vom Kloster Heiligengrabe unabhängig, trugen ihre alte Kirche ab und errichteten 1825 eine neue, bescheidene Fachwerkkirche, einen kleinen dreiachsigen Saal, über dessen Westgiebel sich ein Dachreiter erhebt. Der Kanzelaltar stammt noch aus dem Vorgängerbau.

Nur etwa 170 Jahre später wurden erneut Bölzker Bürger aktiv für den Erhalt ihres Kirchleins. Sie suchten nach weiteren Möglichkeiten angemessener Nutzung, die eine Wiederherstellung rechtfertigt und ermöglicht.

Schon die Teilnahme am inzwischen renommierten "Prignitzsommer" fand so große Resonanz, dass Elektrik und einige Fenster erneuert werden konnten. Für die Mittelbeschaffung zur Restaurierung des Dachstuhls und des eindrucksvollen Kanzelaltars werden nun kleinere Feste im Dorf organisiert. Ein Anlass findet sich immer. So gab zum Jubiläum der Glocke ein exquisites Barockensemble ein Konzert mit alten Instrumenten, das wegen der guten Akustik am nächsten Tag für eine CD-Aufnahme wiederholt wurde. Jugendliche aus Bölzke und Boddin ernteten viel Beifall mit ihrem originellen Vortrag von Schillers Glocke, und auch fürs leibliche Wohl war gesorgt.

Ausstellungen, Lesungen, Posaunenkonzerte und Chormusik führten inzwischen immer wieder viele Freunde der Bölzker Kirche zusammen. Sie kamen, um zu feiern, aber auch um zu helfen, sei es mit Geld oder mit Taten. Der finanzielle Höhepunkt konnte bisher durch eine gemeinsame Pflanzaktion erreicht werden: Ein Eichenwäldchen wurde angelegt und der Lohn dafür gespendet. Berliner und Bölzker, junge wie alte, bückten sich nach einer gründlichen Einführung durch den Vereinsvorsitzenden drei Tage lang, um die Pflänzchen ordentlich in den Boden zu bringen. Auf dem anschließenden Pflanzfest begossen, wuchsen sie durch den nassen Frühsommer um so besser an – gelungener Beitrag dafür, dass sich auch kommende Generationen an den schönen Wäldern der Prignitz werden erfreuen können.

Im Frühherbst nun regierte "Bacchus in Bölzke" – so das Motto eines rauschenden Weinfestes. In und vor der mit Weinlaub und Efeu geschmückten Kirche wurde mit stimmungsvoller Klezmermusik gefeiert. Die Musikgruppe Harry's Freilach machte ihrem Namen, der aus dem jiddischen Wort für fröhlich abgeleitet ist, alle Ehre.

Die pfälzischen Spezialitäten Zwiebelkuchen, Brezeln und Kartoffelsuppe fanden reißenden Absatz, dazu der gute Pfälzer Wein, insgesamt sieben Sorten des Weingutes Jesuitenhof aus Dirmstein/Pfalz. Höhepunkt war schließlich die Krönung des Bacchus von Bölzke als Sieger eines Weintestes. Hier waren eine gute Nase, feine Zunge und Trinkfestigkeit gefragt, denn so mancher Tropfen konnte nicht auf Anhieb identifiziert werden. Schwedenfackeln sorgten für "Wärmezentren" und wunderbare Beleuchtung.

Bis weit nach Mitternacht hatten die jungen Bölzkerinnen am Tresen gut zu tun; besonderer Dank gilt ihnen für die Arbeitsstunden, die sie dem Erhalt der Kirche auch diesmal wieder zur Verfügung stellten.

Die von weiter her angereisten Gäste genossen es sehr, so gastfreundlich in der Prignitz aufgenommen worden zu sein.

