Bericht des Vorstandes des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. für die Jahre 2001 / 2002

vorgelegt und bestätigt auf der Jahreshauptversammlung 2002 am 01.06.2002 im Gemeindehaus der Evang. Kirchengemeinde Babelsberg

Blütenzauber an der alten Dorfkirche von Rädigke

Im Berichtszeitraum 2001/2002 konnte der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg seine Tätigkeit zur Erhaltung, Instandsetzung und angemessenen Nutzung gefährdeter Kirchen im Land Brandenburg erfolgreich fortsetzen und seine Präsenz in der Öffentlichkeit erheblich ausbauen. Die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, mit den zuständigen Landesministerien, dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, den Unteren Denkmalschutzbehörden auf Kreisebene sowie mit anderen Institutionen wurde intensiviert. Für viele der inzwischen über 100 lokalen Fördervereine im Land ist der Förderkreis Alte Kirchen ein wichtiger Ansprechpartner.

Zum heutigen Tage hat der Förderkreis Alte Kirchen 174 Mitglieder (128 persönliche Mitgl.; 40 Vereine, 3 Kirchengemeinden und 3 Firmen). Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug die Mitgliederzahl 129.

Glasfenster Gandenitz
In der Dorfkirche Gandenitz

Mit bescheidenen finanziellen Zuwendungen konnten sowohl konkrete Instandsetzungsarbeiten als auch der Aufbau von Vereinsstrukturen in mehreren Orten unterstützt werden. Für die Sicherung der Dorfkirche Cöthen (Landkreis Märkisch-Oderland) wurden 10.000, - DM zur Verfügung gestellt, für die akut gefährdete Kirche in Küstrinchen im Jahren 2001 etwa 2.500, - DM zur Erstellung eines ersten Baugutachtens sowie in diesem Jahr bereits 6.000, - EUR zur Erbringung des Eigenanteils für eine Vergabe-ABM. Weitere finanzielle Unterstützungen erhielten die Dorfkirchen in Jakobshagen, Gandenitz, Liedekahle, Schönfließ, Sydow, Teetz, Wulkow und Zernikow sowie die Stadtkirche St. Marien in Müncheberg. Für ein Projekt des Landkreises Uckermark zur Inventarisierung und Schadensfeststellung von Sakralbauten stellte der FAK 1.500, - EUR für Sachmittel zur Verfügung. Gleichzeitig sind wir an der fachlichen und organisatorischen Begleitung dieses Projektes beteiligt. Kontakte bestehen zu einer Initiativgruppe, die einen Förderverein für die Kirchenbauten um die Stadt Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) ins Leben rufen will. Hier wurde, neben organisatorischer Unterstützung, eine Anschubfinanzierung zugesagt.

Dorfkirche Küstrinchen
Einsatz in Küstrinchen

Am 1. Juli 2002 werden in Küstrinchen (Landkreis Uckermark) die ersten Sicherungsmaßnahmen an Dachstuhl und Dach der vom Einsturz bedrohten Dorfkirche beginnen. Ermöglicht wurde dies durch die Vorarbeit und Begleitung der Arbeit vor Ort durch den FAK. In dem Dorf mit 49 Einwohnern konnten wir die Gründung eines Fördervereins mit inzwischen über 20 Mitgliedern initiieren. Durch zahlreiche Gespräche mit der Kirchengemeinde, der Kommune, den Dienststellen der Denkmalpflege und anderen Institutionen wurde es möglich, kurzfristig eine Vergabe-ABM für den 1. Bauabschnitt zu organisieren und Akzeptanz für die Rettung eines bereits aufgegebenen Kirchengebäudes zu erreichen.

Immer häufiger wird die Hilfe des Förderkreises Alte Kirchen bei der Neugründung lokaler Vereine in Anspruch genommen. In zahlreichen Fällen wurde bei der Erarbeitung von Vereinssatzungen, Verträgen und Nutzungskonzepten geholfen. Der FAK ist Moderator zwischen Vereinen und Dienststellen bzw. Institutionen und konnte in einigen Fällen auch zwischen Fördervereinen und Kirchengemeinden als Vermittler auftreten.

In einem Gespräch mit dem Bischof der Evang. Kirche in Berlin-Brandenburg, Dr. Wolfgang Huber, wurde die Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen gewürdigt und eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Kirchlichen Bauamt vereinbart. Als Resultat dieses Gesprächs lädt die EkiBB Berliner und Brandenburgische Förderverein am 31. August 2002 zu einer Veranstaltung nach Brandenburg / Havel ein, um sich für deren Arbeit zur Erhaltung von Kirchengebäuden zu bedanken. An der Vorbereitung dieses Treffens ist der FAK maßgeblich beteiligt.

Zum 4. Mal organisierte der FAK eine Fachtagung für lokale Fördervereine, die sich u.a. mit der Finanzierung notwendiger Instandsetzungsarbeiten sowie mit Fragen der praktischen Denkmalpflege beschäftigte. An der Tagung in Templin nahmen etwa 60 Vertreter von Initiativen aus dem Land Brandenburg teil.

