Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2015/2016

vorgelegt und bestätigt auf der Mitgliederversammlung 2016 am 07.05.2016 in der St. Antonius & St. Shenouda Kirche der Orthodoxen Koptischen Gemeinde in Deutschland in Berlin-Lichtenberg

Im vergangenen Jahr konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) das 25-jährige Jubiläum seiner Gründung begehen. Für den Vorstand und die Mitarbeiter des Vereins war dies Anlass, Bilanz zu ziehen über ein Viertel Jahrhundert erfolgreiche Arbeit, aber auch nach vorn zu schauen auf zukünftige Probleme der brandenburgischen Kirchengebäude und die sich daraus ergebenden Schwerpunkte unserer weiteren Tätigkeit.

Der Festakt zu unserem Jubiläum fand am 9. Mai 2015 in der Französischen Kirche in Potsdam statt. Die brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Dr. Sabine Kunst, der Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, Prof. Dr. Franz Schopper, der Leiter des Stiftungsbüros der Stiftung zur Erhaltung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa), Martin Ammon, sowie der Vorsitzende des Freundeskreises der Garreyer Kirche, Dr. Wolfgang Lubitzsch, sprachen Grußworte. In einem vom FAK-Geschäftsführer Bernd Janowski moderierten Podiumsgespräch zu dem Thema "Wie viele Kirchen braucht das Land?" mit dem brandenburgischen Landeskonservator, Dr. Thomas Drachenberg, und der Generalsuperintendentin des Sprengels Potsdam, Heilgard Asmus, kam die Wertschätzung der Landeskirche und der institutionellen Denkmalpflege für die Arbeit des FAK ebenso zum Ausdruck wie die Erwartungen an unsere zukünftige Arbeit.

Im Rahmen einer weiteren Festveranstaltung "Bürger bewahren Gotteshäuser. Die Kirche sagt Danke!" am 27. Juni in der St. Marienkirche Bernau würdigte Bischof Dr. Markus Dröge die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen und das Wirken der etwa 300 ehrenamtlichen lokalen Kirchbauvereine auf dem Gebiet der Landeskirche.

Mit einer von Dr. Hans Krag organisierten Besichtigungsfahrt zu vom FAK geförderten Kirchengebäuden südlich von Berlin bedankte sich der Vorstand des Förderkreises bei seinen zahlreichen ehrenamtlichen Helfern.

Auch im vergangenen Jahr konnten zahlreiche Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekte gefördert werden. Dabei sieht der FAK die "Kirche im Dorf" nicht als isoliertes Denkmal, sondern als Bestandteil des Gemeinwesens und als geistigen und kulturellen Mittelpunkt des Ortes. Eine wichtige Erfordernis sind deshalb die Kontakte und der Austausch mit den Kirchengemeinden, Fördervereinen und ehrenamtlichen Kirchenbewahrern vor Ort.

Möglich ist unsere Arbeit langfristig nur durch das Engagement unserer aktiven Mitglieder und die gleichbleibende Spendenbereitschaft unserer zahlreichen Unterstützer. Ihnen gilt unser herzlicher Dank. Ein besonderer Dank gilt auch all denen, die - zum Teil bereits seit Jahren - ehrenamtlich zum Gelingen unserer Arbeit beitragen!

1. Mitgliederentwicklung

Derzeit zählt der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg 599 Mitglieder (2015: 593), davon 423 persönliche Mitglieder, 130 Vereine mit zumeist gegenseitiger Mitgliedschaft, 37 Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise und 9 Firmen. Damit ist die Anzahl der Mitglieder im Vergleich zum Vorjahr in etwa konstant geblieben.

Die Zahl der persönlichen Mitglieder, die durch Tod oder altersbedingte Kündigung der Mitgliedschaft aus dem FAK ausscheiden, hat in letzter Zeit stark zugenommen. Noch war es uns möglich, die Mitgliederzahl durch den Beitritt neuer Mitglieder nahezu konstant zu halten. Wir möchten uns jedoch verstärkt um die Werbung neuer und jüngerer Vereinsmitglieder bemühen und hoffen dabei auf die Unterstützung unserer langjährigen Wegbegleiter.

Der Vorstand setzt sich derzeit aus acht stimmberechtigten ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, die gleichzeitig noch weitere Aufgaben im FAK wahrnehmen.

