Die Schinkel-Kirche von Straupitz (Dahme-Spreewald)

Fotos(3): Hans Krag

Die nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbaute Dorfkirche von Straupitz mit ihrer weithin sichtbaren Doppelturmfassade gehört mit Sicherheit zu den bedeutendsten Baudenkmälern des Spreewalds. Wie jedoch kommt ein derart imposanter Kirchenbau des preußischen Stararchitekten in die in damaliger Zeit doch etwas abgelegene Region?

Der Ort Straupitz wird erstmals 1294 in einer Urkunde des Lausitzer Markgrafen Dietrich erwähnt. Im Jahr 1655 gelangt der General und Geheime Kriegsrat Christoph von Houwald in den Besitz des Dorfes. Die Patronatsfamilie etabliert Straupitz als Mittelpunkt einer aus neun Dörfern bestehenden Standesherrschaft. Die alte Wasserburg wird zu einem repräsentativen Gutshaus ausgebaut und ein zwölf Hektar großer Gutspark angelegt.

Die alte Kirche - ein durch Christoph von Houwald veranlasster Fachwerkbau mit aufgesetztem Turm - war zu Beginn des 19. Jahrhunderts baufällig und zudem für die Gottesdienstbesucher der Herrschaft Straupitz längst zu klein geworden. Der Kirchenpatron Heinrich Ferdinand von Houwald beschloss 1826 einen repräsentativen Kirchenneubau und forderte: "Der neue Tempel soll in einem einfachen, aber der Würde seiner Bestimmung angemessenen Stil und für Jahrhunderte ausgeführt werden." Mit der Planung wurde kein geringerer als Karl Friedrich Schinkel beauftragt. Den Kontakt zum Leiter der preußischen Oberbaudirektion stellte der Bruder des Patronatsherren her. Ernst von Houwald, ein hauptsächlich für seine Tragödienwerke gefeierter Dichter, verkehrte mit den Romantikern Tieck, Brentano und Eichendorff und war über diesen Freundeskreis auch mit Schinkel gut bekannt.

Fotos(2): Wolf-Rainer Marx
 
 

Nur wenige Wochen dauerte es, bis Schinkels Entwürfe in Straupitz eintrafen. Die Sicherung der Finanzierung dauerte etwas länger. Da der geplante Kirchenbau jedoch als zentrales Gotteshaus für acht Dörfer konzipiert war, konnte Schinkel König Friedrich Wilhelm III. überzeugen, das Bauvorhaben mit einem "Gnadengeschenk" zu unterstützen. Die Bauleitung lag in den Händen regionaler Baumeister; Schinkel selbst war wohl nie persönlich in Straupitz. Nach zweijähriger Bauzeit konnte am 5. August 1832 im Rahmen eines Festgottesdienstes die Einweihung der neuen Kirche erfolgen.

Entstanden ist ein streng symmetrischer Rechteckbau im Rundbogenstil mit einem flachen Satteldach, dem im Westen eine monumentale Doppelturmfront vorgesetzt ist. Mit dem Kirchengebäude, das nicht nur das Dorfbild dominiert, sondern auch die umgebende Landschaft wesentlich prägt und das in direkter Achse auf das Herrenhaus ausgerichtet ist, betonte die Patronatsfamilie von Houwald zugleich ihre Bedeutung als Besitzer der Standesherrschaft Straupitz.

 

Der weiträumige und helle Innenraum mit zwei, im Ostjoch sogar drei Emporen ist für 1.300 Besucher konzipiert. Die Ausstattung der Bauzeit ist weitgehend erhalten: eine schlichte hölzerne Altarmensa, die ebenfalls hölzerne Kanzel auf hoher dorischer Säule und der kelchförmige Taufstein. In der halbrunden Apsis stellen fünf überlebensgroße Gemälde Jesus, Johannes den Täufer sowie die Apostel Petrus, Paulus und Johannes dar. Die zweimanualige Orgel mit 24 Registern wurde 1832 von Friedrich Leopold Morgenstern aus Guben erbaut, 1853/54 durch die Züllichauer Orgelbaufirma von Ludwig Hartig umgestaltet und erweitert und erhielt schließlich 1892 durch Wilhelm Sauer (Frankfurt / Oder) ihre heutige Gestalt.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kirche erhebliche Beschädigungen, die mit damals eingeschränkten Möglichkeiten in den 1950er Jahren behoben wurden. Nachdem in den achtziger Jahren aufgrund von Grundwasserveränderungen die Straupitzer Kirche im Bestand gefährdet war und die Gemeinde um ihr Gotteshaus bangen musste, war nach der Wende endlich eine umfassende Sanierung möglich. Am 3. Oktober 1993 fand im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes die Wiedereinweihung statt.

Anders als in den meisten Dörfern Brandenburgs finden in Straupitz noch verlässlich an jedem Sonntag pünktlich um 10 Uhr Gottesdienste statt. Nach telefonischer Voranmeldung im Pfarramt sind Besichtigungen des Kirchengebäudes zwischen Mai und Oktober von Dienstag bis Freitag zwischen 11 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 16 Uhr möglich. In diesem Zusammenhang sind auch Turmbesteigungen möglich. Regelmäßig finden auch Konzerte statt.

Am Samstag, dem 7. April um 17 Uhr lädt die Straupitzer Kirche zum diesjährigen Eröffnungskonzert der Veranstaltungsreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" ein. Es musiziert die Junge Philharmonie Brandenburg unter der künstlerischen Leitung von Peter Sommerer. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Ouvertüre von Giacomo Rossini sowie die Sinfonie Nr. 7 in A-Dur von Ludwig van Beethoven. Im Rahmen des Konzertes wird zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Der Erlös des Konzertes soll der Sanierung der Orgel zugutekommen.

Weitere Informationen: Pfarramt Straupitz; Pfarrer Christoph Hanke; Kirchstr. 5; 15913 Straupitz; Tel.: 035475-496; www.schinkelkirche -straupitz.de


  zurück