Hohennauen

Die Dorfkirche wird aufwendig saniert

Die Kirche ist der Mittelpunkt eines Dorfes und Kirche bedeutet Heimat. In Hohennauen wird das Gotteshaus derzeit saniert – eine Einwohnerinitiative zum Erhalt der Kirche und andere Vereine haben viel dazu beigetragen.

Die Kirche in Hohennauen.
Quelle: Norbert Stein

Hohennauen Das Kreuz glänzt in der Sonne – und davon gab es in Hohennauen in den vergangenen Monaten reichlich. Die Kugel, auf der das Kreuz montiert ist, glänzt ebenso. Für die Mitglieder des Fördervereins zum Erhalt der Hohennauener Dorfkirche war dieser Moment im Jahr 2017, zu dem die Kugel und das Kreuz auf den Turm aufgesetzt wurden, ein erster Höhepunkt in den Sanierungsmonaten.

Jetzt, etwas mehr als ein Jahr später ist das Baugerüst verschwunden. Und die Kirche hat ein neues Dach. Allerdings – nur so viel sei an dieser Stelle dazu gesagt: die Handwerker müssen noch einmal ran. Derzeit setzen sich Bauherren und die Dachdeckerfirma zu dem Thema auseinander. Das Dach sieht nicht so aus, wie es soll und das kann nicht so bleiben.

Das ist für den Förderverein und alle, die sich für die Sanierung engagieren ärgerlich, steht aber nicht im Fokus der Gefühle, wenn von dem Kirchenprojekt die Rede ist. Die Kirche ist viel mehr als ein Gotteshaus in dem Dorf. Das war schon vor vielen Jahren klar, als Pfarrerin Dorothea Klimmt die Tür zur Kirche für ein Rockkonzert öffnete.

„Kirche ist Heimat“, sagt die Pfarrerin. Wenn sie über die Brücke komme und die Kirche sehe, habe sie stets das Gefühl, wieder zu Hause zu sein, so Dorothea Klimmt. Wer das sagt, der berührt die Herzen aller Hohennauener. Die neue Bekrönung werde dieses Gefühl noch bestärken, war sich die Pfarrerin 2017 sicher. Und sie sollte Recht behalten.

Finanziert wurde das Turmkreuz mit Hilfe einer Spendenaktion, initiiert vom Förderverein Kirche Hohennauen. Rund 15 000 Euro haben Einwohner und Unternehmen gegeben und damit die Basis gelegt, um Kreuz und Kugel zu erneuern.

In der Kugel liegen zwei Schatullen. Diese enthalten eine Liste mit den Namen aller Spender, Euromünzen, eine Luftbildaufnahme von Hohennauen, den seinerzeit aktuellen Gemeindebrief und die damals aktuelle Tagesausgabe der Märkischen Allgemeinen. Zu den Zeitdokumenten gehört auch eine Ode an das Turmkreuz – geschrieben von Gerhard Pionscheck, der sich stets mit vollem Einsatz für die Kirche engagiert.

Die Kirche in dem kleinen Ort am nördlichen Ufer des Hohennauener Sees gelegen, ist eines der ältesten Bauwerke im westlichen Havelland. Der Turm wurde um 1200 erbaut und ist ein romanisches Bauwerk. Die Kirche ist ein einfacher Putzbau im barocken Stil und wurde in den Jahren 1710 bis 1720 errichtet.

Der dreiteilige geschnitzte Altar ist eine Schenkung von Cuno und Thomas von der Hagen und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Bilder stellen Moses Tod, das Abendmahl mit den Porträts Hagenscher Familienmitglieder als Jünger und der Verkündigung dar. Darüber stehen zwei bunte Holzstatuen, welche die Apostel Matthäus und Paulus zeigen.

Die barocke Standsteintaufe stammt aus dem Jahre 1608. Die Orgel aus dem 18. Jahrhundert ist, wie fast alles in dieser Kirche, eine Stiftung von den einst hier ansässigen Adelsfamilien. Die gesamte Kirche wurde von 1983 bis 1987 restauriert und in ihren Originalfarben wieder hergestellt.

Zurück zum neuen Kreuz: das alte eiserne Kreuz auf dem Turm, der im 14. Jahrhundert als Wehrturm errichtet wurde, war schon längst keine Zierde mehr. „Es war nur noch Schrott“, sagte Gerhard Stackebrandt. Gerhard Stackebrandt ist ebenfalls Motor der Kirchensanierung – zusammen mit Klaus Eichler und Monika Pickenhahn.

Unermüdlich ist das Engagement des Fördervereins, der den zweiten Sanierungsabschnitt für die Kirche vor Augen hat. 2009 wurde der Förderverein gegründet. Seither hat die Vorsitzende mit ihren Mitstreitern hunderte Veranstaltungen organisiert, unzählige Ideen in die Tat umgesetzt.

Sponsoren mussten gesucht und Anträge geschrieben werden. Im April 2017 haben die Arbeiten begonnen. Eine Förderung aus dem Leader-Fonds ebnete den Weg. 125 000 Euro steuern Kirchengemeinde, der Förderverein und das Konsistorium bei.

Kirchen sind für Christen Gotteshäuser, für Touristen Kulturstätten und für Einwohner Heimatzeichen. „Drei gute Gründe, sie zu bewahren, damit wir für unsere Nachfahren tun, was unsere Vorfahren für uns getan haben“, sagt Dorothea Klimmt. Bis zu 10 000 Besucher kamen zu den Veranstaltungen des Fördervereins zum Kirchenerhalt.

Und es geht weiter. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Havelland, die sich mit Leader-Förderprojekten befasst, hat den zweiten Bauabschnitt zur Sanierung der Kirche Hohennauen auf die Liste förderfähiger Projekte gesetzt. Die Trockenlegung des Mauerwerks der Kirche und die Sanierung des Sockels sind wichtige Vorhaben.

Zudem soll die Kirche einen neuen Außenfarbanstrich bekommen. Vorgesehen sind weiterhin Arbeiten am Putz im Inneren der Kirche und die Beseitigung weiterer Schäden, die entstanden sind, weil Reparaturen und andere Sanierungsarbeiten an dem Gebäude aufgeschoben wurden.

Auch die Decke der Kirche soll wieder einen original Farbanstrich bekommen. Wie die Deckengestaltung einmal war, darüber gibt es derzeit noch keine abschließende Klarheit. Der Förderverein ist weiter auf der Suche nach alten Fotos, auf denen die Deckenbemalung zu sehen ist. In den 1980er Jahren wurde die Decke in Beige gestrichen. Zuvor soll die Decke hellblau gewesen sein.

Die Kirche bleibt also ein Thema in Hohennauen – als Mittelpunkt des Dorfe, als Kulturzentrum und – ganz wichtig – als Gotteshaus.

Von Joachim Wilisch

Märkische Allgemeine vom 28. November 2018

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