Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2007 / 2008

vorgelegt und bestätigt auf der Mitgliederversammlung 2008 am 12.04.2008 im Gemeindesaal der Kath. Kirchengemeinde Maria Frieden Berlin-Mariendorf

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. (FAK) hat durch seine kontinuierliche Arbeit auch im vergangenen Berichtsjahr einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung, Instandsetzung und angemessenen Nutzung von Kirchengebäuden geleistet.

Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich positiv entwickelt. In erheblichem Umfang konnten finanzielle Beihilfen für konkrete Sanierungsmaßnahmen geleistet werden. Für die lokalen Fördervereine, für Kirchengemeinden und Kommunen bleibt der FAK ein wichtiger Ansprechpartner. Die praktische Tätigkeit wurde begleitet und unterstützt durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und ein verstärktes Engagement zur kulturellen Nutzung von Kirchengebäuden.

Mitgliederentwicklung

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt zählt der Förderkreis 419 Mitglieder (319 persönliche Mitglieder, 85 Vereine mit zumeist gegenseitiger Mitgliedschaft, 8 Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise und 7 Firmen). Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug die Gesamtmitgliederzahl 384. Obwohl der Kreis unserer Freunde, Spender und Unterstützer weit über die Mitgliederzahl hinausgeht, sehen wir hier noch ein bedeutend größeres Potential. Wir bitten unsere Mitglieder, uns bei der Werbung von weiteren Mitstreitern für unsere gemeinsame Sache zu unterstützen.

Fördervolumen und Finanzierung

Trotz einer anhaltenden Finanzknappheit bei Bund, Land, Landkreisen und Kommunen aber auch bei der Landeskirche und den Kirchenkreisen konnten auch im vergangenen Jahr erstaunlich viele notwendige Sanierungsmaßnahmen an gefährdeten Kirchengebäuden und ihrer Ausstattung vorgenommen werden. Möglich wurde dies durch das bewundernswerte Engagement vieler Menschen vor Ort sowie die tatkräftige finanzielle Unterstützung von Institutionen, Vereinen und Stiftungen.

Der Förderkreis Alte Kirchen konnte im vergangenen Jahr nahezu 100.000 Euro für konkrete Instandsetzungsprojekte zur Verfügung stellen. Dies ist die bisher größte Summe, die in einem Kalenderjahr ausgereicht werden konnte. Möglich wurde das u.a. durch ein gestiegenes Spendenaufkommen, die Berücksichtigung des FAK im Kollektenplan der Landeskirche 2006 und den erhöhten Eingang von Bußgeldern.

Darüber hinaus konnten finanzielle Zuwendungen Dritter an Kirchengemeinden und Vereine vermittelt werden, die weit über das hinausgehen, was der FAK selbst an finanzieller Hilfe zu leisten vermag. In allen Fällen haben wir darauf geachtet, dass durch geeignete Ko-finanzierungen unsere Zuschüsse möglichst effektiv eingesetzt wurden.

Es wird sicherlich nicht möglich sein, unser Fördervolumen auf einem derart hohen Niveau zu halten. Aufgabe des Vorstandes wird es sein, Möglichkeiten für eine Konsolidierung und Verbesserung der finanziellen Situation des Förderkreises zu schaffen, um weiterhin substantielle Hilfe leisten zu können. Vorschläge dazu von Seiten der Mitglieder sind uns willkommen.

Bauliche Maßnahmen

Unter anderem wurden im vergangenen Jahr folgende bauliche Maßnahmen unterstützt:

Stärkung bürgerschaftlichen Engagements

Der Kontakt und ständige Austausch mit den inzwischen mehr als 230 lokalen Fördervereinen in Brandenburg bleibt weiterhin das wichtigste Arbeitsfeld des Förderkreises Alte Kirchen. Der FAK half wiederum bei der Formulierung von Vereinssatzungen, Nutzungskonzepten und Verträgen, moderierte mehrere Gründungsversammlungen neuer Vereine sowie Bauberatungen und Expertenrunden, vermittelte Kontakte zu Institutionen der Denkmalpflege, zu Ämtern, Behörden und Stiftungen und half bei der Beantragung von Fördermitteln.

