SPENDENKAMPAGNE

Barenthin hofft auf Spenden, um Bilder zu restaurieren

Die Kirche steht im Mittelpunkt der zehnten Spendenkampagne für marode Kirchen, die Brandenburgs Kulturministerin Münch startete.

Katrin Starke

Die Kanzel und der Bilderzyklus in der Dorfkirche Barenthin sind stark sanierungsbedürftig
© Foto: Werner Ziems/BLDAM

Barenthin. Daraus macht Pfarrer Henning Utpatel kein Geheimnis: Schmucklos würde der Innenraum Dorfkirche in Barenthin (Prignitz) aus dem 16. Jahrhundert wirken, wären da nicht der aus 16 Bildern bestehende Zyklus mit Szenen aus dem Leben Christi und die Rokoko-Kanzel aus dem 18. Jahrhundert. „Doch genau die machen uns Sorgen“, spricht er auch im Namen seiner 70-köpfigen Kirchengemeinde. Es steckt der Wurm drin.

Die vom Havelberger Maler Christian Ludwig Schlichting 1716 geschaffenen Gemälde sind teils angefressen, vielfach ziehen sich lange Risse durch die Bildtafeln. Das Schnitzwerk der Kanzel ist teils abgebrochen, das Holz marode. „Wir hoffen auf Hilfe“, sagt Utpatel. Immerhin bilde die Feldsteinkirche nicht nur das Herz des 200-Einwohner-Dorfes. „Sie liegt auch am Pilgerweg zwischen Berlin und Wilsnack.“

Kirche steht im Mittelpunkt der Spendenkampagne

Nun steht die Kirche im Mittelpunkt der zehnten Spendenkampagne „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“, die Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch in Potsdam startete. Seit 2009 werben das „Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum“, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg um Unterstützung für sanierungsbedürftige Dorfkirchen. Alljährlich wird ein hilfebedürftiges Projekt hervorgehoben. „15.000 Euro sind nötig für die Restaurierung der 16 Bilder, 30.000 Euro für die Kanzel“, rechnet Landeskonservator Thomas Drachenberg vor und hofft auf Spendenbereitschaft.

Zugleich will der Denkmalpfleger die Bilderrettung nutzen, um Fehler der Vergangenheit auszubügeln: Als die Barenthiner Kirche 1983 umgebaut wurde, seien die Westempore entfernt, die Reihenfolge des Bildzyklus verändert und die Kanzel untypisch von der Ost- an die Westwand gerückt worden. Der Kirchenmann setzt sich zudem für eine komplette Sanierung des Innenraums ein. 250.000 Euro soll dieses Gesamtvorhaben kosten. „Fördermittel haben wir beantragt, wir sind optimistisch“, erklärt der Pfarrer.

Verein setzt sich seit 1990 für den Erhalt ein

„Dorfkirchen sind zwar zuallererst Orte des Gebets und der Andacht, aber ebenso Räume der Begegnung, Teil der eigenen Heimat“, sagt Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Seit dem Start der „Vergessene Kunstwerke“-Aktion habe man insgesamt 150.000 Euro einwerben können, betont Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen. Seit 1990 setzt sich sein Verein für den Erhalt historischer Kirchengebäude ein. Vor allem wertvolle Ausstattungsstücke müssten in den mehr als 1500 märkischen Kirchengebäuden vor dem Verlust bewahrt werden. „Fördermittel für die Sanierung der äußeren Hülle von Kirchen zu bekommen, ist zwar schwierig, aber realisierbar“, so seine Erfahrungen. Anders sei das im Fall des Interieurs, hebt er die Bedeutung der Spendenkampagne und des bürgerschaftlichen Engagements hervor.

Das Land unterstützt die Sanierung der Kirchen in diesem Jahr mit mehr als fünf Millionen Euro. „Seit 1990 konnten mit der Hilfe der EU, des Bundes, des Landes, der Kirchen, des Förderkreises Alte Kirchen und vieler Ehrenamtlicher 320 Stadtkirchen, 1500 Dorfkirchen, 17 Klosteranlagen und 260 Pfarrhäuser gesichert werden“, so Kulturministerin Münch. 2019 soll die Denkmalhilfe um 500.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro erhöht werden.

Berliner Morgenpost vom 29. November 2018

   Zur Artikelübersicht