WIEDERAUFBAU DER MARIENKIRCHE GEHT IN DIE LETZTE GROßE PHASE

Sanierung

Der Glücksfall für Wriezen

Anett Zimmermann

Wriezen (MOZ) Wriezen. Mit einer Informationsveranstaltung über die nächsten Schritte beim Wiederaufbau der Wriezener Marienkirche ist zugleich der offizielle Baustart verkündet worden. Einheimische Handwerker wurden dabei am Freitag auch aufgerufen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen.

Blick zum Turm: Die Wriezener Marienkirche soll in den nächsten Jahren wieder geschlossen werden und ein flaches Zollingerdach erhalten.
© Foto: Anett Zimmermann

„Ohne Papierkram geht es leider nicht“, sagt Architekt Rainhardt Pavlitschek am Freitagnachmittag in der Marienkirche und fügt hinzu: „Wir wollen die Leistungen in vielen kleinen Einzellosen vergeben.“ Die Ausschreibung sei notwendig. „Wir haben Fördermittel bekommen“, erinnert er und steht auch im Anschluss an die Informationsveranstaltung noch für Fragen der anwesenden Unternehmer zur Verfügung. „Ich würde mir wünschen, dass diese Kirche mit der örtlichen Handwerkerschaft wieder aufgebaut wird“, erklärt er und findet auch in Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm (CDU) Unterstützung. „Wir können über die Internetseite der Stadt ebenfalls auf die Ausschreibung aufmerksam machen“, sagt Ilm.

Zuvor hat Rainhardt Pavlitschek, der die Maßnahmen an der Marienkirche seit 2007 begleitet, die anstehenden Arbeiten anhand zahlreicher Zeichnungen teils sehr detailreich erläutert. Klar, um das Interesse der Handwerker zu wecken. Auf den Plänen war auch das flache Zollingerdach zu erkennen, das sich der FDP-Stadtverordnete Werner Selle danach aber immer noch nicht so recht vorstellen konnte. Es wird letztlich tiefer als das bereits vorhandene Chordach liegen, von außen – so Pavlitschek – auch immer weniger zu erkennen sein, je näher man an die Kirche herankomme. „Zollingerdächer sind Flächentragwerke, mit denen man auch Kirchen wunderbar überdachen kann.“ Der helle Eindruck werde bleiben und an die bisher offene Kirche erinnern.

Es geht um geforderte zusätzliche Stellplätze, die über die Zufahrt zwischen Pfarrhaus und Turm erreichbar sein sollen, die Heizung, die Toiletten, natürlich auch behindertengerecht, die Winterkirche und die Stahl-Glas-Anlage, die den beheizbaren Bereich umgeben wird. Pavlitschek verweist auf Reserveplatz für eine Orgel oder einen Posaunenchor und spricht von einem „relativ behutsamen Umgang mit der historischen Bausubstanz“, beim Einbau der Decke über den jetzigen Gemeinderäumen schon mal von einer „Fummelei“. Generell sei noch einiges an Aufgaben zu lösen. So geht er davon aus, dass letzte Absprachen zum Jahresende getroffen sind, um die Planung fertigzustellen. Der Denkmalschutz werde dann aber auch die Arbeiten begleiten.

Rückblick: Ingo Mannigel, Vorsitzender des Fördervereins, zeigte in seinem Vortrag alte Ansichten und berichtete über die Maßnahmen seit 1991, darunter die Turmsanierung und die Errichtung des Chordachs.
© Foto: Anett Zimmermann

„Das Geld ist jetzt schon knapp“, antwortet der Architekt auf die Frage des Bad Freienwalder Regionalhistorikers und Museumsleiters Reinhard Schmook, ob die archäologischen Befunde nicht wenigstens zum Teil im Fußbodenbereich sichtbar bleiben können. Die Gesamtkosten seien 2015 auf etwas mehr als 3,4 Millionen Euro geschätzt worden. Die Preise hätten seither aber angezogen. Die Möglichkeit, die Kirche wieder ganz zu schließen, habe sich erst in den vergangenen drei, vier Jahren ergeben. „Das ist ein Glücksfall.“

Pfarrer Christian Moritz hatte zur Begrüßung von einem „Wunder und Wagnis“ gesprochen und vor allem auch der Stadt Wriezen gedankt, die mit einer Viertelmillion Euro dazu beigetragen habe, den Wiederaufbau überhaupt in Gang zu bringen. Bis 2021 – so das Ziel – soll dieser nun abgeschlossen werden.

Ingo Mannigel, Vorsitzender des Fördervereins, erinnerte in seinem Vortrag auch an die Unterstützung der Partnergemeinden in Westdeutschland. Allein 600 000 Euro habe die Badische Landeskirche für die letzte große Etappe zur Verfügung gestellt. Zudem habe man Ende 2015 einen Antrag auf Fördermittel aus dem EU-Programm Leader stellen können. Wie wichtig Geld ist, veranschaulichte er an dem zweimal zu DDR-Zeiten bereits vorgesehenen Abriss der Kirche. Aus Geldmangel sei dieser nicht realisiert worden.

Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen sollen demnächst auch noch einmal in einer Abendveranstaltung vorgestellt werden, sagte Martin Petzel vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum.

Kleine Zeittafel

MOZ.de vom 13. Oktober 2018

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