Mit guter Bilanz

Herzlicher Dank an alle Mitglieder und Freunde

Wenn wir in diesen Tagen vor dem Jahresende Rückschau halten auf die vergangenen zwölf Monate, so können wir dankbar feststellen, dass die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg eine erfreuliche Entwicklung genommen hat. Wir werden in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen, von lokalen Fördervereinen und Kirchengemeinden als Ansprechpartner gefordert und von der Landeskirche und den Institutionen der Denkmalpflege auf Kreis- und Landesebene als Partner geschätzt.

Ein großer Erfolg war unsere Pressefahrt im August in die Uckermark, die zahlreiche Presseberichte und Beiträge im Fernsehen und Rundfunk zur Folge hatte. Von unserer vierten Fachtagung "Die Kirche im Dorf lassen" konnten rund 60 Vertreter von Fördervereinen und Initiativen im Gespräch mit Experten wieder gute Erfahrungen für ihre weitere Arbeit mit nach Hause nehmen. Von der gewachsenen Anerkennung der vielfältigen Initiativen zur Erhaltung der Brandenburger Dorfkirchen zeugte unser Gespräch mit dem Landesbischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Dr. Huber.

Die verstärkte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit brachte jedoch Schritt für Schritt auch eine größere Arbeitsbelastung mit sich. Die Zahl der gewünschten Beratungsgespräche vor Ort ist angestiegen. Wahrscheinlich auch auf Grund des Projekts ,,Startkapital für Kirchenfördervereine" sind wir zur Zeit bei mehreren geplanten oder kürzlich vollzogenen Vereinsgründungen als Ansprechpartner gefragt. Mehrfach ist uns eine Mittlerrolle zwischen ehrenamtlichen Vereinen und Kirchengemeinden bzw. Kommunen zugefallen. Unser besonderes Engagement gilt in nächster Zeit der Rettung der Kirche von Küstrinchen. Und nicht zuletzt wollen wir für unsere Mitglieder weiterhin ein interessantes Programm mit Exkursionen, Vorträgen etc. bieten.

Für nächstes Jahr ist wieder die Herausgabe unserer Broschüre ,,Offene Kirchen" geplant und unser Mitteilungsblatt "Alte Kirchen" wird Mitglieder und Interessenten kontinuierlich informieren.

Wir danken Mitgliedern und Freunden unseres Förderkreises für ihre Beiträge und Spenden, die unsere Arbeit zur Erhaltung von Dorfkirchen ermöglichen, und erhoffen auch für das kommende Jahr Ihre großzügige Unterstützung.

Bernd Janowski

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Die verschlungenen Pfade, zu Geld zu kommen

Von der vierten Fachtagung "Die Kirche im Dorf lassen"

Auf Einladung des Förderkreises Alte Kirchen nahmen etwa 60 Vertreter von Fördervereinen und Initiativen vorwiegend des Landkreises Uckermark die Gelegenheit wahr, sich im Gespräch mit Experten für ihre weitere Arbeit bei der Erhaltung und Nutzung der Kirchen zu informieren. Auf dieser vierten Fachtagung ging es vor allem um Mittelbeschaffung und organisatorische Voraussetzungen.

Landrat Dr. Joachim Benthin nannte in seinem Grußwort gleich das Hauptproblem: die schlechte finanzielle Ausstattung der Denkmaleigentümer, seien es private, kommunale oder kirchliche. "Es kann und darf nicht nur der Eigentümer als einziger finanziell verantwortlich sein für sein Bauwerk, das nur deshalb in der Denkmalliste steht, weil an seiner Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht", sagte er. Also habe sich die Öffentlichkeit ebenso an der Erhaltung zu beteiligen. "Kultur ist zwar eine landeshoheitliche Aufgabe in unserer föderalen Republik, Hilfe nehmen wir jedoch gerne und problemlos an. Über das Altschuldengesetz treibt der Bund hart jede Mark ein, dort ist er Gläubiger als Rechtsnachfolger der DDR. Er ist aber meines Erachtens auch Schuldner als Rechtsnachfolger der DDR, die die Denkmale, wie z. B. Schlösser, Gutsanlagen oder Kirchen hat verfallen lassen." Die Kulturnation Deutschland könne es sich nicht leisten, im 21. Jahrhundert Bauwerke verfallen zu lassen, die viele Generationen über Katastrophen und Kriege hinweg gerettet haben in eine Zeit, in der technisch fast alles machbar ist, in der der Lebensstandard höher ist als je zuvor.

Patentrezepte, wie heutzutage noch Gelder aufzutreiben sind, waren nicht versprochen worden. Doch als Rudi Piwko von der Socius Organisationsberatung GmbH alle aufforderte, von den eigenen Erfahrungen in der Spendeneinwerbung zu sprechen, kam ein bunter Strauß origineller Ideen zustande: von der Möglichkeit, für 44 Mark seinen eigenen Kirchenstuhl zu kaufen, bis zu Spenden-Urkunden, Stifternamen in Glasfenstern oder auf einer Ehrentafel, beschrifteten Schieferstückchen vom Kirchendach als Dankeschön, persönlicher Ansprache auch von inzwischen verzogenen Einwohnern und Kontaktpflege. Weitere Tipps gab Rudi Piwko u.a. zum Umgang mit Sponsoren und Stiftungen, zu diesbezüglicher Literatur, zur Beantragung von Bußgeldern — konkrete Wegweiser für die verschlungenen Pfade der Fördermittelbeschaffung.

Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz, Potsdam, stellte sein Statement über die Nutzungserweiterung sakraler Gebäude unter das Motto der Fachtagung "Die Kirche im Dorf lassen" und verwies auch auf die Umkehrung dieses Satzes. Als spontane Reaktion auf seinen Aufruf zum Miteinander in der Gemeinschaft kam sogleich der Vorschlag, diese Rede als Hirtenbrief doch allen kirchlichen Mitarbeitern an die Hand zu geben, da es in einigen Kirchengemeinden noch, auch gegenseitige, Berührungsängste gebe (Möglichkeit zum Download). Als Beispiel: die nicht konfliktfreie Diskussion um eine Ausstellung von Künstlern in der Dorfkirche Jakobshagen. Der GKR fordert dort für ähnliche Benefizveranstaltungen eine Vorabnahme.

Roland Schneider vom Brandenburgischen Landesamt umriss die denkmalpflegerischen Zielvorstellungen bei der Sanierung von Kirchengebäuden und verwies auch auf den ideellen Wert beim Erhalt der Kirchen durch die Bürger und auf die Identitätsfähigkeit der Kirche für die Dorfbewohner. Heike Hofmann von der Landesagentur für Struktur und Arbeit Brandenburg und Gerlinde Peper vom Amt für Flurneuordnung und ländliche Entwicklung Prenzlau erläuterten die zunehmend schwerer werdende Finanzmittelbereitstellung und den Einsatz von Vergabe-ABM bzw. SAM. Ein guter Tipp zum Abschluss: Die LASA bietet bei ABM-Projekten kostenlos ihre Hilfe an durch Hinweise auf mögliche Tätigkeitsfelder und Finanzierungsmöglichkeiten, durch Abschätzung der Einsparungspotentiale und Vorschläge für das Organisationsverfahren, und sie vermittelt bei Anträgen ans Arbeitsamt.

Hans-Christian Johannsen

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Die Auferstehung einer Totgesagten

Wie Babelsberger Enthusiasten ein kleines Wunder vollbrachten

Kirche auf dem Neuendorfer Anger
Kirche auf dem Neuendorfer Anger
 In den öden Fensterhöhlen wohnte lange das Grauen.
Foto: Sigrid Kubiziel
 
Kirche auf dem Neuendorfer Anger
 Eine Bauzeichnung spiegelt Vergangenheit und Zukunft der Kirche

Hundert Jahre lang stellte die kleine achteckige Dorfkirche auf dem Neuendorfer Anger, dem alten Siedlungskern von Babelsberg, eine Verlegenheit dar. Schon Ende des 19. Jahrhunderts war das Gebäude für die Gemeinde zu klein geworden; 1899 wurde die Bethlehemkirche daneben gestellt. Dem Plan, in dem nun verlassenen Kirchlein ein Jugendzentrum einzurichten, widerstanden die Proportionen des seinerzeit von König Friedrich Wilhelm IV. entworfenen und 1850/52 nach einem Plan von Hesse durch Ziller erbauten Gotteshauses. So verpachtete man es fortan als Lagerraum. Dem Verfall wurde nur notdürftig Einhalt geboten. Wegen seiner besonderen Schönheit stand das Gebäude aber schon in den zwanziger Jahren unter Denkmalschutz.

Als die Bethlehemkirche 1941 und 1945 infolge Kriegseinwirkungen schwer beschädigt worden war, erwog man, die Alte Neuendorfer Kirche zur gottesdienstlichen Nutzung wieder herzurichten, da deren Kriegsschäden immer noch beherrschbar erschienen. Aber die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Nachkriegszeit legte dann doch nahe, den Saal im nahen modernen Gemeindehaus zu einem würdigen Kirchsaal auszubauen. (Die Ruine der Bethlehemkirche war 1952 gesprengt und abgetragen worden.)

Ende der siebziger Jahre sollte der Neuendorfer Anger – und mit ihm die Kirche – einer zweispurigen Zubringerstraße zur Nutheschnellstraße weichen. Die Kirchengemeinde musste ihre Grundstücke an die Stadt Potsdam verkaufen, das Kirchendach wurde abgedeckt, das Gewölbe stürzte ein. Heftige Bürgerproteste erreichten es jedoch, unterstützt von einsichtigen Mitarbeitern der Stadtverwaltung, dass die Straße nicht gebaut wurde. Der altehrwürdige Platz war erst einmal gerettet und mit ihm die Kirchenruine.

Der Nachwendeplan, das Oktogon zu einem jüdischen Gemeindezentrum auszubauen, wurde wieder fallen gelassen, so dass Gisela Opitz als Stadtverordnete (Bürgerbündnis) 1998 schließlich den Antrag in der Stadtverordnetenversammlung stellte, dass der verwahrloste Anger und die Kirche wiederherzurichten seien. Die Debatte über den abgelehnten Antrag wurde von der Presse aufgegriffen, und nun begann das kleine Wunder:

Bürger, Baufirmen, Architekten und das Arbeitsamt meldeten sich bei der Initiatorin: Was können wir tun? Die seitdem gebildete Bürgerinitiative wurde 1999 in einen gemeinnützigen Verein verwandelt, um Sponsorenleistungen steuerlich begünstigt abrechnen zu können. Der Förderverein Alte Neuendorfer Kirche und Neuendorfer Anger e.V. handelte mit der Stadt Potsdam eine Art Gestattungsvertrag aus, der dem Verein die Lasten eines Grundbesitzers erspart, jedoch die Nutzung des Gebäudes erlaubt, ohne dass Miete oder Pacht gezahlt werden müssten, wobei die Gegenleistung des Vereins – die Wiederherstellung des Baus – berücksichtigt wird. Hierbei wurde juristisches Neuland betreten. Der Verein hat dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg für manchen Rat zu danken.

