Die Dorfkirche von Ahlsdorf (Elbe-Elster)

Bilder: Bernd Janowski
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Teilnehmer eines Familientreffens in Ahlsdorf wollten am 20. August 2011 die dortige Dorfkirche besuchen, als plötzlich aus dem Gebäude lauter Lärm zu hören war und aus einer Seitentür Staub herausgewirbelte. Teile der Kirchendecke und der hölzernen Dachkonstruktion waren eingestürzt. Glücklicherweise befand sich niemand in der Kirche. Auch der prächtige barocke Altaraufsatz, über dem nun ein großes Loch in der Decke klaffte, blieb wie durch ein Wunder nahezu unversehrt.

Das Straßenangerdorf Ahlsdorf (Landkreis Elbe-Elster) liegt etwa drei Kilometer nordwestlich des Städtchens Schönewalde an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Die erste urkundliche Erwähnung von "Algorstorff" datiert aus dem Jahr 1380. Aus dem 14. Jahrhundert stammt auch die Dorfkirche. Eine Burg an der Stelle des heutigen Schlosses ist erstmals 1428 belegt. Von 1700 bis 1857 war die Familie von Seyffertitz in Ahlsdorf ansässig. Sie ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Schloss in seiner heutigen Gestalt neu erbauen, einen großen barocken Garten anlegen und die mittelalterliche Kirche umgestalten.

Der ursprüngliche mittelalterliche Feldsteinbau der Kirche wurde bei dem oben erwähnten Umbau verputzt; die Fensteröffnungen wurden vergrößert. Der mit einer Laterne und einer Schweifhaube bekrönte Turm entstand laut einer Inschrift über dem Westportal im Jahr 1717. An der Nordwand zeigen Abbruchspuren, dass hier einst das Erbbegräbnis der Patronatsfamilien vorgesetzt war.

 
 

Der reich mit vergoldetem Rankenwerk und von Weinlaub umrankten Säulen geschmückte Altaraufsatz entstand 1710. In der Predella ist in gut protestantischer Tradition das Abendmahl dargestellt. Im Mittelteil wird eine Kreuzigungsszene von Bildern der Verkündigung und der Geburt Christi flankiert. Darüber folgen Gemälde der Auferstehung und, als abschließendes ovales Medaillon, der Himmelfahrt. Aus derselben Zeit stammt die ebenfalls reich verzierte Kanzel mit Bildnissen der Evangelisten und des Erlösers sowie einiger Apostel. Über einem erst 1908 entstandenen schlichten Taufstein schwebt ein ebenfalls mit dem barocken Umbau im Zusammenhang stehender Taufengel. In der rechten Hand hält er einen Palmzweig. Anders als üblich lässt die Stellung der linken Hand nicht erkennen, ob bzw. wie der Engel ursprünglich eine Taufschale gehalten hat. Zwei prächtige Epitaphien, geschmückt unter anderem mit etlichen Kriegstrophäen, verweisen auf die militärische Laufbahn von Joachim Henning von Seyffertitz (gestorben 1736) und seinem Bruder Anton Friedrich (gestorben 1732) am sächsischen Königshof in Dresden. Eine komplette Restaurierung des Innenraumes erfolgte 1908; damals schuf der bekannte Kirchenmaler Professor Max Kutschmann auch die heutige Farbfassung.

Nach dem Teileinsturz der Kirchendecke, der für die Gemeinde völlig überraschend geschah, ergaben Untersuchungen, dass über lange Zeit eindringende Feuchtigkeit zu Braunfäuleschäden an der hölzernen Dach- und Deckenkonstruktion geführt hatten. Eine umfassende Sanierung des Gebäudes erwies sich als dringend notwendig. Der Förderkreis Alte Kirchen bot sofort eine finanzielle Unterstützung an. Weitere Förderanträge wurden gestellt, Spenden gesammelt und Benefizkonzerte organisiert. Drei Jahre nach dem Unglück, im August 2014, konnte der Abschluss der Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten feierlich begangen werden. Die Ahlsdorfer Kirche, sicher zu den schönsten im südlichen Brandenburg zählend, präsentiert sich außen wie innen wieder als wahres Schmuckstück. Parallel dazu wurde in einer Scheune des Schlosses ein neues Begegnungszentrum geschaffen, in dem (nicht nur) nach Veranstaltungen in der Kirche zünftig gefeiert werden kann.

Die Kirchengemeinde und die rührige Interessengemeinschaft Kranichgrund nutzten das zwischenzeitlich entstandene Engagement und sammelten weiterhin emsig Spenden. Ziel war es, auch die Orgel der Ahlsdorfer Kirche wieder zum Klingen zu bringen.

Zur Geschichte der Ahlsdorfer Orgel ist nicht allzu viel bekannt; bei manchen Details ist man auf Vermutungen angewiesen. Ein erstes zweimanualiges Instrument entstand um 1715 vermutlich in der Werkstatt des Döbelner Orgelbauers Gottfried Richter; der barocke Prospekt blieb (wenn auch verändert) bis heute erhalten. Um 1850 schuf (wiederum vermutlich) der in Eilenburg ansässige Orgelbauer Nicolaus Schrickel ein neues Instrument mit romantischer Disposition, das 1907/08 eine umfassende Restaurierung erfuhr. Die Werkstatt von Arno Voigt aus dem nahen Bad Liebenwerda führte 1961 schließlich einen einschneidenden Umbau durch, der dem Zeitgeist folgend zu einer neobarocken Disposition führte, wobei aus Kostengründen das zweite Manual nicht ausgeführt wurde. Die unzureichende Qualität der damals zur Verfügung stehenden Materialien führte dazu, dass die Ahlsdorfer Orgel eine erneute Instandsetzung dringend nötig hatte. Mit dieser wurde nun wiederum die Firma Voigt beauftragt. Inzwischen sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Mit dem barocken Innenraum korrespondierend, wird künftig wieder ein zweimanualiges Instrument mit barockem Werkcharakter erklingen.

Ende Oktober sollen in der Ahlsdorfer Kirche sowohl das Reformationsjubiläum als auch der Abschluss der Orgelsanierung gebührend gefeiert werden. Am Samstag, dem 28. Oktober um 16 Uhr findet ein Konzert mit Studierenden des Instituts für Musikpädagogik der Hochschule für Musik und Theater Leipzig unter dem Motto "Musik der Reformations- und Nachreformationszeit" statt. Am Sonntag, dem 29. Oktober beginnt um 10 Uhr ein Festgottesdienst mit anschließendem kurzem Orgelkonzert. Ein Vortrag von Prof. Dr. Helmut Loos (Leipzig) zu Luther, der Reformation und der Musik der damaligen Zeit um 15 Uhr leitet schließlich zu einem Konzert des Ensembles "Chanceaux" mit europäischer Volksmusik um 1700 über. Gäste sind an beiden Tagen herzlich willkommen!

Weitere Informationen: Interessengemeinschaft Kranichgrund; Hans-Werner Unger; Lindenstr. 15; 04916 Schönewalde; Tel.: 0175-3812454; Mail: hawe.unger@kranichgrund.de


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