Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2002 / 2003

vorgelegt und bestätigt auf der Jahreshauptversammlung 2003 am 05.04.2003 im Gemeindehaus der Evang. Zions-Kirchgemeinde

Im Berichtszeitraum 2002 / 2003 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. seine satzungsgemäße Aufgabe der "Erhaltung und Wiederherstellung alter gefährdeter Kirchen (samt Ausstattung) sowie ihrer ortsbildprägenden Umgebung im Sinne der Denkmalschutzgesetze" erfolgreich fortsetzen. Dies wurde möglich auch durch die vielfältige Unterstützung, die der FAK von verschiedenen Seiten erfahren hat. An dieser Stelle sei vor allem den Mitgliedern des Vereins für ihre ehrenamtliche Mitarbeit bei verschiedenen Projekten sowie für ihre Unterstützung durch Spenden und Mitgliedsbeiträge gedankt.

Zum heutigen Tage hat der Förderkreis Alte Kirchen 202 Mitglieder (150 persönliche Mitglieder, 46 Vereine (zumeist mit gegenseitiger Mitgliedschaft), 3 Kirchengemeinden und 3 Firmen). Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug die Mitgliederzahl 174.

Verleihung des Brandenburgischen Denkmalpflegepreises 2002 
Verleihung des Brandenburgischen DenkmalpflegepreisesGroßbildansicht

Im November 2002 fand die Arbeit unseres Vereins eine besondere Würdigung mit der Verleihung des Brandenburgischen Denkmalpflegepreises durch die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Frau Prof. Johanna Wanka. Die Auszeichnung brachte dem Förderkreis Alte Kirchen erhebliche Beachtung in der Öffentlichkeit und war zudem mit einer Preissumme in Höhe von 7.000 Euro verbunden. Einen erheblichen Teil dieses Geldes reichte der FAK an Ort und Stelle weiter an die Evang. Kirchengemeinde Blindow (nahe Prenzlau) zur Kofinanzierung der dringend erforderlichen Schwammsanierung, die wiederum Voraussetzung für umfangreichere Arbeiten im Dachbereich der stark gefährdeten Kirche in diesem Jahr sein sollte.

Wie wir gerade erfahren haben, wird die Tätigkeit des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg außerdem am 8. / 9. Mai diesen Jahres in Brüssel mit einem Diplom zum Preis der Europäischen Union für das kulturelle Erbe, "Europa Nostra Awards 2003", gewürdigt werden.

 Richtfest in Küstrinchen
Richtfest in Küstrinchen

Mit bescheidenen finanziellen Zuwendungen konnten wiederum konkrete Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekte an brandenburgischen Dorfkirchen unterstützt sowie der Aufbau von Vereinsstrukturen an mehreren Orten unterstützt werden. Ein besonderer Schwerpunkt im vergangenen Jahr war dabei unser Engagement für die Dachsanierung in Küstrinchen (Landkreis Uckermark, nahe Lychen). Die dortigen Arbeiten wurden vom FAK vorbereitet, intensiv begleitet und konnten mit insgesamt 12.500 Euro von uns unterstützt werden. Zusammen mit weiteren Fördermitteln, Spenden und Mitteln des Arbeitsamtes konnte dadurch ein Bauvolumen von ca. 150.000 Euro ausgeführt werden.

Die Beratungstätigkeit für lokale Fördervereine sowie für Kirchengemeinden in Bezug auf Sanierungs- und Finanzierungsfragen , Vereinsrecht etc. sowie die Vermittlung und Moderation von Kontakten zu Institutionen und Dienststellen der Denkmalpflege, Ministerien etc. hat weiter zugenommen. In mehreren Fällen wurden Neugründungen von Vereinen durch uns initiiert und begleitet. Als Beispiel sei hier nur die Unterstützung bei der Gründung eines Förderkreises Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz genannt, dessen Projekt der Wiederaufstellung und Restaurierung des gotischen Altars der Dorfkirche Riedebeck auch finanziell unterstützt wurde. Auch die Gründungsphase und die laufende Tätigkeit des Fördervereins "Gedächtniskirche Rosow" wurde von uns intensiv begleitet. Der lokale Verein möchte in der im 2. Weltkrieg beschädigten Rosower Kirche, nur wenige Kilometer von Stettin entfernt und an der polnischen Grenze gelegen, eine deutsch-polnische Dokumentations- und Begegnungsstätte für Flucht, Vertreibung und Neuanfang einrichten. Unter anderem konnte der FAK hier bei der Vermittlung von Kontakten nach Polen behilflich sein.

