Taufengel in uckermärkischen Dorfkirchen

Sehr geehrte Damen und Herren!

"...als der hölzerne Taufengel, wie ein Genius niedergeflogen, seine angemalten Holzarme der Taufschüssel unterbreitete und als ich am nächsten an seinem übergoldeten Fittich stand, so zog mein Blut langsam feierlich warm und dicht durch meinen pulsierenden Kopf und durch meine Lunge voll Seufzer..." Derart poetisch beschreibt der Dichter Jean Paul in seinem 1796 erschienenen Roman "Leben des Quintus Fixlein" eine zeitgenössische Taufzeremonie.

"Wenn Engel reisen" - Unter diesem Motto wird hier und heute der Tag des offenen Denkmals begangen. Auch die Kirche von Groß Fredenwalde verfügt über einen Engel. Auf einem Foto des Innenraumes im Verzeichnis der "Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Templin" von 1921 hängt er noch mittig vor dem im Jahr 1708 von der Patronatsfamilie von Arnim gestifteten barocken Kanzelaltar. In der rechten Hand hält er eine Muschelschale für das Taufbecken, in der Linken ein Spruchband. Ein Heben und Senken der Figur war über eine Wippe auf dem Dachboden möglich.

"Wenn Engel reisen..." - Der Taufengel in der Kirche von Groß Fredenwalde hat einige Reisen hinter sich. Im Zuge der Instandsetzung der Kirche 1960 war die Gemeinde wohl der Meinung, auf seinen himmlischen Schutz nicht mehr angewiesen zu sein und entfernte ihn aus dem Kirchenraum. Stark beschädigt wurde er auf dem Friedhof im Gebüsch gefunden und trat - Gott sei Dank! - eine Reise ins damalige Kreisheimatmuseum in Templin an.

Kurz vor dem Weihnachtsfest des Jahres 2008 trat der Groß Fredenwalder Taufengel die Rückreise an, nachdem das Templiner Museum, wo er - lediglich in einem Holzregal im Depot liegend - ein kümmerliches Dasein gefristet hatte, einem Dauerleihvertrag zugestimmt hatte. In Decken gehüllt und auf dem Rücksitz eines PKW verstaut, hielt er wieder Einzug in sein Heimatdorf. Vor der Kirche hatte sich ein Empfangskomitee versammelt. Die Kirchenglocken läuteten erwartungsvoll.

So ändern sich die Zeiten...

Reisegruppen aus West- oder Süddeutschland, die ich regelmäßig durch Brandenburg und speziell durch die Uckermark führe, sind jedes mal überrascht, in protestantischen Kirchen lebensgroße Engelfiguren zu finden. Dabei waren die Engel noch für Martin Luther wichtige Begleiter des Menschen in allen seinen Lebenslagen. In einer Predigt von 1531 heißt es bei Luther: "Wenn der Schutz der lieben Engel nicht wäre, würde kein Kind zu vollkommenem Alter erwachsen, obwohl die Eltern allen möglichen Fleiß anwendeten." - Eine ganz schön schwere Verantwortung, die der Reformator den Himmelsboten da aufbürdet!

In der Anfangszeit der christlichen Kirche wurden die Täuflinge - zumeist Erwachsene - möglichst unter fließendem Wasser getauft. Bald setzte sich die Kindstaufe durch, bei der der Täufling im Taufwasser ganz untergetaucht wurde. Von diesem Brauch zeugen die in einigen alten Dorfkirchen erhaltenen mächtigen steinernen Taufbecken. Im späten Mittelalter wurde dieses Untertauchen ("immersio") zugunsten des dreimaligen Begießens mit Wasser ("infusio") abgelöst. Etwa seit dem 17. Jahrhundert begann man damit, die Kinder anlässlich ihrer Taufe lediglich symbolisch mit Wasser zu besprengen ("aspersio"). Seitdem ist für das Taufwasser lediglich noch eine kleine Schale notwendig, wie sie beispielsweise auch von den Taufengeln präsentiert wird.

