Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2003 / 2004

vorgelegt und bestätigt auf der Jahreshauptversammlung 2004 am 20.03.2004 im Gemeindehaus der Elias-Gemeinde

Im Berichtszeitraum 2003 / 2004 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. seine satzungsgemäße Aufgabe der "Erhaltung und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen (samt Ausstattung) sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung im Sinne der Denkmalschutzgesetze" erfolgreich fortsetzen. Dies wurde möglich auch durch die vielfältige Unterstützung, die der FAK von verschiedenen Seiten erfahren hat. An dieser Stelle sei vor allem den Mitgliedern des Vereins für ihre ehrenamtliche Mitarbeit bei verschiedenen Projekten sowie für ihre Unterstützung durch Spenden und Mitgliedsbeiträge gedankt.

Zum heutigen Tage hat der Förderkreis Alte Kirchen 250 Mitglieder (185 persönliche Mitglieder, 57 Vereine [zumeist mit gegenseitiger Mitgliedschaft], 3 Kirchengemeinden und 5 Firmen. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug die Gesamtmitgliederzahl 202.

Unsere Arbeit fand eine besondere Würdigung durch die Verleihung eines Diploms zum Preis der Europäischen Union für das kulturelle Erbe, "Europa Nostra Awards 2002". Am 8./9. Mai konnten Angus Fowler und Bernd Janowski die Urkunde bei einer feierlichen Veranstaltung in Brüssel entgegennehmen.

Ein erheblicher Einschnitt im Bemühen um die Sicherung und Instandsetzung gefährdeter Kirchenbauten sowie im Bemühen zahlreicher Institutionen, ehrenamtlicher Vereine und Baupraktiker war die im Sommer 2003 überraschend bekannt gegebene ersatzlose Streichung des Bundesprogramms "Dach und Fach". Mit Hilfe dieses Programms konnten in den vergangenen Jahren zahlreiche Denkmale im ländlichen Bereich der neuen Bundesländer, darunter viele Dorfkirchen, gesichert werden. Durch den Wegfall der Bundesmittel wurden in vielen Fällen Gesamtfinanzierungskonzepte hinfällig. Andere öffentliche Mittel, Zuwendungen von Stiftungen und Leistungen der Arbeitsämter können nicht in Anspruch genommen werden. Das Fehlen der "Dach und Fach" Mittel zeugt von einem sehr mangelhaften Verständnis der Bundesregierung für die gravierenden Probleme des ländlichen Raumes in den neuen Bundesländern und wird die Anstrengungen zur Sanierung denkmalgeschützter Bauwerke auch in Zukunft erschweren.

In Abstimmung mit zahlreichen Institutionen protestierte der FAK gegen die Streichung des Programms und versuchte, durch intensive Pressearbeit, die Öffentlichkeit über die Folgen dieses Schrittes zu informieren. Zahlreiche lokale Fördervereine schlossen sich der Aktion an und schrieben ihrerseits Protestbriefe an die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien. Im Zusammenhang damit stellte der FAK die Dorfkirche von Groß Fredenwalde als ein betroffenes Objekt vor und warb erfolgreich um Spenden. U.a. mit Hilfe der Stiftung Kirchliche Bauten (KIBA) und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz werden im laufenden Jahr erste umfassende Sicherungsmaßnahmen in Groß Fredenwalde beginnen. Die vom FAK eingeworbenen Spenden (bis heute etwa 6.000 Euro) helfen, den dafür notwendigen Eigenanteil aufzubringen.

Nach vierjähriger Finanzierung durch das Arbeitsamt Berlin und die Servicegesellschaft "Zukunft im Zentrum" im Rahmen einer SAM-Stelle wurde Bernd Janowski im September 2003 durch den Förderkreis Alte Kirchen hauptamtlich als Geschäftsführer des Vereins angestellt. Diese Entscheidung wurde notwendig, da die wachsenden Aufgaben nicht mehr auf rein ehrenamtlicher Basis zu bewältigen sind. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch eine erhebliche finanzielle Belastung für den FAK.