2. Finanzen

Das zurückliegende Finanzjahr 2015 war für den FAK wiederum erfolgreich. Wie der Jahresrechnung zu entnehmen ist, konnte der FAK im Jahr etwa 203.000 Euro an Einnahmen verbuchen, davon mehr als 67.000 Euro an allgemeinen und mehr als 42.000 an projektgebundenen Spenden. Erfreulich zu vermerken ist, dass die Zahl anlassbedingter Spenden (Geburtstage, Jubiläen, Kondolenzen etc.) im vergangen Jahr zugenommen hat. Dankbar sind wir dafür, dass die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) uns alle zwei Jahre eine landesweite Kollekte zukommen lässt.

An direkten Projekthilfen konnten etwa 107.000 Euro ausgereicht werden, die in den allermeisten Fällen durch Kofinanzierungen die Einwerbung weiterer Fördermittel ermöglichten.

Auch in Zukunft wird sich der FAK bemühen, die ihm anvertrauten Gelder effektiv und verantwortungsvoll zu verwalten und einzusetzen, um weiterhin substantielle Hilfe zur Erhaltung, Instandsetzung und angemessenen Nutzung von Kirchengebäuden leisten zu können. Die Rücklagen, mit denen mögliche Schwankungen in den Einnahmen des Vereins auf längere Sicht ausgeglichen werden sollen, konnten 2015 konstant gehalten werden. Da etliche von uns 2015 bewilligte Fördermittel erst im laufenden Jahr 2016 abgerufen werden, ist ein Überhang entstanden, der uns im laufenden Geschäftsjahr zwingen wird, in größerem Umfang auf diese Rücklagen zurückzugreifen. Auch müssen weiterhin die notwendigen Personalkosten für den Geschäftsführer und eine Referentin (jeweils 50%) aus den Gesamteinnahmen des FAK finanziert werden, ohne dass es dafür nennenswerte externe Zuschüsse gibt. Für die Zukunft ist es dringend notwendig, zusätzliche Einnahmemöglichkeiten zu erschließen, um unsere Tätigkeit im gewohnten Umfang fortsetzen zu können.

3. Fördermaßnahmen

Um die Ausreichung von Fördermitteln für konkrete Sanierungsprojekte noch transparenter zu gestalten, beschloss der Vorstand des FAK im vergangenen Jahr eine neue "Richtlinie zur Vergabe von Zuwendungen", die auf unserer Internetseite einsehbar ist.

Im vergangenen Jahr konnten durch Zuschüsse des Förderkreises Alte Kirchen unter anderem folgende Projekte unterstützt werden:

Aus Zinserträgen unserer "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" (siehe Punkt 4) konnten 2015 folgende Maßnahmen mit jeweils 3.000 € unterstützt werden:

Aus Spendengeldern der Aktion "Menschen helfen Engeln" konnte im vergangenen Jahr die Restaurierung der Taufengel in Altwustrow (MOL / 3.000 €), Etzin (HVL / 3.260 €) und Sadenbeck (PR / 3.958 €) unterstützt werden. Insgesamt war es in den vergangenen Jahren möglich, im Rahmen dieser erfolgreichen Spendenaktion mehr als 80.000 € für die Konservierung und Restaurierung von fast dreißig im Bestand gefährdeten Taufengeln auszureichen.

Erhebliche Spenden (13.771 €) erreichten den FAK im vergangenen Jahr für die Restaurierung der Prospektfiguren der ehemaligen Hans Scherer-Orgel von 1573 aus der St. Marienkirche in Bernau (BAR) im Rahmen der Aktion "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe". Hier danken wir - stellvertretend für viele weitere - der Firma Beez und Jeske für Spenden anlässlich eines Firmenjubiläums und der Akademie für Alte Musik Berlin für den Ertrag eines Benefizkonzertes in der Dorfkirche Mühlenbeck. Der diesjährige Spendenaufruf gilt den Resten eines gotischen Altarretabels in der Stadtkirche Ruhland (EE).

Darüber hinaus vermittelte der FAK weitere Geldmittel für Sanierungsmaßnahmen, die direkt an Kirchengemeinden und/oder Fördervereine ausgereicht wurden.