In der Bibel kommen Engel sehr häufig vor: Als Boten verkünden sie den Hirten auf dem Felde die Geburt des Heilands. Zu Ostern erfahren die Frauen am Grabe von einem Engel, dass Jesus auferstanden ist. Bei der Himmelfahrt sind es Engel, die den kleingläubigen Jüngern versichern, dass Jesus wiederkommen wird. Zum Weltgericht wird Christus mit seinen Engeln erscheinen.

Engel sind in der Bibel Geschöpfe Gottes und seine Diener bzw. Boten. Wie aber sehen Engel aus? Im Osterevangelium beschreibt Matthäus (28,3) den Engel, der den Stein vom Grab wälzte, wie folgt: "Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee." Im 2. Buch Mose (3,2) heißt es: "Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sah, dass der Busch mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt." Im Unterschied zu den Cherubim und Seraphim hat der "normale" Engel laut Bibel nicht einmal Flügel. In Jakobs Traum (Gen. 28,12) heißt es: "... und siehe eine Leiter stand auf der Erde, die rührte mit der Spitze an den Himmel und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder."

In der Tat haben diese Beschreibungen recht wenig mit den Figuren zu tun, die wir als Taufengel aus unseren uckermärkischen Kirchen kennen. Es scheint, dass die uns bekannten Darstellungen eher dazu dienen, der Wirklichkeit der Engel auszuweichen.

Für das Entstehen der Taufengel wichtig war auf jeden Fall die biblisch begründete Vorstellung eines individuellen Schutzengels, den jeder Mensch von Gott an die Seite gestellt bekommt. Im 91. Psalm heißt es: "Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest." Und auch Martin Luther hatte sehr konkrete Vorstellungen von einem Schutzengel: 1531 schrieb er: "Liebes Kind, du hast einen eigenen Engel. Wenn du des morgens und des abends betest, wird derselbe heilige Engel bei dir sein, wird bei deinem Bettlein sitzen, hat ein weißes Röcklein an, wird dein pflegen, dich wiegen und behüten..."

Aus all dem geht hervor, dass die Engel tief in der Volksfrömmigkeit verankert waren. Was also liegt näher, als die Engel mit ihrer Schutzfunktion auch direkt am Sakrament der Taufe zu beteiligen? Und hier sind wir endlich beim Auftreten der Taufengel in unseren Dorfkirchen, das kunsthistorisch in die Zeit des beginnenden Barock am Ende des 17. Jahrhunderts fällt. Die Reformation ist bereits über 100 Jahre her und der Kirchenraum wird den veränderten Anforderungen der lutherischen Liturgie angepasst. Zudem sind durch den Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Kirchen und ihr Inventar zerstört, was ebenfalls neue Ausstattungsstücke notwendig macht.

In vorreformatorischer Zeit hatte der Taufstein seinen Platz im westlichen Eingangsbereich der Kirche, was seine Ursache darin hatte, dass Ungetauften der Zugang zum eigentlichen Kirchenraum verwehrt und der Chorbereich sogar nur den Priestern vorbehalten war. Diese hierarchische Gliederung des Kirchenraumes gab es im neuen protestantischen Verständnis nicht mehr. Der Vorgang der Taufe konnte also im Kirchenschiff oder sogar im Chorbereich vollzogen werden. Zudem hielt erstmalig ein festes Gemeindegestühl Einzug in den Kirchenraum. Die Patronatsfamilien beanspruchten ein eigenes Gestühl - die sogenannten Patronatslogen - möglichst nahe am Altar und an der Kanzel. Auch die Kirchenältesten bekamen in der Regel ein eigenes - wenn auch meist weniger prächtiges - Gestühl. Das sich dadurch ergebende Raumproblem wurde durch den Einbau von Emporen gelöst.