Ein seltenes Juwel ist die Fergitzer Backsteinkirche 
Freundeskreis Kirchenhus Fergitz e.V.: Preisträger des "Startkapitals 2002" 

Dank der großzügigen Unterstützung der Robert Bosch Stiftung konnten 2002 im Rahmen des Projektes "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" zehn Initiativen mit finanziellen Unterstützungen von jeweils 2.500 Euro bedacht werden. Die Anerkennungen wurden in Anwesenheit von Bischof Dr. Huber und dem Staatssekretär im Brandenburgischen Kulturministerium, Dr. Helm im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Chorin überreicht. Auch im laufenden Jahr wird das "Startkapital" wieder vergeben werden. Insgesamt 33 Bewerbungen von Vereinen und Initiativen liegen vor. Gegenwärtig läuft die Überprüfung der Bewerber vor Ort. Die Preisverleihung wird Ende Juni in Großderschau stattfinden.

Das Engagement der inzwischen über 150 Vereine zur Erhaltung und Instandsetzung von einzelnen Kirchengebäuden im Land Brandenburg wurde am 31. August 2002 durch einen Empfang des Bischofs der Evang. Kirche in Berlin-Brandenburg im Brandenburger Dom gewürdigt. Der Förderkreis Alte Kirchen war bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltung aktiv beteiligt.

Dorfkirche Malchow - Innenraum 
Das Innere der Kirche von MalchowGroßbildansicht

In der letzten Zeit widmet sich der Förderkreis Alte Kirchen besonders der Unterstützung von Aktivitäten zur Rettung gefährdeter Kirchen im Landkreis Uckermark, da in dieser dünn besiedelten und wirtschaftlich schwachen Region die baulichen Probleme besonders gravierend sind. Inzwischen bemühen sich allein diesem Landkreis über 30 lokale Fördervereine um "ihre" Kirche; mit den meisten davon steht der FAK in engem Kontakt. Der Vorstand des FAK nahm fast vollzählig am Richtfest in Küstrinchen teil und besuchte aus diesem Anlass mehrere bedrohte Kirchen der Region, u.a. die seit etwa 30 Jahren nicht mehr genutzte und stark gefährdete Dorfkirche von Malchow. Hier sollen noch in diesem Jahr unter unserer Mitwirkung erste Notsicherungsarbeiten vorgenommen werden.

Ende April wird eine neue Ausstellung des Förderkreises im Prenzlauer Dominikanerkloster eröffnet, die mit einer zweitägigen Fachtagung zu kunstgeschichtlichen Fragen von Dorfkirchen verbunden sein wird.

Immer häufiger geht es den Initiativen neben der Sicherung der Bausubstanz auch um die Erhaltung wertvollen und zum Teil stark gefährdeten Inventars. Im laufenden Jahr wird der Förderkreis die Restaurierung der Altäre in der Dorfkirche Wismar (bei Strasburg) sowie in der Dorfkirche von Saaringen (nahe Brandenburg / Havel) mit jeweils 1.000 Euro unterstützen. Besondere Aufmerksamkeit wird in der nächsten Zeit auch die Erhaltung von wertvollen Kirchenorgeln in Dorfkirchen fordern. Zum Teil noch aus der Zeit des Barock stammende Instrumente, z. B. von Joachim Wagner und seinen Schülern sind in mehreren Fällen vom akuten Verlust bedroht. Im vergangenen Jahr unterstützte der FAK die Instandsetzung der Migendt-Orgel in Ringenwalde mit 1.000 Euro, die aus den Einnahmen unseres Benefizkonzertes in der Berliner Gethsemane-Kirche stammten. Den Mitwirkenden, der Templiner Kantorei und der Kantorei der Wilmersdorfer Auengemeinde, die auf Honorar und Erstattung ihrer Aufwandskosten verzichteten, sei ausdrücklich Dank gesagt. An einem von Landeskirchenmusikdirektor, Dr. Kennel und vom Orgelsachverständigen, Herrn Bernecker neu installierten regelmäßigen Forum zu Orgelfragen in Brandenburg beteiligt sich der FAK.