Immer häufiger werden die Erfahrungen des Förderkreises Alte Kirchen auch über die Grenzen des Landes Brandenburg in Anspruch genommen. Vertreter des Vereins nahmen an Fachtagungen, Seminaren etc. teil und führten Beratungsgespräche z. B. mit Initiativen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die Vernetzung unserer Erfahrungen auf europäischer Ebene ist durch die maßgebliche Mitarbeit des Vorsitzenden Angus Fowler u.a. in den europäischen Organisationen Europa Nostra und Ecovast sowie in mehreren osteuropäischen Initiativen gewährleistet.

Durch die Unterstützung der Robert Bosch-Stiftung, Stuttgart war es uns möglich, das Projekt "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" zu initiieren. Der Grundgedanke des Projektes ist es, durch eine Anschubfinanzierung (insgesamt standen für das Jahr 2002 25.000, - EUR zur Verfügung) die Gründung lokaler Vereine zu initiieren sowie den Beginn ihrer Arbeit zu erleichtern. Auf unsere Ausschreibung erhielten wir 42 Bewerbungen, von denen eine Jury insgesamt 10 Preisträger auswählte. Alle Bewerber wurden vor Ort begutachtet und in vielen Fällen der Besuch mit einem ersten Beratungsgespräch verbunden, wodurch auch langfristige Kontakte geknüpft werden konnten. Die Vielfalt der eingereichten Aktivitäten ist erfreulich, so dass es der Jury nicht leicht fiel, eine Auswahl zu treffen. Als Preisträger wurden schließlich folgende Initiativen festgestellt:

Die feierliche Verleihung der Förderpreise findet in Anwesenheit des Bischofs der EkiBB, Dr. Wolfgang Huber und des Staatssekretärs im Potsdamer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Christoph Helm am 21. Juni 2002 in Chorin statt. Eine Fortsetzung des Projektes "Startkapital für Kirchen-Fördervereine" für das Jahr 2003 ist vorgesehen. Gegenwärtig läuft ein Antrag auf Kofinanzierung durch die Staatskanzlei des Landes Brandenburg. Der Robert Bosch-Stiftung sei an dieser Stelle ausführlich für ihre langjährige Unterstützung gedankt.

Als Vorbereitung auf das Projekt "Startkapital" sowie zur Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins organisierte der Förderkreis Alte Kirchen im August 2001 eine Pressefahrt zu gefährdeten Dorfkirchen in der Uckermark, an der mehr als 30 Journalisten teilnahmen und die eine umfangreiche Berichterstattung über unsere Arbeit in der Presse, im Rundfunk und im Fernsehen zur Folge hatte. An der im Rahmen der Fahrt stattfindenden Pressekonferenz nahmen auf unsere Einladung Dr. Hartmut Dorgerloh (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg), Prof. Detlef Karg (Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege), Matthias Hoffmann-Tauschwitz (Kirchliches Bauamt der EKiBB), Dr. Ulrich Bopp (Robert Bosch-Stiftung, Stuttgart) und Bernd Janowski für den FAK teil.

Als Resultat der langjährigen Zusammenarbeit des FAK mit der Kirchenredaktion des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg waren wir maßgeblich an der Entstehung eines 45-minütigen Filmes über Dorfkirchen in Brandenburg beteiligt, der sich maßgeblich auch mit der Erhaltungsproblematik beschäftigte. Zusammen mit dem Journalisten Frank Pauli übernahm Bernd Janowski die Moderation des Filmes, der auch als Verkaufsvideo vertrieben wird.

Neben zahlreichen weiteren Berichten in den Medien ist hervorzuheben, dass die Märkische Allgemeine Zeitung ab Januar 2002 regelmäßig eine vom FAK ausgewählte "Dorfkirche des Monats" vorstellt.

