Kunst und Kultur in Dorfkirchen - nur die letzte Chance für überflüssige Gotteshäuser?

(Cultural use of village churches - only the last chance for places of worship?)

Vortrag von Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, gehalten auf der zweiten internationalen Konferenz des europäischen Verbundes "Future for Religious Heritage" in Halle (Saale ) am 31. Oktober 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Unterschied zu anderen Regionen steht in weiten Teilen Ostdeutschlands in jedem Dorf - unabhängig von der Einwohnerzahl - ein Kirchengebäude. Die sprichwörtliche Kirche im Dorf prägt das Ortsbild, bildet den optischen Mittelpunkt und dient mit ihrem Turm oft als weithin sichtbares Wegzeichen. Der weitaus größte Teil dieser Gotteshäuser stammt aus der Zeit der mittelalterlichen Besiedlung. Innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne wurden im 13. und 14. Jahrhundert Hunderte von imposanten Feldsteinkirchen errichtet, die Kriege, Seuchen und Zeiten wirtschaftlicher Not überstanden haben. In späterer Zeit entstanden barocke Predigtsäle, schlichte Fachwerkkirchen und imposante historistische Ziegelbauten. Allein im Land Brandenburg existieren noch heute etwa 1.400 Dorfkirchen. Wenn der Kirchenbau Spiegel des Glaubens wäre, müssten Ostdeutschland - und speziell Brandenburg - zu den frömmsten Regionen Deutschlands gehören.

Doch der Schein trügt. Nur noch knapp 20 Prozent der Bevölkerung gehören im Durchschnitt einer christlichen (d.h. hier im Wesentlichen der evangelischen) Kirche an. Die pfarramtliche Versorgung wurde in den vergangenen Jahrzehnten radikal reduziert. Gottesdienste finden in vielen Dörfern nur noch alle sechs bis acht Wochen oder sogar lediglich an den besonderen Feiertagen des Jahreskreises statt. Und dort, wo der sonntägliche Gottesdienst angeboten wird, schafft er es nicht mehr, die Gläubigen in größerer Zahl in die Kirche zu locken. In Zeiten demographischer Schrumpfungsprozesse, zunehmender Säkularisierung und daraus resultierender sinkender Gemeindegliederzahlen stellt sich die Frage: "Durch wen, für wen und auch warum sollten Kirchengebäude also erhalten werden?"

Erstaunlicherweise wird diese Frage in der Regel nicht gestellt. In zahlreichen Dörfern haben Menschen dafür gesorgt, dass Gotteshäuser vorbildlich instandgesetzt und restauriert wurden. Mehr als 300 ehrenamtliche Fördervereine engagieren sich in Brandenburg für "ihre" Kirche im Dorf; die Mehrzahl der Mitglieder ist konfessionell nicht gebunden. Die kirchliche Denkmalpflege der vergangenen 25 Jahre ist eine großartige Erfolgsgeschichte, die allerdings den Wittenberger Theologen Friedrich Schorlemmer zu der lakonischen Feststellung provozierte: "Kirchen sind außen sehr schön. Aber innen ziemlich leer."

Parallel zu der Feststellung, dass Kirchengebäude im ländlichen Raum zusehends ihre originäre Bedeutung als Orte der Verkündigung einbüßen, ist jedoch ein auf den ersten Blick gegensätzliches Phänomen zu beobachten: In immer mehr Kirchengebäuden finden Kunst- und Kulturveranstaltungen statt, die eine wachsende Anzahl von Besuchern anziehen. Während im normalen Gottesdienst kaum die ersten drei Bankreihen gefüllt sind, ist der Kirchenraum bei einem Konzert oder einer Lesung, bei einer Ausstellungseröffnung oder sogar Theateraufführung oftmals bis auf den letzten Platz gefüllt.