Inzwischen sind die Unterlagen für den ersten Bauabschnitt – Wiederherstellung der Gebäudehülle – fertiggestellt, der Bauantrag eingereicht (April 2000), die Baugenehmigung erteilt (Februar 2001). Eine Beihilfe aus Mitteln der Stadtbildförderung wurde beantragt, deren Genehmigung dank der Mithilfe des Sanierungsträgers "Stadtkontor" in Babelsberg in Bälde erwartet werden darf. Bemerkenswert: Die Förderkriterien wurden weitherzig ausgelegt, so dass der Eigenanteil des Vereins über die Sachleistungen der Firmen ausgewiesen werden durfte. Dach und Dachstuhl werden zu 100 % gefördert, alle übrigen Arbeiten über Sponsoren.

Jetzt ist das Gebäude eingerüstet, das Mauerwerk wird saniert, die Fenster werden eingebaut, fehlende Steine nachgebrannt, so dass im Frühjahr mit den Dacharbeiten begonnen werden könnte. Die Baudenkmalfirma Roland Schulze aus der Nachbarschaft hat die Bauleitung übernommen, und ihr Chef (auch Mitglied des Vereins) ist unermüdlich in der Gewinnung von Mitstreitern.

Gisela Opitz

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Was bringt´s, eine Kirche zu retten, wenn es bisher auch ohne sie ging?

Fragen von Journalisten auf einer Pressefahrt des Förderkreises

Journalisten nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie kompetenten Gesprächspartnern eindeutige Antworten auf diffizile Fragen entlocken wollen. Das war auch so während der Presseinformationsfahrt, zu der der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg im Spätsommer in die Uckermark eingeladen hatte.

Vertreter von Funk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen und Zeitungen aus der Region und von überregionalen Medien waren der Einladung gefolgt und nutzten die gute Gelegenheit, sich vor Ort über dringend notwendige Instandsetzungen von Dorfkirchen zu informieren und der Sache auch mit unbequemen Fragen auf den Grund zu gehen. Antwort gaben u.a. Prof. Dr. Detlef Karg, Landeskonservator des Landes Brandenburg; Dr. Hartmut Dorgerloh, Referatsleiter im Brandenburger Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur; Matthias Hoffmann-Tauschwitz, Stellvertretender Leiter des Kirchlichen Bauamtes der EKiBB; Axel Kempert, Sachgebietsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Uckermark, Roland Schneider, Gebietsreferent beim Landesamt, und Dr. Ulrich Bopp, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung Stuttgart, die sich bereits um die Förderung zahlreicher bürgerschaftlicher Initiativen u.a. im Land Brandenburg verdient gemacht hat und jetzt auch das neue, von Bernd Janowski im Pressegespräch vorgestellte FAK-Projekt "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" wesentlich unterstützt.

Zündstoff für bohrende Fragen hatte beim Besuch verschiedener Dorfkirchen vor allem die Ruine in Küstrinchen geliefert: ein barockes Baudenkmal, akut einsturzgefährdet, seit Jahren verwahrlost, hinterm wuchernden Dickicht offenbar vergessen von den 49 Einwohnern und wohl auch von den neun evangelischen Christen unter ihnen, die im nahen Lychen zum Gottesdienst gehen können. Wer braucht denn noch den alten Bau, wofür ein Wiederaufbau? Auch der Vertreter des kreiskirchlichen Bauausschusses zuckte leicht mit den Schultern – das bisschen Geld sei woanders besser einzusetzen.

Fernsehkameras, klickende Fotoapparate, Mikrofone, der ungewöhnliche Menschenpulk am Zaun, der das Betreten der Ruine verhindern soll und selbst zusammenbricht, - das weckte dann doch auch das Interesse von Einwohnern. Eine junge Frau, zwei Kinder an der Hand, meinte, sie würde schon mitmachen wollen, wenn hier endlich etwas zum Erhalt des Baudenkmals geschehen würde. Ein Alteingesessener wusste von alter und jüngerer Geschichte der Kirche zu erzählen und ließ dabei unausgesprochen erkennen, dass man sie als ein Zentrum des Gemeinwesens eigentlich nicht missen möchte.

"Ja was denn nun?" fragte einer der Journalisten im späteren Pressegespräch. "Erhaltung solcher Bauten, na gut. Aber wofür?" Antworten aus verschiedener Sicht: Der Denkmalpfleger Prof. Dr. Karg: "In unseren Kirchen hat sich Kulturgeschichte vergegenständlicht. Funktion oder Nutzung können hier nicht grundsätzlich von Wirtschaftlichkeit abhängig gemacht werden." Hoffmann-Tauschwitz aus kirchlichem Blickwinkel: "Evangelische Kirchen sind ,öffentliche Räume‛. Auch wenn es die Kirchengemeinde am Ort nicht mehr gibt, bleiben sie dem Gemeinwesen verpflichtet und sollten ihm zur Verfügung gestellt werden." Dr. Dorgerloh: "Die Dorfkirchen haben in Brandenburg eine besondere Bedeutung. Sie können heute ein Anker sein, damit nicht ganze Dörfer verschwinden."

Und wie das praktisch zu verstehen ist, hatten den Journalisten beherzte Bürger vor Ort vorgeführt. So etwa in Gandenitz, wo schon kurz nach Gründung des Fördervereins viele Hände an der Sanierung der Kirche werkeln; oder in Jakobshagen, wo man neben der gottesdienstlichen Nutzung mit einem bemerkenswerten Kulturangebot Spenden für die Turmsanierung einwirbt.

Eben solche Bürgerinitiativen würdigte Dr. Bopp: "Wo praktische Demokratie geweckt wird, wachsen auch Wertvorstellungen, die aus der Achtung uns überkommener Werte schöpferisch in die Zukunft wirken."

Eva Gonda

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Das IDYLL des romatisch gelegenen Kirchleins trügt -
jederzeit können die Mauern einstürzen.
Foto: B. Janowski
IN AKUTER NOT
 
Unter dieser Rubrik bitten wir noch einmal dringend um
 
Ihre Spende für Küstrinchen
 
Es geht um die Notsicherung der akut bedrohten Dorfkirche.
 