Das bürgerschaftliche Engagement von Vereinen und Freundeskreisen wird in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Durch Eigenleistungen, das Sammeln von Spenden und Sponsorengeldern, organisatorische Unterstützung der Kirchengemeinden und vor allem auch durch ihre Bemühungen um eine Öffnung sowie eine sinnvolle und angemessene Nutzung der Kirchengebäude sind die lokalen Fördervereine zu einem wichtigen Partner der Landeskirche und der institutionellen Denkmalpflege geworden. Deshalb stellt die Schaffung und Betreuung eines Netzwerkes ehrenamtlicher Initiativen einen der wichtigsten Bestandteile unserer Arbeit dar.

Ein wichtiges Instrument zur Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit bleibt weiterhin das jährlich ausgeschriebene "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" Durch diesen Wettbewerb möchten wir auch weiterhin Vereinsgründungen anregen und neu gegründeten Vereinen den Beginn ihrer Tätigkeit erleichtern. Für ihr Engagement im Bereich der kirchlichen Denkmalpflege erhielten 2007:

vier Vereine ein Preisgeld in Höhe von jeweils 2.500 Euro, und zwar der :

Zwei weitere Initiativen erhielten jeweils 1.250 Euro Preisgeld zugesprochen:

Die Preisverleihung fand am 14. September 2007 in der Dorfkirche Damelack (Ostprignitz-Ruppin) statt. Der Vorstand des Förderkreises Alte Kirchen dankt in diesem Zusammenhang den Mitgliedern der Jury für ihre Arbeit bei der Entscheidungsfindung sowie dem Förderverein zur Erhaltung der Kirche in Damelack e.V. für seine engagierte Gastfreundschaft. Seit der ersten Ausschreibung im Jahr 2002 konnten allein auf diesem Wege 44 Vereine mit einem Preisgeld von insgesamt 100.000 Euro bedacht werden. Auch für das laufende Jahr wurde wieder ein "Startkapital" für engagierte Vereine ausgeschrieben. Der Bewerbungszeitraum endet am 30. April.

Öffentlichkeitsarbeit

Am 14. Mai 2007 wurde in einer Aktion des Förderkreises Alte Kirchen, organisatorisch und finanziell unterstützt von der renommierten Werbeagentur Jung von Matt/Spree, der Kirchturm der evangelischen Stadtkirche Wittenberge (Prignitz) mit einem über achtzig Quadratmeter großen Poster verhüllt. An der dort sichtbaren Fassade eines beliebigen Hochhauses stellte ein Spruchband die Frage: "Erkennst Du nun, dass Gottes Haus auch Dein Haus ist?" Mit dieser Aktion, die auch bei der Kirchengemeinde Wittenberge und dem örtlichen Förderverein große Resonanz fand, wollte der FAK überregional darauf hinweisen, dass die Rettung und Erhaltung von Kirchen nur durch das gemeinsame Engagement vieler zu bewerkstelligen ist.

Wichtigstes Medium unserer Öffentlichkeitsarbeit bleibt die Jahreszeitschrift "Offene Kirchen", die in diesem Jahr bereits zum neunten Mal erscheint. Die Anzahl der geöffneten Kirchen im Adressverzeichnis ist auf inzwischen fast 800 weiter angewachsen. Für den redaktionellen Teil haben namhafte Autoren interessante Beiträge zur Geschichte, Kunstgeschichte und Denkmalpflege märkischer Kirchen geschrieben. Für die redaktionelle Mitarbeit dankt der Vorstand Eva Gonda und Dr. Jan Feustel und für die Betreuung der Adressdatenbank Günter Schöne. Erstmalig liegt einem Teil der Auflage ein Verzeichnis von offenen Kirchen in Berlin bei, das dankenswerter Weise von Karl Tietze zusammengestellt wurde. Für die "Offenen Kirchen" hatte Arnulf Kraft in den vergangenen Jahren ein perfektes Vertriebssystem mit mehr als 500 Verkaufsstellen in Berlin und Brandenburg aufgebaut. Dafür gebührt ihm Anerkennung und Dank. In diesem Jahr haben Jörg Becken und Anne Nentwich die Organisation des Vertriebs von ihm übernommen. Ein Dank gebührt darüber hinaus allen Autoren und Fotografen, die ihre Beiträge kostenfrei zur Verfügung stellen, sowie allen Mitgliedern und Freunden des FAK, die an der flächendeckenden Auslieferung der Hefte ehrenamtlich beteiligt sind.

Regelmäßige Informationen zur Arbeit des Förderkreises und aktuelle Berichte bietet weiterhin unser periodisch erscheinendes Mitteilungsblatt "Alte Kirchen", dessen Redaktion in den bewährten Händen von Eva Gonda liegt.

