Die Preisträger des "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2013"

Foto: A. Ebertus
Viele Probleme – und doch Zuversicht

Die Berger Kirche, ein verputzter Rechtecksaal, wurde 1744 auf den Grundmauern einer abgerissenen Wehrkirche erbaut. Der bis dahin hölzerne Turm ist erst nach 1775/76 durch einen massiven quadratischen Turm mit Gratkuppel und achtseitiger hölzerner Laterne ersetzt worden. Im Innenraum der Kirche stehen gleich zwei wertvolle Altäre: der 1685 durch Botho von Hake gestiftete barocke Kanzelaltar aus dem Vorgängerbau und ein 1719 erbauter Kanzelaltar aus der 1975 abgerissenen Kirche zu Tietzow. Die Schuke-Orgel war 1938 in das Gehäuse einer Turley-Orgel aus dem Jahre 1815 eingebaut worden. Nach der 1992 erfolgten Turmsanierung sollte nun das Kirchendach erneuert werden. Die Entdeckung von Schwammbefall in eingemauertem Fachwerk, Forderungen der Kommune nach einem Anliegerstraßenbau und andere zusätzliche Ausgaben erschweren die Arbeit erheblich. Dennoch ist der Förderverein zuversichtlich. Erste Benefizveranstaltungen wurden bereits organisiert, wobei man besonders bemüht ist, alle Dorfbewohner anzusprechen und einzubeziehen. Auch eine Broschüre soll demnächst erscheinen.

  Förderverein Dorfkirche Peter & Paul Berge e.V.
 
Havelland
 
Foto: W. Meyer-Rath
Eine der Ältesten mit allerlei Gebrechen

Die Feldsteinkirche Gantikow gehört zur ältesten Generation der massiven Kirchbauten in der Prignitz: Nach dendrochronologischen Untersuchungen stammen die ältesten verbauten Hölzer aus dem Jahr 1263, wären also genau 750 Jahre alt. Allerdings fällt dem Besucher bei diesem alten Bau sogleich der Dachturm auf, dessen baufällige Verbretterung mit Dachpappe notgesichert wurde. Im Innenraum sind im Sockelbereich umfangreiche Feuchtigkeitsschäden zu erkennen, die ringsherum die Wände zerstören. Nicht sofort sichtbar sind die immensen Holzschäden im Dachtragwerk und in der Turmkonstruktion. Das heißt: Eine baldige Instandsetzung tut not. Die Gesamtkosten betragen mehr als 350.00 Euro, mit dem ersten Bauabschnitt (Turm) soll begonnen werden. Engagierte Menschen im Dorf beschlossen im Mai 2012 nach einer vorbildlichen Vorbereitung die Gründung eines Kirchenfördervereins, um die Kirchengemeinde bei der Instandsetzung zu unterstützen. Das FAK-Startkapital hilft, weitere Fördermittel einzuwerben.

  Förderverein Dorfkirche Gantikow e.V.
 
Ostprignitz-Ruppin
 
Foto: Wikipedia
Devise: "Unser Dorf hat Zukunft."

Die Dorfkirche Garrey aus dem 14. Jahrhundert ist eine der schönsten im Hohen Fläming. Aber sie ist in schlechtem Zustand. Der Westgiebel droht einzustürzen, die Deckenbalken sind an ihren Auflagerungen in den Seitenwänden vermodert. Das Tragsystem der Glocke muss ausgebessert werden. Und, und, und… Das Dorf hat sich zusammengetan, einen Freundeskreis gegründet, Sponsoren aufgetan. Die Kirche ist ihnen unverzichtbarer Teil des ganzen Dorfes. "Garrey – Unser Dorf hat Zukunft" heißt das Sanierungsprojekt und wird von einem achtköpfigen Team mit einem erfahrenen Projektleiter verantwortet. Alle fassen sie mit an, ob Kirchenmitglied oder nicht. Die Finanzierung schien gesichert, ist aber durch Wegfall der ILE-Mittel 2013 schwieriger geworden. Umso größer die Freude in Garrey, einer der diesjährigen Preisträger des Startkapitals geworden zu sein. Die Planung für die Kirchenreparatur muss nun zwar zeitlich gestreckt und der kürzlich erfolgten Neustrukturierung des Kirchenkreises angepasst werden. Aber das Projekt geht voran, da ist sich ganz Garrey sicher.