Eine Anerkennung unserer Arbeit war die Bitte der Robert Bosch Stiftung, sie bei der Bewertung vom Hochwasser geschädigter Kirchen in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu beraten und zu unterstützen, um finanzielle Hilfen weiterreichen zu können. Kurzfristig konnten wir aus Mitgliedern des Vorstandes drei Gruppen bilden, die Gutachten für etwa 35 betroffene Sakralbauten anfertigten und der Robert Bosch Stiftung Instandsetzungsarbeiten in Höhe von etwa 500.000 Euro empfohlen haben.

Gemeinsam mit dem Förderkreis Alte Kirchen Marburg (Lahn), dem Verein Dorfkirchen in Not in Mecklenburg und Vorpommern sowie mit dem europäischen Verband für den ländlichen Raum, ECOVAST, stellte sich der FAK Berlin-Brandenburg wiederum auf der Leipziger Denkmalmesse vor. Die Präsentation fand große Beachtung, viele Gespräche konnten geführt und wichtige Kontakte geknüpft werden. Der FAK beteiligte sich an verschiedenen Forums-Veranstaltungen, z.B. über die vorgeschlagene Senkung des MWSt.-Satzes für Arbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden.

Der FAK Berlin-Brandenburg Initiierte vor einigen Wochen in Magdeburg ein erstes Gespräch zur Gründung eines überregionalen Dachverbandes im Land Sachsen-Anhalt. Ein erstes Gespräch gab es mit dem Leiter des Kirchlichen Bauamtes der Kirchenprovinz Sachsen, Herrn Sussmann; weitere Kontakte konnten aufgebaut werden.

Der Verkauf und Vertrieb unserer Broschüre "Offene Kirchen 2003", die unser wichtigstes Medium in der Öffentlichkeit darstellt, war, vor allem durch das Engagement von Arnulf Kraft, erfolgreich, so dass die vom Verein selbst finanzierte Herstellung durch Verkaufserlöse und Anzeigen gedeckt wird. Im Hinblick auf umfangreichere Vorbestellungen und auf den Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin werden wir in diesem Jahr die Auflage des Heftes auf 11.000 Exemplare steigern. Die "Offenen Kirchen 2003" werden in der kommenden Woche ausgeliefert. Ein Dank gilt bereits jetzt dem Redaktionsteam Jan Feustel, Eva Gonda, Jürgen Vetter und Bernd Janowski.

Titel des Heftes Offene Kirchen 2003 -  Heilandskirche Sacrow

Auf dem Ende Mai stattfindenden Ökumenischen Kirchentag wird der Förderkreis Alte Kirchen sowohl auf der Agora als auch als Mitwirkender bei einer Podiumsveranstaltung zum Thema "Die Kirche im Dorf lassen" in der Berliner Matthäus-Kirche teilnehmen.

Offene Kirchen

Das mit der Broschüre verbundene Projekt "Offene Kirchen" wird in Brandenburg immer weiter ausgebaut und findet inzwischen auch in anderen Bundesländern und über die deutschen Grenzen hinaus, Beachtung. In zahlreichen Fällen vermittelte, veranstaltete oder unterstützte der FAK Benefiz- und Kulturveranstaltungen in brandenburgischen Kirchen, so u.a. das gemeinsam mit der privaten Schauspielschule "Atelier Startbrett" initiierte Projekt "Theater in Kirchen", das in diesem Jahr zum zweiten Mal mit Aufführungen in Wulkow, in der Frankfurter Heilandskapelle und in der Dorfkirche von Küstrinchen an die Öffentlichkeit geht.

