Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2005 / 2006

vorgelegt und bestätigt auf der Jahreshauptversammlung 2006 am 06.05.2006 im Gemeindesaal der Marienkirche Bernau

Im vergangenen Berichtsjahr konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg den 15. Jahrestag seiner Gründung begehen. Zusammen mit der Jahreshauptversammlung fand am 30. April 2005 ein Festakt im Umweltforum Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain statt. Vertreter des brandenburgischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, des Kirchlichen Bauamtes der EKBO, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie zahlreicher befreundeter Vereine und Initiativen überbrachten Grüße und würdigten die Arbeit des FAK. Das Jubiläum bot Gelegenheit für einen Rückblick und eine überwiegend positive Bilanz unserer Arbeit. Gleichzeitig war es jedoch auch eine Verpflichtung, weiterhin der satzungsmäßigen Aufgabe der "Erhaltung und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen (samt Ausstattung) sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung im Sinne der Denkmalschutzgesetze" nachzukommen. Auf der Mitgliederversammlung 2005 wurde Marianne Fiedler durch Zuwahl in den Vorstand gewählt.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt zählt der Förderkreis Alte Kirchen 358 Mitglieder (267 persönliche Mitglieder, 78 Vereine, 6 Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise und 7 Firmen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug die Gesamtmitgliederzahl 315. Das bedeutet eine Steigerung um ca. 14 Prozent. Wir hoffen, dass diese positive Entwicklung anhält, um in Zukunft einen noch größeren Teil unserer Personal- und Sachkosten aus den Mitgliedsbeiträgen finanzieren zu können.

2005 stand die alljährlich stattfindende Kulturland-Kampagne des Landes Brandenburg unter dem Motto "1000 Jahre Christentum". Erstaunlicherweise war das Interesse größer als in vorigen Themenjahren und die Anzahl der Besucher erreichte einen Höchststand. Der FAK konnte dank der finanziellen Unterstützung durch "Kulturland Brandenburg e.V." die Broschüre "Offene Kirchen 2005" wesentlich erweitern, beteiligte sich an verschiedenen Einzelprojekten und konnte durch die allgemeine Aufmerksamkeit für religiöse Themen auch für die eigene Arbeit profitieren.

Durch die allgemeine Finanzknappheit von Fördermittelgebern und Stiftungen sowie durch das Wegfallen von Instrumenten der Arbeitsförderung wird es immer schwerer, substanzerhaltende Maßnahmen an Kirchengebäuden und ihrer Ausstattung durchzuführen. Der Förderkreis Alte Kirchen hat sich deshalb entschlossen, finanzielle Hilfe hauptsächlich für Notsicherungen und dringende Instandsetzungen zu geben. So konnten im vergangenen Jahr u. a. folgende Projekte unterstützt werden:

Für das laufende Jahr 2006 hat der Förderkreis Alte Kirchen bereits mehrere Zusagen für finanzielle Zuschüsse geben können. Neben den bereits erwähnten Mitteln für Alt Krüssow wurden u. a. 3.000 Euro für die Notsicherung der Kirche in Mellnsdorf (Landkreis Teltow-Fläming) und 2.500 Euro für ein Sanierungsgutachten für die Dorfkirche Stegelitz (Landkreis Uckermark) in den Haushalt eingestellt.

Für viele der nahezu 200 lokalen Fördervereine im Land Brandenburg und im Bereich der schlesischen Oberlausitz bleibt der Förderkreis Alte Kirchen ein wichtiger Ansprechpartner. Gleichzeitig bietet der ständige Austausch auch uns die Gelegenheit, wichtige Anregungen aufzunehmen, um sie für unsere Arbeit zu nutzen und weiterzugeben. Der FAK half bei der Formulierung von Vereinssatzungen, Nutzungskonzeptionen und Verträgen, moderierte mehrere Gründungsversammlungen und Bauberatungen, vermittelte Kontakte zu Institutionen der Denkmalpflege, Ämtern, Behörden und Stiftungen und half bei der Beantragung von Fördermitteln. Finanzielle Zuwendungen Dritter konnten für Kirchengemeinden und Vereine vermittelt werden, die weit über das hinausgehen, was der FAK selbst an finanzieller Hilfe leisten kann. Das bürgerschaftliche Engagement von Vereinen und Freundeskreisen wird in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Durch Eigenleistungen, das Sammeln von Spenden und Sponsorengeldern, organisatorische Unterstützung der Kirchengemeinden und vor allem auch durch ihre Bemühungen um eine Öffnung sowie eine sinnvolle und angemessene Nutzung der Kirchengebäude sind die Vereine zu einem wichtigen Partner der institutionellen Denkmalpflege geworden. Deshalb stellt die Schaffung und Betreuung eines Netzwerkes ehrenamtlicher Initiativen einen der wichtigsten Bestandteile unserer Arbeit dar.