Nun fehlen schon wieder ein paar Dachsteine mehr
...aber es fanden sich zupackende Hände

Im vorigen Mitteilungsblatt stellten wir die Dorfkirche von Küstrinchen vor – ein desolates, akut einsturzgefährdetes Denkmal in einem 49-Seelen-Dorf etwa 3 km nordöstlich von Lychen. Inzwischen fehlen noch einige Dachsteine mehr und noch immer muss man Angst haben vor allzu starken Herbststürmen und vor zu großen Schneemassen auf dem maroden Dach im kommenden Winter. – Und doch gibt es auch Hoffnung, denn in den vergangenen drei Monaten ist hier viel passiert.

Unsere Gespräche mit Einwohnern am Tag des Offenen Denkmals waren erfreulich. Die Bereitschaft, zur Rettung des Kirchengebäudes beizutragen, war unübersehbar. Als nächsten Schritt lud der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zu einem Runden Tisch nach Lychen ein. Vertreter der Denkmalpflege, der Kirchengemeinde und der Amtsgemeinde zeigten ihr Interesse an einer Erhaltung der Dorfkirche. Es gab erste konkrete Hilfsangebote.

Bei einer im Oktober folgenden Sitzung des Gemeindekirchenrates gab es dann berechtige Befürchtungen in Bezug auf finanzielle Belastungen, die durch das als Gotteshaus eigentlich nicht mehr benötigte Gebäude auf die Gemeinde zukommen könnten. Nach einer langen Diskussion konnte das Sicherungskonzept des FAK jedoch überzeugen. Dass der Gemeindekirchenrat einer Notsicherung im kommenden Frühjahr schließlich zustimmte, ist auch einer finanziellen Zusage des Förderkreises zu danken, um den für eine beantragte Vergabe-ABM notwendigen Eigenanteil aufzubringen.

Anfang November gründete sich der Förderverein Dorfkirche Küstrinchen. Immerhin 17 Gründungsmitglieder bezeugten so ihre Hoffnung, den Mittelpunkt des Dorfes erhalten und instand setzen zu können. Neben vier Einwohnern von Küstrinchen arbeiten im Vorstand des Vereins Pfarrer Gerhard Stechbart aus Lychen und Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen mit. Der Architekt Stephan Broniecki aus Oderberg stellte ein erstes Konzept für die dringend erforderliche Notsicherung der Dachkonstruktion vor. Die Koordination der Arbeiten wird das Diakonische Werk im Kirchenkreis Angermünde übernehmen, das bereits umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der Kirchensanierung besitzt.

Es wird nicht einfach sein, die Kirche von Küstrinchen zu sichern. Nach Meinung des Architekten muss der Dachstuhl abgestützt und stabilisiert werden, bevor man überhaupt daran denken kann, die alten Dachsteine abzunehmen. Die wenigen Reste des Inventars wurden inzwischen in einer Scheune zwischengelagert. Im Spätsommer des kommenden Jahres soll das Kirchengebäude so weit gesichert sein, dass mit einem Konzert auf der Baustelle ein weiteres Zeichen gesetzt werden kann. Zu den Gründern des Vereins gehört ein Musikstudent aus Lychen, der nur darauf wartet, mit seinen Kollegen ein Kammerkonzert in Küstrinchen zu veranstalten.

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Kontraste: gefährdet – gerettet – ohne Dach, aber mit neuer Zukunft

Impressionen vom Tag des Offenen Denkmals / Mitglieder des Förderkreises Alte Kirchen waren mit ihren Informationen "auf Wanderschaft"

Es ist jedes Jahr das selbe: Im Vorfeld des Tages des Offenen Denkmals liest man über die umfangreichen Möglichkeiten für Besichtigungen, Führungen und Turmbesteigungen in Berlin und Brandenburg. Vieles ist dabei, was man eigentlich schon lange sehen wollte. Aber dann fällt einem ein, dass man selber irgendwo im Einsatz ist. So klagen viele, die – beruflich oder ehrenamtlich – mit der Pflege und dem Schutz von Denkmalen zu tun haben. Auch der Förderkreis Alte Kirchen war an diesem Wochenende wieder "im Einsatz".

Am Samstag, dem 8. September fuhren wir bei eher durchwachsenem Wetter in die Uckermark, um mit einem Informationsstand auf die baufällige Kirche in Küstrinchen aufmerksam zu machen. Es hatte durchaus etwas Romantisches, als wir bei leichtem Nieselregen eine Plastikplane mit der Aufschrift "Förderkreis Alte Kirchen" an den windschiefen Friedhofszaun pinnten und zwei Plastikstühle sowie einige Kartons mit Faltblättern und Heften aus dem Auto luden. Wir waren gespannt, was uns in dem 49-Seelen-Dorf erwarten wird und wurden von der Resonanz positiv überrascht. Nach und nach kamen immer mehr Einwohner des malerisch im Wald versteckten Ortes und fast alle waren der Meinung, dass es höchste Zeit wäre, etwas zur Rettung der Dorfkirche zu unternehmen. Es gab gute Gespräche und für Ende September wurde ein Treffen mit Kirchengemeinde, Kommune, Denkmalpflege, Tourismusverband und natürlich Einwohnern von Küstrinchen vereinbart. Hoffnung für das marode Kirchengebäude...?

