Jede Kirche ist eine Kulturkirche

Gespräch mit Petra Bahr

Dr. Petra Bahr ist Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Das Gespräch führten Eva Gonda und Bernd Janowski.

 Petra Bahr

Welche Aufgaben hat die Kulturbeauftragte der EKD?

Ich bin, wenn man so will, eine Dolmetscherin in zwei Sprachwelten, die mehr teilen, als sie oft selbst wissen. Zum einen vertrete ich die Interessen der EKD in kulturpolitischen Angelegenheiten und versuche, Anliegen der Kirche in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Andererseits höre ich, was sich Kultureinrichtungen und Künstler von uns erhoffen.

Es scheint, dass heute viele Künstler, Filmemacher, Autoren oder Intendanten sämtliche Berührungspunkte zur Kirche verloren haben. Die Künste arbeiten andererseits unerbittlich an den großen Existentiellen Fragen des Lebens. Da gibt es aufregende Berührungspunkte, aber auch Missverständnisse und Spannungen, die in der Luft liegen.

Kunst und Kultur haben ja nicht nur mit Vergangenheit und mit Bewahren zu tun...

Kultur ist "Bedeutung im Werden", hat der jüdische Gelehrte Ernst Cassirer einmal gesagt. Eine schöne Definition. Und ein Verständnis von Kultur, an dem Christinnen und Christen sich beteiligen wollen! Wie wollen wir morgen leben? Was ist uns wichtig, was wollen wir bewahren, welche neuen Wege wollen wir gehen? Die Künste sind oft das erste Medium, in dem diese Fragen verhandelt werden. Deshalb ist Kultur genau das Gegenteil von konservativ. Das merkt man dort, wo Kultur nicht nur eine Chiffre für den Bodensatz unserer Verfassung und unserer Alltagskultur ist, sondern wo sie anregend und aufregend wird, wo man noch etwas merkt von der zukunftszugewandten und bisweilen sogar subversiven Kraft der Kultur.

In der Vergangenheit hat die Institution Kirche die Kultur und gerade auch die Künste sehr stark beeinflusst. Die Kirche galt als die "Mutter aller Künste". Inzwischen sind die Kinder ihrer Mutter weitgehend weggelaufen. Sehen Sie es auch als Ihre Aufgabe, Kultur und Kirche, Künste und Kirche wieder zusammenzuführen?

Diese Trennung war durchaus für beide Seiten schmerzhaft. Die Künstler brauchten sehr viel Energie, um sich aus einer Vorherrschaft frei zu machen, die übrigens nicht nur von kirchlicher, sondern häufig auch von staatlicher Macht ausging. Gerade in der Abwendung der Künstler von der Kirche kamen jedoch die Themen auf eigene Weise zum Glänzen. Nehmen Sie zum Beispiel das Christusbild im 20. Jahrhundert: Die vermutlich dem religiösen Gedanken am ehesten entsprechenden Bilder sind nicht die, die in den Kirchen hängen, sondern jene in den Museen für moderne Kunst. Die großen Klassiker des Expressionismus haben sich am Christusbild versucht, weil ihnen etwas eingeleuchtet hat, was vielleicht in der Kirche zu Anfang des 20. Jahrhunderts vergessen war. Das Schmerzvolle des gefolterten Jesus Christus spiegelt sich in den Gesichtern der ganz normalen Menschen. Dass die Künste sich von der Kirche entfernten, heißt nicht automatisch, dass sich die Themen des christlichen Glaubens aus der Kunst verabschiedet haben. Das sieht man bis in die Gegenwart.

Kann die Kirche also von den Künsten durchaus Anregungen empfangen?

