Rosenau

Neue Glocken für Gollwitzer Kirche gegossen

Eine Passauer Firma hat am Donnerstag neue Glocken für die Dorfkirche in Gollwitz bei Warchau gegossen. „Ein Moment, wie er nur alle 300 Jahre vorkommt“, sagt jemand, der dabei war.

Der Moment des Glockengießens in Passau.
Quelle: Werner Fräßdorf
 
Die Kirche in Gollwitz (Gemeinde Rosenau) am Rande des Landkreises Potsdam-Mittelmark.
Quelle: Christine Lummert

Gollwitz Es ist ein einmaliges Ereignis über mehrere Jahrhunderte: Zwei neue Glocken für die Dorfkirche in Gollwitz bei Warchau haben Mitarbeiter einer Passauer Firma am Donnerstagnachmittag gegossen. Es ist ein Moment, „wie er nur alle 300 Jahre vorkommt“, sagt Werner Fräßdorf vom Förderverein Gollwitzer Dorfkirche. „Je näher der Guss kam, desto emotionaler sind wir geworden.“ Sekunden, bevor das 1100 Grad heiße Gussmaterial in die Glockenform floss, nahmen die Anwesenden ihre Schutzhelme ab und der Gussmeister sprach das Vaterunser. „Das war ein bewegender Moment für uns alle, einigen von uns standen die Tränen in den Augen“, sagte Werner Fräßdorf, der natürlich auch mit nach Passau zu der Glockengießerei Perner GmbH gereist war, um diesen feierlichen Moment mit zu erleben.

Der Gussmeister spricht das Vaterunser

Auf dem Gelände der bayerischen Firma, die sich auf das Glockengießen spezialisiert hat, stehen bereits viele fertige Glocken als Schauexemplare. Anderthalb Stunden vor dem eigentlichen Moment laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Der Ofen wird angefeuert, bis die Temperatur erreicht ist. Sobald das Material auf 110 Grad erhitzt ist, muss die Form befüllt werden. „Es ist nicht möglich, das Material warten zu lassen“, so Glockengießer Rudolf Perner. In dem Betrieb werden mehrere Tonnen Bronze für Glocken geschmolzen. Nicht selten ist auch ein Pfarrer bei der Schaffung neuer Glocken dabei, um diese zu segnen. „Der Glockenguss selbst beginnt mit dem Anstich des Ofens“, so Perner. Das flüssige Metall wird dann in einer Grube eingelassenen Form geleitet. Dieser Augenblick entscheidet über das Gelingen des ganzen Arbeitsprozesses.

In diesem Moment muss absolute Ruhe herrschen. Schon leichte Erschütterungen können den Prozess gefährden. Auch für die Mitarbeiter der Firma sei der Tag des Glockengießens ein besonderer, teilt Rudolf Perner mit.

„Es hat geklappt“, so Werner Fräßdorf. Eine Woche lang muss nun das Material aus Bronze, Kupfer und Zinn in der im Boden versenkten Form aushärten. Später werden die jeweils rund 250 Kilogramm schweren Glocken per Lastwagen von Passau nach Gollwitz transportiert. Etwa Mitte Oktober werden sie dann geweiht. Die Glocken sind rund 80 Zentimeter im Durchmesser groß und etwa ebenso hoch.

Im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen

Nötig sind die neuen Kirchturmglocken, weil die bisherige zu zerspringen drohte. Im Ersten Weltkrieg waren die ursprünglichen beiden Glocken eingeschmolzen worden. Der deutschen Rüstungsindustrie waren die Rohstoffe ausgegangen. Aus den Glocken wurden Granaten und andere Kampfmittel.

„Nach dem Krieg haben 1919 beherzte Bürger Geld gesammelt und so konnte eine Stahlglocke gegossen werden“, berichtet Werner Fräßdorf, der natürlich ebenfalls nach Passau gereist war, um dem feierlichen Moment des Glockengießens mitzuerleben. „Solche Stahlglocken halten in der Regel 100 Jahre. Unsere ist nach einer Prüfung durch den Glockensachverständigen der Landeskirche außer Dienst gestellt worden.“ Zu groß war die Gefahr, dass sie hätte zerspringen und Menschen verletzen können.

Deswegen ist das Gollwitzer Gotteshaus nun seit einiger Zeit „ganz still“, so Fräßdorf. „Und eine stille Kirche ist wie Kuchen ohne Zucker.“

Eine Investition von rund 30.000 Euro

15.000 Euro kosten die beiden Glocken. Weitere 15.000 bezahlte der Verein für den neuen Glockenstuhl und elektronische Läutetechnik. Für die beiden neuen Glocken kamen insgesamt 22.000 Euro von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und Lottomitteln des Landes Brandenburg. „Die übrigen 8000 Euro sammelten wir als Spenden bei unseren Konzerten, am Tag des offenen Denkmals, durch den Verkauf kleiner Getränke und Speisen und durch die Kollekte.“

Die Dorfkirche in Gollwitz bei Warchau ist rund 850 Jahre alt und damit eines der ältesten Gotteshäuser in der Mark. Seit Jahren engagiert sich ein sehr aktiver Förderverein für den Erhalt des Bauwerks und sammelt Spenden.

Von Marion von Imhoff

Märkische Allgemeine vom 21. September 2018

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