Susanne Gloger

 
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Dachziegel suchen ihre Paten

Originelle Spendenidee zugunsten einer Waldower Kostbarkeit

Dorfkirche Waldow 
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 Dorfkirche Waldow - Altar
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EINE KOSTBARKEIT besitzt die Waldower Kirche mit ihrer barocken Innenausstattung. Oben: der reich verzierte Altar. Unten: die Orgel auf der Westempore mit dem auf vier gewundenen Stützen ruhenden Ausbau für den Orgelspieler.
Fotos: Pfarramt Waldow

 
Dorfkirche Waldow - Orgel
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Auf der Kirchturmspitze in Waldow, Kirchenkreis Lübben, dreht sich seit einiger Zeit wieder die goldene Wetterfahne; das Dach des Schiffes ist neu eingedeckt, bietet nun sicheren Schutz für einen Schatz besonderer Art: Das Kirchlein birgt in seinem Innern ein beeindruckendes, in sich geschlossenes barockes Ensemble, wie es so in Brandenburg ganz selten ist.

Noch vor kurzem lagen auf diesem Dach hässliche Betonziegel - Relikte aus der DDR-Zeit, als man schon froh sein musste, überhaupt Baumaterial aufzutreiben, um wenigstens die Substanz der Kirche zu sichern. Inzwischen aber war der Beton an einigen Stellen porös geworden, der Dachstuhl durch Schwammbefall beschädigt; die schöne barocke Deckenbemalung darunter und mit ihr die gesamte Ausstattung waren in akuter Gefahr.

Diese Gefahr ist nun zwar erst einmal gebannt. Aber der kleinen Gemeinde, die neben Fördermitteln erhebliche Eigenleistungen in die Instandsetzung von Turm und Kirchendach investierte, fehlen noch insgesamt 15 000 Euro bei einem Gesamtvolumen von 88 000 Euro. Wenn man es ganz genau nimmt: Etliche der neuen Dachziegel müssen noch bezahlt werden.

Spenden sind also willkommen, und die Waldower machen ein originelles Angebot: Werden Sie Pate für einen Ziegel. Schon ab fünf Euro ist man dabei und kann sich auf seinem ganz persönlichen Dachstein auf Wunsch auch namentlich verewigen. Dazu gibt es eine Urkunde und Fotos, die den Erfolg der Aktion darstellen. Später wird die Gemeinde eine Tafel mit den Namen aller Spender anbringen.

Die Kirche wurde 1709 unter dem Patronat derer v. Stutterheim als rechteckiger Fachwerkbau mit verbrettertem Holzturm an der Westfront errichtet. Die Kirchenchronik bewahrt noch heute die verschiedenen Urkunden auf, die bei späteren Ausbesserungsarbeiten im Turmknopf gefunden wurden und die weitere Geschichte des Gotteshauses dokumentieren.

Der Altar ist ein reiches barockes Werk aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Aus gleicher Zeit stammen die mit Ranken und Blattornamenten geschmückte Kanzel sowie der Patronatsstuhl und die Emporenbrüstungen, deren reiche durchbrochene Schnitzerei besonders beeindruckend ist. Von den Malereien am Pfarrsitz ist noch eine Petrusfigur in der unteren Türfüllung erhalten.

1867 hatte die Kirche neue Fenster bekommen und gleichzeitig endlich auch eine barock gestaltete Orgel. Das Messing-Becken der 1899 aufgestellten Taufe ist möglicherweise eine Arbeit aus dem 16. Jahrhundert.

1990, in der Euphorie der ersten Nachwendejahre, waren der gesamte Innenraum und vor allem die schöne barocke Deckenbemalung aufwändig restauriert worden. Die Schäden am Dach mit seinen 1978 aufgebrachten Betonziegeln waren zu dieser Zeit in ihrem ganzen erschreckenden Umfang noch nicht absehbar, sind vielleicht auch unterschätzt worden.

"Gott wolle dieses Haus für Unglück bewahren...", heißt es in der Stiftungsurkunde von 1709. Dieser Wunsch ist heute so aktuell wie eh und je. Jeder kann mithelfen, dass er erfüllt wird.