  Freundeskreis der Garreyer Kirche
 
Potsdam-Mittelmark
 
Foto: Wikipedia
Sehenswerte Schätze unterm gefährdeten Turm

Das Dorf Rüdnitz liegt etwas im Schatten des übermächtig erscheinenden Bernau. An der Dorfkirche, abseits der viel befahrenen Landstraße nach Eberswalde gelegen, rauscht der moderne Mensch schnell vorbei, ohne einen Blick auf den um 1230 erbauten frühgotischen Feldsteinbau geworfen zu haben.

Während des Dreißigjährigen Krieges teilweise zerstört, war die Kirche später neu aufgebaut worden. Im Innern ist die aus dem 19. Jahrhundert stammende Orgel des Orgelbaumeisters Lütkemüller zu bewundern.

Das hölzerne Altarretabel macht mit seiner ungewöhnlichen Ikonographie die Veränderungen durch die Reformation deutlich. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert, die ältesten Figuren aus dem Jahre 1430. Sorge bereitet der hölzerne Turmaufsatz, der dringend saniert werden muss.

Der Förderverein gründete sich 2011. Sein Ziel ist der Erhalt und die Instandhaltung der Dorfkirche sowie ihrer ortsbildenden Umgebung im Sinne des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes. Die Kirche soll neben der gottesdienstlichen Nutzung in Absprache mit dem Gemeindekirchenrat der Kirchengemeinde auch kulturellen Zwecken dienen. Der Verein will das Interesse von Bürgern, Institutionen, Behörden und der Wirtschaft für sein Vorhaben wecken, um finanzielle und tätige Hilfe werben und diese sinnvoll einsetzen.

  Förderverein Dorfkirche Rüdnitz e.V.
 
Barnim
 
Foto: W. Meyer-Rath
Für einen würdigen, einladenden Raum

Die Backstein-Kirche in Dranse wurde 1861 anstelle eines baufälligen Fachwerkbaus im neuromanischem Stil der Schüler-Schule errichtet. Sie hat eine halbrunde, innen ausgemalte Apsis und eine hölzerne Schrägdecke mit Zierhölzern und Schablonenmalerei. Nach 1945 waren immer größere Schäden an Turm und Kirchenschiff entstanden, aber erst nach der Wende konnten Dächer und Fenster mithilfe von Fördermitteln instand gesetzt werden. Obwohl die Kirche zunehmend auch für außerkirchliche Veranstaltungen genutzt wurde, war der bauliche Zustand des Innenraumes inzwischen nicht mehr akzeptabel. Für eine Instandsetzung aber stehen von offizieller Seite keine Mittel zur Verfügung. Im Juni 2012 gründeten engagierte Dorfbewohner einen Förderverein, der inzwischen auf mehr als zwanzig Mitglieder angewachsen ist. Nun wird ein reichhaltiges kulturelles Programm die Kirche und die notwendigen Baumaßnahmen noch mehr in das Bewusstsein der Dorfbewohner bringen, und auch das halbe Startkapital des FAK wird dabei gewiss etwas helfen können.

  Förderverein der Dranser Kirche e.V.
 
Ostprignitz-Ruppin
 
Foto: A. Kraft
Sisyphus und gleich zwei große Ziele

In der Regel gilt das Bemühen eines Kirchen-Fördervereins einem einzigen markanten Bau, der örtlichen Kirche. Da sieht sich der 2011 gegründete Förderverein Kirche und Pfarrhaus Friesack e.V. vor einer viel größeren Herausforderung. Er will nicht allein die Innensanierung der großen Stadtkirche ermöglichen, in der u. a. der gesamte Fußboden angehoben und neu verlegt werden muss; der Verein will auch das benachbarte schwer geschädigte Pfarr- und Gemeindehaus als Versammlungsort für Kirchen- und Stadtgemeinde erhalten und entwickeln. Denn solchen Raum gibt es im Ort sonst nicht.

Für die doppelte Aufgabe und das dafür notierte Konzept wurde bereits 2012 beim FAK ein Startkapital beantragt. Da hat sich unsere Jury vermutlich nicht recht vorstellen können, dass das Sisyphusprojekt je sehr weit kommen würde, und dem Antrag nicht zustimmen mögen. Das sieht inzwischen ganz anders aus: In der Kirche ist mit sehr viel Eigenarbeit bereits Beachtliches geschehen. Durch ein erfolgreiches Kultur- und Filmprogramm lenkt der engagierte Verein immer mehr Aufmerksamkeit auf das wertvolle Ensemble von Kirche, Pfarrhaus und Kantorenhaus. Es ist mehr als angemessen, dass solches Bemühen nun auch durch ein Startkapital des FAK gefördert wird.

  Förderverein Kirche und Pfarrhaus Friesack e.V.
 
Havelland

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