Um weitere Vereinsgründungen anzuregen sowie um neu gegründeten Vereinen ihre Arbeit zu erleichtern, konnte der FAK auch im vergangenen Jahr sechs Vereine mit einem "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" auszeichnen.

Für ihr Engagement im Bereich der kirchlichen Denkmalpflege erhielten vier Vereine ein Preisgeld in Höhe von jeweils 2.500 Euro:

Zwei weitere Vereine erhielten jeweils 1.250 Euro zugesprochen:

Die Preisverleihung fand am 23. September in der Maria-Magdalenen-Kirche zu Templin statt. Feierlicher Rahmen war die von der Evang. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gemeinsam mit dem Förderkreis Alte Kirchen organisierte Festveranstaltung "Die Kirche dankt", auf der Bischof Dr. Wolfgang Huber die Arbeit der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer bei der Erhaltung und Sanierung von Kirchengebäuden würdigte.

Auch für das laufende Jahr wurde wieder ein "Startkapital" für engagierte Initiativen ausgeschrieben. Der Bewerbungszeitraum endete am 30. April. Durch eine großzügige projektgebundene Zuwendung wird es uns möglich sein, zusätzlich zu den fünf ausgeschriebenen Preisgeldern einen sechsten Verein auszuzeichnen.

Nach dem Vorbild unseres "Startkapitals" wurde ein solcher Preis inzwischen auch in Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben. Der FAK konnte hierbei seine Erfahrungen durch Mitarbeit in der Jury einbringen

  Broschüre "Offene Kirchen"

Im vergangenen Jahr erschien bereits die sechste Ausgabe unserer jährlichen Broschüre "Offene Kirchen". Aus Anlass der Kulturland-Kampagne "1.000 Jahre Christentum" wurde der Umfang des Heftes beträchtlich erweitert. Für die finanzielle Unterstützung der Herstellungs- und Druckkosten möchten wir uns beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, bei der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und bei Kulturland Brandenburg e.V. bedanken. Die Auflage der "Offenen Kirchen 2005" lag bei 13.500 Exemplaren. Durch die Druckkostenzuschüsse, die Einnahmen aus Anzeigen und den Verkaufserlös konnte eine Kostendeckung erreicht werden. Als "Gewinn" können wir die Einwerbung neuer Mitglieder und von Spenden durch Leser der Broschüre verbuchen.

Das Heft "Offene Kirchen" bleibt unser wichtigstes Medium der Öffentlichkeitsarbeit. Für redaktionelle Arbeit dankt der Vorstand Eva Gonda, Dr. Jan Feustel und Bernd Janowski sowie für die perfekte Organisation des Vertriebs und der Abrechnung Arnulf Kraft. Ein herzlicher Dank gebührt allen Mitgliedern und Freunden des FAK, die bei der flächendeckenden Auslieferung der Hefte an inzwischen mehr als 500 Verkaufsstellen in Berlin und Brandenburg beteiligt waren.

Für die redaktionelle Arbeit an unserem Mitteilungsblatt "Alte Kirchen", das unsere Mitglieder und Freunde regelmäßig über laufende Aktivitäten unterrichtet, dankt der Vorstand ausdrücklich Eva Gonda.

Auch in den Medien fand die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen wiederholt freundliche Anerkennung. So wird die seit etwa vier Jahren vom FAK regelmäßig gekürte "Dorfkirche des Monats", die bisher auf unserer eigenen Homepage und auf der Internetseite des "Kulturportals Brandenburg" vorgestellt wurde, seit einiger Zeit auch vom Evangelischen Pressedienst präsentiert.