Auch im vergangenen Jahr konnten mit finanziellen Zuwendungen des Förderkreises konkrete Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekte an mehreren Orten unterstützt werden. Der Schwerpunkt der finanziellen Unterstützung lag auch in diesem Jahr im Landkreis Uckermark:

Eines der zukünftigen Projekte des FAK wird die Unterstützung der notwendigen Instandsetzung der ehemaligen Wallfahrtskirche in Alt Krüssow (Lkrs. Prignitz) sein. Wir konnten die Gründung eines Fördervereins für das hochinteressante, jedoch schwer geschädigte, Bauwerk von Beginn an begleiten und beteiligen uns an der Erstellung einer ersten Schadenserfassung und Kostenanalyse, um in absehbarer Zeit Sanierungsmaßnahmen zu ermöglichen.

Neben den Maßnahmen zur Instandsetzung des Baukörpers ist häufig auch die Erhaltung wertvollen, zum Teil schwer geschädigten Inventars ein Problem für die Gemeinden und Vereine. Im vergangenen Jahr unterstützte der FAK die Sicherung bzw. Restaurierung der Altäre in den Dorfkirchen von Saaringen (Lkrs. Potsdam-Mittelmark) und Wismar (Lkrs. Uckermark). Die Restaurierung der historischen Orgel der Firma Lang und Dinse in Melzow aus dem Jahr 1875 konnte aus den Einnahmen eines Benefizkonzertes gefördert werden, das die Akademie für Alte Musik, Berlin in Mühlenbeck zu Gunsten des Förderkreises Alte Kirchen gab. Den renommierten Musikern, die auf Honorar und Erstattung ihrer Aufwandskosten verzichteten, sei an dieser Stelle ausdrücklich Dank gesagt.

Ein wesentlicher Teil der Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen lag auch im vergangenen Jahr in der Beratungstätigkeit für lokale Fördervereine und Kirchengemeinden. Vereinsgründungen wurden ermöglicht und unterstützt. Kontakte zu Institutionen der Denkmalpflege, Ministerien, Stiftungen etc. konnten vermittelt werden, in etlichen Fällen übernahm der FAK die Moderation von Beratungs- und Planungsgesprächen. Finanzielle Zuwendungen Dritter wurden für konkrete Bauvorhaben vermittelt, die weit über die Summe hinausgehen, die der FAK selbst zur Verfügung stellen konnte. Obwohl dieser Teil unserer Arbeit konkret schwer messbar ist, ist er inzwischen ein entscheidender Bestandteil unserer gesamten Tätigkeit. Für die inzwischen rund 150 ehrenamtlichen Vereine, aber auch für Kirchengemeinden und Kommunen, ist der FAK ein gefragter und wichtiger Ansprechpartner im Bereich der kirchlichen Denkmalpflege.

Dank der Unterstützung durch die Robert Bosch Stiftung und das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur konnten 2003 im Rahmen des Projektes "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" wiederum zehn Initiativen mit finanziellen Zuwendungen in Höhe von jeweils 2.500 Euro bedacht werden. Die Anerkennungen wurden in Anwesenheit des Propstes der EKBO, Dr. Lütcke und des Staatssekretärs im Brandenburgischen Kulturministerium, Dr. Helm, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in der Dorfkirche von Großderschau (Landkreis Havelland) überreicht. Während dieser Veranstaltung würdigte Frau Dr. Zinkann als Vertreterin des europäischen Denkmalschutzverbandes Europa Nostra noch einmal die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen im Zusammenhang mit der Verleihung des EU-Diploms.

Obwohl die Förderung durch die Robert Bosch Stiftung für das Projekt ausgelaufen ist, wird der FAK auch in diesem Jahr fünf neu gegründete Vereine mit einem "Startkapital" von jeweils 2.500 Euro bedenken und möchte diese Form der Förderung bürgerschaftlichen Engagements auch in Zukunft fortsetzen. Die Finanzierung dieses Projekts wird vorläufig hauptsächlich aus Eigenmitteln des FAK erfolgen, für einen Zuschuss in diesem Jahr danken wir der evangelischen Landeskirche.