Sie sollte sich jedenfalls dann und wann aus ihrer Kitschecke und aus ihrem Bedürfnis nach Ruhe herausbegeben. Wir brauchen mehr Störung und mehr Irritation, aber auch neue Bilder, die uns einleuchten und bestärken. Natürlich gibt es ein Recht auf Rückzug in dieser unübersichtlich scheinenden Welt. Aber in Bezug auf die künstlerische Ausstattung darf das nicht alles sein. Wenn langweilige Bilder neben atemberaubenden mittelalterlichen Tafelgemälden hängen, die bis heute aufregend und herausfordernd sind, dann verliert die Gegenwart gegen die Vergangenheit. Wir Christen sollten wacher für die Kultur durch unsere Gegenwart gehen. Das gilt übrigens nicht nur für das, was in den Galerien hängt oder in den Ateliers produziert wird. Das gilt auch für den Kinofilm, das gilt für Krimis, das gilt für alle kulturelle Produktion unserer Gegenwart.

Wie kann umgekehrt die Kirche Kunst fördern?

Wichtig ist einerseits einzusehen, dass die Künste Freiheit brauchen, und dass wir bereit sind, diese Freiräume zu geben. Zum anderen würde ich auch nicht von "der" Kirche sprechen, denn das Verhältnis von Kunst und Christenmenschen entwickelt sich immer sehr konkret an einem bestimmten Ort. Und da ist für die eine Gemeinde das gut, was für die andere überhaupt nicht möglich ist.

Ich wünsche mir, dass man bis in die Kirchenleitungen erkennt, dass wir teilweise in Milieuverengungen leben, die geradezu kultur-, bildungs-, kunst- und intellektuellenfeindlich geworden sind. Gerade aber der Protestantismus lebt von einer Idee mündiger, gebildeter Menschen, die in Gemeinschaft existieren, aber eben auch als Einzelne in der Lage sind, ihre Gegenwartsprobleme zu deuten.

Es ist übrigens ein Irrtum, dass Kunst und ein gebildeter Umgang mit dem großen Erbe der Kultur nur etwas für Auserwählte ist. Gerade für mich als evangelische Christin gilt doch das Programm "Kultur für alle". Und wer sagt, dass alle nur RTL II-Niveau wollen. Ich empfinde diese Vermutung als Zynismus. Wir müssen Zugänge öffnen und Schwellen abbauen. Nicht, indem wir das kulturelle und künstlerische Niveau absenken, sondern indem wir darauf achten, dass alle daran teilhaben können. Gute Popkultur ist, das sei nur nebenbei bemerkt, ebenfalls eine Frage von Qualität.

Der Bericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" von 2006 hat festgestellt, dass die beiden großen Kirchen in Deutschland zu den bedeutendsten Kulturträgern im Land gehören. Bei vielen war das Erstaunen groß. Gelingt es den Kirchen nicht, ihre Kulturarbeit nach außen zu vermitteln?

Wir haben ein Vermittlungsproblem, weil das kulturelle Angebot der Kirchen so selbstverständlich ist. Die vielen Chöre, die Musik in den Kindergärten, die Organisten, das Singen der Gemeinde im Gottesdienst – das alles wird im Enquete-Bericht als besonders bemerkenswert verbucht, das war in der Kirche lange ganz normal. Mittlerweile ist hierzulande das Singen so selten geworden, dass es ganze Förderprogramme braucht, um Kinder und Jugendliche wieder dazu zu ermutigen. Plötzlich wird erkannt: Kirchen sind als Kulturträger überhaupt nicht wegzudenken. Ganz besonders übrigens auf dem Lande, wo es um sogenannte Breitenkultur geht, also um die ganz normale Kirchenmusik, die kreative Spielgruppe, die evangelische Bücherei in einer Ecke der Kirche. Der Staat hat sich in diesen Regionen oft ganz zurückgezogen.

Welche Aufgaben können die Kirchengebäude in der Kulturvermittlung übernehmen – einmal natürlich als Hülle für vielerlei Veranstaltungen, zum anderen aber auch als Gebäude, die das Dorf- oder Stadtbild prägen?

Schon durch ihre bloße Existenz sind Kirchengebäude Kulturvermittler. Kirchen sprechen nicht erst, wenn man in sie hineingeht, sondern sind mit ihrem Turm und ihrer Silhouette Markierungen dafür, dass hier etwas Anderes ist. Offene Kirchen wiederum sind symbolische Angebote, diesen anderen Ort auch zu betreten. Die Stille an einem fremden Ort – der Altar, die Kirchenbänke, die Orgel.Das alles sind sprechende Zeichen, die nicht nur kulturhistorisch bedeutsam sind, sondern auch für Menschen bedeutsam werden können.

