Kirchenschätze

Hilfe für Engel und Heilige

Ulrich Thiessen

Barenthin (MOZ) Seit zehn Jahren starten in der Adventszeit Spendensammlungen für gefährdete Kirchenschätze. In diesem Jahr steht die Prignitzer Dorfkirche in Barenthin mit ihrem reichen Bilderschmuck im Zentrum der Hilfsaktion.

Außenansicht: die Dorfkirche in Barenthin
© Foto: Werner Ziems/BLDAM
 
Im Innern: Die hölzernen Emporen tragen 16 Bilder des regionalen Kirchenmalers Christian Ludwig Schlichting aus dem Jahr 1716.
© Foto: Werner Ziems/BLDAM

Alles fing mit Taufengeln an. 2008/2009 initiierte der Förderkreis Alte Kirchen zum ersten Mal eine landesweite Spendenaktion. Im Mittelpunkt standen die vielerorts längst vergessenen barocken Taufengel. 25 davon konnten in den vergangenen Jahren mit Spendengeldern restauriert werden, berichtete der Geschäftsführer des Förderkreises, Bernd Janowski, am Mittwoch in Potsdam.

Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt und der evangelischen Landeskirche wurden in den vergangenen Jahren immer neue Kircheninterieurs ausgewählt und für die Spendenaktion beworben. Unter anderem wurde dazu beigetragen, die Renaissancefiguren des ehemaligen Orgelprospektes in der Benauer Marienkirche (Barnim) auf diese Art zu retten.

Im vergangenen Jahr kam die Rekordsumme von 23 000 Euro für die Dorfkirche in Kunow (Uckermark) zusammen. Dort galt es, Gemälde am Kirchengestühl zu erhalten, die sogenannte sprechende Herzen zeigen. Neun von insgesamt 61 Bildnissen sind inzwischen restauriert. Der Rest wird noch Jahre dauern, berichtete Janowski. Aber der Anfang ist gemacht – und die Ergebnisse könnten genutzt werden, weitere Spender zu animieren.

Für Bernd Janowski und seinen Verein geht es darum, das Bewusstsein für die oft vergessenen Kunstschätze in den 1500 brandenburgischen Dorfkirchen zu wecken. Nachdem es nach der Wende gelungen ist, alle Gebäude vor dem Verfall zu retten, komme es jetzt auf die Kunstwerke im Inneren an.

Dieses Jahr wird die kleine Prignitzer Kirche in Barenthin mit der Sammelaktion unterstützt. Das Geld soll zur Restaurierung eines barocken Bilderzyklus aus dem Jahre 1716 verwendet werden. Landeskonservator Thomas Drachenberg verwies auf einer Pressekonferenz in der Potsdamer Staatskanzlei auf die naive Bildsprache der 16 Tafeln mit Szenen aus dem Leben Jesu.

Eine Besonderheit dabei: Das Bild zur Himmelfahrt zeigt am oberen Bildrand die Füße des auffahrenden Heilands. Damit die einfachen Menschen die Himmelfahrt nicht falsch deuten konnten, ist auf einem Hügel darunter noch der Fußabdruck zu erkennen.

Drachenberg rechnet mit 600 bis 1500 Euro pro Bild für die Restaurierung. Außerdem soll die Malerei auf der Kanzel gesichert und die zum Teil beschädigten Rokoko-Schnitzereien wieder hergestellt werden. Dafür rechnet Drachenberg mit 22 000 bis 30 000 Euro – je nachdem, ob nur konserviert oder restauriert wird.

Die Kirchgemeinde von Barenthin zeigte sich am Mittwoch hoch erfreut, dass sie für die aktuelle Spendenaktion ausgewählt wurde. In diesem Jahr konnte die Sanierung der Außenhülle und des Daches des Gotteshauses abgeschlossen werden, berichtete Pfarrer Henning Utpatel. Der Innenausbau, der im kommenden Jahr beginnen soll, wird mit 250 000 Euro veranschlagt. Dabei hofft man auf eine 70-prozentige Förderung aus den EU-Mitteln für den ländlichen Raum.

 
Dorfkirche in Barenthin
© Foto: Werner Ziems/BLDAM
Im Stil des Rokoko: Die Kanzel wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet.
© Foto: Werner Ziems/BLDAM

Auch das Innere der Barenthiner Kirche hat seine Besonderheiten, berichtete der Pfarrer. Historisch war über dem Altar an der Ostseite des Kirchenschiffes sowohl die Kanzel als auch die Orgel angebracht. 1983 wurde die nicht mehr nutzbare Kanzel an die Westfront der Kirche verlegt und eine der beiden Emporen abgebrochen.

Jetzt sollen Orgel und Kanzel die Plätze tauschen und die Barenthiner Kirche damit eine Anordnung erfahren, wie sie in evangelischen Kirchen allgemein üblich ist. Auch die abgebrochene Empore soll wieder entstehen.

Henning Utpatel verwies darauf, dass sich Barenthin am alten Pilgerweg von Berlin zur Wunderblutkirche in Bad Wilsnack befindet. Da Pilgern immer beliebter wird, kommen auch immer mehr Gäste, die die Dorfkirche besichtigen. Erst recht, wenn sie und ihre Kunstwerke wieder in altem Glanz erstrahlen.

Spendenkonto für „Vergessene Kunstwerke“ – Empfänger: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V.; IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90; BIC: GENODEF1EK1; Stichwort: Barenthin

MOZ.de vom 29. November 2018

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