Christian Raschke

 

Spendenkonto der Kirchengemeinde: Kto.-Nr. 154444014, Bank für Kirche und Diakonie Duisburg, BLZ 350 601 90, Verwendungszweck: RT 1174, Ziegelpatenschaft

Spendenbescheinigungen und weitere Informationen: Pfarrer Christian Raschke, Dorfstr. 14, 15910 Waldow, Tel. (03 54 77) 2 62

 
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Wie aus einer anfänglichen Wunschliste ein realisierbares Projekt wurde

Löwenbruch renoviert drei Kirchen über eine Vergabe-ABM

Die Kirchengemeinde Löwenbruch stand im vergangenen Jahr wie so viele andere Kirchengemeinden in Brandenburg vor dem Problem, dass zwar eine Reihe von Bauvorhaben an insgesamt drei noch nicht abschließend sanierten Dorfkirchen notwendig war, dass aber weder die erforderlichen Eigenmittel noch Fördermittel aus den bekannten Fördertöpfen wie zum Beispiel "Dach und Fach" oder "Dorferneuerung" zur Verfügung standen. Auf Anraten des zuständigen Baubüros im Kirchenkreisverband Süd entschloss man sich im September 2001 zu einem anderen Weg: Sanierung über eine Vergabe-ABM.

Nach dem ersten Findungsprozess musste im Oktober 2001 alles sehr schnell gehen, da die Arbeitsverwaltung rechtzeitig vor Beginn des neuen Haushaltsjahres Planungssicherheit haben wollte. Zunächst musste eine geeignete Projektstruktur für eine Vergabe-ABM gefunden werden. Hier waren einige Rahmenbedingungen zu beachten, da zu kleine Projekte den Verwaltungsaufwand einer solchen Maßnahme nicht tragen, zu kleinteilige Projekte kein Interesse bei den anbietenden Fachfirmen hervorrufen und darüber hinaus die Forderungen des Arbeitsamtes nach öffentlichem Interesse beachtet werden müssen. Um hier keine Fehler zu begehen, wurde das Berliner Projektsteuerungsbüro delphiCon mit der Vorbereitung und Begleitung beauftragt.

Nachdem eine Wunschliste mit allen benötigten Sanierungsleistungen der Kirchengemeinde Löwenbruch erstellt und gesichtet worden war, konnte folgender Leistungsumfang definiert werden:

Bei den Dorfkirchen in Genshagen und Wietstock sollten die Außenfassaden und die Innenräume putz- und malermäßig saniert werden sowie Tischlerarbeiten an den Fenstern, Türen, Kirchenbänken etc. vorgenommen werden. Des Weiteren wurde eine Umgestaltung der Aussegnungshalle Genshagen einschließlich der Errichtung eines Anbaus geplant.

Bei der Dorfkirche in Groß-Schulzendorf reichten die Eigenmittel nur für die Innenrenovierung und eine partielle Schwammsanierung aus. Am Anbau des Gemeindehauses in Löwenbruch wurden Dach- und Zimmermannsarbeiten vorgesehen.

Für dieses Projekt wurde beim zuständigen Arbeitsamt ein Förderantrag über sieben Monate Laufzeit mit 15 geförderten Arbeitskräften eingereicht, wobei zur besseren Ausnutzung der Fördermittel eine Teilzeitarbeit vereinbart wurde.

Parallel zur Bearbeitung des Antrags durch das Arbeitsamt wurde ein Architekturbüro mit der Erstellung der Leistungsverzeichnisse beauftragt, die wiederum durch den Projektsteuerer delphiCon in ABM-spezifische Ausschreibungsunterlagen integriert wurden. Im Ergebnis der öffentlichen Ausschreibung wurde die Firma BEAG - ein Berliner Bauunternehmen – über einen VOB-Vertrag mit der fristgerechten Realisierung der Leistungen unter Einsatz der geförderten Arbeitskräfte beauftragt. Die Bauleitung verblieb in diesem Projekt beim Baubüro des Kirchenkreisverbandes Süd.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann gesagt werden, dass in dem Projekt nicht nur die geplanten Ziele erreicht werden, sondern zwei weitere Kirchen in den Projektumfang aufgenommen wurden (Sockelsanierung) und die Kirchengemeinde Löwenbruch ihrem Ziel, der Sanierung aller Dorfkirchen unter möglichst sparsamer Verwendung der Eigenmittel, ein gutes Stück näher gekommen ist.