Die Homepage des FAK (seit kurzem auch mit einer Suchfunktion!) informiert regelmäßig über Aktuelles aus der Arbeit des Vereins. Gleichzeitig ist sie mit ihrem Archiv inzwischen zu einer wahren Fundgrube für Themen geworden, die brandenburgische Dorfkirchen und die Arbeit lokaler Vereine betreffen. Betreut wird der Internet-Auftritt in bewährter Weise von Rainer Marx, wir danken ihm herzlich!. Ein regelmäßiger elektronischer Infobrief bietet darüber hinaus Veranstaltungstipps sowie aktuelle Berichte über unsere Arbeit und bietet zugleich die Möglichkeit der direkten Kommunikation mit Mitgliedern und Freunden des Vereins.

Unsere Ausstellung "Gefährdete Schönheit. Dorfkirchen in Brandenburg" wurde im vergangenen Jahr u.a. in Bremen, Hamburg und Osnabrück gezeigt. In begleitenden Vorträgen, Führungen und Veranstaltungen konnte die Situation bedrohter Kirchenbauten in Brandenburg vorgestellt und um Spenden geworben werden. Für das laufende Jahr wird die Ausstellung u. a. in Frankfurt / Main, Bad Homburg und Wiesbaden sowie im November in der Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund in Berlin zu sehen sein. Für letztere Präsentation hat der Vizepräsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Thierse die Schirmherrschaft übernommen und wird bei der Eröffnung zu den Besuchern sprechen. Für die umfangreiche Organisation bei Vorbereitung, Aufbau und Betreuung der Ausstellungen möchte sich der Vorstand herzlich bei Dr. Hans Krag bedanken. Das von Arnulf Kraft entwickelte und selbst hergestellte Ausstellungssystem hat sich bisher gut bewährt.

Gemeinsam mit dem brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport veröffentlichte der FAK im vergangenen Jahr die Ausschreibung eines Kinder-Malwettbewerbes "Unsere Kirche ein Schatz unseres Heimatortes", zu dem 413 Arbeiten aus 34 Schulen des Landes eingereicht wurden. Die Organisation des Wettbewerbes wurde ebenfalls von Dr. Hans Krag übernommen.

Auch im vergangenen Jahr veranstaltete, vermittelte und unterstützte der FAK zahlreiche kulturelle Veranstaltungen in brandenburgischen Kirchen. Besonders hervorzuheben ist wiederum die gute Zusammenarbeit mit dem Verein "Theater in Kirchen", der 2005 mit dem Stück "Minna von Barnhelm" von G. E. Lessing an insgesamt 18 Spielorten auftrat. Die Hälfte des eingespielten Erlöses kam dabei jeweils der Instandsetzung und Erhaltung der gastgebenden Dorfkirche zugute. Benefizkonzerte für den FAK gestalteten u. a. das Ensemble "Uccellini", der Chor der Schlosskirche Buch, der Kammerchor der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule und das "Susato"-Ensemble. Den beteiligten Künstlern sei für ihre kostenfreien Darbietungen herzlich gedankt.

Finanziell unterstützte der FAK die Ausstellung von Dr. Sylvia Müller "Totenkronen Vergessene Denkmäler der Liebe", die seit vergangenem Jahr an zahlreichen Orten in Brandenburg zu sehen ist und über nahezu vergessene Ausstattungsstücke unserer Kirchengebäude informiert.

In mehreren Fällen half der FAK bei der Herstellung und Finanzierung von Faltblättern und Informationsmaterial lokaler Fördervereine.

Durch das regelmäßige Angebot von Exkursionen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen bemüht sich der FAK, den Kontakt zu Mitgliedern und Interessenten zu erhalten und auszubauen. Wichtig ist bei diesen Anlässen neben der Information über unsere Tätigkeit auch, miteinander ins Gespräch zu kommen und Anregungen für die laufende Arbeit zu erhalten. Immer häufiger organisiert der FAK Exkursionen auch für außenstehende Gruppen und Institutionen. Die bei diesen Gelegenheiten eingeworbenen Spenden kommen den besuchten Kirchengebäuden zugute. Den Teilnehmern werden die Arbeit und die Probleme lokaler Fördervereine nahegebracht.