Ein wichtiges Medium der Öffentlichkeitsarbeit ist auch die Homepage des Förderkreises Alte Kirchen, die von Rainer Marx betreut und ständig verbessert wird und die inzwischen ein wertvolles Archiv für Themen geworden ist, die brandenburgische Dorfkirchen betreffen. Ein regelmäßiger Rundbrief per E-Mail bietet darüber hinaus aktuelle Kurzberichte, Veranstaltungs- und Buchtipps und bietet zugleich die Möglichkeit der direkten Kommunikation mit Mitgliedern und Freunden des Förderkreises.

Wertvolle Kontakte und Anregungen ergab die Teilnahme des FAK mit einem eigenen Stand am Evangelischen Kirchentag in Köln. Viele Besucher wurden über die Situation der Brandenburgischen Dorfkirchen sowie über unsere Arbeit informiert.

Ausstellungen und Exkursionen

Die Ausstellung des Förderkreises "Gefährdete Schönheit. Dorfkirchen in Brandenburg" wurde im vergangenen Jahr in der St. Marienkirche Berlin-Mitte, im Lübecker Dom, in der St. Nikolaikirche Kiel in den Räumen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn, im Städtischen Museum Freiburg / Breisgau sowie in der Kreissparkasse Nordschwarzwald in Emmendingen zu sehen. In begleitenden Vorträgen, Führungen und Veranstaltungen konnte die Situation bedrohter Kirchenbauten in Brandenburg vorgestellt und um Spenden geworben werden. Für die umfangreiche Arbeit bei Organisation, Aufbau und Betreuung möchte sich der Vorstand bei Dr. Hans Krag und Alexander Möbius bedanken.

Regelmäßig bietet der FAK, in bewährter Form von Bernd Janowski organisiert und gestaltet, Busexkursionen zu Kirchen in Brandenburg an. Neben kunsthistorischen Aspekten spielen Fragen der Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung eine wichtige Rolle. In der Regel werden dabei immer auch Kirchengebäude besucht, bei deren Sanierung der Förderkreis Alte Kirchen helfen konnte. Zusätzlich wurden auch für außenstehende Gruppen und Institutionen Fahrten organisiert; die dabei eingeworbenen Spendenmittel kommen direkt den besuchten Kirchen zugute.

Kunst und Kultur in Dorfkirchen

Der Förderkreis Alte Kirchen unterstützt die über den eigentlichen Widmungszweck hinausgehende kulturelle Nutzungserweiterung von Kirchen entsprechend der Leitlinien der "Orientierungshilfe zum lebendigen Gebrauch von Kirchengebäuden" der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Zu diesem Zweck gestaltete, vermittelte und unterstützte er bereits in der Vergangenheit zahlreiche Veranstaltungen in brandenburgischen Kirchen.

Um Dorfkirchen als Orte des religiösen, gemeinschaftlichen und sozialen Lebens wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen und durch kulturelle Nutzung die langfristige Erhaltung der Bauwerke zu ermöglichen, veröffentlichte der FAK Ende 2007 die Ausschreibung eines Wettbewerbs "Kunst und Kultur in brandenburgischen Dorfkirchen", die maßgeblich durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert wird. Aus mehr als einhundert Bewerbern wählte eine unabhängige Jury 32 Projekte aus, die in den kommenden zwei Jahren finanziell unterstützt und organisatorisch begleitet werden. Die Projektleitung des Wettbewerbs liegt in den Händen von Wolf-Dietrich Meyer-Rath, die Projektassistenz wird von Birgit Karger wahrgenommen.

Bereits seit sieben Jahren verbindet uns eine gute Zusammenarbeit mit dem Verein "Theater in Kirchen" und der angeschlossenen Theatergruppe "Atelier Startbrett" unter der künstlerischen Leitung von Heidi Walier. Im vergangenen Jahr trat die Gruppe mit dem Stück "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller in 15 Kirchen in Berlin und Brandenburg auf. Die Hälfte des jeweiligen Erlöses kommt der Instandsetzung und Erhaltung der gastgebenden Kirche zugute. Für dieses Jahr ist eine erneute Tournee mit Goldonis "Diener zweier Herren" geplant, die vom Förderkreis Alte Kirchen finanziell unterstützt wird.