Ähnliche Erfahrungen wie im Projekt Löwenbruch wurden auch in den fünf Schwesterprojekten des Kirchenkreisverbandes Süd gesammelt, in denen über Vergabe-ABM sechs weitere Kirchen und vier Gemeindehäuser saniert wurden (Schwerpunkte hier: Dachstühle, Dacheindeckungen, Maurer-, Trockenbau- und Malerarbeiten). Aus Sicht der Beteiligten hat sich bei allen Projekten gezeigt, dass Vergabe-ABM bei geeigneter Projektstruktur und einer ausreichenden Förderung durch das Arbeitsamt eine sinnvolle Alternative zu konventionellen Projekten sein können.

Eckhard Schomerus

Projektinfo

Kurzbeschreibung

Über eine Vergabe-ABM werden im Verantwortungsbereich der KG Löwenbruch drei Kirchen saniert. In dem siebenmonatigen Projekt sind 15 geförderte Arbeitskräfte beschäftigt.

Finanzierung

Arbeitsamt 80%, Eigenmittel 20%

Ansprechpartner

Baubüro des Evangelischen Kirchenkreisverbandes Süd, Manfred Guder, Tel. (0 30) 6 89 04-1 38
KG Löwenbruch, Pfarrer Petzold, Tel.: (0 33 78) 51 01 71
delphiCon, Eckhard Schomerus, Tel.: (0 30) 42 08 29-0

 
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Für die Rettung historischer Orgeln

Für den Erhalt von 20 historischen Orgeln in Brandenburger und Berliner Kirchen hat der Förderverein ,,Aktion zur Rettung historischer Orgeln" seit der Gründung vor zehn Jahren rund 204.500 Euro zur Verfügung gestellt, so für die 1723 gebaute Wagner-Orgel in der Berliner Marienkirche, für die Grüneberg-Orgel von 1773 in der Dorfkirche Gohlitz, die Buchholz-Orgel von 1822 in der Wachower Dorfkirche und die Baer-Orgel von 1854 in der Stadtkirche Niemegk.

Der Verein ist aus einem Kreis von Orgelfreunden und –experten hervorgegangen, die dem Verfall von Orgeln und anderen Kulturgütern in der Region entgegen wirken wollen. Seine Arbeit besteht im Erfassen wertvoller historischer Orgeln aus den verschiedenen Epochen sowie im Sammeln von Spenden für die Erhaltung und Pflege der Instrumente.

Für die kommenden Jahre hat der Verein bereits zehn weitere Orgelrestaurierungen ins Auge gefasst. Besonders bedeutend ist darunter die Sanierung der nach 1820 in Groß Muckrow entstandenen Orgel. Das Instrument ist durch den Holzverkauf in der Umgebung und durch Verpflegungsgelder russischer Soldaten finanziert worden, die die Kirche im Krieg besetzt und als Unterkunft genutzt hatten.

Spenden für weitere Förderprojekte erbittet der Verein auf sein Konto 327060001 bei der Deutschen Bank 24 (BLZ 10070024).

 
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BUCHTIPPS

Märkische Dorfkirchen in Pastell

 
KIRCHE DIERBERG im Ruppiner Land, Pastell von Franz Ehmke

Eine reizvolle Darstellung von 200 märkischen Dorfkirchen in farbigen Pastellen bietet der Bildband "Märkische Dorfkirchen", erschienenen im Verlag Bock und Kübler. Autor Franz Ehmke, seit 1965 als Schriftsteller, Zeichner und Fotograf für Buch– und Zeitschriftenverlage tätig, schuf alle Bilder des Buches in den vergangenen zehn Jahren unter dem jeweiligen tages– und jahreszeitlichen Eindruck direkt vor Ort. So entstanden stimmungsvolle Momentaufnahmen, die gemeinsam mit kurzen Texten Vergangenheit und Gegenwart lebendig werden lassen. Und dass manche Kirche, vor wenigen Jahren noch als Ruine skizziert, inzwischen wieder auferstanden ist, ermutigt zu weiterem Engagement für die Rettung und Erhaltung der märkischen Dorfkirchen.