Es gab eine Zeit, da galt die Kirche als "Mutter aller Künste". Und der Berliner Theologe Friedrich Schleiermacher sah - wenn auch nicht unwidersprochen - Religion und Kunst als Schwestern. Doch spätestens seit der Epoche der Aufklärung haben sich die Kinder selbständig gemacht und die Schwestern dauerhaft entfremdet. Lange Zeit hatte die protestantische Kirche Schwierigkeiten, sich auf das Wagnis Kunst in ihren Räumen einzulassen. Dabei sind Kirchen von Anfang an Kulturorte par excellence - "Manifestationen der Architekturgeschichte, der Kunstgeschichte, der Musikgeschichte" und durch die Tradition der Wortpredigt auch eng verbunden mit der Literaturgeschichte.

Seit einigen Jahrzehnten vollzieht sich eine erstaunliche Annäherung zwischen der protestantischen Kirche und den Künsten, die - bei allen Unsicherheiten, die weiterhin bestehen - inzwischen auch in den Dorfkirchen abgelegener Regionen zu bemerken ist. Ich möchte Ihnen im Folgenden einige Beispiele dafür vorstellen, wie durch Kunst- und Kulturveranstaltungen Kirchenräume neu belebt werden und damit auch Menschen für die Kirchengebäude interessiert und gewonnen werden konnten, die nicht zur Kerngemeinde gehören.

Der Begriff "Kulturkirche" hat derzeit in Deutschland Konjunktur, ohne dass jemand so richtig erklären kann, was das eigentlich ist - eine "Kulturkirche". Wenn man sich den lateinischen Wortstamm von Kultur - "colere" - anschaut, dann merkt man, dass dieser Begriff ursprünglich aus der Landwirtschaft stammt. "Colere" bedeutet den Acker bestellen, bebauen, aber auch pflegen und bewahren. - In diesem Sinne sollte eigentlich jede Kirche eine Kulturkirche sein.

Kirchengebäude auf dem Lande sind oft die letzten verbliebenen öffentlichen Orte im Dorf, an denen Menschen zusammenkommen können. Die bringen Kultur in Regionen, wo die öffentliche Hand längst nicht mehr in der Lage ist, diese zu finanzieren.

Musik in der Kirche war ursprünglich nicht autonom, sondern half mit, die "himmlische" Stadt im Kirchenraum darzustellen. Martin Luther, der selbst Querflöte und Laute spielte und dem wir die Ursprünge des protestantischen Kirchenliedes zu verdanken haben, erklärte: "Nach der Theologie könnte keine Kunst der Musik gleichkommen, weil allein sie neben der Theologie das gewährt, was an anderer Stelle nur die Theologie schafft, nämlich Ruhe und Freude." Johann Sebastian Bach komponierte seine Werke ausschließlich "soli deo gloria" und von bis Penderecki haben wir der dienenden Funktion der Musik unzählige musikalische Schätze zu verdanken.

Diese dienende Funktion hat die Musik freilich längst verlassen und so können wir heute in Kirchenräumen neben Orgelwerken und den großen Kantaten auch weltliche Kammermusik, Jazz oder Volksmusik hören. Das Angebot an Musik in Dorfkirchen ist inzwischen in manchen Regionen so groß, dass es in den Sommermonaten schwerfällt, sich für ein bestimmtes Konzert zu entscheiden.

Seit mittlerweile acht Jahren führt der Förderkreis Alte Kirchen - zusammen mit dem Brandenburgischen Landesverband der Musikschulen - die Veranstaltungsreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" mit jährlich etwa 50 Konzerten durch. Kinder und Jugendliche, die zuvor oftmals noch nie eine Kirche betreten hatten, musizieren an attraktiven Spielorten vor einem großen Publikum. Der Erlös der Konzerte kommt vollständig der Sanierung des jeweiligen Kirchengebäudes zugute.

In der Kultur- und Kinderkirche Eichstädt (Landkreis Oberhavel) wird nicht nur Musik aufgeführt. Hier können Kinder auch lernen, ein Instrument zu spielen oder im Chor zu singen und mit ihrer Band Proben durchführen. Kommune und Kirche arbeiten dabei eng zusammen. Der Träger ist ein ehrenamtlich arbeitender Verein.

