Die Dorfkirche von Schlepzig (Dahme-Spreewald)

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Und dass dem Netze dieser Spreekanäle / Nichts von dem Zauber von Venedig fehle, / Durchfurcht das endlos irre Flußrevier / In seinem Boot der Spreewalds-Gondolier. Mit diesem etwas holprigen Vierzeiler beginnt Theodor Fontane das Kapitel "In den Spreewald" im Rahmen seiner Wanderungen. Der Reisebericht ist recht kurz und berichtet lediglich vom Besuch in Lübbenau und im benachbarten Dörfchen Lehde. In Schlepzig war Fontane nicht. Vielleicht lag das an der knappen Reisekasse; denn nach der Erstveröffentlichung des Reiseberichts in der "Preußischen Zeitung" schrieb der Dichter am 20. September 1858 an seine Frau: Der Spreewald hat 10 Rtl. gekostet und 21 Rtlr. eingebracht, geschäftlich genommen also ein ziemlich trauriges business…
Schade, ein Besuch in Schlepzig hätte sicherlich schon damals gelohnt.

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Foto: Torsten Müller (2004)Großbildansicht

Das Dorf Schlepzig (niedersorbisch Slopišca) wurde bereits im Jahre 1004 in einer Schenkungsurkunde König Heinrichs II. an das Kloster Nienburg erstmals urkundlich erwähnt, kann also auf eine lange Geschichte zurückblicken. Im 12./13. Jahrhundert gehörte Schlepzig zur Burggrafschaft Lübben, später zur Landvogtei und ab 1815 - nachdem der ursprünglich sächsische Ort preußisch geworden war - zum Rentamt Lübben. Im Jahr 1769 wurden große Teile des Dorfes, darunter auch die Kirche bei einem Großbrand vernichtet. Im Zuge des Wiederaufbaus entstand 1782 auch ein neues Gotteshaus.

Die Schlepziger Kirche ist ein stattlicher Fachwerkbau mit fünfseitigem Chorabschluss, einer südlichen Vorhalle und einem halb in das Kirchenschiff eingezogenem verbretterten Turm mit barocker Haube. Der Innenraum wird geprägt durch ein flaches Muldengewölbe, dessen Bemalung mit einem eindrücklichen barocken Wolkenhimmel ursprünglich von dem Lübbener Malermeister Lehmann stammt und im Rahmen eine Restaurierung des Innenraumes von Kunststudenten 1980/81 erneuert wurde. Über dem Altarbereich verkörpert eine Sonne mit einem Dreieck in der Mitte die heilige Dreifaltigkeit. Drei Seiten des Raumes werden von einer schön verzierten Hufeisenempore auf schlanken Holzpfosten umzogen, die auf der nördlichen Seite über den Pfarrstuhl bis zur Kanzel des qualitätsvollen Kanzelaltars reicht. Das Abendmahlsbild in der Predella blieb aus dem zerstörten Vorgängerbau erhalten. Ein rechts vom Altar befindliches Kreuzigungsbild entstand 1921 als Kopie eines Gemäldes des niederländischen Malers Dierick Bouts. Die restaurierte Orgel schuf 1910 die Werkstatt von Wilhelm Sauer in Frankfurt (Oder).

Die Außenfassade der Schlepziger Kirche wurde 1991 erneuert; eine Instandsetzung des Turmes folgte 1993 und 1994. Durch umfangreichen Schädlingsbefall ist nun wieder Instandsetzungsbedarf eingetreten. Der Förderkreis Alte Kirchen wird sich an der Finanzierung beteiligen.

Anders als Theodor Fontane vor mehr als 150 Jahren finden inzwischen zahlreiche Touristen den Weg nach Schlepzig. Viele von ihnen besichtigen das barocke Kleinod oder lauschen einem der Kirchenkonzerte, die neben regelmäßigen Gottesdiensten hier stattfinden.

Weitere Informationen: Pfarramt Krausnick; Pfarrerin Aljona Erdem; Hauptstr. 101; 15910 Krausnick-Groß Wasserburg; Tel.: 035472-224; Mail: alina-erdem@web.de.


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