DACHDECKEN IST VORERST NICHT ZU SCHAFFEN

Problemlösung

Das doppelte Kirchendach

Ines Weber-Rath

Dolgelin (MOZ) Nach fünf Monaten Baustopp sind die Dachbauarbeiten an der Dolgeliner Kirchenruine wieder aufgenommen worden. Der Dachstuhl wird aufgedoppelt. Die Schließung des Dachs ist bis zum Jahresende allerdings nicht zu schaffen.

Dachbau aus der Vogelperspektive: Nach fünf Monaten Baustopp wird am Dachstuhl der Dolgeliner Kirche weiter gebaut. Im besonders sensiblen Bereich des Westgiebels (r.) mit seinen seltenen mittelalterlichen Putzritzzeichnungen wird der im Frühjahr errichtete Dachstuhl aufgedoppelt, also verstärkt.
© Foto: Matthias Lubisch
 
Hand in Hand: Der Dolgeliner Christian Franz (r.) und René Rahnenführer von der Neuentempeler Firma Tauer Bau auf dem Kirchendach.
© Foto: Matthias Lubisch

Einmal in seinem Bauarbeiter-Leben wollte Helmut Franz (66) an einer Kirche seine Spuren hinterlassen – am liebsten an seiner Dolgeliner Kirche. Die Arbeit an der Kirche in seinem Heimatdorf sollte seine 50-jährige berufliche Karriere als Bauhandwerker krönen. Doch allmählich ist das Vorhaben für Lindendorfs Bürgermeister zum Albtraum geworden. Zwar hatte die Baufirma seines Sohnes Christian mit einem echten Freundschaftsangebot den Zuschlag für die Arbeiten bekommen. Doch wer gedacht hatte, dass sich nach dem lange verzögerten Baubeginn nun endlich alles zum Guten wenden würde, sah sich getäuscht. Als am 1. Juni diesen Jahres Richtfest am neuen Dachstuhl gefeiert wurde, war das Problem schon bekannt – ein Baufehler, über dessen Verschulden sich die Beteiligten bis heute streiten: Ausgerechnet der Westgiebel mit den wertvollen mittelalterlichen Putzritzzeichnungen ist vom neuen Dachstuhl nicht überdeckt worden. Parallel zur Lösungssuche gab es einen Baustopp.

Der ist nun, nach immerhin fünf Monaten, beendet. Die Lösung, auf die sich alle Beteiligten geeinigt haben, heißt „Aufdopplung“. Das bedeutet, dass auf die 20 Dachsparren auf dem Westteil des Kirchenschiffs noch einmal so viele Sparren aufgebracht werden. „Wir müssen jeden Sparren einzeln keilförmig zuschneiden, um auf das richtige Maß zu kommen“, umreißt Helmut Franz das Problem.

Die Bauleute sind sauer auf die Architekten, denen im Zuge der Planung nicht aufgefallen war, dass die Neigungen des nach der Wende bereits ausgemauerten Ost- und des noch zu sanierenden Westgiebels nicht gleich sind. Offenbar hat niemand nachgemessen. So war erst, als die am Boden hergestellten Dach-Gebinde per Kran hochgezogen und montiert waren aufgefallen, dass der Dachstuhl nicht passte.

Er werde juristisch gegen die Bauplaner vorgehen und sich sein Geld zurück holen, kündigt Helmut Franz an. Denn bislang trägt die Baufirma die erheblichen Mehrkosten für das Aufsparren. Denn weder die Bauherren von der Hoffnungskirchengemeinde Oderbruch-Süd noch der rührige Förderverein für die Dolgeliner Dorfkirche sehen sich in der Lage, die Mehrkosten zu decken.

Der Mallnower Pfarrer Martin Müller hatte sich hinter die Baufirma gestellt und erklärt: Man habe viel Geld für eine Bauzeichnung bezahlt, die nicht stimmte. Das Argument des Architekturbüros, im Bauvertrag stehe, dass die Baufirma vorm Baubeginn nochmal nachmessen muss, wollte auch er nicht gelten lassen.

Auch wenn der Dachstuhl jetzt noch passgerecht fertiggestellt wird: Das Schließen des Daches sei in diesem Jahr nicht mehr möglich, sagt Helmut Franz mit Verweis auf das akute Wetterrisiko. „25 000 Biberschwänze aufzudecken und die Kupferverkleidung am Zwischengiebel anzubringen – das dauert Wochen“, erklärt der Lindendorfer Bürgermeister. Damit steht fest, dass der Dolgeliner Weihnachtsmarkt in der Kirche noch einmal unterm nicht ganz geschlossenen Dach stattfinden wird.

MOZ.de vom 01. November 2018

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