Am Sonntag, dem 9. September, gab es erst einmal das positive Kontrastprogramm zum Vortag. Um 11.00 Uhr feierte die Brandenburger Domgemeinde mit Gästen aus den Niederlanden einen Gottesdienst in der Dorfkirche von Saaringen. Vor vier Jahren noch bot sich hier ein Bild, das dem gestrigen sehr ähnlich war. Die Kirche war akut einsturzgefährdet und die überforderte Kirchengemeinde wünschte den Abriß. Nun ist sie – bereits zum 2. Mal – in das sanierte Gotteshaus zurückgekehrt. Der örtliche Förderverein, der Eigentümer des Kirchengebäudes ist, lud im Anschluß zu einem Konzert, das der Förderkreis Alte Kirchen vermittelt und organisiert hatte. Einige Gottesdienstbesucher blieben, neue Besucher kamen hinzu, um den Klängen von Akkordeon und Flöte zu lauschen. Zwei Musiker aus Berlin spielten Musik aus Frankreich und Schweden sowie eigene Kompositionen in einer restlos gefüllten Kirche.

Von Saaringen ging es direkt weiter nach Rogäsen, einem Dorf zwischen Brandenburg und Ziesar kurz vor der Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Die Musiker hatten hier ihren zweiten Auftritt, der diesmal unter freiem Himmel stattfand. Das Dach der Rogäsener Kirche war 1978 abgerissen worden; heute sind viele der Meinung, dass eine derart radikale Lösung damals unnötig gewesen ist. Die mächtigen Feldsteinmauern des Kirchenschiffs boten eine imponierende Kulisse für das Konzert, das wegen einsetzendem Regen etwas kürzer als geplant ausfiel. Aber: das Dorf hat den öffentlichen Raum ihrer Dorfkirche mit einer ersten Veranstaltung wieder angenommen. Die Architektin Frau Fleege aus Brandenburg/Havel stellte ein Konzept zur Sicherung des Kirchturms vor und hatte bereits Projektzeichnungen für eine neue Bedachung mitgebracht. Kommune und Kirchengemeinde sind sich einig, dass in einigen Jahren wieder eine intakte Kirche im Dorf sein wird.

Drei kurze Streiflichter vom Tag des Offenen Denkmals. – Es gab sicher spektakulärere Angebote im reichhaltigen Veranstaltungsprogramm dieser beiden Tage. Überall spürte man jedoch, dass bürgerschaftliches Engagement im Wachsen ist, um die Kirche im Dorf zu lassen.

Bernd Janowski

Weitere Informationen:
Einen Spendenaufruf für Küstrinchen finden Sie in dem vorhergehenden Artikel dieses Mitteilungsblattes, außerdem war es unsere Dorfkirche des Monats August. Der Nordkurier berichtete am 15.11.2001 unter der Überschrift Entschlossen etwas gegen "Ruinenromantik" tun. Bilder und Informationen über die Kirche
Der Förderkreis Alte Kirchen berichtete in seinem Mitteilungsblatt vom Dezember 2000, wie die Saaringer den Abschluss des ersten Bauabschnitts feierten.

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Stavenow – nicht mehr "Ende der Welt"

Ein Förderverein weckt ein ganzes Dorf aus dem Dornröschenschlaf

Was Eigeninitiative bewirken kann und wie Fördervereine segensreich für eine Gemeinde wirken können, zeigt sich ganz deutlich am Beispiel des in der Prignitz nahe Karstädt gelegenen 750 Jahre alten Dorfes Stavenow.

Vor weniger als drei Jahren, als ich im Zuge der Recherchen zu einem Buch über die Familie derer von Quitzow den Ort besuchte, lag das 80-Seelen-Dorf in einem tiefen Dornröschenschlaf. Kommt man heute nach Stavenow, so bietet sich dem Besucher ein ganz anderes Bild. Kirche und Kirchhof wurden beräumt und gesäubert, Dorf und Dorfplatz bepflanzt und gestaltet. Die Burg wird behutsam saniert, der Park wiederhergestellt, der Burgturm soll als weithin sichtbare Landmarke in moderner Form neu errichtet werden.

Zu danken ist dies alles dem am 6. April 2000 gegründeten Förderverein Historisches Stavenow e. V., in dem sich mehr als 100 Mitglieder – zu gleichen Teilen Einwohner des Dorfes und Auswärtige – engagieren. Hauptanliegen des Vereins ist es, den Zusammenhalt im Dorf zu sichern und das Dorf zu gestalten. So wurde es soeben nach Vorarbeit des Fördervereins in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen.

Der rührige Verein organisiert vielfältige Veranstaltungen. Dazu gehören Theatervorstellungen im Burgpark, Maifeuer und Storchenfest, aber auch Frühjahrs- und Herbstdorfputz. Höhepunkt in diesem Jahr war die Veranstaltung "Theater und Gaumenschmaus" Anfang August 2001, an der gut 400 begeisterte Gäste teilnahmen. Neben dem Kleist-Stück "Der zerbrochene Krug" war das von den Dorfbewohnern zubereitete Büfett der Höhepunkt des Abends.

Ein weiteres Ziel des Fördervereins ist es, die Kirchenruine zu sichern und für Veranstaltungen nutzbar zu machen sowie den bei einem Unwetter zerstörten und mit einem Notdach gesicherten Kirchturm in seinem stülerschen Originalzustand wiederherzustellen. Dafür werden etwa 250000 Mark benötigt, die aus Fördermitteln, Spenden und Vereinsmitteln aufgebracht werden sollen. Außerdem soll ein erhaltenes drei Meter hohes bleiverglastes Kirchenfenster, das die Auferstehung Christi zeigt, restauriert und ausgestellt werden. So ist daran gedacht, dieses Fenster nach der Wiederherstellung in der im Kirchturm einzurichtenden Leichenhalle oder im öffentlich zugänglichen Aussichtsturm der Burg Stavenow auszustellen.

Ganz wichtig ist den Stavenowern die Wiederherstellung ihres Kirchhofes. Ab 2002 soll er nach Jahrzehnten des Verfalls wieder als Begräbnisplatz für die Dorfbewohner dienen.