Wir Protestanten haben lange unterschätzt, dass in Räumen festsitzt, was in ihnen gelebt, gebetet, gesungen wurde. Man weiß mittlerweile aus der Raumpsychologie sehr viel mehr, warum alte Räume zum Beispiel anders wirken als neue. Es gibt so etwas wie ein Gedächtnis der Mauern. Damit sind diese Steine keineswegs heilig, aber sie spiegeln doch etwas von der Atmosphäre derer, die hier im Namen Gottes zusammenkommen. Und dann gibt es natürlich ganz handfeste kulturhistorische Momente. Um zu erfassen, was das Kreuz bedeutet oder ein Altarretabel mit einer Bibel-Szene braucht es allerdings ein Minimum an christlicher Grundbildung, sonst entschlüsselt sich da gar nichts. Das muss uns klar sein.

Auf dem Kirchbautag in Dortmund sprachen Sie von "religiösem Analphabetismus". Können diese Bildungsdefizite wieder ausgeglichen werden?

Es gab neulich eine Veranstaltung, auf der – für mich imponierend – der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Bernd Wolfgang Lindemann, für den Religionsunterricht geworben hat. Irgendwann könne alte Kunst, aber auch Gegenwartskunst gar nicht mehr entziffert werden, weil keiner mehr die biblischen Geschichten kennt, so seine Argumentation. Deswegen ist der Religionsunterricht nach wie vor der vorzüglichste Ort, um diese Art kultureller Bildung zu ermöglichen. Und wir werden auch nach anderen Wegen suchen müssen. Ich begrüße zukunftsweisende Projekte in Schulen, wo der Kunstlehrer, die Deutschlehrerin, die Religionslehrerin und der Geschichtslehrer zusammen ein Projekt machen, das auch einen lokalen Bezug hat, zum Beispiel zur eigenen Kirche und ihrer Geschichte. Das ist dann religiöse Bildung zum Anfassen.

Wie können unsere Dorfkirchen kreativ wiedergewonnen werden?

Ich glaube, jede Dorfkirche hat viele wunderbare kleine Geheimnisse, Familiengeheimnisse und Geschichten aus der Vergangenheit der Gemeinde. Es lohnt sich, diese immer wieder zu entdecken. Es lohnt sich, dann und wann eine Predigt zu halten, die Bezug nimmt auf den Raum, aus ihm zu lesen wie aus einem guten Buch. Kirchenräume können für die eigene Spiritualität wieder entdeckt werden durch ein stilles Gebet und eine eigene Meditationstradition. Oft denken wir beim Thema Kirche, Kultur und Kreativität an Veranstaltungsprogramme, an Events oder Festivals. Kreativität, wie Luther sie meint, ermöglicht den Menschen, im Besinnen auf Gott zu sich selbst zurück zu finden. Das ist äußerst kreativ und genau das, was im anderen Sinne auch ein gutes Kunstwerk ausmacht. Manchmal reicht da schon eine Kerze auf dem Altar, die durch ihr Leuchten zeigt: hier ist kein Museum. Hier kann ein Zuhause werden.

Wenn sich Kirchen öffnen für Konzerte, für Theater und andere Kulturveranstaltungen, wird das gern damit begründet, dass damit die Schwellenangst der kirchenfernen Besucher überwunden wird. Nur: Ist diese Schwelle nicht auch eine wichtige Barriere vor Beliebigkeit?

Ich bin überhaupt keine Verfechterin der Idee, dass Kirchen als "coole locations" zu beliebigen Veranstaltungsorten werden sollen. Ich finde es toll, wenn es Theater, Konzerte und Lesungen in Kirchen gibt, meine aber, dass man aufpassen muss, dass diese Räume ihren eigenen Charakter und das besondere Gepräge eines Gotteshauses nicht verlieren. Mit Schwellen habe ich keine Probleme. Einkaufspassagen sind niedrigschwellig. Kirchen jedoch können eine Schwelle vertragen. Wichtig ist mir nur, dass jeder und jede die Möglichkeit hat, diese Schwelle zu überschreiten.