Die Broschüre "Offene Kirchen", die 2003 bereits zum vierten Mal erschien, ist weiterhin unser wichtigstes Medium in der Öffentlichkeitsarbeit. Verkauf und Vertrieb des Heftes werden von Arnulf Kraft organisiert. Bei einer Auflage von 11.000 Exemplaren im Jahr 2003 konnte die vom FAK selbst vorfinanzierte Herstellung durch Verkaufserlöse und Anzeigen in etwa gedeckt werden. Im Hinblick auf zahlreiche Vorbestellungen werden wir die Auflage in diesem Jahr wiederum um 1.000 Exemplare erhöhen. Die "Offenen Kirchen 2004" werden in den nächsten Tagen gedruckt vorliegen und am 1. April im Berliner Dom der Öffentlichkeit vorgestellt. Für die redaktionelle Arbeit gilt der Dank des Vorstands Jan Feustel, Eva Gonda, Bernd Janowski und Jürgen Vetter.

Für das Jahr 2005, das im Zuge der alljährlichen Kulturland-Kampagne unter dem Thema "1.000 Jahre Christentum in Brandenburg" stehen wird, bereitet der FAK eine erweiterte Sonderausgabe der "Offene Kirchen" Broschüre vor, die die zahlreichen Aktivitäten von Kirchengemeinden, Kommunen und Fördervereinen (Konzerte, Ausstellungen, Vorträge, Dorffeste) der Öffentlichkeit vorstellen und eine Ergänzung zu den großen Veranstaltungen des Kulturland-Jahres darstellen soll.

Auf dem Ende Mai 2003 in Berlin veranstalteten ersten Ökumenischen Kirchentag war der Förderkreis Alte Kirchen sowohl auf der Agora als auch durch Bernd Janowski als Mitwirkender bei einer prominent besetzten Podiumsveranstaltung zum Thema "Wie viele Kirchen braucht das Land?" in der Berliner Matthäus-Kirche vertreten.

Im April 2003 präsentierte der Förderkreis im Prenzlauer Dominikanerkloster erstmalig seine neue Wanderausstellung "Gefährdete Schönheit. Dorfkirchen in der Uckermark", die anschließend auch in Potsdam und in Felchow gezeigt wurde. Die Ausstellung wurde von Bernd Janowski, Ute Kamps und Alexander Möbius gestaltet. In diesem Jahr sind, u.a. durch die Vermittlungstätigkeit von Hans Krag, mehrere Ausstellungsorte in den alten Bundesländern (Braunschweig, Göttingen, Wuppertal) ermöglicht worden.

Im Zusammenhang mit der Eröffnung der Ausstellung veranstaltete der FAK in Prenzlau eine dreitägige kunsthistorische Fachtagung zum Thema "Dorfkirchen", die von etwa 100 Teilnehmern besucht wurde und eine erfreuliche Resonanz fand. Die Vorträge dieser Tagung sind, zusammen mit weiteren Beiträgen von Archäologen, Architekten, Baupraktikern, Historikern und Denkmalpflegern unter der Herausgeberschaft des FAK als Publikation erschienen. Tagung und Veröffentlichung wurden von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Vorbereitung der Tagung und redaktionelle Bearbeitung der Dokumentation lagen in den Händen von Bernd Janowski und Dirk Schumann. Für die sehr gute Zusammenarbeit danken wir auch dem Berliner Lukas Verlag, der das Buch in seiner Reihe "Kirchen im ländlichen Raum" herausgab.

Im Rahmen des Projekts "Startkapital" veröffentlichte der Förderkreis erstmalig ein Verzeichnis der Vereine und Initiativen zur Erhaltung, Instandsetzung und Nutzung von Dorfkirchen im Land Brandenburg. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bietet das Heft Informationen über 118 lokale und sieben überregionale Vereine. Der Druck des Heftes wurde finanziell vom Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur unterstützt.

In zahlreichen Fällen vermittelte, veranstaltete oder unterstützte der Förderkreis Alte Kirchen Benefiz- und Kulturveranstaltungen in brandenburgischen Kirchen. Das gemeinsam mit der privaten Schauspielschule "Atelier Startbrett" initiierte Projekt "Theater in Dorfkirchen" konnte in den vergangen Jahren viele Besucher anlocken und erbrachte finanzielle Einnahmen für die bespielten Dorfkirchen. In diesem Jahr wird die Theatergruppe, wiederum in Kooperation mit dem FAK, in insgesamt 13 Dorfkirchen zu Gast sein; durch die Einnahmen aus den Aufführungen können notwendige Sanierungsarbeiten gefördert werden. Auch in diesem Jahr stellen sich wieder Musiker für mehrere Benefizkonzerte, u.a. auch im Rahmen der Uckermärkischen Musiktage, zur Verfügung.

