Pessin

Die Orgel ist zurück

In der Pessiner Dorfkirche hat eine der ältesten Ratzmann-Orgeln nach langer Restaurierung jetzt wieder eine Heimat gefunden. 100 000 Euro aus Fördermittel und Spenden kamen zusammen.

Organist Wieland Weinhold erklärte einigen Besuchern am Samstag bei einer Führung, wie die Orgel funktioniert.
Quelle: Astrid Wiebe
 
Besuch aus Hötzelsroda: Bernd Stephan, Gerlinde Stephan, Karin Felsberg, Gemeindepfarrer Christian Müller (v.l.).
Quelle: Astrid Wiebe
 
Die restaurierte Orgel schmückt das Kirchenschiff.
Quelle: Astrid Wiebe

Pessin Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so mucksmäuschenstill wurde es Samstag in der Dorfkirche Pessin, als Organist Wieland Meinhold aus Weimar die ersten Akkorde auf der neuen alten Kirchenorgel anstimmte. Nach einer zweijährigen, vollständigen Restaurierung wurde das fast 200 Jahre alte Instrument, das ursprünglich aus dem thüringischen Hötzelsroda bei Eisenach stammt, feierlich eingeweiht.

„Ich habe die Orgel das letzte Mal 1997 gehört, bei meiner Silbernen Hochzeit. Sie ist nicht wiederzuerkennen“, sagte Bernhard Stephan tief bewegt. Gemeinsam mit seiner Frau, dem Gemeindepfarrer und einer guten Freundin war der 67-Jährige extra aus Hötzelsroda angereist, um die alte Orgel in neuem Glanz zu sehen.

Förderverein hat sich engagiert

Das Instrument, das im klassizistischen Stil gehalten ist, wurde um 1821 von der renommierten Orgelbauerfamilie Ratzmann in Thüringen gefertigt und nach seiner Überführung 2016 nach Pessin in mühevoller Arbeit und mit großem Engagement wieder zum Leben erweckt.

„Mit der Sanierung konnte ein besonderes Kleinod erhalten werden. Dafür danken wir allen Menschen, Stiftungen und Institutionen, die sich an dem Projekt beteiligt haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins Dorfkirche Pessin Andreas Flender, der jeden Bauabschnitt der Restaurierung begleitet hat.

Ein Dank gelte der Orgelbauwerkstatt Eberswalde und Diplom-Restauratorin Annett-Xenia Schulz.

Mit Fördermitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien von 50 000 Euro, für die sich der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU) eingesetzt hatte, und mit privaten Spenden von weiteren 50 000 Euro wurde das stark reparaturbedürftige Gesamtkunstwerk aus Architektur, Technik und Klang wieder aufgebaut und schmückt nun die Empore des Kirchenschiffes.

32 neue Metallpfeifen

Im Vorfeld der feierlichen Einweihung, zu der die Evangelische Kirchengemeinde Havelländisches Luch geladen hatte, erklärte Wieland Meinhold der wissbegierigen Besucherschar den Aufbau und die Klangfarben der Orgel, die zurecht als „Königin der Instrumente“ gilt.

Die Fassade der Barock-Orgel erhielt 32 neu angefertigte Metallpfeifen und einen hellgrauen Anstrich mit dunklen, herausgearbeiteten Ornamenten und goldenen Verzierungen.

Der freistehende Spieltisch hat ein Manual mit 51 Tasten, zwölf Register, 27 mit den Füßen zu spielende Pedale und fast 700 Orgelpfeifen, die aus Metall und Holz gearbeitet sind. „Die Kleinste entspricht der Größe eines Bleistiftes, die Größte hat eine Höhe von zwei Meter vierzig. Wir mussten die Orgelpfeifen teilweise kröpfen, also biegen, damit sie nicht an die Kirchendecke stoßen“, erzählte Orgelbauer Andreas Mähnert, der die Klangfarbe jeder einzelnen Orgelpfeife aufeinander abstimmen musste. „Der ursprüngliche Orgelbauer hatte seine eigene Vorstellung, wie das Instrument klingen soll. Das haben wir versucht nachzustellen.“ Und das konnten die andächtig lauschenden Zuhörer bei dem grandiosen Orgelspiel von Wieland Weinhold genießen.

Wer die neue alte Orgel auch gerne einmal hören möchte, sollte sich den 28. Oktober vormerken. Da erklingt die Königin der Instrumente bei einem Gottesdienst zum nächsten Mal.

Von Astrid Wiebe

Märkische Allgemeine vom 03. Oktober 2018

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