Seit seiner Gründung im Mai 1990 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg insgesamt fast 1,5 Millionen Euro an direkten Projektzuschüssen für die Sicherung, Instandsetzung und Sanierung von Kirchenbauten und die Restaurierung wertvoller Ausstattung ausreichen. Dafür danken wir herzlich allen Mitgliedern, Spendern und Unterstützern.

4. Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen

Unsere Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen (SBD), gegründet 2008, konnte ihr Kapitalvermögen von ursprünglich 58.500 € auf inzwischen knapp 470.000 € erhöhen. Aus den Zinserträgen konnten für bisher zwölf Projekte des FAK insgesamt 34.350 € zur Verfügung gestellt werden (zu den Förderungen 2015 siehe Punkt 3.). Nächstes Ziel ist die Erhöhung des Kapitalstocks auf 500.000 €. Wir danken allen bisherigen Zustiftern und bitten um weitere Unterstützung.

Der FAK wird im Stiftungsvorstand durch Arnulf Kraft und Dr. Hans Krag vertreten; die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa) durch ihren Geschäftsführer Martin Ammon sowie durch Reinhard Greulich.

5. Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements

In der bereits erwähnten Predigt anlässlich der Veranstaltung "Bürger bewahren Gotteshäuser. Die Kirche sagt Danke!" in der St. Marienkirche Bernau würdigte Bischof Dr. Markus Dröge das erfolgreiche Wirken der über 300 ehrenamtlichen Vereine, die sich in Brandenburg und auf dem Gebiet der schlesischen Oberlausitz für die Erhaltung ihrer Kirchengebäude engagieren: "Es sind nicht selten die Kirchgebäude und die Kirchbauvereine, die Menschen im Dorf wieder miteinander verbinden, und zwar im gemeinsamen Engagement für den Ort, in dem man lebt und sich heimisch fühlt." Weiter führt Bischof Dröge aus: "Liebevoll erhaltene Kirchen sind sichtbare Zeichen dafür, dass das Gemeinwohl gepflegt wird! Dass Gemeinschaft und versöhnliches Miteinander in der Gesellschaft stärker wiegen können als das Denken nur an sich selbst."

Ohne die enge Zusammenarbeit mit den zahlreichen lokalen Vereinen wäre die Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen in diesem Umfang nicht möglich. Im Rahmen der täglichen Arbeit findet ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch statt, von dem auch der FAK ständig profitiert. Durch die inzwischen gut etablierte Regionalbetreuung ist der Kontakt zu den Kirchen-Fördervereinen, aber auch zu Kirchengemeinden und Institutionen der Denkmalpflege in den vergangenen Jahren wesentlich gestärkt worden.

Wie bereits seit fünfzehn Jahren hat der FAK auch im vergangen Jahr fünf neu gegründete Initiativen mit einem "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" in Höhe von jeweils 2.500 Euro ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung fand am 18. September in der St. Sabinenkirche in Prenzlau (UM) statt. 2015 gingen die Preisgelder an folgende Vereine:

Gastgeber für die Preisverleihung in diesem Jahr wird im September der Förderverein Gollwitzer Dorfkirche sein.

Die regionale Betreuung wird von folgenden Vorstands- und Vereinsmitgliedern wahrgenommen: Arnulf Kraft (Havelland), Hans Tödtmann (Potsdam-Mittelmark, Nord), Theda v. Wedel-Schunk (Potsdam-Mittelmark, Süd), Dr. Hans Krag (Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz), Uwe Donath (Märkisch-Oderland, Oder-Spree), Carsten Lange (Barnim), Bernd Janowski (Uckermark), Konrad Mrusek (Oberhavel), Wolf-Dietrich Meyer-Rath (Prignitz, Ostprignitz-Ruppin). Es freut uns, dass wir mit Jürgen Türk einen neuen Verantwortlichen für die Region Spree-Neiße gefunden haben. Leider ist es uns bisher nicht gelungen, für das Gebiet der schlesischen Oberlausitz einen Regionalbetreuer zu finden, so dass diese Region derzeit vakant ist. Wir würden uns freuen, wenn sich unter unseren Mitgliedern jemand findet, der diese verantwortungsvolle Aufgabe übernimmt.

6. Öffentlichkeitsarbeit

Im Jubiläumsjahr 2015 wurde die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg durch zahlreiche Presseveröffentlichungen und Rundfunksendungen gewürdigt. Bei zahlreichen Veranstaltungen - regionalen Kirchentagen, Tagungen, Workshops, dem Berliner Reisemarkt, der Potsdamer Geschichtsbörse etc. - war der FAK mit Informationsständen vertreten. Vertreter des FAK sprachen bei Tagungen, beteiligten sich an Workshops und hielten Vorträge.