Ausführliche Berichte zur Arbeit des Förderkreises sowie zu aktuellen Themen erscheinen wie gewohnt regelmäßig in unserem Mitteilungsblatt "Alte Kirchen", das im September 2001 auch eine Sonderbeilage zum Tag des Offenen Denkmals brachte, die sich ausführlich mit der Problematik im Landkreis Uckermark beschäftigte. Betreuung und Herausgeberschaft des Mitteilungsblattes liegen in den bewährten Händen unseres Vorstandsmitglieds Eva Gonda, der dafür ein herzlicher Dank gebührt. Unser Internet-Auftritt wird von Rainer Marx, ebenfalls Mitglied des Vorstands betreut. Durch die regelmäßige Aktualisierung der Homepage und ein ansprechendes web-Design gelingt es uns zunehmend, wichtige Kontakte über das Internet zu knüpfen und unser Anliegen einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Das wichtigste Medium unserer Öffentlichkeitsarbeit ist wiederum die Broschüre "Offene Kirchen. Brandenburgische Dorfkirchen laden ein.", die im Jahr 2002 bereits zum dritten Mal erschienen ist. Im vergangenen Jahr konnten über 4.000 Hefte über Buchhandlungen, Tourismusverbände und Kirchengemeinden verkauft werden. Eine große Anzahl wurde bei Veranstaltungen des Förderkreises direkt vertrieben. Wie im vergangenen Jahr ist die Broschüre "Offene Kirchen" auch in diesem Jahr ohne öffentliche Zuschüsse erschienen, das heißt: der FAK musste mit einer relativ großen Summe in Vorleistung gehen. Die Hefte haben in den vergangenen drei Jahren die Problematik des Denkmalschutzes im Bereich der Brandenburgischen Dorfkirchen wie auch die Arbeit des Förderkreis sehr stark in die Öffentlichkeit gebracht. In diesem Jahr lag die Redaktion in den Händen von Jan Feustel, Eva Gonda und Bernd Janowski.

Offene Kirchen

Das mit dem Heft verbundene Projekt "Offene Kirchen" wurde weitergeführt. Inzwischen konnten wir über 250 Hinweisschilder "Offene Kirche" an Kirchengemeinden und Vereine im Land Brandenburg verteilen; es ist inzwischen in einigen Regionen des Landes zum anerkannten "Markenzeichen" geworden. Der FAK vermittelte und unterstützte mehrfach Konzerte, Theateraufführungen und andere Kulturveranstaltungen in brandenburgischen Kirchen. Am 15. Juni 2002 lädt der Förderkreis zu einem großen Benefizkonzert für Uckermärkische Dorfkirchen in die Berliner Gethsemanekirche ein.

Die Wanderausstellung des Förderkreises unter dem Titel "Chancen für Dorfkirchen" ist nach mehreren Stationen in Berlin und Brandenburg seit einigen Monaten im Rheinland unterwegs und wirbt dort in verschiedenen Einrichtungen für unser Anliegen. Für die Vermittlung der Ausstellungsorte und die Betreuung der Ausstellung vor Ort bedankt sich der Vorstand bei seinem Mitglied Günter Schöne.

Wie schon in den vergangenen Jahren versuchte der FAK, durch das regelmäßige Angebot von Exkursionen und Vorträgen den Kontakt zu seinen Mitgliedern zu halten. Wichtig war es bei diesen Veranstaltungen auch, miteinander ins Gespräch zu kommen und Anregungen zu vermitteln bzw. aufzunehmen. Der Förderkreis organisierte Exkursionen für den Kunstdienst der Evang. Kirche, z.T. gemeinsam mit dem Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark Brandenburg. Erstmals fand eine, von Angus Fowler organisierte und von Mag. Marek Ober aus Stettin betreute Exkursion zu Kirchen östlich der Oder statt, die große Resonanz fand.

Gemeinsam mit anderen Initiativen, wie z. B. der IG Bauernhaus, der Arbeitsgemeinschaft privater Denkmaleigentümer, dem Förderkreis Alte Kirchen Marburg, dem Verein Dorfkirchen in Not in Mecklenburg-Vorpommern u.a. beteiligt sich der Fak an der europäischen Kampagne zur Senkung der Mehrwertsteuer für denkmalpflegerische Arbeiten auf 7%, die vom europäischen Denkmalschutzverband Europa Nostra koordiniert wird.

Ein Teil der Arbeit des Förderkreises Alte Kirchen wurde durch die weitere Finanzierung einer SAM-Stelle durch das Arbeitsamt Berlin und den Senat der Stadt Berlin ermöglicht.

Durch die Unterstützung der Robert Bosch-Stiftung und durch die Vermittlung von Thomas Raschke wurde es möglich, in der Großen Hamburger Straße 31 in Berlin-Mitte einen Vereinsraum anzumieten, der die Arbeit des Vorstandes erheblich erleichtert.

Durch die zunehmenden Tätigkeitsfelder des Förderkreises Alte Kirchen sind sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben des Vereins stark gestiegen. Für die Bewältigung der umfangreichen Buchführung bedankt sich der Vorstand herzlich bei Renate Rebitzki.

Für die Führung und Betreuung der Mitglieder-, Versand- und Spenderdateien konnte Pfarrer i. R. Arnulf Kraft gewonnen werden, der auch bei zahlreichen weiteren Aufgaben des Vereins hilfreich tätig wurde. Für vielfältige Arbeiten gebührt der Dank auch den Vorstandsmitgliedern Thomas Raschke und Dr. Joachim Tost.

Weiterhin dankt der Vorstand allen Spendern und Sponsoren, befreundeten Institutionen sowie seinen Mitgliedern für die gute Zusammenarbeit.

Potsdam-Babelberg, den 1. Juni 2002

Angus Fowler (Vorsitzender)


 
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