Die sich durch den Umbau des protestantischen Kirchenraumes ergebende Raumnot im gesamten Kirchenraum wird in der Fachliteratur oft auch als Begründung für die Installierung der Taufengel genannt, die über eine Wippe und ein Gegengewicht auf dem Kirchenboden bei Bedarf heruntergelassen und nach dem Vollzug der Taufe wieder nach oben gezogen werden konnte. Ein Körnchen Wahrheit steckt sicher in dieser Vermutung. Eine viel wichtigere Begründung für die entstehenden zahlreichen Taufengel ist sicher die Vorliebe des Barock für die prächtige Inszenierung weltlicher und geistlicher Ereignisse. Alles im Barock ist theatralisch überhöht: die Musik, die Dichtung, die Architektur, die Malerei. Und so passen auch die Taufengel in das Bild der damaligen Zeit. Zuständig für die Ausstattung der Kirchengebäude waren die zumeist adligen Patronatsherren. Auch sie hatten mit Sicherheit den Wunsch, sich in den Ausstattungsstücken selbst zu inszenieren.

Selbst der bekannte Architekturtheoretiker Leonhard Christoph Sturm verzichtet in seinen verschiedenen Kirchenentwürfen von 1718 völlig auf den herkömmlichen Taufstein und schreibt: "Man machet auch in jetziger Zeit keine besondere Taufsteine mehr / sondern brauchet Becken / die man entweder an besagtem Ort [einem Schrank] mit aufheben kann / oder man machet einen sauber geschnitzten Engel / der mitten über dem Chor in der Luft schwebet / und wenn ein Tauff-Actus vorhanden ist / mit seinem Tauff-Becken / das er in Händen trägt / herunter gelassen wird."

Bereits gut einhundert Jahre nach ihrer Entstehung gerieten die Taufengel bereits wieder "aus der Mode". Die Zeit des Barock war vorbei und der aufkommende Geschmack der Romantik und des Klassizismus distanzierte sich heftig von den schwelgerischen und theatralischen barocken Formen. Für diese Ablehnung gab es sowohl liturgisch-religiöse als auch ästhetische Gründe. Die vom Ursprung her rein lutherischen Taufengel wurden plötzlich als "... ein abgöttisches und catholisches Werk und ein Greuel..." bezeichnet. Aus dem Herzoglich Braunschweigisch Lüneburgischen Consistorium ist sogar ein aus dem Jahr 1846 verhängtes Verbot der Taufengel überliefert, in dem es heißt: "Nicht minder entstellend für das Innere des Kirchengebäudes sind die an der Decke desselben hängenden sogenannten Taufengel, welche sich aus früherer Zeit noch hier und da erhalten haben, und die durch ihre gewöhnlich geschmacklosen Gestalten einen unangenehmen Eindruck machen. Es ist daher von den Predigern zu veranlassen, dass auch diese aus den Kirchen überall entfernt und ... durch kleine, mit einer Marmorplatte oder einer marmorierten Holzplatte zu belegenden Tische, auf welche das Taufbecken zu setzen ist, ersetzt werden."

Eine relativ kurze Epoche schien zu Ende zu gehen. Vielerorts wurden die Taufengel vernichtet, im günstigsten Falle landeten sie im Museum oder auf dem Kirchenboden. Im Zuge des durch den Landeskonservator und Leiter des Kirchlichen Bauamtes Georg Büttner favorisierten Heimatstils erfuhr zwar der Barock um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine weitgehende Rehabilitierung, das Verhältnis zu den Taufengeln jedoch blieb eher zwiespältig, wie folgender Auszug aus einem Vortrag des Kunsthistorikers Paul Weber vor Kreispredigern im Jahre 1907 belegt: "Schwieriger liegt die Sache bei den im 18. Jahrhundert so beliebten Taufengeln ... Meist unförmig groß und selten von erfreulicher Arbeit sind diese Taufengel fast überall im Wege. Vielleicht bekommen sie ein Gnadenplätzchen als Halter der Kollektenteller am Ausgange der Kirche."