Bereits zum siebzehnten Mal erschien in diesem Jahr unsere Jahresbroschüre "Offene Kirchen". Im Adressteil der Zeitschrift sind mittlerweile fast 1.000 Kirchen verzeichnet, die entweder feste Öffnungszeiten anbieten oder deren Schlüsselbewahrer mit Adressen und Telefonnummern verzeichnet sind. Für den redaktionellen Teil konnten wiederum zahlreiche Autoren gewonnen werden, die Beiträge über Geschichte und Kunstgeschichte der brandenburgischen Kirchen, aber auch über Berichte über Menschen, die diese Kirchen pflegen und erhalten, geschrieben haben. Dem jährlichen, sehr aufwändigen Vertrieb der Zeitschrift widmen sich ehrenamtlich zahlreiche Mitglieder. Sie leisten dabei in den allermeisten Fällen zusätzlich unentgeltliche Fahrdienste. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt! Leider ist die verkaufte Auflage des Heftes weiter rückläufig. Immer mehr Kirchengemeinden und Fördervereine scheuen den Aufwand, der für sie durch Bestellung, Verkauf und Abrechnung entsteht. In den vergangenen Jahren konnten durch den Verkauf von Anzeigen finanzielle Verluste kompensiert werden. Da im laufenden Jahr auch der Anzeigenverkauf rückläufig war, wird es nicht möglich sein, die Herstellungskosten in vollem Umfang zu erwirtschaften. Da die Broschüre weiterhin unser wichtigstes Medium bei der Einwerbung von Spenden und bei der Gewinnung neuer Mitglieder ist, werden wir sie auch weiterhin herausgeben und sind ständig bemüht, neue Kunden und neue Finanzierungsmöglichkeiten zu finden.

Für die Mitglieder, Spender und Unterstützer erscheint seit über zwanzig Jahren verlässlich und in der Regel drei Mal im Jahr unser Mitteilungsblatt "Alte Kirchen". Nach zwei Jahrzehnten hat Eva Gonda die redaktionelle Verantwortung für das Blatt an Elke Kreischer weitergereicht. Eva Gonda wird jedoch weiterhin journalistisch mitarbeiten. Der Vorstand dankt ihr herzlich für die zuverlässige und wertvolle Tätigkeit!

Rainer Marx betreut in bewährter Weise den Internetauftritt des FAK. Unsere Homepage ist ein wichtiges "Aushängeschild" unserer Arbeit, inzwischen aber auch ein großartiges Archiv der Tätigkeit der vergangenen Jahre. Seit dem vergangenen Jahr sind zum Beispiel - als neu geschaffener Service - auf der Seite sämtliche Artikel der bisher erschienenen Jahrgänge der "Offene Kirchen" als Download verfügbar.

Organisiert von Wolf-Dietrich Meyer-Rath fand am 19. Juni 2015 in Demerthin (PR) eine sehr gut besuchte Fachtagung "Mittelalterliche Wandmalereien in der Mark Brandenburg und in den Nachbarregionen" statt; ein Tagungsband dazu ist in Vorbereitung.

Der FAK unterstützte finanziell die Öffentlichkeitsarbeit für eine dreitägige Tagung zur Ausstattung der St. Marienkirche in Bernau sowie für die Ausstellung "Vergessene Kirchen" des Bürgervereins Luisenstadt in der St. Thomaskirche Berlin-Kreuzberg.

7. Exkursionen

Auch im vergangenen Jahr bot der Förderkreis Alte Kirchen seinen Mitgliedern und Unterstützern mehrere Busexkursionen an, die sich neben kunsthistorischen Führungen auch mit Fragen der Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung der Kirchengebäude beschäftigten und aktuelle Förderprojekte des FAK vorstellten. So führten im Jahr 2015 Fahrten

8. Kunst und Kultur in Brandenburgischen Dorfkirchen

Bereits bei seiner Gründung formulierte der FAK mit dem Motto "Alte Kirchen - Retten, Erhalten, Nutzen" sein Ziel, die Kirchengebäude über die widmungsgemäße Nutzung zu Gottesdiensten hinaus auch für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. Ein wichtiger Beitrag dazu ist das gemeinsam mit dem Landesverband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg e.V. veranstaltete Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen", die in diesem Jahr bereits ihr zehnjähriges Jubiläum feiern kann und die inzwischen zu einem anerkannten Bestanteil der brandenburgischen Kulturlandschaft geworden ist.

