BARENTHIN

Die Auferstehung bröckelt

Kirche Barenthin steht im Zentrum der Spendenaktion Vergessene Kunstwerke

von Benjamin Lassiwe

Die Kirche wartet auf eine Auffrischung.
© Foto: Werner Ziems/BLDAM

Die Schnitzereien sind bröckelig, Farbe blättert ab. Kanzel und Holztafeln der Kirche Barenthin, auf denen das Leben Jesu von der Geburt in Bethlehem bis zu Auferstehung und Himmelfahrt dargestellt ist, haben schon bessere Zeiten gesehen. In den nächsten Monaten soll sich das ändern: Die Kirche steht im Zentrum der Aktion „Vergessene Kunstwerke“, zu der das Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege, der Förderkreis „Alte Kirchen“ und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz aufrufen.

Die Spendenaktion, die 2008 als Aktion zur Rettung bedrohter Taufengel begann, mauserte sich zu einem Erfolgsprojekt der Brandenburger Denkmalpflege. „Gut 150 000 Euro kamen seit dem für die Restaurierung bedrohter Kunstwerke zusammen“, sagt der Vorsitzende des Förderkreises „Alte Kirchen“, Bernd Janowski. Um die nach der Einheit teils stark verfallenen Dorfkirchen ist es im Land inzwischen relativ gut bestellt: „Ein Großteil der 1400 evangelischen Dorfkirchen in Brandenburg ist restauriert und wird auf diese Weise erhalten, nicht zuletzt dank tatkräftigem bürgerschaftlichen Engagement”, so Propst Christian Stäblein, der Stellvertreter von Bischof Markus Dröge in der Kirchenleitung. Dorfkirchen seien Orte des Gebets und der Andacht, aber ebenso kulturelle und soziale Räume der Begegnung. „Auch Menschen, die dem christlichen Glauben nicht so nahe stehen, setzen sich kräftig für ihre Dorfkirche ein, weil sie ein Teil der eigenen Heimat, der Beheimatung in Dorf und Welt sind.“

Kultusministerin Martina Münch (SPD) betonte, die vielen Kirchen, Kapellen, Klöster und Pfarrhäuser seien Teil der Kulturgeschichte des Landes. Sie stifteten Identität, seien „Orte der Geschichte, der Kunst und Kultur, des Dialogs und der Begegnung.“ Das Land unterstützt die Sanierung der Kirchen in diesem Jahr mit mehr als fünf Millionen Euro.

Die Dorfkirche Barenthin wurde Anfang des 16. Jahrhunderts als Feldsteinkirche errichtet und im Barock umgebaut. Die hölzernen Emporen an der Nord- und Ostseite tragen 16 Bilder des regionalen Kirchenmalers Christian Ludwig Schlichting aus dem Jahr 1716 und stellen Szenen aus dem Leben Jesu dar. Die Kanzel im Stil des Rokoko entstand Ende des 18. Jahrhunderts. Sie weist viele Schäden auf, darunter Abbrüche, Verluste von Schnitzwerk und eine grobe entstellende Übermalung. Die Bildtafeln leiden unter Holzfraß und der Ablösung von Farbschichten. Kanzel und Bilderzyklus müssen gesichert und restauriert werden.

Der Prignitzer vom 29. November 2018

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