Gegliedert sind die Darstellungen, die selbstverständlich nur eine Auswahl der brandenburgischen Kirchen sein können, nach den alten und wieder in Gebrauch kommenden Landschaftsbezeichnungen wie Prignitz, Ruppiner Land, Uckermark usw., wobei jede Landschaft im vorangestellten Text vorgestellt wird. Im Anhang findet der Leser Hinweise, wie die jeweiligen Orte zu erreichen sind. Ein Zeittafel gibt einen Abriss der brandenburgischen Geschichte auch mit Blick auf die Kirchenarchitektur der einzelnen Epochen.

Franz Ehmke: Märkische Dorfkirchen, 248 Seiten, Festeinband, Format 28 x 24,5 cm; 24,80 EUR,
ISBN 3-86155-102-0

 

Ein Hungertuch erzählt Jesu Leben

Seit etwa 1000 Jahren lässt sich während der vierzigtägigen Fastenzeit der Brauch nachweisen, mit einem sogenannten Fasten- oder Hungertuch den Altarraum vom Kirchenschiff abzutrennen und so das Geschehen im "heiligen Bezirk" für die Gemeinde unsichtbar zu machen. Durch ein "Fasten der Augen" sollte die Bedeutung dieser wichtigen Zeit im Jahreskreis verstärkt werden.

Während diese Verhüllung zuerst mit einfachen Leinentüchern vorgenommen wurde, setzte sich schon bald ein reichhaltiger Bildschmuck mit kunstvollen Stickereien durch. Eines der wenigen mittelalterlichen Tücher, die erhalten blieben, ist das aus der Zeit um 1300 stammende Hungertuch des Brandenburger Domes.

Der Förderverein "Dom zu Brandenburg" e.V. widmet der Beschreibung dieser Leinenstickerei nun das erste Heft einer neuen Publikationsreihe "Alte Kunst im Brandenburger Dom". Die Kunsthistorikerin Renate Kroos erläutert die Ikonographie des Tuches und beschreibt einzeln die dreiunddreißig Bilder aus der Lebensgeschichte Jesu. Einzelfotos der Bildfolge erlauben einen Einblick in die Arbeit der Stickerinnen vor 700 Jahren – anhand technischer Details lassen sich mindestens sechs verschiedene "Handschriften" nachweisen.

Ergänzt wird das schmale Bändchen durch Texte von Christa-Maria Jeitner zum liturgischen Gebrauch des Brandenburger Hungertuchs sowie zur Geschichte seiner Herstellung und Restaurierung.

Bestellung möglich über Förderverein "Dom zu Brandenburg" e.V.; Prof. Knud Caesar; Tel.: (0 30) 8 05 36 74

Renate Kroos / Christa-Maria Jeitner: Das Brandenburger Hungertuch. Alte Kunst im Brandenbur-ger Dom I. Herausgeber: Förderverein "Dom zu Brandenburg" e.V , 4,65 EUR

 

Traumreise zu einer Königin

Mit einer Aktion will der Verein Orgellandschaft Mark Brandenburg e. V. in besonderer Weise etwas für die Welt der Orgelkunst und zugleich auch für den Erhalt von Orgeln tun. Diesem Zweck dient ein Hörbuch von Wolf Bergelt "Die klingende Königin", das dazu geeignet ist, "Kinder von 9 bis 99" auf dieses einzigartige Instrument neugierig zu machen.

Kirchengemeinden und Orgelkonzerthäuser, die das Hörbuch zum Verkauf anbieten, erhalten dafür einen besonderen Gewinn-Spendenrabatt, der ausschließlich für die Pflege, Erhaltung, Restaurierung, den Neubau oder die künstlerische Nutzung ihrer Orgel bestimmt ist, so dass sich die wachsende Zahl der Käufer jeweils mit einem wachsenden Konto für den Erhalt der Orgel verbinden kann.