Im vergangenen Jahr 2015 fanden im Rahmen der Reihe insgesamt 61 Konzerte statt, die dazu beitrugen, dass alte Kirchen in Brandenburg als Orte der Begegnung belebt und wertvolle Kulturgüter erhalten werden können. Die Spenden und Kollekten im Anschluss an die Konzerte kommen in vollem Umfang der Erhaltung und Instandsetzung der gastgebenden Kirchengebäude zugute. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe konnten bisher mehr als 160.000 Euro für konkrete Projekte "erspielt" werden.

Mit mehr als 70 Konzerten - so vielen wie bisher noch nie - wird die Reihe "Musikschulen öffnen Kirchen" im Jubiläumsjahr 2016 fortgesetzt.

9. Ausblick

Kirchengebäude, speziell unsere Dorfkirchen, stiften Identität und verkörpern Heimat. Es ist nicht verwunderlich, dass der Begriff "Heimat" in der letzten Zeit Konjunktur hat. Heimat wird erst dann wichtig, wenn sie droht, in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt verlustig zu gehen. In Zeiten, in denen immer mehr infrastrukturelle Einrichtungen und Kulturträger aus der Fläche verschwinden, sollten unsere jahrhundertealten Kirchengebäude bewusst ein Zeichen setzen. Wie die große Zahl von Engagierten in den Gemeinden, den Kirchbauvereinen und darüber hinaus zeigt, haben die Dorfkirchen ihre Bedeutung für das Gemeinwesen noch lange nicht verloren. Sie werden weiterhin gebraucht.

Wichtigstes Ziel des Förderkreises Alte Kirchen bleibt "die Erhaltung und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen im Land Brandenburg und im Zuständigkeitsbereich der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung im Sinne der Denkmalschutzgesetze" (Satzung des FAK). Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht wurde, um gravierende Bauschäden zu beseitigen, gibt es auf diesem Gebiet weiterhin viel zu tun!.

Ein wichtiges Betätigungsfeld bietet sich dem FAK auch in der Unterstützung der Konservierung und Restaurierung wertvoller historischer Ausstattungsstücke. Die meisten potentiellen Fördermittelgeber berücksichtigen das reichhaltige Inventar unserer Kirchen nicht. Dabei befinden sich weitaus die meisten Kunstwerke aus allen Epochen der Kunstgeschichte im Land Brandenburg in Kirchengebäuden. Die gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Landeskirche initiierten jährlichen Aktionen "Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe" bringen nicht nur materielle Unterstützung, sondern schärfen zudem das Problembewusstsein für die Bewahrung wertvoller Kulturgüter.

Mit dem Projekt "Offene Kirchen" trägt der FAK dazu bei, Kirchengebäude über die Kerngemeinde hinaus zugänglich zu machen und zu öffnen. Darüber hinaus unterstützt der FAK kulturelle Aktivitäten und Projekte der behutsamen Nutzungserweiterung. Bei einer erweiterten Nutzung bleibt die Kirche Gottesdienstraum der Gemeinde, öffnet sich jedoch für die Gemeinschaft. Hier sind - gemeinsam mit Partnern in den Kirchengemeinden, Fördervereinen und Kommunen - Kreativität, Offenheit und Sensibilität gefragt.

Zunehmend wird sich uns auch die Frage stellen, wie mit Kirchengebäuden umzugehen ist, die aufgrund des demographischen Wandels und der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft nicht mehr bzw. nur noch sehr selten genutzt werden. Hier gilt es, im gesellschaftlichen Dialog zwischen Kirche und Politik, Denkmalpflege und bürgerschaftlichem Engagement tragfähige und langfristige Konzepte zu finden.

In einer Zeit, in der der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft zu schwinden droht, wächst die Bedeutung der Kirchengebäude als Orte der Selbstvergewisserung und Identifikation. Ihre Erhaltung als nahezu letzte verbliebene nicht-kommerzielle Räume sollte als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen werden.

Der Vorstand
Berlin, März 2016

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