Die Preisträger des "Startkapital für Kirchen-Fördervereine 2011"

Ein Turm soll wieder eine Kirche bekommen

Nachdem ein Vorgängerbau vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war, entstand 1678 in Brüsenhagen eine Fachwerkkirche. Fast 300 Jahre später, im Jahr 1972, wurde das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgetragen. Seitdem wird für die regelmäßigen Gottesdienste ein kleiner Raum im Fuße des alten Kirchturms genutzt. Erfreulicherweise sind es seit einigen Jahren vermehrt jüngere Familien, die das Gemeindeleben prägen. Nach dem Verkauf des alten Gemeindehauses besitzt das Dorf keinen öffentlichen Raum mehr für kulturelle Veranstaltungen, Sitzungen oder Feiern.

Der Förderverein möchte als erstes die inzwischen ebenfalls marode Fachwerkkonstruktion des Kirchturms instand setzen, wofür bereits Arbeiten in Eigenleistung erfolgten. Nach der Dachreparatur soll der Turm seine historische Turmspitze zurück erhalten. Schließlich will man später auch das verlorene Kirchenschiff neu errichten. Dorffeste, Konzerte und Lesungen erbrachten erste Spenden. Ein ortsansässiger Betrieb hat die kostenlose Lieferung von Bauholz zugesagt. Förderanträge werden vorbereitet.

  Förderverein Kirche in Brüsenhagen e.V.
 
Landkreis Prignitz
 
Das Damokles-Schwert über der Orgel

 Der Verein in Gruhno gründete sich im Oktober 2010. Erstes Ziel sollte die Instandsetzung der 1833 durch den Sonnewalder Orgelbauer Johann Christoph Schröther geschaffenen Orgel sein. Dafür wurden auch bereits Kostenangebote eingeholt und Gutachten erstellt. Dann jedoch erfolgte in diesem Jahr eine Besichtigung des Kirchengebäudes durch Fachleute, die Erschreckendes zutage brachte: Im Anschlussbereich des Kirchenschiffes an den Turm also direkt über der Orgel ist die gesamte Dachkonstruktion akut gefährdet, Deckenbalken fehlen ganz oder sind vom Schwamm befallen. Für den Förderverein in dem Dorf mit 140 Einwohnern ist diese Erkenntnis erst einmal eine große Herausforderung, der man sich jedoch stellen will.

Die Gruhnoer Kirche aus Feldstein und Raseneisenstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. Altar, Kanzel und Empore entstanden im Barock. Im Bewerbungsschreiben heißt es: "Mit der Kirche in unserem Ort haben wir ein Kleinod, das es gilt zu erhalten. Die Identität des Dorfes ist damit unmittelbar verbunden. Unser großes Ziel ist es, Traditionen zu bewahren, und das heißt, die Kirche zu erhalten." Das Startkapital soll für dieses Ziel ein erster Anreiz sein.

  Förderverein Gruhno e.V.
 
Landkreis Elbe-Elster
 
Ideen und "Kirchengeist"

Mit ursprünglich nur etwa sieben mal zehn Metern gehörte die Lübzower Feldsteinkirche zu den kleinsten Kirchenbauten der Prignitz. Reparaturarbeiten in Backstein lassen auf eine zwischenzeitliche Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg schließen. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein dreiseitiger Chor angefügt und dem Schiff im Westen ein Fachwerkturm mit Ziegelausfachung und spitzem Helm aufgesetzt.

Besonders die Dachdeckung der Lübzower Kirche ist inzwischen dringend sanierungsbedürftig. Wegen undichter Stellen ist bereits die Lehmdecke des Kirchenschiffes in Mitleidenschaft gezogen. Der Förderverein hat in der erst kurzen Zeit seines Bestehens bereits viel auf die Beine gestellt: Ein Faltblatt wurde gedruckt und der Internetauftritt gestaltet, Konzerte und Arbeitseinsätze wurden organisiert sowie ein "Lübzower Kirchengeist", gebrannt aus einheimischen Trauben, zum Verkauf in Flaschen abgefüllt. Eine Orts- und Kirchenchronik ist in Arbeit. Eine Enttäuschung für den Verein war die Mitteilung eines Sachverständigen, dass sich eine Reparatur der Orgel von 1911 nicht lohnen würde. Hier überlegt man jetzt schon, wie man nach der Gebäudesanierung preiswert an ein Instrument kommt.