Für das regelmäßige Erscheinen des Mitteilungsblattes "Alte Kirchen", das immer umfangreicher wird, dankt der Vorstand seinem Mitglied Eva Gonda.

In der regionalen und überregionalen Presse fand die Arbeit des FAK freundliche Anerkennung. Die Märkische Allgemeine Zeitung veröffentlichte 2002 monatlich einen Artikel über eine von uns ausgewählte und beschriebene "Dorfkirche des Monats". Auch in Radiosendungen sowie in Fernsehbeiträgen des ORB wurde regelmäßig über unsere Tätigkeit berichtet. Ein Dank gilt Wolf-Rainer Marx für die ständige Aktualisierung unseres Internet-Auftritts.

Mit großer Freude haben die Förderkreise Berlin-Brandenburg und Marburg die im vergangenen Jahr erfolgte Rückführung der mittelalterlichen Glasfenster der Frankfurter Marienkirche zur Kenntnis genommen. Beide Förderkreise haben sich, angeregt durch das Marburger Gründungsmitglied, Prof. Adolf Schröter, für die Rückführung dieser wertvollen Kunstschätze eingesetzt und durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen und Verhandlungen u.a. mit der Bundesregierung und dem Europarat in Straßburg ihren bescheidenen Beitrag zur Rückkehr der Fenster geleistet.

Für das Land Brandenburg ist die für den Herbst diesen Jahres vorgesehene Devastierung des im Niederlausitzer Braunkohlenrevier gelegenen Ortes Horno und seiner Dorfkirche inzwischen wahrscheinlich eine traurige, jedoch nicht mehr abzuwendende Tatsache. Nur Teile der Turmbekrönung sowie der Innenausstattung der denkmalgeschützten Hornoer Dorfkirche sollen in einen Neubau in der Ersatzsiedlung bei Forst überführt werden.

Wie schon in den vergangenen Jahren versuchte der FAK, durch das regelmäßige Angebot von Exkursionen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen den Kontakt zu seinen Mitgliedern zu halten. Wichtig war zu diesen Anlässen auch, miteinander in Kontakt zu kommen und gegenseitige Anregungen für die laufende Arbeit zu bekommen. Der Förderkreis organisierte Exkursionen auch für außenstehende Gruppen und Institutionen. Die bei solchen Gelegenheiten eingeworbenen Spenden kommen den besuchten Kirchengebäuden zu Gute.

Eine wesentliche Unterstützung der Vereinsarbeit war in den vergangenen vier Jahren die Finanzierung einer SAM-Stelle durch das Arbeitsamt sowie das Land Berlin. Ab September 2003 fallen diese Zuschüsse weg und es wird für den Förderkreis Alte Kirchen einen großen Kraftakt bedeuten, die von ihm beschlossene Festanstellung eines Geschäftsführers finanziell aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Durch die zunehmenden Tätigkeitsfelder sind sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben des Vereins stark gestiegen. Für die Bewältigung der umfangreichen Buchführung bedankt sich der Vorstand herzlich bei Renate Rebitzki. Mit Beginn des Jahres 2003 erklärte sich Dr. Hans Krag bereit, die Funktion des Schatzmeisters zu übernehmen. Für die bereits geleisteten Vorarbeiten gebührt auch ihm ein Dank des Vorstands.

Weiterhin dankt der Vorstand allen Spendern und Sponsoren, befreundeten Vereinen, Institutionen und Dienststellen sowie vor allem seinen Mitgliedern für die gute Zusammenarbeit.

Berlin, den 5. April 2003
Angus Fowler (Vorsitzender)


 
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