Bei diesen sinkenden Sympathiewerten ist es erstaunlich, dass im Land Brandenburg mehr als 150 Taufengel erhalten blieben, von denen mindestens 23 in Kirchen des heutigen Landkreises Uckermark hängen bzw. aus uckermärkischen Kirchen stammen. Noch heute finden sich Taufengel in den Kirchen von Bandelow, Baumgarten, Blankenburg, Dauer, Dobberzin, Felchow, Flemsdorf, Hohenselchow, Kaakstedt, Kunow, Lübbenow, Göritz (ursprünglich aus Malchow stammend), Schwaneberg, Sternhagen, Taschenberg, Wartin, Wismar, Ziemkendorf, Zützen - und seit zwei Jahren wieder in Groß Fredenwalde. Zwei weitere Taufengel befinden sich im Prenzlauer Museum. Sie stammen ursprünglich aus Strasburg oder Grünow bzw. Röpersdorf oder Zollchow. Ein Engel im Märkischen Museum zu Berlin hing vermutlich in der Dorfkirche von Storkow bei Templin.

In der künstlerischen Qualität ihrer Ausführung und Gestaltung sind die einzelnen Taufengel sehr unterschiedlich. Viele von ihnen entstanden als recht schlichte, handwerklich gearbeitete Figuren sicher in der Tischlerwerkstatt des jeweiligen Dorfes oder eines Nachbarortes. Andere jedoch lassen sich durchaus bedeutenden Holzbildhauern der damaligen Zeit zuordnen. So wurde der Taufengel in der Dorfkirche Zützen von dem Schwedter Bildschnitzer Georg Mattarnovy geschaffen, der damals im Dienste des Schwedter Markgrafen stand. Durch eine Inschrift lässt sich der Zützener Taufengel in das Jahr 1703 datieren. Sein Schöpfer Georg Mattarnovy ging 1714 zusammen mit keinem geringeren als Andreas Schlüter nach St. Petersburg, wo er als Architekt am Ausbau der Stadt mitwirkte und wo er 1719 starb.

Ein weiterer bedeutender Künstler des Barock, der in der Uckermark tätig war, ist Heinrich Bernhard Hattenkerell, der sich in einer Inschrift in der Muschelschale des Felchower Taufengels selbst als "Bilthauer und Stavirer aus Mohrin" bezeichnet.

Der erwähnte Taufengel in der Felchower Kirche gehört sicher zu den schönsten der Uckermark, ja sogar Brandenburgs. Aus einer, an der mit dunklen Wolken bemalten Holzdecke befestigten, Gloriole mit dem Trinitätssymbol und zwölf kleinen Engelsköpfchen ragt ein hölzerner Arm - gleichsam der Arm Gottes - durch den das Hängeseil geführt ist. Dieses Drahtseil, an dem der Engel befestigt ist, läuft auf dem Dachboden über eine große Holzrolle; als Gegengewicht ist daran ein mit Steinen gefüllter Holzkasten befestigt. Der Felchower Engel selbst zeichnet sich durch eine "fein gearbeitete Körperbildung, einen Reichtum an dekorativen Details und eine Formenvielfalt in der Bildung des Gewandes" aus. Das hölzerne Spruchband in seiner rechten Hand zeigt auf der Vorderseite den Spruch "Ein offenen Born Wider die Sünde und Unreinigkeit. Zachar. 13". Unter der eingepassten Taufschale aus Zinn befindet sich auf vergilbter Papierbeklebung der Name "Prinz Friedrich Wilhelm...", der auf die Markgrafenfamilie im nahen Schwedt hinweist.