Erstmals konnte 2007, gemeinsam mit dem Landesmusikschulverband Brandenburg, das Projekt "Musikschulen öffnen Kirchen" durchgeführt werden. Für die Förderung danken wir der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Bei den durchgeführten elf Konzerten konnten insgesamt 6.300 Euro an Spenden eingeworben werden, die der Erhaltung der Kirchengebäude dienen. Eine Fortsetzung der Konzertreihe wird es auch in diesem Jahr geben.

Für den FAK organisierte Petermichael Metzler als künstlerischer und organisatorischer Leiter die erste brandenburgische "Kirchen-Kunst-Route". In sieben uckermärkischen Dorfkirchen stellten sieben zeitgenössische Künstler ihre Werke aus.

Stiftung brandenburgische Dorfkirchen

Um die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg auch langfristig zu gewährleisten, beschloss der Vorstand im Herbst 2007 die Errichtung einer Stiftung. Ermöglicht wurde dies durch eine bedeutende Einzelspende, der nach Veröffentlichung des Aufrufs zur Zustiftung bereits erheblich weitere Beträge folgten. Die Stiftung wird als unselbständige Stiftung unter dem Dach der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa) errichtet und trägt den Namen: "Stiftung brandenburgische Dorfkirchen des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. in der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland". Sie ist als Aufbaustiftung konzipiert; der Erlös des Stiftungskapitals wird der satzungsgemäßen Arbeit des FAK zugute kommen. Wir danken an dieser Stelle allen Zustiftern und bitten Sie auch weiterhin um Ihre Unterstützung.

Verwaltungsaufgaben

Die ständig wachsenden Verwaltungs- und Routinearbeiten fordern einen großen Aufwand von den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Förderkreises und des Vorstandes. Die Führung der laufenden Geschäfte sowie die Betreuung der Finanzen ist in den Händen des Geschäftsführers, Bernd Janowski, und des Schatzmeisters, Dr. Hans Krag, sehr gut aufgehoben. Die Buchhaltung erledigt Gisela Uhlig. Marianne Fiedler ist als Schriftführerin tätig. Günter Schöne beteiligt sich an der Mitgliederbetreuung. Ihnen allen und zahlreichen weiteren Personen, die bei Einzelprojekten immer wieder bereit sind, kurzfristig Hilfe zu leisten, sei herzlich gedankt.

Da die bisherige Geschäftsstelle des FAK in der Großen Hamburger Straße den sich aus unserer Arbeit ergebenden Anforderungen an Größe und Ausstattung nicht mehr entsprechen, sind wir derzeit auf der Suche nach neuen Büroräumen. Dabei dürfen jedoch keine zu hohen Kosten entstehen, da der Vorstand bemüht ist, mit Spenden, Mitgliedsbeiträgen und anderen Zuwendungen sparsam umzugehen. Wir denken, dass es nach dem Umzug möglich ist, die "Routinearbeiten", auf eine breitere personelle Basis zu stellen.

Ausblick

Auch in Zukunft wird die Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg zur Rettung, Erhaltung und Nutzung von Kirchengebäuden gefragt sein. Dabei wissen wir viele bewährte Partner an unserer Seite. Neben der finanziellen und organisatorischen Unterstützung konkreter Baumaßnahmen ist es wichtig, die Diskussion um die Zukunft unserer Kirchen weiter zu führen. Durch weitgreifende kirchliche Strukturreformen, Gemeindefusionen und die Ausdünnung der pfarramtlichen Versorgung wird es nicht leichter, jedes Kirchengebäude zu erhalten. Der Förderkreis Alte Kirchen wird mit der Landeskirche, den zuständigen Ministerien, Behörden und Dienststellen, hauptsächlich aber auch mit den engagierten Menschen in den Gemeinden und Kommunen nach Konzepten suchen, um die "Kirche im Dorf" zu lassen. Unter diesen Umständen wird eine flächendeckende Präsenz des FAK in Brandenburg immer wichtiger. Dies würde aber die Möglichkeiten einzelner Vorstandmitglieder wie auch die unseres Geschäftsführers übersteigen. In Zukunft werden daher mehrere Vorstandsmitglieder Herrn Janowski zur Seite stehen und die Betreuung einzelner Regionen übernehmen.

Wir danken allen Mitgliedern und Freunden des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., unseren Spendern und Sponsoren, Institutionen und befreundeten Vereinen für die gute Zusammenarbeit und wünschen uns weitere gemeinsame Erfolgsergebnisse. Ihre Anregungen sind uns auch in Zukunft wichtig.

Berlin, den 12. April 2008

Dr. Uwe Otzen
(Vorsitzender)