Für das Jahr 2002 haben sich die Stavenower viel vorgenommen. Das Dorf wird 750 Jahre alt. In einer Urkunde des brandenburgischen Markgrafen Otto III. vom 9. Juni 1252 wird erstmalig ein Ritter Gerhard von Stavenow erwähnt. Unter dem Motto "Lebendiges Museum" wollen die Dorfbewohner Mitte Juni 2002 den gesamten Ort in die vielfältigen Aktivitäten einbinden.

Text und Foto: Hendrik Bäßler

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Großzügige Spenden ermöglichten wirksame Beihilfe für aktive Cöthener

FAK übereichte 10.000 Mark – Herbstexkursion führte auf den Barnim

Dorfkirche von Cöthen
Dorfkirche von Cöthen
 
Blick vom Altar in Lüdersdorf
Blick vom Altar in Lüdersdorf
 

Die diesjährige Herbstexkursion des Förderkreises Alte Kirchen führte in die Region nordöstlich von Berlin, zu Dorfkirchen im Barnim und in Märkisch-Oderland.

1. Station: Sydow. Die Sydower Kirche war Anfang der neunziger Jahre fast eine Ruine (nach Blitzeinschlag und zwanzig Jahren Leerstand). Seitdem erfolgt schrittweise die Wiederherstellung. Pfarrer Dusdal berichtet uns. Wir schauen in den noch offenen Dachstuhl. Außen haben ABM-Leute das Feldsteinmauerwerk verfugt, innen noch die unbearbeiteten Wände: rohes Mauerwerk, Putz des 19. Jahrhunderts mit Farbresten, daneben auch noch mittelalterliche Reste. Neben der Kirche steht, abgenommen, das Gerüst der spitzen Turmhaube; die geplante Erneuerung hat sich zunächst zerschlagen. Sydow bildet mit dem praktisch anschließenden Grüntal eine Gemeinde, besitzt damit zwei Kirchen. Als die Arbeiten an der Sydower Kirche begannen, war diese in ein aufwendiges Projekt für die Sydower Gutsanlagen einbezogen, das vor zwei Jahren kläglich scheiterte. Neben der Kirche steht die Brandruine des Gutshauses, niemand weiß, wie es dort weitergeht. Nur an der Kirche geht es, getragen von der Gemeinde, stückweise voran. Nutzungsüberlegungen gibt es, aber man hat noch Zeit.

2. Station: Hohenfinow. Es führen uns GKR-Mitglied Dr. Specht und Pfarrer Radke. Der große Feldsteinbau war im Mittelalter als Stadtkirche und dreischiffige Basilika errichtet worden (vgl. Strausberg, Altlandsberg), die Seitenschiffe nach dem Dreißigjährigen Krieg abgetragen (vgl. Prädikow, Falkenhagen). Schwammsanierung am Turm abgeschlossen, zur Zeit läuft diese über dem Chor. 1906 wurde die Kirche mit großem Aufwand erneuert. Davon besonders beeindruckend die hervorragend erhaltene Ausmalung und die bereits restaurierten Fenster, alles eher städtisch als provinziell; der Reichskanzler Bethmann-Hollweg war Rittergutsbesitzer auf Hohenfinow.

3. Station: Cöthen. Freundlich empfangen und bewirtet vom Förderverein Cöthener Kirche, lag hier der Höhepunkt der Exkursion. Über die großartige Arbeit des Cöthener Vereins wurde bereits in unserem Mitteilungsblatt berichtet. Der Förderkreis Alte Kirchen übergab nun seine bereits angekündigte Beihilfe von 10.000,- Mark. Noch nie konnten wir mit einer so hohen Summe helfen, aber großzügige Spenden unserer Mitglieder und Freunde machten dies möglich.

4. Station: Frankenfelde / 5. Station: Lüdersdorf: Hierzu hat Eva Gonda in "Offene Kirchen 2001" ausführlich berichtet. Zu ergänzen ist der Fortgang der Bauarbeiten: In Frankenfelde leuchtet der Turm in Rot und Ocker, innen noch eine Baustelle, doch hat man zuversichtlich bereits ein (noch geheim gehaltenes) Einweihungsdatum ins Auge gefasst. In Lüdersdorf ist die Kirche nun außen verputzt, die Arbeiten nach vielen Jahren damit fast abgeschlossen. Für uns Besucher das reine Glück, hier zu erleben, mit welcher Energie, Freude und Begeisterung Friedhelm Zapf und Pfarrer Christian Kohler die Arbeiten leiten und wie Dorf und Gemeinde dabei mittun.

6. Station: Ruhlsdorf. Auf diese schöne kleine Kirche und ihre Not haben unsere Mitglieder Frau und Herr Riebesel aufmerksam gemacht. An der Chaussee Strausberg - Buckow ist der Kirchturm mit seinem abblätternden Putz weithin zu sehen, schlimmer noch sind die Schäden am Dachstuhl. Die Ruhlsdorfer sind schon an ihrer Kirche interessiert, aber insgesamt wohnen hier nicht einmal 35 Menschen! Schlüssige Ideen ergab der Besuch nicht, aber fürs nächste Jahr wollen wir ein Konzert oder ähnliches in Ruhlsdorf planen.

Statt eines Resümees: Die sechs Stationen lagen recht nah beieinander, alle Teilnehmer waren wohl erstaunt, wie viel interessante Bauprojekte auf so begrenztem Raum stattfinden bzw. geplant werden.

Thomas Raschke

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Nagelkreuz oder Preußenadler auf dem Turm der Garnisonkirche ?

Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel will ihre Mittel in Höhe von rund zehn Millionen Mark zurückziehen

Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche als Versöhnungszentrum ist gefährdet. Die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel werde ihre Mittel in Höhe von rund zehn Millionen Mark (5,11 Millionen Euro) für das kirchliche Nutzungskonzept nicht zur Verfügung stellen, sagte der Vorsitzende des Vereins, Max Klaar, am 29. Oktober. Der Verein sei jedoch zu weiteren Gesprächen bereit und strebe eine einvernehmliche Lösung an.

Die Potsdamer Kreissynode hatte sich am 27. Oktober für den Wiederaufbau des 1968 gesprengten Kirchturms als internationales Versöhnungszentrum ausgesprochen. Voraussetzung ist dem Beschluss zufolge die Gründung einer kirchlichen Stiftung als Eigentümerin des Bauwerks und die Krönung des Turms mit dem Nagelkreuz von Coventry als Friedenssymbol.

Klaar erklärte dazu, dieses Konzept sehe eine Änderung der äußeren Gestalt des Bauwerks und ,,seiner Symbolbedeutung" vor. Es widerspreche damit der Satzung der Traditionsgemeinschaft. Die umstrittene Wetterfahne mit dem Preußenadler, die durch das Nagelkreuz ersetzt werden soll, werde zu Unrecht als Kriegssymbol diffamiert. Sie symbolisiere vielmehr die Aufgabe von Regierungen, sich im demokratischen Sinn und in Verantwortung vor Gott schützend vor das Volk zu stellen, so Klaar.

Die Kosten für den Wiederaufbau des 1968 gesprengten Garnisonkirchturms sind mit rund 20 Millionen Mark (10,23 Millionen Euro) veranschlagt. Zu den bislang mehr als 8.000 Spendern gehören nach Angaben der Traditionsgemeinschaft auch Bundespräsident Johannes Rau und Altbundespräsident Richard von Weizsäcker.

epd

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LESERFORUM: Initiative zur Rettung begann früher

Zu unserem Bericht über die FAK-Exkursion in die Uckermark, wo wir mit Mitgliedern verschiedener Förderkreise wie u.a. in Boitzenburg ins Gespräch kamen, erreichte uns folgender Brief des Boitzenburger Pfarrers:

In der letzten Ausgabe des Mitteilungsblattes "Alte Kirchen" wurde über zwei Kirchen der Parochie Boitzenburg berichtet: die Kirchen in Boitzenburg und Gollmitz. Der Bericht über Boitzenburg weist zumindest drei Entstellungen auf, die ich als so gravierend empfinde, dass ich in dieser Form darauf reagieren möchte.

  1. Die Initiative zur Rettung der Boitzenburger Kirche begann lange bevor noch an eine Vereinsgründung zu denken war. So gab es bereits Mitte der 90er Jahre intensive Gespräche mit der DSD sowie mit den entsprechenden landeskirchlichen Stellen. Eine Projektierung des gesamten Kirchenschiffs und eine Notreparatur zur Sicherung des Turmhelmes waren u.a. die Folge.

  2. Die Kirche war bis zu ihrer baupolizeilichen Sperrung im Jahr 1998/99 in den Jahren zuvor geöffnet und wurde in vielfältiger Weise genutzt. Es fanden Konzerte, Benefizveranstaltungen zur Rettung von Turm und Orgel, Lesungen, Ausstellungen und zentrale Gottesdienste mit großer Beteiligung (etwa Brandenburgtag oder 725-Jahr-Feier des Dorfes) in ihr statt. Außerdem konnten wir die Kirche in den Sommermonaten zu Führungen mit Hilfe ehrenamtlicher Zuarbeit öffnen.

  3. Die Kirche und den Kirchberg angesichts des unermüdlichen Engagements vieler Helferinnen und Helfer als ,,Schandfleck" zu bezeichnen, wird deren Anliegen nicht gerecht.

C. Fischer, Pfarrer

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Bundesverdienstkreuz für Willi Krüger

Die Dorfkirche von Diedersdorf   Für sein ehrenamtliches Engagement zur Rettung der Dorfkirche Diedersdorf wurde Willi Krüger in diesem Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seit die Kirche 1976 zur Ruine zu werden drohte, habe sich Willi Krüger für den Erhalt als Gotteshaus und Wahrzeichen des Dorfes eingesetzt, sagte Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka bei der Verleihung. Willi Krüger erreichte mit zahlreichen Spendenaktionen den Wiederaufbau. Die Kirche war nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im vorigen Jahr wieder eingeweiht worden.

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Eine Kirchturmspitze wurde versteigert

Eine ganz neue Variante, zu Geld für die Kirchensanierung zu kommen, wurde in Görlitz mit Erfolg erprobt: Die Kirchturmspitze der evangelischen Peterskirche in Görlitz wurde auf einer Internet-Auktion für 5.009 Mark (2.561 Euro) versteigert. Insgesamt waren bei der Aktion unter www.eBay.de 85 Gebote eingegangen. Superintendent Jan von Campenhausen sagte, er sei mit dem erzielten Erlös "sehr zufrieden". Die Versteigerung habe der Gemeinde eine enorme Öffentlichkeitswirkung gebracht.

Die rund 600 Kilogramm schwere Kirchturmspitze musste am 28. September abgenommen werden, nachdem der Sandstein im Frühjahr 2000 durch Blitzschlag beschädigt worden war. Sie wurde durch eine Kopie ersetzt. Der Erlös der Versteigerung soll der geplanten Sanierung der Peterskirche zugute kommen, die als eine der bedeutendsten mittelalterlichen Hallenkirchen Deutschlands gilt. Für die Arbeiten an den beiden rund 90 Meter hohen Türmen sind den Angaben zufolge mindestens 3,5 Millionen Mark (1,79 Millionen Euro) notwendig.