Der römische Architekt und Schriftstelle Vitruv schrieb, dass es möglich sei, besondere Gebäude singen zu hören. Die einfache Kirche im Dorf, "singt" die auch?

Die singt sogar ganz besonders und hat viel bessere Chancen gehört zu werden, als die Kirche in der Stadt, die weitere Kirchen neben sich dulden muss und andere respektable Gebäude wie Schlösser, Rathäuser und ähnliches. Zumeist ist die Kirche im Dorf der Mittelpunkt des Ortes und das höchste Gebäude.

Wenn man über Land fährt, dann sind es die Kirchturmspitzen, die einem verraten, dass es hier Menschen gibt.

In einem Ihrer Vorträge sagten Sie: "Kirchen sind in evangelischer Perspektive keine Museen einer vergangenen Christentumskultur oder Ausstellungsräume ehemaliger Glaubenskraft. Sie sind Orte, wo Menschen von heute dem heute begegnen." Was, wenn diese Begegnungen nicht mehr stattfinden?

Finden wir uns mit der Musealisierung ab oder sollten wir diese Gebäude abbrechen, wie es vermutlich auch Luther getan hätte?

Das Gute am evangelischen Glauben ist, dass es für alle Gesetze auch Ausnahmen gibt. So gibt es auch gute Gründe, dann und wann in Kirchen Museen einzurichten. Mittlerweile müssen wir uns fragen, wo man die wunderbaren Gegenstände, die der Protestantismus geschaffen hat, ausstellen kann. Zumeist landen sie in den staatlichen Museen. Gern würde ich die bedeutenden Altarbilder auch wieder in einem Kirchenraum sehen. Es spricht also nichts gegen eine Kirche als Museum oder als Veranstaltungsraum. Wenn überhaupt, dann sollten diese Gebäude jedoch so genutzt werden, dass sie möglicherweise wieder zu Gottesdienstorten werden können.

Im Übrigen kann ich mir vorstellen, dass man derzeit ungenutzte Kirchen einfach abschließt und die Räume darauf warten lässt darauf, wieder gebraucht zu werden. Wir sind so kurzatmig geworden in unseren Planungen. Was wäre, wenn man sich dann und wann erlauben würde, wieder in Jahrhunderten zu denken?

Deshalb fände ich das Signal des Abrisses in der Regel verheerend. Es mag Ausnahmen geben. Weil Kirchengebäude als solche nicht heilig sind, wäre dies zwar durchaus möglich. Man muss sich jedoch klar darüber sein, was für eine symbolische Geste es ist, eine Kirche abzureißen.

Im 19. Jahrhundert entstand die institutionelle Denkmalpflege. Kirchen wurden zu "vaterländischen Altertümern" erklärt und den Gebäuden damit eine öffentliche Rolle dekretiert. Was bedeutet das für die Gemeinden als Eigentümer und Nutzer?

Denkmalschutz und Denkmalpflege sind eine große Kulturleistung. Andererseits lohnt es sich, daran zu erinnern, was mit den Kirchgebäuden in der Vergangenheit passierte. Das waren Orte, an denen permanent gebaut, umgebaut und modernisiert wurde. Ohne den Gedanken des Denkmalschutzes über Bord zu werfen, brauchen wir ein Korrektiv im Kopf, wenn es um die theologische Begründung der Kirchenräume geht.

Im Augenblick konzentrieren wir uns sehr auf die schwere Aufgabe, so viele dieser wunderbaren alten Kirchen wie möglich zu erhalten. Irgendwann könnte es in einem Dorf aber heißen: Wir wollen eine neue Kirche, die ins 21. Jahrhundert passt und die möglicherweise in ganz eigener Weise mit dem Alten kommuniziert. Gelungen wäre die Verbindung des denkmalschützerischen Gedankens mit den theologischen Erfordernissen eines evangelischen Kirchbaus dann, wenn das Alte und das Neue in ein gelungenes Gespräch kommen.