Für das regelmäßige Erscheinen des Mitteilungsblattes "Alte Kirchen", das Mitglieder und Freunde unseres Vereins regelmäßig über laufende Aktivitäten unterrichtet, dankt der Vorstand ausdrücklich seinem langjährigen Mitglied Eva Gonda. Frau Gonda wird in diesem Jahr nicht mehr für den Vorstand kandidieren, erklärte sich jedoch weiterhin bereit, die Redaktion des Mitteilungsblattes zu übernehmen.

In der regionalen und überregionalen Presse fand die Arbeit des FAK freundliche Anerkennung. Seit dem Sommer des vergangenen Jahres stellt das Kulturportal Brandenburg, die größte Plattform für das kulturelle Leben des Landes, monatlich eine vom FAK ausgewählte und beschriebene Dorfkirche des Monats vor. Seit dem Beginn dieses Jahres übernimmt auch die Berlin-Brandenburgische Kirchenzeitung diese monatlichen Artikel. Auch in Radiosendungen (u.a. Märkische Zwischentöne) sowie in Fernsehbeiträgen des ORB (jetzt RBB)wurde regelmäßig über unsere Arbeit berichtet. Ein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle auch dem Vorstandsmitglied Wolf-Rainer Marx für die ständige Aktualisierung und Verbesserung unseres Internet-Auftritts.

Wie schon in den vergangenen Jahren versuchte der FAK, durch das regelmäßige Angebot von Exkursionen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen den Kontakt zu seinen Mitgliedern zu halten und zu verbessern. Wichtig war bei diesen Anlässen auch, miteinander in Kontakt zu kommen und Anregungen für die laufende Arbeit zu erhalten. Der Förderkreis organisierte Exkursionen auch für außenstehende Gruppen und Institutionen. Die bei solchen Gelegenheiten eingeworbenen Spenden kommen den besuchten Kirchengebäuden zu Gute. Durch Arnulf Kraft und Günter Schöne wurde der Förderkreis auf den Pfarrkonventen mehrerer Kirchenkreise vorgestellt, wodurch die Wirkungsmöglichkeiten des Vereins sowohl bei der Beratungstätigkeit alch auch beim Vertrieb unserer Broschüren erweitert wurden.

Einen erheblicher Arbeitsaufwand bedeutet inzwischen die Führung der Finanzen des Förderkreises Alte Kirchen. Für die Bewältigung der umfangreichen Buchführung in den vergangenen Jahren bedankt sich der Vorstand ausdrücklich bei Frau Renate Rebitzki, die diese Aufgabe bis zum Dezember 2003 engagiert wahrgenommen hat.

Seit 2003 ist Hans Krag erfolgreich als Schatzmeister tätig, seit Anfang diesen Jahres übernahm er zunächst auch die Buchführung, die durch ihn auf EDV-Basis umgestellt worden ist. Wir hoffen nun, dass sich aus dem Kreis der Mitglieder oder deren Bekannter ein(e) Nachfolger(in) für Frau Rebitzki finden wird, da der Arbeitsaufwand nun wesentlich geringer geworden ist. Erfolgreich beteiligt sich Hans Krag auch an der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins.

Die Betreuung unserer Adressdateien und die Erstellung der Spendenquittungen liegen in den Händen von Arnulf Kraft. Günter Schöne beteiligt sich innerhalb des Vorstands an der Mitgliederbetreuung und vertritt den FAK im Beirat der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin und der Mark Brandenburg. Ihnen allen sei für Ihre Arbeit ein Dank ausgesprochen.

Weiterhin dankt der Vorstand allen Freunden des Vereins, Spendern und Sponsoren, befreundeten Vereinen, Institutionen und Dienststellen sowie vor allem seinen Mitgliedern für die gute Zusammenarbeit.

Berlin, den 20. März 2004
gez. Angus Fowler (Vorsitzender)


 
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