Die Preisträger des "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2015"

Text und Foto: Hans Krag
Oft zerstört und von Wasser bedroht

Das Dorf ist über 1000 Jahre alt, hat seit seinem Bestehen viele Kriege und Überschwemmungen überstehen müssen. 1813 wurde die Kirche zum letzten Male zerstört und danach auf dem 700-jährigen Fundament wieder aufgebaut. Nach der Sanierung von 1933 wird es nun wieder Zeit für eine Erneuerung: Der Sandsteinsockel muss trockengelegt werden, das Strohgeflecht an der Decke, das den Putz hält, ist brüchig, die Fensterrahmen sind morsch...

In diesem Frühjahr fanden sich 15 Einwohner des 60-Seelen-Dorfes zusammen, um einen Förderverein zu gründen, der Kirche und Dorf neues "Leben einhauchen" will. Das Konzept dazu: eine "Offene Kirche", Mitgliedschaft im Verbund "Kirchenstraße Elbe-Elster", monatliche Gottesdienste, Kulturveranstaltungen, eine Partnerschaft mit dem sächsischen Belgern und Erforschung der Dorf- und Kirchengeschichte. Bislang fehlt noch ein umfassender Sanierungsplan für die Kirche; auch er kostet ja Geld. Allein die Putz- und Fensterarbeiten würden schon 20.000 Euro erfordern.

Das Startkapital ist jedenfalls ein willkommener Grundstock für die Zukunftsplanung.

  Förderverein Kirche zu Altbelgern e.V.
 
Elbe-Elster
 
VERSCHNAUFPAUSE
Foto: Gerd Pohl
Langer Atem wird gebraucht

Der Förderverein hat Erfahrung mit dem Restaurieren alter Dorfkirchen. In Lübnitz, einem Dorf nahe Bad Belzig, wurde in Jahren intensiver Arbeit die kleine Kirche hergerichtet, heute ein echter Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Jetzt wagt sich das Team an eine völlig andere neue Aufgabe, die Restaurierung und Wiederbelebung der zum Ensemble Burg Eisenhardt gehörenden Briccius-Kirche. Dafür braucht es einen langen Atem. Dachboden und Erdgeschoss der Kirche mussten zunächst wegen eines giftigen Holzschutzmittels dekontaminiert werden. Der um die kleine Kirche angelegten Friedhof wurde gesäubert und hergerichtet, unterstützt vom Stadtteil Sandberg, zu dem die Briccius-Kirche gehört. Regelmäßige Andachten, Konzerte, Lesungen, immer mehr Hochzeiten, monatliche Jugendtreffen, positive Rückmeldung von der Bürgermeisterei und vieles mehr, all das macht Hoffnung und beflügelt die Arbeit.

Theda von Wedel

  Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow e. V.
 
Briccius-Kirche Bad Belzig
Potsdam-Mittelmark
 
Text und Foto: Uwe Donath
Auf den ersten Blick nett anzusehen...

Das Kolonistendorf aus dem 18. Jahrhundert besitzt eine Fachwerkkirche, die anstelle des vorangegangenen Schul- und Bethauses 1803 errichtet wurde. Von weitem ein freundlicher Anblick, sind beim Näherkommen aufsteigende Nässe und Schäden an Turm und Balken nicht zu übersehen. Ein seit Jahren vorliegendes Sanierungskonzept geht von einem Finanzierungsbedarf von etwa 400.000 Euro aus. Im Sommer finden hier Gottesdienste statt, und auch für kulturelle Veranstaltungen wird die Kirche genutzt.

Der Anfang des Jahres gegründete Freundeskreis hat sich die Sanierung und Erhaltung der Kirche nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten und ihre Nutzung für kirchliche und kulturelle Zwecke zum Ziel gesetzt. Durch zahlreiche Veranstaltungen will man weitere Einwohner für diese Aufgaben gewinnen und so die Dorfgemeinschaft stärken. Zugleich sollen Geldmittel für die dringend notwendige Sanierung beschafft werden.

Anträge an wichtige Geldgeber sind in Vorbereitung, die Auszeichnung mit dem Startkapital des FAK ist für den Freundeskreis und die kleine Gemeinde eine willkommene Unterstützung bei ihrem Vorhaben.

  Freundeskreis Fachwerkkirche Sietzing
 
Märkisch-Oderland
 
Foto: Werner Fräßdorf
Mit Musik und anderen guten Ideen

Dieses Gollwitz liegt einsam ganz im Westen des Landes Brandenburg. Das im Mittelalter aus gespaltenen Feldsteinen errichtete Kirchlein bildet die Mitte des kleinen Dorfes. Die Kirche wird gottesdienstlich genutzt, aber ihr baulicher Unterhalt ist lange vernachlässigt worden. Um der Kirchengemeinde zu helfen, gründete sich im Frühjahr 2014 der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche und sicherte zunächst das Gebäude. Mit einem schönen Faltblatt wurden bereits die ersten Sponsoren gewonnen. Ein ausverkauftes Konzert mit einem bekannten Sänger und Gitarristen (unser Bild) hat kürzlich die Eignung des Kirchleins für kulturelle Höhepunkte bewiesen. Gegenwärtig werden die finanziellen Mittel für den ersten Bauabschnitt eingeworben. Gollwitz liegt an dem "Bunte-Dörfer-Radweg". Nach der Sanierung soll die Dorfkirche auch Radtouristen zur Einkehr offen stehen.

Hans Tödtmann

  Förderverein Gollwitzer Dorfkirche e. V.
 
Potsdam-Mittelmark
 
Foto: Fritz Moritz
Auch Nachbars Rat wurde eingeholt

In Lühnsdorf fassen alle mit an, und das schon seit Jahren. In unendlich vielen freiwillig geleisteten Stunden haben sie das Nachtwächterhäuschen und das Kriegerdenkmal saniert, die Friedhofsmauer neu aufgebaut, die Totenhalle restauriert, den Dorf- und Spielplatz neu gestaltet und dabei auch noch für das nötige Geld gesorgt. Für das neueste Projekt, die Rettung der einsturzgefährdeten Dorfkirche, bildete sich in dem kleinen Dorf im Fläming ein engagierter Förderkreis. Der hat sich Rat im Nachbarort und anderswo geholt und die knapp hundert Bewohner auf das ehrgeizige Ziel eingeschworen. Übrigens nicht nur die Männer sind hier aktiv, wie das Bild von der Ausschachtung an der maroden Friedhofsmauer glauben machen könnte. Die unterschiedlichsten Fähigkeiten und Begabungen werden kreativ in das Vorhaben eingebunden. Einheimische und Zugezogene, mit oder ohne kirchliche Zugehörigkeit, alle wollen den Verfall ihrer Dorfkirche nicht hinnehmen.

Theda von Wedel

  Förderkreis Sanierung der evangelischen Kirche zu Lühnsdorf
 
Potsdam-Mittelmark
 

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