In Schwedt war denn auch jener "Bilthauer und Stavirer" Heinrich Bernhard Hattenkerell tätig, der ursprünglich aus Bielefeld stammte, wo sein Vater ebenfalls Bildhauer war. Den Sohn verschlug es nach Mohrin in der Neumark, von wo er zahlreiche Werke - Altaraufsätze, Kanzeln und Taufengel - in Kirchen der Umgebung schuf. Seine Geburts- und Sterbedaten sind nicht überliefert. Letztmalig taucht sein Name 1733 in einem Kostenvoranschlag für die Kanzel der Schwedter Schlosskapelle auf. Diese Kanzel hat Hattenkerell jedoch vermutlich nie geschaffen. Er forderte 80 Reichstaler. Dem Markgrafen war das zu teuer. Handschriftlich schrieb er an den Rand des erhaltenen Schriftstückes: "das ist zu teuer; 60 Reichstaler. Oder höchstens 66 Reichstaler, mehr will nicht geben, kann es dafür gemachet werden, so ist es guht, sonsten sol es in Berlin oder von dem hiesigen Thischler verfertigt werden. F. Wilhelm." - Parallelen zur finanziellen Situation der Künstler in der heutigen Zeit sind natürlich zufällig und an dieser Stelle nicht gewollt.

Von Heinrich Bernhard Hattenkerell stammt auch der Taufengel in Dobberzin. Der ebenfalls sehr qualitätvolle Engel befand sich von 1916 bis 1991 im Angermünder Heimatmuseum, bevor er in die sanierte Kirche zurückkehrte. Leider erhielt er im Jahr 2000 eine äußerst laienhafte und entstellende Bemalung, zudem wurde der fehlende linke Arm unfachgerecht ergänzt. Eine denkmalpflegerisch korrekte Restaurierung wäre wünschenswert.

Weitere Taufengel von Hattenkerell befanden sich in den Kirchen der neumärkischen Dörfer Gründrade und Nordhausen. Beide sind leider in den Kriegs- und Nachkriegszeiten verlustig gegangen. Der Taufengel im uckermärkischen Flemsdorf, der in der Fachliteratur lange Zeit ebenfalls Hattenkerell zugeschrieben wurde, stammt mit Sicherheit aus einer anderen Werkstatt, wie ein stilistischer Vergleich zeigt. Nur am Rande sei bemerkt, dass der Flemsdorfer Taufengel neben einem Feldstein auch zwei eiserne Kanonenkugeln als Gegengewicht besitzt.

Doch nicht nur diejenigen Taufengel, die aus namentlich bekannten Schnitzwerkstätten stammen, sind es wert, für die Nachwelt erhalten zu bleiben. Auch die vielleicht etwas gröber und naiver gearbeiteten Engelfiguren zeugen von einer tiefen Volksfrömmigkeit und von ländlicher Kultur- und Glaubensgeschichte. Zusammen mit der übrigen Ausstattung unserer Kirchengebäude bilden sie oft eine bezaubernde Einheit.

Einen fast vollständig erhaltenen barocken Innenraum finden wir beispielsweise in der Dorfkirche von Sternhagen. Neben dem der Werkstatt von Johann Christian Beuteler zugeschriebenen Taufengel gibt es hier einen wundervollen Kanzelaltar mit reichem Schmuckwerk. Engelfreunde können sich am Kanzelkorb über zwei reizende Engelchen erfreuen, die sich innig küssen. Eine üppig verzierte Patronatsloge mit Posaunenengeln neben dem Familienwappen derer von Arnim und ein Gestühl für die Kirchenältesten vervollständigen das Ensemble in Sternhagen, zu dem nicht zuletzt die 1736 von Joachim Wagner geschaffene Orgel gehört. Die Wagnerorgel konnte übrigens nach mehrjähriger vorbildlicher Restaurierung im vergangenen Jahr wieder eingeweiht werden und lädt seitdem zu Konzerten der ganz besonderen Art ein. Ein Besuch lohnt sich!

