IM TURM DER KERKOWER KIRCHE HAT DER PILZ GEWüTET / ALTE BALKEN UND FACHWERKTEILE MüSSEN RAUS

Kirchensanierung

Alles voller Schwamm

Oliver Schwers

Kerkow (MOZ) Sein altes Gesicht bekommt der Kirchturm von Kerkow zurück. Die in den 70er Jahren abgebrannte Haube soll wieder weithin sichtbar sein. Doch die Sanierung des Denkmals birgt Überraschungen. Der Zustand des Bauwerks ist schwieriger als gedacht.

Bauberatung im Inneren des Kirchturms von Kerkow: Ralf Hahne (l.) von der Baufirma, Bettina Krassuski (Architektin) und Statiker Norbert Popper begutachten jeden einzelnen Balken. Sogar der Glockenstuhl muss abgestützt werden.
© Foto: Oliver Schwers
 
Eingerüstet: Die Sanierung des Denkmals ist aufwendig. Die Schäden am Turm sind größer als zuvor vermutet.
© Foto: Oliver Schwers

Stirnrunzeln. So beginnen die Bausitzungen auf dem Kirchhof von Kerkow. Stirnrunzeln bei der Architektin, beim Statiker und bei der Baufirma. Kernfrage: Wie bekommt man dicke neue Balken durch ein mittelalterliches Feldsteinmauerwerk hindurch, ohne viel Schaden anzurichten? Genau das müssen die Kirchensanierer meistern. Es wird nicht einfach. Doch die alte Konstruktion, vermutlich noch aus der Bauzeit vor rund 700 Jahren, muss raus. Obwohl die Balken für ihr Alter in einem offensichtlich hervorragenden Zustand sind, halten sie den Turmaufsatz samt Glockenstuhl nicht mehr. Denn die Probleme liegen im Detail. Im Mauerwerk, dort wo die Konstruktion aufliegt, hat der Hausschwamm das Holz im Laufe der Zeit verspeist. An einigen Stellen sogar so, dass Eile geboten ist. Also hat Architektin Bettina Krassuski vom Planungsbüro ALV aus Angermünde die Fachwerk-Aussteifungen im Inneren des Turms flächendeckend entfernen lassen. Sie müssen jetzt in gleicher Art und Weise wieder hergestellt werden. „Fachwerk und Mauerwerk waren vollständig verschwammt“, schildert Bettina Krassuski. „Das hätte man nicht gedacht. Und es hat sich erst bei genauerem Hinsehen gezeigt.“ Jetzt müssen die Wände mit Mauerwerkssperren gegen erneuten Pilzbefall gesperrt werden.

Der Bau verzögert sich. Nächste Schwierigkeit: Die benötigten Holzbalken-Querschnitte sind nicht so leicht zu bekommen. Überall boomt es auf dem Bau. Eigentlich will Bettina Krassuski den Turm als ersten Bauabschnitt noch in diesem Jahr fertigstellen lassen. Ist das zu schaffen? Stirnrunzeln.

Rund 250 000 Euro kostet dieser Teil der denkmalgeschützten Kirche, die zu den architektonisch und kulturhistorisch wertvollsten der Region zählt. Schon während der Erbauungszeit haben hier Handwerker sehr sorgfältig gearbeitet. Mauerwerk, behauene Feldsteine und die Turmkonstruktion schließen auf eine damals finanziell gute Ausstattung.

Im nächsten Jahr soll dann das Dach des Kirchenschiffs folgen. Hier hofft die Architektin auf einen etwas besseren Zustand der Balkenköpfe. Dafür dürfte das Stirnrunzeln bei der bevorstehenden Restaurierung der von innen sichtbaren bemalten Deckenbalken einsetzen. Ohnehin zeigt das Innere von Kirche und Chor eine besondere Atmosphäre. Allerdings ist die einmalige Farbgebung stark verrußt. „Eine sehr schöne alte Kirche, die ihre Schönheit erst im Inneren entfaltet“, so Bettina Krassuski. „Man sollte sie mehr der Öffentlichkeit präsentieren.“

Genau das wollen die evangelische Kirchengemeinde und der Kerkower Freundeskreis erreichen. Während die eine Seite einen hohen finanziellen Eigenanteil für die Sanierung leisten muss, sammeln die Kirchenfreunde Geld für die Uhr und die Ausstattung. Finanziert wird ein großer Teil der Kosten aus dem sogenannten Staatskirchenvertrag. Unterstützung leisten die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Stiftung KiBa sowie der Landkreis Uckermark.

Auch bei der Uhr wieder Stirnrunzeln. Eigentlich ist die gar nicht mehr vorhanden, wenn auch die verrosteten Zifferblätter an der Fassade noch weithin zu sehen sind. Es muss ein neues Uhrwerk installiert werden.

Der Traum vieler Kerkower von der früheren hölzernen Turmhaube, die dem verheerenden Feuer zum Opfer fiel, erfüllt sich nun. Sie entsteht nach historischem Vorbild komplett neu. Wenn sie wieder oben sitzt und in die Landschaft blickt, haben die Handwerker damit gleichzeitig nach so vielen Jahren die letzten Schäden des Blitzeinschlags von 1974 behoben.

MOZ.de vom 13. September 2018

   Zur Artikelübersicht