Das Dach der mittelalterlichen Feldsteinkirche in Malchow (Landkreis Uckermark) war vor etwas mehr als zehn Jahren vom Einsturz bedroht. Der Förderkreis Alte Kirchen initiierte und finanzierte damals eine Notsicherung - anfangs gegen den Widerstand der Amtskirche, die das Gebäude aufgeben wollte. Inzwischen hat sich hier - auch dank einer finanziellen Förderung der EU - ein kirchenmusikalisches Zentrum für die Region etabliert. Jährlich werden Preise für musizierende Kinder und Jugendliche ausgelobt.

Auch das Theater hatte durch die bereits im Mittelalter veranstalteten Passionsspiele einst einen festen Platz im Kirchenraum. Und später lernte der Barock in allen Bereichen von der Kunst des Theaters: Architektur, Ausstattung und Liturgie waren Teil eines Gesamtschauspiels. Durch das Primat der protestantischen Wortverkündigung ging dieser Sinn für die Inszenierung verloren.

Heute erleben wir völlig selbstverständlich die Aufführung von weltlichen Theaterstücken in Kirchengebäuden. Der Verein "Theater in der Kirche" gastierte - in Kooperation mit dem Förderkreis Alte Kirchen - zwölf Jahre lang mit den Inszenierungen klassischer Theaterstücke in jährlich bis zu zwanzig Dorfkirchen. Auch hier kam ein großer Teil der anschließend gesammelten Spenden dem jeweiligen Kirchengebäude zugute.

In der gotischen Backsteinkirche Briest (Sachsen-Anhalt) hat sich eine Marionettenbühne etabliert. Bei den Puppenspielen im Kirchenraum, zu denen inzwischen selbst Touristengruppen in Reisebussen kommen, wirkt auch der Pfarrer im Ruhestand mit.

Selbst Filmvorführungen in Dorfkirchen sind keine Seltenheit mehr und während der Fußball-Weltmeisterschaft traf man sich hier zum gemeinsamen Fernsehen. In Arnsdorf (Landkreis Bautzen / Sachsen) wurde die Pfarrscheune neben der Kirche zu einer Pilgerherberge ausgebaut. Im Sommerhalbjahr werden hier Kinofilme gezeigt. Jährlich drehen die Einwohner zusätzlich einen eigenen Film mit Darstellern aus dem Dorf.

Die über lange Zeit ungenutzte Dorfkirche in Federow (Mecklenburg-Vorpommern) wurde nach erfolgreicher Sanierung 2005 als erste Hörspielkirche Deutschlands wieder geöffnet. In der in einer touristisch reizvollen Umgebung gelegenen Kirche können die Besucher von Juni bis September täglich professionellen Hörspielen lauschen - von der Kindergeschichte bis zum Krimi.

Kommen wir zum Thema Bildende Kunst. Bilder und Skulpturen in einer Kirche auszustellen, dürfte auf den ersten Blick ohne größere Schwierigkeiten möglich sein. Für Luther waren Bilder weder gut noch böse; man kann sie haben oder nicht haben. Als "Adiaphora" sind sie frei. Und doch birgt die Ausstellung moderner Kunst innerhalb der historischen Kirchenmauern genügend Konfliktpotential.

Vor über zweihundert Jahren prägte der preußische Philosoph Immanuel Kant den Satz: "Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt." Mit dieser Definition ist es heute nicht mehr möglich, Kunst zu betrachten. Es gibt nichts mehr, was allgemein gefällt. Und das "Schöne" allein reicht als ästhetisches Kriterium auch nicht mehr aus, um Kunst zu bewerten.

Vor einigen Jahren veranstaltete der Förderkreis Alte Kirchen in zwei verschiedenen Regionen "Kirchen-Kunst-Routen", bei denen zeitgenössische Künstler moderne Werke in Dorfkirchen präsentierten und damit auch für Irritationen sorgten. Die durch die Kunstwerke verursachte Störung der ursprünglichen Harmonie des Kirchenraumes sollte nicht unnötig provozieren, war jedoch durchaus gewollt. Die Installationen zwangen den Betrachter, genauer hinzuschauen und den vertrauten Ort neu wahrzunehmen.

