Havelland

Eulen, Falken und Dohlen mögen Kirchtürme

Als erste im Osthavelland wurden die Kirchgemeinden in Pessin und Brädikow mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ geehrt. Damit werden die Bemühungen um den Artenschutz gewürdigt. Die nächste Ehrung gibt es am Sonntag in Tremmen.

Konrad Bauer vom Nabu brachte am Kirchturm in Pessin die Plakette an. Dort gab es diesmal keine Eulenbrut, dafür aber in Brädikow.
Quelle: Jörg Sommer

Havelland Mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ sind jetzt die Kirchengemeinden Pessin und Brädikow vom Naturschutzbund, Regionalverband Osthavelland, und dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen ausgezeichnet worden. Damit wurden die Bemühungen um den Artenschutz für die drei gefährdeten Vogelarten Dohle, Turmfalke und Schleiereule gewürdigt. Der Kirchengemeinde Tremmen soll nun am kommenden Sonntag als dritte Gemeinde im Osthavelland ebenfalls diese Ehre zu teil werden.

Der Kirchturm in Tremmen wurden 2017 mit sechs artspezifischen Nistkästen für die drei Vogelarten neu ausgestattet. Die drei Turmvogelarten sind sogenannte Kulturfolger, die gern in hohen Kirchtürmen, wenn sie denn einen Zugang zu Brutplätzen finden, brüten. Die Kirchtürme bieten allen drei Turmvögeln einen ruhigen und störungsarmen Brutplatz. Ebenso wurden beispielsweise in den Gotteshäusern in Wernitz, Wachow oder Bredow erfolgreiche Bruten registriert.

Ein gutes Dohlenjahr

„Wir betreuen insgesamt 46 Nistkästen in 21 Kirchen. In neun Kästen hatten wir diesmal das Glück, dass dort erfolgreich gebrütet worden ist“, sagt Konrad Bauer, der die Arbeitsgruppe leitet, die sich speziell mit den drei Vogelarten befasst. „2018 ist vor allem ein gutes Dohlenjahr, wir sind sehr zufrieden“, sagt er. Waren es im vorigen Jahr noch 17 Jungvögel, die die ehrenamtlichen Nabu-Mitarbeiter bei Kontrollen angetroffen haben, so sind es in diesem Jahr schon 45 gewesen. Dies hänge aber auch damit zusammen, dass in der jüngsten Vergangenheit an mehreren Standorten 30 Nistkästen für Dohlen neu angebracht worden sind.

Das ist manchmal nicht so einfach, denn nicht überall sind die Dohlen gern gesehen. Sie schleppen nämlich viel Nistmaterial an, können somit reichlich Dreck machen. „Deshalb bauen wir die Nistkästen jetzt so an, dass die Vögel gar nicht erst in den Kirchturm gelangen, sondern direkt in den Nistkasten“, sagt Konrad Bauer.

Nistkästen auch in Scheunen

Er freut sich über jedes Angebot, auch von Privatleuten. Unter anderem deshalb, weil im vergangenen Jahr der Sturm im Herbst eine Menge Pappeln umgelegt hatte, die bis dahin als Brutgelegenheiten dienten. So werde man demnächst noch vier Dohlenkästen bei Privatleuten in Friesack in einer Scheune anbringen. Die Kirche in Pessin hatte vor zwei Jahren vier neue Dohlenkästen erhalten. Eine der größten Dohlenkolonien in der Umgebung beherbergt übrigens die Jacobi-Kirche auf dem Nauener Luther-Platz.

Türme sollten ruhig gelegen sein

Aber auch für die Schleiereulen sind Kirchtürme interessant. „Aber nur, wenn sie ruhig gelegen sind. Sonst nehmen sie die Nistkästen nicht an“, sagt Bauer. 22 junge Schleiereulen haben die Nabu-Akteure in diesem Jahr gezählt und ebenso viele junge Turmfalken. Damit liegen die Zahlen in etwa im Schnitt der vergangenen Jahre. Aber nicht nur in Kirchen sorgen die Nabu-Akteure für Brutgelegenheiten, sondern auch in alten Trafo-Häuschen und in Scheunen.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine vom 10. September 2018

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