Seit einigen Jahren gibt es eine erstaunliche Renaissance für die Taufengel. Vielerorts sind sie aus den Verstecken, in die sie teilweise bereits im 19. Jahrhundert gerieten, hervorgeholt und wieder in den Kirchenraum zurück gebracht worden. Durch unsachgemäße Lagerung und Vernachlässigung erlitten viele von ihnen gravierende Schäden und Substanzverluste: Abbrüche von Armen, Beinen oder Flügeln, Verschmutzungen, Holzwurmbefall, Verluste der Farbfassungen. Der Groß Fredenwalder Taufengel in seinem Zustand kurz vor der Rückkehr in die Heimatkirche ist ein gutes Beispiel dafür.

Durch behutsame und sachgerechte Konservierungs- bzw. Restaurierungsmaßnahmen können jedoch selbst stark geschädigte und in ihrem Zustand nahezu hoffnungslos erscheinende Taufengel wieder in die jeweiligen Kirchenräume integriert werden. Durch partielle Ergänzungen komplettiert oder auch nur als gesichertes Fragment können sie so von ihrer einstigen Schönheit, jedoch auch von ihrem manchmal schweren Schicksal künden. Auch hierfür ist Groß Fredenwalde ein (diesmal positives) Beispiel.

Um einige der bedrohten Taufengel zu retten und zu restaurieren, startete der Förderkreis Alte Kirchen, gemeinsam mit der Landeskirche und mit dem Landesamt für Denkmalpflege, im vergangenen Jahr die Aktion "Menschen helfen Engeln". Bevor die Engel wieder in der Lage sind, den Menschen beizustehen, sollten sich die Menschen erst einmal um die Engel kümmern. Wir stellten sechs Engel im Land Brandenburg vor, für die um Spenden gebeten wurde. Das Ergebnis war überwältigend. Für zwei Taufengel fanden sich Paten, die die komplette Restaurierung finanzierten. So spendete ein Ehepaar aus Falkensee beispielsweise mehrere Tausend Euro für den Taufengel in Rohrbeck (Havelland) und erklärte ihn zum Schutzengel für ihre fünf Enkelkinder. Eine Dame gab anlässlich ihres 50. Geburtstages eine ähnlich große Summe für die Sicherung und Restaurierung des Taufengels im uckermärkischen Wismar. Sie schrieb uns, dass sie dies als Dank dafür verstanden wissen möchte, dass sie sich in ihrem Leben immer behütet und beschützt gefühlt habe. Auch für den Taufengel in Kunow bei Schwedt konnten wir kürzlich 3.000 Euro an Spenden überreichen.

Im November werden wir sechs neue Taufengel vorstellen, die Hilfe dringend notwendig haben und um Spenden für sie bitten. Welche das sind, möchte ich hier und heute nicht verraten. Nur so viel: Es ist auch wieder ein uckermärkischer Engel dabei!

Nach so viel geschichtlicher und kunstgeschichtlicher Betrachtung möchte ich zum Schluss doch noch einmal kurz auf die eigentliche Aufgabe der Taufengel zurück kommen. Wie alle anderen Ausstattungsstücke im Kirchenraum auch, war er nicht nur ein wertfreier Schmuckgegenstand, sondern hatte eine liturgische Aufgabe, nämlich dem Täufling das Taufwasser zu reichen. Anlässlich der Taufe standen der Pfarrer, die Eltern und die Taufpaten im Kreis um das von dem Engel präsentierte Taufbecken. Im Kirchenraum schwebend erinnerte er fortan die Gottesdienstbesucher an die eigene Taufe, durch die sie zur Gemeinde gehören. Und so ist es den heute in die Kirchen zurückkehrenden Taufengeln zu wünschen, dass sie nicht nur als Museumsstücke einer vergangenen Zeit betrachtet werden, sondern hin und wieder auch ihre ursprüngliche Funktion erfüllen können - ganz im Sinne Luthers, der seinerzeit sehr wohl zwischen weltlichen und geistlichen Mächten zu gewichten vermochte, als er schrieb: "Herzog Johann zu Sachsen ist mein und dein Wächter, aber neben dem sind die lieben Engel, die gehen mit mir und dir auf und ab die Gasse und Straße."

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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