Bestellungen können schriftlich, per Fax oder E-Mail mit der Bitte um Einräumung des Spendenrabattes direkt an die folgende Verlagsanschrift gerichtet werden:

Verlag Freimut & Selbst, "edition hörsinn", Dorotheenstraße 16, 12557 Berlin;
Tel/Fax: (0 30) 65 26 52 72; E-Mail: fs@freimutselbst.de

Mehr Informationen zum Hörbuch auch unter www.freimutselbst.de

Wolf Bergelt: Die klingende Königin. Eine poesievolle Traumreise zur Orgel. 16,- EUR, ISBN 3-9805293-3-9

 

Theologie und Kultur in der evangelischen Kirche

Darf in einem "Kirchenkonzert" auch weltliche, gar populäre Musik gespielt werden? Welche Bilder oder Installationen vertragen sich bei einer Ausstellung mit der Würde des sakralen Raumes? Wie steht es mit Theater in der Kirche, mit Tanz- oder Filmvorführungen? Gemeinden oder Vereine, die ihre Kirchengebäude auch außerhalb der immer seltener werdenden Gottesdienstzeiten öffnen wollen, stoßen häufig auf diese oder ähnliche Fragen – und damit oft auch an Grenzen.

Zwei Publikationen geben jetzt Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Theologie und Kultur in der protestantischen "Kirche des Wortes".

Eine soeben erschienene Denkschrift der evangelischen Kirche äußert sich zu Grundsatzfragen im Verhältnis von Hoch- und Trivialkultur auf der einen und Religion auf der anderen Seite sowie mit den praktischen Möglichkeiten einer Annäherung. Der Begriff Kultur wird dabei erfreulicherweise weit gefasst und über die zeitweise Veranstaltung künstlerischer "Events" hinausgehend betrachtet – Kultur hat auch mit "Lebensformen und Glaubenspraxis" zu tun.

Mehr an der Praxis orientiert als die etwas theorielastige Denkschrift ist ein ebenfalls neues Handbuch "Kirchenräume – Kunsträume", herausgegeben vom Kunstdienst der Evangelischen Kirche Berlin und dem Amt für Gemeindedienst der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Das Buch möchte, aufbauend auf konkreten Erfahrungen der Autoren mit dem Kirchenraum und der künstlerischen Beschäftigung mit demselben, praktische Hilfe leisten. Die Einbeziehung von Werken der bildenden Kunst, von Farben und Klängen in den Gottesdienst ist ebenso Thema wie die Umsetzung von Ausstellungsprojekten sowie deren Finanzierung. Bezugspunkt aller Einzelbeiträge ist immer der konkrete Raum.

Durch künstlerische, spielerische Beschäftigung mit dem Kirchenraum wird es oft möglich, Vertrautes aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und seinen Wert neu zu entdecken. Bemühungen, das Kirchengebäude als Ort des kulturellen Gedächtnisses im Gemeinwesen zu erhalten, werden dadurch verstärkt und in manch einem Fall vielleicht sogar erst geweckt.

"Räume der Begegnung. Religion und Kultur in evangelischer Perspektive."
Denkschrift der evangelischen Kirche und der Freikirchen.
Gütersloher Verlagshaus. 96 Seiten, 7,95 EUR

"Kirchenräume – Kunsträume. Ein Handbuch."
Herausgeber: Zentrum für Medien Kunst Kultur im Amt für Gemeindedienst der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers,
Kunstdienst der Evangelischen Kirche Berlins.
LIT Verlag, Münster. 384 Seiten, 15,90 EUR

 
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Kritisch gesehen: Geschlossen wegen einer Ausstellung?

Tag des Offenen Denkmals in Prenzlau. Im Innenhof des Dominikanerklosters findet das Abschlusskonzert der Uckermärkischen Musiktage statt. Zuvor bleiben dem Besucher noch mehr als zwei Stunden Zeit zum Flanieren durch die Stadt und zur Besichtigung anderer geöffneter Denkmale: St. Marien in ihrer beeindruckenden Leere, St. Nikolai mit dem herrlichen Schnitzaltar von 1609, auf dem die Häscher am Fuße der Kreuzigungsszene um die Kleider Christi nicht würfeln, sondern tatsächlich Karten spielen.

Dann zieht es den Spaziergänger zur St.-Jakobi-Kirche. Von weitem verheißt ein Spruchband, die Kirche sei zur stillen Andacht ständig geöffnet. Am Portal jedoch ein Zettel: Im Kirchenraum findet gerade eine Bibel-Ausstellung statt und wegen der wertvollen Exponate müsse das Gotteshaus verschlossen bleiben. Am Tag des Offenen Denkmals wegen einer Ausstellung geschlossen. - Prenzlauer Logik?

Robert Hacker

 
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