In der seit Jahren nicht mehr genutzten Dorfkirche Lindenhagen (Landkreis Uckermark) entstanden zum Beispiel temporäre Einbauten aus gestampftem Lehm, die unter anderem den Blick auf den Altar verstellten. Die klein gewordene Gemeinde stellte fest, dass in dem neu entstandenen Altarraum Andachten besser zu feiern waren als im zu groß gewordenen Kirchenschiff. Die gewollte Intervention hatte erfolgreich zur Beschäftigung mit der eigenen Situation der Kirchengemeinde geführt.

In Zeestow (Landkreis Havelland) wurde im Sommer dieses Jahres das erfolgreich instandgesetzte Kirchengebäude nach Jahrzehnten des Leerstands als Autobahnkirche wieder eröffnet. Die an einer der am stärksten befahrenen Autobahnen Deutschlands gelegene Kirche soll als "Raststätte für die Seele" Autofahrer einladen, für eine kurze Zeit der Besinnung anzuhalten, dem Stress des Alltags zu entkommen und vielleicht auch Gelegenheit für ein kurzes Gebet zu finden. Hier werden Bilder des bekannten Malers Volker Stelzmann, der unter dem Titel "Die Berufenen" zwölf Außenseiter der heutigen Gesellschaft als Jünger Jesu porträtierte, bewusst dafür genutzt, Besucher anzulocken. Das Konzept scheint bis jetzt erfolgreich aufzugehen.

Dass es in den Dörfern und Kleinstädten ein enormes Potential an Kreativität und den Willen zur Auseinandersetzung mit dem Kirchenraum gibt, zeigte ein Wettbewerb mit dem Titel "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen", den der Förderkreis Alte Kirchen durch die freundliche Unterstützung durch die Kulturstiftung des Bundes ausschreiben konnte. Aus über einhundert eingereichten Projekten wählte eine Jury dreißig Projekte aus, die wir finanziell unterstützen konnten. Das Spektrum reichte von eher traditionellen Veranstaltungen wie Konzerten, Ausstellungen oder Lesungen bis hin zu Comic- und Foto-Workshops, Literaturwettbewerben und "Poetischen Wanderungen für Kinder".

Vor einigen Jahren organisierte der Förderkreis Alte Kirchen in Kooperation mit dem Bildungsministerium des Landes Brandenburg einen landesweiten Malwettbewerb für Kinder und Jugendliche unter dem Motto "Unsere Kirche - ein Schatz unseres Heimatortes. Dabei wurde angeregt, dass beteiligte Schulklassen sich vom zuständigen Pfarrer oder einem Mitglied der Kirchengemeinde das Kirchengebäude, seine Ausstattung und die liturgischen Hintergründe seiner Nutzung erklären zu lassen. Über die Beteiligung und die phantasievollen Ergebnisse waren wir positiv überrascht.

Ein Gesamtkunstwerk stellt die Dorfkirche in Saxdorf (Landkreis Elbe-Elster) mit dem ihn umgebenden Pfarrgarten dar. Hunderte von zum Teil sehr seltenen Pflanzen wachsen und gedeihen in diesem Garten. In einem Pavillon wird Kaffee und Kuchen ausgeschenkt; und in der Kirche selbst etablierte sich in den letzten Jahren eine anspruchsvolle und gut besuchte Konzertreihe.

Ein letztes Beispiel, das ich Ihnen hier vorstellen möchte, ist die Dorfkirche Dannenwalde, ein neugotischer verputzter Backsteinbau von 1821 auf oktogonalem Grundriss. Auch hier gelang es einem Förderverein, das verfallene und lange Zeit ungenutzte Kirchengebäude zu sanieren. Es finden wieder regelmäßige Gottesdienste statt. Zudem ist die Dannenwalder Kirche zu einem Zentrum kulturellen Wirkens weit über die Region hinaus geworden. Den Anspruch formulierten die Initiatoren bereits 1995 wie folgt:

"Kultur und Kirche am Weg" - das bedeutet nicht eine fertige Kirche, die gelegentlich auch einmal anders genutzt wird, das bedeutet auch nicht einen Kulturraum, in dem gelegentlich Gottesdienste stattfinden dürfen. Vielmehr liegt in der Konzeption beschlossen: "Der Weg ist das Ziel." An diesem Ort soll gepredigt und erzählt, musiziert und ausgestellt, gegessen und getrunken, getauft, getraut und beerdigt werden."