Einen erheblichen Arbeitsaufwand nimmt inzwischen die ausschließlich ehrenamtliche Verwaltungsarbeit des Vereins in Anspruch. Die Betreuung der Finanzen des Vereins ist dabei in den Händen des Schatzmeisters, Dr. Hans Krag, gut aufgehoben. Die Buchhaltung wird seit einigen Monaten von unserem Mitglied Gisela Uhlig erledigt. Günter Schöne beteiligt sich an der Mitgliederbetreuung und vertritt als Vorstandsmitglied den FAK im Fachbeirat der Stiftung "Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin und Brandenburg".

Die ständige Pflege, Betreuung und Auswertung unserer immer umfangreichen Datenbanken erfordert inzwischen einen großen Aufwand. Bisher wurde das von Arnulf Kraft geleistet, dem dafür ein herzlicher Dank gebührt. Herr Kraft möchte sich ab Herbst 2006 auf die Logistik der Auslieferung und Abrechnung der Broschüren "Offene Kirchen" beschränken. Erfreulicherweise hat sich Günter Schöne bereit erklärt, die Verwaltung der Datenbank mit den Einträgen für die "Offenen Kirchen" zu übernehmen. Bis zum Herbst wird die Umstellung der umfangreichen Mitglieder- und Spendendatei auf eine aktuelle ACCESS-Datenbank abgeschlossen sein. Wer diese dann jedoch weiterhin pflegen und damit arbeiten wird, ist noch offen. Wir suchen für diese Arbeit dringend jemanden, der dazu über die nötige Leidenschaft und Zeit verfügt.

Es ist nötig, die zunehmenden "Routinearbeiten", die bisher hauptsächlich von Vorstandsmitgliedern erledigt wird, auf eine breitere Basis zu stellen. Falls Sie Interesse an einer engeren Mitarbeit haben, informieren wir Sie gern über konkrete Aufgaben.

Der langjährige Vorsitzende des FAK, Angus Fowler, hat sich entschlossen, nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren. Er wird dem Verein jedoch weiterhin verbunden bleiben und ihn mit Rat und Tat unterstützen. Angus Fowler gilt großer Dank für seine Tätigkeit. Seine Mitarbeit werden wir weiterhin dankbar in Anspruch nehmen. Mit einem neu zu wählenden Vorsitzenden hoffen wir, Kontinuität in unserer Arbeit zu bewahren und zugleich neue Impulse aufnehmen und weitergeben zu können.

In Zeiten immer knapper werdender öffentlicher Haushalte werden unsere Bemühungen um die Erhaltung und Instandsetzung wertvoller Kulturgüter nicht leichter. Es ist jedoch zu beobachten, dass die Thematik der Bewahrung von Kirchenbauten in der Öffentlichkeit eine immer größere Resonanz findet. In seiner Rede auf dem 25. Evangelischen Kirchbautag in Stuttgart sagte der Bischof Huber: "Kirchen sind Zeichen in der Zeit, Stein gewordene Mahnwachen in der Landschaft, Leuchttürme in der Mitte unseres Lebensraumes."

Zum Ende dieses Berichts möchte der Vorstand noch einen besonderen Dank aussprechen. Die große Wertschätzung, die der Förderkreis Alte Kirchen im Land Brandenburg und weit darüber hinaus für seine Arbeit erfährt, wäre nicht vorstellbar ohne das stetige Engagement unseres Geschäftsführers Bernd Janowski. Für den Verein und unsere Vorhaben ist er ein verlässlicher und kompetenter Mitarbeiter und Ansprechpartner.

Zuletzt danken wir allen Mitgliedern und Freunden des Förderkreises Alte Kirchen , den Spendern und Sponsoren, befreundeten Vereinen, Institutionen und Dienststellen für die gute Zusammenarbeit und wünschen uns weitere gemeinsame Erfolgserlebnisse.

Ihre Anregungen sind uns auch in Zukunft wichtig.

Berlin, den 6. Mai 2006

Angus Fowler
(Vorsitzender)