  Förderverein Dorfkirche Lübzow e. V.
 
Landkreis Prignitz
 
Einzigartig: Lauben unterm Kirchendach

In ihrer äußeren Gestalt ist die Pessiner Kirche ein für das Havelland einzigartiger Bau. Das ursprüngliche mittelalterliche Kirchenschiff aus Feldstein wurde 1739 nach Osten hin mit verputztem Backsteinmauerwerk erweitert. Da der neue Bauteil erheblich breiter war als das alte Kirchenschiff, entstanden unter einem hohen Satteldach auf der Nord- und Südseite ungewöhnliche laubenartige Vorbauten als Anschluss an den 1488 errichteten mächtigen Querturm.

Der Innenraum verdankt seine Ausstattung im Wesentlichen dem Barock. Emporen, zum Teil mit Wappentafeln der Patronatsherren und angeheirateter Adelsfamilien, finden sich an allen vier Wänden des Kirchenschiffes. Ein sehr schöner Kanzelaltar wurde 1700 von Tischlermeister Witte aus Brandenburg geschaffen.

Seit Beginn des Jahres 2010 engagiert sich der Förderverein Dorfkirche Pessin für das Denkmal. Seither konnten bei der notwendig gewordenen Schwammsanierung unter der Empore nicht nur Spendengelder zur Finanzierung des Vorhabens eingeworben werden. Zahlreiche Pessiner legten in regelmäßigen Arbeitseinsätzen selbst Hand an. Zugleich etablierte sich das "Pessiner Kirchenkulturjahr" mit überregional besuchten Veranstaltungen. Durch den Einbau eines Versorgungstraktes im derzeit ungenutzten Kirchturm sollen die Möglichkeiten einer erweiterten Nutzung des Kirchengebäudes weiter verbessert werden.

  Förderverein Dorfkirche Pessin e. V.
 
Landkreis Havelland
 
Ein Hort für gedeihliches Gemeindeleben

 Bereits seit 1998 engagiert sich der Heimatverein Steffenshagen e.V. für die "Erhaltung der dörflichen Kultur und die Landschafts- und Heimatpflege". Er erforscht die Geschichte des Ortes und organisiert kulturelle Veranstaltungen. 2010 hat die Initiative auch die Erhaltung und Instandsetzung der Steffenshagener Kirche in ihre Satzung mit aufgenommen.

Nach einem Brand im Jahr 1917 erfolgte von 1920 bis 1922 der Wiederaufbau unter der Leitung von Curt Steinberg, dem damaligen Leiter des Kirchlichen Bauamtes Brandenburg. Die Gestaltung des Innenraumes übernahm der damals bekannte Kirchenmaler Robert Sandfort, dessen Ausmalung weitgehend in gutem Zustand erhalten blieb. Allerdings zeigen die hölzernen Einbauten Schäden durch Holzwurmbefall und bedürfen einer baldigen Restaurierung. Auch die Schuke-Orgel, derzeit nicht spielbar, soll repariert werden.

Wie in den meisten Dörfern der Region ist die Zahl der Gemeindeglieder auch in Steffenshagen rückläufig. Der Heimatverein möchte durch "musikalische, künstlerische und literarische Darbietungen sowie heimatkundliche und künstlerische Ausstellungen" die Kirche zu einer Begegnungsstätte für alle Einwohner des Ortes machen, damit sie "im Gemeindeleben wieder eine sozial und gesellschaftlich wichtige Funktion" erhält.

  Heimatverein Steffenshagen e. V.
 
Landkreis Prignitz

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