Viel ist in den letzten Jahren geschehen, um auch die unscheinbaren Dorfkirchen in abgelegenen Regionen über die seltener werdenden Gottesdienste hinaus zu öffnen. Sogar historische Pilgerwege werden im hauptsächlich protestantisch geprägten Ostdeutschland erfolgreich reaktiviert. - Und das, obwohl der Reformator Martin Luther eindringlich warnte: "Lauf nicht dahin. Man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund da liegt."

In regionalen Kulturkalendern und in den Broschüren der Tourismusveranstalter sind die ländlichen Kirchengebäude inzwischen gut vertreten. Das ist gut und richtig so. Auf die Dauer wird die Konservierung von sakralen Denkmalen als reiner Selbstzweck nicht ausreichen.

Wir müssen nur darauf achten, dass unsere historischen Kirchen nicht ausschließlich als Kulturhäuser oder als Museen einer längst vergangenen Zeit betrachtet werden. Die ursprüngliche, religiöse Konnotation sollte nicht in Vergessenheit geraten.

Es ist richtig: Protestantische Kirchen sind keine heiligen Räume an sich; ihre Bedeutung erhalten sie erst durch das, was in ihnen geschieht, durch die Menschen, die sich hier im Namen Jesu Christi versammeln. Obwohl der Raum an sich kein Medium der Heilsvermittlung ist, besitzt er für die ihn nutzende Gemeinde, so klein diese inzwischen sein mag, trotzdem eine spirituelle Wertigkeit, die nicht alles zulässt. Es ist schwierig, für die kulturelle Nutzungserweiterung von Kirchengebäuden endgültige und allgemeingültige Kriterien zu entwickeln. Dinge, die dem Verkündigungscharakter widersprechen, schließen sich selbstverständlich von vornherein aus. Letztlich jedoch muss jede Gemeinde für sich entscheiden, was in ihrer Kirche möglich ist und was nicht. Auf jeden Fall sollte der Kirchenraum nicht zur beliebigen "location" werden.

Kirchen sind offen für alle, aber eben nicht für alles. Und auch, wenn in ihnen Kunstwerke ausgestellt werden, werden sie dadurch nicht automatisch zu Museen oder Galerien - sondern bleiben in erster Linie Gotteshäuser.

Trotz dieser Bedenken sollten Kirchen offene Räume bieten. Und das heißt nicht nur, dass ab und zu die Tür geöffnet ist. Offene Kirchen unterbreiten Angebote. Auch die Kunst kann Angebote unterbreiten. Im Zusammenspiel zwischen beiden können "Bildungsräume" entstehen, die wir dringend nötig haben. Ohne diese Bildung sind ansonsten weite Teile der abendländischen Kulturgeschichte bald nicht mehr lesbar! Und wir sollten - was in unserer zweckorientierten Gesellschaft schwer fällt - nicht zuallererst nach dem ökonomischen Nutzen der Kirchengebäude fragen.

Fazit: Kunst und Kultur sollten nicht als Lückenfüller oder als letzte Chance betrachtet werden, um Kirchenräume kurzzeitig zu füllen, die ansonsten überflüssig sind und die keiner mehr benötigt. Die kulturelle Nutzungserweiterung bietet vielmehr die Möglichkeit, stolz auf das kulturelle Erbe des Christentums zu verweisen und Menschen anzusprechen, die dabei helfen, diesen Schatz auch für die Zukunft zu bewahren.

Schließen möchte ich mit einem Zitat des Dichters Robert Musil, der vor über einhundert Jahren schrieb: "Auch Denkmäler sollten sich heute, wie wir alle es tun, etwas mehr anstrengen! Ruhig am Wege stehen und sich Blicke schenken lassen, könnte jeder; wir dürfen heute von einem Monument etwas mehr verlangen!"

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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