Homogenes barockes Innenleben

Unter dem barocken "Kleid" sind die gotischen Ursprünge der Uckrower Dorfkirche noch wunderbar zu erkennen 
Unter dem barocken "Kleid" sind die gotischen Ursprünge der Uckrower Dorfkirche noch wunderbar zu erkennenGroßbildansicht
Ein Kleinod in der Brandenburger Kirchenlandschaft - der barocke Altar mit den Speisegittern, über die das Abendmahl gereicht wird
Ein Kleinod in der Brandenburger Kirchenlandschaft - der barocke Altar mit den Speisegittern, über die das Abendmahl gereicht wirdGroßbildansicht
Fotos: Torsten Müller

Im unverputzten, unlängst restaurierten Feldsteingewand und mit dem im Jahre 2003 ganz frisch aufpolierten Fachwerkturm wird die Uckrower Dorfkirche an den langen Herbst- und Winterabenden als Stolz des Ortes für ein paar Stunden in illuminierendes Licht getaucht. Dies gehört zu den jüngsten Belegen, dass das stattliche spätmittelalterliche Gotteshaus aus dem 14./15. Jahrhundert über die Kirchengemeinde hinaus als Erbe des gesamten Dorfes begriffen, gehegt, gepflegt und nun nach seiner weitgehenden Wiederherstellung auch gefeiert wird.

Während ihr Äußeres noch wunderbar anhand von behauenen Findlingssteinen, zugemauerten gotischen Türen und Fenstern und der Aufstockungsnähte oberhalb der ursprünglichen Apsis ihre Anfänge erkennen lässt, beeindruckt das Kircheninnere durch die weitgehend erhaltene Ausstattung aus der Zeit des barocken Umbaus zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Damals kamen nicht nur der Fachwerkaufsatz auf dem Turm, das über die Apsis verlängerte Dach und die Patronatsloge als südlicher Anbau dazu. Seitdem bilden auch Altar, Kanzel, Taufe, Orgelprospekt - das Werk selbst stammt aus der Zeit um 1900 aus der Schuke-Werkstatt - und die während der Vergrößerung vor rund 300 Jahren "eingehängte" Stuckdecke eine in Material (Holz) und Farbigkeit (weiß, weinrot, gold) homogene Einheit. "Diese barocke Farbigkeit ist im 19. Jahrhundert durch einen einfarbigen hellen Grundton übermalt worden, weil man meinte, sich von der Üppigkeit des Barock abwenden zu müssen", erklärt Pfarrer im Ruhestand Wulf-Ekkehard Schenk, der über 35 Jahre für Kirche und Gemeinde zuständig war. "Als wir 1966 hier her kamen, fanden wir die Kirche noch so vor, wir haben ihr dann im Laufe der Jahre ihr barockes Innenleben zurückgegeben."

So ist heute insbesondere der Altar aus Lübbener Werkstätten mit den fünf erhaltenen Bildern - Geburt, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt und Abendmahl - und den heute nur noch selten vorzufindenden originalen Speisegittern, über die das Abendmahl gereicht wird, ein besonderes Kleinod in Brandenburgs Kirchenlandschaft.

Seit rund zwei Jahren existiert im Ort ein Verein zur Förderung des Kirchengebäudes, der bereits zur Turmsanierung Spendengelder beisteuern konnte, für das laufende Jahr einen sehr nachgefragten Kirchenkalender herausgegeben hat und sich in Zukunft zum Beispiel bei einer anstehenden Restaurierung des wurmbefallenen Orgelprospektes engagieren will. "Wir wollen unsere Kirche im Bewusstsein des ganzen Dorfes wachhalten und freuen uns über jede Unterstützung", so die Vereinsvorsitzende Friedlinde Pundrich, die auch als Ansprechpartner für diejenigen zur Verfügung steht, die demnächst bei einem Streifzug durch die Luckauer Region einen Abstecher zum Uckrower Gotteshaus mit einplanen wollen. Über die Familie Pundrich kann man sich die Woche über nach telefonischer Absprache, Rufnummer 035454/638, die Kirche aufschließen lassen. Die Uckrower Kirchengemeinde gehört heute zum Pfarrsprengel Langengrassau, wo unter der Rufnummer 035454/393 weitere Informationen zu den Sakralbauten der Luckauer Niederlausitz erhätlich sind.

 

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