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Glockenweihe in Rathenow

In der Rathenower St.-Marien-Andreas-Kirche sind am Reformationstag erstmals zwei neue Bronzeglocken erklungen. Die Glocken in den Tönen f und d ersetzen zwei in den fünfziger Jahren geschaffene Stahlglocken. Eine dritte Glocke, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, sei derzeit zur Restaurierung ausgelagert, teilte die evangelische Kirchengemeinde mit. Die Kosten für den Guss der neuen Glocken in Höhe von 83.000 Mark (42.437 Euro) werden der Rathenower Stadtverwaltung zufolge durch Spenden bestritten.

Die von 1517 bis 1562 zur Hallenkirche umgebaute spätgotische St.-Marien-Andreas-Kirche wurde nach ihrer Zerstörung in den letzten Kriegstagen 1945 größtenteils wieder aufgebaut. Nach Angaben der Stadtverwaltung betragen die Sanierungskosten für Kirche und Turmschaft 3,1 Millionen Mark (1,59 Millionen Euro). 2,3 Millionen Mark (1,18 Millionen Euro) würden durch Fördermittel von Bund, Land und Kommune aufgebracht.

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Romantische Klänge

Mit einem Festgottesdienst ist im Oktober die Hook-Orgel der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche eingeweiht worden. Das 130 Jahre alte Instrument gilt als die einzige original erhaltene frühromantische Orgel und sei deshalb von großer Bedeutung für die Kirchenmusik in Berlin, sagte Kantor Gunter Kennel anlässlich der Einweihung. Sie ist vor allem für Werke von Komponisten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wie Felix Mendelssohn- Bartholdy, Franz Liszt und Johannes Brahms geeignet.

Die von der Bostoner Firma Hook erbaute Orgel verfügt über knapp 2.400 Pfeifen, drei Manuale und Pedal sowie über 39 Register und ein Glockenspiel. Sie stand zuvor in Woburn im US-Bundesstaat Massachusetts und wurde 1991 nach Deutschland transportiert. Bis zum Beginn der Restaurierung 1999 waren ihre Teile eingelagert. Innerhalb von drei Monaten wurde sie in der Kirche aufgebaut.

Die Kosten für den Kauf, die Reparatur und den Einbau des Instruments beliefen sich auf insgesamt 660.000 Mark (337.453 Euro). Sie sollen überwiegend aus Spenden, dem Erlös von Benefizkonzerten und dem Verkauf von CD bestritten werden. Bislang sind rund 160.000 Mark (81.807 Euro) Spenden gesammelt worden.

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Buch- und Videotipps

Entdeckungen auf dem Barnim

Über die Kirchen auf dem Barnim gab es bisher keine umfassende Untersuchung. Matthias Friske unternahm nun erstmals den Versuch, sämtliche Sakralbauten, die in ihrer Bausubstanz als mittelalterlich anzusprechen sind, in einem Katalog zu erfassen und zu analysieren.

Weit über hundert Kirchengebäude boten reichhaltiges Material zur Auswertung, die teilweise völlig neue Einblicke in die Geschichte dieser Region gibt. Besonderer Schwerpunkt ist die Phase der deutschen Besiedlung.

Mit diesem Band wird eine neue wissenschaftliche Studienreihe im Lukas Verlag begründet. Die von Bernd Janowski, Thomas Raschke und Dirk Schumann in loser Folge herausgegebenen Titel zum Thema "Ländliche Kirchen" präsentieren Tagungsbände, Dissertationen sowie freie Arbeiten.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg unterstützte das Erscheinen mit einem Druckkostenzuschuss.

Matthias Friske:
"Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim"
Geschichte – Architektur – Austattung.
( Ländliche Kirchen, Bd. I)
2001, Broschur, 518 Seiten, 82 Schwarzweißabbildungen, 22 Karten
ISBN 3 931836-67-3
68,- DM (36.– Euro)

 

Dorfkirchen in der Großstadt

Ein neuer Bildband informiert über Dorfkirchen in Berlin. Das Buch gibt Auskunft über architektonische Besonderheiten und stellt den Zusammen-hang mit der historischen Stadtentwicklung her. Fotografin Christel Wollmann-Fiedler und der Autor Jan Feustel haben in dem 145 Seiten starken Band 44 märkische Kirchen porträtiert.

Das Spektrum reicht von der ältesten Dorfkirche, die um 1230 in Marienfelde entstand, bis zur Dorfkirche von Marzahn, die nach Entwürfen des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler errichtet und 1871 eingeweiht wurde. Insgesamt gibt es in der Hauptstadt 245 evangelische Kirchen.

Das Buch fasst Dorfkirchen in Ost- und West-Berlin zusammen. Dabei werden auch Unterschiede deutlich. Besonders in den Kirchen der östlichen Stadtbezirke ist der Innenraum oft noch im Original-zustand erhalten. Im finanziell besser ausgestatteten Westteil der Stadt dagegen ist die Innenausstattung nach dem Zweiten Weltkrieg zumeist ,,dem modernen Geschmack" angepasst worden.

Christel Wollmann- Fiedler, Jan Feustel:
"Alte Dorfkirchen in Berlin",
Berlin Edition, 2001, 49,90 Mark (25,51 Euro).

Beide Bücher sind auch über die FAK-Geschäfsstelle zu beziehen.

JETZT AUF VIDEO

Vergnügliche Tour durch Brandenburg

Unter dem Titel "Kirchen, Klöster und Kneipen in Brandenburg" lud das Fernsehen kürzlich seine Zuschauer zu einer vergnüglichen Tour durch die Mark ein. Dieser Film des ORB von Lothar Keil und Frank Pauli, Beratung: Bernd Janowski, kann jetzt als Video auch über die FAK-Geschäftsstelle bezogen werden.

Preis: 39.90 DM.

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