Sind Gemeinden mit all den wichtigen Fragen zwischen Bewahrung und Neugestaltung allein nicht überfordert?

Die Architektur eines Gebäudes kann ein Spiegel der Gemeinde werden, auch ein Spiegel ihrer Träume und Zukunftsvisionen. Aus Respekt vor dem Alten erscheint es mir wichtig, dass es Experten gibt, die man um Rat fragen kann. Sinnvoll wäre ein Architektur- und Denkmalbeirat auf landeskirchlicher Ebene, der auf die manchmal sehr hilflosen Anfragen von Gemeinden optimal reagieren kann und nicht wie eine Bauabteilung sofort an zahlreiche Vorgaben gebunden ist.

Ein Vorschlag, der auch in unserer Landeskirche ernsthaft diskutiert werden sollte...

Zurück zur Kulturarbeit der Kirche: Was kann diese auf dem Lande bewirken, speziell in strukturschwachen Regionen?

Kirchliche Kultur in ihrer ganzen Breite findet zu überwiegenden Teilen auf dem Land oder in Mittelzentren statt. Die Kirche in der Stadt muss sich auf den Dialogpfad mit vielen kulturellen Einrichtungen begeben, während die Kirche auf dem Dorf häufig der letzte öffentliche Ort ist, wo man sich überhaupt noch treffen kann. Deshalb wäre es auch schön, wenn die Kirchen regelmäßig geöffnet sind, und es gibt ja bereits wunderbare Initiativen in dieser Richtung.

Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Wir steuern zum Beispiel auf das Problem zu, dass immer weniger Leute Orgel spielen können. Wer wächst da eigentlich nach? Wir brauchen eine Initiative, die jungen Menschen Lust macht, dieses Instrument spielen zu lernen. Im Verein mit guten Kirchenmusikern sollte uns das gelingen. Bei der Nachwuchs-Ausbildung haben wir uns im Kopf schon darauf beschränkt, Profis mit Konzertniveau auszubilden. Wir brauchen aber auch die, die ehrenamtlich oder nebenamtlich Musik machen können. Die meisten Menschen verbinden mit der evangelischen Kirche die geistliche Musik. Und zwar live und möglichst nicht von der CD. Außerdem brauchen wir eine Kultur der Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement im kirchenmusikalischen, aber auch im kirchenkulturellen Bereich insgesamt.

Im Zusammenhang mit Strukturreformen innerhalb der Kirche ist häufig von "Profilkirchen" die Rede. In unseren brandenburgischen Dörfern, wo oft nur noch wenige Menschen überhaupt den Gottesdienst besuchen, ist das illusionär.

Andererseits fiel in einem Ihrer Vorträge der schöne Satz: "Jede Kirche ist eine Kulturkirche."

Es gibt in der Tat Orte, wo es sich lohnt, über eine stärkere Profilierung nachzudenken. Um der Sichtbarkeit des Protestantismus willen, der Kräfte bündelt.

Alle Kirchen sind Kulturkirchen in dem Sinne, dass die zentralste Veranstaltung, nämlich der Gottesdienst, hochgradig kulturell ambitioniert ist. Das bezieht sich besonders auf die Predigt in ihrer poetischen und rhetorischen Dimension und auf die Liturgie. Die Art, wie wir uns im Raum bewegen, der Raum selbst mit seiner Tradierung und seinen Zeichen, die Musik, die Texte, die wir hören und sprechen – das alles ist hochgradig und verdichtet Kultur. Das müssen wir uns bewusst machen und bewusst mit unserer Sprache, unseren Liedern und natürlich mit unseren Räumen umgehen. Das schließt nicht aus, dass es Gemeinden gibt, die im kulturellen Engagement einen Schwerpunkt sehen. Nur umgekehrt geht es nicht. Der Aufgabe, die Gegenwartskultur zu prägen, entgeht keine Gemeinde, und sei die Kirche auch noch so klein. Sie tut es einfach. Deshalb sollte sie es so gut wie möglich tun.

Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

  zurück